Unverhofft kommt Oft

OneshotSchmerz/Trost / P12
Alexander Cleitus OC (Own Character)
26.02.2019
26.02.2019
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Meine Erste Geschichte zu Alexander, dem Film. Hoffe es ist nicht zu schlecht. ^^

Wie ein Wilder lief Alexander durch die Felsenburg bei Ariamazes. Er suchte seinen General und niemand konnte ihm sagen wo Kleitos verweilte. Ihm war aufgefallen das der dunkle Krieger sich immer wieder abkapselte, doch er brauchte seinen Rat. Jetzt!

Es war selten geworden, dass er sich diesen von Kleitos holte, doch wer sollte ihm im Thema Roxane besser helfen, als der Mann der ihn als Mann herangezogen hatte. Warum nur war Kleitos, gerade jetzt unauffindbar? Er hatte selbst Kassander gefragt, wo der Schwarze war, doch nicht mal Antipaters Sohn der mit Kleitos befreundet war konnte ihm sagen wo er war. Denn einmal wusste Kassander etwas nicht.

„Bagoas! Hast du Kleitos gesehen?“ rief er von Weitem und der Eunuch blieb stehen. „Ja er hat die Burg verlassen.“ „Kleitos lässt seine Männer nicht zurück! Wo ist er hingegangen!“ knurrte Alexander ungehalten und Bagoas wies ihm den Weg. Alexander verzichtete auf sein treues Ross, denn er glaubte nicht das Kleitos weit gegangen war. Er fragte ein paar Soldaten die seinen Weg kreuzten, nach seinem Ausbilder und sie bestätigten Bagoas Sichtung. Die Makedonen waren unruhig, Kleitos war sehr wichtig für sein Heer und das bekam Alexander gerade mal wieder vor Augen geführt. „Hoffentlich hat er sich nichts getan.“ Sprach der König zu sich.

Er marschierte weiter und erinnerte sich während des Marschs an seine Kind-und Jugendzeit mit Kleitos. Der große Hüne war immer schon faszinierend für ihn gewesen. So hatte sich Kleitos auch immer Zeit für die adeligen Kinder genommen. Stundenlang hatte er ihnen Sagen erzählt, ihnen Karten erklärt oder einfach nur mit ihnen gespielt. Alexander musste lächeln, als er sich erinnerte wie sie Kleitos mit Blumenkronen geschmückt hatten und der unheimliche Mann alles geduldet hatte. Oft hatte Kleitos ihnen Spielfiguren geschnitzt, er hatte einen brüllenden Löwen bekommen und trug diesen immer noch mit sich herum.

Genauso hatte ihm Kleitos das Reiten beigebracht und es war ein wunderbares Gefühl gewesen in seinem Arm, auf dessen treuen Pferdes Ajax über die Felder von Mieza zu galoppieren. Fast kam es Alexander so vor, als würde er ihr Lachen hören und das zufriedene Schnauben des Fuchses, der sich kraftvoll unter ihnen bewegte. Bei Gaugamela war Ajax gefallen, alles zog sich in dem blonden Mann zusammen. Ajax, war für Kleitos unheimlich wichtig gewesen, er war sein engster Freund gewesen und immer hatte er treu und furchtlos gedient. Und er- Alexander, war nicht für Kleitos dagewesen, als er zwischen den Toten gesessen hatte und seinen treuen Freund in den Tod gestreichelt hatte. Der dunkle General war tagelang gelaufen, hatte geschwiegen und wollte seine Einsamkeit.

Er hatte nicht mal Kassander geduldet, obwohl dieser als Einzigster von ihnen Allen Kleitos bei Ajax Tod beigestanden hatte. Kurz musste sich Alexander setzen, Tränen stiegen in ihm auf und rollten seine Wangen hinunter. Er erinnerte sich an seinen ersten Ritt auf Ajax, wie sein Vater Philipp ihn gelobt hatte, wie brav das Schlachtross auf ihn gehört hatte oder eher auf Kleitos Befehle. Er hatte sich gefühlt wie der König der Welt und dann hatte er sich keine Zeit genommen um sich von dem sterbenden Tier zu verabschieden.

Ajax, der es geduldet hatte das er als Vierjähriger seine Nüstern langgezogen hatte. Ajax, der ihn nie abgeworfen hatte. Ajax, der so manches über sich ergehen hatte lassen, nur weil er Kleitos bedingungslos vertraut hatte. Das tat Alexander auch, er vertraute Kleitos. Er war immer ehrlich geblieben. Jetzt bemerkte er wie selten er Kleitos das zeigte, wie oft er ihm sagen sollte das er froh war ihn bei sich zu haben.

Selbst sein Vater hatte es dem dunklen Krieger öfter gesagt, als Alexander und das grämte ihn. Philipp hatte Kleitos geliebt, in jeglicher Art, doch niemand hatte es gewusst. Auch Alexander nicht, doch als Kleitos geweint hatte, als Philipp tot am Boden lag, war ihm alles klar geworden. Kleitos hatte seinen Geliebten verloren, sein Pferd und seinen Ziehsohn hatte er auch zurückgelassen.

Helios hieß der Junge, er war ein Waise gewesen. Niemand hatte den goldblonden Jungen aufnehmen wollen, er war abgemagert gewesen, sein Bein war mehrfach gebrochen und er war total verdreckt auf Kleitos getroffen. Doch er hatte ihm ein Heim gegeben, war ihm ein Vater. Wahrscheinlich einer der Besten die man haben konnte. Alexander fühlte sich immer schlechter.

Doch dann erhob er sich wieder und lief weiter. Jetzt musste er den General erst Recht finden! Er wollte wenigstens ein bisschen wieder gut machen. Auch wenn er nicht wusste wie. Er entdeckte einen kleinen Pfad und folgte ihm. „Bei den Göttern? Was hat er nur vor?“ sprach er wieder zu sich selbst und setzte seinen Weg tapfer weiter fort. Schließlich fand er den Krieger.

Endlich! Gerade wollte er auf Kleitos zustürmen, doch er hielt ein. Der Krieger schien die Ruhe um ihn herum zu genießen, er stand vor einem kleinen Gebirgssee und hatte die Augen geschlossen. Anscheinend rechnete Kleitos mit niemanden, sonst hätte er Alexander schon längst bemerkt. Schließlich löste er sich aus seiner Starre, striff seinen Chiton ab, trat sich die Stiefel von den Füßen und stieg langsam in das sicherlich kühle Nass. Kleitos war schön.

Das musste Alexander neidlos anerkennen. Eine andere Schönheit, als die von Hephaistion oder Bagoas schmückte den tapferen Krieger. Er war groß, stark, muskulös und seine Haut hatte einen wunderschönen Glanz, der sich in der Sonne brach. Erneut zog sich alles in Alexander zusammen, die stolze Haltung des Mannes fiel in sich zusammen, man sah ihm deutlich das Alter, die Verletzungen, die Narben und die Sorgen an.

Das erste Mal kam es Alexander in den Sinn, dass er vielleicht zuviel verlangte. Kleitos Rücken war von rosafarbenen Narben gezeichnet, nicht so kleine wie er selbst hatte, nein teilweise waren sie bestimmt vierzig Zentimeter lang und zogen sich quer über den Rücken. Kleitos war in sieben Jahren rapide gealtert. Sonst sah man es ihm nicht an, er war anscheinend ein guter Schauspieler.

Alexander bemerkte, dass Kleitos zwar angedeutet hatte unzufrieden zu sein, aber nie geklagt hatte. Nie hatte er sich über Schmerzen beschwert, nie das es ihm zuviel wurde. Seit er denken konnte, hatte er Kleitos nur einmal leiden gesehen, als sein Vater gestorben war. Das Schlimme war nur, dass er nun sah wie sehr er seinen General quälte, ohne das er es je zu Gesicht bekommen hatte. Denn Kleitos würde niemals Schwäche zeigen. Für jeden von seinen Schützlingen die nun Generäle oder König waren, würde er in den Tod gehen und niemand dankte es ihm.

Alexander sah wie der Krieger in die Knie ging, das Wasser ging ihm gerade so über den Bauch und dann sah er etwas was sein Herz brechen lies. Grausame Glasscherben zerschnitten sein Herz und ließen es bluten. Kleitos weinte. Er weinte so sehr das sein Körper gebeutelt wurde. Er weinte allein. Damit es niemand sah. Damit niemand glaubte er wäre schwach.

Kleitos war für alle immer der goldene Ritter mit glänzender Rüstung gewesen, doch niemand hatte gefragt wie es in ihm aussah. Auch Alexander nicht. Er haderte mit sich. Sollte er zu Kleitos gehen? Oder ihn in Ruhe lassen? Ihn nicht demütigen, dafür das er Extra fortgegangen war um nachzugeben war nicht mehr aufzuhalten war.

Welche mentale und körperliche Stärke konnte nur in einem Mann stecken. Alexander entschied sich zu Kleitos zu gehen, er würde sich ja auch wünschen getröstet zu werden. Alexander zog sein Persergewand,welches der Andere so hasste aus und schlich sich an Kleitos heran, der sich langsam wieder fing. Trotzdem bemerkte er ihn nicht, das war für den König Beweis genug, wie schlecht es ihm gehen musste.

Kleitos klatschte sich einen Schwall Wasser ins Gesicht und die Tränen waren fort. Als hätte es sie nie gegeben, nur seine unregelmäßige Atmung und der Schluckauf waren noch leichte Zeugen. Der Krieger versteifte sich als er Hände auf seinem Rücken spürte. Warme Hände, die ihn streichelten. „Bei Zeus! Bin ich jetzt in diesem Hexensee ersoffen?“ sprach Kleitos mit sich und drehte sich um.

Rabenschwarze überraschte Augen trafen auf schuldbewusste Braune und er sah Alexander sprachlos an. „Kleitos, vergib mir.“ Flüsterte Alexander und drückte den Älteren fest an sich. Gerade wollte der Krieger fragen was sein König gesehen hatte, doch das hatte er gerade beantwortet bekommen. Er war mit der Situation überfordert. Alexander war nicht mehr sein Schützling, er war sein König und er hätte der Letzte sein dürfen der ihn so sah. So schwach, so verletztlich und so alt.

Kleitos wusste das er nicht mehr der Jüngste war, aber jung genug um Kassander oder andere Makedonenjünglinge in sein Bett zu ziehen. Allerdings gab ihm das nichts. Philipp hatte das eine Drittel seines Herzens mitgenommen, Ajax das zweite Drittel und das letzte war bei Helios. Seinem Jungen, den er seit sieben Jahren nicht mehr gesehen hatte. Als er hörte das Alexander weinte, sah Kleitos auf und löste sich von dem Jüngeren. Er zog den König ans Ufer, setzte sich und sah Alexander fragend an.

„Warum hast du mir nicht gesagt, dass ich ein Monster bin, Kleitos?“ „Weil du keines bist.“ „Doch, ich quäle dich. Habe dich mit dem Tod von meinem Vater und dem von Ajax allein gelassen und das obwohl du immer alles für mich getan hast.“ „Es ist nicht deine Pflicht, du bist König und musst dich um andere Dinge sorgen. Ich hatte meine Anweisungen.“ „Du kannst mir nicht erzählen, dass mein Vater gesagt hat das du mit uns Kissenburgen bauen sollst. Mir Geschichten vorlesen sollst, teilweise weit nach Mitternacht. Mir auf Ajax Reiten beibringen sollst, obwohl ich erst fünf war.“

„Nein das nicht, aber das tut man als guter Lehrer.“ „Nein, das tut man als Vater oder vielleicht als Bruder, aber nicht als Lehrer. Aristotoles tat das nie, er war der klassische Lehrer. Du warst mein Vater. Nicht Philipp oder Zeus wie meine Mutter behauptet. Und ich habe es nie wertgeschätzt.“ Kleitos sah in das Wasser, er wusste nicht was er sagen sollte. Es freute ihn, dass Alexander das alles nicht vergessen hatte, gleichzeitig schmerzte ihn die Erinnerung an diese schöne vergangene Zeit.

„Danke.“ Sagte Alexander plötzlich und Kleitos sah ihn verwirrt an.

„Für was?“ „Dafür das es dich gibt. Dafür das du mich nie aufgegeben hast. Dafür das ich immer zu dir kommen konnte oder kann. Dafür das du nie etwas verlangst. Dafür das du stets treu bist. Dafür das du meine Wunden heiltest. Dafür das du mir immer für meine Sorgen Lösungen hast. Dafür das du mir meine Sorgen so abgenommen hast. Dafür das du immer Rat weißt. Dafür das du immer da bist. Dafür das du mich so nimmst wie ich bin. Dafür das du mich liebst obwohl ich ein Ungeheuer zu dir bin. Dafür das du da bist, obwohl ich dich nicht verdient habe.“ Sprach Alexander und umarmte Kleitos fest, der neben ihm saß.

„Gern geschehen.“ Lächelte Kleitos leicht und musste Tränen wegblinzeln die seine Augen eroberten. Liebevoll küsste Alexander, Kleitos Stirn und schwor sich das er nie wieder so blind sein würde. Das er nun dankbarer sein würde. Er dankte den Göttern, dass sie ihn auf eine kleine Reise der Wahrheit geschickt hatten.
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