Not everything is simple

GeschichteMystery, Übernatürlich / P16
01.03.2019
22.03.2019
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Kapitel 2: Die Katze und der Fuchs Teil 1


Miho erwachte an diesem Morgen durch ihren Wecker aus einem sehr unruhigen Schlaf.
Sie hatte einen seltsamen und verstörenden Traum gehabt. Gestern Abend am Bahnhof waren Mahiru, Mahirus Freunde und sie  von einem verrückten Vampir angegriffen worden. Ryusei war verletzt worden und Mahirus Katze hatte sich ebenso in einen Vampir verwandelt und dann hatte Mahiru mit seinem Katzen-Vampir, seiner Vampir-Katze... Was auch immer... einen Vertrag geschlossen, in dem er diesem sein Blut gegeben hatte.  
Miho schüttelte den Kopf, während sie von ihrem Bett aufstand  und sich gähnend streckte.
Was für ein wirrer, verrückter Traum!
Als ob es Vampire geben würde!
Mit nackten Füßen tapste sie in die kleine Küche, kochte sich einen Kaffee  und machte sich zwei Toastbrote mit Marmelade. Für ein etwas reichlicheres Frühstück fehlte ihr die Zeit.
Während sie mit dem Teller  zurückging  zum Wohnzimmer  und sich dort  an den kleinen Tisch setzte, um zu essen, schüttelte sie ihren Kopf. Der Traum fühlte sich immer noch unglaublich real an.
Aber das konnte nicht passiert sein. Sie griff sich kurz an ihre Stirn. Irgendwie hatte sie Kopfschmerzen.
Sie trank einen Schluck von ihrem Kaffee und hoffte, dass die Schmerzen besser werden würden.
Vielleicht war das einfach der Schulstress.
Nach dem Frühstück hatte Miho sich schnell ins Bad beigegeben und dann ihre Schuluniform angezogen.
Ein Blick auf ihren Wecker am Bett hatte ihr mitgeteilt, dass sie etwas sehr getrödelt hatte und sich nun beeilen musste, um noch pünktlich zur Schule  zu kommen.
Also  schnappte  sie sich ihre Schultasche und lief aus der Tür.

Als Miho in der Schule und in ihrer Klasse ankam, fehlte von Mahiru jede Spur.
Wie ungewöhnlich, dachte Miho bei sich, während sie sich auf ihren Platz setzte. Sie hatte Glück gehabt. Der Lehrer war noch nicht da. Dennoch plagte sie immer noch dieses seltsame  Unwohlsein.
Mahiru kam sonst nie zu spät zur Schule.
Sie blickte zu Sakuya, der sich mit Koyuki und Ryusei unterhielt.
Ryusei....  Sie bemerkte den Verband an seinem Hals. Unweigerlich kam ihr ihr Traum in Erinnerung.
Aber... das konnte nicht sein. Das war verrückt.
„Ryusei-san? Was ist mit deinem Hals passiert?“, fragte sie plötzlich.
Ryusei sah verwundert zu ihr auf. „Mein Hals? Oh.. Ich hatte einen Verkehrsunfall. Ist aber alles halb so wild.“
Ryusei schien sie leicht verwirrt  zu mustern.
Auch Sakuya sah nun zu ihr auf. Miho zuckte auf, als sie für einen Moment in seine Augen sah. Dieses Blutrot... wie bei dem Vampir mit den pinken Haaren und wie bei dem menschlich gewordenen Kater...
Sie kniff die Augen zusammen. Das war nur ein Traum... Nur ein Traum...
„V-Verstehe...“,  sagte  sie langsam.
„Was'n los, Hisuigawa?  Du siehst aus, als hättest du einen Vampir gesehen.“, lachte Sakuya doof grinsend.
Miho zuckte erneut zusammen. Kam es ihr nur so vor oder wirkten die Eckzähne ihres Mitschülers wirklich extrem spitz?
Wurde sie nun etwa paranoid, dass sie nun an jeder Ecke Vampire sah?
Sie schüttelte minimal den Kopf. „Sehr witzig, Watanuki.“, gab sie trocken zurück.
„Du siehst wirklich etwas blass aus, Hisuigawa-san. Du solltest vielleicht zum Krankenzimmer gehen und dich untersuchen lassen.“, sagte Koyuki, aber Miho winkte ab.
„Schon gut. Es ist alles okay. Ich hab nur schlecht geschlafen.“, antwortete sie. „Wo steckt eigentlich Shirota-kun?“
Koyuki zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Vielleicht hat er verschlafen.“

Die ersten Unterrichtsstunden zogen sich wie Kaugummi. Miho konnte sich gar nicht konzentrieren. Immer wieder  schweiften ihre Gedanken zu dem verrückten Traum. War das wirklich nur ein Traum?
Sie hatte das Gefühl,  dass die Realität vor ihren Augen verschwamm. Alles wirkte so alltäglich und trotzdem hatte sich etwas verändert.
Die Mittagspause war bereits angebrochen, als Mahiru plötzlich in die Klasse geplatzt kam. Ryusei und Koyuki waren zur Mensa gegangen, um sich etwas zu Essen zu kaufen. Miho war noch in der Klasse geblieben und verschluckte sich fast an dem Apfel, den sie noch schnell zu Hause mitgenommen hatte, bevor sie zur Schule gedüst war.
„Ryusei!?“, rief Mahiru aufgeregt. Miho wollte gerade etwas sagen, aber  Sakuya, der auch in der Klasse  geblieben war, kam ihr zuvor.
„Ah, Mahiru! Wir haben schon Mittagspause.“
Mahiru sah verwirrt zu ihm  und auch zu Miho. „Sakuya... nur du...  und  Hisuigawa-san.. Was ist mit Ryusei!?“
Wieder wollte Miho etwas sagen, denn Sakuya druckste nur seltsam herum und sah zur Seite, weswegen Mahirus Blick einen geschockten Ausdruck annahm und er wohl schon das schlimmste befürchtete.
Doch wieder kam Miho nicht dazu, weil Sakuya plötzlich ein verpacktes Brötchen gegen den Kopf geschmissen wurde, als dieser gerade aufstehen wollte.
„Hier, dein Krokettenbrot, was du haben wolltest!“, erklang die Stimme von Ryusei, der mit  Koyuki in der Türe des Klassenzimmers stand. „Das wollten so viele haben, das ich mich anstellen musste.“
„Ryusei!?“, rief Mahiru überrascht.
„Mahiru!  Du bist ja doch noch gekommen.“, rief Koyuki fröhlich.
„Ja, ich hab verschlafen. Verzeihung.“, antwortete Mahiru und nahm Sakuya wegen des Verhalten von vorhin in den Schwitzkasten.
„Au! Autsch!“, jammerte dieser. „Du hast so ernst ausgesehen, da hab ich einfach mitgespielt!“
„Was sollte das?“, schimpfte Mahiru noch wegen Sakuya und sah zu  Ryusei  und zu dem Verband um dessen Hals. „Ryusei... Dein Hals... Ist alles in Ordnung?“
Ryusei sah zu Mahiru. „Huch?  Ach ja. Alles in Ordnung, ja.“, sagte er wieder leicht verwirrt.
„Wirklich?  Nach dem du...“, fing Mahiru an.
„Oh, du machst dir bestimmt  Sorgen, wegen meiner Mail. Ryu hatte einen Verkehrsunfall...“, erzählte Koyuki  auch Mahiru.
Dieser sah ihn ungläubig an.  „W-was?  Das, was gestern passiert ist, war doch kein Unfall!  D-Dieser Zauberkünstler hat uns angegriffen... u-und der war ein Vampir!“
Miho erstarrte. Ihr Traum... Genau wie in ihrem Traum... Warte... War das etwa kein Traum gewesen!?
Das war WIRKLICH passiert?
Doch Koyuki lachte nur. „Ein Zauberkünstler, der ein Vampir ist? Jetzt erzählt Mahiru schon genauso komische Sachen wie Sakuya.“
„Und Außerdem war Mahiru doch gestern gar nicht mit uns unterwegs.“, fügte Ryusei verwundert bei.
Miho saß immer noch da. Ihre Kopfschmerzen wurden stärker.  Das musste ein Traum sein...  Einfach ein Traum.
Aber warum sollte Mahiru dasselbe träumen wie sie?
Ihr wurde  schummrig vor Augen und sie sackte auf ihrem Platz zusammen.

„Hisuigawa-san! Hisuigawa-san!“
Mahirus Stimme  ließ sie  aufschrecken.  
Sie setzte sich auf und blickte in Mahirus Augen. Kurz errötete sie  und sah sich lieber um.
Sie war im Krankenzimmer der Schule.
Wie war sie hier hergekommen?
Nur langsam blickte sie wieder zu Mahiru. Dieser saß auf einem weißen Hocker neben dem Krankenbett und wirkte reichlich besorgt.
„Wie geht es dir?“, fragte er etwas schüchtern.
Miho setzte sich leicht auf und hielt sich für einen Moment den Kopf. „Was ist passiert?“, fragte sie.
„Du bist zusammengebrochen vorhin. Ich weiß nicht warum. Du hast ganz komisch geguckt und auf einmal bist du ohnmächtig geworden. Deswegen hab ich dich zusammen mit Ayanami-san hier her gebracht.
Miho kratzte sich verlegen die Wange und wurde rot. Das war typisch. Ayanami Emi war ihre beste Freundin und im Handballteam der Schule. Und die einzige Person, die wusste, was Miho für Mahiru empfand.
„V-Verstehe...“  Sie sah lieber zur Seite.  „W-Warum ist Emi-chan nicht hiergeblieben, sondern du?“, fragte sie und fühlte, wie ihr Herz laut gegen ihre Brust klopfte.
Auch Mahiru wirkte sichtlich nervös. „Na ja.. Sie sagte zu mir 'Um es in deinen Worten auszudrücken, Shirota, Simpel gedacht solltest du der sein, der bei ihr bleibt. Außerdem haben wir gleich Chemie und da muss ich besser aufpassen.'  Das war so ihre  Begründung.“
Verdammte Emi!  Das war so klar, dass sie das nutzen würde, damit Miho mit Mahiru allein war.
„Ist alles okay?“, hörte sie Mahiru fragen und schielte zu ihm.
„E-Es geht wieder.  Es ist nur...“ Sie  sah wieder nach vorne. „Mir war das wohl alles zu viel. Ich weiß nicht, was ich glauben soll oder nicht.“
Mahiru schien zu verstehen, was sie meinte. „Du... Du erinnerst dich an gestern Abend?“
Miho nickte langsam. „Ja. Aber ich war mir sicher, dass es nur ein Traum ist... Es ist fast so, als wollte Jemand mich glauben lassen, dass ich nur geträumt habe. Das ist unheimlich.“
Mahiru klopfte ihr unbeholfen auf die Schulter. „Da  Ryusei und Koyuki sich gar nicht dran erinnern konnten...  Ich schätze, das Jemand versucht, diese ganze Geschichte zu vertuschen.“
Miho errötete etwas mehr  und nickte. „Es sieht alles danach aus. Das heißt  aber...  Es ist wirklich passiert?“
Mahiru nickte. „Es war kein Traum.  Als ich heute aufgewacht bin, war Kuro in seinem Katzenkörbchen und hat im Schlaf gesprochen...“ Er kratzte sich die Wange. „Ich kann das selbst kaum glauben. „Vampire... Ein Vampir-Krieg... Und dieser  Tsubaki  von dem dieser Typ da sprach...“
„Nicht nur du.  Ich hab das  Gefühl, als wären wir da in etwas ziemlich gefährliches hineingeraten. Wo ist Kuro eigentlich gerade?“
„Das denke ich auch. Aber du solltest... vielleicht besser davon Abstand nehmen, Hisuigawa-san. Du musst dich immerhin nicht mit einer Vampir-Katze herumschlagen und ich wöllte nicht, dass dir was passiert, nur weil du eine Mitwisserin bist. Und Kuro?  Gute Frage, ich weiß es nicht.“
Miho spürte, wie ihr  heiß wurde, aber sie schüttelte ihren Kopf. „Vergiss es! Mitgehangen, Mitgefangen! Ich werde versuchen dir da zu helfen! I-Ich...  Ich kann zwar nichts besonderes u-und bin auch nichts besonderes... aber..  Ich kann dich da doch nicht hängen lassen!“
Sie sah ihn an. Mahiru  wirkte baff. „Hisuigawa-san...“ Er  sah sie ebenso lange an.
„OHO! Miho-chan, du bist ja wach!“, ertönte plötzlich eine weibliche Stimme.
Miho schrak auf und lief erst recht nun rot an. „EMI!“
Ihre beste Freundin stand in der Tür des Krankenzimmers, grinste über beide Ohren und strich sich eine Strähne ihres nackenlangen, schwarzen Haares aus dem Gesicht, das das in Stufen von vorne nach hinten länger wurde. Ihre braunen Augen leuchteten schelmisch.
„W-Wolltest du nicht in Chemie besser aufpassen!? W-Was machst du hier?!“, stammelte Miho.
„Schon ja. Aber Tanaka-sensei hat gesagt, ich soll mal nach dir und Shirota schauen.“ Ihr Grinsen wurde noch breiter und Miho hätte es ihr am liebsten aus dem Gesicht gewischt.
Mahiru  stand auf. „Dann sollten wir wohl besser  nun zurück...  Geht es bei dir, Hisuigawa-san?“
Miho grummelte innerlich wegen Emi, aber nickte Mahiru zu. „P-Passt schon.“

So saß Miho einige Minuten später im Unterricht.
Während der Lehrer grade Formeln an die Tafel schrieb und diese erklärte, blickte sie immer wieder zu Mahiru.
Dieser hatte seinen Kopf auf seine Hand gestützt  und schien genauso wenig zuzuhören wie sie. Geistesabwesend starrte er vor sich hin.
Sie ließ ihren Blick zu  Emi schweifen und hinter sich zu Koyuki  und zu Ryusei. Irgendwie kam sie sich vor, als  wäre sie immer noch in einem Traum. Sie bemerkte, dass Sakuya Mahiru beobachtete und das ein Mädchen mit hellblondem Haar, dessen Namen sie sich noch nicht hatte merken können, die ganze Zeit schüchtern zu Sakuya sah.
Plötzlich vernahm sie Stimmen. Und diese Stimmen gehörten definitiv nicht zu ihren Mitschülern.
Es waren ihr bekannte Stimmen. Eine quitschige, schrille und eine dumpfe, gelangweilte, die sehr offensichtlich miteinander stritten. Sie konnte Sätze wie „Maaaannnn, hab ich einen Hunger!“ und  „Was für ein anstrengender Typ“, vernehmen.
Geschockt sah sie zu Mahiru und Mahiru sah zu seinem Schulrucksack, der an dem Taschenhaken seitlich an dem Schülerpult hing.
Auch der Lehrer hatte sich umgedreht. „Hey, wer schwatzt hier so herum?“, fragte er in die Klasse.
Mahiru nahm seinen Rucksack  und öffnete diesen.
Miho konnte zwar nicht genau erkennen, was sich darin befand, aber eine seltsame Vorahnung packte sie.
Und diese bestätigte sich, als Mahiru die Tasche  wieder schloss und eilig aufstand und mit den Worten „Sensei, ich habe fürchterliche Kopfschmerzen! Ich gehe heute früher nach Hause!“ schleunigst das Klassenzimmer verließ.
Auch Miho stand plötzlich auf, griff sich an den Kopf  und  wankte dabei theatralisch. „Mir ist so schwindelig Sensei....  Ich gehe besser  zum Arzt!“,  rief sie Theatralisch  und  schnappte  sich ebenso ihre Sachen, um eilig den Unterricht zu verlassen.
Der Lehrer blieb mit  verdutztem Gesichtsausdruck stehen. Und auch Mahirus Freunde wirkten eindeutig verwirrt.
„Ich hab's doch gewusst, dass die zwei was zu verbergen haben. ~“, konnte Miho noch Emi sagen hören, als sie die Klassenzimmertür hinter sich schloss.
Sie atmete  tief durch  und  rannte  Mahiru nach.
Sie hatte noch nie Schule geschwänzt. Noch nie! Und auf einmal tat sie es.
Denn nach all dem, was am Tag zuvor passiert war, wusste sie, dass ihr Leben als sorglose Oberschülerin etwas viel Größerem gewichen war.
„Shirota-kun! Warte!“, rief sie Mahiru nach.  

Sie liefen zusammen durch die Stadt. Miho etwas hinter Mahiru. Dieser hatte Kuro aus seiner Tasche befreit und der kleine Vampirkater saß nun auf Mahirus rechter Schulter.
Die Puppe des Vampirmagiers hielt Mahiru in der linken Hand.
„Warum  wart ihr in meiner Tasche?“, fragte Mahiru ärgerlich. „Wie seid ihr da reingekommen?“
„Ich hab Huuuuuungeeer. Ich möchte Blut  triiinkeen.  Nur ein biiiisschen.“, antwortete die Stoffpuppe nur.
Miho konnte immer noch kaum glauben, dass das wirklich real war.
„Gibt's da keinen Abstellknopf?“, fragte sie kurz und zupfte der Puppe angenervt am Zylinder.
Mahiru schüttelte den Kopf. „Wäre schön, wenn es so wäre.“ Er blickte zu der Puppe. „Selbst in dem Zustand bist du echt unglaublich nervtötend.“
Hinter sich konnten Miho und Mahiru zwei junge Frauen reden hören.
„Hast du das mitbekommen?  Der redet mit einer Stoffpuppe...“ Sie kicherten lauthals  und Mahiru legte peinlich verlegen lieber einen Zahn zu und stopfte die Puppe wieder in seine Schultasche, auch wenn diese sich sichtlich dagegen sträubte.
„Was soll  daaasssss!?  Tsubaki  wird dich töteeeeen, du verdammter Bengel!“, schimpfte  diese lautstark.
Da war er wieder.  Dieser Name. Tsubaki.
„Wer wohl dieser Tsubaki ist, von dem dieser Clown die ganze Zeit spricht?“, murmelte Miho fragend.
Mahiru zuckte mit den Schultern, nachdem er den Reißverschluss des Rucksacks wieder geschlossen hatte. „Gute Frage. Kuro, fällt dir da nichts ein?“, wandte er sich an den Kater.
Kuro miaute leise. „Jemand, der eine gutmütige Katze wie mich attackieren lässt...?“,  sagte dieser.  
Als Katze klang seine Stimme etwas weniger dumpf und tief sondern etwas höher und niedlicher, wie Miho langsam feststellte.
„Was bist du nun eigentlich? Eine Katze oder ein Vampir?“, entgegnete Mahiru immer noch ärgerlich. „Und hör auf, zu miauen.“ Er seufzte kurz. „Simpel gesagt, ist  dieser Tsubaki allem Anschein nach der Boss, der Gegenseite und hat es offensichtlich auf dich abgesehen. Das heißt, wenn wir uns nicht um Tsubaki irgendwie kümmern, wird wieder ein anderer Vampir auftauchen...“, fasste Mahiru zusammen. Er  blickte über seine  Schulter zu Miho. „Du  willst das echt immer noch durchziehen und mir helfen?“
Miho schwieg für ein paar Sekunden. Sie war da wirklich in etwas hineingeraten, wovon sie lieber hätte Abstand nehmen sollen, so lange es noch nicht zu spät war. Aber ihr Entschluss stand bereits fest. Und vielleicht war es auch bereits längst zu spät.
„Ich werde es durchziehen. Ganz egal, was da auf uns zukommt!“, sagte sie entschlossen.
„Hisuigawa-san...“ Mahiru sah sie verlegen an.  
„Haaah..  Ich komme mit unheimlichen Typen echt nicht zurecht... Außerdem ist es total anstrengend...“, jammerte Kuro dazwischen.
Miho hing buchstäblich ein Drop am Hinterkopf und auch Mahiru verdrehte die Augen. „Du bist echt unmöglich...“,  schimpfte er. „Wir sollten aber lieber schnell nach Hause gehen, bevor es dunkel wird.“

Miho zuckte auf, als sie Wassertropfen in ihrem Gesicht fühlte. Und als sie in den Himmel sah, regnete es plötzlich richtig. Dabei war der Himmel beinahe  Wolkenlos und die Sonne strahlte warm auf sie herab.
„Regen, bei Sonnenschein!?“, sagte auch Mahiru plötzlich verwirrt.
Doch zwischen dem Prasseln des Regens mischte sich nun auch ein anderes Geräusch. Es klang wie der Ruf eines Fuchses, der immer lauter und lauter wurde.
Es schien, als wäre  alles um Miho und Mahiru herum still geworden, außer dem Regen und dem Fuchsgeräusch.
Plötzlich kam ein eine Art blutroter Nebel auf sie zu und ehe sie sich versahen, schienen sie in einer Art roten Raum gefangen zu sein. Es regnete weiter  und  weißer Rauch stieg  nebelartig vom Boden herauf und umhüllte ihre Füße.
Miho hielt sich ungewollt an Mahirus Rucksack fest.
„W-Was ist jetzt los?“, stammelte sie ängstlich. Dann sah sie auf. Das, was  wie das Bellen eines Fuchses geklungen hatte, war das Geräusch von einem Paar Getas mit hohen Absätzen gewesen. Sie konnte in dem Nebel die schemenhaften Umrisse  eines Mannes ausmachen, der langsam auf sie zukam.
„Hallo, ihr da~ Erzählt mir doch mal eine  interessante Geschichte.“
Der Mann stand nun nur noch unweit vor ihnen, so dass Miho ihn genau erkennen konnte.
Er, wirkte noch recht jung, Miho schätzte ihn vom Äußerlichen her auf Anfang zwanzig; und er hatte kurze, schwarze Haare, trug eine schwarzgetönte Sonnenbrille, so wie  einen schwarzen Yukata mit rotem Kamelienmuster am rechten Ärmel, der um einiges länger war, als sein linker Ärmel und seine rechte Hand so vollkommen verdeckte. Über seinen Schultern hing ein weißer Haori, der dasselbe Kamelienmuster besaß.  
„Ich würde nur zu gerne wissen, was das Amüsanteste war, das euch in letzter Zeit passiert ist.“, fuhr der junge Mann fort.
„Einmal hat ein Junge ein schwarzes Kätzchen aufgeleeeeseeen! Aber das Kätzchen war in Wirklichkeiiiit ein superstarker Vampiiiir. Der Junge hatte auch eine Freudiiin  dabei, die  ein voooorlautes Mundwerk besaaaaß. Und der Junge, dem die Kraft des Vampiiirs  zuteil wurde, hat einen nervigen Zauberer totgeschlaaaagen. Das war die Geschichte!“, ertönte es  aus Mahirus Rucksack.
Miho schluckte. Auch Mahiru erschrak.
„Ich hab so eine Ahnung, dass das wieder anstrengend wird... Ich würde lieber abhauen...“,  hörte Miho Kuro nuscheln.
„Jetzt mach keine Witze... Das ist doch nicht schon wieder ein Vampir!?“, stammelte Mahiru.
Der junge Mann vor ihnen brach in lautes, schallendes, psychotisches Gelächter aus.
Miho schrak fürchterlich zusammen und krallte  sich unbewusst  nun an Mahirus linke Schulter. Sie zitterte.
So plötzlich wie der junge Mann angefangen hatte, zu lachen, so plötzlich hörte er auch wieder auf und seufzte theatralisch. „Wie ermüdend...“, sagte er gelangweilt.
„W-Was geht mit d-dem?!  I-Ist der Irre!?“,  stammelte Miho mit zittriger Stimme.  
Kuro  wollte gar  über Mahirus Rücken hinweg flüchten, aber Mahiru, dem selbst der Schreck noch in den Gliedern saß, hielt den Kater am Schweif fest.
„Hey, Kuro!  Hör auf dich  zu verstecken! Ist dieser komische Typ ein Bekannter von dir?!“
„Ich kenn den nicht, aber der hat so einen irren Blick!“,  jammerte  Kuro.
„Ach ja, das hier...“, begann der junge Mann und erst jetzt bemerkte Miho, dass der Kerl Mahirus Rucksack in den Händen hielt. Wann er diesen Mahiru abgenommen hatte, hatten weder sie, noch Mahiru selbst mitbekommen.  Mahiru blickte erschrocken drein, während der junge Mann die Stoffpuppe aus der Tasche fischte.
„Das hier hab ich gesucht. Es wurde schon schmerzlich von Jemandem vermisst. Danke, dass du es für mich aufgelesen hast.“, sagte er  zu Mahiru.
„Haaaaa,  meine Schuuuultern  sind  schon ganz steiif.“, jammerte die Puppe. „Du bist spät dran, Tsuba-kyun.“
Miho, Mahiru und Kuro schauten doof aus der Wäsche. „Tsu...ba-kyun!?“
„Aber du hast mich gerettet! ☆ Deshalb lade ich dich später zu einem Eisbecher ein!“, redete die Puppe weiter.
„Ein Eisbecher als Dank für die Rettung deines Lebens?“, fragte der Mann langsam.
„Genau-“, setzte die Puppe an und der Mann begann wieder irre zu lachen, bis er genauso abrupt wieder aufhörte und seufzte. „Das ist so ermüdend...“
Dabei warf er die Puppe einfach hinter sich.
Diese ruderte mit ihren Ärmchen. „Sag doch nicht so was, Tsuba-kyuuuun! V-Verstanden! Zwei Becher! Ich lade dich zu  zwei Bechern ein!“
Daraufhin schnappte sich der junge Mann die Puppe wieder und hob sie hoch.  „Na dann nehme ich einmal Matcha  und die neue Sorte mit Aprikosengeschmack!“ Seine  Stimmung schien sich im Sekundentakt zu ändern.
„Sieht danach aus, als wären wir auf noch einen anstrengenden Kerl gestoßen...“,  murmelte Kuro.  
„A-Aber er ist hier einfach aufgetaucht...?“,  antwortete  Mahiru und schien zu überlegen.
„Tsuba-.kyun.... Könnte das etwa heißen...“, setzte Miho an und fing Mahirus Blick auf.
„Hört doch bitte auf, so angestrengt nachzudenken! Wir sollten lieber zusehen, das wir hier wegkommen!“,  fing Kuro an, doch in dem Moment stand der junge Mann plötzlich direkt vor Mahiru und  starrte ihn an.
Seine blutroten Augen bohrten sich in Mahirus und er grinste schief. „Ja, ich bin Tsubaki. Na und? Ich bin derjenige, der diesen Krieg begonnen hat, na und? Der, der viele Vampire und Menschen töten will, na und?“
Mahiru war völlig starr in diesem Augenblick. Miho war von der Gleichgültigkeit, die in der Stimme Tsubakis lag, schockiert. Er  sagte es so beiläufig, als wäre es das normalste von der Welt.
Doch Tsubaki lächelte nur, packte mit einem Mal Kuro am Kopf und warf den Kater beiseite.“Ich bin überaus schwermütig...“
Dieser verwandelte sich dabei in seine menschliche Gestalt und landete unsanft auf seinem Hintern.
Tsubaki trat langsam auf ihn nun zu.
„Nicht wahr, Sleepy Ash? Oder besser gesagt „Trägheit“? Erzähl mir doch mal was Amüsantes. Oder willst du etwa abstreiten, dass diese Welt langweilig und öde ist? Es passiert einfach nichts... Deswegen...  Lass uns doch einfach Krieg führen.... großer Bruder!“
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