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Die Suche

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P12 / Gen
01.03.2019
28.02.2021
74
63.572
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Dieses Kapitel
1 Review
 
15.06.2019 613
 
14. Dezember 2018, 22.25 Uhr, Nickle's

„I like, that you're so hopeful“, sagte Harry. Klang wie ein kitschiger Satz aus einem Jugendroman.
„I'm the exact opposite of hopeful.“
„And yet you're still here.“ Stimmt. Ich trug sogar Elliotts Hut.
„I guess, I am.“ Ich malte einen Smiley auf mein Bierglas. Das half mir normalerweise über die Stimmungstiefs beim Alkoholkonsum hinweg. Heute nicht. 61 Tage waren vergangen, seit ich Elliott hier getroffen hatte. Das waren genau zwei Monate. Und diese Tatsache spiegelte sich in meiner Stimmung. Und in meiner Fähigkeit, Harry und mich selbst drei Stunden lang zu unterhalten. Harry war in den letzten zwei Monaten netter geworden, aber Harry war halt auch ein grumpy Barkeeper, unterhaltungstechnisch ging da also nicht viel.

„I'm really bad company today. Sorry.“ Ich fühlte mich eigentlich nicht betrunken, aber als ich kurz auf Klo wollte, war es unerwartet schwierig, den Barhocker zu verlassen, ohne umzukippen. Die Sorge in Harrys Blick und das abschätzige Mustern der Trulla neben mir, machten das nicht besser.

„Three months, isn't it? You know, that I'm always happy to see you, right?“, versuchte er unser Gespräch netter zu machen. Den Versuch konnte ich schätzen, mehr aber auch nicht.
„Two months and yeah, I know..“
„Haven't you got another guy? You're pretty awesome.“
„Thanks. I slept with a guy on a party, who also wore a hat.“ Ich lachte mein humorlosestes Lachen und fühlte mich direkt noch beschissener.
„Okay“, murmelte er und war direkt ein bisschen peinlich berührt von meiner unangebrachten Ehrlichkeit. Ich schob ihm mein leeres Glas zu. Er zögerte, bevor er es wieder auffüllte.

Noah war jetzt halt auch einen Monat her. Leben ohne Sex ist tatsächlich nicht so schlimm, wie ich gedacht hatte. Also klar, Sex ist nice, aber eigentlich fehlt mir viel mehr diese romantisch-kitschige Geborgenheit, die meinen Charakter laut Henni so schön kontrastiert. Henni hat bald Geburtstag. Darf ich nicht vergessen, Henni nimmt so was persönlich.

„Do you want to hear a funny story?“, versuchte ich neue Dynamik ins Gespräch zu bringen, schaute dabei aber vor allem den Smiley auf meinem Bierglas an.
„Sure.“ Harry warf mir kurz einen erwartungsvollen Blick zu und kümmerte sich dann um einen ungeduldig wartenden Typen zwei Barhocker weiter. War ganz gut, ich musste mich erst mal sammeln. Mein Kopf war schon den ganzen Abend leer. Und ich zuckte jedes Mal zusammen, wenn jemand zur Tür reinspazierte. Mir fiel keine Geschichte ein. Harry stellte sich wieder vor mich.
„Complete blackout. I had a really fun night this wednesday, but somehow all stories have now left my brain.“ Harry war Barkeeper. Harry kannte traurigere Gestalten als mich, also störte ihn das nicht. Harry musste auch eigentlich arbeiten, vielleicht war es ganz gut, dass ich ihm ausnahmsweise nicht meine Lebensgeschichte erzählte.

Die Tür ging auf, ich fuhr herum und fiel von meinem Barhocker.

Wie zu erwarten war es nicht Elliott und Harry weigerte sich danach mir noch ein Bier zu machen - Barkeeperkodex, nannte er das. Ich bestand darauf, bis Mitternacht in der Bar zu bleiben. Ich bekam dann doch weiter Bier, aber mit unverhältnismäßig langen Pausen zwischen jedem Glas. Shots waren Tabu. Und Harry wollte mich auch nicht allein nach Hause gehen lassen, als es dann schließlich nach Mitternacht war und meine Hoffnung Elliott heute doch zu treffen endgültig in Alkohol ertränkt worden war. Er glaubte mir auch nicht, als ich so tat, als würden Freunde vor der Tür stehen, um mich abzuholen. Ich rief also François an. Im Nachhinein guter Move von Harry, der heute viel weniger grumpy und dafür sehr verständnisvoll unterwegs war.
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