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Feuer und Wasser

von Akasha12
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
Barbossa Captain Jack Sparrow OC (Own Character)
24.02.2019
28.10.2020
39
90.165
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18.05.2019 2.522
 
Rachel nahm wahr, wie Gibbs die Treppe aufs Deck hoch geeilt kam. Er machte einen sehr griesgrämigen Eindruck und wetterte vor sich hin.
"Dieser vermaledeite Sturschädel!"
"Jack?", fragte sie belustigt.
Als er ohne die Geschwindigkeit zu verringert auf sie zuging, wich Rachel zurück.
"Ja, Jack! Und bitte, Miss, spielt nicht die Unschuldige. Das seid Ihr ganz und gar nicht! Ihr habt das Schiff beschädigt! Ihr!", so laut hatte Gibbs noch nie mit ihr geredet und sie wurde immer kleiner.
Da Rachel noch nicht in der Situation gewesen war, von ihm ausgeschimpft zu werden, wusste sie auch gar nicht, wie sie reagieren sollte. Auf keinen Fall wollten sie ihn noch mehr aufregen. Doch wie es schien, wurde er schon ruhiger, weil sie so verschreckt war.
"Und was bringt Euch so gegen diesen vermaledeiten Sturschädel auf?", fragte sie teilnahmsvoll.
Plötzlich stand Jack hinter ihr auf der Treppe, den Oberkörper leicht zurückgelehnt, eine Hand auf dem Knauf seines Degens.
"Der scharfsinnige Prachtschädel will einfach nur sein Schiff zurückholen. Die Pearl, Gibbs! Die Black Pearl!"
"Aye, Jack! Das verstehe ich, besser als jeder andere. Aber warum mit diesem kaputten Schiff ein Risiko eingehen, wenn wir es doch einfach erst reparieren könnten?", Gibbs war immer noch sehr brummig.
Rachel stand zwischen den beiden Männern und sie sah nur von einem zum anderen. Zögernd wollte sie sich entfernen, doch Jack hielt sie am Arm fest.
"Da ist sie! Sie hat es verdient Euren Unmut auf sich zu ziehen" und er stellte sie unmittelbar vor Gibbs ab, wie eine Beute, welche an ein Raubtier verfüttert werden sollte.
Der erste Maat blickte sie an und zuckte dann trotzig mit den Schultern. Anscheinend sah sie genauso aus, wie sie sich fühlte. Hilflos und erschrocken.
"Schaut sie Euch an, Jack. Sie zittert wie ein kleines Kind. Wie soll ich da Dampf ablassen? Sie ist so verschüchtert."
Bevor Rachel widersprechen konnte, drehte Jack sie zu sich herum, beugte sich vor und musterte sie grübelnd.
"Wenn wir so weiter machen wird sie wütend. Dann könntet Ihr richtig gegen sie loslegen. Nichts mehr mit schüchtern", sinnierte er.
"Lenkt nicht ab, Jack. Es ist wahnsinnig so zur Isla de Muerta weiterzufahren. Seht das doch ein, verflixt."
Jack richtete sich wieder auf und hob einen Zeigefinger, dann sprach er belehrend:
"Wenn es wahnsinnig wäre, wäre es nicht wahnsinnig, weil ich eh vorhabe, mir MEIN Schiff zu holen. Das heißt, ich brauche das hier dann gar nicht mehr", für Jack schien das völlig logisch zu klingen aber Rachel und Gibbs sahen sich verständnislos an. "Dazu habe ich noch eine verdammte Windgöttin an Bord. Glaubt Ihr nicht, sie kann uns ein wenig unterstützend unter die Segel greifen?", Jack redete immer schneller und schien Spaß daran zu haben sich aufzuregen.
"Darüber wollte ich bei Gelegenheit mal mit dir sprechen", warf Rachel ein.
"Nicht jetzt, Miss Swann."
Rachel traute ihren Ohren kaum. Miss Swann? Seit wann denn das?
"Jack, ich appelliere wirklich an Euren letzten Funken Vernunft, wenn der sich noch irgendwo finden lässt. Und Ihr wisst, dass ich Euch immer ein treuer und folgsamer erster Maat war. Aber mit diesem Schiff diese Strecke noch zu fahren könnte unser Todesurteil unterschreiben! Und das kann ich nicht zulassen! Den nächsten Hafen, an dem es uns möglich ist, sie zu reparieren, können wir noch sicher erreichen. Dazu müssen wir aber umkehren!"
Jack schloss die Augen und er presste seine Nasenwurzel zwischen zwei Finger, als ob er Kopfschmerzen hätte.
"Master Gibbs, alles was recht ist. Ihr werdet meine Befehle befolgen, ansonsten kann ich nicht für Euer Wohl garantieren. Und es würde mir in der Seele schmerzen, Euch zu verlieren."
"Soll das eine Drohung sein, Jack?"
"Ganz gewiss nicht, seht es als zutreffende Zukunftsvision an", Jack lächelte unschuldig und Gibbs stockte der Atem.
Was in allen neun Kreisen der Hölle war los mit seinem Captain?, dachte er sich.
Rachel nutzte den Moment der Stille.
"Du wirst mir jetzt zuhören, Jack. Ich kann dir, deiner Mannschaft oder deinem Schiff, welches auch immer es in dem Moment sein sollte, nicht unterstützend unter die Arme greifen. Und ja, es heißt Arme und nicht Segel! Ich habe mich schon zu viel eingemischt. Das sollte ich nicht. Mit dem Vulkan habe ich mich übertroffen, das gebe ich gerne und auch mit etwas Stolz zu, aber das geht auf Dauer nicht", ohne es zu wollen, verschränkte sie die Arme und lächelte zufrieden.
Ja, sie hatte sich selbst imponiert, als sie Temari und Jack auf der Insel gerettet hatte. Niemand wusste, wie anstrengend und fast zum Scheitern verurteilt dieser Akt gewesen war. Jack blickte sie komisch an.
"Was war mit dem Vulkan?", wollte Gibbs wissen und der Ärger der beiden Männer aufeinander war passenderweise schlagartig verraucht.
"Das sagt Ihr jetzt nur, um mich zu nerven."
"Nein, Jack. Ich sage das, weil es stimmt. Ich existiere nicht als Gottheit, um dir jedes Mal den Hintern zu retten!", über die eigene Wortwahl bestürzt schlug sie sich die Hand vor den Mund.
Jack schnaubte missbilligend, doch sein angedeutetes Lächeln verriet ihn. Er war nicht halb so schockiert, wie sie selbst.
"Gibt es dafür irgendwelche Regeln, die ich nicht kenne? Ein Menschenleben darf einmal pro Monat gerettet werden? Aye?"
"Was bist du doch engstirnig! Als ob Götter es nötig haben und sich die Zeit in Monate einteilen!"

Gibbs schlurfte einige Schritte zurück und lehnte sich erschöpft gegen die Reling. Das schien ihn jetzt nichts mehr anzugehen. Er beobachtete beide und schüttelte nur stumm den Kopf. Hier waren zwei Sturschädel am Werk.
"Und was bist du doch blöde und machst einfach mein Schiff kaputt? So kurz vor dem Ziel!", rief Jack jetzt aus und fuchtelte wild mit den Armen in der Luft umher.
Langsam wurde Gibbs umringt, denn die Crew scharrte sich um die beiden Zankenden und lauschte interessiert. Elizabeth und Temari stellten sich genau neben Gibbs und beide Frauen grinsten.
"Ein Goldstück darauf, dass sie das letzte Wort haben wird", Elizabeth streckte die leere Hand vor Gibbs.
Er sah zu seinem Captain und versuchte diesen einzuschätzen. Aktivität der Hände? Sehr hoch. Höhe der Stimmlage? Gemäßigt. Nervöse Beinarbeit? Noch nicht vorhanden. Das alles und mehr beurteilte Gibbs in Sekundenschnelle und doch war das bei Jack immer schwierig zu sagen. Es hing stark von seiner Tagesform ab, wie er in einem Streit reagierte. Trotzdem wettete Gibbs dagegen und schlug mit Elizabeth ein. Jack würde nicht klein beigeben. Auch Pintel, Ragetti, Cotton, Marty und Temari machten mit.
"Hat sein Augenlid eben kurz geflackert?", wollte der kleinwüchsige Mann wissen, der nicht alles gut sehen konnte.
"Nein, aber dafür wird Kallisto jetzt rot im Gesicht", berichtete Ragetti ihm und der schlaksige Pirat kicherte vor sich hin.
"Ich sage ja nicht, dass ich dir nicht helfen will, Jack. Es steht mir einfach nicht zu. Du kannst das jetzt akzeptieren oder auch nicht. Es ändert nichts an meinem Entschluss", Rachel wurde etwas ruhiger, doch der Captain lief jetzt auf und ab.  
"Nehmen wir an, wir befinden uns in einem Kreuzfeuer. Norrington, die spanische Nervensäge Marco und mein verehrter Hector, aye? Alle drei fahren sie gegen uns. Überall splittert das Holz, sind die qualvollen Schreie verletzter und sterbender Männer zu hören. Mittendrin ich. Eben wurde ich verwundet, weil ich Eure Schwester vor dem sicheren Tod gerettet habe ... "
"Das ist unrealistisch", meinte Rachel genervt.
"Es ist ja auch nur rein theoretisch. Ihr wisst, was das Wort bedeutet?", jetzt knirschte Jack mit den Zähnen und Gibbs hoffte, dass er richtig auffahren würde.
"Ja, das weiß ich."
Deutlich hörte Gibbs, wie Rachels Stimme zu zittern begann und er grinste zufrieden.
"Ich schwer verwundet. Die Pearl gibt alles her, aber sie lässt sich nicht mehr richtig steuern, weil das Ruder beschädigt wurde. Sie wurde zudem noch öfter getroffen und erleidet Schlagseite. Die einzige Möglichkeit ist die Flucht. Ich traue es mich fast nicht, zu fragen, aber: Ihr würdet einfach zusehen? Nicht eingreifen, nicht helfen?", fuhr Jack fort.
"Es geht nicht darum, was ich will. Es geht darum, was das Richtige ist, Jack."
Rachel erwiderte seinen herausfordernden Blick und ein feines Lächeln umspielten seine Mundwinkel darum.  
"Das, was man selbst will, ist immer das Richtige. Abgesehen davon tut das, was Ihr sagt weh und ist irgendwie ernüchternd", bei diesen Worten des Captains musste die Crew genau hinhören, weil er sehr undeutlich nuschelte.
Gibbs blickte etwas mürrisch in die Runde. Das hörte sich nach Versöhnung an.
"Ja, manchmal kann die Wahrheit wehtun. Zu ernüchtern schadet dir gar nicht. Immerhin weißt du, woran du bei mir bist. Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreffen, den du dir so kreativ ausgemalt hast, weißt du, dass ich dich im Stich lassen werde."
"Der letzte Satz könnte glatt von mir stammen. Ziemlich gemein und niederträchtig", kurz blitzte Stolz und Anerkennung in Jacks Augen auf.
Deutlich war zu sehen, dass er jetzt den Beleidigten spielte. Das war gut, dachte Gibbs. Ein beleidigter Sparrow stritt gerne weiter. Aber auch Rachel war noch nicht fertig. Sie wurde lauter und vor allem emotionaler. Und das war etwas, womit Jack nicht umgehen konnte.
"Nein. Gemein ist es, wenn dir jemand verspricht die Welt gemeinsam zu bereisen und du dann erfährst, dass das nie passieren wird. Und du die Gewissheit hast, dass du nicht die Einzige bist, die dieses Versprechen erhalten hat."
Jetzt war Jack aus dem Takt gebracht. Augenblick verschwand sein gespielt gekränktes Verhalten und er sah sie erstaunt an. Auch die Mannschaft kam jetzt nicht mehr mit. Nur Gibbs verstand Rachel und er schluckte schwer. Schlagartig erinnerte er sich an das vertrauliche Gespräch, welches er mit ihr über Jack geführt hatte. Pintel neben ihm fragte, was er wisse, was die anderen nicht wüssten. Diejenigen, die auf Jack gesetzt hatten, verloren den Mut. Der Captain schien nicht mehr weiterzuwissen und dann war es im Normalfall vorbei. Gelegentlich kamen noch ein paar Sticheleien oder an den Haaren herbeigezogene Argumente, doch dann begab er sich eigentlich immer in seine Kajüte. Pintel zog Gibbs am Ärmel und der räusperte sich und gab sich einen Ruck.
"Nun ja, die Welt zu bereisen ist praktisch seine Art jemanden zu sagen, dass er Gefühle für ihn hat."
Temari und Elizabeth sahen sich skeptisch und mit hochgezogenen Augenbrauen gegenseitig an und Gibbs entging das nicht. Aber wunderte es ihn? Nein. Jack verlor sein Herz viel zu schnell und leicht. Das war aber auch wiederum gut, denn genauso schnell und leicht vergaß er seine Herzensdamen dann auch wieder. Marty blickte unglücklich nach oben und suchte den Augenkontakt zu seinen Kameraden.
"Er hat mir mal von einer Insel der Liliputaner erzählt und gemeint, dass er mit mir dahin fahren würde. Ich weiß nicht mal, was Liliputaner sein sollen, aber es hört sich nicht gut an."
"Heißt das, der Captain ist in dich verliebt?", stichelte Ragetti nun gluckernd.
Marty trat ihn daraufhin gegen das Schienbein und Ragetti hüpfte stumm leidend auf und ab. Gibbs sah wieder zu Jack und Rachel. Sie standen sich jetzt ganz nahe, doch keiner aus der Crew hatte eine Ahnung, was für ein Feuer in Jack brannte und wie sehr er im Moment Hestia verfluchte. Seine rechte Hand wanderte aufwärts zu Rachels Gesicht. Kurz bevor seine Finger sie berührten, verharrten sie aber verkrampft an Ort und Stelle.

"Ich habe keine Ahnung, von was Ihr sprecht", seine Stimme war nur ein heiserer Hauch und irgendwie kostete ihn das Sprechen große Kraft.
Temari saß auf der Reling, ließ die Beine baumeln und war mehr als amüsiert. Sie und Elizabeth waren die Einzigen, die von der Geschichte mit der Feuergöttin und ihrem Spiel wussten. Doch gerade deswegen konnte sie nicht umhin Jack zu bewundern. Wie viel Widerstand er aufbrachte. Gespielt unschuldig hob sie die Schultern und meinte:
"Noch ein Goldstück, wenn er sie küsst."
Die Männer waren gleich dabei und auch Elizabeth ging darauf ein. Gebannt sahen sie wieder zu.
"So glaubt mir halt einmal. Ich weiß wirklich nicht, was das bedeuten soll", Jack war verzweifelt und ging eilig wieder zwei Schritte von Rachel zurück.
"Das tust du sehr wohl!", schrie Rachel zornig, sie erhob den Zeigefinger und fuchtelte vor seinem Gesicht herum, bis Jack schielte, als der direkt vor seiner Nase zum Stillstand kam.
Dabei war sie ihm wieder näher gekommen, was ihm offensichtlich gar nicht passte. Mit seinen Händen umschloss er ihre und drückte sie sachte nach unten. Temari glaubte schon, gewonnen zu haben, doch Jack überraschte sie wieder. Durch Rachels Rage war der Wind stärker geworden und das beschädigte Schiff nahm an Fahrt auf. Jack hob den Kopf erfreut zu den Segeln empor, ehe er Rachel hämisch angrinste.
"Was ich aber sehr wohl weiß, ist, dass eine kleine Windgöttin mir gerade erheblich dabei hilft mein Ziel zu erreichen, um nicht zu sagen: Sie greift mir stützend unter die Segel. Und da ich das eben erwähnt habe, wird die Unterstützung noch eine Weile anhalten, habe ich recht? Ah, stimmt, es ist Euch peinlich, dass Ihr mir genau das gebt, weswegen wir uns eben gestritten hatten. Darum werdet Ihr auch keinen Sturm beschwören, eben weil Ihr so beschämt seid. Das mit dem Beruhigen klappt aber auch nur mäßig, darum die andauernde Hilfe. Ich danke Euch", er machte lächelnd vor Rachel eine Verbeugung und ließ sie alleine stehen.
Schnell löste sich die Mannschaft auf und sie alle gingen ihren Tätigkeiten nach, doch Temari blieb sitzen. Der gerissene Teufelskerl. Das konnte er doch unmöglich vorausgesehen haben, oder? Als sicher war, dass Jack seinen festen Platz hinter dem Steuer eingenommen hatte und Rachel nach unten gegangen war, kamen die Männer wieder zu Temari und Elizabeth. Es ging darum, wer was gewettet und somit gewonnen oder verloren hatte. Eigentlich stünde ihr ein Goldstück zu, weil sie damit gerechnet hatte, dass Jack das letzte Wort haben würde. Doch als es ans Bezahlen ging, wurden alle verlegen.
"Ich habe gerade kein Gold", meinte Marty knapp angebunden.
"Ja, wurde doch mitsamt der Pearl geklaut", stimmte Pintel zu.
"Jeder, der verloren hat, könnte auch einfach eine Runde in der nächsten Kneipe springen lassen, was meint ihr?"
"Männer!", alle drehten sich ängstlich zu Jack um, der vom Steuer aus laut und deutlich gesprochen hatte. "Wettschulden sind Ehrenschulden und keiner von euch kann mir weismachen, dass er von den letzten Prisen nichts mehr übrig hätte", sein Blick war todernst und ließ keine Widerworte zu.  
Ertappt starrten einige auf den Boden, während andere eilig davongingen. Alle wunderten sich über diese Aussage ihres Captains. Schließlich drückte er sich so gut wie vor jeder Schuldbegleichung, egal welchen Anlass es dazu gab. Temari sah Jack einfach nur an. Er war komisch. Oft war er sehr verwirrt und chaotisch. Sobald es sich aber um irgendetwas handelte, was auf seinem Schiff vorging, schien ihm nichts zu entgehen.
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