Outรider

GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Alice Cooper Betty Cooper FP Jones Jughead Jones Penny Peabody
24.02.2019
26.03.2020
18
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- Rückblende: 10 Min vor der Explosion -

Pennys Sicht

Ich beobachtete, wie die digitale Uhr am Armaturenbrett um eine Minute weitersprang und überlegte, wie lange FP eigentlich schon weg war. Es herrschte eine unangenehme Ruhe, denn Tall Boy gab nicht einmal einen Mucks von sich. Generell fand ich dies sehr angenehm und entspannend, doch im Augenblick störte mich sein Schweigen. Daher drehte ich den Kopf zu ihm und traf auf seinen prüfenden Blick. Er sah so aus, als würde er was sagen wollen, aber verkniff es sich in der letzten Minute. Um das Eis zu brechen, gab ich nach und ließ meinen Ausdruck weicher werden.
"Wegen vorhin … ich wollte dich nicht angreifen, aber es geht mir um mehr als um ein Stück lebloses Metall", versuchte ich mich zu erklären.
"Das weiß ich doch, Penny. Aber ich schwöre dir, dass ich es nicht war. Selbst wenn ich eifersüchtig auf FP wäre, weil du ihn mehr leiden kannst als mich, könnte ich dir nicht weh tun. Das bin ich nicht …"
Ich seufzte schwer. Seine Erklärung war für mich gewöhnungsbedürftig, doch ich glaubte ihm. Mein Herz riet mir, dass ich ihm Vertrauen schenken sollte und nachdem ich meine Emotionen wieder an falschen Ecken und Enden ausgelassen hatte, wollte ich für eine neutrale Basis sorgen. Meine Hand hob sich in die Höhe und wurde von seiner umschlossen. Wir schlugen ein, wollten es nochmal versuchen ohne Differenzen weiterzumachen. Sein Blick war aufgeschlossen, freundlich bis sich etwas in seinem Gesicht regte. Ich konnte es nicht herausfinden, was die Ursache dafür gewesen war, solange er nicht sprach. Tall Boy brauchte zu lange, nach meinem Empfinden, weswegen ich harsch fragte: "Was ist?"
"Sie ist da …"
Verdammt, was?  Ich hoffte noch, bis ich den Blick gänzlich aus dem Rückfenster warf, dass er sich verguckt hatte und die Erscheinung auf eine altersbedingte Sehschwäche zurückzuführen war. Leider war dies nicht der Fall. "Fuck!"
In dem Schatten der Dunkelheit, beleuchtet von dem Schein der Laterne, stand er. Mein größter Albtraum.

Es dauerte nicht lange und mein Puls war auf 180. Was ich in dem Moment fühlte, als ich die Höllenfrau sah, war nichts als Wut, Verachtung und auch Abscheu. Ich war wütend darauf, dass sie mir alles genommen hatte, was ich wollte. Verachtung, weil sie Menschen im Glauben ließ, dass sie ihr wirklich am Herzen liegen und sie dann heimtückisch mit einem Dolch ermordet und zu guter Letzt die Abscheu, da ich noch nie eine Mutter getroffen hatte, die ihre Kinder im Stich lässt, nur um selbst Karriere zu machen. Wenn ich eines Tages das Glück haben sollte eine Familie zu haben, dann würde ich mir verflixt nochmal den Hintern aufreißen, damit ich ihnen zeigen kann, wie schön das Leben war. Als ich merkte, dass ich wieder poetisch und tiefgründig über das Hätte, Wäre und Wenn nachdachte, zog ich den Stecker.
"Was hat sie vor?", fragte ich mich selbst, wobei ich dies nicht leise tat und Tall Boy, deswegen antworten konnte.
"Nichts Gutes, sieh doch … in ihrer Hand!"
Ein starkes Schlucken meinerseits folgte als ich erkannte, wie dicht sie neben dem Streifenwagen stand und eine klare Flüssigkeit über das Fahrzeug laufen ließ. Es sickerte an der Scheibe hinunter, hinterließ schmierige Striemen und verhinderte zum Großteil die Sicht nach draußen. Der Geruch der Flüssigkeit war intensiv und brennend. Eine Substanz, die ich durch meine Arbeit an Bikes nur zu gut einschätzen konnte. Benzin – hoch entzündliches Benzin. Panik kroch in mir hoch und bloß durch eine massive Bemühung, schaffte ich es, sie vorzeitig auszublenden. Ich brauchte jetzt einen klaren Verstand. Denk … Denk doch nach, Penny. Was würdest du machen, wenn sie das Auto anzünden will. AUSSTEIGEN! Aber wie? FP der Idiot hat uns eingesperrt. Scheiße!

Tall Boy prokelte mit seinem Messer an der Verkleidung der Innenausstattung herum und hatte Schwierigkeiten sie abzubekommen. Das Messer in meiner Jackentasche kam mir in den Sinn und flink hielt ich es in der Hand, in der Hoffnung helfen zu können. Er deutete auf die Rückscheibe. Es bestand die Chance sie einzutreten, zwar war das Risiko da, dass es nicht klappte, aber lebendig im Wrack zu verenden war um einiges unangenehmer für mich. Schnell drehte ich mich herum, legte meine Stiefel gegen das Glas und trat mit voller Wucht zu. Fester und doller hatte ich noch nie zuvor in meinem ganzen Leben zugetreten. Die Scheibe wackelte, doch brechen tat sie sich nicht. Mein Atem wurde abgehackter, schneller und ich begann vor lauter Adrenalin meinen Herzschlag in den Fingerspitzen zu spüren. "Wenn wir draufgehen, Tall Boy, dann möchte ich dir sagen, dass …"
Tall Boy warf mir ein liebevolles Lächeln zu, drückte die Verkleidung nach hinten, um mit seiner Klinge den Schließmechanismus außer Kraft zu setzen. Ein vielversprechendes Klacken ertönte. Es war das schönste Geräusch auf der ganzen Welt. Noch nie war etwas so verlockend und befriedigend gewesen, wie ein kaputtes Teil in einer Karoserie. Aus dem Augenwinkel sah ich ihr braunes Haar, dass sich entfernte und unter der Laterne wieder in Szene gesetzt wurde. Sie sollte mal in Betracht ziehen, ihre Ansätze zu färben. Das Grau sickerte langsam aus den Wurzeln hervor und ließ sie wie eine alte Frau wirken. Ich hatte keine Zeit mehr übrig, um über ihre misslungene Visage zu philosophieren, da ein Feuerzeug an der Scheibe entlangflog, ich die warme Hand von dem Mann neben mir spürte und alles um mich herum in Flammen aufging.

- Rückblick Ende -


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Allgemeine Sicht

FP hing am Telefon und regelte mit der Zentrale wie viele Rettungswagen und Löschfahrzeuge gebraucht wurden. Jughead versuchte seinem Dad zu helfen, doch er wusste nicht, wie er ihn unterstützen konnte. Das Feuer breitete sich aus und eine Hand an seiner Lederjacke zog ihn zurück. Betty hatte Angst, dass er auf dumme Gedanken kam und sich in Gefahr brachte.
"Denkst du, sie haben es rausgeschafft?"
Ihr Freund zuckte unwissend mit seinen Schultern. Laut dem Zustand des Wagens war die Wahrscheinlichkeit eher gering, aber die Hoffnung starb bekanntlich zuletzt. Auch wenn Jughead Penny nicht mochte, sie unsympathisch fand und ihr nicht traute, wünschte er ihr nicht den Tod. Niemand verdiente in seinen Augen den Tod, denn die Gerechtigkeit kam in den meisten Fällen. Zwar etwas später und manchmal nicht ausreichend, aber im Großen und Ganzen wurde die Fairness am Schluss hergestellt. Schaulustige sammelten sich an den Fensterscheiben, gierten nach Informationen und erwarteten eine unvergessliche Showeinlage. Sie wollten Blut sehen und Action haben, doch bis auf das brutzelnde Feuer im Vorgarten bekamen sie nichts. Nichts, was sie annähernd zufrieden stellte.
Schrille Sirene und der bekannte Sound eines Krankenwagens durchschnitten das aufkommende Grummeln der ersten Leute, die sich die Situation näher ansehen wollten und aufgrund dessen nach draußen traten und FP massive Schwierigkeiten bereiteten. Er drohte schon mit Strafzahlungen und zog alle Register, damit diese elenden Geier verschwanden und sich zurückzogen. Toni und Cheryl reagierten, zogen die Leute sogleich von den Scheiben weg und wiesen sie unmissverständlich an, sich wieder zu setzen. Sweet Pea und Fangs stellten sich mit verschränkten Armen vor die Eingänge, blockierten sie und blieben standhaft. Keiner sollte das Pop's verlassen bis der Sheriff sein endgültiges "GO" gab. Bestechungen wurden von den Gästen versucht mit Geld oder Gratisessen, doch für die Serpents war dies nicht verlockend. Sie hielten sich an FPs Machtwort.

Zur selben Zeit trat ein Mann mit einer bewusstlosen Frau in seinen Armen durch die Glasschiebetüren der Notaufnahme von Riverdales Memorial Hospital. Über und über waren sie mit schwarzem Ruß bedeckt und ein kräftiges Husten seinerseits machte eine Rauchvergiftung offensichtlich. Die Empfangsdame gab hinten Bescheid und eine Liege wurde vorgeschoben. Tall Boy legte seine große Liebe auf die Unterlage und ein schmerzhafter Ausdruck zierte seine Miene. Sie sah zerschunden aus. Ihre blonden Haare waren blutig und hingen ihr ins Gesicht, durch den harten Aufprall war ihr Körper nicht gerade verschont worden. Haarscharf hatte Tall Boy es geschafft sich aus dem brennenden Fahrzeug zu befreien und Penny mitzuschleifen, bevor es in die Luft ging. Aber durch seine waghalsige Rettungsaktion waren beide noch am Leben. Nun lag ihre Genesung in den Händen der Pfleger. Die Liege mit Penny wurde durch den Gang geschoben und verschwand hinter den Türen des Schockraums. Tall Boy war kein Angehöriger und musste im Wartebereich warten. Er selbst lehnte jegliche Versorgung ab. Ein Mann kannte keinen Schmerz und ein taffer Serpent erst recht nicht. Die Zeit verstrich gefühlt gar nicht. Nach seinem Ermessen war sie sogar in dem Moment stehengeblieben, als er sah, dass Penny ihr Bewusstsein verloren hatte. Nervös knetete er seine Hände und blickte auf seine zerkratzen Schuhe. Dass sie beschädigt waren war an dieser Stelle eher zweitrangig. Unruhe breitete sich aus, zerfraß ihn und brachte Tall Boy am Ende der Verzweiflung.
Die Eingangstüren wurden abermals geöffnet. In einem Krankenhaus war es nicht unüblich, dass mehrere Fälle gleichzeitig behandelt werden und stets Trubel und Hektik den Alltag dominierten. Auch blickte der Sheriff ab und an hier vorbei, wenn seine Verbrecher behandelt werden mussten. Tall Boy ließ seine Augen nach oben wandern, als eine goldene Dienstmarke ihn blendete.

Draußen wurde es allmählich hell und die Vögel kündigten einen neuen Tag an. Hoffentlich einen besseren als der gestrige. FP kam mit einem Leihwagen der Zentrale her, als das Krankenhaus ihn telefonisch informiert hatte, dass Penny heute eingeliefert worden war. Aufgrund des Fahndungsblattes, das seit dem Tag, an dem Penny aus der Untersuchungshaft ausgebrochen war, überall aushing, sollte jeder Anwohner bei Auffälligkeiten den Sheriff informieren.
"Was ist passiert und wo ist Penny?"
In Zeitlupe hob Tall Boy seinen Kopf, aufstehen tat er nicht. Nachdem er einmal kräftig in seine Hand gehustet hatte und den folgenden Reiz unterdrücken konnte, hatte er genug Luft, um zu antworten. "Vielleicht solltest du deine Ex darüber befragen."
FP nahm seinen Hut ab und drückte ihn bei dieser Aussage fester. "Gladys hat den Wagen explodieren lassen?"
Sein alter Freund nickte zustimmend. Jughead, der mit Betty seinem Vater nachgefahren war, betrat die Notaufnahme und konnte seinen emotionalen Zustand nicht einordnen. Es war, als wäre sein ganzes Dasein eine einzige Lüge gewesen. Ohne noch länger zu zögern, ging er zum lokalen Telefon und wählte die Nummer seiner Mutter. Ein Freizeichen ertönte und er wartete. Eine Krankenschwester eilte aus dem Schockraum und teilte den wartenden Männern mit, dass Penny in ein Zimmer verlegt worden war und sie nun zu ihr konnten. FP und der hustende Tall Boy machten sich auf den Weg, während Jughead noch in der Leitung verblieb. Anscheinend war seine Mutter nicht zu erreichen. Er legte auf und hängte seufzend den Hörer auf die Gabel. Bettys Hand legte sich auf seine Schulter, ließ Jughead wieder Mut fassen. Der Hörer fand wieder Platz an seinem Ohr, als er diesmal die Nummer seiner kleinen Schwester wählte.
"JB? Ist Mom in deiner Nähe?"
Betty war neugierig und der nächste Gesichtsausdruck ihres Freundes war kaum zu deuten. Er schien mit sich zu ringen.
"Okay, danke, JB. Ich verstehe …", sagte er, nachdem er einige Minuten mit ihr gesprochen hatte. Sie hatte sich klar ausgedrückt und ein Missverständnis war so gut wie ausgeschlossen. Es gab keine Möglichkeit, dass sich seine kleine Schwester irrte. Seine Mom war seit einigen Tagen auf einer Geschäftsreise außerhalb von Toledo. Scheiße!

Gehüllt in gestreifte Laken und eine angenehme Wärme, lag Penny in einem Doppelzimmer. Das Bett neben ihr war leer.  Gut für sie, da sie im Augenblick niemanden sehen wollte. Sie wollte nichts, außer aufzuwachen aus dem schrecklichen Albtraum, der sich Leben nannte. Tall Boy hatte sich zu ihr gesetzt, FP wollte lieber stehen. Er war besorgt um ihr Wohlbefinden, aber teilweise verspürte FP auch Ärger. Warum hatte sie nicht mit ihm gesprochen und stattdessen wieder alles für sich behalten? Fahrig glitt seine Hand durchs Haar. Von der anderen Seite des Zimmers zog er sich kurzerhand einen Stuhl heran und setzte sich darauf. Für das kommende Gespräch wäre es wohl besser zu sitzen.
"Okay, Tall Boy. Ich wäre dir überaus dankbar, wenn du mir erklärst, was passiert ist und wie es überhaupt dazu kam?"
Tall Boy ließ die angewärmte Luft aus seinen Lungen entweichen. "Ich kann dir aber nur meine Sicht der Dinge sagen, FP. Das was ich durch Penny weiß ist eher mickrig und lückenhaft. Du kennst sie doch, sie redet selten über ihre Pläne oder Beweggründe. Trotz allem gebe ich zu, ihr geholfen zu haben aus der U-Haft zu fliehen und wenn ich mir damit selbst einen Strick gedreht habe, dann sei es so. Aber der Gedanke sie dort zurückzulassen, obwohl sie im Grunde kein schlechter Mensch ist, konnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Nicht nach all den Jahren. Wenn wir schon bei der Wahrheit sind … ich habe sie auch mit Informationen versorgt. Ich wollte damit bezwecken, dass Penny sich bewusstwird, dass sie kein Außenseiter ist. Sie hat es nicht verdient ausgegrenzt zu werden. Niemand sollte verstoßen werden. Vor allem kein Serpent. Wir haben damals einen Eid geschworen und darauf sollten wir uns in schwierigen Zeiten berufen. Ich weiß sehr wohl, was du von ihr denkst, denn dafür hat deine Ex gesorgt. Sie hat Lügen über Penny verbreitet, das Feuer geschnürt und sie schlecht dargestellt. Soweit ich konnte und es mir möglich war, habe ich die Aussagen berichtigt. Natürlich ist Penny nicht einfach und alles andere als perfekt, aber sie ist nicht verdorben. Sie würde niemals jemanden ins Auto stecken und die Menschen bei lebendigem Leib verbrennen lassen. Das sage ich nicht nur, weil ich sie schützen will und was für sie empfinde, sondern, weil ich sie in den all den Jahren erlebt habe, wie sie war, bevor sie Gladys kennengelernt hat." Eine Sprechpause folgte und ein sprachloser Blick seitens FP. Die Worte saßen tief, aber sie waren ehrlich und entsprachen der Wahrheit. Ein Stöhnen entkam Pennys Lippen, als ihre Augenlider begannen zu zucken und sich ihr Zustand klärte.
"Wenn du mir nicht glaubst, dann frag Penny", fügte Tall Boy hinzu, nahm ihre Hand und drückte sie vorsichtig. Ihr Gesicht war verzogen und sie sah so aus, als hätte sie Schmerzen. Er reagierte sogleich und machte sich auf den Weg eine Krankenschwester aufzusuchen und Medikamente aufzuspüren.

FP blieb mit Penny allein im Zimmer zurück. Während er überlegte Tall Boys Platz einzunehmen oder nicht, schlug Penny ihre Augen langsam auf. Benommen und leicht orientierungslos wanderte ihr Blick von links nach rechts, ohne den Kopf dabei zu bewegen. Ihr Körper war gefühlt die reinste Müllhalde. Nichts war mehr zu irgendwas zu gebrauchen. Ihr Kopf pochte und sorgte für verzerrte Bilder, ihre Beine waren durch den rauen Asphalt aufgescheuert und die Hände wiesen Verbrennungsspuren zweiten Grad auf.
"Bist du gekommen, um mich wegbringen zu lassen?", krächzte Penny, halbwegs in die Bettdecke.
FP schüttelte seinen Kopf. "Nein, ich wollte nach dir sehen. Die Explosion war nicht zu überhören. Anscheinend hast du nicht verlernt einen würdigen Abgang hinzulegen." Er versuchte ein lockeres Gespräch zu starten, doch mehr als ein Mundwinkelzucken erreichte er bei ihr nicht. "Soll ich gehen, damit du dich ausruhen kannst?", erkundigte er sich vorsichtshalber. Er wollte nicht daran schuld sein, wenn sich ihre Verletzungen verschlimmerten. Die Worte von Tall Boy kreisten in den verschiedenen Hirnarealen herum, verbanden sich und versuchten einen tieferen Sinn zu ergeben. Die Schlussfolgerung war alles andere als zufriedenstellend. Gladys war durch und durch mies, hinterhältig und wer weiß was noch. Sie war nicht die Frau, die er einst kennengelernt hatte. Sie hatte sich verändert und zeigte eine andere Seite von sich. Keine sonderlich gute.
"Hast du Alice schon gefunden oder warum sitzt du hier? Hast du dich vielleicht im Zimmer geirrt oder willst du dich an meinem Anblick ergötzen? Daran, dass deine verrückte Ex es geschafft hat mich vorerst aus dem Weg zu räumen. Gib es doch ein für alle Mal zu, FP. Du willst mich nicht. Das wolltest du nie. Ich weiß es und du weißt es auch. Also, was machen wir uns eigentlich vor? Geh zurück in dein verkommenes Revier und nerv von mir aus deinen Sohn mit deiner väterlichen Fürsorge. Ich habe für dein geheucheltes Mitgefühl keinen Kopf, denn der bringt mich um!" Erschöpft lehnte sie sich ins Kissen zurück und ihre blauen Augen gaben dem Drang der Müdigkeit nach, dabei hoffte sie, dass er nichts sagte, um diesen ruhigen Augenblick zu zerstören. Überraschenderweise tat er ihr den Gefallen. Nur das Zischen und Klackern vom Wind, der um das Gebäude seinen Unfug trieb, war zu hören. Tall Boy ließ sich ordentlich viel Zeit, wie Penny fand und nach einer weiteren Weile drehte sie den Kopf. Penny war unbemerkt eingeschlafen und erst nach Stunden aufgewacht. Das waren die Nebenwirkungen der starken Schmerzmittel, die sie bekommen hatte, um wieder gesund zu werden.

Eine Lampe wurde plötzlich auf ihrem Nachtschrank angestellt und enthüllte einen weiteren Besucher, der nach Penny sehen wollte. Neben ihr am Bett saß nicht FP oder gar ihr Kumpel – nein. Auf dem weißen, klinischen Stuhl hatte eine Frau mit braunen Haaren platzgenommen. Ihre Beine hatte sie überschlagen, wobei sich ihr Oberkörper vorbeugte, um näher an Penny zu sein. Ein verächtliches Grinsen war in ihren Augen zu erlesen.
"Hallo Dornröschen, hast du gut geschlafen? Ich hoffe, du hast dich nicht zu sehr verausgabt, denn das wäre in deinem Zustand wirklich fatal …" Mit einem kräftigen Ruck zog Gladys die Decke weg und offenbarte Penny einen unverständlichen Anblick. An ihrem Arm war eine dunkelrote Blutsspur zu sehen, die sich nach unten schlängelte. An sich nichts Ungewöhnliches nach dem Sturz, doch etwas machte sie stutzig. Es fühlte sich so an, als hätte sie was in der Hand. Langsam öffnete die blonde Serpent ihre Finger und hielt ein goldenes Medaillon im Handballen. Es war mit Blut beschmiert. Gladys sah so aus, als würde sie Bescheid wissen und tippte an Pennys Schulter, wodurch sie sichtlich zusammenzuckte und wegrücken wollte, aber nicht konnte, da das Bett nicht dafür ausreichte. Ein prüfender Blick von Penny folgte auf das Schmuckstück und ein kalter Schauer lief über ihren Rücken. Sie hatte das Medaillon schon einmal gesehen. Es war gar nicht lange her gewesen, da war sie im Whyte Wyrm und dort war jemand mit demselben teuren Teil. Eine Frau mit blonden Haaren trug sie bei sich und schlagartig wurde Penny bewusst, dass sie das Eigentum von Alice Cooper in der Hand hielt, von einer vermissten Person, die noch nicht wieder aufgetaucht war und wahrscheinlich nie wieder auftauchen würde.
"FP wird dir nie verzeihen, dass du in deinem Rausch seine Alice gekillt hast. Aber keine Sorge … ich bin bereit dich wieder aufzunehmen, Kleines … schließlich sind wir doch beste Freundinnen, nicht?"
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