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GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12 / Gen
01.03.2019
28.02.2021
74
63.572
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Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
12.08.2019 452
 
Tagebucheintrag, 26. Dezember 2018, 21.44 Uhr, Zug

Bei Papa war es wie immer. Also Sabine und Marlene waren nicht da, sondern noch bei ihren Eltern, Papa ist extra für mich früher aus dem Schwarzwald zurückgekommen. Das ist ein Sieg auf ganzer Linie, weil Marlene halt eine nervige Dreijährige (Fünfjährige?) ist und Sabine immer versucht, cool zu sein, während Papa in Sabines Anwesenheit immer versucht, wie ein Papa zu wirken. Papa ist halt kein Papa. Also biologisch schon und für Marlene bestimmt auch, aber für mich war er halt einfach immer nur da. So 'ne Mischung aus 'nem verschrobenen Opa, der sich immer freut, wenn ein gemeinsames Thema findet, und dem coolen Onkel, der mit seiner „Lasst das Mädchen sich doch austoben“-Stimmung in der Ecke steht und so tut, als wüsste er genau, wie sich eine acht-, zwölf-, fünfzehn, oder eben 21-jährige fühlt. Ich war gerne bei Papa, wir tranken Whiskey, rauchten die Zigarren, die ich ihm geschenkt hatte, schauten wie immer Monty Python und erzählten möglichst unverfängliche Anekdoten aus unserem Leben, später dann auch mal was richtiges. Ich fuhr so zu Papa, wie andere Kinder zu Oma und Opa fahren. Machen was man will, ein mit sinnlosen Traditionen überzogener Abend und irgendwie ist man beim Abschied dann doch nicht traurig. Gleichzeitig ist es einfacher mit Papa zu reden als mit Mama.

Noch eine Stunde bis Berlin.

***

Tagebucheintrag, 26. Dezember 2018, 22.25 Uhr, Berlin

Henni und Elias holten mich ab, Elias hielt ein Schild, das förmlich „Henni“ schrie, aber sie tat, als würde sie es zum ersten Mal sehen. „Taratata, Tara ist wieder da“ stand drauf und ich fing beinahe an zu heulen. Ich vergesse manchmal, wie wichtig die beiden sind. Aber ich habe über zwei Jahre mit ihnen zusammengewohnt, ich weiß alles über sie, sie wissen alles über mich und klar, François, Sem, nette Typen, aber entfernte Bekannte im Vergleich zu Henni und Elias.

„Ich hab euch so vermisst. Und diesen Bahnhof“, und meine Stimme versagte und ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen wollte, weil ich war wieder in Berlin und das ist halt meine Stadt und ich hasst diesen beschissenen Hauptbahnhof. Henni nahm meine Pflanze, Elias die Tasche mit den Schlittschuhen, wir überlegten, ob wir morgen nach Rübezahl fahren sollten, vielleicht war die Schlittschuhfläche da in Ordnung und dann lachten wir, stiegen in die S-Bahn und fuhren zu Elias nach Hause. Dass Henni über Nacht bleiben würde, verstand sich wohl von selbst, wenn man überhaupt von Nacht reden wollte, weil wir eigentlich vorhatten bis mindestens sechs Uhr morgens unterwegs zu sein, betrunken an der Spree entlang, Rauch in der Lunge, Alkohol im Blut, und uneingeschränkt glücklich. Wie immer halt.

Berlin.
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