§ 1565 BGB

KurzgeschichteAllgemein / P6
Dr. Anja Licht Franz Hubert
02.03.2019
02.03.2019
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§ 1565 Abs. 1 Satz 1 BGB „Eine Ehe kann geschieden werden, wenn sie gescheitert ist.“

Scheitern oder Misslingen. Keine Aussicht auf Erfolg. Alles Wörter, die den Grundgedanken, des ersten Satzes des Paragraphen des  Bürgerlichen Gesetzbuches wiedergeben. Ach zefix... Verreck, wieso wir? ... Wieso?...Wieso ich? Du hast doch damals noch zu mir gesagt, für immer! Bis das der Tod uns scheidet! Und nun? Nun hast du diesen verdammten Satz aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch umgesetzt. DU. Ja, DU bist zum Anwalt gerannt und hast unsere Scheidung beantragt. Die Lebensgemeinschaft besteht nicht mehr. Das hast du angeben, weil du es nicht mehr mit mir aushältst. Weil ich deiner Meinung nach „ a older Grandler“  bin, der dich nicht wertschätzt. Woher nimmst du das?
Wie heißt es noch so schön im BGB weiter: „Eine Ehe ist gescheitert, wenn die Lebensgemeinschaft der Ehegatten nicht mehr besteht und nicht erwartet werden kann, dass die Ehegatten sie wiederherstellen.“
Vor gut einem Jahr bist du ausgezogen. Hast unser Zusammenleben unerwartet abgebrochen. Wir hatten mal wieder gestritten, wie so oft in diesen Tagen, und dann hast du es mir an den Kopf geworfen, dass du gehst und nicht mehr wiederkommst. Kurze Zeit später hattest du dann einen gepackten Koffer die Treppe runter gehievt. Ich dachte, das sei ein Scherz deinerseits. Als du dich auch nach zwei Wochen noch nicht bei mir gemeldet hattest, wusste ich, es war kein Witz. Deine Aussage war purer Ernst. Mir wurde schon in diesem Moment klar, dass es nie wieder so werden würde, wie es einmal war. Dein helles Lachen würde nie wieder mein Elternhaus erfüllen. Du wollest dein Leben nicht mehr mit mir leben. Aus „Uns“ wurde wieder ein „Ich“. Seitdem lebte ich noch verbitterte vor mich hin. Lebte von Tag zu Tag. Von Minute zu Minute. Ich hatte keinen Antrieb mehr. Die Bilder, welche überall in der Wohnung verteilt waren, musste ich schweren Herzens in einen Karton in den Keller räumen, weil ich den Anblick von meinem und vor allem von deinem Antlitz nicht ertragen hatte. Ich verband so viel damit. Du warst...Nein, du bist die Liebe meines Lebens. Den Weg zur Mülltonne, hatte ich gar nicht in Erwägung gezogen, weil du mir ja noch so viel bedeutest. Wegschmeißen kam demnach für mich nie in Betracht. Außerdem trug ich doch sowieso die Erinnerungen, an vergangene Tage, für immer in meinem Herzen. Sie waren ein Teil von mir. Ein Teil von uns. Sie waren unser Vergangenheit, welche ich nicht missen und am liebsten wieder haben möchte. Ja, ich liebe dich noch immer. Mittlerweile hatte ich es mir eingestanden, dass ich dich wohl noch mein restliches Leben lieben würde und ich es wohl verbockt hatte, dass diese Liebe einseitig wurde.

Jetzt sitz ich hier. Allein. Auf unserem Sofa. Noch mit meiner Uniform hatte ich mich setzen müssen, als ich das Anwaltsschreiben, eben nach Dienstschluss, aus meinem Briefkasten genommen hatte.  Mir war sofort bewusst, dass es das Schreiben war, welches ich immer verdrängt hatte, dass es kommen würde. Wieso auch sonst, sollte mir ein Rechtsanwalt schreiben... Ich wollt dich nicht verlieren. Ich liebte dich doch. Dass ich dich aber bereits verloren hatte, sagte mir schon der klare Verstand. Erneut wurde mir bewusst, dass nichts mehr so werden würde, wie es einmal war. Ein „Uns“ gab es nicht mehr. Wir waren jetzt wieder Einzelkämpfer. Einzelkämpfer in einer Welt, die hart und grausam war. In einer Welt, in welcher man sich nach Frieden, Geborgenheit und Liebe sehnte. Eine gegenseitige Liebe, die uns abhanden gekommen ist - sagst du zumindest. Verstohlen rannte eine Träne über meine Wange und tropfte auf die Papiere vor mir und wich jenes an der Stelle sofort auf. Eine Zweite und kurz darauf eine Dritte folgten. Ich konnte sie nicht unterdrücken. Wenn du es nur sehen könntest, dass dir mein Herz noch immer gehört und ich alles, wirklich alles, für dich tun würde. Alles. Aber nein... Mein Blick richtete sich auf die Zeilen vor mir. Verbissen presste ich meine Lippen aufeinander. Sei stark, Franz. Ich schüttelte über mich selber meinen Kopf. Ich konnte nicht. Ich konnte nicht stark sein. Nicht in diesem Moment, der mein Herz endgültig in zwei riss. Die salzige Flüssigkeit lies die Wörter vor mir nur so verschwimmen. Wieso wir?  Kurz schnäuzte ich mich und wischte mir selbst die Tränen von den Wangen, bevor ich jedes Wort zweimal lesen musste, weil ich es nicht wahr haben wollte, dass du wirklich so weit gegangen bist. Das du einen Scheidungsantrag eingereicht hast. Dass du selbst, vor diesem Schritt, bei dir zuhause bitterlich geweint hattest, wusste ich nicht und das sollte ich auch nie erfahren. Ich konnte nur für mich sprechen, und das war schon schwierig genug. Meine Gefühle in Worte zu fassen war unmöglich. Und das, obwohl ich deiner Meinung nach doch der Grund war.  Ich sollte jetzt also meine Zustimmung geben, dass ich einverstanden war, dass unsere Scheidung ein Aktenzeichen des Familiengerichtes werden würde. Du hast es damals also wirklich ernst gemeint.  Bitter ernst. Du möchtest die Scheidung von mir, dem olden Grantler, weil ich keinen Platz mehr in deinem Herzen besitze - meinte ich. Tief atmete ich ein, ehe ich  meine Unterschrift auf die letzte Seite platzierte. Ich hatte der Scheidung zugestimmt. Der Scheidungsprozess wurde nun endgültig ins Rollen gebracht und wir waren bald EX-Mann und EX-Frau. Meine Augen quollen nur so vor Wasser über und ich ließ den Kugelschreiber zitternd auf dem Wohnzimmertisch fallen, ehe ich mich weinend auf der Couch zusammenrollte und meiner Trauer hingab.
Es war besiegelt, wir werden geschieden.
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Einen schönen Samstag-Mittag!
Über ein kleines Feedback, bzw. über Verbesserungsvorschläge würde ich mich sehr freuen.
Liebe Grüße
Vivoperlei
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