Eleganz

GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
Hisagi Shuuhei Matsumoto Rangiku Urahara Kisuke
25.02.2019
25.09.2019
6
28174
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
So, nach längerer Pause geht es endlich weiter. Kleine Anmerkung nebenbei: Ehe der richtige Konflikt ins Geschehen eingebaut werden kann, baue ich erst einmal das ganze Drumherum auf. Besonders viel Spaß macht mir dabei, die Szenen mit Hisagi zu schreiben.
Falls ihr merkt, dass Hisagi allzu OOC wird, dann meckert ruhig drauf los, bin dankbar für jeden Hinweis. Manchmal geht die Fantasie nämlich dann doch mit mir durch.

Ansonsten wünsche ich viel Spaß mit dem neuen Kapitel!

------------------------------------

„Und? Kopfwäsche überstanden?“ Toshio griente Shouta breit an. „Irgendwie schaffst du es immer wieder, deinen Rekord zu brechen.“
„Was für ein Rekord?“, wollte Nana neugierig wissen.
„Der Rekord, den Shouta selbst aufgestellt hat“, erklärte Masahiro. „Er ist der erste Shinigami in der neunten Kompanie, der die meisten Strafarbeiten in der kürzesten Zeit eingeheimst hat.“
„Und darauf bist du stolz?“, fragte Nana ungläubig nach.
„Na hör mal!“, Shouta warf sich die Faust auf die stolz gereckte Brust. „Wer sonst kann denn von sich behaupten, so viele Privataudienzen beim Boss zu haben!“
Nana musste lachen. Alsbald machten sie sich daran, ihr Training fortzusetzen und Nana musste feststellen, dass sie seit Langem keine Nervosität oder Wut verspürte, wenn sie sich bei ihrer Kompanie aufhielt. Die vier Jungs stellten sich als sehr gelehrig heraus und die Zeit verging wie im Fluge.

„Ich glaube ihr habt´s verstanden!“ Begeistert klatschte Nana in die Hände, als alle Vier nacheinander das Shakkaho deutlich kräftiger abfeuern konnten, als noch zu Beginn des Tages. „Den Rest bringt dann einfach die Übung. Je mehr ihr diese Attacke einsetzt, umso leichter und schneller geht sie euch von der Hand. Als nächstes probieren wir dann die 54. Beschwörung.“
„Vielen Dank Nana-chan.“ Nana machte kugelrunde Augen und starrte gerührt Masahiro an, der sie wohlwollend anlächelte.
„Dem schließe ich mich an“, meinte Kyo und verneigte sich ein wenig vor ihr. Sie wurde rot.
„Nun hört schon auf. Ich muss euch danken.“ Sie sah von einem zum anderen und fügte hinzu: „Ich meine, dass ihr mir noch eine Chance gebt. Ich war nun nicht sonderlich höflich zu euch.“
„Tse! Das kann man laut sagen“, schnaufte Toshio und verschränkte die Arme vor der Brust. Etwas milder meinte er dann aber: „Wir haben uns dir gegenüber ja auch nicht sehr vorbildlich verhalten. Also, Schwamm drüber.“
„Wollen wir noch was trinken gehen?“, wollte Masahiro wissen.
„Ich würde gern. Aber die Pflicht ruft. Strafe absitzen“, antwortete Shouta. „Aber morgen siehts wahrscheinlich schon besser aus. Apropos morgen.“ An Nana gewandt meinte er: „Morgen treffen wir uns im Dojo. Kendo Training, klar? Anweisung zu Gruppentraining vom Vizekommandanten.“
Nana nickte ergeben. Da kam sie wohl oder über nicht herum.
„Dann mach ich mich auch mal los. Bis morgen Jungs!“
Beschwingt rannte sie regelrecht zum Badehaus und wurde schon von Chiyo erfreut begrüßt.
„Hallo Nana-Chan! Wie war dein Tag?“ Freudestrahlend berichtete Nana ihr von dem Kampf, der anschließenden Strafarbeit und dem Lob und Dank der Jungs.
„Dir scheint es nichts auszumachen, noch eine Strafarbeit aufgebrummt bekommen zu haben?“ Mit hochgezogener Augenbraue sah sie tadelnd auf Nana herab.
„Nun ja….“ Etwas verlegen knubbelte sie an ihren Fingern herum. „Ich kann mich ja nicht beklagen. Ich glaube dem Vizekommandanten zu helfen, bindet mich in die Kompanie etwas mehr ein und solange ich dir hier helfen kann, bin ich sehr zufrieden. Dafür hat sich der Regelbruch gelohnt.“
„Na! Das will ich aber nicht hören! Wenn du Arbeit willst, brauchst du nicht vorher gegen die Regeln verstoßen!“
Mahnend aber mit einem gütigen Lächeln, schnippte Chiyo Nana auf die Nase. Sie gab Nana ihre Aufgaben und die gut gelaunte Shinigami wollte gerade im Badehaus verschwinden, da rief Chiyo sie doch noch einmal zurück.
„Ach Nana! Warte kurz!“ Nana drehte sich um und sah Chiyo fragend an. „Am Wochenende wollen wir das Badehaus einweihen. Offiziell wird es ja erst nächste Woche für Besucher freigegeben aber wir wollen mit einigen Handwerkern einen kleinen Umtrunk machen und auf die gelungene Erweiterung anstoßen. Möchtest du nicht mitkommen?“
Nana strahlte über das ganze Gesicht. „Aber natürlich! Sehr gern! Vielen Dank Chiyo-San!“ Aufgeregt verbeugte sich Nana tief und prompt vielen ihr etliche Handtücher auf den Boden, die sie gerade wegbringen sollte.
„Verfluchter…!“, hob sie an, knallrot im Gesicht und bückte sich schnell, um alles wieder aufzulesen. „Nana! Du sollst nicht fluchen wie ein Seefahrer! Das gehört sich für ein junges niedliches Ding wie du es bist nicht!“
Chiyo kicherte als sie sah, wie gluckenhaft sich Mana-San um Nana kümmerte. Nana nickte knapp und grinste die ältere Dame entschuldigend an. Zufrieden stützte Chiyo sich auf die Empfangstheke und beobachtete vergnügt, wie Nana Regeln und Verhaltensweisen von Mana über sich ergehen lassen musste.
„Chiyo-Sama.“ Die Angesprochene zuckte kurz zusammen, drehte sich um und lächelte wieder.
„Hisagi-Sama. Schön Euch wieder zu sehen. Ihr habt Euch schon lange nicht mehr hier blicken lassen.“ Hisagi kratzte sich verlegen am Kopf.
„Ich hoffe, dass sich das bald wieder ändern wird. Hat Watanabe Euch schon alles erzählt?“
Chiyo nickte. „Allerdings. Sie hat nicht den Eindruck gemacht, als ob ihr die Strafe etwas ausmachen würde. Meint ihr nicht, dass Ihr sie etwas zu sanft anpackt? Sie mag ein liebes Mädchen sein aber sie braucht auch jemanden, der ihr Regeln und Grenzen aufzeigt.“
Hisagi nickte. „Daher habe ich sie weiterhin in Eurer Obhut gelassen. Hier scheint ihr die beste...nunja…Erziehung anzugedeihen.“
Chiyo hob die Brauen ein ganzes Stück.
„Wie darf ich das verstehen?“
Hisagi seufzte. „Das ist etwas kompliziert.“
„Wir haben Zeit.“
Hisagi seufzte geschlagen und nickte. „Also gut. Ich erkläre es Euch.“
„Ich werde nur eben schnell einen Tee aufsetzen. Es dauert nicht lange.“
Hisagi hatte es sich auf der Veranda gemütlich gemacht und ließ den Blick gedankenverloren über den neu angelegten Außenbereich gleiten, als Chiyo mit einem Tablett zu ihm trat. Sie reichte ihm eine Tasse mit dampfenden Tee und setzte sich neben ihn.
„Schön geworden“, murmelte Hisagi und nickte kurz in Richtung Garten.
„Ja nicht wahr? Ich freue mich schon sehr auf die Eröffnung dieses Bereiches. Sagen Sie Hisagi-Sama, möchten Sie nicht auch zu unserer kleinen Feier kommen? Ein paar Handwerker, wir vom Badehaus und noch einige Wenige sind eingeladen, bevor wir nächste Woche eine offizielle Feier geben. Nur im kleinen Kreis also?“
Sie sah Hisagi bittend an und er legte den Kopf leicht schief.
„Vielleicht ein paar Stunden, wenn ich mit den Zeitungsartikeln fertig bin. Dann komm ich gern. Vielen dank für die Einladung.“
„Das wäre sehr freundlich von Ihnen“, lächelte Chiyo zufrieden, dann wurde sie wieder ernst und kam zum eigentlichen Thema. „Aber jetzt möchte ich Sie bitten, mir zu erklären, was Sie vorhin gemeint haben, dass Nana-Chan hier eine Erziehung bekommen soll?“
Mit strengen, hoch gezogenen Augenbrauen musterte sie den Vizekommandanten der Neunten. Hisagi pustete in seine Teetasse und trank erst einen Schluck bevor er zu erklären versuchte.
„Nun, Watanabe ist seit etwas mehr als einem halben Jahr in meiner Kompanie. Bisher hat sie weder viel Motivation gezeigt am Training teilzunehmen, noch sich mit ihren Kumpanen anzufreunden. Stattdessen wurden mir immer wieder Beschwerden zugetragen, dass sie nur vorlaut ist und jeden beleidigt, der sie anspricht.“
„Kann ich mir nur schwer vorstellen“, merkte Chiyo an.
„Hm“, brummte Hisagi, den das nicht weiter wunderte. Hier verhielt sich das Mädchen komplett anders. „Ich habe sie hierher geschickt, weil ich sie nach dem letzten Vorfall einfach aus der Schusslinie haben wollte.“
„Was ist eigentlich passiert?“, fragte Chiyo vorsichtig. Sie wusste zwar, dass Nana in irgendeinen Streit verwickelt war aber die genauen Umstände waren ihr unbekannt.
„Ich kam gerade dazu, als sich Watanabe und einer ihrer Kollegen im Begriff sahen, sich zu prügeln. Da bin ich eingeschritten. Shouta Koshi, ihr Kamerad habe ich zu den Handwerkern verdonnert.“
„Moment mal! Shouta Koshi?“ Verdutzt sah Chiyo Hisagi an. „Da muss ein Fehler vorliegen.“
„Wieso?“
„Naja, soweit ich weiß, sind die beiden sehr gut befreundet. Zumindest waren sie vor noch nicht allzu langer Zeit essen und trainieren wohl zusammen.“
Hisagi lächelte unglücklich. „Eben. Das ist ja das Ungewöhnliche.“ Als er nur Fragezeichen in Chiyos Gesicht sah, erklärte er ausführlicher.
„Seitdem ich Watanabe hierher geschickt habe, ist sie regelrecht aufgeblüht. Und plötzlich sehe ich, dass sich diese beiden Streithälse, die sich immer nur das Schlechteste gegenseitig an den Hals gewünscht haben, zusammengerauft haben und sogar zusammen trainieren. Nana nimmt am Training teil! Einfach so!“
Hisagi stockte, im Redefluss hatte er doch tatsächlich alle Förmlichkeiten außer Acht gelassen!
Chiyo kicherte verhalten. „Also haben Sie jetzt Sorge, weil gerade die beiden größten Raufbolde nicht gegeneinander sondern gemeinsam arbeiten und noch mehr Unfug anstellen könnten?“
Hisagi kratzte sich verlegen im Nacken. „Ja, allerdings. Ich habe weiß Gott mehr zu tun, als auf zwei Kindsköpfe aufzupassen. Auch wenn ich mich freue, dass sich jetzt alles etwas gerade gerückt hat. Dank Ihnen Chiyo-Sama.“
„Dank mir?“, echote sie verblüfft. „Was habe ich denn damit zu tun?“
„Na, irgendetwas haben Sie mit Watanabe angestellt, denn sie ist auf einmal wie ausgewechselt. Deswegen habe ich auch nichts dagegen, wenn sie weiter hier aushilft. Anscheinend tut ihr die Arbeit hier gut.“
Chiyo lächelte. „Es ist schön, dass Sie sich so um Ihre Mitstreiter kümmern. Aber wenn ich eines sagen darf…“ Chiyo machte eine kurze Pause, schenkte Tee nach und meinte dann: „Ich glaube Nana-Chan brauchte nur jemanden, der sie ernst nimmt. Der ihr zuhört und sie nicht als Aussätzige behandelt. Sie ist eine temperamentvolle junge Frau, die ihre leidenschaftliche Art in manchen Momenten mehr zügeln und in manchen Momenten mehr fordern muss. Vielleicht haben Sie es bereits mitbekommen aber ich glaube Nana hat ein Problem mit Autoritäten.“
Jetzt war es an Hisagi, wie ein Fragezeichen zu schauen. Chiyo musterte ihre Tasse und fuhr fort. „Es ist mir schon ein paar Mal aufgefallen. Wenn sie unter Gleichrangigen ist, redet sie wie ein Wasserfall und lacht aus ganzem Herzen. Wenn jemand von höherem Rang vor ihr steht, ist sie schlagartig stocksteif und kaum in der Lage sich ordentlich zu artikulieren. Und sie wird immer feuerrot. Was ich übrigens sehr süß finde.“ Chiyo grinste schelmisch, als sie die puterrote Nana vor ihrem inneren Auge sah.
„Das macht…Sinn.“ Hisagi legte den Kopf in den Nacken und beobachtete die wenigen vorbeiziehenden Wolken.
„Als sie und Koshi gestern zu mir zitiert wurden, habe ich sie schon von weitem diskutieren hören. Als sie direkt vor mir standen, hat Watanabe kaum ein Wort herausbekommen.“ Aber dafür hatte sie umso mehr gelächelt, als sie ihre Arbeit hier behalten durfte, dachte er kurz.
„Genau das meine ich.“ Chiyo nickte bestätigend. „Ich glaube, sie muss einfach mehr gefördert werden. Sie ist ein unglaublich starker Charakter und hat ein großes Herz, dass man nur unter ihrer harten Schale freilegen muss.“
„Ich glaube sie ist mehr als nur ein starker Charakter“, sinnierte Hisagi. „Sie kämpft eher unkonventionell und hat viel Talent im Kido-Bereich. Vielleicht muss man einfach da mehr ansetzen.“
„Ich wünsche Ihnen alles Gute dabei.“
„Wenn Sie jetzt mit der Chaosbande zusammen trainiert, dann….“

„Chiyo-San! Chiyo-San! Komm schnell! Wir haben einen Schaden im…Oh!“

Nana kam hektisch mit den Armen rudernd und völlig durchnässt um die Ecke geschlittert. Als sie ihre Chefin und ihren Vizekommandanten nebeneinander sitzen sah, verstummte sie augenblicklich und stand einen Moment wie erstarrt da. Hisagi sah Chiyo bedeutungsvoll an und sein Blick sagte so etwas wie: „Jupp. Sie hat definitiv ein Autoritätsproblem.“
Anscheinend besann sich Nana allmählich wieder an ihre Manieren, denn nachdem sie Hisagi wie eine Erscheinung angeglotzt hatte, stand sie stramm und verneigte sich heftig.
„Gu…Guten Tag! Vizekommandant Hisagi!“
„Schon gut. Du brauchst nicht brüllen.“ Amüsiert beobachtete er, wie Nana die Hitze ins Gesicht schoss und verstand ihr Gebaren nach Chiyos Erläuterungen auf einmal viel besser. Fast fand er sie niedlich. Chiyo rettete Nana aus ihrer misslichen Lage, indem sie sich höflich bei Hisagi entschuldigte und sich vor Nana schob.
„Was ist denn passiert? Du bist ja klatschnass.“
„Chiyo-San!“, platzte es auf einmal aus Nana heraus. „Der Wassertank im Badebereich der Herren hat ein riesiges Leck!“
„Oh“, machte Chiyo. „Das ist unschön.“
Verdattert, angesichts Chiyos offensichtlicher Gelassenheit, starrte Nana sie einfach nur sprachlos an.
„Ich glaube es ist besser, wenn wir Kyoga-Sama holen. Er wird sicher diesen ärgerlichen Defekt aus der Welt schaffen.“ Sie legte Nana eine Hand auf die Schulter.
„Du ziehst dich jetzt um, damit du dich nicht erkältest. Dann läufst du sofort los und suchst Kyoga-Sama. Sag ihm es eilt und wir brauchen dringend seine Hilfe. Ich drehe mit Mana und Kaya das Wasser ab.“
Sie drehte sich zu Hisagi um und sah ihn bedauernd an. „Es tut mir sehr Leid, dass wir so plötzlich unsere Tee Pause unterbrechen müssen."
„Nicht schlimm. Wir haben eh soweit alles besprochen. Ich muss auch weiter. Vielen Dank für Ihre Zeit und den guten Tee.“
Nana wollte gerade lospirschen, da stoppte sie noch einmal, drehte sich zu ihrem Vorgesetzten um und verneigte sich heftig. „Auf…Wiedersehen….Kommandant!“ Schon war sie weg.
„Hat sie mich gerade Kommandant genannt?“ Chiyo lächelte, als Hisagi dem Mädchen verwirrt nachstarrte.  

Nana hetzte durch die Straßen der Soul Society und suchte die aktuelle Baustelle, auf der sich Kyoga aufhalten sollte. Ein Kollege, der die Handwerkerzunft betreute, hatte ihr Auskunft erteilt wo sich der Baustellenchef gerade aufhielt. Als sie nach hektischem Suchen die beschriebene Baustelle fand, sah sie, dass auch hier sprichwörtlich die Kacke am Dampfen war. Ein Neubau einer wichtigen Kommunikationsstelle hatte wegen eines Wasserschadens in der vorherigen Nacht, erheblich gelitten und Kyoga und seine Leute hatten absolut keine Zeit, sich um die Badeanstalt zu kümmern.
Zwar nahm sich Kyoga drei Minuten Zeit um Nana sein Bedauern auszusprechen, aber in diesem Fall ging diese Baustelle hier vor. Aber er versprach bei Chiyo gern vorbeizusehen, wenn sich die Aufregung hier gelegt hatte. Nana war sich sicher, dass Kyoga  nicht nur wegen des unschönen Vorfalls vorbeikommen wollte, sondern eher wegen einer ganz bestimmten Person die er sehen wollte. Aber das half ihr jetzt im Moment auch nicht weiter. Hilflos stand sie mitten auf der Straße herum und lief irgendwann eher automatisch zu ihrer Kompanie zurück. Als sie vor den Toren der neunten Kompanie stand, schallte eine Mischung aus lautem Lachen, wüsten Beschimpfungen und dem allgemeinen Mix von Waffen die gegeneinander geschwungen wurden über die Ebene.
Nur ein eigentümlich einsames Geräusch unterbrach den monoton vertrauten Singsang hin und wieder. Ein Klopfen von einem Hammer. Verwirrt drehte Nana den Kopf zu dem vermeintlichen Ursprung des Geräuschs. Als sie die Offiziersbaracken sah, fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Sofort rannte sie los. Als sie um eine Ecke bog, rannte sie direkt in Shouta hinein. Da dieser aber viel größer und stämmiger war als sie selbst, prallte sie einfach von ihm ab und landete unschön auf ihrem Hinterteil.
„Au! Au! Verfluchter Schei…!“
„Ich dachte du wolltest dir das Fluchen abgewöhnen?“, grinste Shouta sie von oben herab an und ersparte ihr einen undamenhafte Beschimpfung. Er reichte ihr eine Hand und zog sie auf die Füße zurück. Etwas umständlich klopfte Nana sich ihre Kleider ab und murmelte hochrot im Gesicht ein Dankeschön.
„Hast du Sehnsucht nach mir oder warum überrennst du mich regelrecht?“, wollte er immer noch breit grinsend wissen.
„Ja. Hatte ich“, gab Nana unumwunden zu. Kurz geriet Shoutas Grinsen ins Straucheln. Nur um dann noch breiter zu werden.
„Hast du?“
„Ach jetzt werde nicht albern! Ich brauche unbedingt deine Hilfe!“ Die Aufregung in Nanas Mimik ließen Shouta etwas ernster werden.
„Wir haben eine Havarie im Badehaus! Einer der Wassertanks ist geplatzt und überflutet alles! Und ich brauche unbedingt deine Hilfe, das wieder in Ordnung zu bringen! Bitte! Hilfst du mir?“
Shouta konnte nicht anders. Als sie ihn so flehend ansah, legte er eine seiner Pranken auf ihren Kopf und wuschelte ihr durch das Haar. „Bin am Start“, sagte er nur und erntete dafür ein dankbares Lächeln.  
„Komm! Chiyo-San wartet bestimmt scho…Hey! Shouta! Was soll das?“ Erschrocken quiekte Nana, als Shouta sie ohne Federlesen oder ein weiteres Wort zu verlieren, einfach auf die Arme hob und mit Shunpo innerhalb weniger Sekunden die Strecke zum Badehaus zurücklegte.
„Du brauchst mir einfach zu lange“, erklärte er ihr augenzwinkernd und setzte sie gentlemanlike wieder auf dem Boden ab.
„Du genießt das richtig. Kann das sein?“, schnaubte Nana und zupfte sich ihre viel zu lange Kleidung zurecht.
Shouta lachte nur, als sie hocherhobenen Hauptes zum Unglücksort schritt.
„Kyoga-San stand leider nicht zur Verfügung. Deswegen habe ich Shouta gefragt, ob er nicht sein Glück probieren will“, stellte Nana Shouta vor und verschränkte die Arme vor der Brust.
Shouta grüßte die drei Damen höflich und besah sich den schaden. Der Tank, der das Wasser für die Wannen vorheizte, war dort wo die Wasserleitung immer frisches Wasser einspeiste, aufgebrochen. Mit fachmännischer Miene begutachtete er das Leck, nickte und brummelte vor sich hin.
„Das bekommen wir schon wieder hin. Gebt mir ein paar Stunden Zeit und es läuft wieder wie neu.“
„Ach ein Glück, dass unsere Nana dich hat!“, bedankte sich Chiyo bei Shouta, während Mana und Kaya wie Honigkuchenpferde grinsten und Nana eindeutige Blicke zuwarfen. Während Shouta sich aufmachte, genug Material zu besorgen, ignorierte Nana gekonnt die Bemerkungen, die ihre drei Kolleginnen die ganze Zeit über machten.
„Ach was ist Shouta-Kun nicht für ein zuverlässiger Kerl“, schmachtete Kaya und Mana fügte hinzu: „Wahrlich, ein Prachtkerl! Hast du seine ganzen Muskeln gesehen? Ich glaube er ist in der Lage alles zu verteidigen, was ihm wichtig ist.“
„Ich vermute mal, dass Nana-Chan ihm als Freundin sehr wichtig ist“, säuselte selbst Chiyo und Nana verdrehte genervt die Augen.
„Es muss schön und aufregend sein, mit Shouta-Kun zu trainieren.“
„Wie wahr Mana-San. Ein Glück für jede, die von ihm unterrichtet wird!“
„Jetzt hört schon auf!“ Nana fuhr jetzt doch herum und funkelte warnend erst Kaya, dann Mana und schließlich auch Chiyo an. „Er ist ein guter Freund und ich bin froh, dass sich das zwischen uns geklärt hat. Aber mehr passiert da wirklich nicht!“
„So die Damen“, ertönte da ausgerechnet die Stimme hinter ihr, dessen Träger Grund für die ganze Aufregung war.
Automatisch glitt Nanas Blick über den Fußboden und suchte einmal mehr ein Loch, indem sie sich verkriechen konnte.
„In ein bis zwei Stunden, könnt ihr den Kerlen wieder ordentlich einheizen.“, meinte Shouta fröhlich und alle außer Nana kicherten vergnügt.
„Dann werden wir mal neues Feuerholz für den Ofen holen. Nana-Chan? Du gehst Shouta-Kun hier zur Hand. Wenn er was braucht, dann stehst du ihm zur Seite.“
Nana seufzte nur lautlos. Was sollte sie dem schon entgegen setzen. Als die beiden allein waren, setzte sich Nana Shouta gegenüber und beobachtete eine Weile schweigend, wie er mit geschickten Handgriffen die defekten Teile ausbaute.
„Tut mir Leid. Für die ganze Aufregung“, sagte sie schließlich leise.
„Alles gut. So ein verrückter Hühnerhaufen ist zur Abwechslung sehr amüsant.“
„Stört es dich nicht, dass sie ständig über dich herziehen?“
Shouta lachte leise. „Nein. Erstens meinen sie es ja nicht böse und zweitens ziehen sie damit eher dich auf als mich.“
„Ich habe ihnen schon ein paar Mal gesagt, dass zwischen uns nichts ist. Aber sie hören einfach nicht darauf.“
„Wie kommst du darauf, dass zwischen uns nichts ist?“
Nana spürte, wie fast ihr gesamter Blutvorrat in ihren Kopf schoss. Mit offenem Mund starrte sie Shouta an und bekam kein Wort heraus.
„Ich mag dich. Ist das nichts?“, setzte er dem Ganzen noch das Sahnehäubchen obenauf.
Vor Nanas Augen begann es zu flimmern. „Shouta…ich…“, stammelte sie und starrte ihn weiterhin nur mit aufgerissenen Augen an.
Er lächelte schief. „Bleib ruhig. Ich meinte damit, dass wir Freunde sind. Und natürlich sind mir meine Freunde nicht egal.“
„A…achso…“, war alles was sie rausbrachte. Sie schwiegen während sie sich einfach nur ansahen.
Dann plötzlich, brach Shouta in lautes Lachen aus. Verwirrt verfolgte Nana seinen Ausbruch.
„Ach du bist wirklich süß! Immer wieder schön wie man dich aufziehen kann!“, gluckste er und grinste lang und breit.
Nana klappte den Mund ein paar Mal auf und zu, dann schnaubte sie beleidigt und verschränkte fest die Arme vor der Brust.
„Pah! Damit macht man keine Witze! Das nächste Mal lass ich mich bestimmt nicht so vorführen!“
Shouta gluckste  und pfriemelte weiter an dem kaputten Wassertank herum. Nana beobachtete ihn still. Während die Minuten verstrichen, wechselten sie kein weiteres Wort miteinander, doch die Stille war alles andere als unangenehm. Nana kauerte sich auf den Boden und zog die Knie an ihren Oberkörper.
„Shouta?“, durchbrach sie irgendwann die Stille.
„Hm?“
„Warum wurde ich nicht zu Einsätzen gerufen, seit ich in der Kompanie bin?“
Shouta ließ den Maulschlüssel sinken und wandte den Blick zu ihr. „Was meinst du?“
„Das ist mir eben durch den Kopf geschossen“, meinte sie schulterzuckend und legte das Kinn auf ihre Knie. „Während ihr immer mal wieder ein paar Einsätze machen musstet, zum Beispiel vor vier Wochen als eine Gruppe Hollows den fünften Bezirk angegriffen haben oder Einsätze in der Menschenwelt, war ich noch nie außerhalb der Kompanie tätig.“
„Das wird wohl damit zusammenhängen, dass du seit deinem Eintritt nie wirklich beim Training erschienen bist und dich auch sonst sehr rar gemacht hast. Eigentlich bist du bisher nur durch deinen Unwillen aufgefallen.“
Nana hatte zwar mit so etwas gerechnet aber die schonungslose Wahrheit von Shouta direkt zu hören, traf sie dennoch schwer. Sie vergrub das Gesicht in dem Stoff ihrer Ärmel und verstummte. Sie hatte immer dem Rest der Welt die Schuld gegeben, dass sie eine Außenseiterin war, doch anscheinend hatte sie unbemerkt selbst einen riesigen Teil dazu beigetragen, dass sie von niemanden ernst genommen wurde. Sie hörte das Rascheln von Stoff und eine große warme Hand legte sich tröstend auf ihren Schopf.
Shouta tätschelte sie tröstend und sagte: „Hey, jetzt mach dir keine große Waffel darum was mal war. Jetzt ist doch alles gut, oder nicht?“
Ihre Augen glänzten unnatürlich als sie aufsah und sie schluckte schwer.
„Eigentlich habe ich dir alles zu verdanken Shouta. Weißt du das?“, flüsterte sie heiser. „Wenn du nicht auf mich zugegangen wärst, würde alles noch immer so laufen wie bisher.“
In einer vorsichtigen, fast sanften Geste, strich er ihr ein paar zerzauste Strähnen aus der Stirn und gab ihr einen Nasenstupper.
„Es läuft aber nun Mal nicht mehr so wie bisher. Und ich habe nichts weiter gemacht als dir einen Weg in eine andere Richtung als bisher gezeigt. Gegangen bist du ihn selbst. Und du gehst ihn immer noch.“
Ein warmes Gefühl breitete sich in Nana aus. Eher unbewusst ergriff die Shoutas Hand. Seine Finger drückten sanft gegen ihre und Nana hatte noch mehr Mühe, die Tränen zurückzuhalten.
„Danke Shouta. Dafür das wir Freunde sind.“ Shoutas Lächeln wankte kurz, doch dann wurde es nur noch breiter.
„Kein Ding. Dafür sind Freunde da.“
„Oh!!! Entschuldigt! Ich wollte euch nicht stören!“
Nana schreckte, einem Herzanfall nah, sofort zurück und lief abermals knallrot an. Kaya stand in der Tür und bedachte beide mit einem süffisanten Lächeln. Shouta gluckste nur kurz und deutete auf sein Werk.
„Bin fertig. Ich muss nur noch die Schrauben nachziehen.“

Gesagt, getan. Keine fünf Minuten später bedankten sich Chiyo, Mana und Kaya herzlichst für Shoutas Arbeit und gratulierten ihm für seine geschickten Hände. Nana stand stumm daneben und versuchte mit der für sie peinlichen Situation klarzukommen. Als Chiyo im Namen aller Shouta noch ein kleines Präsent überreichte, war der Gipfel der Peinlichkeiten erreicht.
Chiyo drückte ihm nämlich eine hübsch verpackte Schokolade in die Hände, mit den Worten: „Um schöne Stunden noch mehr zu versüßen.“
Während sich der Shinigami regelrecht an seinem Lachen verschluckte, starb Nana gerade tausend Tode. Hätte Kaya nicht drei Minuten später hereinplatzen können? Dann wäre ihr das hier erspart geblieben. Aber nicht einmal ein Fluch wollte sich auf ihre Lippen schleichen, geschweige denn von einem frechen Spruch den sie als Großklappe sonst immer zum Besten gab. Nein, denn trotz der Scham die sie gerade verspürte, war sie glücklich. Shoutas Worte hatten sie glücklich gemacht, denn jetzt wusste sie, wie sich Freundschaft und Vertrauen anfühlte.
„So ihr Hübschen. Ich glaube wir können für heute Schluss machen“, beschloss da Chiyo und klatschte nachdrücklich in die Hände. „Es sind eh keine Besucher da, das Wasser muss auch erst wieder warm werden und außerdem hatten wir genug Aufregung für heute. Also ihr Lieben. Husch husch! Ab nach Hause!“

Wenig brüskiert über diese plötzliche Verabschiedung, traten Nana und Shouta nach draußen und liefen schweigend, nachdem sie sich von den drei Damen verabschiedet hatten, den Heimweg an.
„Hm. Und was machen wir jetzt mit der Zeit? Versüßen wir uns die Stunden?“
Breit grinsend wedelte Shouta Nana mit der geschenkten Schokolade vor der Nase herum.
„Du bist unmöglich!“, lachte Nana und boxte ihm in die Seite. Dann wurde sie wieder ernst.
„Ich glaube ich werde zu Vizekommandanten gehen und ihm etwas helfen.“
Als Shouta sie nur fragend ansah, erklärte sie kleinlaut: „Nun ja. Es ist wie du sagtest. Du hast mir einen Weg eröffnet. Aber gehen muss ich ihn selber. Und wenn ich irgendwann in der Kompanie angesehen werden will, dann muss ich ja irgendwo damit beginnen, mich anzupassen. Meinst du nicht?“
Als Shouta nur bekräftigend nickte, atmete sie hörbar aus.
„Ich bin ja selbst Schuld, dass mich keiner leiden kann. Also muss ich auch zusehen, dass ich das wieder hinbiege.“
„Das stimmt nicht“, hielt er plötzlich dagegen. „Dass dich niemand leiden kann. Ich hab´s dir schon einmal gesagt. Ich mag dich. Und ich glaube die Jungs sind auch auf einem guten Weg.“
Er stemmte die Hände in die Seiten und musterte sie stolz. „Wir sehen uns morgen. Ich wünsch dir viel Erfolg bei Hisagi. Ach und Nana?“
„Ja?“
„Die süßen Stunden holen wir nach, versprochen?“
Er wedelte abermals mit der Schokolade herum und Nana lachte fröhlich.
„Versprochen!“

Etwas mulmig war ihr schon, als sie wenige Minuten später vor Hisagis Bürotür stand und herein gebeten wurde. Es war noch nicht allzu spät, doch der Berg an Papieren, der sich auf seinem Tisch türmte, war beeindruckend.
„Was machst du denn hier?“, fragte Hisagi sichtlich erstaunt. Nana verneigte sich anständig und stand dann sehr aufrecht ihrem Vizekommandanten gegenüber.
„Chiyo-San hat beschlossen, Feierabend zu machen. Und da ich mit dieser Arbeit fertig bin, war ich der Meinung, dass ich ihnen beistehen kann und meine Strafe abarbeite.“
Gut gemacht, lobte sich Nana selbst. Ganze Sätze und auch noch in der richtigen Reihenfolge. Hisagi schien ihr Pflichtbewusstsein zu imponieren. Er starrte sie zwar noch einen Moment lang verblüfft an, dann deutete er auf einen freien Platz ihm gegenüber.
„Komm bitte hierher. Warte, ich hole dir einen Stuhl.“
Zwei Minuten später begann er, ihr seine Arbeit näher zu bringen.
„Dieser Stapel hier sind Berichte, die ich als Vizekommandant überprüfen und abzeichnen muss. Diese kommen dann zum Generalkommandanten, wo sie ordentlich archiviert werden.“
„Was sind das für Berichte?“, fragte Nana neugierig und vergaß dabei ganz die förmliche Anrede.
Hisagi beschloss, diesen kleinen Fauxpas das eine Mal zu übersehen und ging nicht darauf ein.
Stattdessen erklärte er ihr: „Diese Berichte beinhalten unter anderem nur Kostenübersichten über Reparaturen, Neuanschaffungen, laufende Beiträge und so weiter. Einige Berichte handeln von Einsätzen, Schaden- und Verlustberichten, Offiziersanfragen, Versetzungsanfragen.“ Hisagi seufzte.
„Du wirst sie durchsehen, überprüfen und nach Thema sortieren und abheften. Wenn dir etwas nicht klar ist, dann frag bitte einfach. Ich bin sehr froh, wenn mir jemand dabei unter die Arme greift.“ Danach schwiegen sie eine lange Zeit. Nur das Rascheln von Papier und das Kratzen der Feder über selbiges, erfüllten den Raum. Es dauerte nicht lange, da fand Nana diese Arbeit ausgesprochen öde. Zwar waren die verschiedenen Berichte sehr aufschlussreich und interessant aber die Stimmung im Raum fühlte sich irgendwie gedrückt an.
Nana warf Hisagi aus den Augenwinkeln immer wieder einen raschen Blick zu. Er war definitiv erschöpft. Die Ringe unter seinen Augen waren noch ein wenig ausgeprägter als sonst, sein Teint fahl. Isst er überhaupt richtig?, schoss es ihr durch den Kopf und eine Idee formte sich allmählich zu einem Vorhaben. Sie kratzte allen Mut zusammen und sah ihren Vorgesetzten direkt an.
„Vizekommandant Hisagi? Darf ich Ihnen einen Vorschlag machen?“
Hisagi brummte nur ein „Hm“ und Nana atmete tief durch.
„Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ich für Sie schnell etwas aus dem Imbiss zwei Straßen weiter hole? Sie sehen aus, als würden Sie gleich vor Hunger umkippen.“
Jetzt sah Hisagi auf. Sturmgrau traf auf Rehbraun und Nana begann zu schwitzen. Hatte sie sich zu viel gewagt? In diesem Moment ertönte ein lautes, grummelndes Geräusch und sie blickte irritiert im Raum umher, als es wieder ertönte. Nana starrte Hisagi an, der einen eindeutig roten Schimmer im Gesicht hatte. Nanas Mundwinkel begannen ein Eigenleben zu führen und zuckten immer wieder nach oben, bis sie sich nicht mehr beherrschen konnte. Sie prustete in ihre Unterlagen und schlug sich die Hand auf den Mund, als Hisagis Magen wie auf Kommando noch einmal knurrte.
„Bitte…bitte um Verzeihung….“, versuchte sie das androhende Lachen mit aller Gewalt zu unterdrücken, das ihr jedoch eher schlecht als recht gelang. Zu ihrer Verblüffung war Hisagi diesmal rot und fuhr sich aufgeregt mit der Hand durch die ohnehin schon strubbeligen Haare.
„Es bringt wohl nichts, es zu leugnen“, knurrte er unwillig. Nana erhob sich und schmunzelte vergnügt.
„Ich fasse das als Ja auf. Ich bin gleich wieder da.“
Sie wollte gerade loslaufen, als Hisagi sie zurückrief:“ Warte! Nimm das hier.“
Er drückte ihr ein paar Münzen in die Hand und fügte hinzu: „Hol dir auch was. Ich lade dich ein. Als Dankeschön.“
Als Dankeschön? Für was denn? Dass sie ihm was zu essen holte? Nana grübelte weiter darüber nach, während sie zwei große Portionen Soba-Nudeln einpacken ließ. Sie kam zu dem Schluss, dass Hisagi anscheinend noch ein wenig netter und anständiger war, als sie vermutet hatte. Wieso sonst sollte er sie mit einladen? Er hätte sie auch zum Teufel schicken können. Allein dafür, dass sie sich nicht beherrscht und über ihn gelacht hatte. Nana grinste automatisch wieder, als sie daran dachte. Hisagis Gesichtszüge so entgleisen zu sehen, war einfach nur göttlich.
Beschwingt klopfte sie erneut an die Tür ihres Vorgesetzten an und hatte diesmal ein weit besseres Gefühl dabei. Hisagi schien erleichtert aufzuseufzen, als Nana ihm die Nudeln hinstellte und fühlte sich sogar dazu bemüßigt, für ein wenig Stimmung zu sorgen. Er ging auf ein kleines Tischchen zu und drückte an einem eckigen grauen Apparat herum. Plötzlich summten ungewohnte Töne durch den Raum.
„Was ist das?“, fragte Nana neugierig und inspizierte die Apparatur.
„Man nennt es Radio. Ein Geschenk von Freunden aus der Menschenwelt. Es spielt Musik ab, wenn man bestimmte Tasten drückt.“
„Darf ich es genauer anschauen?“
„Nur zu“, munterte er sie auf, während er geräuschvoll seine Nudeln schlürfte.
„Was ist das für Musik? Sowas hab ich noch nie gehört“, wollte Nana wissen, während sie begeistert diese technische Errungenschaft begutachtete.
„Man nennt es Rock und Metal. Gibt es hier in der Soul Society nicht und wird leider eher als Lärm abgetan.“ Er seufzte ergeben.
„Mir gefällt´s“, rutschte es aus Nana heraus und Hisagi sah sie erstaunt an.
„Waren Sie schon oft in der Menschenwelt?“, wollte Nana wissen und setzte sich, um ebenfalls zu essen.
„Ein paar Mal ja. Ich bin hin und wieder wirklich gern da drüben. Meist sind es zwar schlimme Angriffe von Hollows auf Menschen und wehrlose Seelen, aber es gibt auch immer wieder die Möglichkeit, das ein oder andere von dort zu lernen.“
„Wie zum Beispiel Rock und Metal“, schmatzte Nana und Hisagi lachte leise.
„Genau.“
„Magst du einen Tee haben?“
„Bitte?“
„Einen Tee. Ich mach uns schnell was.“
Nana starrte Hisagi wie eine Erscheinung an und ein weiteres Mal war er sehr amüsiert darüber, dass man in ihren großen Augen wie in einem Buch lesen konnte.
Schnell senkte Nana den Blick wieder und sagte: „Das wäre sehr nett. Danke.“
Hisagi erhob sich und verließ den Raum. Während sie sich in Hisagis Büro umsah und ihre Nudeln aufaß, dudelte das Radio weiter vor sich hin. Letztendlich hatte sie wohl doch über ihren Vorgesetzten zu schnell geurteilt. Hisagi war nicht der unaufmerksame, trottelige Anführer, der sich einen Dreck um seine Leute scherte. Nein, er war genauso Shinigami wie sie. Und auch er verspürte Hunger. Dass er einen so ungewöhnlichen Musikgeschmack besaß, machte ihn auf eine unheimliche Art und Weise sympathisch.

Ihr Blick schwenkte weiter ziellos in dem recht geräumigen Büro umher. Überall lagen Zeitungen herum, in einem breiten Kleiderschrank hingen frische Shihakushos und daneben lehnte Hisagis Zanpakuto. Dann erregte etwas anderes ihre Aufmerksamkeit. Etwas Schwarzes blitzte aus dem einen Spalt breit geöffneten Kleiderschrank hervor und sie konnte ihre Neugier für einen Augenblick nicht zügeln.
Vorsichtig tappte sie in Richtung Kleiderschrank und wollte gerade hineinschauen, als Hisagi auf einmal hinter ihr donnerte: „Was glaubst du, was du da tust?“
Erschrocken sprang Nana herum und hob schützend die Hände, als sie rief: „Nichts! Wirklich! Ich hab nur…Ich wollte nur…“
Hisagi stand ihr gegenüber, ein Tablett mit zwei dampfenden Teetassen gegenüber und blickte sie vorwurfsvoll aus schmalen Augen an.
„Ich wollte nichts Böses“, murmelte Nana und ließ die Schultern hängen. „Ich war nur neugierig was das ist.“
Sie deutete auf das schwarze glänzende Ding und fühlte sich elend.
Hisagi bewegte sich einen Moment nicht, dann stellte er das Tablett ab und riss den Schrank auf. Er zog das Objekt von Nanas Begierde heraus und hielt es ihr vor die Nase.
„Das ist eine Gitarre. Ein Instrument aus der Menschenwelt“, war die knappe und bissige Erläuterung dazu.
Mit kullerrunden Augen starrte Nana darauf. Sie kannte die in ihrer Heimat recht weitverbreitete Shaminsen. Diese war diesem Instrument gar nicht unähnlich.
„Gitarre“, wiederholte sie leise und taxierte das Instrument genau.
„Es ist schön“, meinte sie mit kullerrunden Augen. Was die Menschen alles so hatten…? Es war schon erstaunlich.
Fasziniert fuhr sie vorsichtig mit den Fingern über das lackierte Holz und fragte: „Kannst du denn…? Erschrocken schlug sie sich auf den Mund und rief aufgeregt: „Verzeihung! Vizekommandant Hisagi! Ich wollte fragen, ob Sie… ob Sie darauf spielen könne?“
Sie wurde immer leiser und verstummte schließlich ganz. Erst ertappte er sie beim Schnüffeln, dann vergaß sie jeglichen Respekt und duzte ihn. Angespanntes Schweigen erfüllte den Raum und Nana überlegte fieberhaft, wie sie am besten flüchten konnte.
Doch da seufzte Hisagi tief durch und sein Gesicht nahm den Ausdruck von Resignation an.
„Nicht besonders gut“, antwortete er ihr schließlich zeitversetzt. Er stellte die Gitarre umsichtig zurück in ihre Halterung und deutete Nana mit einem Nicken, das sie sich wieder setzen sollte. Etwas gröber als beabsichtigt stellte er die Teetasse vor ihr auf den Tisch. Nana zuckte offensichtlich zusammen und kauerte sich noch etwas mehr in den Stuhl.
„Tut mir Leid. Ich wollte dich nicht so anfahren“, brummte er und ließ sich auf seinen Platz fallen.
„Das Thema reizt mich immer ein wenig.“
Fragezeichen erschienen in Nanas Gesicht und Hisagi sah wie sie mit sich kämpfte, nicht so neugierig zu sein und nachzufragen. Darüber musste er beinahe lächeln.
„Ich wäre gerne besser und versuche mir hin und wieder, das Spielen selbst anzueignen. Aber erstens habe ich recht wenig Talent dazu und zweitens erlaubt es meine Zeit als Vizekommandant nur zu selten, dass ich Zeit fürs Üben finde“, erklärte er ihr dann doch und spürte ein wenig Freude in sich aufsteigen, dass Nanas miesepetriges Gesicht wieder in ein Strahlen überging.
„Aber dann ist es doch gut, dass wir jetzt zusammen arbeiten. Während ich ihnen zur Hand gehe, haben Sie mehr Zeit zu üben und sich auch mal wieder ein wenig Zeit für sich!“ Hisagi war mehr als erstaunt, wie das Gemüt des Mädchens umschlagen konnte.
„Vielleicht“, lächelte er und gemeinsam machten sie sich wieder an die Arbeit. Es war spät geworden als Nana das letzte Formular geprüft und zugeordnet hatte. Eigentlich hatte sie noch vor, die ganzen verschiedenen Stapel ordentlich abzuheften, doch Hisagi wies sie schließlich an: „Nix da. Du gehörst ins Bett. Wir  sind gut vorangekommen und morgen steht Training auf dem Programm.“
„Dann machen wir morgen nach der Schicht hier weiter?“
„Genau“, bestätigte er und schlug demonstrativ eine Mappe zu.
Nana erhob sich und schob sich ihre Uniform zurecht. Hisagi beobachtete ihre Versuche, die viel zu langen Ärmel und Hosenbeine immer wieder umzuschlagen, damit sie ihr nicht um den Körper schlackerten.
„Dann gehe ich jetzt. Ich bitte nochmals um Verzeihung, dass ich so neugierig war. Gute Nacht Vizekommandant Hisagi.“
Sie verneigte sich tief und ging zur Tür.
Kurz bevor sie diese hinter sich zuzog, hörte sie nur: „Dir auch gute Nacht, Watanabe.“
Review schreiben