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I, Messias ... eine I, Frankenstein Story

von Christel
GeschichteAbenteuer, Drama / P16 / Gen
24.02.2019
12.07.2020
10
17.406
2
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03.03.2019 2.380
 
2. Kapitel
Chris tigerte seit Tagen in dem riesigen Gebäude umher, schräg beäugt von den ganzen Kriegern. Sie tuschelten hinter ihr und starrten sie regelrecht an. Ihr behagte das Alles ganz und gar nicht. Und sie wusste nicht mal warum sie angeblich so wichtig war. Was war schon Besonderes an ihr?
Immer folgte ihr ein recht düster dreinblickender Schatten, der auch noch ziemlich maulfaul war. Aber sich zum Glück sehr weit im Hintergrund hielt. Er hatte genauso wenig Lust auf das Ganze wie sie.
Die Königin bemühte sich Chris ihren Orden näher zu bringen. Ihr wurde vieles gezeigt und erklärt, was Gideon überhaupt nicht verstand.
“Wieso zeigt ihr diesem Menschen unsere Geheimnisse? Sie könnte noch alles verraten.”
Chris fing an zu lachen. “Wem sollte ich es verraten? Es würde mir sowieso keiner glauben.”
“Ich rede nicht von Deinesgleichen, Mensch!” fauchte Gideon.
Chris wurde blass.
“Gideon!” ermahnte ihn seine Königin.
Chris wurde ein bisschen ungehalten. “Verzeiht, Hoheit!” Sie machte einen kleinen Knicks vor der Königin und stürmte dann auf Gideon zu.
Sie schubste ihn, was er amüsiert registrierte. Denn genauso gut hätte sie eine Wand schubsen wollen.
“Du und Deinesgleichen sollen doch die Menschen beschützen, ja?! Wieso verhälst du dich dann wie ein Arsch? Was hab ich dir getan?” schnaubte sie. Gott, sie führte sich gerade auf wie ein Zwölfjährige.
Er hob nur eine Augenbraue.
“Du,….” Chris schmiss die Arme in die Höhe. Vor so viel Borniertheit musste sie kapitulieren.
Kopfschüttelnd verließ sie die Krypta.

“Gideon!” Leonore sah ihren ersten Krieger vorwurfsvoll an.
“Wegen ihr bringt ihr unsere Krieger in Gefahr, euch in Gefahr!”
Als sie ihn fragend anblickte, fuhr er fort.
“In den letzten Wochen sind verstärkt Dämonen rund um die Kathedrale gesichtet worden. Und sie haben ein paar Mal versucht, sie zu stürmen.”
“Wieso wurde ich nicht davon unterrichtet?”
“Ich wollte euch nicht beunruhigen.”
Leonore konnte es nicht glauben.
“Beschütze sie! Das ist deine einzige Aufgabe, Gideon! Ich vertraue dir, das weißt du! Er hat nicht umsonst entschieden, dich zu uns zurück zu bringen. Er hat dir eine überaus wichtige Aufgabe erteilt. Enttäusche Ihn nicht! Enttäusche mich nicht!”
Eleonore wusste ganz genau, welche Knöpfe sie bei Gideon drücken musste. Seine Liebe zu ihr wurde nur durch seine Liebe zu Gott übertroffen. Und seine Aufgaben nahm Gideon immer sehr ernst.
Gideons knappe Verbeugung war ihr Antwort genug. Er würde seine Aufgabe erfüllen, und wenn es sein Leben kosten würde. Doch das wollte sie gar nicht. Sie beabsichtigte etwas anderes und nur deshalb hatte sie damit Gideon beauftragt.
Eine Beziehung konnte nur entstehen, wenn man Zeit miteinander verbrachte. Aber Zeit war etwas, was sie nicht hatten. Aber genau das würden sie brauchen. Denn Beide stellten sich äußerst stur an, geradezu verbockt. Schlimmer sogar, sie schienen sich nicht zu mögen und das war ein nicht hinnehmbarer Zustand.

Es war ein wunderschöner neuer Tag und die Kathedrale lag ruhig und friedlich da. Chris hatte extra auf den Tag gewartet und nicht auf die Nacht, denn in der Nacht waren die Gargoyles sehr aufmerksam. Sie hoffte also, dass sie bei Tag weniger aufpassten. Sie schlich sich raus.
Als sie durch die große Eingangstür der Kathedrale nach draußen schritt, atmete sie tief durch. Es war, als würden die zig Tonnen Stein der Kathedrale von ihren Schultern fallen.
Sie lief wahllos durch die Stadt und genoss einfach nur ihre wieder gewonnene Freiheit.
Natürlich  war sie vorsichtig und hielt sich von bekannten dämonischen Plätzen fern. Außerdem trug sie eine Kapuze, die sie tief ins Gesicht gezogen hatte.
Doch sie wurde beobachtet. Einige Dämonen hatte schnell mitbekommen, dass sie die sichere Unterkunft verlassen hatte und ihr Beschützer nicht da zu sein schien.
In einem Park griffen sie an.

Chris rannte, ihr brannte die Lunge und sie nahm kaum ihre Umgebung wahr. Doch die Dämonen stellten sich ihr in den Weg. Sie bremste nicht ab und legte noch mehr Kraft hinein und rannte in die Gruppe. Überrumpelt ließen sich die Dämonen umlaufen. Doch dadurch kam Chris ins straucheln und fiel der Länge nach hin. Das nutzten sie aus und stürzten sich auf sie. Sie zerrten sie hoch.
Chris trat und schlug um sich so gut sie konnte. Die Dämonen lachten und einer schlug ihr mit der Faust ins Gesicht. Ihr wurde schwarz vor Augen.
“Bist du verrückt!”
Hörte sie einen der Dämonen schreien.
“Sie darf nicht verletzt werden.”
Sie versuchte hartnäckig nicht ohnmächtig zu werden. Denn sonst hätte sie auch nicht mitbekommen, wie ein großer Schatten auf die Gruppe zu stürzte. Sie hörte Schreie, Grunzen und Klingen, die aufeinander trafen. Irgendwann wurde sie losgelassen und sie versuchte davon zu laufen. Doch wieder wurde sie festgehalten.
“Hör auf!” Hörte sie eine sehr tiefe Stimme, die ihr irgendwie bekannt vor kam. Doch noch immer dröhnte ihr der Kopf und ihr drohten die Sinne zu schwinden.
Als sich ihr Blick klärte, sah sie in das steinerne Gesicht einer Gargoylefigur und sie schrie.
Angewidert verzog Gideon sein Gesicht. Andere Gargoyles landeten neben ihm und sahen ihn fragend an.
Chris versagte die Stimme und sie starrte die Gargoyles an. Es waren Gideon und die Anderen, die ihr zu Hilfe gekommen waren. Es waren Gargoyles, wie hatte sie geglaubt, wie sie wirklich aussehen würden. Doch irgendwie wollte dieser Umstand nicht in ihr Hirn. Schwer atmend ließ sie sich von Gideon festhalten. Irritiert sah sie sich um, die Dämonen waren weg, hinabgefahren in die Hölle.
Chris versuchte sich zu sammeln und sah sich weiter um. Ihr wurde bewusst wo sie waren und das es Tag war. Die Gargoyles wechselten ein paar Worte, als sie zappelig wurde.
“Ihr müsst hier weg!” stammelte sie. “Man wird euch sehen.” Keiner hörte auf sie. “Gideon!” sie versuchte zu schreien, doch es kam nur ein Krächzen heraus.
Gideon drehte sich zu ihr und im nächsten Moment waren er und seine Krieger wieder verwandelt und sahen aus wie Menschen. Doch sie trugen ihre altertümlich aussehende Kleidung, die auch nicht weniger auffallend war.
“Mhmmm” war alles was Chris noch raus brachte. Ihr drehte sich alles und Gideon konnte sie gerade noch auffangen, als sie auch schon zusammenbrach.

Gleißend helles Licht traf sie wie ein Hammerschlag. Sie stöhnte auf. Ihr Kopf tat höllisch weh und als sie versuchte aufzustehen, wurde ihr übel. “Uff!” Sie ließ sich zurück in die Kissen sinken.
“Ich hoffe, du hast Schmerzen!” Erklang die schroffe Stimme von Gideon. Dieser stand mit verschränkten Armen an ihrem Bett. Am Fenster stand die Königin und blickte wenig erfreut drein.
“Was hast du dir dabei gedacht? So leichtsinnig zu sein.”
“Es tut mir leid. Ich wollte nur mal wieder raus. Raus aus diesem…. Gemäuer!”
Gideon schlug mit der Faust gegen den Bettpfosten. “ Du wolltest raus?!” donnerte er. “Du hast nicht nur dich sondern auch mich und meine Männer in Gefahr gebracht.”
“Pfff, warum bist du mir dann zu Hilfe geeilt, du ach so strahlender Ritter?!”
Gideon machte bedrohlich einen Schritt vorwärts, als Leonore ihn aufhielt.
An Chris gewandt: “Treib es nicht zu weit! Du bist hier immer noch unser Gast!”

In den nächsten Tagen verhielt sich Chris äußerst ruhig und ging der Königin aus dem Weg. Gideon stand nicht mehr vor ihrer Tür Wache, dafür stand dort ein anderer Gargoyle, der ihr wenigstens mal zu zwinkerte. Es schienen nicht alle hier mürrisch und schlecht gelaunt zu sein. Das hob ihre Laune erheblich und sie beschloss sich bei Gideon zu entschuldigen.
Doch sie fand ihn nicht. Irgendwann lief sie der Königin über den Weg und Chris entschuldigte sich auch bei ihr und fragte dann nach ihrem Retter.
“Gideon hat einen Auftrag. Ich erwarte ihn nicht vor morgen zurück.”
Chris beließ es dabei.
Natürlich war Gideon ein Krieger, der Erste. Er unterstand der Königin direkt und er hatte somit auch andere Aufgaben als nur sie zu beschützen. Doch irgendwie machte sie das nervös, oder hibbelig. Sie konnte das Gefühl nicht wirklich zu ordnen.

Spät in der Nacht herrschte plötzlich reger Trubel. Gideon und seine Männer waren zurück und sie brachten Verletzte mit. Einer von ihnen war      Gideon selbst.
Doch es schien alles halb so wild zu sein, den er kommandierte seine Männer schon wieder herum.
Chris kam aufgeregt in den großen Altarraum gelaufen, wo die Verletzten versorgt wurden. Sie sah Gideon, der sich einen Verband um den Arm legte. Doch  er wurde krumm und schief.
Sie haute ihm sachte auf die Finger, wickelte den Verband ab und begann von vorne. Gideon ließ sie dabei nicht aus den Augen.
“Entschuldige, dass ich so leichtsinnig war. Ich hab nicht an die Konsequenzen gedacht.”begann Chris.
“Anscheinend nicht!”antwortete Gideon.
“Gideon bitte, ich versuche mich hier zu entschuldigen.!”
“Fahre fort!”
“ Es war unüberlegt und dumm. Es wird nicht wieder vorkommen.”
Chris hob den Kopf und sah direkt in seine Augen.
“Gut!”
“Chris!” Die Königin war an sie herangetreten. “Bitte, würdest du…” Sie deutete auf die anderen Verletzten.
Ohne weiter drüber nachzudenken, ging sie zu den Anderen und half ihnen ebenfalls.
Leonore kniete sich zu Gideon und hob seinen verletzten Arm. Sie wickelte den Verband ab. Die Wunde schloss sich bereits und hinterließ nicht mal eine Narbe.
Die Selbstheilungskraft der Gargoyles war schon immer hervorragend und schnell gewesen und Wunden, waren sie nicht tödlich, schlossen sich rasch. Doch das überraschte selbst die Königin.
Und dieses Schauspiel wiederholte sich bei allen die Chris berührt hatte. Doch sie schien dies nicht zu bemerken.
“Darüber werden wir ein anderes mal sprechen!” ordnete Leonore an, als Gideon ansetzte und nachfragen wollte.
Plötzlich  erstrahlte ein helles Licht, das zum Himmel emporstieg.
Chris musste sich die Hände vor die Augen halten, so hell war es. Als sie die Hände weg nahm, war auch die Kriegerin verschwunden, die sie gerade versorgt hatte.
“Sie ist in den Himmel gefahren, zu ihren Brüdern und Schwestern!” Die Königin legte ihre Hand sanft auf ihre Schulter.
“Sie ist also tot.” Chris drehte sich zu ihr um, ihr rollte eine Träne über die Wange.
Leonore wollte etwas erwidern, doch hielt sie den Mund.

Die restliche Nacht verlief schweigsam und ruhig. Chris war betrübt und traurig. Das Ganze drückte auf ihre Stimmung und sie wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte. Von den Gargoyles sah sie kaum noch jemanden. Sie hatten sich zu einer Unterredung zusammen gefunden, zu der sie natürlich nicht eingeladen war. Und so stromerte sie durch die langen Korridore.
“Du bist ziemlich neugierig!” Erklang eine vertraute Stimme hinter ihr.
Mit einem breiten Grinsen drehte sie sich um und blickte Adam in die Augen.
“Was hat denn eigentlich so verdammt lange gedauert?!” spielte sie die Entrüstete und schlang ihre Arme um seinen Hals und ließ sich ausgiebig drücken.
“Entschuldige, es ging nicht früher.”
“Macht nichts, hauptsache du lässt dich überhaupt mal blicken! Hast du was herausgefunden?”
Adam sah sie eindringlich an, sah sich dann suchend um, packte sie beim Arm und schleifte sie mit sich.
“Hey! Was ist denn los? Was soll das?”
“Pack deine Sachen. Wir gehen!”
“Wir gehen?!”
Hastig half er ihr ihre wenigen Habseligkeiten zusammen zupacken und steuerte dann  den Ausgang an.
“Wieso gehen wir? Adam was ist los?” Sie musste laufen um mit Adam Schritt halten zu können. Kurz vor dem Ausgang stellten sich ihnen Gideon und seine Gargoyles in den Weg.
“Adam! Wohin des Weges?!”
Das Monster stellte sich schützend vor Chris und zog seine Schlagstöcke unter seinem Mantel hervor.
“Ich nehme Chris wieder mit!”
“Das kann ich nicht zulassen!”
“Das hast du nicht zu entscheiden…”zischte Adam drohend.
“Nein, das hat er nicht!” ertönte die Stimmer von Leonore. Sie trat zwischen die Beiden und hob beschwichtigend die Hände.
“Adam, sie ist nicht sicher da draußen, das weißt du! Warum willst du sie dieser Gefahr aussetzen?”
“Sie ist hier auch nicht sicher.” knurrte er.
“Was?” Chris stellte sich vor Adam und sah ihn verständnislos an. “Du meintest doch, ich wäre hier sicherer als bei dir. Was hat sich geändert?”
“Frag doch Leonore!”
Chris sah die Gargoylekönigin fragend an.
“Sie ist hier absolut sicher, Adam. Wir würden ihr kein Leid antun.” versicherte Leonore.
“Pha, und was ist mit der Messias-Prophezeiung?”
Adam konnte sehen, wie sich die Mimik der Königin kurz verfinsterte. Er hatte ins Schwarze getroffen.
“Du weißt also um diese Prophezeiung?! Dann verstehst du, warum sie so wichtig ist- für uns! Für unseren Orden, Adam. Für den Fortbestand der Menschen!”
“Der Menschen? Wohl eher der Gargoyles!” Adam war wütend und aufgebracht.
“Hey, hallo. Was ist hier eigentlich los?” Chris fuchtelte wild mit den Armen um die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu ziehen. “Und was ist diese Messias-Prophezeiung? Und was hab ich damit zu tun?”
Gideon war nah an sie heran getreten, doch Adam zog Chris rasch hinter sich, bevor Gideon sie ergreifen konnte. Mit gezückten Waffen standen sich Gargoyles und Monster gegenüber. Leonore hielt ihren ersten Krieger zurück.
“Werde ich überhaupt nicht gefragt, ob ich gehen möchte?” nuschelte Chris vor sich hin.
“Das du willst, dass sie hierbleibt, damit du weiter auf sie aufpassen musst, hätte ich am wenigsten erwartet!” stichelte Adam und sah Gideon herausfordernd an. Dann sah er zu Leonore und es dämmerte ihm.
“Natürlich! Wenn ein Gargoyle, warum dann nicht der erste deiner Männer, der Beste!” Adam schnaubte. “Nur hast du nicht damit gerechnet, dass sie sich nicht leiden können.” Er lachte, oder versuchte es wie ein Lachen klingen zu lassen.
“Was?” Gideon sah jetzt verwirrt zwischen Adam und seiner Königin hin und her.
Adam lachte noch lauter. “Er weiß es nicht. Ihr habt ihn nicht eingeweiht. Hervorragend! Tja, euer schöner Plan, eure Prophezeiung geht nicht auf.” Adam packte Chris erneut am Arm und steuerte mit ihr den Ausgang an. Gideon ließ sie passieren.
“Adam! Bitte!” rief die Königin den Beiden hinterher. “Was ist dir lieber, dass die Dämonen sie  kriegen oder sie bleibt hier bei uns und sie könnte uns vielleicht alle retten?!”
Chris blieb abrupt stehen. Entgeistert sah sie Adam an. “Würdest du mir endlich alles erklären, bitte?”
“Dafür ist auch noch später Zeit!” sagte Leonore und legt behutsam ihre Hand auf ihren Arm. Sie wollte Zeit schinden, dass merkte Chris sofort. Sie wollte ihr nicht alles erzählen sondern alles unter den Teppich kehren.
“Nein! Jetzt!” Chris entzog sich ihr.
Auch Gideon sah seine Königin voller Misstrauen an. “Verzeiht Euer Hoheit! Auch ich wüßte gerne, was das alles hier zu bedeuten hat.”
Mit einer einzigen Handbewegung brachte sie Gideon zum Schweigen.
Chris sah Adam an. “Dann erzähl du!”
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