Ein (Alp)Traumhaus im Grünen

GeschichteSchmerz/Trost / P18
Ben Jäger OC (Own Character) Semir Gerkhan
25.02.2019
13.06.2019
33
36857
3
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Yeah...Kapitel 30 :-) :-) :-)
Hätte nie gedacht, dass es so viele werden. Aber so langsam geht's uff's Ende zu....denk ich zumindest.
Danke für all die Zugriffe.
L G vom Blumenkind



Ben zuckte zusammen, als ihn jemand am Arm berührte. Er drehte sich hastig um und erblickte Semir. “Alles gut...ich bin 's. Komm, lass uns wieder rein gehen. Je eher wir anfangen um so schneller hast du's hinter dir.“ Ben blieb noch einen Moment stehen ehe er Semir folgte. Er holte sich noch einen Kaffee und begab sich in den Verhörraum. Dort begann er zu erzählen, nestelte nervös an seinem Armband herum. Als er der Meinung war fertig zu sein, sah er Semir und die Krüger an, wollte aufstehen. Doch sein Partner hielt ihn zurück, sah ihn mit hochgezogener Augenbraue eindringlich an. Ben kannte diesen Blick nur zu gut, schüttelte den Kopf. “Bitte Semir...verlang das nich von mir! Ich will...und ich kann nicht weiter darüber reden.“ Dieser beugte sich zu seinem Partner: “Sie hat es schon getan. Ben...es war nicht deine Schuld. Ich hätte wahrscheinlich genau so gehandelt...hörst du?!“ Frau Krüger nickte Semir zu und verließ den Raum. Sie war der Meinung, dass es für Ben leichter wäre, mit Semir allein zu reden.
Er hielt den Kopf gesenkt, seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern: “Ich hab auf Zeit gespielt, weil Eva sich verplappert hat, dass ihr unterwegs seid. Sie haben mich vor die Wahl gestellt...und ich Arsch hab zugelassen...dass Mark sie anfasst. Als sie sich gewehrt hat...kam er zu mir. Er begann mich anzufassen...ging mir unter mein T-shirt. Seine Hände...waren überall...und es war so verdammt widerlich...und demütigend. Eva ließ mich nochmals entscheiden...und ich hab diesmal zugestimmt. Ich wollte doch nur, dass Mark seine ekelhaften Finger von mir nimmt...und von Marley. Ich setzte meine Hoffnung in euch. Ich...ich fing vorsichtig an...sie zu berühren...flüsterte ihr zu...dass sie nur noch ein bisschen durchhalten soll. Aber sie verstand mich vor lauter Angst nicht. Ich werde nie mehr vergessen...wie sie mich angesehen hat...nie mehr. Eva und Mark machten mir unmissverständlich klar...dass ich was...es tun soll...sonst würde Mark gleich so richtig Spaß mit uns beiden haben. Also machte ich weiter...doch dann wurde sie total panisch...war wie weggetreten. Ich wollte sie beruhigen...doch Mark zerrte mich von ihr weg...wollte beenden...was ich nicht konnte. Scheiße Semir...wenn ihr nicht gekommen wärt.“ Ben brach in Tränen aus, hielt sich die Hände vor 's Gesicht. Semir strich ihm beruhigend über den Rücken. “Das meintest du also vorhin damit, ob ich dein Freund bleibe. Das werde ich Ben. Ich verurteile dich in keinster Weise. Du hast dich in einer absolut ausweglosen Situation befunden.“ Ben schüttelte schluchzend den Kopf: “Ich bin schuld Semir...ich
hab 's versaut. Marley hat mir vertraut...und ich hab sie hängen lassen. Ich hab sie nochmal durch die Hölle gehen lassen...sie wird mir das nie verzeihen. Was ist, wenn sie sich wieder was antut, hm? Wie soll ich mit dieser Schuld leben? Wann hört dieser Alptraum endlich auf?“ Semir war geschockt über Bens Verhalten, musste schlucken, hatte Tränen in den Augen. Er hatte große Angst um seinen Partner, dass er daran zerbricht, nie wieder der Alte wird. “Ben...du bist, für das was euch passiert ist, nicht verantwortlich, dich trägt keine Schuld. Marleys Eltern werden sie nach der Sache mit Kai nicht aus den Augen lassen. Sie haben mir erzählt, was damals passiert ist. Und nach allem, was ich über Marley gehört habe...wird sie sich davon nicht unterkriegen lassen. Und du wirst das auch nicht!“
Ben musste trotz der unangenehmen Situation schmunzeln: “Ja...sie macht selbst mir Konkurrenz. Die hat Dinger kucken lassen...ohne Scheiß...da ist mir stellenweise sogar die Luft weggeblieben. Ich verstehe nur nicht, warum sie auf einmal so abweisend ist. Bis wir im Auto saßen, war doch noch alles gut.“
Semir konnte sich das auch nicht erklären. “Na komm Partner....wir machen Schluss für heute. Ich denke, wir haben alles. Außerdem hast du noch den Termin bei der Psychologin. Ich fahr dich hin, okay?“
Ben schüttelte den Kopf: “Nee Partner...lass mal. Ich fahr selbst....brauch mal Zeit für mich. Ich bin dir und Andrea echt dankbar...ihr tut so viel für mich. Aber ich muss langsam wieder anfangen allein klar zu kommen. Ich bin zum Abendessen zurück...und ab morgen penn ich wieder in meiner Bude. Wie du gesagt hast....ich darf mich nicht unterkriegen lassen.“ Semir sah seinen Partner besorgt an: “Versprich mir keine Dummheiten zu machen, okay?“ Ben rollte mit den Augen: “Ja Papa...“, dann war er weg. Das erste Mal seit Tagen war er allein, er atmete tief durch, startete den Motor und fuhr vom Gelände. Der Termin bei Fr. Dr. Runge war gar nicht so schlimm wie erwartet, vorerst. Er hatte noch einige Sitzungen vor sich, und irgendwann würde es auch ans Eingemachte gehen. Aber sie ließ ihn das Tempo bestimmen, ließ ihm die Zeit. Apropos Zeit, er sollte schon längst bei Semir sein. Er fuhr noch eine ganze Weile ziellos durch die Gegend, bis er vor Marleys Wohnung stand. Ihm war ganz flau im Magen, sollte er zu ihr gehen? Er entschied sich dafür und kurze Zeit später stand er vor ihrer Tür. Einige Gitarrenklänge drangen durch die Tür. Er musste grinsen als er ein paar schiefe Töne und sie fluchen hörte. Er nahm all seinen Mut zusammen, klingelte und hörte sie zur Tür schlürfen. Dann passierte erstmal nichts. Gerade als er sich zum Gehen abwenden wollte, öffnete sich die Tür. Da stand sie nun vor ihm, mit einem Glas Wein in der Hand, verwuschelten Haaren und in seinem
T-shirt. Sie musste es aus dem Krankenhaus haben, er hatte sich schon gewundert, warum Andrea seine Tasche so unordentlich gepackt hatte. Sie nippte an ihrem Glas, zog herausfordernd ihre Augenbraue hoch. “Was willst du? Hab ich mich nich klar genug ausgedrückt? Du sollst aus meinem Leben verschwinden, verdammt!“ Sie nahm noch einen Schluck und sagte in einem provokantem Ton: “Oder...hey...komm doch rein. Vielleicht möchtest du ja da weitermachen....wo du aufgehört hast. Na...Ben...was meinst du?!“ Er musste schlucken, blickte fassungslos auf sie nieder. Dann trat dieser verletzte, fast schon gequälte Ausdruck in seine dunkelbraunen Augen. Marley konnte diesen Anblick kaum ertragen, wusste, wie fiess ihr Verhalten war. Aber sie musste ihn verletzen, um ihn von sich zu stoßen. Ben hatte gar keine Chance, was dazu zu sagen, denn sie knallte ihm die Tür vor der Nase zu. Er lehnte seine Stirn und seine Handflächen gegen die Tür. “Bitte Marley...tu mir das nicht an, lass mich nicht mit dieser Schuld leben...rede mit mir. Ich wollte das doch alles nicht. Aber okay...wie du willst...ich werde verschwinden. Aber versprich mir, dass du keine Dummheiten machst, ja?“  Er wartete noch einen kurzen Moment und dann ging er. Als Marley seine Schritte im Treppenhaus hörte, rutschte sie an der Tür runter und schluchzte auf.
Im Treppenhaus begegnete er Marleys Vater, der funkelte Ben böse an. Der wich automatisch etwas zurück. “Sie wagen es hier aufzutauchen? Meine Tochter ist nur noch ein Schatten ihrer selbst, isst und spricht kaum, wacht nachts schreiend auf, ruft ihren Namen. Ich will sie nie wieder in Marleys Nähe sehen, sonst reiß ich ihnen den Arsch auf! Hab ich mich klar genug ausgedrückt?!“ Ben nickte und ließ ihn einfach stehen. Als er im Auto saß, gab er einen wütenden Laut von sich und fuhr mit quietschenden Reifen davon. Vor dem Haus der Gerkhans angekommen, warf er einen Blick auf sein Handy, welches 10 Anrufe in Abwesenheit von Semir anzeigte. Er stöhnte auf, fuhr sich durch die Haare: “Oh Mann...jetzt darf ich mir gleich den nächsten Einlauf abholen, ganz toll.“ Er schlich ins Haus und legte seinen Schlüssel auf die Kommode. Als er sich umdrehte, stand Semir mit einem strafenden Blick im Türrahmen. “Wo kommst du jetzt her? Ich weiß nicht, ob es dir entgangen ist...aber du bist entführt wurden....ich hab dich erst seit ein paar Tagen wieder. Und da hält es ein Herr Jäger nicht für nötig, sich mal kurz zu melden?! Bist du eigentlich komplett bescheuert? Ich bin vor Angst fast gestorben!“ Ben wich seinem Blick aus, wollte an ihm vorbei, doch Semir zog ihn zurück. “Oh nein mein Freund...du bleibst schön hier! Also...ich höre...wo warst du?!“ Ben sagte kaum hörbar: “Bei Marley...aber sie hat mich wieder abserviert. Und dann bin ich zur Krönung noch ihrem Vater über den Weg gelaufen. Und der hat mir erstmal unmissverständlich klar gemacht, was er mit mir macht, wenn ich seine Tochter nicht in Ruhe lasse. Scheiße Mann...ich komm mir wie der letzte Dreck vor.“ Dann ging er ins Wohnzimmer, schnappte sich die Flasche Whisky und ging auf sein Zimmer, ohne Semir eines Blickes zu würdigen. Er hatte keinen Bock zu reden, wollte einfach nur vergessen und schlafen.
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