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I, Messias ... eine I, Frankenstein Story

von Christel
GeschichteAbenteuer, Drama / P16
24.02.2019
12.07.2020
10
17.406
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Dieses Kapitel
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24.02.2019 1.411
 
1. Kapitel
“Ich soll, bitte, was machen?” Gideon sah seine Königin entsetzt an. “Babysitten? Für einen Menschen?”
“Du sollst sie beschützen! Mit deinem Leben!”
“Warum? Was ist so wichtig an ihr?”
“Ihr Leben, Gideon, muss mit allen Mitteln beschützt werden!”
“ER hat mich doch nicht zurück geholt, um sie zu beschützen.” Gideon war außer sich.
“Stellst du Seine Beweggründe in Frage?!” Die Königin sah ihn herausfordernd an. “Masse dich nicht an Seine Absichten zu kennen, Gideon!”

Adam und Chris beobachteten die Beiden aufmerksam. Das es schwierig werden würden, hatten sie bereits angenommen, aber das war interessant.
“Ich hab dir gesagt, dass es ein hoffnungsloses Unterfangen sein wird. Gideon kann dich, so wie du sagst, nicht leiden und das die Bitte von dir kommt, macht es nicht einfacher.” flüsterte Chris Adam zu. Er zischte sie an. “Ruhe! Bevor sie mitkriegen, dass wir auch noch hier sind und diese Unterhaltung mitbekommen.” Adam konnte sich ein sarkastisches Grinsen nicht verkneifen. Gideon in solch einer Lage zu sehen, bereitete ihm geradezu eine diebisches Vergnügen. Die beiden waren  und werden sich auf Ewig nicht grün.
Für Gideon war Adam ein Monster, eine Abscheulichkeit, die es vom Erdboden zu tilgen gilt. Eine Widernatur gegen Gott. Er hasste ihn aus tiefstem Herzen. Und er war es nicht leid, dies bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu zeigen.
Adam war dies relativ egal. Er fand mit der Zeit nur eine abartiges Vergnügen daran, Gideon zu ärgern und ihm seine Existenz unter die Nase zu reiben.
Doch jetzt brauchte er tatsächlich die Hilfe der Gargoyles, also wandte er sich an ihre geistige Anführerin, ihre Königin, Leonore. Und das ausgerechnet Gideon damit beauftragt wurde, wunderte ihn doch sehr.

“Ich werde dieser Kreatur nicht helfen! Es hat doch bewiesen, dass es sehr gut ohne uns auskommt.”
“Du wirst! Es ist ein Befehl! Weigerst du dich, stellst du dich gegen Gott!”
Leonore baute sich vor Gideon auf. Und obwohl sie kleiner war als der imposante, erste Krieger der Gargoyles, überragte sie ihn bei weitem.
“Sie ist von unschätzbarem Wert. Für den Kampf, Gideon, für die Menschen, für uns!” Ihre Stimme wurde weicher. Sie schritt zu Chris und sah sie liebevoll an.
“Sie wird für uns alle, unsere letzte Hoffnung sein!”
Entschlossen drehte sie sich zu ihrem ersten Krieger um und schaute ihm forschend in die Augen. “Wirst du meinen Befehl ausführen?”

Chris erschauerte unter dem Blick der Königin. Es war ihr immer noch ein Rätsel, wie es sein konnte, dass solche Wesen existierten. Unbemerkt und ungesehen von den Menschen. Und nicht nur das, es herrschte sogar Krieg zwischen zwei Rassen von ihnen und eigentlich waren die Menschen mit involviert, nur dass sie das auch nicht mitbekamen. Sie schüttelte belustigt den Kopf. Gott, wie dumm wir sind!

Sie erinnerte sich wie vor ein paar Monaten schließlich dieser seltsame Mann auftauchte, der ihr erklärte, dass er sie beschützen würde. Vor Dämonen. Wie hatte sie gelacht. Dann hatte sie Angst bekommen, nicht vor Dämonen, denn daran glaubte sie nicht. Nein, sie hatte Angst bekommen vor diesem seltsam entstellten Mann. Er brauchte dringend einen Arzt, einen Seelenklempner. Doch kurz darauf wurde sie überfallen und verschleppt. Sie wurde in einer Art Labor festgehalten und dort wollte man sie bei lebendigem Leib sezieren. Kurz und knapp, dieser Mann, er nannte sich Adam, fand sie und rettete sie. Dabei wurde Chris Augenzeuge, wie sich ihre Entführer in Dämonen verwandelten. Seitdem waren sie und Adam, ihr Retter, auf der Flucht. Denn die Dämonen ließen nicht von ihr ab. Sie musste also ihr gesamtes Leben aufgeben und diesem seltsamen Mann vertrauen.
In dieser Zeit wurden die Beiden sich sehr vertraut und Adam erzählte ihr so einiges aus seinem, sehr langen Leben. Es stellte sich heraus, dass er Frankensteins Monster war und über 200 Jahre alt. Dass es Dämonen und Gargoyles, diese Steinfiguren an Kathedralen, wirklich gab und sie sich seit ewigen Zeiten bekriegten. Und dass die Dämonen nichts weiter wollten als die Vernichtung der Gargoyles und der Menschen.
Und das sie, Chris, anscheinend eine wichtige Rolle darin zu spielen schien. Welche, das wusste auch Adam nicht genau. Nur dass sie beschützt werden musste.
Doch jetzt waren Adams Kräfte am Ende und sie brauchten Unterstützung.

Leonore erkannte anscheinend, was für eine Rolle sie zu spielen schien, denn nachdem die Königin sie nur gesehen hatte und ihr lange in die Augen sah, nickte sie nur und rief nach Gideon.

Gideon führte die Beiden durch Korridore und lange Gänge.
“Ich werde nicht mein ganzes Leben hinter diesen gruseligen Mauern verbringen, Adam! Dann geh ich lieber wieder mit dir oder lass mich von diesen ekeligen Dämonen abschlachten! Aber ich bleibe nicht hier!” flüsterte Chris. “Du kannst mich nicht hier lassen, bitte!” flehentlich sah sie ihm in die Augen.
“Es ist besser so! Hier bist du sicherer als auf der Flucht mit mir! Außerdem kann ich so herausfinden, was die Dämonen von dir wollen!”
Adam schob sie sanft die Flure entlang und in ein Zimmer hinein. Überrascht stellte er fest, dass dieses sehr gemütlich eingerichtet war.
“Oh!” Chris sah sich interessiert um.
Es war nicht übermäßig groß, aber größer als ihre erste Wohnung. Teppiche waren über den Boden und Wänden verteilt, ein großes Bett stand gegenüber einem Fenster, dass die Sonne und frische Luft herein ließ. Leichte Vorhänge flatterten im Wind. Eine weitere Tür ging in ein anderes Zimmer, dass sich als kleines Badezimmer entpuppte.
“Siehst du, da hast du endlich dein Badezimmer!” Adam hielt sie bei der Schulter. Er sprach leise zu ihr. “Ich vertraue ihnen, Chris. Sie werden dich beschützen und ich werde dich besuchen kommen, so oft ich kann.” Er strich ihr die krause Stirn glatt. “Bitte, halte dich an ihre Anweisungen.” Er umarmte sie kurz und wandte sich dann an Gideon, der vor der Tür stand.
“Ich vertraue darauf, dass ihr nichts zustößt!”
“In diesen Hallen bestimmt nicht.” schnaubte Gideon. Sein Gesicht war eine steinerne Maske, keine Gefühlsregung. “Sie ist hier besser aufgehoben als an deiner Seite.”
Adam ballte seine Fäuste. Wie gerne würde er ihm mal seine Meinung zeigen, doch das war weder der rechte Platz noch die richtige Zeit. Eilig drehte er sich um und verschwand Richtung Königin. Er musste dringend mit ihr reden. Er hatte gehört, wie sie über Chris sprach und ahnte, dass sie mehr wusste.

Als Adam weg war, fühlte sich Chris ein wenig verloren und dass Gideon die Tür abschloss, machte es nicht besser. Die konnten sie hier doch nicht einsperren! Unruhig lief sie im Zimmer auf und ab, das würde eine harte Zeit werden, vor allem mit diesem Muffelkopf vor der Tür. Resigniert ließ sie sich aufs Bett fallen und schlief irgendwann ein.

Adam fand die Königin betend vor dem Altar. Er hielt sich im Hintergrund, bis sie ihn bemerkte.
“Komm ruhig näher, Adam!”
“Wieso habt ihr sofort zugestimmt uns zu helfen? Was wisst ihr?”
“Sie ist ein außergewöhnlicher Mensch, eine außergewöhnliche Frau, Adam. Gott hat seine schützende Hand über sie, durch uns. Wir werden alles tun, damit diese widerwärtigen Dämonen sie nicht in die Hände bekommen.”
“Das beantwortet nicht meine Frage, Hoheit. Wieso sind Dämonen hinter ihr her? Was ist so außergewöhnlich an ihr?”
“Wieso hast du sie beschützt, Adam?”
“Ich habe ein paar Dämonen über sie reden hören und sie wurde von ihnen beschattet. Außerdem,” Adam druckste ein wenig herum. “war sie nett zu mir, wenn auch sehr skeptisch.”
Leonore nickte zustimmend. “Güte! In ihrem Herzen ist Güte und Hoffnung. Ich habe es auch gesehen.”
“Da ist noch mehr!”
Die Königin seufzte. “Sie ist wichtig für uns, Adam. Gott hat uns beauftragt sie zu schützen.”
“Ach mit einem mal?!” Der sarkastische Unterton in Adams Stimme war Leonore nicht entgangen.
“Wir haben lange nach ihr gesucht. Sehr lange! Und du hast sie zufällig gefunden. Das war Schicksal, Adam!”
“Hoheit, ich will jetzt wissen, warum wir in den letzten Monaten auf der Flucht waren und uns so viele Dämonen verfolgt haben, dass wir keine einzige Minute zum durchatmen hatten?”
“Sie ist für die Dämonen ebenfalls wichtig und notwendig!”
“Das hab ich gemerkt!” Adam wurde langsam aber sicher ungeduldig.
“Sei versichert, Adam, dass sie bei uns sicher ist. Doch mehr kann und darf ich nicht sagen. Du musst mir einfach vertrauen!”
“Vertrauen?! Euch?!” Adam lachte hart auf. “Das letzte Mal, als ich euch vertraut habe, habt ihr mich in Ketten gelegt.”
“Und trotzdem hast du sie hergebracht…! “ Die Königin legt ihre Hand auf seine Schulter. Sie wirkte so zart und zerbrechlich neben Adam.
Das Monster atmete tief ein und aus. Er wusste, wann er verloren hatte.
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