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Die spanische Gefangenschaft

von Essi7
GeschichteLiebesgeschichte / P18
27.02.2019
13.01.2021
10
20.272
15
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13.01.2021 1.600
 
Hallo meine Lieben,
ich habe leider eine Zeit lang an dieser Geschichte nicht weiterschreiben können,
jedoch geht sie noch weiter und ich habe bereits neue Ideen für die Zukunft.

Viel Spaß beim Lesen und ich würde mich sehr über eure Reviews freuen.

LG Essi7
____

„Du bist wahnsinnig! Dein Rachelust hat dich dazu gebracht, dass du so viele Leben auf deinem Gewissen hast. Unschuldige Menschen kamen wegen dir um!“, brüllte ich voller Zorn und lief einmal um den Tisch um mit meinen Händen an seinem Oberteil zu zerren. „Hat es sich gelohnt, hm? Sag‘s!“, befahl ich und wurde immer lauter. Ich hatte das Gefühl nicht mehr Herr über meine Sinne zu sein. Ließ mich von meiner Wut steuern und immer mehr realisierte ich, wie gefährlich Diego wirklich war.  „Du wusstest auf was du dich einlässt.“, hauchte er dicht an meinen Lippen und strich mir eine Haarsträhne hinter mein Ohr. „Eigentlich sollte es dein Trost sein, dass ich in Wahrheit nicht beabsichtigt zu diesem bekannten Kredithai und Mafiaboss geworden bin, sondern vom Leben dazu gemacht wurde. Erfolg braucht eben Opfer. Mein Lebenssinn bestand daraus meinen Familiennamen rein zu waschen, selbst wenn meine Taten unmoralisch waren.“
Ja, er hatte Recht. Ich hatte mich auf diesen Mann eingelassen, obwohl ich wusste, dass er keine weiße Weste trug und jetzt kannte ich seine Intention, aber wieso fühlte es sich plötzlich falsch an? „Etwa weil dein Mann gestorben ist?“, fragte er so, als ob er meine Gedanken lesen könnte. Jedoch war meine Verbindung zu Diego immer sehr intim gewesen. Inzwischen war es nichts ungewöhnliches mehr, dass er mich durchschaute. „Nein, weil du ein Kriminalpolizist bist!“
„Dann lass mich dir noch eine Sache verraten. Ich…“ Er atmete einmal kräftig ein und aus und fuhr fort: „Bin immer noch einer.“
Ungläubig weiteten sich meine Augen, bis ich vor Lachen losprustete. „Klar und ich bin der Osterhase.“
„In diesem Augenblick würde ich, wenn ich du bin, keine unnötigen Scherze reißen.“, ermahnte er mich und schaute mir weiterhin aufrichtig in die Augen, so, als ob er mir mit seinen Blicken beweisen wollte, dass er nicht log. „Wie bitte? Aber wie?“
„Trotzdass ich die Prüfungen mit Exzellenz abgeschlossen habe, wollte ich mit den Verrätern, die meinem Bruder in den Rücken gefallen sind, nichts zu tun haben. Ich habe den Glauben an das Gute verloren. Eines Tages wurde ich zum Präsidenten des Bundeskriminalamts gerufen. Sicherheitshalber hatte ich alle Unterlagen meines Bruders dabei, wer weiß, vielleicht hatte ich eine Hoffnung, dass es doch jemanden geben würde, der Gerechtigkeit walten lassen würde. Er hat sich mir angenommen, nachdem er wissen wollte, warum so ein hervorragender Student wie ich einfach am Ende abbricht. Ich habe ihm alles erzählt und gezeigt. Der Präsident kannte meinen Bruder, er glaubte an seine Unschuld und hat mir versprochen, dass er am Fall bleiben würde und wenn ich Recht haben sollte, dass seine Observanten auf jeden Fall etwas herauskriegen würden.“ Während er seine Geschichte erzählte glänzten seine Augen voller Freude und Dankbarkeit. „Lass mich raten, er hat die Bestätigung erhalten, dass deine Informationen richtig sind und weiter?“, ich lehnte mein Kopf auf meine Schulter und schaute ihn nun gespannt an. „Nach zwei Monaten hat er mich kontaktiert und mit seinen vertrautesten Männern wurde ein Plan geschmiedet, wie wir den Kriminellen endlich entlarven können. Heute ist dieser Tag gekommen und wir haben gewonnen!“ Plötzlich strahlte er so glücklich und zufrieden, als wurden all seine Gebete erhört und sein Rang erhöht. Im Paradies angekommen. „Das kann nicht sein. Nur um einen Verräter zu ertappen, hat der Präsident sicherlich keine unschuldigen Kriminalbeamten sterben lassen!“, egal was er mir auch erzählen wollte, daran konnte ich nicht glauben. Jedoch klopfte es in dieser Sekunde an seiner Tür, sofort distanzierte er sich von mir, sodass sein Untergebener, der das Büro betrat, nichts falsch verstehen konnte. Diego unterhielt sich auf Spanisch mit ihm, sobald das Gespräch vorbei war, packte er mich grob an meinem Ärmel und schleifte mich nach draußen. „Wohin gehen wir?“
„Ich hab eine Überraschung für dich!“, sein Ton hörte sich wieder monoton an. Sehr reserviert, als ob seine Lippen nie meine berührt hätten. Ein schwarzer BMW stand vor seinem Lager, er lief zum Wagen, dessen Scheiben verdunkelt waren, öffnete kraftvoll die hintere Tür und schubste mich ungehobelt rein. „Bringt sie nach Hause!“ Das wars. Mit einem Schlag wurde die Tür zugeschlagen und das Auto fuhr los. Perplex schaute ich raus zu diesem Mann, der für mich trotz so vieler gemeinsamer Erlebnisse immer noch fremd war. Keine einzige Frage durfte ich ihm stellen, er ließ mich im Dunkeln stehen und zeigte keinerlei Verantwortung. War es, weil ich inzwischen die Frau eines anderen war? Dem Mann dessen Blut an seiner Hand klebte? Ich verstand die Welt nicht mehr!
Zuhause angekommen sobald ich durch die Tür eintrat kamen meine Schwiegereltern und fragten wo ich war. Ob ich Neuigkeiten hätte und die Nachrichten nur noch von dem korrupten Hauptkommissar sprachen. „Güven wäre enttäuscht, wenn er das wüsste.“, heulte seine Mutter verbittert los, ich schlang die Arme um sie und schwieg. Kein einziges Wort schaffte es raus. Dann stand auch noch Güvens Schwester inmitten meines Wohnzimmers. Normalerweise verabscheute ich sie wie verrückt, jedoch hatte sie heute vielleicht ihren einzigen Bruder verloren. „Ich kann das alles nicht glauben.“, murmelte sie während sie vor dem angeschalteten Fernseher stand und ihre Hand auf ihren Mund platzierte. Sie war sehr zierlich, jung, hübsch und modebewusst. Ein kurzer schwarzer Lederrock mit feiner Strumpfhose und dazu ein enganliegendes schwarzes Oberteil aus Spitze. Kurz schaute ich dennoch zu meinem Bruder rüber, neben dem seine neue Freundin stand und war dankbar, dass meiner noch am Leben war. Existierte. Etwa eine halbe Stunde später klingelte es urerwartet an der Tür. „Ich mach auf.“, sprach ich gefasst, da wir vom schlimmsten ausgingen. Die Hiobsbotschaft würde überbracht werden von irgendeinem seiner Kollegen, davon ging ich fest aus, wobei Diegos Zusicherung mir Kraft gab. Inständig hoffte ich das die Überraschung mein Ehemann sein würde. Das er zurückkommen und bei seiner Familie sein würde. Tief atmete ich ein und aus und stieß ein Gebet in den Himmel, bevor ich die Türklinke runterdrückte. Vor meinen Augen wurde es schwarz, ich stolperte nach Hinten, hielt mich an dem Flurschrank fest und bekam Tränen in den Augen. „Du… lebst.“, er nickte, sah sehr erschöpft und am Boden zerstört aus. Seine Seele schien leblos zu sein. „Sind meine Eltern da?“
„Ja, alle sind hier.“, bejahte ich und schaute ihm nach, wie er Richtung Wohnzimmer lief und kurz drauf das Geschreie anfing. „Güveeeen, mein Sohn!“, heulten seine Eltern und zitternd, schwankend lief ich ihm nach. „Ich lebe. Mir ist nichts passiert. Um genau zu sein, ist keinem von uns etwas passiert. Nur die Dienerschaft meines Che… verdammt…“, er warf sich auf die Couch, nahm sein Kopf herzzerreißend mit beiden Händen und bat: „Lasst mich alle für heute in Frieden. Ich will niemanden sehen und schaltet das Licht und den Fernseher aus!“
„Aber wir haben uns solche Sorgen um dich gemacht!“, widersprach ihm seine kleine Schwester, was er jedoch ignorierte. Er zog sich zurück, blendete seine gesamte Umgebung aus und wartete darauf, allein gelassen zu werden. Jeder respektierte seinen Wunsch. Derweil kochte ich in der Küche einen Beruhigungstee und brachte sie ihm, wortlos. Die Stehlampe im Flur sorgte wenigstens für ein bisschen Helligkeit. Gerade als ich wieder gehen wollte, packte er mich an der Hand. „Ich schäme mich zutiefst!“, verriet er unglücklich und mitgenommen. „Diego hatte recht. Wieder einmal hat er bewiesen was für ein ausgezeichnet guter Polizist in ihm steckt und was habe ich gemacht? Ich habe mich blenden lassen. War einem Verräter treu, der mich gegen meinen besten Freund ausgespielt hat. Ich habe Diego im Stich gelassen, war hinter ihm her, obwohl er die ganze Zeit auf der richtigen Seite war. Während der Razzia kam alles so durcheinander, es fand eine Explosion statt, was uns verschonte, aber die ganze Organisation des Verräters in die Luft sprengte. Er wollte entfliehen, als er merkte, dass dies in Wahrheit eine Razzia gegen ihn war. Plötzlich stürmten wildfremde Polizisten ins Lager, die ihn festnahmen. Ich verstand die Welt nicht mehr. Mich hat die Situation so überfordert, bis Tonbänder und Videos abgespielt wurden, wie der Verräter selbst Drogenhandel betreibt und die ganzen vorhandenen Drogen er dorthin transportiert hat, um sich selbst im guten Licht stehen zu lassen. Weißt du was? Es gab viel mehr Drogen, die in unbekannten Lagern gelagert wurden, an die wir Polizisten niemals drangekommen wären, wenn der Präsident nicht eingegriffen hätte. Ich habe mich mitten in einem Kriegsfeld befunden, wo ich unbeabsichtigt auf der falschen Seite stand! Wie soll ich mit dieser Schande jetzt leben?“ Unverzüglich schlang ich die Arme um ihn, küsste seine Schläfe und versuchte ihn zu ermuntern: „Du wusstest es nicht. Es ist nicht deine Schuld. Bitte hör auf, dich für etwas verantwortlich zu fühlen, wofür du nichts kannst.“
„Ich hätte meinen besten Freund nicht hintergehen dürfen.“, auf einmal weinte er los, lehnte seinen Kopf an meine Brust und klammerte sich Hilfe suchend an mich, was mich zutiefst rührte. „Schatz, du warst einfach ein Bauer in diesem Schachspiel. Der böse König hat dich benutzt, um sich selbst zu schützen.“ Leider erreichten meine Worte ihn nicht mehr, er war wie in Trance. Teilnahmslos. Keine Reaktion. So gut ich konnte hielt ich ihn fest und nachdem er sich bisschen beruhigt hatte, brachte ich ihn ins Badezimmer, wo ich ihn mit eigenen Händen wusch und abtrocknete. Ich machte ihn bettfertig und kuschelte mich im Bett an seine Brust, um ihm zu zeigen, dass er nicht allein war. Was für einen Ablauf dieser Tag doch genommen hatte. Unfassbar. »Diego, ich hoffe, du verzeihst deinem besten Freund.«
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