Eleganz

GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
Hisagi Shuuhei Matsumoto Rangiku Urahara Kisuke
25.02.2019
10.12.2019
7
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Hallo alle zusammen!
Willkommen zurück zum zweiten Kapitel! Ab sofort schmeißen wir Nana einfach mal mitten ins Kompanie-Leben und konfrontieren sie mit unschönen Wahrheiten! Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!
LG Rocket

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Vielleicht war Nana nicht der ordentlichste Shinigami. Und vielleicht war sie auch nicht unbedingt jemand, der viel auf höfliche Umgangsformen von Gleichgestellten gab. Aber sie war deswegen noch lange nicht unpünktlich oder trat Sitte und Tradition mit Füßen. Und so stand sie pünktlich und bereits vollständig angezogen zum Arbeitsbeginn im Badehaus und lächelte selig vor sich hin. Sie musste sich eingestehen, dass ihr die Arbeit Spaß machte. Zugegeben, als Vergleich hatte sie ja nur die Hilfsarbeiten der Kompanie aber alles war besser als das. Und so freute sie sich aufrichtig, ihre neuen Arbeitskollegen kennen zu lernen. Chiyo war neben zwei älteren Damen die Einzige, die das Badehaus in Schuss hielte.
Die beiden jüngeren Angestellten lagen mit gebrochenen Beinen im Bett und warteten auf Heilung. Zwar war die vierte Kompanie für die medizinische Versorgung zuständig aber erstens waren die beiden Frauen keine Shinigamis, sondern einfache Arbeiter und zweitens war die Vierte mit medizinischen Notfällen eh immer überlastet. Kaya und Mana, so hießen die beiden älteren Damen, nahmen Nana unter ihre Fittiche. Beide waren von recht fülliger Statur, Mana mit schlohweißen und Kaya mit edlem grauem Haar. Und beide strahlten eine mütterliche Gutmütigkeit aus, die Nana nach nur kurzer Zeit einlullte. Sie brachten den ganzen Vormittag zu, die Waschräume auf Vordermann zu bringen, die Tücher zu waschen und schließlich auch die Handwerker zu versorgen.

„Nana Liebes“, sagte Mana mit ihrer angenehm kratzigen Alt-Damen-Stimme, „nimm doch bitte dieses Tablett und bring es schon Mal den armen Burschen da draußen. Ich komm gleich mit dem Tee.“
„Gern“, sagte Nana fröhlich und schnappte sich das Tablett mit den vielen Häppchen. Ein munteres Liedchen auf den Lippen, eilte sie um das Badehaus zur Baustelle. Stämmige muskulöse Oberkörper, die Balken schleppten, sägten und in die Höhe stemmten, überfluteten Nanas erstaunte Augen. Hier tummelten sich gut und gerne zwanzig gestandene Handwerker und arbeiteten emsig vor sich hin. Gestern hatte sie noch keine Gelegenheit gehabt sich nach den genauen Plänen zu erkundigen, wie denn der Außenbereich erweitert werden sollte. Doch nun wurde ihr das Ausmaß klar. Ein großer Garten, hübsch angelegt mit Teichen, Badebecken und zwei überdachten Liegeplätzen luden richtiggehend zum Verweilen ein.

„Wer bist du denn?“ Nana schrak zusammen und hatte Mühe, das Tablett halbwegs gerade zu halten.
„Nana. Watanabe Nana“, antwortete sie erschrocken und gehorsam und sah sich nach dem Sprecher um. Ein Riese stand von ihr und sie musste den Kopf weit heben um in seine Augen schauen zu können. Der Riese lachte dröhnend.
„Du bist ja echt niedlich! So winzig! Und so ein großes Tablett!“ Ohne eine Reaktion von ihr abzuwarten, nahm er der perplexen Nana das Tablett aus der Hand und brüllte quer über den Platz: „Männer! Futter!“
„Kyoga! Benimm dich gefälligst!“ Der Riese lachte nochmal scheppernd und nahm auch Mana, die sich gerade zu ihnen gesellte, das Tablett mit den Teekrügen ab.
„Aber aber liebe Mana-San, ich hab nur das Küken hier begutachtet.“
„Ich bin kein Küken!“, empörte sich Nana, nachdem sie den ersten Schock überwunden hatte.  „Ich bin Watanabe Nana!“
„Hab dich schon beim ersten Mal verstanden Kleines.“ Kyoga setzte sich auf den Hosenboden und nahm sich einen Happen. „Ich bin Tanaka Kyoga. Der Baustellenleiter. Freut mich.“

Schon wieder ein Leiter. Nanas Herz krampfte sich zusammen und sofort verlor sie ihren halben Wortschatz. Stumm nickte sie und wandte sich hilfesuchend an Mana.
„Bring doch bitte noch die anderen beiden Tabletts. Die Jungs haben immer so einen Hunger“, bat Mana sie in ihren unnachahmlich liebevollen Art. Nana war froh über diese Fluchtmöglichkeit und sauste los. Aber kaum, dass sie um die Ecke gerannt kam, bremste sie in vollem Lauf und drückte sich in den Schatten einer Hecke. Shouta Koshi! Er kam mit ein paar anderen Handwerkern gemächlich in ihre Richtung geschlendert und hatte sie zu ihrem Glück nicht mitbekommen. Was tat der Blödmann denn hier? Da fiel es Nana wieder ein. Hisagi hatte ihn zu den Handwerkern verdonnert und er sollte wohl alle paar Tage mit aushelfen! Dass sie ihm natürlich gerade hier über den Weg lief, zeigte einmal wieder, dass die Götter sie anscheinend ständig foppen wollten. Sie wartete, bis die Truppe vorbei geschlendert war und lief dann direkt in die Küche zu Chiyo.

„Darf ich dich was fragen?“ Chiyo lächelte aufmunternd.
„Nur zu. Womit kann ich helfen?“ Kurz wünschte sich Nana, dass alle Vorgesetzten so freundlich und verständnisvoll sein müssten wie Chiyo.
„Kann ich dich vielleicht hier am Empfang vertreten? Mana-San braucht die Tabletts mit dem Essen…“ Nana wurde immer leiser und senkte beschämt den Kopf. Was genau tat sie hier eigentlich? Sie hatte soviel angst vor den Handwerkern oder Koshi? Scham stieg in ihr auf.
„Was ist los Nana?“
„Da draußen ist jemand, dem ich lieber nicht begegnen möchte“, gab sie beschämt zu. Ihre Chefin musterte sie aufmerksam. Dann seufzte sie.
„Eigentlich kommst du mir gar nicht so vor, als ob du vor irgendwem Angst haben müsstest. Ich hoffe du weißt, dass ich das nur ausnahmsweise für dich mache.“ Nana sah auf. Chiyo lächelte wieder. „Das nächste Mal erfüllst du deine Aufgaben wie es von dir erwartet wird. Dieses Mal fällt das unter Welpenschutz. Okay?“
„Ja Ma´m!“, salutierte Nana gehorsam und dankbar, dieses Mal Koshi entkommen zu sein. Chiyo lachte.
„Räum du bereits die Handtücher ein und bring die Anmeldungen in die richtige Reihenfolge. Ich komme gleich wieder.“ Als Chiyo ging, sah Nana ihr nach. Und das Gefühl, ein riesiger Feigling zu sein, nagte schwer an ihr.

Die Woche verging für Nana wie im Flug. Eine Erfahrung, die sie während ihrer Angehörigkeit bei der Neunten noch nie gehabt hatte. Jeden Morgen rannte sie beinahe auf ihre „Arbeit“ und begrüßte freudestrahlend ihre beiden „Zieh-Mütter“ und ihre Chefin Chiyo. Insgesamt fühlte sie sich beschwingt und gut gelaunt. Koshi konnte sie die letzten Tage irgendwie immer aus dem Weg gehen und auch sonst hatte sie sich an den riesigen Baustellenleiter Kyoga-Sama gewöhnt. Er war zwar riesig aber ein lustiger und gutmütiger Kerl, der sich ein Spaß daraus machte, Nana ständig aufzuziehen. Kurz nach Beginn der zweiten Woche bekam Nana ein Gespräch zwischen Riesen-Kyoga und Chiyo mit. Es war kurz vor Feierabend und sie wollte noch einen Stapel frischer Handtücher wegräumen, da hörte sie Wortfetzen.

„…Ende der Woche denke ich. Ja, das ist drin.“ „Dann seid ihr ja fast im Plan geblieben“, erklang Chiyos spöttelnde Stimme. „He! Drei Wochen sind ja nun wirklich im Plan! Das war ein gutes Stück Arbeit!“ Dröhnendes Lachen polterte über den Gang.
„Das ist ja auch gute Arbeit, die ihr geleistet habt“, gestand Chiyo zu.
„Ein Lob von der Chefin? Ich bin geschmeichelt.“ „Ihr werdet die Baustelle abbauen?“ Nana trat auf die beiden zu.
„Nanu? Nana!“ Kyoga lachte scheppernd.
„Ihr werdet gehen?“ Kyogas Lachen berührte sie diesmal nicht.
„Nunja, wir sind fertig und haben andere Aufträge abzuarbeiten.“ Er zuckte mit den schultern. Als er Nanas traurige Miene sah, kniete er sich hin um sie auf Augenhöhe zu haben. „Hey Kleines, keine Bange. Seireitei ist nicht so riesig, dass wir uns nie wiedersehen. Ich komm dich mal besuchen. Und dich natürlich auch.“ Schelmisch zwinkerte er Chiyo zu, die erst überrumpelt blinzelte, dann leicht rot wurde. „Aber jetzt mach ich erst einmal Feierabend. Die faulen Säcke da draußen trinken sonst ihr Feierabendbierchen ohne mich.“
Mit stampfenden schritten ging er ab und die beiden Frauen sahen ihn hinterher. Die eine bestürzt, die andere gedankenversunken.
„Chiyo-San? Chiyo-San!“ Erst als Nana sie am Ärmel zupfte, reagierte ihre Chefin. Sie zuckte zusammen, dann fand sie ihr Lächeln wieder.
„Entschuldige. Ich war wohl gerade in Gedanken.“
„Das habe ich gemerkt. Findest du ihn etwa gut?“ Ein weiteres Mal wurde Chiyo leicht rot.
„Er ist sehr nett. Etwas poltrig aber sehr nett.“ Damit drehte sie sich um und ging rasch hinter die Empfangstheke. Nana grinste breit.
„Du maaaaagst ihn!“, stellte sie fest.
„Rede keinen Unsinn du Grünschnabel! Los! Ab an die Arbeit mit dir!“ Chiyo scheuchte Nana weg und die erledigte kichernd ihre letzte Aufgabe.

Nachdem sie fertig war, streckte sie sich gründlich. Nana hatte sich vorgenommen, endlich das heiß ersehnte Bad zu nehmen. Vergnügt betrat sie die Umkleide, entkleidete sich und seufzte wohlig auf, als sie nach einer gründlichen Wäsche endlich in das heiße Wasser glitt. Sie hatte den ganzen Bereich für sich allein und sie genoss die Stille. Nur das Zwitschern der Vögel und das Zirpen der Grillen erfüllte die laue Frühlingsluft mit Geräuschen. Der Mond ging bereits auf und das erste Frühlingsgrün wiegte sich sanft im Wind. Es war herrlich. Nana ließ sich komplett unter Wasser gleiten und starrte durch die Wasseroberfläche in den Himmel. Sie tauchte durch das Becken und kam leise plätschernd wieder an die Oberfläche. Sie war an die Absperrung zur Baustelle gelangt. Eigentlich war der erweiterte Außenbereich schon fertig und auch die Becken waren miteinander verbunden. Doch die Absperrung bestand, weil die Trennwand zwischen Männlein und Weiblein noch nicht errichtet worden war. Aber Nana hielt das nicht wirklich auf. Sie lauschte kurz ob sie wirklich allein war, dann tauchte sie unter dem Band hindurch und paddelte langsam durch den neu errichteten Außenbereich.

Es war herrlich. Die Männer hatten ganze Arbeit geleistet. Bis auf die noch nicht fertig gestellten Pavillons war die Anlage geschmackvoll bepflanzt, Lampions aufgehängt worden, die ihr angenehmes Licht verbreiteten und ein unaufdringliches Wasserspiel installiert worden. Nana hatte keine Ahnung wie das Paradies aussah aber das hier kam dem in ihrer Vorstellung schon sehr nahe. Sie paddelte zum anderen Ende des neuen Badebeckens und versank in entspannter Gedankenlosigkeit.
„Damit verbringst du also deine Tage. Hängst faul in der Badeanstalt herum.“ Eine spöttische und nur zu bekannte Stimme ließ sich aufschrecken. Sie fuhr herum und starrte dem arrogant lächelnden Koshi ins Gesicht. Nana stieß einen erstickten Schrei aus und versank bis zur Nase im Wasser. Koshi hatte sich im Becken im Männerbereich lässig auf den Rand gestützt und starrte sie unverhohlen an.
„Ich habe eben erst Feierabend gemacht! Ich hänge nicht den ganzen Tag faul hier herum!“, fauchte sie, nachdem sie sich vom Schrecken erholt hatte.
„Ja klar. Deswegen vernachlässigst du auch deine Aufgaben in der Kompanie“, meinte er leichthin und strich sich seine schwarzen Haare aus der Stirn.
„Was denn für Aufgaben? Bis auf die Hilfsarbeiten die besonders du mir immer aufs Auge drückst, habe ich dort nichts zu tun“, widersprach Nana trotzig und zerrte sich unter Wasser das Handtuch etwas enger um die Brust.
„Solange du die Trainingseinheiten ständig schwänzt, wirst du auch nie andere Aufgaben bekommen.“
„Ich habe hier genug Aufgaben!“, motzte Nana. „Hier brauchen sie mich wirklich und mir macht die Arbeit Spaß!“
„Das habe ich schon bemerkt.“
„Was?“ Nana war verwirrt. Koshi hatte sich bisher nie dazu herabgelassen, mehr als zwei Sätze mit ihr zu wechseln, die etwas anderes als gebellte Befehle enthielten. Doch nun saß er ganz entspannt einige Meter von ihr im warmen Wasser und unterhielt sich recht normal mit ihr. Koshi zuckte die Schultern. Recht breite und gut durchtrainierte Schultern, wie Nana nebenbei bemerkte.

„Du bist selbst schuld, dass du nur Hilfsposten bekommst. Wenn du in der Kompanie nur die Hälfte der Begeisterung an den Tag legen würdest wie du es hier tust, würdest du auch mehr dazugehören.“
„So ein Quatsch!“, fuhr Nana auf. „Seit dem ersten Tag werde ich von allen Anderen als Aussätzige behandelt! Ich hatte nie eine Chance mich zu beweisen! Erzähl du mir nichts von Motivation!“
„Tse!“, machte ihr Gegenüber und strich sich abermals eine schwarze Strähne zurück, die ihm in die Stirn purzelte. „Ich habe es von Tori erfahren. Dein Gesicht bei der Abschlusszeremonie der Akademie. Als ihr euren Kompanien zugeteilt wurdet, hast du ein so angewidertes Gesicht gezogen als du in die Neunte gerufen wurdest, dass dich einfach keiner ernst nehmen konnte. Und dein Verhalten danach hat diese Ansicht nur verstärkt.“
„Vielleicht liegt es daran, dass ich nie in die neunte Truppe wollte!“, fauchte Nana.
„Und da wunderst du dich noch, dass du keinen Anschluss findest? Nicht ernst genommen wirst? Wenn du eh nicht dazugehören willst?“

Nana stockte. Die Beleidigung die ihr gerade noch auf der Zunge lag, löste sich in Sprachlosigkeit auf. So sehr sie sich dagegen zu wehren versuchte, Koshis Aussage machte Sinn. Natürlich hätte sie gerne Anschluss, eine Gruppe mit der sie trainieren konnte. Jemanden, mit dem sie nach Dienstschluss noch etwas Essen gehen konnte.
„Ich sehe du kapierst es langsam. Hat ja lange genug gedauert.“ Nana ließ sich ins Wasser sinken und schwieg. Stille breitete sich aus und Schwermut ergriff Nana. Hatte sie sich selbst alles verbaut? Indem sie sich von Anfang an quer gestellt hatte, hatte sie auch alle anderen vergrault. Wieder einmal ging ihr auf, wie wenig sie in der Welt der Shinigami klarkam. Hier tickten die Uhren nun Mal anders als im Rukongai. Und auch nach der ganzen Zeit die sie in der Soul Society verbracht hatte, hatte sich der Zeitschlag ihrer Uhr noch immer nicht angepasst. Nana wandte sich ab. Wäre sie doch nur im Rukongai geblieben. Wäre sie doch nie dort weggegangen. Dann hätte sie zumindest eine kleine Reihe an Menschen gehabt, die ihr etwas bedeuteten. Hier war sie nur allein.

„Jetzt warte doch!“ Koshi hatte sich etwas aufgerichtet und wollte sie zurückhalten. „Watanabe jetzt bleib doch.“
„Warum? Du hast doch alles gesagt, was es zu sagen gibt“, kam es dumpf von Nana zurück. Koshi fluchte und strich sich angespannt übers Gesicht.
„Ich hätte eher damit gerechnet, dass du wieder eine Ansage machst, wenn ich dir das so direkt ins Gesicht sage. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es dich so trifft.“
„Entschuldige bitte, dass ich auch ein Herz habe, das man direkt treffen kann.“ Koshi betrachtete die schmale Gestalt, die mit hängenden Schultern einem Häufchen Elend glich. Obwohl er sie eigentlich nicht leiden konnte, hatte er nie vor gehabt sie so zu beleidigen.
„Ich hab´ gehört, du hast im Kido ziemlich was drauf“, wagte er einen Versuch der Wiedergutmachung.
„So. Hast du das“, kam es dumpf zurück. Koshi seufzte. Diese Watanabe war ein Buch mit sieben Siegeln. Er wurde nicht schlau aus ihr. Erst aufbrausend wie ein Wintergewitter, dann trübselig wie ein Novembertag.
„Ich hab´ da so meine Probleme. Wenn es deine Zeit erübrigt, zeigst du mir ein paar Kniffs im Kido und ich trainiere den Schwertkampf mit dir.“

Was zum Geier tat er hier? Genau die gleiche Frage schien auch Nana durch den Kopf zu geistern, denn sie blickte ihn äußerst misstrauisch an. „Was soll das? Wieso bist du auf einmal so nett zu mir?“
„Was soll ich sagen?“ Koshi wusste es ja selber nicht so genau. „Ich habe immer gedacht, dass du nur ein zickiges, faules Miststück wärst und jeden vollpflaumst, der dir zu nahekommt. Und dass du absolut keinen Bock auf Nichts hast.“ Nana blieb der Mund offenstehen. Nicht die Direktheit der Worte trafen sie. Sondern eher der Wahrheitsgehalt in ihnen. Das dachte er von ihr? All die Anderen etwa auch?
„Doch als ich dich die letzten Tage hier gesehen habe, hätte ich dich fast nicht wiedererkannt“, fuhr er ungerührt fort. „Du hast dich voll reingehängt. Jede Aufgabe die dir Chiyo-San gegeben hat, hast du mit Feuereifer erledigt, warst pünktlich und hattest ständig gute Laune und hast auch ständig gelächelt. In der ganzen Zeit in der du bei der Neunten bist, hab ich das noch nie gesehen.“
Und sie hatte ein verdammt niedliches Lächeln, wie er zugeben musste.

„Ich hab mich immer versteckt, wenn du auf der Baustelle warst“, brummte sie und sah mit einem roten Schimmer auf den Wangen auf die Wasseroberfläche vor sich. Koshi grinste.
„Da siehst du mal, wie unaufmerksam du bist, wenn du bei der Sache bist. Alles andere hast du völlig ausgeblendet. Außerdem haben die Kollegen von der neuen Kleinen erzählt, die so eine große Klappe hat. Es war nicht schwer, eins und eins zusammenzuzählen, zumal ich ja auch wusste was für eine Strafarbeit der Vizekommandant dir aufgedrückt hat.“
„Also bist du jetzt plötzlich nett zu mir, weil ich Spaß an der Arbeit habe?“, fragte sie vorsichtig.
„Ich bin nett zu dir, weil du ebenfalls nett sein kannst und für Andere auch ein Lächeln statt nur Beleidigungen übrig hast.“ Ein weiteres Mal blieb Nana der Mund offen stehen. Niemals hätte sie von diesem Proleten gedacht, dass er anständig sein konnte. Lag es wirklich nur an ihr, dass alle anderen ihr mit Abneigung begegneten? Weil sie allen Anderen mit Abneigung begegnete?
„Ich sehe, du hast einiges zum Nachdenken“, merkte Koshi an. „Wie wärs, wenn wir ein paar Kleinigkeiten bei einem Bierchen besprechen?“ Nana konnte nicht verhindern, dass ihr Tränen in die Augen traten. Statt zu antworten, nickte und hickste sie nur. Koshi lachte. „Nun ist aber gut. Ich glaube wir brauchen beide ein Neuanfang. Was meinst du?“ Wieder nickte Nana heftig und wischte sich hektisch die Tränen von den Wangen, die gar nicht mehr aufhören wollten zu laufen.

Nana musste Koshi eines lassen. Wenn er etwas anfing, dann brachte er es auch zu Ende. Seine Einladung war keine Floskel sondern durchaus ernst gemeint. Eine gute halbe Stunde später betraten die beiden wirklich gemeinsam ein gemütliches kleines Restaurant und nahmen Platz. Nana, die Bärenhunger hatte, war froh, endlich was zwischen die Zähne zu bekommen, während Koshi genug Sake für Zehn bestellte.
„Wo willst du denn den ganzen Alkohol hinstecken?“, fragte Nana misstrauisch, als er ihr und sich selbst großzügig die Sakeschalen einschenkte.
„Wir machen hier einen Neuanfang. Den muss man ordentlich begießen. Sonst bringt das Unglück“, erklärte er ihr breit grinsend und prostete ihr zu. Nana beäugte ihn misstrauisch, dann zuckte sie mit den Schultern und trank.
„Du kommst aus dem Rukongai, nicht wahr?“, fragte Koshi schließlich.
„Ja. Aus Hokutan. Das ist ein Bezirk im West-Rukongai. Genauer gesagt der Sechsundsiebzigste, weit oben in den Bergen“, erklärte Nana und spielte mit ihrem Sake Schälchen.
Koshi schenkte nach und meinte: „Ich komme ebenfalls aus dem Rukongai.“
„Was? Echt jetzt?“ Nana war erstaunt.
Doch Koshi nickte nur und fuhr fort: „Ich komme aber aus den etwas besser gestellten Bezirken. Nah an Seireitei. Ich bin vor etwa zwanzig Jahren hierher gekommen und hab die Ausbildung zum Shinigami durchlaufen.“
„Das hätte ich gar nicht von dir gedacht. Was hast du denn da gemacht? Ich meine, hattest du einen Beruf im Rukongai?“
„Allerdings. Meine Familie hat schon seit jeher eine Schmiede betrieben. Die führt jetzt aber mein Bruder weiter, nachdem ich meine Kräfte bekommen habe.“

Sie stießen erneut an und fast im gleichen Moment kam ihr bestelltes Essen. „Und du? Ich meine womit hast du dir deinen Lebensunterhalt verdient? Wie überlebt man in den äußeren Bezirken?“ Nana war positiv überrascht. Koshi war einer der ganz wenigen, die sie nicht mit Verachtung für ihre Herkunft strafte, sondern ehrlich interessiert und kein bisschen vorwurfsvoll klang.
„Nun“, begann Nana und stocherte in ihrem Essen. „Ich komme aus einem Waisenhaus. Die älteren Kinder haben sich dort immer zusammengeschlossen und sind meist auf Diebeszug gegangen um das Nötigste für uns zusammen zu klauen. Hohe Überlebenschancen hatten die Wenigsten. Die Winter bei uns sind lang und hart. Die, die es geschafft haben dort herauszukommen, sind meist in die inneren Bezirke gegangen und haben eine Arbeit ergattert. Ich bin immer dort geblieben, wo ich aufgewachsen bin. Das Leben mochte zwar hart sein aber wir hatten dafür auch viele Freiheiten. Aber um wenigstens ein paar Kinder zu unterstützen, habe ich vor etlichen Jahren das Tanzen erlernt. Es war ein ziemlich erträgliches Einkommen. In einigen Bezirken gibt es nämlich Häuser, in denen sich die Menschen treffen, nur um unterhalten zu werden und in denen ich auftreten konnte, ohne….“ Sie zögerte, „…Unsittlichkeiten ausgeliefert zu sein.“

Sie aß ein paar Happen und Koshi wartete auf die Fortsetzung. „Ich habe einiges an Lehrgeld zahlen müssen, bis ich herausgefunden hatte, wohin man gehen konnte, ohne gleich als Dirne behandelt zu werden. Nun ja. Und eines Tages, “ sie schaute auf und sah Koshi mit betrübtem Blick an.
„Eines Tages bin ich doch an die falsche Adresse geraten. Einige Kerle deuteten mein Nein als Aufforderung aufdringlich zu werden.“ Sie seufzte. Koshi verharrte mit seinen Essstäbchen vor dem geöffneten Mund und starrte sie an. „Ich musste mich zur Wehr setzen und in einem Anfall großer Verzweiflung und Ausweglosigkeit sind meine Shinigami-Kräfte erwacht. Dann dauerte es nicht mehr lange und ich bin zur Akademie gegangen.“
„Das ist krass“, war Koshis ganze Reaktion dazu. Nana lachte.
„Mir ist es da noch sehr gut ergangen. Es gibt viele andere, viel schlimmere Geschichten die den Menschen in den Randbezirken widerfahren.“

Sie aßen schweigend, bis Nana sich schließlich ein Herz fasste und Koshi fragte: „Wenn wir jetzt schon soweit sind und uns unsere Lebensgeschichte erzählt haben, können wir uns auch gleich beim Vornamen nennen, oder?“ Koshi sah sie überrascht an.
„Ich bin Nana. Aber nur wenn dir das nicht zu aufdringlich ist.“ Koshi grinste breit und Nana fand ihn damit unglaublich sympathisch.
„Shouta“, sagte er schlicht, ergriff ihre Hand und schüttelte sie. „Darauf stoßen wir gleich nochmal an!“, entschied er und sie war sofort einverstanden. Es stellte sich heraus, dass Shouta ein sehr angenehmer Zuhörer und Gesprächspartner war. Sie hatten sich viel vom Leben im Rukongai zu erzählen, von Anekdoten aus ihrer Schulzeit und den anfänglichen Schwierigkeiten sich anfangs in Seireitei zurecht zu finden.
„Aber jetzt mal Hand aufs Herz!“, begann er nachdem er schon einiges intus hatte.
„Was willst denn noch wissen?“ Nana, auch nicht mehr ganz nüchtern, kicherte albern.
„Du hast gesagt, du wolltest nie in die Neunte. Warum?“ Nana, schlagartig wieder nüchtern, senkte den Blick.
„Die Neunte ist beinahe wie die Elfte eine Männerdomäne. Ich habe kein Problem mit Männern, nicht das du etwas Falsches denkst. Aber zu viele auf einmal sind mir trotzdem unangenehm. Zumal die meisten Mitglieder reine Schwertkämpfer sind. Und ich habe nicht viel Geschick in diesem Bereich des Kampfes. Ich bin eher bewandert im Kido. Ich passe da nicht rein und wollte schon immer in die zehnte Kompanie.“
„Zu Hauptmann Hitsugaya?“ Nana nickte.

„Dort sind mehr Frauen und der Anteil an Kido-Kämpfern ist auch höher. Außerdem…“, sie kippte sich einen weiteren Sake hinunter und erntete von Shouta ein empörtes „He! Nicht ohne mich!“. „…außerdem ist Shuhei Hisagi wohl der däm….“ „Stopp.“ Shouta hatte blitzschnell seine riesige Pranke auf ihren Mund gelegt und sie am Weiterreden gehindert. Nana schimpfte zwar gedämpft aber Shouta ließ sie nicht zu Wort kommen.
„Sage nichts, was du hinterher bereuen könntest, Nana.“ Er sah ihr eindringlich in die Augen. Shouta hatte tiefblaue Augen, wie ihr jetzt erst auffiel und erst nach Feststellen dieser Tatsache sickerte ihr langsam in den Verstand, was er gesagt hatte. Sie packte seine Pranke und zog sie von ihrem Gesicht weg.
„Was meinst du damit?“
„Überleg doch mal.“ Shouta schüttelte den Kopf. „Bis vor einigen Stunden konnten wir uns gegenseitig nicht aufs Fell gucken. Und nun sitzen wir hier und trinken Sake zusammen, als ob nie was gewesen wäre. Das hätten wir viel früher haben können, wenn wir uns eher richtig kennen gelernt hätten. Wenn wir nur eher ein paar wenige Worte miteinander gewechselt hätten.“ Nana ging ein Licht auf.
„Du willst mir sagen, ich soll den Vizekommandanten richtig kennen lernen?“
„Genau das will ich damit sagen“, bestätigte er nickend.
„Aber du verlangst nicht, dass ich Sake mit ihm trinke.“ Shouta lachte.
„Nein, sicher nicht. Aber es kann nicht schaden, sich mit Hisagi-Fukutaichou genauer zu unterhalten.“

Er nickte bekräftigend, als er Nanas zweifelnden Blick sah. „Er ist ein guter Anführer. Zwar ist er kein Hauptmann, aber er erledigt alle Aufgaben die ihm als Vize zufallen samt denen, die ein Hauptmann erledigen müsste. Dann koordiniert er auch noch die Trainingseinheiten und die Übungseinsätze der Kompanie. Und er gibt diese Zeitung mit heraus.“
„Wenn du das so sagst wundert es mich, dass er noch nicht zusammen gebrochen ist. Der Kerl hat doch überhaupt keinen Schlaf, wenn er das alles schaffen will.“
„Er ist auch ständig mit den Gedanken woanders. Hat er eins erledigt, ist er schon wieder beim Übernächsten Problem. Aber er ist ein prima Kerl und findet trotz aller Zeitknappheit immer ein offenes Ohr für seine Leute.“
„Hm“, machte Nana und verschränkte die Arme trotzig vor der Brust. „Trotzdem.“ Shouta lachte wieder.
„Du bist ein echter Sturkopf. Aber glaub mir“, er lehnte sich verschwörerisch zwinkernd zu ihr herüber, „gib ihm ne Chance. Wir haben uns doch auch eine gegeben.“ Nana druckste etwas herum, ehe sie aufgab und anschließend die Hände hob.
„Na gut, meinetwegen. Aber ehe ich morgen wieder bei der Truppe antanze, geh ich vorher zu Chiyo-San und rede mit ihr.“
„Du hängst wirklich an dieser Strafarbeit“, stellte Shouta fest.
„Ja. Nicht nur, dass es mir Spaß macht, es liegt auch sehr an den Frauen die dort arbeiten. Chiyo-San ist eine ganz wunderbare Chefin und Mana-San und Kaya-San sind wie die Mutter die ich nie hatte. Nur gleich im Doppelpack.“
„Pass auf Nana. Übermorgen kommst du wieder mit mir mit. Wir treffen uns gleich früh und ich nehme dich zu den Jungs mit. Wir hatten eh vor, unser Kido ein wenig aufzupolieren. Dann kannst du gleich zeigen, was du drauf hast.“
„Was? Mit zu deiner Schlägertruppe? Nein Shouta! Das war so nicht abgemacht!“, brauste Nana panisch auf.
„Bleib ruhig. Die Jungs sind genauso wenig Schläger, wie ich es bin. Wir haben halt nur falsch angefangen. Und du kannst dich nicht ewig davor drücken, dich mit deiner Kompanie abzufinden.“

Nana wusste, dass er Recht hatte. Aber das machte die Wahrheit deswegen trotzdem nicht erträglicher. Shouta sah ihren Kampf, den sie mit sich austrug. Er seufzte. „Hör mal Kleines. Klar dass du dich schwer tust bei dem Mist, den wir bisher zusammen gemacht haben. Und ich bin wahrlich nicht unschuldig an deiner Panik. Aber die anderen Burschen sind okay. Und wenn dir einer dumm kommt, hau ich ihm eins drüber. Einverstanden?“
„Ich dachte du bist kein Schläger?“, entgegnete Nana und fand sein Angebot wirklich ausgesprochen niedlich. Ehe Shouta auf ihre Frage reagieren konnte, lächelte sie und nickte. „Ich bin einverstanden. Wenn einer nicht spurt, dann schick ich dich vor.“ Shouta grinste und sie stießen ein weiteres Mal an.
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