Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

I, Messias ... eine I, Frankenstein Story

von Christel
GeschichteAbenteuer, Drama / P16 / Gen
24.02.2019
12.07.2020
10
17.406
2
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
31.03.2019 1.388
 
5. Kapitel
Gideon konnte den rauen Wind in seinen Flügeln spüren, wie er an ihm zeerte und ihn bezwingen wollte. Doch er nutzte jede Böe, jeden Aufwind um höher zu steigen oder wieder in die Tiefe zu stürzen. Es war berauschend.
Er wollte seinen Kopf befreien und Antworten finden. Antworten auf Fragen, die er selber nicht glaubte, dass er sie hatte.
Chris stellte sein Leben gehörig auf den Kopf. Sie brachte ihn durcheinander, verwirrte ihn und das gefiel ihm ganz und gar nicht.
Sie stellte ihn auf eine harte Probe und zu allem Überfluss hatte er seinen Orden verraten. Er hatte sich gegen seine Königin gestellt und Ihn enttäuscht.
Er hatte viel zu viele widersprüchliche Gefühle und er hasste es.
Seine Welt war in Ordnung gewesen bevor sie aufgetaucht war. Bevor sie alles verkomplizierte.
Sein Flug wurde immer waghalsiger und gefährlicher. Er steuerte die Wipfel der Bäume an, nur um dann kurz vorher wieder abzudrehen.
Seine Königin wollte, dass er mit Chris ein Kind zeugte, dass seinen Orden retten würde. Es würde die Wende in diesem endlosen Krieg zwischen Dämonen und Gargoyles bringen. Er schüttelte ungläubig den Kopf. Was hatte Er sich dabei gedacht? Wieso er? Wieso Gideon? Er war nur ein Gargoyle, ein einfacher Krieger, der nach Seinem Willen handelte.
Doch wie konnte er sich Seinem Willen widersetzen, wenn er damit die Welt retten konnte?
Gideon musste sich eingestehen, dass er sich liebend gerne widersetzt hätte, doch das fiel ihm immer schwerer.
Es war Chris, die ihm all seine Willenskraft kostete. Dieser Mensch verlangte alles von ihm ab. Er musste grinsen bei dem Gedanken an sie. Sie war ihm gegenüber übellaunig und sie mochte ihn offensichtlich nicht. Und aus irgendeinem Grund zog ihn das an.
Und genau deswegen verhielt er sich ebenso.
Er war so in Gedanken versunken, dass er sich nicht mehr auf seinen Flug konzentrierte und fast abgestürzt wäre.
Er konnte sich gerade noch fangen und wieder an Höhe gewinnen. Sein Weg führte ihn schließlich zurück zur Hütte, wo ihn eine lachende Chris empfing.
Doch bei seinem Eintreten verstummte sie sofort und murmelte was von `der Grummelkopf ist zurück´. Adam kicherte.
Gideon verdrehte die Augen.

Chris sah sich diesen Gargoyle genauer an, der jetzt mit ihr und Adam in dieser Hütte abwartete. Darauf, dass sich der Sturm legen würde, dass Grass über die Sache wachsen würde. Oder auf was auch immer.
Sie stellte fest, dass sie Gideon nie genauer in Augenschein genommen hatte.
So, rein als Mann, sah er ja nicht schlecht aus. Nicht übermäßig hübsch, aber attraktiv, männlich. Ein markantes Gesicht, die Haare sehr kurz gehalten, nie auch nur die Spur eines Lächelns im Gesicht. Groß war er, gut gebaut.
Irritiert schüttelte sie den Kopf. Sie war ein wenig verwirrt. Die Zeit auf der Flucht hatte eindeutig ihre Spuren hinterlassen. Und sie verbrachte zu viel Zeit mit diesem schlecht gelaunten Gargoyle und dass obwohl er kaum da war.
“Wo steckst du eigentlich die ganze Zeit?” unterbrach sie unerwartet die Stille und starrte Gideon an. “Wenn du `die Gegend erkundest´, meine ich!”
Gideon legte die Gabel beiseite und starrte zurück.
“Ich erkunde die Gegend!”
Chris schnaubte sarkastisch.
Gideon verzog keine Miene und doch sprach sein Gesicht Bände.
“So viel kann man die Gegend doch nicht erkunden. Wo steckst du wirklich, Gideon?”
“Chris!” schritt Adam dazwischen.
“Was? Jetzt sag nicht, du bist auf seiner Seite? Seid wann denn das? Fragst du dich nicht auch, wo er ist? Ich meine, woher wissen wir, dass er nicht vielleicht zurück zu seinen Brüdern und Schwestern fliegt?” Chris Stimme war lauter geworden.
“Siehst du sie hier irgendwo?” Gideon war aufgesprungen, wobei sein Stuhl umkippte und baute sich bedrohlich vor ihr auf. Adam stellte sich zwischen sie.
“Glaubst du nicht, dass sie längst hier wären?!”
Chris stellte sich ebenfalls hin und schob Adam beiseite. Sie funkelte Gideon böse an.
“Du glaubst, ich würde euch, dich verraten.”
“Ja!”
“Wow!” Gideon warf die Arme in die Luft.
“Chris, es reicht jetzt! Er hat uns doch geholfen zu entkommen. Was ist los mit dir?” Adam versuchte Chris zu beruhigen.
Jetzt war es Gideon der Adam grob beiseite stieß und auf Chris losging.
“Ich hätte schon längst die Prophezeiung erfüllen können, ist dir das klar?! Dem Willen meiner Königin, die ich, wie du bemerkt haben dürftest, verraten habe, Folge leisten können. Aber ich habe dich und diese Kreatur befreit und hierher gebracht. Ich habe alles aufs Spiel gesetzt, um dich zu beschützen, wie es meine Aufgabe war. Und du wirfst mir Verrat vor?”
Gideon war so dicht an Chris heran getreten, dass Adam kurz davor war, einzuschreiten. Doch er tat es nicht. Dies war ein Kampf den die Zwei alleine austragen mussten. Also zog er sich zurück und beobachtete die Beiden.

“Woher soll ich denn wissen, wo du bist? Du redest ja so gut wie nie!”
“Dafür redest du umso mehr!”
Gideon schaute taxierend auf Chris herab.
“Schau mich nicht so geringschätzend ab.” zischte Chris.
“Du kannst von Glück reden, dass ich dein Beschützer bin.”
“Was? Willst du auch noch ein Bienchen dafür haben, dass du mich beschützt?!” Chris versuchte sich größer zu machen, was ein wenig lustig aussah.
Gideon atmete laut.
“Was? Keine Argumente mehr? Verdammt Gideon, ich weiß einfach nicht, ob ich dir vertrauen kann.” Chris senkte den Blick.

Das war das Zeichen für Adam, die Zwei alleine zu lassen. Er hatte die ganze Zeit über eine seltsame Spannung gespürt. Und er glaubte, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen war, dass die Beiden sich aussprachen.

“Wem kannst du sonst vertrauen, wenn nicht mir!” Gideon hob sanft ihr Kinn. Seine Hand blieb dort ruhen und sein Daumen strich über ihre Unterlippe.
Chris bekam eine Gänsehaut.
Sie entzog sich seiner Berührung und bekam ein heißes Gesicht.
Sie schüttelte den Kopf um auf Gideons unausgesprochene Frage zu antworten und zog sich in ihr Zimmer zurück.
Als sie die Tür geschlossen hatte, starrte sie überrascht die Tür an. Als wenn die Tür ihr alles beantworten würde, was ihr gerade wie wild durch den Kopf ging.
Als es plötzlich klopfte.
“Gideon, wirklich, lass mir ein paar Minuten … “
Es klopfte erneut, stärker.
“Ich brauch nur einen Augenblick. Ich bin gleich da.”
Die Tür flog auf und ein ihr unbekannter Mann trat unaufgefordert ein. Er hatte schwarze Augen und da wusste sie, dass die Dämonen sie gefunden hatten.

“Lauf, Chris!” donnerte es aus dem anderen Raum. Gideon kämpfte gegen mehrere andere Dämonen und versuchte zu ihr zu gelangen.
Chris konnte sich eine Waffe von Adam greifen und wehrte sich so gut sie eben konnte.
Ein starker Arm packte sie und zog sie nach draußen. Sie trat und schlug um sich, bis sie Adam erkannte, der sie mit sich zog. Doch weit kamen sie nicht, weitere Dämonen griffen ihn an, darauf bedacht, dass sie Chris keinen Schaden zufügten.

Die Dämonen waren so zahlreich, dass Chris den Überblick verlor. Sie blickte zu Adam und sein Blick sagte nur eins, `Lauf!`.
Sie erhaschte eine Lücke zwischen den Angreifern und rannte so schnell sie konnte.

Sie rannte nicht kopflos durch den dichten Wald. Sie hatten vor Wochen, diesen Fluchtplan erarbeitet, kurz nachdem sie in der Hütte angekommen waren.
Viele verschiedene Möglichkeiten waren sie durchgegangen und Chris durchwühlte gerade ihr Hirn nach der Bestmöglichen.
Weder Adam noch Gideon konnte ihr helfen, sie war auf sich allein gestellt und sie musste nur eins tun, rennen. Nicht zurück blicken, nicht kämpfen, nur dafür sorgen, dass die Dämonen sie nicht erwischten.

Chris konnte sie hinter sich hören. Sie waren nah, viel zu nah. Grobe Hände griffen nach ihr und erwischten sie. Sie wurde ruckartig nach hinten gezogen, doch so wie Adam es ihr beigebracht hatte, holte sie aus und verpasste dem verdutzten Dämon einen kraftvollen rechten Hacken. Dieser wurde nach hinten geschleudert und landete auf dem Hintern.
Chris konnte einen kurzen Blick auf ihn werfen und wollte sich noch im Rennen wieder auf ihr Ziel konzentrieren als sie in weiter Ferne, dort wo sie Adam und Gideon vermutete, eine blaue Lichtsäule gen Himmel steigen sah.
Sie drehte sich um und lief weiter und blitzartig wurde ihr bewusst, was dieses Zeichen zu bedeuten hatte.
Sie wurde langsamer und hielt sich schließlich keuchend an einem Baum fest.
“Nein!” stammelte sie. “Nein! Nein! Nein!”
Sie drehte sich um und lief wieder zurück, doch da kam ihr der Dämon entgegen, gefolgt von vielen Anderen.
Sie rannte ihnen direkt in die Arme.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast