Mutter Theresa

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Chris "The Lord" Harms Class Grenayde Gared Dirge OC (Own Character)
26.02.2019
25.04.2019
41
100250
5
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Vorab: natürlich ist diese Geschichte frei erfunden. Die Protagonisten gehören sich selber und dienen mir hier nur als "Vorlage" bezüglich Namen und Aussehen... alle anderen Ähnlichkeiten sind rein zufällig :). Ich verdiene damit leider kein Geld, mein Lohn sind Eure Reviews und die Sterne.

Das erste Kapitel ist etwas lang geworden, ich hoffe, das stört nicht. Viel Spaß beim Lesen!

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Begegnung

Die A 10 vor mir ist bis auf die üblichen Schwerlasttransporter leer. Das ist der Vorteil der Spätschicht: ich komme den weiten Weg nach Hause gut durch. Es war meine siebte Spätschicht in Folge, ich bin froh, endlich freie Tage vor mir zu haben. Musik von meinem Stick ertönt überlaut aus den Boxen, vor allem den Bass habe ich hoch gedreht. Das Auto vibriert.  Zügig überhole ich einen Schwerlasttransporter nach dem anderen, in Gedanken bin ich schon ganz bei Morgen. Mein Handy meldet sich, ich nehme das Gespräch über meine Freisprecheinrichtung an. Gleichzeitig schalte ich die Musik aus, als auch schon ein „Hi, Liebes! Wie war Dein Tag?“ ertönt. „Hör mir nur auf, Fred! Aber ich habe ihn überlebt und bin schon auf der A 10, Richtung Heimat!“ „Hehe, ich auch! Also auf der A 10, aber nicht nach Hause. Bin grad Höhe Erkner.“ „Ach, dann hab ich Dich ja bald... bin grad rauf!“ entgegne ich lachend. „Vielleicht sehen wir uns ja?“ Mist! Ausgerechnet jetzt leuchtet die Öllampe auf! Ich muss meinen alten Bulli echt mal in die Werkstatt geben. Oder Fred. „Du? Magst Du mal demnächst schauen, warum mein alter Bulli soviel Öl verliert?“ frage ich ihn auch prompt, während ich den Blinker setze und rechts rüberziehe. Der nächste Rastplatz ist meiner! „Klar, Süße, für Dich immer! Am Wochenende haste ihn nicht mit, wa?“ „Neeee, da entstaube ich meine Kawa! Du, ich fahr mal rechts raus und kippe Öl nach. Wir hören uns, ja?“ „Bis gleich!“ beendet er die Verbindung, während ich den Rastplatz befahre.

Gleich die erste Parkbuchte ist meine. In kurzer Entfernung sehe ich im blassen Mondlicht das kleine rote Backsteingebäude, dass die Toiletten beherbergt. Der Parkplatz ist fast leer, nur einige Fernfahrer haben geparkt und scheinen zu schlafen. Diesen Rastplatz kenne ich, er ist klein, von Wiesen umsäumt. Ich bin schon routiniert im Ölnachfüllen. Geht ganz schnell, zumal an der Parkbuchte eine Laterne leuchtet. Beim Verschließen des Ölbehälters und anschließendem Schließen der Motorhaube sehe ich nach rechts, in Fahrtrichtung. Dort sehe ich undeutlich eine Menschentraube, die offenbar Spaß hat. Schnell greife ich den Ölkanister, um ihn wieder in mein Auto zu werfen. Genervt öffne ich die Schiebetür auf der anderen Seite meines Bullis und werfe den Kanister achtlos hinein. Mein Blick fällt durch die Autoscheibe auf die sich amüsierenden Menschen. Und in dem Moment wird mir klar, dass sie sich nicht amüsieren. Nicht alle. Ungefähr sechs bis acht Kerle prügeln und – blitzt da ein Messer? Verdammt! - stechen auf fünf andere Männer ein, die inzwischen laut um Hilfe rufen. Ohne nachzudenken lass ich die Schiebetür auf und greife meinen Erste-Hilfe-Kasten. Auf der rechten Seite wehren sich die Fünf verzweifelt. Einen Plan habe ich nicht, aber ich starte den Wagen und fahre mit Lichthupe und lauten Hupen auf den Pulk zu. Vielleicht – ja, mein Plan geht auf! Die Angreifer weichen zurück,während die Fünf torkelnd am Rand stehen. Langsamer rollend rufe ich: „In den Wagen, schnell!“, während ich die Türen von innen schon mal verriegel. So können die Angreifer nicht die Türen öffnen. Denn diese nähern sich! „Fahr los!“ ertönt neben mir eine Stimme und ich höre, wie zwei Türen geschlossen werden. Dass die Beifahrertür geöffnet worden war, habe ich gar nicht mitbekommen, denke auch nicht weiter darüber nach. Lieber trete ich das Gaspedal durch und rase mit quietschenden Reifen los,nachdem ich schnell dem Typen neben mir den Erste-Hilfe-Kasten in die Hand gedrückt habe, sicher ist sicher. Klirren ertönt, die Heckscheibe splittert. Egal, ich befahre schnell die Bahn. „Hat wer das Auto von denen gesehen?“ rufe ich und bekomme sofort die Antwort: „Zwei schwarze BMW, Kennzeichen lauten...!“ Meine Hände zittern. Ich drücke mein Handy dem Typen neben mir in die Hand. „Letzte Nummer! SCHNELL!“ Der reagiert sofort und in meiner Freisprecheinrichtung ertönt, für jeden hörbar, Fred's Stimme. „Hey Süße, so...“ „Klappe, hör zu, brauch Hilfe!“ konter ich. „...Höre?“ meint Fred nur. „Zwei schwarze BMW, Kennzeichen....“ schnell hilft der Typ neben mir und nennt die Nummernschilder. „.. verfolgen uns. Kannst Du die...“ „Schon bei! Trucker braucht Hilfe!“ erklingt die ruhige, Tiefe Stimme von Fred, als er in seinen Funk spricht. Einen Code setzt er hintenan, ich habe diese Codebedeutungen nie verstanden. Auch die Antworten höre ich und die Nummernschilder, die er durchgibt. Ich gebe Vollgas, hole alles aus dem alten Bulli raus. Es zieht wie Hechtsuppe, stimmt ja – das Heckfenster... „Fred? Außer Ölverlust fehlt jetzt auch die Heckscheibe!“ „Keine Sorge, auch das bekomme ich hin. Setzt dich vor mich, wenn Du mich hast. Vielleicht schaffst Du's, 25 noch bis Ausfahrt zur A11!“ Schweigen. Kurz frage ich: „Jemand verletzt? Statusbericht!“ Dabei denke ich nicht daran, dass mit meinen Begriffen niemand was anfangen kann. Ich arbeite in einer therapeutisch-pädagogischen Einrichtung, in der Jugendliche untergebracht sind. Sie sind alle psychisch krank, viele auch süchtig. Da passiert fast täglich irgendetwas, so dass wir kurz und knapp in Krisensituationen miteinander kommunizieren. „Ja, drei Stichverletzungen, mindestens einen Bruch, diverse Blutergüsse.“ fässt mein Beifahrer zusammen, nachdem er sich kurz mit seinen Freunden? Bekannten? Unterhalten hat. Ich nickte. „Ich fahre Euch zum Krankenhaus. Aber nicht das nächstgelegene.“ Wild überhole ich einen LKW nach dem anderen, die BMWs sind bereits hinter mir. „Ha! Fred? Ich hab Dich!“ „Setz Dich vor mich!“ Eine kleine Lücke ist vor dem Schwerlaster, den ich überhole. Ein großer, schwerer Transporter, mit schwarzer Fahrerkabine, die mit Airbrush verziert ist. Ich weiß, dass im Fahrerfenster der Name „Fred“ zu lesen ist. Neben dem Wappen unseres Motorradclubs. In letzter Sekunde, ohne zu blinken, fahre ich in die enge Lücke. Mein Beifahrer keucht erschrocken auf und hält sich am Türgriff fest. Zeitgleich setzt sich der Laster, der nun vor mir fährt, direkt vor die BMWs. Bremst diese gekonnt aus, so dass ich wieder auf die Überholspur kann. „Fred, sag den Jungs Danke von mir!“ „Klar, Süße! Aber erzähl endlich, was passiert ist, die wollen wissen, warum sie ihre Lappen riskieren!“ „Ähm... ich übergebe das Wort an meinem Beifahrer. Ha, die Ausfahrt...“ freue ich mich. „Sagt mir bitte, ob die Idioten weiterfahren, ja?“ „Gebongt! Jetzt erzähle, Beifahrer!“

Neben mir ertönt ein räuspern, dann spricht mein Beifahrer mit tiefer Stimme. Der Klang der Stimme ist angenehm, ich mag tiefe Stimmen. Kurz werfe ich einen Blick auf ihn. Schlank, lange Haare, markantes Gesicht. Er kommt mir bekannt vor. Ich weiß nur nicht, woher. „Also wir haben Rast eingelegt. Ehrlich gesagt, mussten wir erst mal die Route neu checken... Jedenfalls sprachen uns Acht Männer an, die an ihren BMWs lehnten. Die wollten Geld von uns. Und dann griffen sie schon an, mit Messern, Schlagstöcken und -ringen. Wir wehrten uns, mussten aber schnell erkennen, dass wir ihren Waffen und der Überzahl wenig entgegen zu setzen hatten. Ja, und dann kam mit Lichthupe und Hupe diese Verrückte, die neben mir sitzt, angerast, mit offener Tür. Schrie noch, wir sollen einsteigen. Den Rest kennst Du. Bitte, sag Deinen Kollegen ganz herzlichen Dank von uns!“ Fred lachte. „Na, Mutter Theresa, das war eine gute Aktion, was?“ „Boah, Fred, Du sollst mich nicht so nennen!“ murre ich. Den Namen haben mir meine Motorradclubfreunde vor langer Zeit gegeben. Nicht nur als Sozialpädagogin helfe ich beruflich, sondern ich ziehe auch alle Hilfsbedürftigen magisch an. Wie man ja heute wieder gesehen hat. „Die sind übrigens auf der A 10 weiter, von uns eskortiert. Jetzt, zwei Ausfahrten später, lassen wir sie ziehen. Haben aber noch nette Fotos von ihnen gemacht. Für die Anzeige, die Deine Schützlinge ja wohl machen werden!“ Erneut bedankt mein Beifahrer sich, bevor ich mich von Fred verabschiede: „Unfallfeie Fahrt Dir und Deinen Kollegen, Fred. Wir sehen uns morgen, beim Treffen und Blót!“ „Asa og Vana, Schwester!“ antwortet er mir. „Asenheil und Vanensegen!“ erwidere ich und lege auf. „Ah, hier fahren wir ab.“ bemerke ich und setze den Blinker.

Ich spüre eine warme Hand auf meinem rechten Arm. Die Fingernägel sind kurz und mit schwarzem Lack, der abblättert, versehen. Trotz des kalten Wetters, der Frühling hält jetzt, Mitte März, grad erst Einzug, hat er seine Ärmel hochgeschoben. Sie sind mit Tatoos verziert. Tribale Kunst ist erkennbar. Dann wende ich den Blick nach vorne, lege meine linke Hand kurz auf seine Hand, die immer noch auf meinem rechten Arm liegt, bevor ich wieder die Hand an das Lenkrad lege. Seine Hand streicht zögernd meinen Arm entlang, bis sie meine rechte Hand erreicht. Unsicherheit ist deutlich spürbar, als er schließlich meine Hand berührt. Instinktiv löse ich die rechte Hand vom Lenkrad und greife zu. Fest drücke ich seine Hand. „Danke!“ höre ich ein Flüstern an meinem Ohr und spüre seinen warmen Atem. Während ich in die Stadt Bernau einbiege bemerke ich, dass mein Beifahrer, dessen Namen ich immer noch nicht weiß, sich zu mir gebeugt hat. Ich schenke ihm ein aufmunterndes Lächeln, dann spüre ich seinen Kopf, der müde an meiner Schulter lehnt. An der Ampel, die mich durch Rot zum Halten zwingt, lege ich kurz meine linke Hand an seine Wange und streiche behutsam darüber. „Könnt Ihr mir kurz sagen, wie es Euch geht?“ bitte ich in die Stille hinein. Von hinten macht sich eine nervöse Stimme bemerkbar: „Also... Die Stichverletzungen habe ich verbunden. Paar Glasscherben haben uns getroffen. Class ist halb bewusstlos, glaub den haben die ordentlich auf den Kopf getroffen.“ „Danke. Der Herr neben mir ist auch etwas abwesend.“ bemerke ich, „aber wir sind gleich da.“ Geschickt fahre ich durch den Kreisel, dann biege ich links ab.

Um diese Zeit, es ist 23 Uhr durch, ist hier nichts mehr los. Noch einmal links abbiegen und dann sind wir am Krankenhaus. Der Parkplatz ist leer, ich parke direkt an der Notaufnahme.  Den Schlüssel ziehe ich ab, dann wende ich mich meinem Beifahrer zu, der an meiner Schulter lehnt. „Hey...“ behutsam streiche ich ihm erneut über das Gesicht. Seine Hand legt sich auf meine, dann spüre ich, wie seine Lippen einen Kuss auf meine Hand drückt. „Wir sind am Krankenhaus. Ich brauche jetzt Deine Hilfe!“ Seufzend richtet er sich auf. „Mir ist schwindlig....“ murmelt er. „Gut, bleib sitzen, ja? Warte bitte.“ Das kann ja was werden... „Ihr bleibt bitte alle im Auto sitzen, ich geh erst mal Euch anmelden!“ Und schon renne ich in die Notaufnahme. Träge blickt mich eine Schwester an, die hinter dem Tresen der Anmeldung sitzt. „Ich benötige Hilfe, 5 verletzte Männer sitzen in meinem Bulli!“ beginne ich. „Die wurden auf einem Rastplatz mit Messer und Schlagstöcken angegriffen!“ „Verletzungen?“ „Schnittwunden, Prellungen, eventuell Arm gebrochen, vielleicht Gehirnerschütterung.“ Während wir das Frage-Antwort-Spiel durchgehen, dass ich aus Krisensituationen auf Arbeit zur Genüge kenne, folgt sie mir bereits und nimmt zwei weitere Schwestern mit. Zielstrebig führe ich sie zu meinem dunkelblauen Bulli, der mit vielen Aufklebern verziert ist.  Ich öffne die Schiebe- und danach die Beifahrertür. Behutsam berühre ich meinen Beifahrer. „Hey... siehst Du mich einmal bitte an?“ Sehr langsam nur dreht er seinen Kopf zu mir. „Hab Dich vermisst....“ murmelt er, die Augen geschlossen. Kurz betrachte ich sein Gesicht, da öffnet er plötzlich seine Augen. Der Blick seiner braunen Augen ist schmerzerfüllt, traurig, aber dann lächelt er. Verblüfft starre ich ihn fast an. Ein solch schönes Lächeln schenkte mir noch nie ein Mann! „Ist Dir immer noch schwindlig?“ Er nickt. „Ich übergebe Dich jetzt den Schwestern hier, ja?“ erkläre ich ihm. Bevor ich mich zurückziehen kann, packt mich seine Hand und drückt schmerzhaft mein Handgelenk. Erschrocken reiße ich meine Augen auf. Grüne Augen starren in braune Augen. „Ich will, dass Du bei mir bleibst!“ „Weil...?“ möchte ich wissen. „Ich... habe Angst...“ murmelt er und blickt beschämt nach unten. Eigentlich möchte ich doch nur nach Hause... seufzend greife ich das Handy, dann seine Hand. „Na komm, ich bleibe bei Dir. Versprochen!“ Dieses wunderschöne Lächeln ist seine Antwort.

Die drei Schwestern haben inzwischen die anderen Vier kurz angesehen. Zwei werden gestützt, die anderen Beiden können problemlos laufen, auch wenn einer der Beiden hinkt. Ich reiche meinem Beifahrer die Hand, er stützt sich schwer auf mich beim Aussteigen. Während ich die Tür schließe und per Knopfdruck das Auto abschließe, legt er seinen Arm um meine Schultern. „Sorry....“ murmelt er, wieder direkt an meinem Ohr. „Kann kaum geradeaus laufen.“ „Schon gut, ich halte Dich!“ verspreche ich ihm. Einige Jugendliche in unserer Einrichtung sind groß und schwer, ich habe Erfahrung darin. Weiß, was auf mich zu kommt. Meinen Arm um seine Hüfte legend, führe ich ihn die wenigen Schritte in das Gebäude und dann zum Wartebereich der Notaufnahme. Wir werden sofort durchgewunken. Tatsächlich krallt er sich an mir fest, als ob er befürchtet, dass ich Wortbrüchig werde. Aber ich habe es versprochen und werde bei ihm bleiben. Bis die Untersuchungen beendet sind.
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