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I, Messias ... eine I, Frankenstein Story

von Christel
GeschichteAbenteuer, Drama / P16 / Gen
24.02.2019
12.07.2020
10
17.406
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10.03.2019 1.973
 
3. Kapitel
“Es gibt eine uralte Legende, ein Mythos oder auch Prophezeiung über einen Messias, der einen Umbruch einleitet.” begann Adam.
Chris fing an zu lachen. “Wenn du mir jetzt was von Jesus erzählst….”
“Nein! Hier ist die Rede von einem halbsterblichen Wesen, zur einen Hälfte Mensch zur anderen Hälfte,” er stockte, “ Gargoyle!”
“Das ist nicht ganz richtig!” schritt Leonore dazwischen. “ Es ist eine Prophezeiung und es ist in ihr nur die Rede von Halbmenschlich. Die andere Hälfte wird nicht explizit erwähnt.”
“Ok, gut. Und? Was hab ich damit zu tun? Ich weiß, dass ich ein Mensch bin, durch und durch.”
“Ja, das ist uns klar.” tätschelte Adam liebevoll ihren Kopf. “Leonore als auch die Dämonen glauben, dass du die Mutter…”
Ein barsches “Adam!” ließ ihn innehalten. Erschrocken blickten alle zu der Königin.
“Es reicht!”
Doch Chris konnte ihre eigenen Schlüsse ziehen.
“Moment! Ihr glaubt, ich wäre die Mutter dieses Messias? Ich soll die holde Jungfrau Maria sein?” Chris Kichern ging in ein hysterisches Lachen über. Doch ein Blick in Leonores und Adams Gesicht ließ sie verstummen.
“Erstens, ich bin nicht schwanger und zweitens bei weitem keine Jungfrau mehr!” Sie wischte sich die Lachtränen weg.
“Du wirst schweigen!” schnitt Leonore Adam jedes weitere Wort ab. “Es wurde schon zu viel gesagt!”

Chris ließ sich zurück in ihr Zimmer bringen, während Adam und Leonore heftig miteinander stritten.
Gideon schwieg und starrte düster vor sich hin.
“Dir macht es nichts aus?”
Er antwortet nicht.
“Dir ist schon klar, dass du der Vater dieses Messias werden solltest!! Du deswegen die Aufgabe übertragen bekommen hattest, mich zu beschützen.”
“Das ist nicht möglich! Wir können keine Kinder mit Menschen zeugen. Dafür hat Er gesorgt. Er wollte nicht noch so ein Debakel wie mit den Nephilim.”
“Du hast Adam doch gehört. Und wie sollte es sonst gehen? Werde ich vom Heiligen Geist schwanger, oder was?”
“Hör auf!” donnerte Gideon.
“Gut, ich werde es dir beweisen. Komm mit!”
Chris stürmte am verdutsten Gideon vorbei in Richtung Leonore und Adam, die schon von weitem zu hören waren.
Sie blieb vor dem Altarraum stehen und versteckte sich im Schatten.
“Ich werde nicht meine Königin belauschen!” grollte Gideon und wollte schon gehen.
Chris hielt ihn am Arm zurück.
“Bleib hier! So laut wie die sind, brauchen wir nicht zu lauschen, wir hören nur zu.”
Er verzog das Gesicht.
“Und jetzt sei ruhig.”

“Ihr wolltet die Beiden wirklich zusammen bringen, um eventuell diesen Messias, diesen Gesalbten zu zeugen? Ist so etwas überhaupt möglich?”
“Er hat Sorge dafür getragen, dass dem nicht so ist. Es ist nicht möglich.”
“Gut. Dann werden Chris und ich jetzt gehen.”
“Doch Chris ist besonders, Adam. Und Gideon ebenso. Er wurde von Ihm zurück gebracht aus genau diesem Grund. Um unseren Orden zuretten, um die Menschen zu retten. Dieses Kind wird den Krieg zwischen Dämonen und Gargoyle auf ewig beenden. Und somit auch die Menschen retten.”
Adam sah die Königin eindringlich an. Er kannte die Prophezeiung, er hatte Bruchstücke aus einem Dämonen herausgefoltert.
“Warum sind die Dämonen so interessiert an ihr? Oder wollen sie sie einfach nur töten, damit dieses Kind nie geboren wird?”
Leonore schüttelte den Kopf. “Nein! Adam, die genaue Prophezeiung sagt nur etwas über die menschliche Hälfte. Und sie besagt nicht, dass der Umbruch der durch dieses Kind eingeleitet wird, gut für die Gargoyles oder Menschen sein muss. Es wäre….”
“ …. ebenso möglich, dass der Messias halb Dämon, halb Mensch ist!”

Chris  hielt sich erschrocken die Hand vor den Mund und sah Gideon mit großen Augen an. Ihr Atem ging schneller und sie zitterte. Gideon jedoch zeigte keinerlei Gefühlsregung. Stocksteif stand er neben ihr und starrte zu seiner Königin.

“Gideon. Chris. Kommt heraus!” rief die Königin plötzlich.
Chris trat zögerlich aus dem Schatten, Gideon mit festem Schritt.

“Ihr habt sicherlich viele Fragen!” begann Leonore.
Doch Gideon schnitt ihr das Wort ab. Er sah erst zu Chris, dann Adam und schließlich seine Königin an. Sein Blick war gequält und doch schien sich so etwas wie Zuversicht einzuschleichen. Mit einem kurzen Nicken gab er seine Zustimmung. Chris sah dies und ihr fiel die Kinnlade runter.
“Das kann nicht dein Ernst sein!” schrie sie Gideon an. “Da mach ich nicht mit! Vergesst es!” Sie drehte sich um und stampfte wütend auf den Ausgang zu. “Chris! Bleib!” hallte es durch die Halle.
Sie blieb nicht stehen, doch Gideon hatte sie bereits eingeholt und stellte sich ihr in den Weg. Sie versuchte sich an ihm vorbei zu stehlen, er hielt sie am Arm fest und drehte sie zu seiner Königin.
“Lass mich los!” Chris wehrte sich heftig. Ihr kamen Tränen, die sie runterschluckte. Adam ging auf Gideon los, wurde aber von anderen Wachen aufgehalten.
Die Königin schritt dazwischen und hielt alle davon ab sich gegenseitig umzubringen.
Chris wehrte sich noch immer gegen Gideons Griff. Dieser war aber stark und eisern. Völlig ergebnislos stemmte sie sich gegen ihn.  Außer Atem gab sie auf. Sein Griff lockerte sich. Leonore sah Chris vertrauensvoll an.
“Bitte versteh doch, Chris, dass du unsere einzige Hoffnung bist. Du und …. Gideon!” Sie sah zu ihrem ersten ihrer Männer auf. Doch sein Blick war kalt. Leonore stutzte.
Chris schnaubte. Sie versuchte sie so wütend wie möglich anzusehen. “Ich habe hier wohl nichts mehr zu sagen….!”
Die Königin wollte ihr beruhigend die Hand auf den Arm legen, ließ es aber bleiben.
“Ich weigere mich!” Demonstrativ verschränkte sie die Arme vor der Brust.
Der Blick der Königin wurde härter. “Es ist nicht unbedingt Liebe notwendig…!” begann Leonore. Chris Augen wurden größer und sah erschrocken zu Gideon. “Du würdest doch nicht…?!”
Auch Gideon erschrak ob dieser Abscheulichkeit. Seine Stirn runzelt sich, in seinem Gesicht konnte man erkennen, dass er Hin und Her gerissen war.
Seine Mission, ihrer aller Mission bestand darin, die Menschen zu beschützen und doch verlangte seine Königin, seine jetzige Mission möglicherweise genau ebendiesen Menschen, einem Menschen, Gewalt anzutun. Er verlangte es?!
Adam wand sich in den Griffen der Gargoyles, er war wütend, aufgebracht und stemmte sich mit aller Macht gegen sie.
“Glaube mir, Chris! Ich will das nicht. Doch dieses Kind rettet uns und die Menschen, euer Kind!” Die Königin sah erst zu ihr und dann Gideon an. “Gideon war bereits bei Ihm, doch Er hat in seiner Weisheit beschlossen, dass Gideon unser aller Retter sein wird und ihn zurück geschickt, zu dir. Um dein Beschützer zu sein, die Mutter unseres Erlösers!”
Chris lachte laut auf, doch gleichzeitig rann ihr eine Träne die Wange runter, die sie schnell wegwischte.
“Daher hatte ich gehofft, dass ihr einander zugetan seid. Das würde alles leichter machen.”
Chris wusste nicht, was sie denken sollte. Am liebsten würde sie aufgeben und es schnell hinter sich bringen. Ihr wurde ein bisschen schwindelig und sie war ganz froh, dass Gideon sie noch immer festhielt.
“Ich dachte, Menschen und Gargoyles könnten zusammen keine Kinder zeugen. Gargoyles wären dazu nicht in der Lage!” versuchte sich Chris an einem Grinsen. Sie schielte zur Königin. Sie glaubte sich nun in Sicherheit.
Auch Gideon sah seine Königin fragend an. Doch diese schüttelte nur den Kopf. “Genau deswegen musst du es sein, Chris …. und Gideon. Genau aus diesem Grund wurdet ihr Beide ausgesucht. Nur mit euch ist dieses Wunder möglich. Ich weiß es!”
Man konnte Chris den Unglaube im Gesicht ablesen. Woher wollte die Königin das wissen? Woher wollte sie wissen, dass eben Chris die zukünftige Mutter des Erlösers sein sollte?
Sie lachte. “Seid Ihr Hellseherin?”
Gideons Griff verstärkte sich. Sie war zu weit gegangen.
“Tschuldigung!”
“Du hast es auch gesehen, Gideon. Und du, Adam! Ihr Beide habt es gespürt. Ihr wisst es!” Leonore sah die Beiden abwechselnd an. “Ihr habt es gespürt, als ihr Chris gesehen habt, als ihr mit ihr gesprochen habt, als ihr sie berührt habt. Ein Leuchten, ein warmes Licht, dass euch berührt hat.”
Chris quiekendes Lachen durchdrang die Kathedrale. Ein Lachen, dass schrill von den Wänden widerhallte und in ein keuchendes Schluchzen überging. Chris wollte sich schnell wieder fangen. Sie versuchte Gideons Griff abzuschütteln, doch er ließ sie schon von alleine los. Überrascht sah sie zu ihm auf und erschrak. Sein Blick war gerade aus gerichtet und starr. Sein Gesichtsausdruck nicht zu lesen. Er stand stocksteif da.
Leonore legte sanft eine Hand auf Gideons Arm und holte ihn so aus seiner Starre. “Es ist Sein Licht, was du in ihr siehst, Gideon! Und Hoffnung, Hoffnung auf eine Zukunft. Eine Zukunft unseres Ordens und der Menschen. Sie werden leben. Wir alle werden leben! Dank eures Kindes!” Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.
“Woher….?” Gideon stockte.
Die Königin sah ihn erstaunt an. Sie winkte ihren Soldaten. Diese legten Adam, mal wieder, in Ketten und brachten Chris zurück in ihr Zimmer und postierten zusätzliche Wachen vor ihrer Tür. Gideon behielt sie bei sich.
“Gideon!” sprach sie sanft zu ihm. “Du zweifelst! An Ihm!”
Wütend und auch erstaunt, dass sie überhaupt auf diesen Gedanken kam, sah er sie an. Doch sie hatte Recht. Er zweifelte, doch nicht an Ihm, sondern an sich selbst. Wie konnte er solch einer Aufgabe gerecht werden? Wie konnte er Ihm und seiner Königin gerecht werden?

Chris lief im Zimmer auf und ab, öffnete ihre schwere Zimmertür und lugte hinaus nur um dann festzustellen, dass 2 Gargoyles davor standen. Als wenn nicht schon einer mehr als ausreichend war.
Und wenn sie sich einfach aus dem Fenster stürzen würde? Sie öffnete es und erschrak ob der kühlen Luft, die hereinwehte. Es ging unendlich in die Tiefe. Sie hielt sich am Fensterrahmen fest und schüttelte sich. Sie hing viel zu sehr an ihrem Leben um das wirklich durch zu ziehen. Seufzend ließ sie sich an der Mauer hinab gleiten und umschlang mit den Armen ihre Knie. Sie würde sich wehren, beschloss sie. Sie würde es ihnen auf keinen Fall leicht machen. Und wenn diese Monster es schaffen sollten, würde sie andere Mittel und Wege finden.
Chris musste mit Leonore sprechen und es ihr begreiflich machen. Ihr klar machen, dass sie sich nicht so leicht geschlagen geben würde.

Die Tür wurde ruckartig aufgerissen und Gideon stürmte ins Zimmer. Chris schnellte hoch und rückte in die hinterste Ecke. Hecktisch sah sie sich nach einer Waffe um, fand aber keine. Nur ihre Nachttischlampe. Die musste eben genügen.
Gideon sah zu ihr, zog fragend die Augenbrauen zusammen und schritt energisch auf sie zu um kurz vor ihr abzubremsen und unter das Bett zu greifen. Er zog ihren Seesack hervor und warf ihr den in die Arme.
“Packen! Sofort!”
“Was?!?”
Als Chris keine Anstalten machte sich auch nur zu rühren, riss Gideon ihre Schubladen auf und warf ihre Sachen achtlos in den Sack. Als er an ihre persönlichen Sachen ging, unter anderem ihr Notizbuch, dass sie als eine Art Tagebuch verwendete, schritt sie dazwischen.
“Was soll das werden?”
Gideon nahm ihr den Seesack aus den Händen, schnürte ihn zu und warf ihn sich über die Schulter. Er ging zum Fenster und öffnete es ganz. Plötzlich  stand vor Chris ein riesiger, furchteinflößender steinerner Gargoyle und breitete seine Schwingen aus. Er hielt ihr seine große Pranke hin.
Irritiert schrak sie zurück. Mit einem Schnauben griff Gideon nach ihr, zog sie zu sich und  nahm sie auf seine Arme. Chris wehrte sich und wollte sich befreien. Doch als er ans Fenster ging und sich hinaus stürzte, schrie sie und klammerte sich an ihn.
Doch sie flogen, sie flogen über die Stadt hinweg. Hinaus in die dunkle weite Welt. Der Wind war kalt und sie fror erbärmlich. Sie schmiegte sich enger an Gideon, doch Stein war nun mal nicht warm. Und so schlotterte sie in seinen Armen, während die Welt unter ihnen immer kleiner wurde.
Irgendwann flog Gideon tiefer und setzte schließlich auf festen Boden auf. Er setzte Chris ab und nahm wieder seine menschliche Gestalt an. Chris wich vor ihm zurück und sah sich stirnrunzelnd um. Wo waren sie?
Etwas raschelte im Dickicht hinter ihnen. Gideon zog seine Waffe und schob Chris hinter sich.
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