Lass die Blumen sprechen

von Chizakura
GeschichteRomanze / P12 Slash
23.02.2019
15.03.2019
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Natürlich war es nur wenig verwunderlich, dass Minpha am nächsten Morgen mit der Teddy im Arm aufwachte. Hatte er wirklich geglaubt, dass das Stofftier brav am Fußende liegen bleiben würde? Es war doch vorherzusehen, dass das Tierchen seinen Weg in Minphas Arme finden würde. Unterbewusst im Schlaf immer etwas an sich heranzuziehen und damit zu kuscheln, war eben keine sonderlich tolle Eigenschaft.
Egal aber, wie sehr Minpha versuchte, diese Eigenschaft auch abzustellen, es gelang ihm nicht. Gleichzeitig wurde der Teddy auch nicht aus dem Bett verbannt. Warum denn auch, wenn Minpha nach knapp einer Woche schon eingesehen hatte, dass er wohl so die nächste Zeit über schlafen würde? Zumindest würde er dies so lange tun, bis er einen passenderen Ort für den Bären gefunden hätte.
Glücklicherweise sprach Chizuru ihn aber auch nicht mehr deswegen an. Das Gespräch zwischen ihnen hatte alles wieder ins Reine gebracht. Vergessen konnte Minpha die Geschehnisse an Weihnachten zwar immer noch nicht, aber langsam konnte er sie so aufarbeiten und hinter sich lassen.

Doch bereits als Minpha am 14. März aufwachte, spürte er, dass dieser Tag nicht sonderlich witzig werden würde. Für ihn fühlte es sich nach einer dieser Tage an, in denen man am liebsten im Bett blieb und nicht einmal an das Aufstehen dachte. Daraus sollte aber nichts werden. Am Abend stand noch ein weiteres Konzert ihrer momentan laufenden Tour an. Dass sie überhaupt jeweils bei sich zu Hause schlafen konnten, glich einem Wunder. Immerhin mussten sie so nicht Geld für ein Hotel ausgeben. Obwohl Minpha noch etwas Zeit gehabt hätte, um sich etwas auszuruhen, wurde ihm schnell diese Möglichkeit genommen.
„Ja?“, murrte Minpha, als er die Tür öffnete, an welcher es eben geklingelt hatte. Warum Chizuru ihn bereits so früh besuchte, konnte der Bassist nur raten.
„Ich hab Kaffee und so mitgebracht. Ich dachte, dass wir doch zusammen frühstücken könnten“, lächelte Chizuru ihn an und hielt eine kleine Tüte hoch, in der wohl das gekaufte Essen sein musste. Minpha hingegen nahm dies nur mit einem leisen Brummen zur Kenntnis und öffnete die Tür ein Stückchen weiter. Während Chizuru in die Küche ging und alles auftischte, machte sich Minpha erst einmal fertig.

Kaum saßen sie sich gegenüber und aßen zusammen, verfielen sie wieder ins Schweigen. Minpha störte sich nicht daran, doch schien Chizuru dies zu bedrücken.
„Ich hab dir extra am Valentins-Morgen Kaffee vorbei gebracht, du könntest wenigstens mit mir reden“, schmunzelte Chizuru etwas und machte somit deutlich, dass sein Satz nicht komplett ernst gemeint war. Minpha, welcher mittlerweile wieder etwas wacher war, schaute nur auf und zuckte mit den Schulter.
„Weiß nicht, vielleicht weil heute nicht Valentinstag ist?“, griff Minpha das vorher gesagte auf und legte den Kopf leicht schief, „Es ist White Day.“ Chizuru zog kurz eine Augenbraue in die Höhe und fragte schließlich: „Ist wirklich schon wieder März?“
„Offensichtlich.“ Minpha wirkte noch immer kurz angebunden und konzentrierte sich lieber weiter auf das Essen, als das Gespräch am Laufen zu halten. Chizuru erkannte dies und nahm sich deswegen vor, erst nach dem Essen weiterzureden. Alles weitere würde jetzt ohnehin nicht viel bringen.

„Ich hab über was nachgedacht“, begann Chizuru, während sie zusammen den Abwasch erledigten. Da er aber von sich aus nicht weitersprach, fragte Minpha nach, was es denn sei.
„Nun, wir haben schon einige Zeit nichts mehr nur zu zweit unternommen“, begann Chizuru und stoppte sich kurz selbst, um nicht vom Thema abzuschweifen, „Wie wäre es, wenn wir unseren nächsten freien Tag zusammen verbringen. Ich glaube nächste Woche steht für uns noch nichts an.“ Minpha brauchte einen Moment, um zu verstehen, dass das Angebot ernst gemeint war. Chizuru hatte ihn das wirklich gefragt. Er befand sich nicht in einem Traum, wie er ihn vor ein paar Wochen gehabt hätte.
„Gerne“, nahm Minpha die Nachfrage an und verstand noch immer nicht recht, ob dies nun die Realität war. Zu gerne hätte er mehr gesagt, aber seine mangelnde Erkenntnis darüber hinderte ihn.
„Gut, dann werde ich mir etwas einfallen lassen“, versprach Chizuru, dessen Lächeln durch die Antwort bereits eine Spur breiter wurde. Minpha erkannte es zwar, konnte aber auch diesen Gesichtsausdruck nicht wirklich zuordnen.
„Es wird schön sein, endlich mal wieder etwas mit ihm zu unternehmen“, versuchte Minpha deswegen, das Positive zu sehen, „Ich darf einfach nur nicht zu viel in das Treffen interpretieren und ich darf auch nicht zu viel darüber nachdenken.“


Nicht darüber nachzudenken, war auch leichter getan, als Minpha zuerst vermutet hatte. Die Konzerte beanspruchten ihn mehr, als erwartet.
„Das war doch vorherzusehen“, versuchte Minpha deswegen, sich dies wieder auszureden, „Es sind Konzerte, die wir aufgrund unseres Jobs spielen. Natürlich muss ich mich auf die konzentrieren.“ Das so aber auch das Treffen mit Chizuru immer schneller näher kam, bemerkte er nur nebenbei. Erst, als Chizuru ihn am folgenden Samstag abholte, wurde es ihm wirklich bewusst.
„Du hast es wirklich schon vergessen?“, lachte Chizuru, als er die kurze Verwunderung in Minphas Blick erkannte. Das Lachen überdeckte zusätzlich die Angst, dass Minpha im letzten Moment noch absagen könnte. Damit würden zwar sämtliche Pläne, die Chizuru geschmiedet hatte, über den Haufen geworfen werden, doch müsste er es akzeptieren.
„Nein, schon in Ordnung“, milderte Minpha die Sorge sogleich etwas und schüttelte währenddessen den Kopf, „Ich habe es wohl nur verdrängt, weil ich an die Konzerte gedacht habe.“ Dass „verdrängen“, vielleicht nicht das unbedingt beste Wort war, um dies zu beschreiben, merkte Minpha erst, als er es schon ausgesprochen hatte. Chizuru verstand aber, wie es gemeint war.
„Wollen wir dann?“, fragte er und deutete auf die Tür. Minpha nickte zwar, bat aber noch um etwas Zeit, um sich noch schnell weitestgehend ausgehfertig zu machen. Außerdem wollte er noch sein Portmonee und seine Schlüssel holen. Was auch immer sie machen würden, Chizuru sollte es nicht alleine bezahlen und aussperren würde sich Minpha diesmal nicht. Weihnachten sollte sich nicht auf diese Weise wiederholen.

„Also, wohin gehen wir?“, fragte Minpha schließlich, kaum hatte er die Tür hinter sich zugezogen. Er folgte Chizuru die ersten Meter, welche sie zu Fuß gingen, wurde dann aber skeptisch, als sie an der ersten Haltestelle vorbeiliefen. Allzu weit weg konnte ihr Zielort also nicht sein.
„Um ehrlich zu sein“, gestand Chizuru und kratzte sich leicht am Hinterkopf, „Ich dachte, dass wir einfach nur etwas durch die Gegend gehen und spontan etwas entscheiden. So haben wir es doch früher auch gemacht.“
„Okay“, nahm Minpha diese Aussage nur an und folgte Chizuru weiterhin. Schon damals hatten sie sich meistens getroffen und sich dann von ihren Beinen einfach irgendwohin tragen lassen. Nur hatten sie zu den Zeitpunkten immer irgendwelche Themen, über die sie reden konnten. Jetzt gerade war alles, was sie hauptsächlich im Kopf hatten, mit Musik und den Konzerten verbunden. Vielleicht hätten sie dieses Treffen auf das Ende der Tour verschieben sollen. Bis dahin hätte es zwar noch etwas länger gedauert, aber sie hätten den Kopf wenigstens frei gehabt.


„Schafgarbe.“ Chizuru sagte dieses eine Wort so überraschend, dass Minpha kurz zusammenzuckte. Der Bassist hatte sich so tief in seinen Gedanken verloren, dass er nicht weiter mitbekommen hatte, wo sie mittlerweile waren.
„Was meinst du?“, fragte Minpha, ohne dabei wirklich auf seine Umgebung zu achten.
„Na die Blumen vor uns“, erwiderte Chizuru nur und deutete in jene Richtung. Erst jetzt hob Minpha seinen Kopf und erkannte die weißen Blüten, welche sich vor ihnen erstreckte. Er hatte noch nicht einmal gewusst, dass es so eine Wiese hier überhaupt gab. Wieder wurde ihm bewusst, dass man jeden Tag etwas neues dazu lernte. Oder in diesem Fall fand man ab und zu auch einen neuen Ort dort, wo man eigentlich schon eine ganze Zeit lang lebt.
„Sie stehen für die Heilung eines gebrochenen Herzens.“ Dieser Satz kam erst recht unerwartet.
„Das kann gut sein“, erwiderte Minpha nur, da er nicht wusste, was er sonst dazu sagen sollte. Hatte Chizuru ihn absichtlich hier her gebracht, um ihm die Blumen zu zeigen und dessen Bedeutung zu nennen? Die Chance, dass das nur ein Zufall war, war viel zu gering.
„Ich habe dir bestimmt ziemlich weh damit getan, als ich dir sagte, dass das mit dem Kuss nicht wirklich etwas ernstes war“, begann Chizuru das Thema wieder, welches sie eigentlich schon besprochen hatten.
„Das haben wir schon geklärt“, wehrte Minpha dies deswegen ab und schüttelte den Kopf, „Wir müssen das Thema nicht immer und immer wieder aufrollen.“
„Eigentlich dachte ich ja, dass wir uns öfters treffen könnten und dann einfach schauen, was daraus wird“, gestand der Sänger schließlich und überraschte Minpha ein weiteres Mal damit.
„Du musst das nicht machen, wenn du es nicht willst“, versuchte Minpha, weiterhin ruhig über das Thema zu reden. Der rote Farbton auf seiner Wange sprach aber bereits Bände. Er würde es wirklich schön finden, sollte Chizuru das wirklich ernst meinen.
„Würde ich es nicht machen wollen, dann hätte ich es nicht vorgeschlagen“, antwortete Chizuru nur gelassen und lächelte dabei.
„Na wenn das so ist, dann können wir es gerne ausprobieren“, stimmte Minpha schließlich zu und griff vorsichtig nach der Hand des Sängers. Das sollte für den Anfang genügen. Zum Glück erwiderte Chizuru diese Geste. Obwohl sie die Zukunft nicht vorhersehen können, spürte Minpha, dass dieser Moment der Beginn einer tollen Zeit sein würde.
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