The Hunger Games

GeschichteDrama, Romanze / P18
Folken Stratego Hitomi Kanzaki Merle Van Fanel
23.02.2019
26.01.2020
24
100514
5
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Vorwort:
Hallo, und herzlich willkommen zu einer weiteren Geschichte von mir im Escaflowne-Universum! ^^
Wie aus der Kurzbeschreibung zu entnehmen ist, versuche ich mich diesmal zum ersten Mal mehr oder weniger an einer alternativen Handlung - natürlich weiterhin mit unseren Lieblingscharakteren. Ich hoffe sehr, dass ich hier und da nicht zu weit von der eigentlichen Persönlichkeit der Charaktere abweiche und die Geschichte trotz der nicht so neuen Idee unterhaltsam bleibt. Ich bin sicher, dass viele von euch die "Hungerspiele"-Reihe bereits kennen, ich habe mich aber bemüht, die Story für jeden Leser interessant zu gestalten. Einzig und allein die Idee der Spiele an sich habe ich übernommen und mit den Charakteren und Story-Elementen aus Escaflowne versehen. Vorsichtshalber habe ich die Geschichte erst einmal auf P18 gesetzt.
Übrigens leben (zu Anfang!) noch beinahe alle Charaktere aus der Serie, zum Beispiel Vans Familie. Außerdem habe ich Hitomis kleinem Bruder den Namen Mamoru gegeben, da dieser angeblich laut der Trivia im Escaflowne Wiki so heißt...
Das erste Kapitel ist so gesehen nur ein wenig Vorgeplänkel. Ich hoffe sehr, dass ich ein paar von euch für diese etwas ungewöhnliche Idee begeistern kann... :D
Updates werden, sofern ich es nicht anders ankündige, jeden zweiten Samstag erscheinen.
Und: Wie immer freue ich mich sehr über jede Form von Rückmeldung von euch, vor allem, weil ich absolut unsicher bin, ob dieses AU überhaupt interessant ist...
Aber nun genug von meinem Gequatsche... Viel Spaß! :)




Seit Menschengedenken wütet auf Gaia eine Kreatur, die gefährlicher nicht sein könnte, und deren Feuer die erntereifen Felder und die Menschen selbst vernichtet, wann immer ihr das eine oder das andere in die Quere kommt. Armut und Hunger ereilen diejenigen, die Opfer dieser Monster werden, und bald schon wandten sie sich mit Hass und Gewalt gegen die Monarchen, die sie vor der Bedrohung beschützen sollten. Diese hatten aber ihre liebe Mühe, den diplomatischen Frieden zwischen den Ländern zu halten, und suchten so nach einer Lösung, um die Gemüter des Volkes zufrieden zu stellen: die Hungerspiele. Und anstatt die Drachen selbst von Soldaten bekämpfen zu lassen, überließen sie Könige dies selbsternannten Drachentötern. Anfangs nur aus ungebildeten Bauern bestehend, wurden diese Krieger sehr geschätzt, weil sie viele Dörfer vor dem wirtschaftlichen Ruin bewahrten. Mit zunehmendem Aufschwung zogen viele Menschen hinter die sicheren Mauern der Großstädte, und die Drachentöter wurden nur noch in sehr ländlichen Gebieten an den Landesgrenzen benötigt.
Doch die Hungerspiele blieben.
Einmal im Jahr, nach der ersten Aussaat im Frühling, sollten die Menschen von ihrer Armut und ihrer schweren Arbeit auf dem Feld abgelenkt werden, indem sie die Spiele mitverfolgen durften. Jeder Bürger Gaias musste an der Auslosung im Herbst teilnehmen, sobald er oder sie 12 Jahre alt war. Nicht teilnehmen dürfen verheiratete Bürger über 25 und Frauen, die ein Kind erwarten, um die Fruchtbarkeit der Länder zu erhalten.
In weitläufigen Arenen bekämpfen sich diese Tribute gegeneinander, bis ein Sieger feststeht; dem Gewinner wird gestattet, in das Reichenviertel seiner Hauptstadt zu ziehen, und erhält den Status eines Adligen. Den Familien der Gewinner steht eine nicht geringe Summe Geld zu. Da auch sehr junge Tribute teilnehmen, wird nicht bis zum Tod gekämpft, sondern bis sich der Gegner freiwillig ergibt. Verletzungen mit Todesfolge, Infektionen oder Angriffe von wilden Tieren innerhalb der Arenen sind allerdings nicht ausgeschlossen und machen die Spiele schon immer sehr blutig und brutal.
Und noch eine Regelung haben sich die Monarchen ausgedacht: Wer dringend Ressourcen für den Winter benötigte, konnte seinen Namen gegen diese Güter mehrmals in die Lostrommel werfen lassen. Je mehr Ressourcen man wollte, desto öfter landete der eigene Name in der Lostrommel und desto größer war die Wahrscheinlichkeit, gezogen zu werden. Aus Armut und Sorge vor dem Winter nahmen viele diese Gefahr aber trotzdem auf sich.
Diese Gelegenheit gibt es immer während den Erntefesten vor dem ersten Frost im Jahr. Jedes Land veranstaltet diese Feste, wenn die Ähren von den Feldern geholt und die Kornkammern gefüllt sind, für insgesamt sechs Wochen. In dieser Zeit statten die Herrscher und ihre Familien den anderen Adelsfamilien auf Gaia freundschaftliche Besuche ab.
In diesem Jahr jähren sich die Hungerspiele bereits zum 156. Mal; Austragungsort wird der Staat Fanelia sein, dessen Königsfamilie aus König Goau, seiner Gattin Varie und ihren Söhnen Folken und Van besteht.



Erstes Kapitel - Ein Bauernmädchen

Im leichten Trab steuerte Hitomi ihr Reittier in die Richtung der Hauptstadt. Das diesjährige Erntefest war schon in vollem Gange, denn die Menschen, denen sie auf dem Pfad Richtung Westen begegnet war, schwärmten bereits davon, wie schön geschmückt Fanelias Innenstadt war. Hitomi hielt nicht allzu viel von dem Geplänkel, das sie sich jedes Jahr aufs Neue anhören musste, war es doch wie immer der Steuerzahler, auf dessen Kosten die schöne Deko ging, an der sich ihrer Meinung nach nur leicht zu beeindruckende Schafe ergötzen konnten. Zudem war  noch die königliche Familie aus Astoria zu Gast im Schloss von Fanelia, also musste Hitomi heute ihr Pferd auch noch durch dicht gedrängte Menschenmassen treiben, um an ihr verhasstes Ziel zu gelangen. Alle drei Töchter von König Aston und die beiden fanelischen Thronerben waren noch unverheiratet; und da sie während der Erntefeste und der Hungerspiele dem Volk näher waren als sonst, versuchten wie immer ungewöhnlich viele Junggesellen der Länder Gaias einen Blick auf die Prinzen und Prinzessinnen zu werfen.

Dass diese vom gemeinen Volk nichts wissen wollten, war Hitomi schon sehr früh klar geworden, weshalb sie noch nie zu diesem wahnsinnigen Mob aus Rosen werfenden Mädchen gehört, die Prinz Folken ihre Liebe versprachen, wann immer dieser auf seinem Reittier durch die Stadt trabte. Mal davon abgesehen, dass Hitomi sowieso nichts Anziehendes an dem Thronerben fand – sie vermutete, dass die übrigen Mädchen natürlich nur auf Reichtum und ein Leben weit weg von der Gosse aus waren. Sie selbst war geboren und aufgewachsen in einem kleinen Dorf nahe der Landesgrenze im Osten Fanelias, wo noch immer die Drachen wüteten und, so wie letzte Woche, die umliegenden Bauernhäuser und Dörfer in Angst und Schrecken versetzen.

Hitomis Vater hatte sie schon früh in die Lehre genommen. Er war einer der letzten noch lebenden Drachentötern, die ihrer Aufgabe neben der Feldarbeit nachgingen und bisher noch keine schwereren Verletzungen davongetragen hatte. Hitomis kleiner Bruder, Mamoru, war mit seinen 12 Jahren noch zu jung, um auf die Jagd nach Drachen zu gehen, aber er wusste sich zumindest schon einmal mit Waffen zu verteidigen. Das war auch mehr als nötig, denn Hitomi trug in ihrer Tasche heute nicht nur ihre eigenen Lose, die sie bei der Stadtverwaltung gegen Essen für den Winter eintauschen wollte, sondern auch Mamorus allererstes Los. Ihre Mutter hatte ihm strengstens verboten, mehr als ein Los mit seinem Namen zu versehen, da sie wusste, dass Hitomi viel erfahrener war als er. Hitomi war das nur recht; selbst wenn sie an den Spielen teilnehmen musste, wüsste sie sich zu verteidigen und zu versorgen. Sie wollte zwar nicht unbedingt gewinnen, weil sie sonst von ihrer Familie getrennt in der Stadt leben müsste, aber sterben würde sie in der Arena auch nicht. Dafür hatte ihr Vater sie in den letzten Jahren einfach zu gut ausgebildet. Daher war es für sie auch nicht schlimm, mehrere hundert Lose mit ihrem Namen in den Topf werfen zu lassen, denn die Ressourcen waren wie immer nicht nur für ihre eigene Familie, sondern für das ganze Dorf gedacht. Da gab es altersschwache Bauern ohne Söhne, die den Hof übernehmen könnten, eine junge Familie, die sich um die Waisenkinder der umliegenden Dörfer kümmerte, und schließlich die Tiere, die auch gut über den Winter gebracht werden wollten.

Die Quelle allen Übels waren in Hitomis Vorstellung wie immer die Hauptstädte. Dort wurden all die Gesetze geschrieben, die nur darauf aus waren, die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer zu machen. All die Ungerechtigkeit, die Hitomi schon wiederfahren und auf den Reisen ihres jungen Lebens begegnet waren, konnte sie darauf zurückführen, dass Lehnsherren ihre Pächter ausbeuteten, die Steuern ständig erhöht wurden und die Gesundheit der Bevölkerung auf dem Land miserabel war.
Wenn man eine schlaue Frau war, heiratete man jung und möglichst wohlhabend, so wie viele Mädchen in Hitomis Alter in ihrem Dorf das getan hatten. Sie selbst war 16 Jahre alt, aber hatte an derartigen Beziehungen kein Interesse. Im Moment zählte für sie nur, das Elend in ihrer Heimat zu bekämpfen, auch, wenn sie dafür in die Arena musste.
Gewinnen wollte sie allerdings auf keinen Fall, denn ihre Mutter hatte ihr schon früh die Geschichten der Gewinner erzählt.

Jeder wohlhabende Mann konnte auf den Sieg eines Tributs wetten und konnte sich daran noch eine goldene Nase verdienen. Außerdem wurden die Überlebenden eigentlich immer an Höchstbietende verkauft, auch wenn es offiziell nur hieß, dass die Gewinner sich ein schönes Leben machen durften. Hitomi wusste, dass das nicht der Fall war. Jeder vom Land wusste das.
Die Männer, die siegten, wurden manchmal zu Rittern geschlagen und in die Königsgarden aufgenommen, wenn sie nicht allzu schwer verletzt waren. Die Knaben dagegen verschwanden auf wundersame Weise völlig von der Bildfläche, wurden wohl als Sklaven oder auf andere herabwürdigende Weise missbraucht. Ihre Mütter sahen sie zumindest nie wieder.
Noch schlimmer erging es wohl den gezogenen Frauen und Mädchen, wenn sie das Glück hatten, überhaupt unbeschadet aus der Arena zu kommen, denn auch dort gab es Männer, die einfach nicht an sich halten konnten. Und da Frauen normalerweise sowieso keine Kampferfahrung besaßen, hatten sie in der Arena wenig Chancen, zu überleben. Die, die es trotzdem schafften, landeten wohl in Freudenhäusern in irgendwelchen Städten weit weg von ihrem Zuhause, ganz egal, wie alt sie waren, oder mussten ihren Käufern als „persönliche“ Sklavinnen dienen. Hitomi hatte bereits von einigen erzwungenen Hochzeiten mit Mädchen gehört, die es irgendwie aus der Arena geschafft hatten – sie bezweifelte stark, dass auch nur eine von ihnen ein glückliches Leben führe. Ein Tribut, der käuflich erworben wurde, verlor automatisch jegliche Bürgerrechte und erhielt diese nur durch die Erlaubnis des Käufers zurück. Sollte Hitomi also jemals das Pech ereilen, dass ihr Los gezogen wird, würde sie sich ganz schön durchschlagen müssen. Und eine gehörige Portion Glück wäre auch von Nöten.


Die Stadttore Fanelias kamen in ihr Sichtfeld; Hitomi musste sich zurückhalten, ihr Reittier nicht sofort wieder kehrt machen zu lassen. Sie mochte die Stadt nicht, mit den übelriechenden Gassen im Armenviertel und direkt daneben den penibel aufgereihten Villen der Wohlhabenden. Die Herrschaft unter König Goau war keine schlechte, das war Hitomi klar. Sie wunderte sich nur jedes Mal wieder, wenn sie hier her kam, wie man als Herrscher durch seine eigene Stadt reiten konnte, ohne das Elend wahrzunehmen, wenn man schon die schlechte Situation auf dem Land ignorierte. In den anderen Ländern Gaias war es doch ganz genauso. Hitomi trieb ihr Pferd wieder an. Sie machte sich wieder viel zu viele Gedanken um Gerechtigkeit und Geld, dabei wollte sie heute nur ihre Pflicht in dieser Stadt erledigen und dann wieder den Heimweg antreten, bevor es finster wurde.
Am Stadttor wurden ihr die Waffen abgenommen, ein Langschwert mit gebogener Klinge und ein Dolch aus Drachenzahn. Auch ihr Pferd stellte Hitomi hier unter und warf dem Stallburschen der Stadtmauer eine Münze zu, der sich sofort um Sattel und Verpflegung kümmerte.

Wie sie erwartet hatte, war die Stadt gefüllt mit Menschen aus ganz Fanelia. Sie erkannte gestickte Wappen großer Adelshäuser auf edlen Gewändern, direkt neben den heruntergekommenen Fetzen, die die Bauern trugen. Sogar Mode aus Astoria fiel Hitomi hier und da ins Auge.
Hitomi hielt nicht besonders viel von bodenlangen Kleidern in schillernden Farben, oder von Schmuck oder ausgefallenen Frisuren. Dafür hatte sie in ihrem Alltag einfach keine Zeit. Seit vor einigen Monaten ein Drache ihr langes, honigblondes Haar versengte, trug sie es nur noch schulterlang, und verzichtete auf Blumenkränze oder geflochtene Zöpfe. Auch ihre Kleidung war mehr zweckmäßig als hübsch, aber sie hielt sie wenigstens immer ordentlich und sauber. Es war für eine Frau zwar ungewöhnlich, Hosen zu tragen, ein Waffenrock und eine lange Tunika darüber taten es für sie aber auch. Neben einem Lederbeutel an ihrer Hüfte trug sie dann eigentlich nur noch einen langen Mantel in ausgeblichenem Rot, es war auch das einzige farbige Kleidungsstück in ihrem Besitz. Da sie bei dem anderen Geschlecht aber sowieso nicht auffallen wollte, war ihr auch nicht wichtig, ob ihre Kleidung nun ihre Hüften oder ihre Brust betonte. Unauffällig zu sein, hatte meistens seine Vorteile.

Ihr Weg führte sie weiter ins Herz Fanelias, dessen Mittelpunkt und Schloss auf einem hohen Berg gelegen war. Der Weg zum Verwaltungsgebäude, welches unweit des Schlosses stand, war steil und gefüllt mit Menschen aller Altersgruppen. Bunte Laubblätter wehten durch die Straßen und verkündeten das Ende eines goldenen Herbstes. Der Wind, der die Blätter mit sich brachte, war kälter als noch vor ein paar Tagen, und Hitomi zog ihren roten Umhang enger um ihren Oberkörper. Der Winter stand vor der Tür, und wie alle Bürger Fanelias hoffte sie darauf, dass er in diesem Jahr milder verlaufen würde.
Hitomi ignorierte gekonnt die ausgelassene Stimmung der Bürger um sie herum und das prunkvoll geschmückte Schloss zu ihrer linken. Man bot ihr saftig aussehende Äpfel an, die sie dankend ablehnte. In einem Seitenflügel des überdachten Vorhofes des Schlosses fand sich eine große Menschenmenge, von denen der Großteil nicht ganz so fröhlich erschien wie die Menschen auf der Straße. Geduldig wartete Hitomi, bis sie an der Reihe war, ihre Lose und das erste ihres Bruders dem Verwalter zu übergeben und mit Lebensmittelmarken wieder aus der Stadt zu verschwinden.

Hinter ihr hörte sie weiterhin das jubelnde Treiben, und drehte sich aus Interesse zu der Menschenmasse um, die sich um einen hohen Wagen herum drängte, der gerade das Schlossgelände verließ. Auf dem Wagen stand, gehüllt in einen dunklen Umhang, Prinz Folken de Fanel, und winkte mit einem eingefroren wirkenden Gesicht lächelnd der Menge zu. Gefolgt wurde der Wagen von einem Spielmannszug. Kopfschüttelnd sah Hitomi dem Wagen nach. Monarchen zu verehren, war die eine Sache; sie anzuhimmeln, weil sie wohlhabend und sicher lebten, eine ganz andere. Dabei zeigten sich die Königsfamilien fürchterlich selten in der Öffentlichkeit. Hitomi erinnerte sich an die wenigen Male, als König Goau sich der Bevölkerung offenbarte. Er schien ihr nie überheblich zu sein, oder gar tyrannisch. Dennoch hätte sie sich von einem Herrscher mehr vorgestellt, als einen groß gewachsenen Mann mit dunklem Haar und bescheiden wirkender Kleidung.

Seine Frau Varie stand so gut wie nie auf einem der Balkone, offiziell war die Königin von einer langanhaltenden Krankheit geplagt, aber Hitomi vermutete eher, dass es daran lag, dass einige Menschen noch immer nicht glücklich darüber waren, dass ihr König seinen Willen durchgesetzt und damals eine Frau vom Volk der Draconier geheiratet hatte. Das war aber lange vor Hitomis Geburt gewesen; gegen Menschen, die aus anderen Völkern stammten, hatte Hitomi noch nie etwas gehabt. Andere schienen das etwas anders zu sehen.
Folken, der sich dagegen gerne in der Öffentlichkeit zeigte, war mit seinen 25 Jahren schon lange im heiratsfähigen Alter, weshalb es in Fanelia viel zu oft Bälle für ihn gab. Auf Hitomi machte es nur den Eindruck, als würde Folken es genießen, im Lichte der Öffentlichkeit zu stehen und sich von Junggesellinnen umgarnen zu lassen. Gerüchte besagten sogar, dass Folken de Fanel oft die Gesellschaft von Frauen gegen Geld suchte. Hitomi hielt nicht viel von Hörensagen, bekam während der Feldarbeit aber trotzdem genug davon mit, wenn die Waschweiber beim Unkraut ziehen oder Ähren binden den neuesten Tratsch über die Königsfamilie verbreiteten.

Von einem Mitglied der Königsfamilie hörte Hitomi allerdings so gut wie überhaupt nichts, und das, obwohl Van de Fanel etwa in ihrem Alter war und vom Gemüt her sehr viel ungestümer und wilder als sein großer Bruder sein sollte. Hitomi kannte außer seinem Namen nicht viel über ihn; bei offiziellen Anlässen ließ er sich nie blicken, oder stand immer nur im Hintergrund des Geschehens. Auch hatte sie gehört, dass der Junge weder die Gesellschaft von Frauen noch die von königlichen Beratern schätzte und regelmäßig Pflichtveranstaltungen verschmähte. Hitomi konnte es ihm nicht übelnehmen, wenn das wirklich stimmen sollte. Schließlich kam Van in der Thronfolge noch hinter seinem Bruder, der nach dem Tod Goaus über Fanelia herrschen würde. Er musste sich also eigentlich nicht darum kümmern, was die Menschen von ihm dachten, wenn er seine Jungend noch ein wenig auskostete und sich mehr mit dem Jagen nach Tieren statt nach Frauen beschäftigte.
Hitomi holte ihren Beutel unter ihrem Umhang hervor, als der Wagen mit Prinz Folken darauf nicht mehr zu hören war, und trat in der Reihe weiter nach vorne an den Tisch, wo der Verwalter, den sie noch von einigen anderen Festen kannte, sie sofort nach ihrem Namen und ihrem Begehren fragte.
Sie bemerkte dabei gar nicht, wie sie aus der Distanz eindringlich beobachtet wurde.
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