Reborn in History II - Das Vermächtnis

GeschichteMystery, Romanze / P16 Slash
Alexander Hephaestion OC (Own Character)
22.02.2019
29.08.2019
21
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Da bin ich endlich aus Berlin zurück und habe nun auch Zeit, Muße und Internet, mich wieder den Uploads zu widmen. Ich weiß nicht, wie regelmäßig sie kommen werden, ich möchte auch nichts versprechen. Aber ich hänge mich dennoch rein.
Und nun viel Spaß beim zweiten Kapitel und dem Anfäng allen Ärgernisses.

LG -BirthOfASong





Den ganzen Tag hatte ich auf den passenden Moment gewartet. Ich konnte es einfach nicht auf mir sitzen lassen. Ich wusste zwar, dass es etwas zwischen Alexandros und seiner Mutter war, doch ich konnte nicht zulassen, dass es die beiden entzweite, hatten sie doch meist eine enge Bindung gehabt. „Darf ich dich kurz sprechen, bevor ihr wieder abreist?“ Electra blickte von ihrer Tasche auf als ich im Türrahmen des Gästezimmers erschien. Ich nutzte die Gelegenheit, die er mit seiner Schwester in der Stadt verbrachte, um Souvenirs für Freunde an der Uni zu besorgen, bevor es früh am nächsten Morgen zurückging. Sie nickte knapp, überprüfte noch einmal den Inhalt ihrer Tasche und setzte sich dann daneben auf die fein säuberlich zusammengefaltete Decke. Mein zurechtgelegter Plan, das unangenehme Gespräch so leger zu starten, wie möglich, verpuffte ungenutzt. „Ich habe euer Gespräch gestern mitbekommen und ich weiß, es geht mich eigentlich nichts an… nun, um ehrlich zu sein, geht es mich schon etwas an… irgendwie.“ Sie strich sich das glatte schwarze Haar hinters Ohr und seufzte. „Ich weiß, dass du das nicht verstehen kannst, das ist in Ordnung. Es ist eine Sache zwischen mir und meinen Sohn. Ich schätze dich sehr, aber bitte respektiere das.“ Meine Brauen zogen sich unweigerlich zusammen als ich in gewohnter Abwehrhaltung die Arme vor der Brust verschränkte. „Verstehe mich nicht falsch Electra, aber ich habe geglaubt, dass du etwas offener deinem Sohn gegenüber bist. Er hat es sich schließlich nicht ausgesucht und es ist ganz bestimmt keine Krankheit. Ich habe ihn gebeten es anzusprechen, weil ich schlichtweg keine Lust mehr habe mich zu verstecken und schon gar nicht vor Menschen, die mir etwas bedeuten.“ Sie seufzte erneut. „Natürlich und ich bewundere dich für deine Hingabe und, dass du Alexandros so sehr unterstützt. Doch bitte haltet meine Tochter daraus. Wenigstens sie soll ein normales Leben führen. Etwas, das uns allen leider nicht vergönnt war.“ Meine angespannte Haltung lockerte sich etwas, als ich sie nachdenklich musterte. „Moment, was hat Thalia damit zu tun?“ „Nun, sie ist die einzige in unseren verkorksten Familien, die das Gen nicht geerbt zu haben scheint. Bei deiner Schwester, Gott habe sie selig, konnte es nun leider nicht mehr festgestellt werden. Ich hoffe bloß, sie ist einfach… normal. Ich erinnere mich noch genau daran, wie mein Sohn eines Tages vor meiner Tür stand und mir eröffnete, dass er einer von uns ist. Fast drei Jahrzehnte habe ich gebetet, dass er verschont bleiben möge. Doch als Stefano mir von dir berichtete und wer du bist, wurde mir klar, dass es nur eine Frage der Zeit ist. Ihr wart immer eng miteinander verbunden, dass mir kein Zweifel blieb, dass ihr früher oder später wieder zueinanderfinden werdet und in das Chaos stürzt, welches eure Eltern euch hinterlassen haben.“

Ich holte tief Luft und richtete mich auf. Nun stand ich kerzengerade im Türrahmen und blickte die Frau vor mir stumm an. Sie schwieg. „Ich werde deine Tochter auf keinen Fall einweihen, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Deshalb tut sie ganz gut daran, noch eine Weile ins Ausland zu gehen. Alexandros‘ Geist wird immer unruhiger. Ich spüre, dass etwas nicht stimmt. Und es ist nicht seine Verschwiegenheit dir gegenüber, sondern etwas seelisch basiertes. Ich habe so etwas im Gefühl.“ „Sein Schweigen?“ Wir vernahmen Stimmen im Hausflur und das Klirren eines Schlüsselbundes, welcher die Ankunft der ausgeflogenen Vögelchen ankündete. „Wegen seiner Sexualität meine ich. Es ist ihm nicht leicht gefallen, nachdem er die Krise zwischen mir und Amaira mitbekommen hat.“ Die Wohnungstür schwang auf und aufgeregte Stimmen erfüllte den Flur, der zur Tür hin direkt am Gästezimmer vorbeiführte. „Alexandros!“ Ihre Stimme schnitt ungewohnt scharf durch mein Trommelfell. Die Italienerin saß nun aufrecht auf dem Bett und wartete auf die zögernde Ankunft ihres Sohnes. Mein Mitbewohner schob sich nervös an mir vorbei und lugte durch den Türrahmen. „Ja?“, murmelte er leise. „Gibt es etwas, das du mir erzählen möchtest?“ Ich biss leise fluchend die Zähne zusammen. Thalia. Es war die ganze Zeit um seine Schwester gegangen. Electra wollte nicht, dass er sie einweihte. Wieder mal hatte ich etwas völlig missgedeutet. Was war nur los mit mir? Andererseits war es seine Aufgabe gewesen, sie davon in Stand zusetzen, so war es schließlich abgemacht. Ich hatte mich die letzten Tage immerhin auf romantischer Ebene schmerzhaft zurückhalten müssen. Er sah mich entsetzt an, bevor sein Blick zu seiner Mutter wanderte, die noch immer wie eine römische Statue auf dem Bett saß.
„Alexandros, bist du schwul?“ Ihre Stimme hatte nun an Schärfe verloren. Sie schien zu wissen, dass dies der falsche Weg war, ihrem Sohn zu begegnen, wenn es um solch ein Thema ging. Das Entsetzen in seinen Augen wurde zusammen mit diesen noch etwas größer. „Was? Nein, ich… nein, ich…hat-hat er das behauptet? Hast du das behauptet?“, wandte er sich nun anklagend an mich. Soweit kommt’s noch, jetzt wurde ich auch noch an den Pranger gestellt. „Ich habe gar nichts gesagt, Alexandros, das war deine Aufgabe als ich euch gestern mein Wohnzimmer überlassen habe“, spuckte ich ihm nun vor die Füße. „Alexandros!“, fuhr seine Mutter nun dazwischen, bevor ich ihm einen Blick zuwarf, der besagte, darüber reden wir später. Ich blieb jedoch stehen wo ich war, da ich die kommende Show um keinen Preis verpassen wollte. Seine Schwester tauchte nun ebenfalls in meinem Rücken auf als sie die aufgebrachten Stimmen vernahm. „Du stehst auf Kerle, Alex? Das Erklärt, warum deine Ehe nicht gehalten hat.“ Als sei damit alles geklärt, schob sie sich an uns vorbei und begann in aller Seelenruhe ihre Shoppingtüten im Koffer zu verstauen. „Herr Gott, nein! Ich meine…“, er warf mir einen hilfesuchenden Blick zu, doch ich rührte mich keinen Zentimeter. Sollte er doch zappeln. Einen Moment lang überlegte ich, ob ich ihn den ganzen Ärger jetzt ausbaden lassen sollte. Doch bevor ich zu Ende denken und eine Entscheidung fällen konnte, schien er sie mir abzunehmen.

„Ich bin nicht schwul, nein. Ich war immerhin sechs Jahre mit Roxana zusammen.“ Sechs Jahre, ach du Scheiße. „Und du sparst dir den Kommentar, junge Dame“, meinte er in Richtung seiner kleinen Schwester, bevor sie uns darlegen konnte, dass das nun so gar nichts zu bedeuten hatte. „Nein, ich…fische quasi an beiden Ufern.“ Da war sie wieder, diese galante Art sich zu jeder passenden Situation unpassend auszudrücken. Etwas, was er mit seinem Vorgänger beileibe nicht gemeinsam hatte. „Ich meine, war Alexander ja schließlich auch, passt doch.“ Electra seufzte ergeben. „Komm mal runter von deinem schwarzen Ross, Bruderherz. Du glaubst doch nicht immer noch, du seist die Wiedergeburt dieses Schwachkopfes. Alexander der Große... Das einzige was bei dem groß war, war sein überdimensionales Ego.“ Noch eine Gemeinsamkeit. Die Punkte häuften sich. Ich musste ein leises lachen unterdrücken und tarnte es als ungewolltes Husten. Er merkte es natürlich trotzdem und warf mir einen verärgerten Blick zu. Damit hatte sich das Thema dann scheinbar auch gegessen.


Nachdem wir Mutter und Schwester früh am Morgen beim Flughafen abgesetzt hatten, verbannte ich meinen Freund zurück auf die Couch. Electra hatte recht, es wurde langsam Zeit, der Sache ernsthaft auf den Grund zu gehen. „Also gut, du kennst das Prozedere ja bereits“, erklärte ich nichts erklärend und ging neben der Couch in die Knie. „Liegst du bequem, das kann einige Stunden dauern und ich will mir nicht wieder dein Gejammer anhören, weil du auf deinem sechsstündigen Trip nach Babylon dein Nackenkissen vergessen hast.“ „Das ist mir einmal passiert, du bist so nachtragend.“ „Ja, einmal pro Woche“, seufzte ich und sah ihn weiterhin fragend an, bevor er sich ein Kissen unter den Kopf schob und nach meiner Hand griff. „Patschehändchen her, mein Herzblatt, der Flieger startet jede Minute.“ „Du weißt, ich habe dich damals nur verarscht, ich brauche deine Hand nicht dafür. Ich werde dich einfach einlullen bis-“, ein übertrieben heftiges Schnarchen unterbrach meinen Satz. Ich verpasste ihm einen Knuff in die Seite. Er lümmelte sich kichernd auf der Couch. Nun hatte er wieder seine Position verändert. „Ich hol gleich den Strick, Alexandros, das schwöre ich dir!“ „Ist das ein Versprechen?“, linste er zu mir hoch. „Klappe zu, Augen zu und Gedanken aus. Wo möchtest du hin?“ „Ich weiß nicht, hast du irgendwas dreckiges auf Lager?“ „Klar, im Angebot hätte ich die Schlacht von Issos, die Pfeilwunde in Indien, der Mord an Phillip…“, Er murrte verstimmt. „Irgendwo, wo`s schön ist“, gab er sich geschlagen. Ich lächelte zufrieden und lehnte mich neben ihn an das helle Möbelstück, bevor ich wieder nach seiner Hand griff. Es mochte vielleicht nicht nötig sein, doch angenehmer war es in jedem Fall. Es war als würde man gehalten und vorm Sturz bewahrt werden, bevor man fiel. Außerdem roch seine Hand nach dieser teuren Creme, die er sich seit ein paar Monaten bei dem Kosmetiker um die Ecke kaufte. Sandelholz, oder ähnliches. Sehr erregend.
„Also gut, entspann dich und sag Bescheid, wenn das altbekannte Gefühl eintritt. Bescheid sagen, hörst du, nicht einfach nachgeben oder auf eigene Faust versuchen-“ „Du musst nicht mit mir reden als sei ich schwer vom Begriff, ich schaff das schon.“ Ich seufzte und legte meinen Kopf an seine Taille, während seine Hand ruhig in meiner, vom Sofa hinunter hing. Und so warteten wir. Eine Weile lauschte ich seinem Atem und wie er langsam ruhiger wurde. „Alex?“ „Jetzt“, murmelte er so leise als wäre er bereits dabei in Schlaf zu verfallen. Ich nickte, „okay, lass dich fallen, ich bin bei dir.“

Eine lange Zeit saß ich dort, meine Hand an seinem Puls. Ich war kein Meister und so konnte ich nicht mit im gehen. Alles was mir blieb, war, die Zeichen seines Körpers zu überwachen. Stunde um Stunde verweilte ich neben ihm und lauschte seinem Atem. Er stockte. Erst glaubte ich, es sei ein kurzer Aussetzer. Doch dann stockte er erneut, und das widerholte sich alle paar Minuten. Zeit aufzuwachen. „Alex“, ich tätschelte vorsichtig sein Gesicht. Keine Reaktion. Nichts Ungewöhnliches. Manche waren so weit fort, dass bloß ein Schlag ins Gesicht sie zurückholen vermochte. Fehlanzeige. Nun wurde ich doch etwas unruhig. „Alexandros! Wenn du mich gerade verarscht, schwöre ich dir, wird es das letzte gewesen sein, was du tust!“ Ich lief in die Küche und versuchte es mit Eiswasser. Noch immer keine Reaktion. Er war etwas schwierig gewesen in letzter Zeit, da sich irgendetwas in ihm sträubte diese Reisen anzutreten. Ich hatte ihn mehr oder minder hineingezwungen und nun wachte er nicht mehr auf. Ich kompletter Vollidiot. Wieso hatte ich die Zeichen nicht früher gelesen. Eilig kramte ich das Handy aus der Tasche und rief meinen alten Meister an.
„Mustafa!“ Mailbox. Fluchend warf ich es neben die Couch. Ich schlug ihm nochmal ins Gesicht. So ein guter Schauspieler war er nicht. „Also gut“, flüsterte ich und legte meine Hand an sein Gesicht. Ich hatte es viele Male beobachtete, doch hatte Mustafa mir nie verraten, was es zu beachten gab. Doch für Regeln hatte ich jetzt keine Zeit. Ich fokussierte mich voll und ganz auf mein Gegenüber und langsam spürte ich, wie etwas an meiner Brust zu zerren begann als wollte man mir das Herz herausreißen. Dann wurde es dunkel. Doch anstatt das Bewusstsein zu verlieren, schwebte ich mit klarem Verstand in einem scheinbar lichtlosen Raum. „Alex!“ Ich erwartete keine Antwort. Umso überraschter war ich als ich seine Stimme vernahm. Es war nicht die, die ich kannte, wenn wir miteinander sprachen, sie war klanglos als würde sie keinem bestimmten Besitzer gehören. „Phai?“ Angst schwang in ihr mit und ich spürte sie ganz deutlich, als sei sie die hereinbrechende Flut, die langsam den Raum um uns zu füllen begann. „Phai, hilf mir!“ „Wach auf. Öffne einfach deine Augen!“ „Ich kann nicht. Ich- irgendwas hält mich fest, ich kann meine Lider nicht öffnen… als hätte man sie zugenäht.“

Ich spürte die Angst steigen wie ein Thermometer. „Scheiße, hol mich hier raus Phai! Was zur Hölle ist los mit mir?“ „Ganz ruhig, hast du Schmerzen, zieht irgendetwas an dir?“ „Nein, es geht mir gut… hatte ich wieder einen Herzinfarkt, fühlt sich so ein Koma an.“ „Ich weiß nicht, wie sich ein Koma anfühlt, Alex, aber körperlich bist du vollkommen gesund ich checke alle paar Minuten deinen Puls.“ „Aber was-“ „Ich hol dich hier heraus, versprochen. Bitte beruhig dich, dass macht es sonst nur noch schlimmer.“ Ich wurde zurückgerissen und fiel zurück in die Realität. Mein Knie stieß hart gegen den Glastisch. Fluchend richtete ich mich auf und fischte erneut nach meinem Handy. „Bitte geh ran. Scheiße, ich brauch dich jetzt wirklich!“ Immer noch die Mailbox. So wählte ich die nächste Nummer die mir einfiel. Volltreffer. „Phai, du bist noch unter den Lebenden, schön, dass du dich auch mal wieder meldest.“ „Anis, Gott, sei Dank. Hör mal, ich brauche dringend deine Hilfe. Alex wacht nicht auf. Sein Körper zeigt jedoch keinerlei Anzeichen von Unstimmigkeiten. Wo ist Mustafa?“ Einen Moment schien sie etwas überfordert. „Ich äh… in Ägypten glaub ich, ich weiß auch nicht, wie lange er bleibt. Aber ich kann versuchen ihn zu erreichen, er meinte jedoch vor seiner Abfahrt, dass es wohl schwierig wird.“ „Das ist witzig, weißt du“, meinte ich ungeduldig, „denn meine Situation hier ist gerade auch etwas schwierig. Ich habe versucht an ihn heranzukommen. Er hat um Hilfe gerufen, doch irgendwas hat mich zurückgerissen. Irgendwas blockiert ihn, er kann nicht aufwachen. Steht irgendetwas in deinem Allheil-PC das uns weiterhelfen könnte?“ „Warte, wie war das gerade, du hast Kontakt zu ihm aufgenommen? Bist du in seinen Geist eingedrungen? Mustafa hat nichts von weiteren Unterricht erwähnt, soweit ich weiß.“ Ich hörte, wie sie eifrig begann in ihren Unterlagen zu wühlen. „Ich habe keine Ahnung und es ist mir auch herzlich egal gerade. Da ist etwas das ihn blockiert, könntest du bitte einmal nachschauen, ob irgendetwas ähnliches bereits mal passiert ist.“ „Alles klar, ich ruf dich gleich zurück.“ Sie legte auf und ließ mich genauso ratlos zurück wie zuvor. Davor hatte ich mich am meisten gefürchtet. Die Kontrolle darüber zu verlieren. Meine Aufgabe war es auf ihn aufzupassen und nun verlor ich ihn irgendwo zwischen Vergangenheit und Realität. Ich atmete tief ein und aus, um nicht durchzudrehen. Als Anis sich nach Minuten noch immer nicht gemeldet hatte, startete ich noch einen Versuch. Wieder spürte ich, wie etwas an meiner Seele riss, dann war da wieder die Dunkelheit. „Phai, bist du das?“ „Ja… warte, kannst du mich spüren?“ „Sonst hätte ich ja wohl nicht gefragt.“ „Gut, das ist gut-“ „Wieso ist das gut. Ich bevorzuge noch immer die körperliche Varianten, ist wesentlich angenehmer.“ Ich seufzte. „Wenn hier noch jemand ist, dann kannst du ihn oder es ebenfalls spüren. Fokussiere dich. Was ist anders?“ Er schwieg und der lichtlose Raum legte sich wieder in vollkommene Stille.

„Phai?“, es war nun nicht mehr als ein Flüstern. Und ich verstand nun auch warum. Auch ich spürte es. Wir waren nicht allein. „Hephaistion, hol mich hier raus, bitte!“ Ich konnte seine wachsende Panik spüren, doch war ich noch immer hilflos. Kommunikation, schoss es mir dann durch den Kopf. „Bitte ihn zu gehen.“ Stille. „Ich meine es ernst. Viele Seelen reagieren allein schon auf Kommunikation.“ „Wie mache ich das?“ „Fokussiere dich auf die fremde Präsenz und bitte sie freundlich zu gehen und dass du sie hier nicht duldest. Vielleicht funktioniert es.“ „Vielleicht? Und was, wenn nicht?“ „Versuche es, ich werde mich solange zurückziehen.“ „Phai, nein, lass mich jetzt hier nicht allein!“ Ich spürte erneut das Sofa in meinem Rücken, als ich zurückkehrte. Das war mal harter Tobak. Wieso hatte Mustafa mir nie etwas davon erzählt? Er selbst sagte, ich sei sein bester Schüler, wieso also schwieg er? Ich spürte den Zorn in mir aufkommen. Dieser Mann brachte mich langsam zur Weißglut. Heftig zuckte ich zusammen als das Handy neben meinen Füßen eindringlich zu klingeln begann. „Phai? Ist er noch immer weg?“ „Ja, was hast du gefunden?“ „Nun, es wurden bereits mehrerer Fälle aufgezeichnet. Es handelt sich hier wohl um eine typische Seelenbesetzung… Mein Gott, ich wusste nicht, dass so etwas möglich ist.“ „Ich auch nicht, aber so schlau bin ich inzwischen auch schon. Wie werden wir sie los, spuck‘s aus.“ „Etwas Genaues steht hier nicht…“ Verzweifelt schloss ich die Augen und lehnte meinen Kopf zurück an die weiße Couch. Ich konnte ihn nicht verlieren. Wenn ich ihn da nicht binnen weniger Stunden herausbekam, würde er tatsächlich ins Koma fallen. Dankend legte ich auf und vergrub ratlos das Gesicht an seiner Schulter. Sein Puls ging unverändert und auch sein Atem zeigte keine Unregelmäßigkeiten mehr. Alarmiert fuhr ich hoch als seine Hand sich fester um die meine schloss. „Alexandros?“ Er öffnete die Augen, regte sich jedoch nicht. Er stand sichtlich unter Schock. „Nie wieder!“, murmelte er leise. „Ich werde nie wieder so eine beschissene Reise antreten. Steckt euch dieses Pilgerzeug sonst wo hin, ohne mich.“ Er wollte sich aufrichten, doch schien sein Körper zu ausgelaugt. Er seufzte. Vorsichtig reichte ich ihm ein Glas Wasser.

„Was zur Hölle war das?“ Ich schwieg. Sollte ich ihm die Wahrheit sagen, er wusste es doch bestimmt ohnehin schon, oder konnte es sich mindestens zusammenreimen. „Das war… nun… also, deine Seele, sie…“ Er blickte stumm zu mir auf. „Jemand hat sich an deine Seele gehängt. Wie eine Spinne in ihrem Netz. Verstehst du, wie ich meine? Sie hat nicht deinen kompletten Körper übernommen, sondern lediglich deinen Geist.“ Seine Augen wurden langsam größer. „Und bevor es dazu kommt“, fuhr ich unbeirrt fort, darauf Acht gebend, ihn nicht noch mehr zu beunruhigen, „sollten wir der Sache möglichst schnell auf den Grund gehen.“ Er sah mich einen Moment schweigend an. Die Furcht stand ihn noch immer in die dunklen Augen geschrieben und ich hasste mich dafür, dass ich es soweit hatte kommen lassen. „Er oder sie ist gegangen?“ Er nickte. „Ich weiß auch nicht… ich habe höflich darum gebeten und als sich nichts getan hat, noch einmal mit Nachdruck. Dann war es, als würde etwas von mir abfallen, wie ein überreifer Apfel, oder so.“ Das überraschte mich nun doch, da ich mit größerem Widerstand gerechnet hatte. „Es war merkwürdig, doch ich hatte plötzlich nicht mehr das Gefühl als wollte sie mir etwas Böses. Vielleicht war es ein Versehen und sie hat nicht mehr zurückgefunden.“ Ich schwieg nachdenklich, konnte jedoch nichts dazu sagen. „Jetzt sag mir nicht, dass der allwissende Sarantakos um eine Erklärung verlegen ist.“ Er musterte mich eingehend als ich bloß die Schultern anhob und wieder sinken ließ. „Ist dir sowas noch nie passiert?“ Ich schüttelte noch immer ratlos den Kopf. „Aber ich kenne jemanden, der sich zu hundert Prozent damit auskennt.“ Mein Freund merkte, worauf ich hinaus wollte. „Mustafa, hat er dir das mit der Kommunikation gesagt? Und wie bist du überhaupt in mich reingekommen… meinen Geist meine ich.“ Er errötete etwas und ich musste unweigerlich lächeln. Doch dann schüttelte ich den Kopf, die letzte Frage außer Acht lassend. „Nein, er ist momentan in seinem Heimatland. Anis und ich konnten ihn beide nicht erreichen. Scheint wohl schwer beschäftig. Und das ist auch der Grund, weshalb wir ihn aufsuchen werden.“ „Du willst dahin? In wenigen Tagen fängt die Arbeit wieder an. Die Wahlen stehen bald an, ich kann mir nicht leisten Gerry jetzt im Stich zu lassen, sonst bin ich meinen Job los. Es gibt bestimmt hunderte, die scharf auf meine Position sind.“ Ich merkte, wie der Ärger erneut in mir aufstieg. „Sag mal, ist dir eigentlich klar, was hier gerade passiert ist? Ich scheiß auf deinen Job. Wenn wir nicht zügig handeln wirst du in naher Zukunft vielleicht nicht mehr im Stande sein, überhaupt einen Job auszuführen. Irgendetwas in deinem Unterbewusstsein hat sich seit Wochen gesträubt, wie eine räudige Katze. Als würdest du unterbewusst spüren, dass es etwas nicht in Ordnung ist. Daran hast du gut getan, wer weiß, was passierte wäre, wenn du in einem anderen Körper gefangen gewesen wärst, wir kennen das Ausmaß nicht und ob sie zurückkehren wird. Du hast recht, fürs erste sollten wir dich davon fernhalten.“ Er seufzte gequält. „Also gut, dann auf nach Ägypten.“







tbc.