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train of stupid thoughts

von Kademlia
OneshotDrama, Familie / P12
Beth Smith Jerry Smith Jessica Morty Smith Rick Sanchez Summer Smith
01.03.2019
01.03.2019
1
963
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Dieses Kapitel
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01.03.2019 963
 
Anm. d. Aut.: Dieser One Shot wurde zu dem Wettbewerb Was wäre gewesen? verfasst. Anzahl der Wörter: 942



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Das Haus glänzt und jegliche Indizien einer Party sind verschwunden. Summer und Morty liegen dösend auf dem Sofa und kurieren sich von der anstrengenden Arbeit aus. Allerdings hatten sie dabei so viel Spaß, wie schon lange nicht mehr. Hier und da eine kleine Stichelei, oder sogar Rangelei, hat die Energie der beiden ganz schön ausgezehrt.
   Die Fenster sind, dank der Vorhänge, verdunkelt und Rick stellt sicher, dass die beiden nicht durch das herein scheinende Licht geweckt werden. Er würde es zwar nie zugeben, aber irgendwo sind ihm die beiden doch ans Herz gewachsen. Und das ist etwas, was ihm so ziemlich gegen den Strich geht. Denn, wenn einem Menschen jemand anderes wichtig wird, wird derjenige von unnötigen Gefühlen benebelt, die einem das Leben kosten könnten.
   Noch ein letztes Mal betrachtet er die beiden friedlich schlafenden Jugendliche, ehe er sich den Flachmann aus dem Kittel kramt und sich einen großen Schluck genehmigt. Danach verschwindet er in die Garage und schließt langsam die Tür. Mit einem kleinen Seufzen setzt er sich an seinen Schreibtisch und betrachtet die Kuriosität vor ihm. Eine von vielen Erfindungen, die ihm in Zukunft wohl möglich den Arsch retten würde. Daneben steht eine angebrochene Flasche Wein, welche er sich auch schon schnappt und den Inhalt auf Ex runter kippt. Als er die Flasche wieder senkt, erblickt er ein Bild auf dem Schreibtisch. Das Glas hält ein altes Foto von Morty im Rahmen, als er noch ein Baby war. Sofort merkt Rick, wie Gefühle hochkommen. Bewegende Gefühle, die Rick nicht zulassen möchte.
   Mit einem genervten Seufzer legt er das Bild auf die Platte seines Schreibtisches. Genau das möchte er gerade nicht sehen. Klar, sie haben sehr viel Spaß gehabt, seitdem die Zeit angehalten wurde und sogar die Abenteuer davor waren unterhaltsam. Auch er selbst hatte Spaß und es keimten Gefühle auf, die lange verdrängt oder sogar verschollen waren. Es waren Gefühle, die er niemals wieder spüren wollte. Seit dem Tod seiner Frau wollte er eigentlich gar nichts mehr spüren. Nur noch den brennenden Alkohol in der Kehle.
   Der alte Mann versucht noch letzte Tropfen aus der Flasche zu saugen, ehe er diese enttäuscht auf den Tisch knallt. Seit wann schert er sich um Gefühle? Der Alkohol zeigt langsam seine Wirkung und der alte Mann merkt, wie ihm schwummerig wird. Dennoch ist er der Meinung, dass er die nächste Flasche Wein ruhig anbrechen könnte. Er will schließlich die hart arbeitenste Leber des Universums auf Trapp halten.
   Jedoch geht ihm das Bild von Morty nicht mehr aus dem Kopf. Egal wie viel er trinkt oder versucht, sich abzulenken, er kann den Anblick von seinem Enkel als Baby nicht mehr aus dem Kopf bekommen. So sehr er auch versucht, dagegen anzukämpfen, die verdammten Gefühle verschwinden nicht. Und mit den Gefühlen ziehen auch Gedanken einher.
   Was wäre, wenn er niemals zurück zu seiner Familie gekehrt wäre? Wenn er nicht mehr zu seiner Tochter gezogen wäre? Beth und ihr idiotischer Mann hätten womöglich dennoch Probleme in ihrer Ehe gehabt. Jerry schadet seiner lieben Beth, da ist sich Rick sicher. Schließlich sind es seine Gene, die er an Beth vererbt hat und diese macht dieser Hohlkopf namens Jerry nur zunichte. Aber wer weiß. Vielleicht stünde die Ehe viel eher auf der Kippe, wenn Rick nicht wäre. Oder auch erst in einigen Monaten, wenn nicht sogar Jahren.
   Was Summer anbelangt, so wäre sie stets der genervte Teenie gewesen. Selbst, wenn Rick nicht wieder gekommen wäre, würde sie, wie wohl viele andere Jugendliche auch, schwer zu kontrollieren sein. Dennoch spielt es eine Rolle, dass ihr Großvater wieder bei ihnen lebt. Denn so hat sie hier und da ein Ventil, um ihre angestaute Wut heraus zu lassen. Oder, um sich abzulenken. Der betrunkene Mann kann nur Mutmaßen, aber es macht für Summer bestimmt einen Unterschied. Vielleicht sogar im positiven Sinne. Auch, wenn Rick für den Tod ihres Schwarms zuständig war, aber das sei außer Acht gelassen.
   Und Morty… Morty würde wohl in der Langeweile versinken, die von dem Schulalltag ausgeht. Keine Abenteuer oder verrückten Erfindungen, die ihm seine Begierde namens Jessica näher bringen. Keine Ausflüge in andere Dimensionen oder Vorwürfe, was man alles schreckliches getan habe.
   Wäre Rick nicht wieder zurück zu seiner Tochter gekehrt, wäre all das nie passiert. All diese bescheuerten Gefühle lägen immer noch auf einem schaurigen Friedhof in Ricks Herzen. Er hatte sich geschworen, sich nie wieder etwas oder jemanden so hinzugeben. Aber verdammt. Es macht Spaß. Er empfindet Freude und Empathie. Bei jeder neuen Erfindung kann er es kaum erwarten, sie Morty zu zeigen. Sie auszuprobieren. Sich gemeinsam in Gefahr zu begeben und sich Mortys Ängsten zu stellen. So ein Mist.
   Ein weiterer Schluck des kostbaren Weins fließt seine Kehle hinunter und der Alte versucht, seine Gedanken im Zaum zu halten. Wäre er nicht gewesen, wäre Morty wahrscheinlich ein unglücklicher Junge geworden, der niemals an seine erste große Liebe ran kommt oder generell ein Erfolgserlebnis haben würde. Klar, Rick streitet nicht ab, dass Morty auch mit ihm ab und zu mal unglücklich, sauer oder enttäuscht ist. Aber so hat der Junge Abwechslung. Er sieht die Welt und so vieles, was für normale Menschen verwehrt bleibt. Andere Dimensionen und Möglichkeiten. Alternative Versionen von sich selbst und fremde Welten.
   Ganz klar: Morty profitiert davon, dass Rick zu seiner Familie zurückgekehrt ist. Auch, wenn es nicht immer so den Anschein macht. Rick weiß, dass es eine gute Entscheidung war. Und er würde es nie bereuen. Außer Jerry zerstört seine Familie. Dann würde er ihn zur Hölle schicken und abdampfen. Aber sonst. Sonst ist Rick einfach nur froh, bei seiner Familie zu sein.
   »H-Hey,Rick. Hast du kurz-«
   »Raus hier, Morty!«
Auch, wenn er es niemals zeigen würde.
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