Eleganz

GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
Hisagi Shuuhei Matsumoto Rangiku Urahara Kisuke
25.02.2019
25.09.2019
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Hallo ihr Lieben!

Ich versuche mich mal an einem neuen Projekt, das mir schon seit geraumer Zeit im Kopf herum geistert. Eigentlich sollte es nur eine Kurzgeschichte mit maximal fünf Kapiteln werden. Aber irgendwie ist es mit mir durchgegeangen und beim schreiben haben sich tausend neue Ideen gebildet, die ich unbedingt zu Papier bringen wollte.
Ich hoffe es gefällt euch, was ihr lest! Ihr könnt gerne euren senf dazugeben, ich beantworte jedes Review!
Aber nun wünsche ich euch ganz viel Spaß beim Lesen!

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Sanft wehte der Frühlingswind über den großen Platz und wirbelte ein paar Sandkörner wild umher. Die Sonne stand für die Jahreszeit schon recht weit oben am Himmel und brannte ungewöhnlich warm auf die Baracken und Übungsplätze der neunten Kompanie. Das muntere Gezwitscher der Vögel wurde nur von dem Klirren und Geklapper verschiedenster Waffen, die immer und immer wieder aufeinandertrafen, unterbrochen. Eine Gruppe recht junger Shinigami hatten sich vor dem Trainings-Dojo aufgestellt und machten Leibesübungen. Sie hatten ihre Shihakusho bis auf die Hose ausgezogen und man sah nur allzu deutlich, dass sie beim Training alles gaben. Der Schweiß rann ihnen über Brust und Rücken und schon bald keuchten die ersten von ihnen und ließen sich ins Gras sinken.
„Pause!“, rief Einer erschöpft und schnappte nach Luft.
„Gut, drei Minuten“, wies ein Anderer an und sah sich um. „He! Watanabe! Hierher! Watanabe!“
Sein Blick bohrte sich in den Rücken einer recht kleinen und beinahe schmächtig wirkenden Person, die sich auffallend konzentriert mit der Wäsche beschäftigte, die sie gerade auf der Leine richtete. „Watanabe! Hörst du schwer?!“
Mit einem Funkeln in den Augen drehte sich die kleine Person zu ihm herum und brüllte genervt zurück: „Was?!“
„Nicht so aufmüpfig du Küken!“ Herausgefordert vom aufrührerischen Verhalten der viel kleineren Wäschefrau, schritt er zu voller Größe aufgerichtet auf genau diese zu.
„Was willst du jetzt schon wieder?“, zischte das Mädchen mit dem Namen Watanabe wütend.
„Wenn ich rufe hast du mir zu folgen! Wie oft soll ich dir das noch erklären?“
„Mach dich doch nicht lächerlich! Wo steht, dass ich auf dich hören muss? Du bist in keiner Rangfolge. Du hast keinen Offiziersrang Koshi!“
„Ich erkläre dir sehr gern, warum ich trotzdem in der Rangfolge höher stehe als du!“ Drohend ließ der bullige Shinigami seine Muskeln spielen und rieb seine Faust in seiner Hand.
„Probier´s doch!“, spuckte Watanabe ihm vor die Füße.
„Na warte du Miststück!“ Koshi wollte ausholen und mit der bloßen Faust auf sie eindreschen, da schallte ein schneidender Befehl über den Übungsplatz.
„Das reicht!“ Augenblicklich standen alle Anwesenden stramm. Das Mädchen schnaubte leise und verengte die Augen, als sie sah, wie hörig dieser vermaledeite Koshi mit einem Male war. Denn just in diesem Augenblick schritt niemand Geringeres als der Vizekommandant über den Platz. Shuhei Hisagi.
„Was ist hier los?“
„Vizekommandant Hisagi. Der Neuling Watanabe macht wieder Ärger.“
„Wa…?!“, fuhr der sogenannte Neuling auf, aber der Vize richtete seine kühlen grauen Augen auf sie und sie verkniff sich mit knirschenden Zähnen jeglichen Kommentar.
„Vorstellen. Alle beide“, wies Hisagi an und das Mädchen glaubte beinahe vor Wut zu explodieren! Was fiel diesem Schnösel ein! Er selbst war bei der Verabschiedungsfeier ihres gesamten Jahrgangs zugegen gewesen und hatte ihr mit einem nett wirkenden Lächeln zum Abschluss der Akademie gratuliert! Er hatte sie ebenfalls wenige Tage später in seiner Kompanie begrüßt! Und nun wollte er ihr wirklich ernsthaft weißmachen, dass er ihren Namen komplett aus seinem Gedächtnis gelöscht hatte?
„Shouta Koshi. 33. Rang in der Kompanie!“, bellte Koshi gehorsam.
„Und du?“ Hisagis Augen nahmen sie ein weiteres Mal ins Visier. Ihre Wut verpuffte augenblicklich. Und das machte sie gleich noch wütender. Sie konnte solange aufbrausend sein, bis jemand mit mehr Ausstrahlung, mehr Kraft und einer bedrohlicheren Aura sie zum Einknicken brachte. Und das war in etwa beinahe jeder Lehrer, untere Offizier oder gar ein Vizehauptmann. Stand sie so jemanden gegenüber öffnete sich unter ihr eine Luke und ihr Selbstvertrauen trat den freien Fall bis ganz nach unten an.
Sie senkte den Kopf und murmelte: „Watanabe. Nana Watanabe. Seit einem halben Jahr in Eurer Kompanie, Vizekommandant.“ Hisagi schürzte kurz die Lippen und dachte nach. Watanabe, diesen Namen hatte er schon gehört. Aber ihm fiel spontan nichts Positives dazu ein. Nur das Wort „Außenseiter“ wurde von seinem Hirn in Zusammenhang mit diesem Namen gemeldet.
„Gut. Und was ist vorgefallen?“ Seine Augen waren noch immer auf Nana gerichtet. Sie fühlte sich unwohl unter seinem unbewegten Blick und fand ihre Sprache nicht rechtzeitig wieder.
Und so ergriff Koshi seine Chance und plauzte los: „Sie hat mich provoziert! Ich habe sie nett um einen Gefallen bitten wollen und sie wurde richtig unhöflich und ausfallend!“
„Gar nicht wahr!“, brauste Nana nun doch wieder auf. „Du schikanierst mich seit ich hier bin! Du behandelst mich wie eine Sklavin! Dabei hast du mir gar nichts zu sagen!“ Hisagi hob verwundert die Brauen. Dieses unscheinbare Geschöpf da vor ihm, schien gerade um zwei Meter gewachsen sein, als die Wut sie kurz in den Griff bekam. Doch ein kurzer Blick zur Seite und sie schrumpfte wieder zusammen und heiße beschämte Röte legte sich auf ihre Wangen. Wer war das Mädchen bloß? Hisagi spürte Neugier in sich aufsteigen. War sie wirklich eine Außenseiterin? Ehe dieser Koshi weiteren Unsinn erzählen konnte, hob Hisagi die Hand und stoppte den sich androhenden Rechtfertigungsfluss.
„Genug jetzt! Ihr habt anscheinend zu viel Energie. In der neunten Kompanie brauchen wir keine Streithähne. Deswegen bekommt ihr jetzt zusätzliche Aufgaben.“
„Aber Vizekomm…!“, setzten Koshi und Nana zeitgleich an, wurden aber mit einem eisigen Blick Hisagis zum Schweigen gebracht. Anscheinend hatte nicht nur Nana ein Problem mit der Autoritätsverteilung. Koshi kuschte genauso vor seinem Vorgesetzten. „Koshi, du wirst drei Tage in der Woche der Handwerkerabteilung mithelfen. Die haben akut Leutemangel. Und du siehst mir aus, als könntest du ordentlich anpacken.“ Während Koshi gerade noch verarbeitete, was er ihm da gerade angewiesen wurde, sah Hisagi Nana nachdenklich an. Ihre dunkelbraunen Augen gruben sich weit aufgerissen, in seine. Hisagi sah genau, wie sich Empörung, Angst und unterdrückte Wut darin spiegelten.
„Du wirst in der Badeanstalt der Kompanie aushelfen. Ich sage der Hausleitung dort Bescheid. Die Aufgaben erhältst du direkt vor Ort. Heute Nachmittag tretet ihr euren ersten Dienst an.“
„Wie oft...?“  
„Bitte?“ Hisagi, für den das Problem schon erledigt war, hatte irgendwen murmeln hören. Als er sich wieder zu Nana umdrehte, sah er erneut in ihre weit aufgerissenen Augen.
„Wie...oft…?“ Sie räusperte sich. „Wie oft in der Woche trete ich denn zum Dienst an? Vizekommandant“, fügte sie noch schnell hinzu.
„Oh. Jeden Tag“, antwortete er ihr und sah wie sich Unglauben in Wut wandelte. Faszinierend wie man in diesem Gesicht lesen konnte. „Das Badehaus ist im Umbau. Bei einem Unfall auf der Baustelle sind zwei der Angestellten verletzt worden. Du wirst dort arbeiten bis wenigstens eine von den Verletzten wieder genesen ist.“ Als Hisagi sich bereits ein paar Schritte entfernt hatte, kroch einen winzigen Moment lang ein unangenehmes Kribbeln seinen Rücken hinauf. Er drehte sich um, doch hinter ihm stand niemand mehr.
„Komisch“, murmelte er. „Fühlte sich an wie ansteigendes Reiatsu…“ Er zuckte die Schultern und ging wieder an die zahlreichen Aufgaben, die den Vizekommandanten erwarteten.

Nana hatte sich blitzschnell verzogen, nachdem diese ungerechte Strafe über sie verhängt worden war. Zornerfüllt hatte sie ihre Hände zu Fäusten geballt und drosch hinter einem Dojo auf eine Trainingspuppe ein. Wieder und wieder und wieder. Doch die Wut wich nicht. „Verfluchter Koshi!“, schrie sie. „Verfluchter Hisagi!“ Sie drosch weiter und legte noch einmal alle Kraft in den nächsten Schlag.
„Verfluchte neunte Kompanie!“, schrie sie und ein Stück der Puppe segelte durch die Luft. Schwer atmend richtete sie sich auf und schleppte sich in den Schatten des Dojos. Verzweiflung übermannte sie. Warum wand sich die ganze Welt nur gegen sie? Warum legten sich ihr immer wieder Steine in den Weg? Sie wollte doch nur ihren Platz im Leben finden. Mehr nicht. Nana ließ ihren Kopf gegen das wettergegerbte Holz sinken und starrte in die vorbeiziehenden Wolken.
Es hatte alles so gut angefangen, seit sie in die Soul Society gekommen war. Sie wurde an der Shinigami-Akademie angenommen und hatte alles während dieser Zeit im Griff. Sie hatte eine kleine Wohnung, eine Arbeit, mit der sie genug für Miete und Schulgeld verdienen konnte und sie hatte sogar ein paar Bekannte aus ihrem Jahrgang. Zwar hatten sich diese Bekanntschaften mittlerweile verlaufen aber das lag daran, dass die meisten von ihnen bereits früher mit der Akademie abschließen konnten als sie. Sie hatte für die Akademie einfach länger gebraucht. Aber selbst das hatte sie nicht gestört. Sie wusste um ihre Stärken und um ihre Schwächen. Und sie hatte viele viele Tage und Nächte ganz genau über ihre Zukunft nachgedacht. Sie hatte ständig darauf hingearbeitet, in die zehnte Kompanie zu kommen. Sie schätzte den dortigen Hauptmann sehr und achtete ihn dafür, in solch jungen Jahren bereits Hauptmann zu sein. Und dieser quirlige Vizekommandant Rangiku Matsumoto…ja, selbst diese Frau schätzte sie sehr. Sie hatte Matsumoto einmal erlebt, wie sie mit recht großer Klappe ihren Willen einfach gegen den von Hauptmann Hitsugaya durchgesetzt hatte.
Nana hatte sich immer wohl gefühlt bei dem Gedanken daran, dass sie dort gute Chancen hatte aufgenommen zu werden. Immerhin war diese Kompanie neben der vierten, die Abteilung mit dem größten Frauenanteil. Und die Verteilung ihrer Kräfte passte gut auf die Zehnte. Nana seufzte leise. Ja, sie hatte sich zu sehr auf ihre Kräfte verlassen. Beziehungsweise Nicht-Kräfte. Der Umgang mit ihrem Katana war gelinde gesagt, eine Katastrophe. Sie hatte ewig gebraucht um den Namen ihres Schwertes herauszufinden. Sie und der Schwertgeist taten sich schwer eine halbwegs vernünftige Beziehung aufzubauen, weil sie beide sehr aufbrausend und zugleich schnell beschämt waren.
Doch dafür war ihr Talent im Umgang mit dem Kido umso ausgeprägter. Flüche und Beschwörungen lagen ihr und sie lernte einen nach dem anderen mit Begeisterung. Auch den Kampf ohne Waffen hatte sie mit beachtlicher Leichtigkeit gemeistert. Doch das größte Merkmal auf das bei der akademischen Ausbildung zum Shinigami Wert gelegt wurde, war nun Mal der Schwertkampf. Und da versagte sie kläglich. Sie konnte ihr Zanpakuto ja noch nicht mal richtig leiden. Und immer, wenn sie es in den Händen hielt, konnte sie die Abneigung des Schwertgeistes gegen sie ebenfalls spüren.
Nana seufzte. Eigentlich war sie davon ausgegangen, dass sie ihre mangelnden Fertigkeiten mit dem Schwert vor allem in der zehnten Truppe ohne weiteres durch ihre anderen ausgeprägten Fähigkeiten kompensieren konnte, doch damit lag sie völlig daneben. Klar wurde ihr das, als sie endlich, nach fast zwanzig Jahren mit der Ausbildung fertig wurde. Sie hatte sich nicht nur absichtlich Zeit gelassen, nein. Sie wollte sie so ordentlich wie möglich auf das Leben in der zehnten Kompanie vorbereiten. Und so hatte sie die Zeit dazu aufgebraucht, sämtliche Beschwörungsformeln zu lernen, die sie in der Bibliothek finden konnte. Die Anwendung derselben wollte sie zusammen mit ihren Kompagnons perfektionieren.
So zumindest der Plan. Gekommen war alles aber ganz anders. Als sie stolz wie Oskar ihre Abschiedsurkunde zur bestandenen Ausbildung in den Händen hielt, konnte sie vor lauter Erwartung kaum an sich halten. Ihre Augen schweiften wie irr umher, auf der Suche nach Hauptmann Hitsugaya und Vizekommandant Matsumoto. Den Hauptmann entdeckte sie recht schnell, wie er mit finsterer Miene auf die neuen Rekruten wartete. Ihr Herz klopfte so laut und schickte rauschend das Blut durch ihre Ohren, dass sie erst beim dritten Aufrufen ihren Namen verstand.
„Watanabe Nana!“, schallte genervt durch den Raum und ein Tuscheln und Kichern ging durch die Reihen. Nana war aufgeschreckt und sah sich verwirrt um. Der Shinigami, der die Rekruten zuteilte, warf ihr einen eindeutig geringschätzigen Blick zu als er extra langsam und deutlich wiederholte: „Watanabe Nana. Neunte Kompanie. Unterstellt dem Vizekommandanten Hisagi Shuhei.“ Ihr Innerstes gefror.
„Was?“, platzte es ihr heraus. Ehe noch mehr Tumult ob ihrer Dämlichkeit entstehen konnte, bekam sie unvermittelt einen Stoß von ihren Mitschülern in den Rücken versetzt, damit sie endlich loslief. Mit staksigen Schritten, dicken Fragezeichen und dem Ausdruck größter Ungläubigkeit im Gesicht, reihte sie sich in der Gruppe Absolventen ein, die der neunten Kompanie zugeteilt worden waren. Ihr Blick fiel mehr zufällig auf den Vize Hisagi. Er drehte sich kurz herum, als ob er ihren Blick bemerkt hätte, runzelte aber nur die Stirn und spielte vollständig abgelenkt, an seinem Soul Phone oder etwas Ähnlichem weiter.
Abscheu und Wut brodelte in Nana auf und seit diesem ersten Augenblick an, verhärtete sich ihre Abneigung gegen Shuhei Hisagi immer mehr. Natürlich war den anderen Rekruten ihre etwas langsame Art von der Abschlussfeier nicht verborgen geblieben und so hatte sie schon vor dem ersten offiziellen Tag als Mitglied der neunten Truppe den schwarzen Peter gezogen. Nana war das perfekte Opfer. Sie gehörte zu keiner Clique, hatte keinen Anschluss und war aufgrund ihrer Erscheinung auch noch von Anfang an als wehrlos eingestuft. Nur ihre große Klappe half ihr dabei, nicht völlig als Mobbingopfer eingestuft zu werden. Wütend strich sie sich ihr kinnlanges Haar aus dem Gesicht. Besonders Shouta Koshi und seine Bande von Missgeburten machten ihr das Leben schwer. Sie sahen in Nana nicht mehr als eine Leibeigene, die sich nur um ihre Launen zu kümmern hatte. Sie schikanierten sie wo es nur ging. Watanabe wasch die Tücher, Watanabe flick meine Klamotten, putz unsere Baracke, Watanabe hier, Watanabe da.
Nana stand auf und rückte sich ihren Shihakusho zurecht. Weil sie so klein war und es hier keinen kümmerte, wie sie zurechtkam, war ihrer viel zu groß für sie. Nana musste ständig die Ärmel und die Hosenbeine hochkrempeln, damit die Uniform nicht um ihren schmächtigen Leib schlackerte. Sie trat langsam aus dem Schatten des Dojos heraus und blieb neben einem Fenster stehen. Gedankenverloren betrachtete sie ihr Spiegelbild und strich sich abermals eine vorwitzige Strähne aus dem Gesicht. Eigentlich war sie recht zufrieden mit sich. Ihr Haar war so unbändig wie sie selbst, deshalb trug es gern kurz und stutze es selbst immer wieder auf Kinnlänge. Das helle Haselnussbraun harmonierte gut mit dem sehr dunklen Braun ihrer Augen. Das Einzige was sie störte war der kindliche Zug, der wohl nie ganz aus ihren Zügen verschwinden würde. Ihre Nase war klein und niedlich, mit einem winzigen Kick nach oben und in Kombination mit ihren großen dunklen Augen hatte sie sich seit vielen hundert Jahren ihr Babyface bewahrt. Kein Wunder, dass sie von Niemand ernst genommen wurde, wenn sie aussah, als ob sie niemals trocken hinter den Ohren werden würde.
Nana wand sich ab. Hier herumstehen und sich selbst bedauern brachte ihr nichts. Auch wenn es ihr gehörig gegen den Strich ging, hatte sie ihre Anweisungen. So sehr sie Hisagi auch verabscheute für seine unfaire Behandlung und dafür, dass sie überhaupt hier sein musste, er hatte ihr eine Arbeit aufgebrummt und der musste sie nachkommen. Grummelnd machte sie sich auf den Weg zum Badehaus. Wenn man es so betrachtete hätte sie es schlimmer treffen können. Sie hätte zusammen mit diesem Koshi ihre Strafe abarbeiten können. Oder noch mehr Dreckwäsche beseitigen müssen. Von daher regte sie eigentlich nicht die Strafe auf, sondern dass sie, die nun wirklich nichts verbrochen hatte, überhaupt eine Strafe aufgebrummt bekommen hatte. Verfluchter Hisagi! Hätte dieser Mistkerl sich nicht einmal die Zeit nehmen können und ihr genauer zuhören können? Wenn sie den ersten Schrecken überwunden hätte, wären ihr die Worte sicher von ganz allein über die Lippen gepurzelt. In Momenten wie diesen verfluchte sie ihre Blockade Vorgesetzten gegenüber. Mit ein wenig mehr Courage hätte sie diesem aufgeblasenen Vizekommandanten schon die Meinung gegeigt. Aber ihr Mut verließ sie jedes Mal genau in dem Moment, wenn sich irgendein Ranghoher vor ihr aufbaute. Soviel zu Courage.
Mit einer tief in Zornesfalten gezogenen Stirn, betrat sie das Badehaus der neunten Kompanie. Es war nicht besonders weitläufig oder groß, aber der Luxus, überhaupt ein eigenes Badehaus zu haben, stimmte Nana ihrer Truppe gegenüber ein wenig milder. Nur noch die elfte Kompanie hatte ein eigenes Badehaus. Und Gott weiß, wie es dort aussah, bei diesem Haufen testosterongesteuerter Prügelbolzen. Sie hielt am Eingang an und sah sich um. Das muntere Geräusch von Sägen, Hämmern und Schimpfen der Bauarbeiter drang vom hinteren Teil des steinernen Gebäudes an ihr Ohr.
„Oh. Du musst Nana Watanabe sein.“ Nana sah in den Eingangsbereich hinein. Eine junge Frau, hochgewachsen und mit rabenschwarzen Haaren und makelloser Haut, die anscheinend eine der Angestellten war, kam freundlich lächelnd auf sie zu. Nana rief sich ihre Manieren zurück in den Sinn und verbeugte sich höflichst.
„Guten Tag. Ja, mein Name ist Nana Watanabe.“
„Ja, Hisagi-San hat dich bereits angekündigt. Es ist schön, dass du uns mithilfst. Wir haben zurzeit erhebliche Probleme und freuen uns über jede helfende Hand.“ Nana blickte auf. Die Frau vor ihr lächelte sie wirklich freundlich an und das Hisagi sie anscheinend nicht schon wieder vergessen, sondern sie selbst hier gemeldet hatte, stimmte sie etwas milder.
„Ich bin Chiyo. Ich leite das Badehaus. Soll ich dich herumführen?“
„Ja gern“, fiepte Nana. Hätte diese Chiyo nicht einfach verschweigen können, dass sie die Chefin dieses Hauses war? Denn just in diesem Moment stieg die altbekannte Beklemmung ein weiteres Mal in ihr auf. Schweigend folgte sie Chiyo, ihr freundlich die um diese Zeit leeren Baderäume der Herren und der Damen zeigte, die dazugehörigen Umkleiden und ein kleiner aber sehr gemütlicher Ruheraum. Handwerker arbeiteten emsig an den Außenbereichen, die für beide Geschlechter gerade erweitert wurden.
„Dir ist sicher aufgefallen, dass der Bereich für Frauen ein Stück kleiner ist als der der Herren“, meinte Chiyo und Nana nickte schüchtern. „Das liegt daran, dass in der neunten nur wenige Frauen eingeteilt sind. Deswegen bin ich froh, dass wir in dir eine Verstärkung für unsere Reihen gefunden haben. Hast du dich bereits gut in der neunten Kompanie eingelebt?“
„Ähm…ja…es geht so“, flüsterte Nana, Rot legte sich auf ihre Wangen. Chiyo lachte vergnügt.
„Nur nicht so schüchtern. Wir sind hier unter uns. Und ich lege viel Wert darauf, dass meine Kollegen sich hier wohlfühlen.“ Sie legte Nana freundschaftlich eine Hand auf die Schulter und lächelte sie an. Nana kam nicht umhin festzustellen, dass Chiyo wirklich freundlich war. Als die beiden die Umkleiden der Angestellten betraten und Chiyo Nana ihre Arbeitssachen überreichte, fühlte Nana sich schon ein Stück weit wohler. Sie tauschte ihren Shihakusho gegen einen sehr bequemen Yukata, der ihr wider Erwarten nicht zu groß war, sondern gut passte.
„Hisagi-Dono hat mir schon gesagt, dass du etwas kleiner bist als der Durchschnitt und dass ich dir was Passendes raussuchen soll.“
„Das hat er gesagt?“ Nana war bass erstaunt. Soviel Umsicht hätte sie diesen Traumtänzer gar nicht zugetraut. Die Arbeit im Badehaus war körperlich anstrengend. Es musste viel geputzt, gewaschen, aufgeräumt und verwaltet werden. Aber Nana hörte aufmerksam zu, war fleißig und bewältigte alles gut.
Dass Chiyo, obwohl sie die Chefin war, bei jedem Handgriff mit anpackte und kein böses Wort verlor, wenn Nana sich langsamer und etwas ungeschickter anstellte, verlieh Nana mehr Selbstvertrauen, bis sie schließlich mutig genug war und fragte: „Du? Chiyo-Sama? Darf ich, also nur wenn die Arbeit erledigt ist und es keine Umstände macht…Darf ich…?“
„Ob du das Bad benutzen darfst?“, half ihr ihre neue Chefin. Nana nickte stumm. „Natürlich. Wir alle nutzen das Bad natürlich auch selbst. Dafür schuften wir ja. Damit es nicht nur unsere Gäste schön haben, sondern damit wir uns nach einem harten Tag ebenfalls entspannen können.“
„Vielen Dank!“ Nana verbeugte sich tief und nahm sich vor, sich bald ebenfalls im warmen Wasser zu entspannen. Als sie sich verabschiedete, war es bereits dunkel und das Bad bereits gut gefüllt. Nana erkannte etliche Gesichter der Männer, die gegen Abend ins Badehaus strömten und ignorierte ein paar hämische Bemerkungen, die von einigen wenigen kamen. Dafür war der Tag zu gut gelaufen, als dass sie sich ihren wohlverdienten Feierabend zerstören lassen würde.
„Vielen Dank Chiyo-Sama“, verabschiedete sie sich gut gelaunt von ihrer neuen Chefin. „Morgen früh werde ich pünktlich da sein.“  
„Gibt es nicht Ärger, wenn du den ganzen Tag hier bist anstatt bei deiner Kompanie?“, fragte Chiyo besorgt. Nana winkte ab.
„Sicher nicht. Ich trainiere eh immer für mich allein. Eh ich wieder zu Hilfsarbeiten verdonnert werde, komme ich lieber hierher und mache mich nützlich.“ Damit verabschiedete sie sich und eilte in ihre Wohnung. Chiyo sah der kleinen Frau mit besorgtem Blick hinterher.

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So, erstes Kapitel wäre geschafft. Ich gebe mir Mühe, dass die Geschichte bald an Fahrt aufnimmt! Bleibt gespannt ihr Lieben!

LG Rocket
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