Zeit

von Elrond
GeschichteDrama, Freundschaft / P12
Andy Flynn Dr. Morales Fritz Howard Julio Sanchez Louie Provenza Sharon Raydor
27.02.2019
02.10.2019
3
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Disclaimer: Ich verdiene mit dem Schreiben der Geschichte kein Geld. Und ich leihe mir die Charaktere nur zum Schreiben aus.
Habt Spaß beim Lesen.

Flynn schlenderte den schmalen Gang entlang in Richtung des Zimmers von Dr. Joe.
Vor genau zwei Wochen hatte es eine Ansage gegeben, dass nun jeder verpflichtet sei, regelmäßige Termine in Abständen von fünf bis sechs Wochen bei dem Psychologen zu machen. Als Sharon Raydor ihr Team darauf ansprach, hatten Provenza und Sanchez natürlich sofort angenommen, dass diese neue Maßnahme von ganz oben kam, allerdings betonte Sharon schon im zweiten Satz, dass es ihre Absprache mit dem Doctor war und dass sie keine Gegensprache akzeptieren würde.
Es wollte keiner freiwillig der Erste sein, als die engere Auswahl dann auf Flynn und Provenza traf, war die Entscheidung sofort gefallen, da Provenza schon die perfekten Ausreden parat hatte, warum er gerade an dem Tag nicht könne. Flynn hatte gar nicht erst versucht irgendetwas dagegen zu setzten, sondern nahm es so hin.

Nun war Andy an dem Zimmer angelangt. Er klopfte und es folgte ein freundliches und warmes: Herein.
Ruhig öffnete Flynn die Tür, trat ein und stand ein paar Sekunden im Türrahmen, ehe er die Tür hinter sich schloss.
Der Doctor saß am Tisch, vor sich stand das Schachbrett. Die Figuren standen alle angespielt auf dem Feld.
Dr. Joe wirkte zufrieden mit sich. Er lächelte und erhob sich. Die beiden Männer reichten sich die Hände und kurz danach wies der Jüngere auf den Stuhl ihm selbst gegenüber.
„Ich weiß nicht, was Sharon Ihnen erzählt hat oder ob Sie wissen wie wir vorgehen werden,“ find Dr. Joe an. Der Andere lächelte verlegen und suchte nach Worten.
„Also wir werden einfach nur…reden?“ Sagte er, wobei das letzte Wort etwas unbeholfen ausgesprochen klang.
Eigentlich war Lieutenant Flynn sicher, dass er nicht viel zu erzählen hatte, denn er fühlte sich gut und wusste gar nicht, wo er anfangen sollte.
„Ja wir werden reden. Also ich werde Ihnen zuhören und Sie entscheiden worüber Sie reden möchten.“ Dr. Joe’s Stimme klang weich und souverän.
So hatte Flynn den Anderen schon oft sprechen gehört auf dem Revier. Wenn er mal wieder mit Rusty sprach oder mit Sharon über dies und das sprach.
„Okay Doc… ich will ehrlich sein. Ich habe keine Ahnung, was ich hier genau mache und was mir das genau bringen soll. Es geht mir gut, ich mache meine Arbeit, geh dann nach hause und genieße den restlichen Tag.“
Während der ältere Mann sprach, beobachtete der Andere ihn genau. Beide Männer ließen das eben gesagte im Raum stehen. Dr. Joe war kein Freund von irgendwelchen Psychologischen Floskeln oder einfachen dahin Gelaber.
„In Ordnung, es geht Ihnen gut. Aber wann waren Sie das letzte Mal wirklich glücklich?“ Wollte Dr. Joe wissen. Seine Miene war immer noch freundlich, aber er wirkte nun etwas ernster. Das Lächeln war verschwunden.
Mit so einer Art von Frage hatte Flynn eigentlich gerechnet, es dann aber doch wieder gedanklich verworfen.
Es herrschte ein paar Sekunden Schweigen. Flynn wusste nicht so recht, wie er darauf reagieren sollte, denn je länger er darüber nachdachte, er fand keinen Moment. Seine Arbeit war Routine, er arbeitete gerne, aber es gab nichts außerhalb der Arbeit wo er sagen würde: Ja hier war ich wirklich glücklich drüber. Er zählte die gewonnen Dodgers Spiele mal nicht dazu, darüber konnte er sich freuen, aber es war wohl kaum die Art von Glück, nach der Dr. Joe gefragt hatte.
Flynn schüttelte langsam den Kopf.
„Ich weiß es nicht,“ antwortete er nachdenklich.
„Würden Sie sagen, dass Sie keine Zeit haben, um glücklich zu sein?“
„Wollen Sie wissen ob ich zu viel arbeite?“ Lachte Flynn.
„Tun Sie’s? Kommen Sie mit der Arbeit zurecht?“
Wieder überlegte der Lieutenant, bevor er antwortete.
„Nein, ich glaube nicht. Ich glaube es würde mir etwas fehlen, wenn ich weniger zu tun hätte.“ Die Antwort kam voller Überzeugung. Der Psychologe ließ sie einen Moment im Raum stehen und bot dem Anderen ein Glas Wasser an.
„Was ist mit Ihren Kollegen? Kommen Sie mit allen aus?“
„Meistens schon. Natürlich gibt es auch hier und da mal Probleme oder Meinungsverschiedenheiten, aber die kommen und gehen.“ Flynn wurde nachdenklich.
„Ja selbstverständlich. Aber Sie scheinen wirklich sehr zufrieden zu sein.“
der Ältere nickte.
Dr. Joe bemerkte, dass den Anderen noch etwas zu beschäftigen schien.
„Worüber denken Sie gerade nach?“ Fragte Dr. Joe und wartete geduldig auf eine Antwort.
„Hm, wenn ich das selber wüsste. Ich glaube ich muss gleich weiter arbeiten,“ seufzte Flynn und wollte schon Anstalten machen, auf zu stehen. Dr. Joe unterband das mit einem Satz.
„Ich würde Sie für heute entlassen, aber sie sollten sich auch anfangen Zeit für sich zu nehmen. Es ist Ihnen an zu rechnen, dass Sie die Arbeit an erster Stelle sehen, aber an erster Stelle kommen Sie und das dürfen Sie nicht vergessen. Suchen Sie nach Augenblicken in Ihrem Leben, in denen Sie glücklich waren und es werden können. Darüber möchte ich das nächste Mal mit Ihnen sprechen,“ sagte Dr. Joe und stand auf. Nickend, stand auch der Andere auf und verabschiedete sich ohne Worte.


Auf dem Heimweg musste Andy über die letzten Sätze von dem Psychologen nachdenken. Das Wort Glück war für ihn irgendwie schwer greifbar. Es war zwar ein Wort das man immer wieder hörte und das er auch immer wieder in seinem Leben erlebt hatte, aber es fehlte und je mehr er darüber nachdachte, desto mehr bemerkte er, dass er eigentlich ein unglücklicher Mann war. Ein Mann, der funktionierte und nach außen hin immer gut gelaunt wirkte, aber eigentlich musste sich etwas ändern.
Zuhause angekommen, stellte er den Motor seines Wagens ab, stieg aus und ging zu seinem Haus.
Sein Handy klingelte. Nicht lange suchend fand Flynn es in seiner Jackentasche. Es war Provenza, der ganz offenbar wissen wollte, wie es gelaufen ist und darüber irgendwelche Witze reißen wollte, aber Andy war nicht zu Witzen zumute. Etwas an dem Gespräch mit Dr. Joe hatte etwas in ihm ausgelöst.
Nach einer Antwort musste er jetzt erstmal suchen.


So und nun würde ich mich natürlich sehr über Antworten freuen.
Tschöss ;)
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