Schwarzweiß

KurzgeschichteRomanze, Angst / P16 Slash
01.03.2019
18.03.2019
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Zu allem Überfluss fielen auch die restlichen Stunden aus. Albus hatte sich schon so sehr auf Verwandlung gefreut.. Er hätte nie gedacht, dass er sich jemals über so etwas beschweren würde. Aber der Unterricht machte ihm wirklich Spaß.

Doch in diesem Fall hatte er wohl keine Wahl. Black war anscheinend der Meinung, wenn schon die Hälfte der Schüler kein Unterricht haben würde, da sie den ganzen Tag mit Schmücken verbracht haben, dann hätte es sich die andere Hälfe ebenso verdient. Albus konnte seine Zimmerkameraden vor seinem inneren Auge schon herumwüten sehen. "Aber wir sind extra früh aufgestanden!?"

Er hatte seine Robe aus dem Zimmer geholt, da er diese früh am Morgen dort liegen gelassen hatte. Da nun die kalten Tage begannen, war er von seinem Pullunder zum Sweater gewechselt und er erinnerte sich wieder daran, warum er langärmliche Oberteile so liebte.
Nachdem er seine Robe geholt hatte, war er in die Bibliothek gegangen und hatte zwei Bücher abgeben müssen, welche er sich vor Wochen ausgeliehen hatte. Natürlich verließ er die Bibliothek nicht, ohne sich nochmal ein anderes Buch auszuleihen. Es war eines über fortgeschrittene Verwandlung, eine Art Lehrbuch, aber er las so etwas gerne in der Freizeit.

Und auch jetzt hatte er sich vorgenommen, es mit zum Quidditchfeld zu nehmen und sich dort in Ruhe hinzusetzen, um etwas Zeit für sich zu haben.

Seitdem er Teilnehmer des Trimagischen Turniers wurde, hatte er seine Zeit kaum noch mit dem Lesen oder Lernen verbracht. Natürlich hatte er es nicht nötig zu lernen, da er Jahrgangsbester war. Trotzdem war es zu einer Art Ritual geworden. War ihm langweilig, lernte er halt. Wo war das Problem? So konnte er Elphias und vielen Anderen wenigstens die Dinge erklären, die sie nicht verstanden. Oft wurde ihm schon gesagt, dass er verdammt gut erklärte und Elphias hatte sogar gewitzelt, dass er sich Albus in 10 Jahren ja als Professor an Hogwarts vorstellen konnte.
Natürlich war das nur ein dummer Gedanke und selbst Albus musste darüber Lachen, als wäre es ein schlechter Witz. Er machte sich nicht viel aus diesen Worten. Er lernte halt gerne, na und? Dafür waren andere Jungen halt besser in Quidditch. Er war ohnehin kein großer Sportfan.

Umso größer war die Überraschung, als er das Quidditchfeld erreichte und realisierte, dass dort gerade ein Trainingsspiel zwischen Gryffindor und Slytherin stattfand. Schlimmer hätte es nicht kommen können. Aber Albus war nicht herkommen, um sich das Spiel anzuschauen.

Ohne irgendwelche Umschweife suchte er sich eine recht leere Tribüne und ignorierte beim Hochsteigen die paar Erst- und Zweitklässler aus Slytherin und Gryffindor, welche sich aufs übelste beschimpften, welches Haus ja besser sei. Im Normalfall wäre das eine Angelegenheit, in welche er sich eigentlich einmischen sollte – Als Schulsprecher hatte er schließlich dafür zu sorgen, dass sich die unteren Klassenstufen zu benehmen hatten. Aber er hatte gerade einfach keinen Nerv für so etwas.

Er setzte sich so weit wie möglich nach hinten, da auf den vorderen Plätzen ein paar Durmstrang Schüler saßen und immer wieder in Gelächter ausbrachen, wenn mal eines der Teams auf dem Feld keinen Ball rein bekam. Beinahe enttäuscht zog der Junge die Augenbrauen zusammen und beobachtete die paar Durmstrang Typen noch etwas länger. Er hätte nicht gedacht, dass sich einige von ihnen so .. kindisch oder respektlos aufführen würden und sich über jüngere Schüler lustig machten, nur weil sie nicht super gut in Quidditch waren. Gellert war schließlich auch nicht so.

Er klappte das Buch in seinem Schoß auf und vergrub sein Gesicht halb im Gryffindorschal, welchen er sich zuvor ebenfalls aus seinem Zimmer geholt hatte. Jetzt wusste er wieder, warum er den Winter so liebte. Dicke Pullover, der ganze Schnee, sein warmer Schal und.. natürlich
die ganzen Süßigkeiten. Ohja, die Süßigkeiten waren das Beste..

Als die Durmstranggruppe ein paar Sitze weiter vorne wieder wie verrückt zu lachen begann, hob Albus selbst etwas genervt den Kopf und schaute sich das Spiel für ein paar Sekunden an. Er hatte noch nie verstanden, was alle so sehr an Quidditch fanden. Elphias mochte das Spiel sehr und Aberforth sowieso, nachdem er letztes Jahr – Albus rutschte sofort das Herz in die Hose, als es ihm schlagartig einfiel. Letztes Jahr kam Aberforth als Treiber in die Hausmannschaft. Aber bedeutete das nicht, dass...

Es war genau der richtige Zeitpunkt, als Albus seine Augen über die Spieler gleiten ließ und keine ganze Sekunde brauchte, bis er einen rotbraunen Haarschopf erblickte, welcher gerade noch rechtzeitig dem gegnerischen Klatscher auswich. Aberforth stieß ein lautes Fluchen aus und warf Slytherin's Treiber sämtliche Beleidigungen an den Kopf, woraufhin die Durmstrangschüler wieder in schallendes Gelächter ausbrachen. Albus fiel beinahe vom Glauben ab. Er war wohl nicht der einzige mit Fans.

Aberforth drehte seinen Kopf in die Richtung der Tribüne, auf der Albus saß, und salutierte mit einem Grinsen den Jungs zu, als er im nächsten Moment anscheinend seinen Bruder erblickte und ihm das Grinsen regelrecht aus dem Gesicht wich. Albus hielt die Luft an und zwang sich zu einem flüchtigen Winken, Aberforth riss jedoch sofort den Blick ab und schenkte dem Spiel wieder seine Aufmerksamkeit. Der Ältere seufzte nur und schaute wieder auf das Buch in seinem Schoß.

Sein Bruder war in letzter Zeit oft sauer auf ihn. Aber egal was Albus tat, er konnte es ihm wohl nie recht machen.. Und auch jetzt war es wieder so. Aberforth konzentrierte sich nur noch aufs Spiel und schaute gar nicht mehr zurück auf die Tribüne. Es war eine dumme Idee gewesen, hier her zu kommen .. Er wollte seinen Bruder nicht auch noch in seinen freien Momenten so auf die Nerven gehen müssen.

Er hatte das Buch gerade erst zugeklappt und wollte sich anschließend erheben, da ertönte ein lautes Lachen, welches Albus nur zu bekannt vor kam.
Elphias stieß die letzten Stufen zur Tribüne hoch und erzählte dem Jungen hinter sich, welcher zu Albus' Überraschung ein Slytherin war, hitzig eine Story, wobei er immer wieder in lautes Gelächter ausbrach. Es dauerte keine zwei Sekunden, da erblickte er seinen besten Freund und seine Augen leuchteten sofort auf.
„Albus! Was machst du denn hier? Ich dachte, du magst Quidditch nicht?!“ Bevor sich Albus überhaupt aufsetzen konnte, sank er etwas unsicher zurück auf die Bank, Elphias setzte sich neben ihn, der Slytherin blieb stehen.

„Ich.. bin eigentlich zum Lernen hergekommen.“, murrte der junge Dumbledore kleinlaut, Elphias's Kopf drehte sich zum Spielfeld, wo nun Aberforth wieder ins Stehen gekommen war und Elphias ein flüchtiges Nicken schenkte. Der Ältere fühlte sich so unglaublich fehl am Platz. „.. aber das war eine blöde Idee gewesen. Ich wusste nichts vom Trainingspiel..“ Er senkte die Augen.

„Ich hätte dir vielleicht Bescheid sagen sollen... Ach, Albus! Das hier ist Horace Slughorn. Ich bin eben auf den Weg zum Quidditchfeld in ihn reingerannt und wir haben uns etwas unterhalten.“, begann Elphias nun hastig und deutete auf den Slytherin hinter sich, Albus's blick glitt zu dem Jungen. „Er ist jetzt das fünfte Jahr in Slytherin – man, ich wusste gar nicht, dass Slytherin auch so coole Schüler hat.“ Der Strohblonde lächelte Elphias schwach an. „Ich fühle mich geschmeichelt“
Er wandte sich mit einem einzigen Kopfdrehen an Albus und hielt ihn herzlich die Hand hin. „Albus Dumbledore, nehme ich an? Ich habe schon viel von dir gehört.“

Albus war absolut nicht in der Stimmung für neue Bekanntschaften und ignorierte die Hand regelrecht, während er den Blick zwanghaft abwandte. „mhm“
Elphias schien die unangenehme Situation genauso sehr wie Albus spüren zu können und funkte sofort dazwischen; „Horace sagte mir, er wäre gerade unten am See gewesen um ein paar... wie hießen die Dinger noch gleich?“ - „Um Pfeilkraut zu sammeln. In den kalten Jahreszeiten wachsen sie zwar langsamer, aber ihr Saft ist umso nährstoffreicher.“
Albus hörte nur mit halben Ohr hin. Er wollte am liebsten einfach aufstehen und diesen Ort verlassen. Aber so gehörte sich das nicht, außerdem ging es hier um Elphias. Er wollte seinen besten Freund nicht noch mehr Gründe geben müssen, ihn zu hassen.

Mit aller Kraft riss er sich zusammen und drehte sich dann mit einem gezwungenen Lächeln zum Slytherin Schüler.
„Horace Slughorn war der Name? Du bist Klassenbester in Zaubertränke, kann das sein?“ Das Gesicht des Jüngeren hellte für einen Moment auf. „Ja, genau! Zaubertränke ist mein absolutes Lieblingsfach, es ist einfach so groß und facettenreich!“, begann er mit aufgeregter Stimme, Albus schmunzelte. „Wusste ich doch, dass mir der Name bekannt vorkam..“

Elphias's Blick huschte vom Blonden zu Albus und wieder zurück zu Horace. Albus tat so, als würde er es nicht bemerken und umklammerte sein Buch etwas fester, bevor er sich anschließend von der Bank erhob.
„Ich habe.. noch Pläne für heute. Trotzdem.. grüßt Aberforth nach dem Spiel bitte von mir, okay?“ Er wartete nicht einmal eine Antwort ab und schritt sofort zum Tribünenrand, um die Stufen runterzuhasten. Er hatte gerade wirklich nicht die Nerven, großartig sprechen zu müssen. Die Zeit wollte er schließlich ursprünglich nutzen, um etwas Ruhe zu haben. Aber diese würde er wahrscheinlich nie finden.

Auf dem Weg zurück ins Schloss, lief er über ein großes, schneebedecktes Feld und hatte den Blick in die Ferne gerichtet. Der große See war noch lange nicht zugefroren, aber am Ufer bildete sich allmählich, zwischen all den gefrorenen Pflanzen, eine dünne Eisschicht auf dem Wasser. Albus blieb für einen Moment stehen, zog sich den Schal etwas enger ins Gesicht und starrte eine gefühlte Ewigkeit auf den großen See. Sein Blick glitt wieder zurück zum Ufer und auf das hellblau vereiste Pfeilkraut. Ein Schmunzeln schlich ihm über die Lippen. Es war gut, wenn Elphias mal mit Anderen Zeit verbrachte. Nicht nur für Albus, Elphias selbst würde es sicher auch mal gut tun. Sie waren beide nicht gerade die Beliebtesten und hatten dementsprechend nur eine handvoll Freunde. Auch wenn er ein Slytherin war, schien Horace ein guter Junge zu sein. Hoffentlich würde er sie beide, besonders Elphias, noch wenigstens bis zum Ende dieses Jahres begleiten..



Das Wochenende kam viel zu schnell und Albus hatte gar nicht ein mal die Zeit, sich über das Treffen mit Gellert Grindelwald Gedanken zu machen oder gar, sich irgendwie vorzubereiten.
Elphias war Albus nach dem Treffen beim Quidditchfeld komischerweise wieder aus dem Weg gegangen und der junge Dumbledore konnte sich immer noch nicht so ganz erklären, was er falsch gemacht hatte. Aber zu einer Klärung kam es einfach nicht, da Elphias in den meisten Fällen nie aufzufinden war. Vielleicht verbrachte er Zeit mit Horace. Der Gedanke war eher tröstlich für Albus, als dass er eifersüchtig sein könnte.

Er war etwas früher als sonst aufgestanden und hatte vor dem Spiegel mehr Zeit als gewöhnlich damit verbracht, seine Haare nicht ganz so durcheinander aussehen zu lassen, wie sonst. Schließlich sollte Gellert nicht denken, er wäre irgendein Spinner oder so etwas. Der Schlafsaal war zu seinem Glück auch wie leergefegt. Die Jungs der siebten Klasse gaben noch immer ihr Bestes, beim Schmücken des Schlosses und vor allem der großen Halle zu helfen. Albus musste allein beim Gedanken schmunzeln und schüttelte sanft den Kopf, bevor er seine Robe packte und sich auf den Weg zum Frühstück machte.

Die Gänge des Schlosses waren weniger belebt als sonst. Vielleicht waren die meisten draußen mit dem Schmücken beschäftigt, dachte sich Albus. Wer konnte das schon wissen?
Im großen Treppenhaus brauchte der junge Gryffindor ein paar Minuten länger, bis er den richtigen Gang erreichte, da die Treppen heute sehr ungünstig ihre Richtungen wählten. Elphias hätte ihm wahrscheinlich vorgeschlagen, einfach übers Geländer zur anderen Treppe zu springen, aber er wäre wahnsinnig, wenn er das tun würde. Gellert würde so etwas womöglich tun.

Dann musste er an Aberforth denken und wie er in den ersten Jahren in Hogwarts immer halbe Aggressionsausbrüche bekam, wenn die Treppe kurz vor seinem Ziel die Richtung gewechselt hatte. Er hatte durch das ganze Treppenhaus geschrien, als würde man ihn auspeitschen, bevor er zu lauten Beschimpfungen wechselte. Natürlich bekam ihr Haus jedes Mal Abzüge für jede erdenkliche Beleidigung. Aber Albus war schon lange nicht mehr auf den Hauspokal scharf.

Er schaffte es dann anschließend doch noch unbeschadet in die große Halle. Im ersten Moment stutzte er, denn die Halle war unglaublich aufwendig und wirklich .. ja, schön, geschmückt worden. Einige Schüler standen noch immer mit Leitern an den Rändern und hingen glitzernde Girlanden und Ähnliches über die großen, wuchtigen Fenster. Albus schmunzelte.
Es waren nicht unglaublich viele in der Halle am Essen und Albus war selbst für einen Moment verunsichert, wohin er sich überhaupt setzen sollte. Der Gryffindortisch war fast wie leergefegt, außer einigen Erstklässlern, wie sich gegenseitig mit Speck bewarfen. Der junge Dumbledore verzog für einen Moment das Gesicht und trat ein paar Schritte tiefer in die Halle.

Sein Blick glitt wie automatisch an das Ende des Slytherintisches – Wo sich die Durmstrang Schüler normalerweise aufhielten. Jetzt saß jedoch keine einzige Seele an diesem Ende. Etwas enttäuscht biss sich der Rotbraunhaarige auf die Unterlippe, als der Ausruf seines Namens ihn zusammenfahren ließ.

Im allerersten Moment – und dieser war alles andere, als angenehm – dachte Albus, es wäre wieder dieser unverschämte Junge aus Beauxbatons, der ihm dieses Mal eine Lektion erteilen wollte. Dafür dass Aberforth sich das letzte Mal so unverblümt eingemischt hatte.
Aber nein.

Es war Valérie. Albus fiel ein Stein vom Herzen.
Mit schweren Schritten bewegte er sich in die Richtung zum Ravenclaw Tisch. Valéries Augen glänzten für einen Moment, bevor sie Albus ihr herzlichstes Lächeln schenkte. „Guten Morgen, soleil

Ihr saß ein Mädchen im selbigen Alter gegenüber, sie hatte glatte, blonde Haare und unter ihren dunklen Augen lagen tiefe Schatten. Etwas verunsichert ließ sich Albus schließlich auf die Bank neben Valérie gleiten. Im nächsten Moment erschien durch Zauberhand ein Tablett mit Frühstück auf dem Tisch vor Albus.

„Guten Morgen..“, brummte der Gryffindor leise und schmunzelte unsicher, sein Blick glitt noch einmal kurz zu dem Blonden Mädchen, welche völlig benommen auf die Oberfläche des Tisches starrte. Valérie räusperte sich.
„Ach, Albus, das.. ist Lisette, meine beste Freundin“, meinte sie und trommelte mit ihren Fingern sanft auf das Holz, das Mädchen schreckte sofort auf und blinzelte perplex, als sie Albus erblickte. Anschließen veränderte sich ihr Ausdruck zu einem müden Lächeln.
„Hallo..“ Ihr Akzent war schärfer als der von Valérie – Und als der ihrer Schulleiterin auch, wenn sich Albus nicht irrte.

Albus erkannte sofort, dass es dem Mädchen nicht gut ging. Allein am Schlafmangel lag es ganz sicher nicht.
Nachdem sie dem Gryffindor gezwungenermaßen gegrüßt hatte, wandte sie den Blick etwas leer ab und schaute in ihren Schoß. Valéries Blick war besorgt, jedoch blinzelte sie die Sorgen wie weg, als sie sich wieder ihr gespieltes Lächeln aufsetzte und zu Albus blickte, welcher sich inzwischen ein Toast genommen hatte und lediglich am Rand rumknabberte.

Die Stille war unerträglich. Genauso wie die Tatsache, dass Albus absolut keinen Hunger hatte. Missmutig biss er vom Toast ab und warf den Rest etwas lustlos zurück auf den Teller. Valérie stützte ihren Kopf auf ihre Hand ab und redete leise auf ihre Freundin ein. Der Tag begann ja schon so bedrückend, wie sollte es dann später nur werden? Wenigstens konnte er sich noch auf das Treffen mit Gellert freuen.. Allein beim Gedanken musste er sich ein leichtes Grinsen verkneifen.

Wie er der Zufall so wollte, ertönte das laute Klacken von Absatzschuhen. Das Geräusch erstarb direkt hinter Albus's Rücken, etwas unsicher schluckte er das Stück Apfel herunter, auf welchem er bis eben noch lustlos herumgekaut hatte und drehte sich leicht um. Er erkannte das junge Mädchen mit den rabenschwarzen Haaren und den smaragdgrünen Augen sofort.

„Vinda...?“, fragte er eher zu sich selbst und hoffte auf alles in der Welt, nicht falsch zu liegen.
Die dunkelroten Lippen formten ein sanftes Schmunzeln. „Oui“ Sie schloss kurz die Augen, wodurch Albus erst einmal ihre langen Wimpern bemerkte. Anschließend beugte sie sich ein Stück zu Albus runter und räusperte sich beinahe lautlos. „Ich soll dir von Gellert ausrichten .. dass er die Führung mit dir leider absagen muss.“

Ihm rutschte augenblicklich das Herz in die Hose. Das konnte doch nicht wahr sein? Albus hatte sich die ganzen letzten Tage so sehr darauf gefreut, etwas Zeit mit dem Blonden zu verbringen. Und Gellert schien Albus doch auch gemocht zu haben. Warum wollte er dann plötzlich keine Zeit mit ihm verbringen? Und noch viel wichtiger... Warum schickte er irgendein Mädchen vor, anstatt selbst aufzutauchen?
Albus spürte, wie die Wut und vor allem die Enttäuschung in ihm hochkroch und versuchte gar nicht erst, es zu verbergen.

Der junge Dumbledore gab ein einziges, grummelndes Geräusch von sich und wandte den Blick ab, seine Augen begannen minimal zu brennen. Er hatte diese lästige Angewohnheit, dass ihm oftmals vor Wut die Tränen kamen – Aber es jetzt so offen an diesem Tisch rauszulassen, wäre unklug. Albus schluckte die Wut runter und nahm sich ein weiteres Stück Apfel, in welches er gereizt reinbiss. Konnte diese Vinda mal endlich verschwinden?

„Aber... er möchte dich lieber in Ruhe sprechen. An der Weide.. am Ufer des See's.“

Albus erstarrte mitten beim Kauen. Wie war das?
Verwirrt hob er den Blick und traf wieder auf die smaragdgrünen Augen. Vinda lächelte sanft, bevor  sie sich wortlos abwandte und sich mit lauten, klackenden Schritten wieder entfernte.
Was auch immer das für ein Test gewesen sein war, Albus hatte ihn offenbar bestanden. Und Gellert wollte ihn trotzdem noch sehen! Er hätte beinahe schon gedacht, dieser Tag wäre vollkommen gelaufen.

In Eile senkte Albus den Blick auf sein Teller und das Stück Apfel in der Hand, als er realisierte, dass er immer noch nicht zu ende gekaut hatte. Hastig schluckte er den Rest des Apfels sofort herunter und umgriff das Glas mit Kürbissaft, um es in einem Zug zu leeren.

„Woher, bei Merlin, kennst du Vinda Rosier?“, ertönte es fassungslos neben ihm. Albus schnaubte leise. „Sie ist scheinbar eine Bekannte von Gellert, keine Ahnung“ Er ignorierte den völlig überraschten Blick auf Valéries Gesicht und zog sich seine Robe über.
„Hmh.. Jetzt wo du es sagst.. Irgendwie würde es passen. Sie ist genauso zwielichtig wie er.“, murrte die Dunkelhaarige leise und nahm sich ein Stück Orange von Albus' Tablett, als wäre es selbstverständlich. Naja, Albus würde sowieso nichts mehr essen, also war es ihm relativ egal.

Als die Robe schließlich anständig saß, erhob er sich von der Bank und checkte noch kurz, ob sein Zauberstab in der Tasche war. Überstürzt fuhr er sich durch die Haare und drehte sich noch einmal zu Valérie, welche ihn völlig entgeistert anschaute.

„Ich.. meine Haare, sehen die gut aus?“, stammelte er unruhig und wartete auf eine Antwort, aber der Blick des Mädchens war vollkommen verstört. Albus schüttelte nur den Kopf und wollte sich schon umdrehen, da packte ihn die Beauxbaton Schülerin an der Schulter.

„Warte.. die Strähnen hier vorne sind zu durcheinander“ Sie schmunzelte sanft, während sie mit ihren langen Fingernägeln Albus' Haare etwas zurück strich. „grüß ihn von mir“
Der junge Dumbledore presste die Lippen aufeinander und hoffte irgendwie, dass sein Verhalten in Valéries Augen nicht zu dämlich wirkte. Er nickte nur hastig und glitt mit dem Blick dann wieder zu Lisette, welche immer noch mit ziemlich leerer Miene auf den Holztisch vor sich hinstarrte. Er wollte gerade etwas sagen, aber Valérie kam ihm zuvor. „Es ist okay. Ich.. kümmere mich bereits drum..“, murmelte sie gerade noch laut genug, dass der Gryffindor es hören konnte. Albus tauschte einen vielsagenden Blick mit dem gleichaltrigen Mädchen und nickte dann schließlich.

„Wir sehen uns!“ - „Noch vor der zweiten Prüfung, will ich hoffen“, lachte Valérie und winkte Albus zu, als er sich rückwärts Richtung Ausgang begab, bis er sich schließlich ganz umdrehte und losrannte. Er wollte Gellert schließlich auf keinen Fall noch länger warten lassen.