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Without Me - eine verhängnisvolle Begegnung

von dausn
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Chiaki Nagoya Marron Kusakabe
22.02.2019
02.03.2019
2
2.067
2
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Dieses Kapitel
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02.03.2019 1.218
 
I hear a voice say: "don't be so blind"
It's telling me all these things
That you would probably hide
Am I your one and only desire?
Am I the reason you breathe?
Or am I the reason you cry?

Saliva - Always



*****

„Miyako fehlt mir jetzt schon.“, seufzte die Braunhaarige.

Seit dem Abend im Restaurant waren schon einige Wochen vergangen und die schulische Ausbildung zur Erzieherin hatte den beiden Frauen ziemlich viel abverlangt, bevor die wohlverdienten Sommerferien beginnen konnten. Miyako und Yamato waren bereits auf dem Weg nach Paris. Ihr erster Liebesurlaub als Paar stand an. Immer wieder hatte sich das Pärchen bei Maron versichert, dass es okay für sie ist. Momokuri war eine kleine Stadt, die nicht viel zu bieten hat. Deshalb gönnte sie es ihrer besten Freundin umso mehr. Irgendwann würde sie auch mal verreisen.

„Dann arbeite ich einfach meine To-do-Liste ab!“, sprach Maron zu sich selbst.

So fing sie an und räumte an allererster Stelle ihre Wohnung auf. Das wurde auch wirklich Zeit, denn sie war eine kleine Chaotin. Die angehende Erzieherin wohnte noch nicht lange hier. Die Wände waren weiß und kahl. Nach der Sache mit Hijiri brauchte sie eine neue Wohnung, die sie sich finanziell leisten konnte - da kam ihr das große Wohnhaus „New Orleans“ für Studenten und Auszubildende ganz recht. Für kleines Geld gab es Zweiraumwohnungen in einer Größe von 45 bis 50 Quadratmetern. Zu Marons Glück hatte sie eine Wohnung mit einem Balkon ergattert. Oft saß sie abends dort und schaute in die Ferne. Bisher kam ihr kein Nachbar unter die Augen.

Ihr Handy vibrierte:
„Wir sind gut angekommen.
Pass auf dich auf & ersetz mich nicht sofort! ;)
Ich hab dich lieb.
Lass uns ganz bald telefonieren.

Die 24-Jährige lächelte. Niemand konnte Miyako so leicht ersetzen.  Es gab kaum eine Person, die so viel über die Braunhaarige wusste wie sie es tat. Maron hatte zwar noch Kontakte zu ehemaligen Mitbewohnern aus ihrer Zeit im Heim, aber diese waren nicht in Momokuri geblieben und sind teilweise in andere Länder gezogen. Mit ihren Mitschülern verstand sich die angehende Erzieherin ebenfalls gut, aber nur zu Miyako entstand eine derart gute Bindung. Sie kannten sich mittlerweile vier Jahre. Ohne sie wäre die fünfjährige Ausbildung wirklich langweilig geworden.

Maron tippte schnell eine Antwort:
„Genießt eure gemeinsame Zeit! :P
Und vergiss die Postkarte nicht. :D
Ich hab dich auch lieb.“

Der nächste Punkt auf der To-do-List war das Renovieren der Wohnung, was sich allein wohl etwas schwierig gestalten würde - „aber selbst ist die Frau“, dachte Maron und wollte gerade in den Hausflur des New Orleans marschieren, als sie über eine Umzugskiste stolperte.

„Welcher Vollidiot hat die Kisten hier abgestellt?“, motzte die Auszubildende sofort los und hielt sich den schmerzenden Fuß.

„Das war dann wohl ich, tut mir sehr leid. Ich bin Arzt. Ich kann mir deinen Fuß gleich mal ansehen.“, sagte ein junger Mann mit blauen Haaren und reichte ihr die Hand. Maron hingegeben war so geladen, dass sie ihn nicht einmal richtig anschaute. Wahrscheinlich ärgerte sie sich in dem Moment eher über sich selbst, weil sie immer so viel Pech hatte. „Ich bin Arzt, lasst mich durch!“, äffte sie ihn nach. Den schmerzenden Fuß ignorierend, wollte sie dieser Situation schnell entfliehen und richtete sich auf.

„Ich bin Chiaki und du?“

„Ich bin nicht interessiert.“

Plötzlich lachte der Assistenzarzt laut auf. „Mit dem falschen Fuß aufgestanden, was?“

„Sehr witzig…“, antwortete sie. Gerade als Maron etwas kontern wollte, schaute sie in sein amüsiertes Gesicht und verstummte schlagartig. Das Herz klopfte ihr bis zum Hals. Wie konnte es sein, dass das Schicksal ihr so einen Streich spielte? Der gutaussehende Arzt stand doch schon vor einigen Wochen genauso vor ihr wie jetzt. Beim letzten Mal bekam sie kaum ein Wort raus und jetzt benahm sie sich unmöglich…

„Tut mir leid.“, hörte Chiaki sie kleinlaut sagen.

„Als Entschädigung kannst du mich ja zum Essen einladen.“

*****

Maron telefonierte gefühlt schon seit Stunden mit Miyako und berichtete ihrer Freundin die neuen Ereignisse des Tages. Nachdem Chiaki sich selbst zum Essen einladen wollte, ist die Braunhaarige mit einer Ausrede davongekommen und hat sich schnell aus dem Staub gemacht. Doch aufgeschoben, ist nicht aufgehoben. Irgendwann würde sich der neue Nachbar sicher wieder erdreisten.

„… und er ist Arzt, wie schön!“, sagte Miyako in den Hörer.

„Ich habe meine Kontakte spielen lassen und konnte auch noch nichts negatives rausfinden!“, fügte Yamato im Hintergrund hinzu.

„… und er sieht nicht schlecht aus!“, plapperte die beste Freundin weiter.

Gerade als Maron fragen wollte, woher ihre Freundin dies wusste, wurde ihr klar, dass Miyako beim FBI arbeiten könnte. Trotz der positiven Reaktionen ihrer Freunde beschlich sie ein komisches Gefühl. Es war irgendwie seltsam, dass Chiaki ihr schon wieder über den Weg lief. Er war so fixiert darauf sie kennenzulernen, obwohl der Umzug wohl stressig genug wäre. Vielleicht bildete sich die angehende Erzieherin auch nur etwas ein. Ihr Misstrauen gegenüber Männern war derzeit ziemlich groß.

„Was soll ich jetzt machen?“

„Lass es auf dich zukommen.“

„Mmmh…“

Das Gespräch der Frauen war kaum beendet, als es plötzlich an der Tür klingelte. Die 24-Jährige hatte sich in dem Moment bereit gemacht, um sich schnell eine Pizza zum Abendbrot zu holen. Zum Kochen hatte sie heute einfach keine Lust mehr. Schwungvoll öffnete Maron also die Tür und schaute zum zweiten Mal an diesem Tag in diese tiefen braunen Augen. Ihr Herz hämmerte heftig gegen ihre Brust, während ihr Gegenüber ein breites Grinsen im Gesicht hatte. Weshalb diese Reaktion ihres Körpers kam, war ihr ein Rätsel.

„Wolltest du gerade weg?“, fragte Chiaki verwundert.

„Mmmh ja… ein paar Straßen weiter ist eine Pizzeria.“, antwortete die Brünette unsicher.

„Da komme ich doch glatt mit!“, entgegnete der Assistenzarzt ganz erfreut.

„Ich schaffe das auch allein…“

„Ich habe aber nichts im Kühlschrank!“

„Vielleicht koche ich mir doch lieber was…“, protestierte Maron.

„Wenn du einmal dabei bist…“, erwiderte der Blauhaarige belustigt.

„Nein, vergiss es!“

„Wieso nicht?“

Dieser Kerl war gerade mehr als aufdringlich. Maron verdrehte bereits genervt die Augen und musste, warum auch immer, trotzdem noch lächeln. Eigentlich wollte sie sich lieber in eine Decke einmummeln, eine Liebesschnulze schauen und ganz allein ihre Pizza genießen. Sie wäre wirklich lieber allein gewesen - wie es halt immer war, sei es im Heim oder ohne Hijiri gewesen. Der Plan ging für heute wohl nicht mehr auf…

„Und… wie magst du deine Pizza?“, fragte sie ihn.

„Am besten in Begleitung einer hübschen Frau!“

„Das war ziemlich schlecht.“

„Magst du keine Komplimente?“, wunderte sich Chiaki gespielt.

„Nicht von einem Wildfremden!“, konterte sie die Zunge rausstreckend.

Schweigend gingen die Beiden also ihren Weg zur Pizzeria. Ein leichter Wind wehte durch die Straßen von Momokuri. Maron fröstelte es etwas, wollte sich jedoch nichts anmerken lassen. Immer wieder schweiften die Blicke des Arztes zur Brünetten, die langsam neben ihm herlief.

„Mmmh… ist dir kalt? Ich kann dir meine Jacke geben...“, durchbrach Chiaki die Stille.

Maron schaute ihn skeptisch an. Ihr war absolut nicht klar, warum er sich so viel Mühe dabei gab sie kennenzulernen. Irgendwas in ihr sagte einfach, dass er kein typischer Aufreißer war. Doch was oder wer, war er dann? Es war nicht so, dass nie ein Mann ein Interesse an ihr gezeigt hätte… aber so offensiv kannte sie es noch nicht.

„Schon okay, die Pizzeria ist auf der anderen Straßenseite.“
 
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