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Nur über meine Leiche...

GeschichteHumor / P12 / Gen
Der Tod OC (Own Character)
26.02.2019
27.06.2019
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7.745
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26.02.2019 429
 
An diesem Tag wusste der Tod noch nicht, dass diese Begegnung sein Dasein für immer verändern würde. Er dachte an Elisabeth. Er vermisste sie. Seit er sie damals mit ins Reich der Toten genommen hatte, gingen sie getrennte Wege, denn es war ihm als Tod nicht gestattet, Kontakt zu den Seelen in seinem Reich aufzunehmen. Dennoch waren weder seine Erinnerung an sie, weder seine Liebe zu ihr jemals verblasst.
Sie war diejenige, die ihn die Liebe gelehrt hatte.
Diese Gedanken gingen ihm durch den Kopf, als er einen bekannten Hauch im Nacken spürte. Auch ohne nachzusehen wusste er, wer sich da hinter ihm befand. Ihre letzte Begegnung lag Jahre zurück, genauer gesagt, an diesem 10. September 1898.
„Es ist lange her, Schwarzer Prinz.“
Der Tod drehte sich um und sah ein kleines Mädchen auf einer Parkbank sitzen. Auf ihrem Schoß hatte sie ein Zeichenbrett mit Papier, auf dem eine Bleistiftzeichnung zu erkennen war. Die Kleine sah goldig aus, doch der Tod wusste, wer sich hinter dieser Erscheinung verbarg.
„In der Tat, Sternenkind. Was führt dich zu mir?“
Sie zeigte sich nicht gern, vor allem nicht in Menschengestalt. Es musste etwas Wichtiges sein.
„Denkst du schon wieder an sie?“
Der Tod seufzte.
„Ich nehme an, das ist nicht der Grund, warum du zu mir gekommen bist.“
„Du hast recht, Schwarzer Prinz. Du hast einen Auftrag zu erfüllen.“
Erstaunt sah der Tod das Mädchen an.
„Und dafür kommst du extra zu mir?“
„Nun, diese Seele ist etwas Besonderes. Sie ist stark und sehr eigensinnig. Ich beobachte sie schon eine ganze Weile und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass für es Zeit für sie ist, mit dir zu gehen. Aber sie wird dich verwirren. Lass dich nicht von deiner Aufgabe abhalten.“
Mit diesen Worten zerknüllte das Mädchen die Zeichnung und warf sie dem Tod zu. Der fing das Stück Papier geschickt auf und musterte es verwundert.
„Leb wohl, Schwarzer Prinz.“
„Warte, Sternenkind! Sternenkind! Was soll das bedeuten?!“
Nichts. Die Bank war leer; als hätte sie sich in Luft aufgelöst.
Der Tod seufzte. Sie sprach immer in Rätzeln. Das Schicksal drückte sich nun mal nicht klar aus. Es war älter als der Tod selbst und würde er versuchen, es jemals zu verstehen, würde er wohl wahnsinnig werden. Er betrachtete die zerknitterte Zeichnung.
Ein Ort, eine Zeit, ein Mensch. Eine neue Seele.
Eine neue Seele, die also besonders sein sollte. Der Tod runzelte die Stirn. Für ihn hatte es nur eine besondere Seele auf der Welt gegeben. Sonst waren sie alle gleich.
Was sollte an dieser Seele schon so außergewöhnlich sein?
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