Ein neues Leben beginnt

von Deadtear
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
Chloe Price Maxine Caulfield
26.02.2019
09.08.2019
31
206519
4
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„Price beweg deinen gottverdammten Arsch zurück“ schreit mich eine Stimme an. Ich öffne die Augen und sehe überall Sand und Autos. Ich höre Schüsse und renne weiter. Frauen und Männer schreien durcheinander. Eine Explosion ertönt und ich werfe mich zu Boden. Ich blinzel und bin in einem dunklen Zimmer.
„Shit, die Dunkelkammer?“stelle ich mir selber die Frage, doch da höre ich Stimmen, ein Mann redet auf mich ein, doch ich verstehe ihn nicht. Wumm, er schlägt mir ins Gesicht. Ich kann nicht anders und fange an zu weinen. Ich muss hier raus. Ein Klingeln legt sich über die Geräusche des Zimmers und der Schüsse im Hintergrund...
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„Scheiße Chase, ich habe dir gesagt, dass wir dich anrufen, wenn sie wach ist.“ knurrt Chloe so leise wie möglich ins Telefon, sie klingt sauer.
„Hey Liebling!“ nuschel ich leise.
„Prima du hast sie geweckt! Bist du jetzt zufrieden?“ sie hält das Telefon zu und sieht mich an. „Hey Maxi, versuch weiter zu schlafen.“ sie zwinkert mich an und will mit dem Telefon das Zimmer verlassen.
„Chloe, nein, ist schon okay. Darf ich sie sprechen, bitte?“ ich gähne und strecke die Hand nach dem Telefon aus.
„Halte dich kurz, sie braucht Ruhe!“ seufzt Chloe ins Telefon und übergibt es an mich.
Ich setze mich im Bett auf Chloe kommt dazu und setzt sich hinter mich, ich lehne mich an sie an.
„Hey Vic!“ grüße ich müde.
„Oh Max, ich bin so froh, dass du wieder zu Hause bist.“ sagt Victoria und klingt ehrlich erleichtert. Ich höre Hintergrundgeräusche und wie das Telefon bewegt wird.
„Oh dank dem Herren, du bist wieder da. Max, wir haben uns solche Sorgen um dich gemacht. Wie geht es dir? Bist du verletzt?“ Kate klingt im Gegensatz zu ihrer Partnerin noch sehr besorgt.
„Hey, wie wäre es, wenn ihr zwei heute zum Abendbrot vorbei kommt, dann können wir in Ruhe reden?“ ich spüre wie Chloe hinter mir unruhig wird.
„Ja okay, wir bringen etwas mit, dann braucht ihr euch um nichts zu kümmern.“ sagt Kate.
„Okay, dann um 18 Uhr bei uns?“ frage ich nach und nach der Bestätigung lege ich schnell auf, bevor Chloe noch etwas sagen kann.
„Was war das denn? Du brauchst Ruhe Max!“ grummelt Chloe an mein Ohr.
„Du kennst doch die beiden, die geben doch eh keine Ruhe.“ ich grinse meine Frau an und bedeute ihr sich zu mir herunter zu beugen. Ich hole mir einen Kuss ab und schmiege mich dann an sie.
„Ich habe geträumt, dass ich wieder da bin.....“ ich spüre ein sanftes Drücken an meinem Bauch.
„Hä?“ frage ich und sehe mich um.
„Ich habe gefragt ob du vom Traum erzählen magst, aber dann warst du plötzlich...irgendwie...weg!“ ich höre wie besorgt sie ist.
„Nein, es ist nichts, es ist einfach....viel zu verarbeiten.“ seufze ich leise.
„Max? Hör zu, ich liebe dich und ich mache mir Sorgen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, was du alles durchgemacht hast, aber ich bin da für dich! Bitte verschließ dich nicht vor mir. Ich habe Angst, dass....dass das zu viel wird für dich. Ich weiß, dass du Zeit zum Verarbeiten brauchst und wir erst seit knapp 24 Stunden zu Hause sind aber zwischendurch bist du so so furchtbar weit weg. Ich habe hella Angst um dich!“ ich höre ihr Schniefen und als ich zu ihr hoch sehe erblicke ich Tränen.
„Oh Liebling....“ ich spüre nun meine Tränen aufsteigen. „Bitte mach dir keine Sorgen. Ich werde Hendrik anrufen, vielleicht kann er mir helfen, okay?“ Chloe nimmt mich in ihre Arme und ich kuschel mich an.
„Es tut mir leid Baby. Ich habe mir vorgenommen stark für dich zu sein, aber ich...“ ich drehe mich vorsichtig um und unterbreche sie damit.
„Chloe, du gibst mir so viel Stärke, mach dir nicht so viele Gedanken, wir schaffen das schon.“ ich lächel sie an und küsse sie anschließend auf die Nase. Wir sehen uns tief in die Augen.
„Ich bin so glücklich wieder bei dir sein zu dürfen“ ich lege meine Lippen auf ihre und lasse meine Zunge drüber gleiten.
Sie öffnet ihren Mund und schon um spielen sich unsere Zungen. Ich spüre Chloes Hand über meinen nackten Rücken wandern, ihre Berührungen sind federleicht.
„Ich liebe dich!“ seufze ich und kuschel mich an.

„Max....Maxi....“ Chloe Stimme klingt ganz fern.
„hmmmmm?“
„Komm du musst langsam aufwachen!“ Chloe gibt mir einen Kuss auf meine Stirn.
Ich sehe mich um. Wir liegen noch immer im Bett.
„Wie spät?“ frage ich verschlafen.
„Gleich 16:30. Ich dachte du magst noch duschen bevor die beiden kommen.“ ich höre das amüsierte Grinsen in der Stimme meiner Frau.
„Shit, ich bin auf dir eingeschlafen“ stelle ich fest und rolle mich langsam aufs Bett.
„Aber du hast mal am Stück geschlafen. Keine Albträume?“liebevoll beobachten mich zwei blaue Augen.
Ich schüttel den Kopf.
„Duschen klingt gut, kommst du mit?“ ich stehe auf und versuche mich zu dehnen ohne die Schulter zu viel zu bewegen.
„Immer!“ und damit erhebt Chloe sich ebenfalls aus dem Bett.


„Tschüß Kate. Victoria, wir sehen uns dann morgen um 12 und sehen uns die Fotos an.“ ich nehme Kate in den Arm und anschließend ihre blonde Partnerin.
„Hältst du das wirklich für eine gute Idee?“ fragt mich Chloe besorgt nachdem wir die Tür geschlossen haben.
„Ich glaube, dass mir das bei der Verarbeitung hilft.“ ich küsse sie schnell auf die Wange.
„Ich weiß nicht, kann ich dabei sein? Nur zur Sicherheit. Ich will nicht, dass du alleine bist!“ Chloes Stimme spiegelt Entschlossenheit und Sorge wieder.
„Hab ich irgendwie eine Chance dich davon abzuhalten Punk Ass?“ grinse ich sie an und lege einen Arm um ihre Hüfte.

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Mein Telefon klingelt und holt mich aus meinen Gedanken. Ich schaue auf das Display.
„Hallo Hendrik, schön, dass du anrufst.“
„Hallo Max, wie geht es dir heute?“ fragt mich die bekannte Stimme durchs Telefon.
„Ich...ähm...es geht. Ich glaube ich drifte immer seltener ab.“ sage ich zerknirscht.
„Oh das ist gut. Wann hattest du den letzten Albtraum?“
„Das war...warte....vor 3 Tagen. Ja, zwei Tage nachdem ich mich mit meiner Agentin getroffen habe war das letzte Mal.“
„Okay, dass ist super. Machen wir uns nichts vor, dass wird nicht das letzte Mal gewesen sein, aber es ist gut, wenn die Abstände größer werden. Pass auf, ich habe ein paar Tage frei und bin bei einem Freund in Seattle und ich würde Chloe und dich gerne besuchen kommen, wenn das okay ist. Ich habe eine guten Freund  und ehemaligen Studienkollegen hier in Seattle, den würde ich dir gerne vorstellen, was meinst du?“
„Ja, das wäre, gut, denke ich. Aber du musst nicht extra wegen mir vorbei kommen....“ich spüre Tränen in meinen Augenwinkeln.
„Max, alles okay, ich mache das gerne. Außerdem bin ich wie gesagt eh hier, da macht ein kleiner Umweg nichts.“ ich schniefe nur zur Antwort. „Hey Max, rede mit mir.“ er klingt besorgt.
„Ja, ist okay, danke Hendrik!“ und ich lege das Telefon auf.


„Ich habe heute wieder mit Hendrik telefoniert. Er will mich einem Freund vorstellen und uns morgen besuchen kommen, ich hoffe, dass das okay für dich ist“ sage ich Chloe die in meinen Armen liegt.
„Natürlich Baby, ich freue mich, wenn wir ihn wiedersehen.“ sie greift nach unserem aktuellen Buch und fängt an vorzulesen. Während ich ihr zuhöre werden meine Gedanken immer ruhiger und ich schließe die Augen.

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Mir ist heiß, die Sonne scheint unerbittlich auf mich herab. Ich halte meine Kamera in der Hand und sehe mich um. Soldaten rennen mit Waffen hin und her, ich drehe meinen Kopf zu Seite. Garry steht neben mir und sagt etwas. Langsam kommt mein Gehör an, ich höre geschriene Befehle, Garry will mich an der Schulter packen. Instinktiv renne ich los, weg von dem Konvoi, dem Kampflärm entgegen. Hinter mir die Explosion als der Konvoi in die Luft geht.
„Fuck Price!“ und dann folgen mir schwere Stiefel. Ich drücke mich an eine Hauswand. Halte die Kamera vors Auge, neben mir höre ich schweres Atmen.
Eine Licht flackern in der Linse. Ohne zu wissen wieso rufe ich „Scharfschütze“ und ducke mich.
Ein Knall, ich sehe neben mich. Leblos kommt der Körper neben mir auf den Boden an. Ein Einschussloch ist genau in der Mitte über den beiden wunderschönen Augen die mir alles bedeuten. Erdbeerblondes Haar lugt unter dem schweren Militärhelm hervor. Chloes leblose Augen sehen mich vorwurfsvoll an.
„NEIN...nein...nein....“ ich versuche den Helm von ihrem Kopf zu bekommen. Ich beuge mich über ihren leblosen Körper und weine.
„Es tut mir leid, oh Gott nein, wieso sie? Ich bin schuld, nimm mich!“
Ich hebe die Hand und drehe die Zeit zurück. Ich sehe wieder das Licht in der Kamera und rufe Scharfschütze. Ich will Chloe mit mir herunter reißen doch kann mich nicht bewegen. Die Welt geht in Zeitlupe weiter, wie damals auf dem Dach, als Kate springen wollte, doch ich kann mich diesmal gar nicht bewegen. Ich spüre das Blut in meiner Nase doch egal wie sehr ich mich anstrenge es geht nicht. Ich sehe wie die Kugel auf meine Seelenverwandte zufliegt. Tränen laufen meine Wange herab. Chloe dreht in Zeitlupe den Kopf zu mir, sieht mich wütend an. Die Kugel ist diesmal tiefer, schlägt in ihren Bauch ein. Sie sinkt zu Bode und die Zeit läuft wieder schneller. Ich beuge mich zu ihr. „Halt durch Liebling, Hilfe ist auf dem Weg, du darfst nicht sterben.“ flehe ich sie an während ich versuche die Blutung zu stoppen.
„Du hast mich allein gelassen!“ zischt Chloe schwer atmend. „Du hast mir versprochen mich nie wieder alleine zu lassen und doch bist du gegangen. Diesmal hast du mich getötet Max. Das kann ich dir nicht verzeihen.“ sie krampft und ihr Körper wird schlaff.
Ich lasse wieder die Zeit zurück drehen doch egal was ich versuche sie stirbt. Mal schnell, mal langsam, doch ich kann nichts tun. Mein Kopf droht zu explodieren.
„Ich muss dich retten. Es tut mir so leid, ich lass dich nicht im Stich.“
„Max? Scheiße Max!“ ein Erdbeben. Ich werfe mich über den Toten Körper meiner Frau um sie zu schützen.
„Ich finde eine Weg dich zu retten“ flüstere ich....
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Etwas tropft in mein Gesicht. Ich öffne die Augen nur um sie wieder zu schließen.
„AWWWWW“ murmel ich und halte mir den Kopf.
„Max?“ Chloes Stimme klingt schrill, die Kopfschmerzen werden schlimmer. Ich muss würgen. Das Gewicht auf meinem Körper verschwindet und ich rolle mich zur Seite, übergebe mich.
Eine zitternde Hand streicht über meinen Rücken.
„Warte ich hole einen Lappen“ und dann höre ich wie Chloe das Zimmer verlässt. Ich rolle mich zusammen, halte meinen Kopf aus Angst, dass er sonst in zwei bricht.
Chloe kommt zurück, sie wischt mir den Mund ab, legt ein weiteres kaltes Tuch auf meinen Kopf.
„Es tut mir leid“ wimmere ich leise, meine eigene Stimme ist zu laut für mich.
Sie arbeitet schnell und leise neben mir. Nach ein paar Minuten verlässt sie das Zimmer und kommt anschließend wieder zurück.
„Hier sind Kopfschmerztabletten!“ sie schiebt meinen Oberkörper vorsichtig nach oben und drückt mir Tabletten und ein Glas Wasser in die Hand. Ich nehme die Tabletten und lasse mich an sie fallen. Ihre Hände streichen durch meine verklebten Haare.
„Chloe...“ich spüre wie ich anfange zu zittern
„Shhht, ganz ruhig Max. Ich bin hier, du bist zu Hause. Ruh dich aus, wir reden später.“ ihre Stimme ist ein leise, beruhigendes Flüstern.
Womit habe ich diese wundervolle Frau nur verdient, frage ich mich mal wieder selber. Mein Kopf fällt zur Seite, ich bin an meinen Engel gelehnt und sie streicht mir weiter durchs Haar. Zwischendurch spüre ich etwas Nasses in meinem Gesicht, aber der Schmerz betäubt mich, sodass ich meine Gedanken nichts sortieren kann.

Ich erwache in einem völlig dunklen Zimmer. Die Kopfschmerzen sind deutlich besser. Ich erinnere mich an meinen Traum.
„Chloe?“ keine Reaktion. Ich mache die Nachttischlampe an und sehe mich um. Ich bin alleine im Schlafzimmer. Ich gehe zur Tür und höre Stimmen aus dem Wohnzimmer. Ich fokussiere mich auf die zweite Stimme um zu erfahren wem sie gehört und erkenne Hendrik.
Shit, mein Shirt ist voll Blut. Ich ziehe mich um und gehe langsam Richtung Wohnzimmer.
„Du hast mir nie meine Frage beantwortet….warum du so sehr um uns bemüht bist.“ sagt Chloe.
Ich höre ein Seufzen.
„Das ist….mega unprofessionell, denke ich, aber…naja…Max…sie erinnert mich an meine Schwester. Die beiden sehen sich ziemlich ähnlich. Sie hat sich damals umgebracht als ich 19 war, ich denke…ich wollte es diesmal besser machen.“ Antwortet ihr Hendrik mit einem Zittern in der Stimme.
Ich spüre wie mein Herz schwer wird.
„Wow, das war sicher nicht einfach für dich!“ seufzt meine Frau.
„Hey Leute! Hendrik, wie lange bist du schon hier?“ ich gehe zu meinem ehemaligen Therapeuten und nehme ihn in den Arm.
„Wie geht es dir Max?“ fragt er mich und ich lasse mich neben Chloe auf die Couch fallen. Sie zieht mich in ihre Arme und küsst mich auf die Stirn.
„Immer noch ein bisschen Kopfschmerzen...“ er schaut mich unzufrieden an und ich unterbreche.
„Jaja, schon gut. Es ging mir schon mal besser. Es ist...viel, meine Erinnerungen bzw Albträume vermischen sich auch gerade.“ auf seinen fragenden Blick erzähle ich beiden meinen letzten Traum. Ich höre wie Chloes Atem leise schneller wird. Sie drückt meine Hand beim Erzählen.
„Wie oft hast du die Zeit zurück gedreht bis du aufgewacht bist?“ Hendrik schaut mich neugierig an.
„Ich denke so 12 Mal“ antworte ich mit erstickter Stimme.
Chloe hält neben mir die Luft an.
„Na kein Wunder, dass du solche Kopfschmerzen hattest anschließend!“ sagt mein ehemaliger Therapeut.


Wir schließen die Tür und zwei Arme umschließen mich.
„Ich bin so stolz auf dich wie du offen über alles redest!“ und ich bekomme einen Kuss in den Nacken.
Ich drehe mich zu meiner Frau um und sehe ihr tief in die Augen. Meine Hand wandert zu einer Strähne die sich verirrt hat und ich schiebe sie ihr hinters Ohr.
„Ich bin so glücklich, dass ich dich habe!“ ich lehne mich an Chloe und lasse mich von ihr halten, meine Arme umschlingen ihre Hüfte und mein Kopf ist an ihrer Schulter. Ich muss an den Traum denken, die zig Male in denen sie gestorben ist.
„Denk nicht dran, ich bin hier bei dir! Mir geht es gut!“ schniefend sehe ich hoch.
„Scheiße Chloe, kannst du jetzt Gedanken lesen?“ ich muss lächeln.
„Ja, jetzt gerade denkst du daran, wie du dieses heiße Gerät in deinen Armen in dein Bett bekommst!“ sie zwinkert mir verführerisch zu und ich muss laut auflachen.
„Du bist so ein Idiot!“ kichere ich.
„Das bin ich gerne, wenn ich dafür dein wunderschönes Lachen höre.“ Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und küsse meine Partnerin.
Ich nehme ihre Hand und führe sie ins Schlafzimmer. Und wir erstarren beide.
„Oh fuck, dass habe ich vergessen.“ Chloe will sich an mir vorbei drängen, doch ich halte sie auf.
„Hey Liebling, was hältst du davon, wenn du uns ein Bad einlässt und ich mich darum kümmere?“ es ist zwar als Frage formuliert, aber meine Augen flehen sie an.
Sie seufzt resigniert und küsst mich wieder in den Nacken.
Ich ziehe die blutige Bettwäsche ab und beziehe das Bett frisch.
„Diesmal muss der Anfall wirklich schlimm gewesen sein“ murmle ich und greife mir instinktiv unter die Nase, fast als ob ich erwarte, dass noch mehr Blut heraus fließt.

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„Liebling? Bist du zu Hause?“ rufe ich und lausche.
Ich höre nichts. Ich gehe in die Küche und bereite das Abendbrot vor. Verträumt sehe ich auf die Weihnachtsdekoration und muss lächeln. Die Tür öffnet sich.
„Max? Bist du zu Hause?“ ruft Chloe.
„Küche!“ rufe ich kichernd zurück.
„Komm mal her Hippie, ich brauche deine Hilfe.“  
Chloe steht mit dem Ende eines riesigen Weihnachtsbaumes vor mir. Ich mache große Augen und packe mit an.
„Wo willst du das Monster denn aufstellen?“ frage ich aufgeregt.
Chloe delegiert uns ins Wohnzimmer.
„Wenn wir dieses Jahr alle einladen, brauchen wir doch einen schönen Baum“ sie grinst mich breit an.


„Wie waw dein Tagw?“fragt mich Chloe, die einfach weiter kaut während sie spricht.
Ein Glück habe ich inzwischen gelernt meine Frau auch mit vollem Mund zu verstehen.
„Anstrengend. Ich war erst in der Galerie mit Vic und wir haben die neuen Bilder platziert. Anschließend habe ich mich mit Joyce getroffen und dann hatte ich noch Gruppentherapie. Ach und Peter fragt, ob wir am Samstag zur Weihnachtsfeier kommen. Ich sagte, dass ich mich erst mal mit dir absprechen muss. Also was meinst du?“ ich sehe von meiner Lasagne auf und zu Chloe.
Sie sieht nachdenklich aus, antwortet aber nicht. Ich lege den Kopf schief und schaue sie an. Ertappt wirkend hebt sie den Kopf und sieht mich an.
„Hä…achso ja, Samstag Weihnachtsfeier. Ja klar gerne“ sie wirkt nicht so als ob sie wirklich bei der Sache ist.
„Ist…ist alles in Ordnung?“ Unsicherheit steigt in mir hoch.
Ich versuche sie herunter zu schlucken, aber Chloes seltsames Verhalten beunruhigt mich.
„Ja, natürlich, alles gut!“ sie grinst mich an doch mein Gefühl will davon nicht weggehen.


„Max, ich muss dir was sagen“ Chloe klingt ernst.
Wir liegen beide im Bett. Ich drehe mich schwer atmend zu ihr um und setze mich auf um sie besser ansehen zu können. Instinktiv ziehe ich meine Beine an und verdecke damit meine nackte Brust. Chloe beobachtet mich argwöhnisch.
„Oh Scheiße nein, hey Baby, entspann dich, es ist nichts schlimmes, komme her!“ sie zieht mich sanft an sich heran und ich schmiege mich an sie. Ich spüre wie mein Herz in meiner Brust rast.
„Ich….puh….ich weiß nicht wie ich es sagen soll. Ich denke schon den ganzen Abend darüber nach. Ob es vielleicht zu früh ist und wie ich es sagen kann.“ Ich lege eine Hand auf Chloes Wange und sie fokussiert sich auf mich.
Sie hat Tränen in den Augen und ein Lächeln auf dem Gesicht. Ich merke, dass ich sie gerade nicht drängen sollte. Sie braucht kurz ihre Zeit um sich zu sammeln. Auch wenn ich vor Angst und Anspannung gleich platze versuche ich so ruhig wie möglich zu sein.
Sie beugt sich zu mir und flüstert mir ins Ohr.
„Max, ich bin schwanger!“
„Was….aber…ich….ich dachte…wie….“ Meine Gedanken überschlagen sich.„Ist das dein Ernst?“ ich sehe meiner Frau mit großen Augen ins Gesicht.
Sie erwidert meinen Blick mit einem breiten Grinsen und ich erhöhe den Druck der Umarmung.
„Ich habe einen früheren Termin bekommen und da wir ja alles weitere schon geklärt hatten dachte ich mir, ich überrasche dich. Und ja, es hat geklappt, wir bekommen ein Kind, wir werden eine Familie.“ Alles was Chloe sonst noch sagen wollte ersticke ich in meinem Kuss. Ich küsse sie und weine gleichzeitig vor Glück.
„Ich liebe dich so sehr Chloe Elizabeth Price! Womit habe ich nur so eine Wahnsinns Frau verdient. Ich liebe dich!“ ich küsse sie überschwänglich. Meine Lippen wandern ihren Hals hinab, ich küsse meinen Weg über ihr Schlüsselbein, zwischen ihren Brüsten hindurch und lande schließlich auf ihrem Bauch. Ich lege meine Hände links und rechts auf ihren Bauch und küsse jeden Zentimeter.
„Du wirst eine wirklich tolle Mom bekommen!“ flüstere ich und hinterlasse noch einen letzten Kuss. Chloe kichert unter meinen Berührungen und schnieft dann plötzlich.  
„Was ist?“ frage ich erschrocken. „Habe ich was falsches gesagt?“ ich schaue panisch zu Chloe.
„Max, ich habe dich seit Monaten nicht so glücklich gesehen. Und ich freue mich so darüber und, shit, ich liebe dich so sehr!“ blaue Augen funkeln mich an.
Ich küsse mich wieder nach oben.
„Du bist das Beste, was mir in meinem Leben passieren konnte und es tut mir leid, dass ich es nicht schaffe es dir jeden Tag zu zeigen. Aber ich liebe dich, daran wird sich niemals etwas ändern!“ flüstere ich und versenke meinen Kopf in Chloes Halsbeuge um sie erneut zu küssen.

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„Hey Schatz! Vic und ich sind jetzt mit unserem Meeting in der Galerie fertig und sammeln jetzt Joyce ein. Brauchst du noch irgendwas?“ ich sehe wie Vic mit dem Auge rollt.
„Einfach nur dich und die anderen“ tönt es über den Lautsprecher.
Ich muss kichern.
„Alles klar Liebling, ich beeile mich, dass wir so schnell wie möglich da sind. Pass auf dich auf! Ich liebe dich so sehr!“
„Pass auch auf euch auf, bis gleich. Ich liebe dich!“ und Chloe legt auf.
„Ward ihr zwei schon immer so widerlich süß?“ fragt Vic mich vom Beifahrersitz aus.
Ich spüre wie ich rot werde.
„Ich....ähm.....also.....“ stammel ich.
„Hey lass dich nicht ärgern. Vermutlich bin ich nur neidisch.“ ich höre Wehmut in der Stimme meiner Beifahrerin.
„Wie geht es dir nach der Trennung von Kate. Ist es wirklich okay, dass sie auch bei Chloes Geburtstagsfeier ist?“ frage ich vorsichtig.
„Yeah na klar. Es ist wirklich in Ordnung. Natürlich vermisse ich sie, aber es ist besser so. Wir haben uns halt auseinander gelebt, verstehen uns aber wirklich immer noch sehr gut. Also das ist kein Problem. Weißt du schon, dass sie jetzt einen Freund hat? Mike, ein wirklich toller Kerl, ich mag ihn.“ Vic schaut mich an und ich muss feststellen, dass die ehemalige Queen Bitch von Blackwell absolut nicht mehr in der Frau neben mir zu erkennen ist.
„Ich...wow....ich bin beeindruckt wie du damit umgehst. Ich weiß nicht ob ich so gelassen sein könnte wenn Chloe und ich...“
„Das kannst du nicht vergleichen, dass was ihr habt ist....hmmm...was besonderes. Oh Schau, da ist ja schon Joyce!“
„Hallo Kinder, wie geht es euch?“ grüßt Joyce uns und steigt ein.


„Bist du soweit?“ flüstere ich Chloe ins Ohr.
Ich spüre wie nervös ich bin, mein Herz schlägt mir bis zum Hals. Ich nehme Chloes Hand und lächel sie an.
„Yeah, ich denke schon“ ihre Hand zittert leicht.
Ihre blauen Augen nehmen meine in den Bann, es ist als ob ich in zwei stürmische Ozeane an einem sonnigen Tag schaue.
„Ich liebe dich!“ flüstere ich und gebe ihr eine Kuss auf die Wange.
„Hey Leute, könnt ihr uns mal bitte zuhören?“ Chloe erhebt ihre Stimme und alle Gäste schauen zu uns.
„Man Price, zu seinem Geburtstags halten die anderen eigentlich Reden auf einen!“ grollt Victoria mit einem amüsierten Lächeln und alle Lachen.
„Danke Vicky, charmant wie eh und je!“ sie zwinkert ihr zu.
Ich höre wie sie tief Luft holt und dann dreht sie sich um und holt ein Paket hervor.
„Mom, ich weiß, dass das hier heute meine Geburtstagsfeier ist, aber Max und ich haben ein Geschenk für dich. Und ich weiß, wie sehr du es hasst etwas vor anderen auszupacken, aber würdest du uns die Ehre erweisen?“ mit zitternden Händen überreichen wir das Paket.
Joyce schaut uns mit großen Augen an, ihre Wangen sind rot. Man merkt ihr an, wie unwohl sie sich fühlt. Ich lächel ihr aufmunternd zu. Sie packt es aus und unsere Freunde scharen sich um sie herum.
Mit Tränen in den Augen blättert Joyce durch das Fotoalbum das Chloe und ich aus Bildern unserer Kindheit gefüllt haben. Am Ende ist ein Ultraschallbild und darüber steht:

Was hältst du von dem Kosenamen Oma?

Plötzlich ist es totenstill im Haus. Chloes Mom sieht uns mit großen, tränennassen Augen an. Sie öffnet den Mund und schließt ihn wieder.
„Mom, sag doch was bitte!“ Chloe wippt neben mir nervös von einen Fuß auf den anderen.
„Ist...ist das....wahr?“ fragt sie und schaut uns ungläubig an.
Ich drücke Chloes Hand fester und räuspere mich.
„Ja, wir bekommen ein Baby, Chloe ist schwanger!“ ich sehe liebevoll zu Chloe.
Joyce springt auf und kommt auf uns zu und zieht uns in eine Umarmung.
„Oh meine Mädchen! Ich freue mich so für euch!“ schluchzt Joyce überglücklich.
Aus den Augenwinkeln sehe ich wie Victoria Gläser verteilt und muss lächeln. Das ist so typisch für sie, immer die Kontrolle über die Situation.
„Max, Chloe, ich erhebe mein Glas auf euch und auf das neue, spannende Kapitel in eurem Leben! Ich freue mich von ganzen Herzen für euch! AUF EUCH!“ und alle anderen Gäste stimmen mit ein und nach und nach kommen alle zu uns, umarmen und gratulieren.
„Und wisst ihr schon was es wird?“ fragt Kate schüchtern.
„Nein, und wir wollen uns auch überraschen lassen“ ich höre den Stolz in der Stimme meine Frau.
„Wann habt ihr euch dazu entschieden, nach allem was ich von Max gesehen habe kann das ja kein Unfall gewesen sein?“ lacht Victoria.
„Oh Gott du bist unmöglich!“ lache ich. „Kurz bevor ich zu der Militärbasis gefahren sind waren wir bei Alex zu Besuch und als wir da auf ihre Tochter gestoßen sind und ich meine wundervolle Frau mit dem kleinen Menschen auf den Arm gesehen habe wusste ich plötzlich was ich will.“ ich sehe liebevoll zu Chloe.
„Yeah und es fühlte sich so richtig an. Nachdem Max dann....dann wieder zurück war, da haben wir darüber gesprochen. Schnell haben wir die Feinheiten für uns geklärt und uns eine Klinik gesucht und ja...tada!“ Chloe lacht und reibt sich mit der freien Hand sanft über den Bauch.
„Ich bin gleich wieder da Liebling!“ flüstere ich Chloe zu und lasse ihre Hand los.
Sie beantwortet die Fragen unserer Freunde und ich gehe zu Joyce. Sie hat das Fotoalbum auf dem Schoß und sitzt schweigend auf der Terrasse und sieht aufs Meer hinaus. Ich lege meine Hand auf ihre Schulter und setze mich zu ihr.
„Hey Liebes!“ sagt sie und wischt sich Tränen aus den Augen.
„Ist...alles okay?“ frage ich besorgt.
„Max ich bin, so überwältigt und glücklich, ich....ich kann es gar nicht fassen. Um ehrlich zu sein, bereits nach Williams Tod und wie Chloe sich dadurch verändert hat, da habe ich mich schon von dem Gedanken verabschiedet Großmutter zu werden. Und....versteh das bitte nicht falsch....aber nachdem Chloe nur Frauen getroffen hat und....oh Liebling, ich liebe dich über alles...aber ich habe damit einfach nicht gerechnet. Ich habe gesehen wie ihr aneinander gewachsen seid, wie Chloe sich verändert hat, aber auch deinen Leidensweg und, ich bin einfach so...ich habe nicht davon zu träumen gewagt.“ Ich lege meine Arm um die Frau neben mir und ziehe sie zu mir.
„Und ich zweifel nicht eine Sekunde daran, dass ihr tolle Mütter sein werdet. Ihr seid so tolle, starke und liebevollen Frauen und zusammen noch viel mehr! Ich bin so stolz auf euch und ich weiß, das William und deine Eltern es ebenso wären!“
„Danke!“ murmel ich in die Schulter meiner Schwiegermutter.
„Ich liebe dich Max!“ sagt sie und drückt mir einen Kuss auf die Stirn.
„Hey, du hast mir meine Frau nun lange genug weg genommen, los kommt rein, wir wollen Kuchen essen!“ reißt Chloes fröhliche Stimme uns aus unseren Gedanken.
Joyce löst sich aus meiner Umarmung und zieht Chloe zu sich heran. Sie flüstert ihr ins Ohr, ich sehe wie das Lächeln meiner Frau immer größer wird und sich ihre Augen mit Tränen füllen.
„Ich liebe dich Mom! Und wir brauchen bestimmt hella viel Unterstützung von dir!“ lacht sie in die Umarmung mit ihrer Mutter.
Ich sehe die beiden an und spüre wie Ruhe, Frieden und Glück meinen Körper überschwemmen. Ich greife meine Kamera und mache ein Bild der beiden, hinter ihnen verschwindet gerade die Sonne im Meer und hüllt die beiden in ein sanftes Licht!

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„Nein Pete, ich habe dir gesagt, dass ich nicht mehr weg fahren werde. Es tut mir leid, dass Nick krank ist, aber ich kann nicht.“ wütend lege ich das Telefon weg.
„Hey Baby, was ist los?“ fragte Chloe von der Couch aus.
„Ach nichts, Pete hat mich gebeten, dass ich für Nick einspringe.“ ich knie mich vor die Couch und gebe Chloe einen leidenschaftlichen Kuss.
„Hab ich dir heute schon gesagt wie wunderschön du aussiehst!“ ich küsse sie erneut und lächel sie glücklich an.
Ich lege vorsichtig meine Hand auf ihren Bauch.
„Hey kleiner Liebling, hier ist deine Mommy! Ich freue mich schon so darauf dich endlich kennenlernen zu dürfen!“ flüstere ich und küsse anschließend den Bauch.
Chloe legt ihre Hand auf meine und sieht zu mir.
„Ich liebe euch beide so sehr!“ sagt sie.
„Was hältst du von eine Massage bevor wir los fahren?“ frage ich und bekomme ein Nicken.
Vorsichtig massiere ich Chloes Schultern, reibe anschließend den Bauch mit Öl ein und freue mich dabei über die Tritte die ich spüre und ende bei den leicht geschwollenen Füßen.
„Oh Max, das ist besser als Sex!“ stöhnt meine Frau und ich lache auf.
„Ich weiß nicht ob ich mich geschmeichelt oder beleidigt fühlen soll!“ zwinkere ich.
„Komm her Blödmann!“ flüstert Chloe und zieht mich in einen tiefen Kuss als ich wieder bei ihr bin.
Ihre Zunge gleitet in einen Mund und ich spüre die Schmetterlinge in mir.
„Wenn wir nicht zum Geburtsvorbereitungskurs müssten würde ich dir auf der Stelle einen Gegenprobe bieten um deine Meinung vielleicht noch mal zu überdenken.“ raune ich ihr ins Ohr.
„Haha, ich habe noch zwei Monate vor mir, sehe jetzt schon aus wie eine Tonne und du kannst noch immer nicht die Finger nicht von mir lassen, hmm?“ lacht Chloe und ich helfe ihr hoch.
„Niemals, du bist die wunderschönste Frau die es gibt, völlig egal wie du aussiehst. Und vor allem“ ich umfasse ihren Bauch „trägst du unser Kind unter dem Herzen, ich weiß nicht, was dich noch attraktiver machen könnte!“ ich küsse wieder den Bauch.
Chloe schluchzt und ich sehe verwirrt und alarmiert hoch. Ich lege meine Hand an ihre Wange und sie drückt sich gegen meine Berührung.
„Ich liebe dich so sehr, du weißt genau was du sagen musst um mich glücklich zu machen!“ lächelt mich Chloe an.
„Na komm Schatz, wir sind spät dran und nachher zeige ich dir wie sehr ich dich liebe!“ grinse ich lasziv.

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„Ja Moment, ich reiche sie weiter.“ höre ich Chloe und gehe zu ihr.
Sie reicht mir das Telefon. Auf ihrem Gesicht ist ein breites Grinsen zu sehen. Ich schaue verwirrt auf das Telefon.
„Hallo?“ frage ich und sehe meine Frau an die mich gespannt ansieht.
„Max Caulfield?“ höre ich einen Mann, bei der Anrede muss ich schmunzeln.
„Ja am Apparat!“
Ich höre dem Mann zu und merke wie meine Augen immer größer werden und Chloes Grinsen immer breiter.
„Ist das Ihr ernst?“ frage ich erstickt. „Oh das wird ein Problem!“ sage ich ernst. „Könne Sie meine Agentin anrufen? Victoria Chase....ja genau die. Ich danke Ihnen vielmals für die Chance!“
Chloe geht aufgeregt ins Schlafzimmer und ich höre sie im Schrank herum wühlen. Ich laufe ihr hinterher und bleibe in der Tür stehen. Sie hat eine Reisetasche auf das Bett gestellt und geht durch den Kleiderschrank.
„Was genau tust du da?“ frage ich amüsiert und beobachte wie ein erdbeerblonder Schopf sichtbar wird.
„Na was schon, ich packe deine Tasche für die Preisverleihung. Los, hilf mir lieber, der Mann hat gesagt, dass dein Flug in 6 Stunden geht.“ ich höre die Aufregung in ihrer Stimme.
Ich stelle mich hinter sie, schüttel leicht den Kopf und halte ihre Arme sanft fest.
„Du brauchst nicht zu packen Punk Ass!“ sage ich in ihre Schulter.
„Stimmt, du bist alt genug, also was willst du anziehen? Anzug oder Kleid? Ich finde das rote ja toll, aber....“
„Chloe, atme....“ ich halte sie von hinten fest. „Du brauchst nicht zu packen weil ich nicht fliegen werde. Ich werde euch jetzt nicht verlassen.“ Chloe hält bei meinen Worten inne.
„Max...nein...das kannst du nicht machen. Das ist DIE Chance in deiner Karriere. Seit wir zusammen sind hast du mir gesagt wie sehr du davon träumst eines Tages die Worl press Photo Auszeichnung zu verdienen und jetzt könnte es so weit sein und du willst nicht hin?“ ich weiß nicht ob sie wütend oder frustriert ist.
„Chloe Liebling...“doch weiter komme ich nicht.
„Max, wir haben noch 4 Wochen bis zum errechneten Geburtstermin. Ich rufe Mom an, wenn du dich dann wohler fühlst, sie kommt bestimmt gerne vorbei und du wärst nur zwei Tage weg und du fliegst nicht ans andere der Welt, es ist nur New York. Aber Max, dein Traum...“ ich unterbreche sie indem ich einen Finger auf ihre Lippen lege.
„Hör mir bitte zu. Ich habe gefragt ob Vic die Auszeichnung, sollte ich sie denn überhaupt gewinnen, für mich entgegennehmen darf. Und ja, es war vielleicht mal mein Traum, aber ich habe erkannt, dass es wichtigeres im Leben gibt. Und du und unser Kind sind das wichtigste für mich auf der Welt. Ich lasse euch nicht alleine! Niemals! Nein, schau mich nicht so an. Nichts auf der Welt kann mich davon abhalten bei meiner Familie zu bleiben. Wenn ich etwas aus meinen Fehlern gelernt habe, dann dass ich nie wieder etwas zwischen uns kommen lasse. Und hey, wenn Vic die Auszeichnung nicht für mich annehmen kann, dann halt nächstes Jahr.“ ich lächel sie an.
Tränen fließen an Chloes Wange herunter.
„Womit habe ich dich nur verdient?“ fragt sie mich mit gebrochener Stimme.
Ich nehme sie in den Arm und halte sie fest.
„Komm, lass uns ins Bett gehen, ich bin dran mit vorlesen.“ sage ich und stelle die Reisetasche wieder weg.
Chloe legt sich zu mir ins Bett, ich küsse ihre Hand und fange an zu lesen bis ich ihr leises Schnarchen höre.
Ich drehe mich, sodass ich sie ansehen kann.
„Ich weiß nicht womit ich dich verdient habe. Vermutlich gar nicht. Du bist der wundervollste Mensch auf der Welt. Ich habe so viel getan um deine Liebe nicht zu verdienen und trotzdem liebst du mich und machst mir das größte Geschenk auf der Welt. Ich schwöre bei allem was mir heilig ist, dass ich dich niemals mehr im Stich lassen werde!“ flüstere ich und schließe meine Augen.

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„Man Max, du verpasst hier wirklich was. Ich verstehe nicht, dass du dir das entgehen lässt aber hey, Glück für mich und Jessie!“ Victoria klingt sehr zufrieden.
„Hey, ich freue mich für dich, dass du Jessie mitnehmen durftest und du an meiner Stelle fahren durftest. Schickst du mir ein paar Fotos?“
„Natürlich Miss Caulfield!“ lacht sie ins Telefon.
„Hey, dass war deine Idee den Namen als Künstlernamen zu behalten.“ gifte ich zurück.
„Ja natürlich, du hast ja schon angefangen dir einen Namen zu machen, was wäre ich für eine Agentin, wenn ich da nicht....“ ich höre ein klirren aus der Küche.
„MAX!“ dringt panisch Chloes Stimme an mein Ohr.
„FUCK!“ rufe ich und lege auf.
Ich renne in die Küche, Chloe steht zusammengekauert und hält sich an einem Schrank fest.
„Max...irgendwas....stimmt.....aua...nicht“ presst sie zwischen den Zähnen hervor.
Ich rufe das Krankenhaus an und helfe Chloe. Wir gehen zum Auto, alles in mir ist auf Autopilot.
„20 Minuten Liebling! Halte durch, wir sind gleich da. Chloe, rede mit mir.“ flehe ich.
Chloe schwankt zwischen vor Schmerzen aufschreien und weg driften. Ich fahre so schnell ich kann.
Wir erreiche das Krankenhaus und es steht bereits ein Rollstuhl bereit. Ich schnalle meine Frau ab und sehe das Blut.
„Chloe! Bitte sprich mit mir. Wir sind da, wir haben es geschafft, alles wird gut! Ich bin bei dir!“ sie wird in den Rollstuhl gesetzt.
„Max! Versprich mir, egal was passiert, keine Reise!“ ihre Stimme ist ein Flüstern.  
Meine Frau wird auf eine Trage umgelagert. Ich laufe neben ihr her.
„Chloe!“ ich sehe sie an, panisch.
„Bitte versprich es!“ sie sieht mich flehend an.
„Ich verspreche es! Aber alles wird gut! Ich liebe dich und bin bei dir!“ eine Schwester hält mich fest.
„Sie müssen hier bleiben, wir kümmern uns um ihre Frau.“ sie legt ihre Hände an meine Schultern um mich aufzuhalten.
„CHLOE! ICH BIN BEI DIR LIEBLING! ICH BIN HIER!“ brülle ich hinterher und lasse mich zu Boden sinken.
„Ich bin bei dir, ich verlasse dich nicht, bitte, du darfst nicht sterben“ flüstere ich und lasse meine  Tränen freien Lauf.


„Max?“ ich drehe müde den Kopf, Joyce eilt auf mich zu.
Ich stehe auf, strauchel und stürze zu Boden. Joyce wirft sich mir in die Arme.
„Joyce es tut mir leid....ich war....und plötzlich....oh Gott Chloe!“ihre Umarmung wird fester.
„Ganz ruhig Max, atme Schatz!“ ihre Stimme zittert.
´FUCK Max, reiß dich zusammen` schimpft eine altbekannte Stimme in mir.
„Es tut mir leid!“ ich versuche meine Atmung zu regulieren.
Joyce legt ihre Hände an mein Gesicht, ich sehe in ihre blutunterlaufenen Augen.
„Was ist passiert?“
„Ich war am Telefon und plötzlich hörte ich ein Klirren, ich sah nach und Chloe stand da mit schmerzverzerrtem Gesicht. Ich habe sie sofort ins Auto gepackt. Sie hat immer wieder vor Schmerzen geschrien oder war weggetreten. Da war so viel Blut....ich kann sie nicht verlieren....“
„Das werden wir nicht!“ höre ich die Stimme von Chloes Mom leise an meinem Ohr.


„Maxine Price?“ reißt mich eine Stimme aus meinen dunklen Gedanken.
Ich springe von meinem Stuhl auf und merke wie Joyce neben mir auf zuckt. Sie greift nach meiner Hand während ein Arzt im Op Kittel voller Blut auf mich zukommt. Ich spüre wie mir heiß und kalt wird. Der Arzt sieht mich an und ich nicke nur.
„Wie geht es meiner Frau und unserem Kind!“ Tränen sammeln sich in meinen Augen.
„Also es gab ein paar Komplikationen. Ihre Frau hatte eine Uterusruptur. Das ist ein sehr seltener Fall der Schwangerschaftskomplikationen. Ihre Frau hat sehr viel Blut verloren und wir sind immer noch dabei die Blutung zu bekämpfen. Es sieht leider so aus, dass wir die Gebärmutter nicht retten können.“ Der Arzt schaut Joyce und mich an.
„Wird sie überleben? Und was ist mit unserem Kind?“ ich fange immer doller an zu zittern. `Du musst zurück sie retten.` zischt die Stimme in meinem Kopf.
„Wir konnten Ihren Sohn holen, er ist noch etwas schwach, aber sie können gleich zu ihm. Bei ihrer Frau kann ich derzeit noch keine Prognose abgeben. Wir müssen sehen, ob wir die Blutungen in den Griff bekommen, aber wir versuchen unser möglichstes Miss Price.“ ich nicke wie betäubt.
„Wollen Sie zu ihrem Sohn?“ fragt mich der Arzt und schenkt mir ein zartes Lächeln.
Ich nicke und stehe auf.
„Joyce, würdest du....falls sie mehr wegen....“ Joyce unterbricht mich und nickt mir zu.
„Mache ich Liebling!“ ich sehe wie sie versucht stark zu sein.

Ich folge dem Arzt. Wir laufen schweigend durch die Flure. Vor einem Zimmer bleiben wir stehen.
„Miss Price, wir würden ihren Sohn gerne noch zur Beobachtung hier behalten bis er mehr zu Kräften gekommen ist. Dadurch, dass er 4 Wochen zu früh kann es nachträglich noch zu Komplikationen kommen und denen würden wir gerne vorbeugen.“ sagt der Arzt sanft.
„Ja okay. Kann ich....kann ich ihn anfassen?“ frage ich zögerlich und kann meine Augen nicht von dem kleinen Menschen abwenden.
„Ich übergebe Sie mal an die Schwester diese erklärt Ihnen alles weitere. Ich gehe nun zurück zu ihrer Frau. Und, herzlichen Glückwunsch!“ damit verabschiedet er sich.
Eine Schwester kommt zu mir und erklärt mir alle Vorsichtsmaßnahmen und worauf ich zu achten habe. Ich bekomme Schutzkleidung und darf mein Baby das erste Mal in den Arm nehmen.
„Hallo mein kleiner! Ich bin deine Mami, deine Mom kann leider noch nicht bei uns sein, aber das wird sie bald. Es gibt keine stärkere Frau als deine Mom musst du nämlich wissen.“ vorsichtig streichel ich das kleine Köpfchen.
„Haben Sie schon einen Namen den ich eintragen kann? Wenn nicht ist das gar kein Problem.“ sagt die Schwester liebevoll.
„William“ sage ich ohne zu zögern.
Sie nickt und lässt uns beide alleine.
„Hey kleiner William, ich hoffe, dass deine Mom mir das nicht übel nimmt, dass ich das jetzt alleine beschlossen habe.“ Er gähnt in meinen Armen und mir geht das Herz auf.
„Ich lasse dich jetzt mal schlafen und gehe nach deiner Oma sehen. Vielleicht gibt es Neuigkeiten von deiner Mom. Ich liebe dich über alles mein Engel.“ sanft platziere ich einen Kuss auf seinem Köpfchen und packe ihn wieder so in seine Decke ein wie es mir die Schwester gezeigt hat.
„Danke!“ flüstere ich der Schwester zu und mache mich auf den Weg in den Warteraum.
Joyce ist weg und ich sehe mich panisch um. Da piept mein Handy.

Joyce: „Hey Max, Chloes OP ist beendet. Ich bin schon mal in ihr Zimmer gegangen. Nummer 478. Bis gleich Schatz!“

Ich mache mich mit großen Schritten auf den Weg ins Zimmer. Vorsichtig öffne ich die Tür und erstarre. Chloe liegt leichenblass in einem Bett. Überall in ihr stecken Schläuche und sie ist an unzähligen Maschinen angeschlossen.
„Chloe!“ flüstere ich und merke wie meine Beine nachgeben wollen.
Mit zitternden Knien gehe ich auf das Bett zu wo meine geliebte Frau wie tot liegt. Ich höre ein Schniefen und drehe meinen Kopf zu der Gestalt in de Ecke. Schon steht sie auf und umarmt mich.
„Sie hat erst mal das gröbste Überstanden. Es sieht gut aus, dass sie überleben wird! Die Ärzte wissen nur noch nicht, wann sie sie von den Maschinen abmachen können und wann sie aufwachen wird.“ flüstert Joyce heißer in mein Ohr.
Tränen fließen meine Wangen herab und vereinen sich mit ihren.
„Oh Joyce!“ antworte ich nur.
Wir setzen uns zu Chloe ans Bett und halten jede eine Hand. Ich senke meine Lippen vorsichtig auf ihren Handrücken.
„Das hast du wunderbar gemacht mein Schatz, jetzt musst du nur noch zu uns zurück kommen!“ sage ich leise.

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Ich klopfe und betrete leise das Zimmer. Joyce sieht zu William und mir auf. Ihre Augen strahlen vor Glück als sie uns sieht. Chloe kann inzwischen selbstständig atmen, ist jedoch noch immer nicht aufgewacht.
„Schau mal wen ich mitgebracht habe. Die Ärzte sind sehr zufrieden mit seiner Entwicklung. Nach 3 Tagen hat er sich schon so gut und schnell erholt. Wenn Morgen auch noch alles gut aussieht darf ich ihn mit nach Hause nehmen. Aber nun will ich euch mal vorstellen. Joyce, dass ist William. William, dass ist deine Oma Joyce!“ ich sehe erwartungsvoll zu meiner gegenüber auf.
„Max....das....wow!“eine Träne stiehlt sich über breite Grinsen von Joyce.
„Darf ich?“ fragt sie und ich überreiche ihr ihren Enkel.
„Hallo William! Schön dich endlich kennen zu lernen. Ich bin so stolz auf deine Moms.“ sagt sie und setzt sich mit ihm hin.
Ich gehe zu Chloe, küsse sie auf die Stirn und nehme ihre Hand.
„Hey Liebling, unser Sohn entwickelt sich prächtig und ich werde ihn wohl morgen mit nach Hause nehmen können. Ich bin immer noch so unglaublich stolz auf dich. Ich weiß nicht wie ich mich jemals ausreichend für dieses wundervolle Geschenk bedanken kann, dass du uns beiden gemacht hast. Und ich weiß, dass das alles hella schwierig war, aber es wird langsam wirklich Zeit, dass du zu uns zurück kommst. Wir brauchen dich hier! Ich brauche dich! Ich brauche meine Partnerin in time wieder!“ flüstere ich leise zu ihr.

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„Hallo Miss Price, wie geht es Ihnen heute? Und da ist ja auch der kleine William! Schön wie schnell er sich von allem erholt hat.“ der Arzt schaut begeistert in die Trage mit der ich William ins Zimmer getragen habe.
„Ja, es ist ungewohnt gewesen wieder zu Hause zu schlafen. Mit dem kleinen Mann hier aber ohne meine geliebte Frau. Aber er ist wirklich ein Engel und ich danke Ihnen und Ihrem Team für die ganze Unterstützung. Ich weiß nicht wie ich das alles ohne Sie schaffen würde. Aber wie geht es Chloe. Irgendwas neues?“ frage ich voller Hoffnung und Angst.
„Ihre Werte werden immer besser. Ich bin langsam vorsichtig optimistisch. Ich muss leider weiter, wir sehen uns.“ und damit verschwindet der Arzt.
Ich setze mich mit William in einen Sessel. Wir haben ein Kinderbett ins Zimmer bekommen, damit ich so lange wie möglich bei Chloe sein kann. Ein leises Quietschen holt mich aus meinen Gedanken.
Ich hole meinen Sohn zu mir auf den Schoß und fange an ihm die Flasche zu geben.
„Weißt du, deine Mom ist so stark. Und so verrückt. Ihr werdet euch so dermaßen doll lieben. Hab ich dir schon die Geschichte erzählt als wir zusammen ein Mitternachtsbad genommen haben? Nein? Ok, dann erzähle ich sie dir. Wir sind nachts in meine alte Schule, Blackwell, eingebrochen und haben versucht herauszufinden was mit Rachel passiert ist. Nachdem wir damit fertig waren hielt deine Mom die Schlüssel hoch und fragte, ob wir in der Schulschwimmhalle schwimmen gehen wollten. Also haben wir das gemacht. Furchtlos wie immer ging sie voran und als sie da vor mir im großen Schwimmbecken wartete, da war es ein für alle mal um mich geschehen. Ich wusste, dass ich für den Rest meines Lebens in diese wundervolle, furchtlose und einzigartige Frau verliebt sein werde und dann wären wir fast erwischt worden, doch die Blackwell Ninja haben abermals zugeschlagen.
Am nächsten Morgen haben wir uns dann....“
„Max?“ höre ich eine kratzige Stimme.
Ich lege aufgeregt den schlafenden William in sein Bettchen und gehe zu Chloe. Sie blinzelt und versucht sich zu bewegen. Ich setze mich neben sie und nehme ihre Hand.
„Langsam Liebling, ich bin hier!“ sage ich und spüre wie ich zittere.
„Hey!“ sagt sie als sie mich fokussiert.
„Hey!“ sage ich zurück und küsse sie.
„Was ist passiert?“ fragt Chloe.
Sie ist noch immer sehr schläfrig und benommen. Ihre freie Hand wandert zu ihrem Bauch. Panisch versucht sie sich aufzurichten. Ich drücke sie sanft zurück.
„Es gab Komplikationen bei der Geburt, aber du hast das alles großartig gemacht. Aber, sie mussten dir die Gebärmutter entnehmen, es tut mir leid.“ eine bleierne Stille umgibt uns doch da höre ich das geliebte Quietschen.
„Warte, nicht bewegen!“ sage ich zu meiner Frau.
Ich nehme William aus seinem Bettchen und gehe mit ihm auf den Arm zu seiner Mom. Ich habe das blau ihrer Augen noch nie so funkeln gesehen. Sie sieht unseren Sohn voller Liebe an.
Ich reiche ihr den kleinen Menschen und lege mich zu den beiden ins Bett.  
„William, dass ist deine Mom!“ sage ich und beobachte mit Sorge Chloes Reaktion auf den Namen.
„Du hast ihn....wow...ich....“ doch da wechselt ihr Blick schon wieder liebevoll zu unserem Sohn.
„Ich....ich hoffe das ist okay gewesen. Aber ich musste eine Entscheidung treffen und er sieht William und dir so ähnlich und...“ Chloe legt einen Finger auf meine Lippen.
„Ich liebe dich!“ flüstert sie mir entgegen. „Euch beide!“ sagt sie nun zu William und küsst ihn vorsichtig auf de Kopf. „Dad würde es lieben und ich tue es auch. Danke Max!“ Chloe hat nur Augen für unseren Sohn.
Ein leises Klopfen ist zu hören und schon steht Joyce im Zimmer.
„CHLOE!“ ruft sie aufgeregt als sie die veränderte Atmosphäre sieht und nimmt ihre Tochter und Enkel in den Arm.
„Ich gehe kurz einen Arzt holen“ sage ich und verlasse die drei.
Vor der Tür tippe ich schnell eine Nachricht an alle unsere Freunde und gehe los um einen Arzt zu suchen den ich kenne.

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„Kannst du mich nicht einfach hier raus holen, bitte!“ ihre Stimme klingt so flehend und verzweifelt.
„Nun warte doch ab was die Ergebnisse sagen. Gedulde dich Punk Ass!“ seufze ich.
„Max, es sind nun schon 3 lange Wochen! Ich bin dir dankbar, dass du mit Willy jeden Tag hierher kommst, aber ich vermisse euch. Ich will nach Hause! Ich will...“ ich lege ihr eine Hand auf den Mund.
„Und das wirst du! Aber, du musst erst richtig gesund sein. Bitte Chloe, habe noch etwas Geduld.“ ich sehe sie nun flehend an.
„Oh nein, nicht die Reh Augen! Argh gut! Aber sobald ich das go bekomme bin ich hier weg!“ sagt sie grollend.
„Sofort!“ flüstere ich liebevoll in ihr Ohr und küsse sie auf die Wange.
Ein Arzt betritt das Zimmer, die Nase tief in sein Klemmbrett gepresst.
„Guten Tag die Damen! Also Miss Price, wir warten noch einen letzten Wert ab, aber es sieht so als, als ob wir Sie morgen entlassen können.“ sagt er und verlässt wieder das Zimmer.
Ich sehe zu Chloe die bis über beide Ohren grinst.
„Das heißt dann wohl, dass du deine ganzen Liebhaber langsam aus unserem Haus entfernen musst.“ zwinkert sie mich spielerisch an.
Ich strecke ihr die Zunge heraus. Ich beuge mich vor und küsse sie sanft auf die Lippen.
„Mal ehrlich, ich freue mich wenn du endlich wieder bei mir bist. Ich vermisse es so schrecklich neben dir einzuschlafen. Ich liebe dich und bin so dankbar, dass es dir besser geht.“ ich küsse sie noch einmal auf die Nasenspitze.
In den Augen meiner Frau haben sich Tränen gesammelt. Ich lege eine Hand auf ihre Wange und lasse meinen Daumen kreisen. Da erwacht William und ich sehe zu ihm.
„Ich glaube er hat Hunger!“ sagt Chloe nachdem sie schwer geschluckt hat.
Sie steht langsam auf und holt ihn aus seinem Bettchen. Ich sehe, dass sie noch immer Schmerzen beim Bewegen hat, sage aber nichts. Ich weiß, dass es eh keinen Sinn macht und wenn sie nicht so weit wäre würden die Ärzte sie nicht gehen lassen.
Chloe hat es sich mit William auf einem der Sessel gemütlich gemacht und gibt ihm die Brust. Ich spüre den inzwischen schon gewohnten leichten Biss der Eifersucht, dass ich nicht so für unseren Sohn da sein kann. Ich atme einmal tief ein und aus. Als ich mich auf den Sessel gegenüber meiner Familie hinsetze kann ich wieder lächeln.
„Wir haben heute mal in deiner Werkstatt vorbei geschaut. Es sieht echt alles gut aus, die Aufträge laufen gut und deine Leute haben alles im Griff. Ich soll dich lieb von allen Grüßen, sie vermissen dich.“ sage ich während in die beiden beobachte.
„Danke, dass ist lieb von dir!“ kriege ich zur Antwort.
„Hey, ich brauche einen Kaffee, kann ich dir etwas mitbringen?“ frage ich und mache mich auf den Weg zur Tür.
„Nein danke! Aber bleib nicht zu lange weg.“ bekomme ich zur Antwort und dann wandert ihr Blick schon wieder zu unserem Kind.
Ich verlasse das Zimmer und wandere durch das Krankenhaus. Das Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt überwältigt mich und ich spüre wie mir Tränen in die Augen steigen. Ich finde mich vor der Krankenhauskapelle wieder und gehe hinein. Sie ist leer und ich lasse mich in einer Bank nieder um mich in der Stille des Raumes zu sammeln.
´Jetzt wo sie William hat braucht sie dich nicht mehr. Sie hat jetzt einen neuen, besseren Lebenssinn als dich!´zischt eine Stimme in meinem Kopf. Ich schüttel ihn energisch und spüre wie sich meine Brust zuzuschnüren scheint. ´
Sieh es ein Maxine, du bist doch nicht so blind, oder? Du siehst doch selber, dass sie sich von dir abwendet`. Ich halte mir die Ohren zu als ob ich dadurch die Stimme in mir aufhalten kann.
´Ich wette mit dir es wird ihr nicht mal auffallen, dass du jetzt viel zu lange weg bist um dir nur einen Kaffee zu holen´ ich spüre wie das Zittern meines Körpers mir signalisiert, dass sich eine Panikattacke anbahnt. Ich atme viel zu schnell, meine Hände schwitzen und zittern. Ich greife nach meiner Tasche und suche die kleine Dose mit Tabletten. Als ich sie endlich finde fische ich schnell eine heraus und schlucke sie. Das böse Wispern in meinem Kopf lässt nach langsam nach. Ich nehme noch ein paar tiefe Atemzüge und verlasse die Kapelle.
Mit meinem Kaffee und einem Eis mache ich mich auf den Weg zurück in Chloes Zimmer. Ich betrete es und muss wieder schwer schlucken. Beide liegen in ihren Betten und schlafen.
Ich werfe das Eis für Chloe frustriert in den Mülleimer und setze mich leise auf den Sessel in der Ecke und hole mein Tablett heraus um an ein paar Bildern zu arbeiten.

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„Was möchtest du heute Abend essen?“ frage ich in die Stille des Autos hinein.
„Hä...was?“ meine Frau klingt erschrocken.
Ich sehe aus den Augenwinkel besorgt, wie sie eine Hand schützend über ihren Bauch gelegt hat. Ich greife mit der freien Hand nach ihrer und lasse meinen Daumen über den Handrücken kreisen.
„Ist alles gut?“ frage ich besorgt.
„Ja...ja ich war nur in Gedanken.“ sie schenkt mir ein Lächeln das ich ihr nicht abkaufe, will aber auch nicht nach bohren. „Entschuldige bitte, was hattest du gefragt?“ sie schaut schuldbewusst aus dem Fenster.
„Was du heute Abend essen möchtest?“ wiederhole ich und hoffe, dass sie meinen Frust nicht heraushört.
„Hmm, wie wäre es mit Burger? Das Krankenhausessen war zwar nicht so schlimm, aber es war jetzt viel zu lange.“ grummelt sie leise.
Ich kann ihren Frust verstehen. Leider musste sie doch noch mal 3 Tage länger bleiben als ursprünglich gedacht, weil der Entzüdungswert in ihrem Körper nicht gesunken ist. Und mit jedem Tag wurde ihre Laune nur noch schlechter. Zwar hat sie sich immer bemüht, wenn wir bei ihr waren, aber ich habe ihren Frust natürlich trotzdem gespürt.
`Scheiße, jetzt ist sie endlich raus und alles was sie tut ist dich zu ignorieren. Hast du schon deine Sachen gepackt um auszuziehen?´ lacht es in meinem Kopf.
Ich merke wie ich meine Hände um das Lenkrad kralle und versuche mich zu entspannen.
Ich fahre auf unser Haus zu und werde nervös.
„Hey, ich liebe dich!“ sage ich und küsse die überraschte Chloe auf die Wange bevor ich die Fahrertür des Autos öffne.
Ich umrunde das Auto und öffne ihr die Beifahrertür. Ich reiche ihr meine Hand die sie nimmt und wir gehen Hand in Hand zur Tür.
Ich öffne die Tür und lasse ihr den Vortritt. Im Eingangsbereich stehen unsere Freunde und heißen sie willkommen. Joyce hat William im Arm und begrüßt uns.


„Tschüß Joye, und danke fürs Babysitten heute damit ich Chloe abholen konnte.“ ich gebe meiner Schwiegermutter einen Kuss auf die Wange.
„Gerne und ich hoffe, dass meine Tochter nichts allzu sauer auf dich ist wegen der kleinen Willkommensparty“ zwinkert sie mir zu und verlässt die Tür.
Ich lasse mich kurz gegen die Tür sinken und atme schwer aus. Ich habe es zwar geschafft alle nach einer Stunde wieder aus dem Haus zu schicken, aber ich habe das ungutes Gefühl, dass Chloe nicht begeistert war und die Worte von Joyce könnten schwerer wiegen als es ihr bewusst ist.
Ich schleiche mich ins Wohnzimmer wo Chloe mit William auf der Couch sitzt und ihn stillt. Schuldbewusst schaue ich zu Boden.
„Chloe.... bist du sauer?“ frage ich und bekomme zur Antwort nur ein Schnauben. „Es tut mir leid Liebling. Aber alle haben sich so gefreut, dass du endlich nach Hause konntest und dadurch, dass ich jeden Tag mit ihm bei dir im Krankenhaus war, konnte auch noch keiner William kennen lernen.“ nuschle ich mit schlechtem Gewissen.
„Ach, dann ist es also jetzt meine Schuld?“faucht Chloe gereizt zurück.
„Was? ...nein....nein so meinte ich das nicht“ stottere ich perplex.
„Verdammt, ich wollte einfach nur nach Hause und meine Ruhe haben.“ Chloes Stimme zittert vor Wut.
„Schatz, es tut mir wirklich leid.“ ich gehe auf die Couch zu und knie mich vor sie hin. „Was kann ich tun um es wieder gut zu machen?“ frage ich und sehe sie mit großen Augen an.
„Lass mir einfach ein bisschen Ruhe, okay?“ sie schaut mir nicht mal in die Augen.
„Ich....ähm....ja....dann gehe ich mal unser Abendbrot holen?“ frage ich unsicher.
Als Reaktion bekomme ich nur ein Nicken. Ich stehe auf und gehe zu Tür. Tränen laufen meine Wangen herunter. Ich greife nach der Türklinke.
„Ich liebe dich!“ sage ich und verlasse das Haus.
Ich setze mich mit zitternden Beinen ins Auto und fahre los. Meine Brust schnürt sich zu und ich spüre den Wunsch gegen einen Baum zu fahren. Mein Augen fangen an zu zucken und mein Puls wird immer mehr erhöht je weiter ich von Zuhause weg fahre. Ich sehe einen kleinen Parkplatz und fahre mit quietschenden Reifen rauf. Ich renne aus dem Auto und breche auf einer kleinen Wiese zusammen. Wild hebt und senkt sich meine Brust, mein ganzer Körper zittert unkontrolliert. Ich liege zusammengekauert auf dem Boden und umklammere mich selber.
´Sie wird dich verlassen und William nimmt sie mit, dann bist du ganz alleine auf der Welt´
„Nein, dass wird sie nicht!“ stammel ich laut.
´Oh Maxine, bist du wirklich so naiv? Was soll sie denn von jemanden wie dir wollen? Sieh dich doch an, du bist das letzte, ein absolutes Wrack. Sie muss jetzt ihr Kind vor dir Psycho beschützen´
„Unser Kind, er ist unser Sohn!“ die Panik breitet sich immer mehr in mir aus, während die Stimmen immer stärker werden.
´Ach ja, kannst du ihn füttern? Hast du ihn 9 Monate lang unter deinem Herzen getragen, sein Wachstum gespürt? Wärst du fast für ihn gestorben? Sieh es ein, du bist nichts! Hätte dich doch nur die Kugel getötet, nicht wahr?´
Ich springe auf und renne.
´Glaubst du wirklich, dass du vor mir wegrennen kannst?´es entsteht ein bösartiges Lachen in meinem Kopf.
Ich stolpere über etwas und knalle hin, ich rolle einen kleinen Abhang herab und schlage mit dem Kopf auf.
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Ich habe starke Kopfschmerzen und versuche aufzustehen.
„Ahhh du bist endlich wach?“ höre ich die verhasste Stimme.
Klick, Klick, Klick ertönt das Geräusch des Auslösers. Ich versuche zu blinzeln. Meine Hände sind hinter dem Rücken zusammen geklebt und meine Knöchel haben auch das allbekannte Klebeband herum gewickelt.
„Als ob das hier gerade das schlimmste für mich ist, ehrlich jetzt?“ lache ich hysterisch meinem ehemaligen Fotografieidol ins Gesicht.
Hinter ihm ist noch jemand. Als ich in das Dunkle hinter ihm versuche zu blicken bildet sein Gesicht ein dreckiges Grinsen. Ich höre das Weinen eines Babys.
„NEIN!“ schreie ich auf.
„Sei ruhig, du machst ihm noch Angst!“ zischt mich Chloe böse an und kommt aus dem Schatten auf mich zu.
Sie hat William im Arm und blickt auf mich herab. Ihr Blick trieft nur so vor Verachtung. Jefferson geht ihr entgegen und gibt meinem Sohn einen Kuss auf den Kopf.
„Halt dich von ihm fern du Bastard. Fass ihn an und ich werde dich zerfetzen du Stück Scheiße!“ ich winde mich in meinen Fesseln.
„Wie redest du denn mit dem Vater meines Sohnes?“ fragt Chloe mich harsch und tritt mir in die Seite.
Mein Körper verlässt mit einem Mal die ganze Luft. In meinen Augen bilden sich Tränen vor Schmerzen.
„Wa....“ will ich zu einer Frage ansetzen.
„Na stotterst du jetzt wieder blöde herum? Man, was denkst du denn, wieso ich das alleine gemacht habe mit der Befruchtung.“ ihre Augen funkel diabolisch.
Ich schaue sie verwirrt und verletzt an.
„Mark Liebling, ich ertrage sie nicht mehr. Kann ich es endlich beenden?“ sie sieht nun genervt zu mir herab.
„Natürlich, soll ich unseren Sohn halten?“ fragt Jefferson liebevoll während er seine Kamera weg legt und Chloe überreicht ihm William.
„Nein....Chloe....bitte....ich liebe dich doch!“ versuche ich verzweifelt die Situation zu entschärfen.
„Und ich brauche dich nicht mehr!“ die Kälte in ihrer Stimme jagt mir eine Gänsehaut über den Körper.
Sie zieht eine Waffe aus ihrer Hose und hält sie mir an die Schläfe. Ich spüre das kalte Metall. Ich sehe ihr zitternd in die Augen.
„Wenn du mich nicht mehr liebst habe ich auch keinen Grund mehr zu leben!“ sage ich seufzend.
„Stimmt!“ sagt sie kalt.
BUMMMM
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„NEIN!“ ich erwache schreiend.
Verwirrt sehe ich mich um, dann spüre ich den heftigen Kopfschmerz. Ich liege auf dem Waldboden, dann fällt mir alles wieder ein.
Ich stehe auf und mir wird schwindlig. Ich übergebe mich augenblicklich.
„Shit!“ murmel ich.
Ich versuche es nun langsamer, mache hier und da Pausen. Ich erreiche das Auto und hole mir eine Wasserflasche aus dem Kofferraum. Ich spüle meinen Mund aus und nehme 2 Kopfschmerztabletten auf einmal.
Langsam und vorsichtig fahre ich zu unserem Burgerladen und hole Chloes Lieblingsessen.

„Wo bist du gewesen, ich dachte schon du bist abgehauen!“ kommt mir Chloes Stimme entgegen als ich das Haus wieder betrete.
„Das würde ich nie tun!“ sage ich und halte ihr die Tüte mit ihrem Abendbrot entgegen.
Sie sieht mich kurz herausfordernd an und nimmt die Tüte, knurrt ein leises Danke und geht ins Esszimmer. Ich seufze und gehe ins Kinderzimmer. William liegt schlafend in seinem Bettchen. Ich erwische mich dabei wie ich ihn genau studiere, ob irgendwas an ihm mich an Jefferson erinnert. Aber alles an ihm erinnert mich bloß an Chloe.
Ich höre wie die Dusche im Badezimmer angestellt wird und schrecke auf meinen Gedanken hoch. Ich muss lange am Bett gestanden und William angeschaut haben. Ich schleiche mich ins Schlafzimmer und hole das Babyphone heraus.
Ich setze mich in mein Arbeitszimmer und gehe meine Mails durch. Ich beantworte sie halbherzig und höre schließlich wie meine Frau ins Schlafzimmer geht.
Ich stehe von meinem Schreibtisch auf und spüre erneut Schwindel und Übelkeit. Ich gehe so schnell ich kann ins Gästebad und muss mich erneut übergeben.
Unschlüssig stehe ich im Flur.
`Als ob sie dich in ihrem Bett haben will! Du wirst vermutlich eh wieder flennend und schreiend aufwachen und ihr damit ihre wohlverdiente Ruhe rauben.´ ich schaue resignierend zur Couch und hole die Gästebettwäsche heraus und mache es mir bequem. Das Babyphone direkt neben mir.

„Willy?“ schrecke ich aus meinem Traum hoch.
Ich höre das leise Quietschen und gehe ins Kinderzimmer. Er liegt wach in seinem Bettchen und schaut mich mit großen, blauen Augen an.
„Komm her mein Schatz, wir suche dir mal dein Essen, hm?“ sage ich sanft als ich ihn hochhebe. Wir schleichen in die Küche und ich gebe ihm sein Fläschchen.
„So ist gut, wir müssen schön leise sein, deine Mom hatte eine anstrengende Zeit und braucht ihren Schlaf“ sage ich leise während ich ihn füttere.
Beim wiegen summe ich leise ein Lied und merke wie er wieder einschläft. Vorsichtig trage ich den kleinen Menschen zurück in sein Bettchen und lege mich dann selbst wieder auf die Couch.

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Schüsse ertönen. Ich renne durch den heißen Sand. Das Gewicht meiner Kleidung zieht mich herunter. Der Krach der Maschinengewehre wird lauter, ich höre eine Explosion. Ich kauere mich zusammen. Drücke meine Hände gegen meine Ohren. Mein Herz will explodieren, die heiße Luft schnürt mir die Kehle zu.
Ich spüre etwas feuchtes auf meinen Wangen. Meine Finger wandern automatisch dahin, als ich es abwische sehe ich, dass es Blut ist.
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Etwas berührt mein Gesicht. Ich wache panisch auf, rutsche instinktiv nach hinten in die Ecke und versuche mich so klein wie möglich zu machen.
„Ganz ruhig, ich bin es nur!“  
Ich versuche die Stimme und meine Umgebung einzuordnen. Mein Magen verkrampft sich und mein Herz rast wie wild.
„Max, du bist zu Hause!“
Ich blinzel wild hinter meiner Deckung hervor. Erdbeerblondes, kurzes Haar, tief blaue Augen, eine Halskette mit drei Patronen dran.
„Chloe?!“wimmere ich. „Hab ich dich geweckt? Es tut mir leid, dass wollte ich nicht, ich...ich sollte....“ ich will fliehen, alles in mir ist in Alarmbereitschaft.
Sanft hält mich eine Hand an meinem Handgelenk fest bevor ich aufspringen und türmen kann.
„Hey, entspann dich, alles gut. Setz dich!“ sie klingt besorgt.
Widerwillig setze ich mich. Meine Frau hockt sich hinter mich, legt mir eine Hand auf den Brustkorb.
„Atme in meine Hand, ein.....und aus.....ein.....und aus.....so ist es gut. Ganz ruhig, du bist in Sicherheit!“ leitet sie mich mit ruhiger Stimme durch die Panik.
Langsam kann ich wieder atmen. Meine Gedanken haben sich sortiert und ich weiß wieder wo ich bin. Mein Kopf schmerzt noch immer sehr. Chloes Nähe hinter mir macht mich nervös. Meine Schuldgefühle übermannen mich.
„Es tut mir leid wenn ich dich geweckt habe. Und wegen gestern.“ ich versuche mit hängendem Kopf aufzustehen.
Zwei starke Arme halten mich zurück.
„Nein Baby, mir tut es leid.“ flüstert sie in mein Ohr. „Ich war total gestresst und überfordert und habe das alles an dir ausgelassen, dass war nicht fair. Du hast nichts falsch gemacht!“ sie küsst mich auf die Schläfe.
Ich zucke vor Schmerzen weg. Chloe streicht mir mit der Hand ein paar Strähnen weg und zieht scharf die Luft ein.
„Max, was ist passiert? Du hast eine hella große Beule!“ sie klingt erschrocken.
„Ich bin gestern gestürzt. Deswegen war ich auch erst so spät wieder zu Hause.“ nuschle ich kleinlaut.
„Shit, geht es dir gut?“
„Mach dir keine Sorgen!“ ich spüre Tränen in mir hoch steigen.
´Willst du mich verarschen? Bist du wirklich schon wieder am heulen? Gott, du bist so ein Weichei!
Ich versuche mich in Gedanken meiner inneren Stimme zu stellen, sie weg zu schicken.
„Doch Max, die mache ich mir aber. Du siehst nicht gut aus. Und wieso hast du auf der Couch geschlafen?“ Frust schwingt in der Stimme meiner Partnerin mit.
„Du warst so sauer auf mich, ich dachte du willst mich nicht bei dir haben. Und weil ich dich nicht noch mehr stressen wollte bin ich weg geblieben.“
„Ach Max.....ich hole dir erst Mal Eis für deinen Kopf. Das sieht echt nicht gut aus. Vielleicht solltest du lieber zum Arzt damit. Ist dir schwindlig, hast du dich übergeben?“ frag mich Chloe während ihres Gangs in die Küche.
„Chloe es sieht schlimmer aus als es ist.“ versuche ich mich heraus zu winden.
„Komm schon, hör auf meinen Fragen auszuweichen, bitte!“ blaue Augenn fixieren meine flehend und ich spüre die Kälte des Eises an meiner Schläfe.
„Ja, mir ist zwischendurch schwindlig und ja ich habe mich auch übergeben müssen. Aber heute früh geht es mir schon besser. Ich muss nicht zum Arzt.“ versuche ich beruhigend zu erklären.
„Pass bitte auf dich auf! Ich brauche dich und William braucht dich auch!“ und ihre Lippen treffen meine.
Ich nicke nur und lasse weiter zu, dass sie meinen Kopf kühlt.

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„Hallo?“ höre ich Chloes Stimme aus der Küche als sie ans Telefon geht.
Ihr Gemurmel klingt aufgebracht. Ich sitze mit William auf der Couch und wiege ihn während wir mit einer Rassel spielen.
„Ja ich rede mit ihr und wir kommen, danke für den Anruf.“
„Oh Oh, deine Mom klingt sauer!“ flüstere ich William zu und lege ihn wieder in sein Bett.
„Maxine Price! Was zur Hölle ist los mit dir? Warum ruft mich dein Therapeut hier an und fragt wie es dir geht? Was verdammt noch mal meint er damit, dass er dich seit Wochen nicht erreichen kann und du keinen Termin wahrgenommen hast?“ blafft sie mich an.
Chloes ganzes Temperament, was sie zur Zeit unserer Wiedervereinigung hatte, kommt zur Zeit wieder durch. Nervös zucke ich bei ihrem harschen Tonfall zusammen.
„Shit, ich habe vergessen ihm Bescheid zu sagen?“ murmel ich schuldbewusst.
Chloe dreht auf der Stelle um und geht in den Flur.
„Chloe....was tust du?“ ich laufe ihr hinterher.
Ich erreiche sie gerade, als sie in meinem Rucksack wühlt. Sie holt mein Handy heraus und entsperrt es.
„Max, du hast 17 unbeantwortete Nachrichten von ihm. Was ist los? Wieso redest du nicht mit ihm?“ fragt sie mich sauer.
Bevor ich antworten kann sucht sie weiter in meinem Rucksack und zieht meine Tablettendose heraus. Sie wird blass und sieht mich entsetzt an. Tränen bilden sich in ihren Augen. Ich höre wie sie anfängt zu schniefen. Ihre ganze Wut die sie davor an den Tag gelegt hat scheint mit einem Mal weg gewischt zu sein.
´Haha, du bist so am Arsch. Jetzt wird sie merken wie kaputt du bist und dann, dann hast du nur noch mich und deine Albträume`
„Max...wir müssen reden. Bitte! Und keine Ausreden!“ ich nicke nur als Antwort und folge meiner Frau. Sie greift sich das Babyphone und wir gehen ins Schlafzimmer.
„Chloe....ich.....“ meine Stimme versagt und ich stehe nur noch da, balle die Fäuste immer wieder zusammen.
„Max, du hast diese Dose erst kurz vor Williams Geburt bekommen. Das ist 5 Wochen her und sie ist fast leer. Wie schlecht geht es dir?“ nervös sieht sie mich an.
„Liebling, es ist...“versuche ich anzusetzen.
„Sag mir jetzt nicht, dass es nicht so schlimm ist. Verdammt, so wie es aussieht nimmst du diese Pillen wie TicTacs. Ich möchte, dass du mit mir redest. Ich bin doch deine Partnerin, vertraust du mir nicht mehr?“ sie klingt verletzt.
Ich schnappe nach Luft und sehe sie mit großen Augen an. Sie lässt sich auf die Bettkante fallen, vergräbt ihr Gesicht in den Händen. Ich hocke mich vor sie.
„Es ist nicht gut! Mir geht es nicht gut! Ich habe ungefähr ein bis zweimal am Tag Panikattacken. Ich habe fast jede Nacht Albträume und...“ ich verstumme.
„Und was Max? Komm schon, sprich mit mir.“ Chloe drückt mich an sich.
„Die Stimme ist wieder da. Die von der bösen Maxine.“ Ich entwinde mich aus ihrem Griff und setze mich auf den Boden mit den Rücken zu ihr.
„Es tut mir leid, ich sollte stark für dich sein, aber das bin ich nicht. Ich habe versagt. Ich habe dich und William enttäuscht. Du hast jemand besseren verdient, jemand der für dich da sein kann.“ ich lasse meine Worte verklingen.
Als keine Reaktion kommt stehe ich auf und mache mich auf den Weg zur Tür. Als meine Hand die Klinke greift trifft mich etwas im Rücken. Ich drehe mich um und sehe ein Kissen was auf dem Boden liegt. Verwirrt sehe ich zu Chloe die zitternd vor dem Bett steht.
„Wage es nicht mich hier einfach stehen zu lassen Max! Zieh dich an, wir fahren in 10 Minuten los!“ grollt die ehemalige Punkerin.
„Wohin?“ frage ich perplex.
„Zu deinem verdammten Therapeuten. Ich lasse nicht zu, dass du ihm weiterhin aus dem Weg gehst. Scheiße ich brauche dich Max und ich erlaube nicht, dass du dich wieder selber so fertig machst oder SIE!“ In Chloes Stimme wechseln sich Liebe und Wut ab.
Ich lasse resigniert den Kopf hängen und beginne mich umzuziehen.
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