Reborn in History II - Das Vermächtnis

GeschichteMystery, Romanze / P16 Slash
Alexander Hephaestion OC (Own Character)
22.02.2019
29.08.2019
21
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Willkommen zurück, da bin ich auch schon mit dem ersten Kapitel, welches den offiziellen Start der Geschichte einläutet.
Ich bin bereits etwas weiter voraus, werde euch jedoch wöchentlich mit kleinen Häppchen füttern. Und nun bin ich auch erstmal auf Studienreise und bete für funktionierendes Wlan, um euch auf dem neusten Stand zu halten. Bis dahin, viel Spaß und haltet die Ohren steif, Makedonen.

LG  -BirthOfASong





1 Jahr später



„Wach auf, Schlafmütze, es schneit!“ Ich ging vor Alex in die Hocke und strich behutsam eine dunkle Strähne aus seiner Stirn. Er sah immer aus wie ein zehn Jahre alter Besen, wenn er aufwachte. Er blinzelte mich schlaftrunken an und schmatzte, was mir ein leises Glucksen entlockte. „Es ist halb neun, ich habe heute frei, also frisch ans Werk.“ Er murrte bloß und drehte sich auf die andere Seite. „Komm schon, du hast versprochen mit mir zusammen den Baum auszusuchen. Sonst maulst du wieder den ganzen Tag, dass er dir nicht gefällt.“ Ich kletterte zu ihm aufs Bett und zog ihm ungnädig die Decke weg. „Schwing die Hufe, sonst sind alle guten weg. Eure Majestät, ich meine es ernst.“ Er blieb eiskalt liegen. Was in dem Fall sogar passte, da ich das Fenster sperrangelweit aufgerissen hatte und der Wind bereits vereinzelte Flocken ins Zimmer trieb. „Schön“, wandte ich mich ab, „ganz wie Ihr wollt, eure Heiligkeit“, fügte ich gleichgültig hinzu und verließ das Schlafzimmer Richtung Küche. Kurzdrauf vernahm ich ein Poltern, welches darauf hinwies, dass er die Anspielung aufs angedrohte Zölibat erkannte hatte. Dann ein Fluchen und kurzdrauf tauchte er mürrisch im Türrahmen auf. „Ich habe Kaffee gemacht, müsste noch warm sein, Milch steht auf dem Tisch“, strahlte ich ihm ungewohnt guter Laune entgegen. Er starrte mich noch eine Weile vorwurfsvoll an, wie ich die Dreistigkeit besitzen konnte, ihn zu nachtschlafender Zeit aus der Koje zu prügeln. Dann nahm er seine Tasse und setzte sich an den Küchentisch.

Nur zwei Stunden später fegte er aufgeregt durch den Schnee, wie ein Welpe der seinen ersten Winter erlebte. Wir waren nie Ski fahren und in Patras hatte es, wenigstens Zeit unseres Lebens nie geschneit. Es war also neu für ihn. „Phai, schau mal“, er hielt mir seine Hand hin und zog eine enttäuschte Grimasse als die Schneeflocke schmolz, bevor ich seine Entdeckung würdigen konnte. „Warte, ich fang dir noch eine.“ Mein Blick schweifte über die Bäume, die am Wald benachbart zur Stadt zum Verkauf gezüchtet wurden. Die waren etwas teurer als die abgefertigten, die man auf dem Rathausplatz erstehen konnte, doch um einiges schöner. Und da es unser erstes gemeinsames Weihnachten nach achtzehn Jahren war, wollte ich, dass alles perfekt lief. Mehr erwartete ich nicht. Weniger jedoch auch nicht. „Da!“ Er hätte mir beinahe eine gewischt, als er erneut die Hand vor meine Nase hielt. „Ich würde sie für immer für dich einfrieren, wenn ich könnte“, seufzte er und beobachtete, wie seine neuste Errungenschaft sich ebenfalls in Wasser verwandelte. „Versuchst du gerade romantisch zu sein?“, säuselte ich etwas angetan. „Heute ist Weihnachten, das Fest der Liebe!“ Er breitete freudig die Arme aus. „Du meinst das Fest des Kapitalismus' “, murmelte ich, konnte mir ein Schmunzeln jedoch nicht verkneifen. Warum war er nochmal mit mir zusammen, ich war so ein verdammter Zyniker. Er warf mir einen kurzen Seitenblick zu und griff wortlos nach meiner Hand. „Was hältst du von dem?“ Mit der freien Hand deutete ich auf eine gut 1,60 Meter hohe Tanne. Er legt den Kopf schief und musterte sie. Dann verneinte er und zog mich weiter. Er war wählerisch. Sehr sogar und so liefen wir gut eine Stunde zwischen den Bäumen umher. Der eine war zu schief, der andere zu klein. Doch dann blieb er endlich vor einer Nordmanntanne stehen und nickte zufrieden. Eilig, bevor er seine Meinung wieder ändern konnte, winkte ich einen Mitarbeiter heran, der ihn sägen und verpacken sollte. Als ich ihm nach getaner Arbeit folgte, wandte ich mich suchend nach meinem Freund um, es kam mir verdächtig ruhig vor, als er seit gut zwei Minuten kein Wort verloren hatte. „Alex?“ Eine Weile drehte ich mich im Kreis und entdeckte ihn schließlich zwischen den Stämmen zweier Bäume mit dem Gesicht am Boden liegen. „Scheiße“, stieß hervor und drehte ihn schnell auf den Rücken und prüfte seinen Puls, dann ließ ich mich beruhigt neben ihn sinken und wartete, bis er wieder zu sich kam.

„Wir müssen dringend an deiner Selbstbeherrschung arbeiten, Schätzchen“, half ich ihm zurück auf die Füße. Er blinzelte verwirrt und schob seine rote Strickmütze zurecht. „Tut mir leid, ich habe gar nicht gemerkt, wie… ich weiß auch nicht.“ „Wo warst du?“, fragte ich neugierig und wartete, bis er bereit war, mir zu folgen. „Ich weiß nicht so genau.“ Vorsichtig tastete er sich ab und sah sich dann erleichtert um. „Irgendeine Schlacht, glaube ich. Zum Glück war ich er, sonst wäre ich in wenigen Minuten drauf gegangen.“ „Minuten?“, lachte ich schallend und machte mich auf den Weg zurück zum Stand. Etwas gekränkt folgte er mir und griff erneut nach meiner Hand. Dann hielt er mich zurück und zog mich unauffällig zwischen zwei Tannen. Er lächelte schief und legte sanft die Hände um meinen Kiefer. „Wir waren so scharf aufeinander damals. Dass das nie so überliefert wurde, ist mir ein Rätsel.“ „Ich wollte es nicht“, lächelte ich leise. „Ich fürchtete man könnte glauben, ich hätte es bloß wegen deiner Zuneigung so weit gebracht. Und das hätte mich tief in meiner Würde verletzt.“ Er schnaubte leise und verdrehte die Augen. „Würde… was ist das schon?“ „Etwas was uns menschlich macht.“ Er sah mich eine Weile schweigend an. „Du hast auch auf alles eine Antwort, nicht wahr?“ Er strich mit dem Zeigefinger behutsam über meine kalten Lippen und küsste mich. „Hast du darauf auch eine Antwort?“, raunte er in unseren Kuss als mir die Gänsehaut über den Körper glitt. Ich wusste nicht, wie er es tat, doch jedes Mal, wenn er mich so berührte, verfiel ich ihn eine Art Schockzustand, der mich für Sekunden dumm werden ließ und so brachte ich auch jetzt kein gescheites Wort heraus. Er grinste triumphierend. Doch dann zog ich ihn am Nacken zu mir herunter und drang mit der Zunge in seinen Mund ein ein. Er zog mich fest an sich und ging atemlos auf meine Berührung ein, bis wir gefühlte Minuten später nach Luft rangen. „Schlagfertig“, lächelte er und zog mich dann weiter in Richtung Kasse.

Alexander eilte zur Tür als es gegen sechs Uhr abends klingelte. Auf die Minute pünktlich und er freute sich wie ein Schneekönig auf ihre Ankunft. Seit einem Jahr hatte er seine Familie nicht mehr gesehen, da seine Mutter oft unterwegs war und seine Schwester in England studierte. „Mein Sohn!“, hörte ich Electra im Flur rufen als sie aus dem Aufzug traten und Alex bereits im Hausflur auf sie wartete. Eilig setzte ich die letzte Schüssel auf den Tisch und zündete die Kerzen an. Dann waren sie auch schon drin und legte eifrig plaudernd ihre Sachen ab. „Gepäck könnt ihr ins Gästezimmer legen, es macht euch doch nichts aus, euch ein Doppelbett zu teilen?“, begrüßte ich die beiden Frauen. „Hephaistion!“ Meine Schwiegermutter streckte freudig ihre Arme aus, während Thalia leise in sich hinein gluckste, vermutlich immer noch nicht begreifend, was ich getan hatte, um mit diesem Namen bestraft zu werden.

„Das ist unfassbar köstlich. Hast du das gekocht?“, wandte Electra sich an mich, als würde sie ihrem Sohn gar nicht erst zutrauen, kochen zu können. Dabei musste ich schmerzlich zugeben, dass Alexander zumindest in der Küche eine bessere Figur machte als ich. Als ich noch alleine gewohnt hatte, ließ ich mir stets etwas kommen. Er warf ihr einen skeptischen Blick zu, während ich leise schmunzelte. „Nein, dein Sohn hat gekocht, ich habe mich um den Baum gekümmert, nickte ich in Richtung der Fensterwand, wo die geschmückte Tanne sich über den Lichtern der Stadt und der einfallenden Dunkelheit abhob. „Wunderschön“, lächelte sie. Alex sah sie mürrisch an, als hätte ich ihm den Status des Lieblingssohnes streitig gemacht. „Und, Alexandros, erzähl doch mal, wie läuft‘s hier in Dublin, du erzählst ja nicht sonderlich viel.“ „Wie auch, du hast ja ständig kein Netz, mitten im Nirgendwo.“ Ich warf ihm einen tadelnden Blick zu, bevor er fortfuhr. „Ich arbeite für die Sinn Féin im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Nicht gerade was ich mir vorgestellt habe, aber es macht Spaß.“ „Er arbeitet unter Gerry Adams, Parteivorsitzender seit 1983. Eine Legende im irischen Parlament“, erklärte ich mit einem Hauch von Bewunderung. „Allerdings wird die McDonald ihn in den nächsten Jahren wohl den Rang ablaufen, sie ist sehr charismatisch.“ Ich merkte schnell, dass ich bei dieser Familie auf politisches Desinteresse stieß. Seit Stefano tot war, hatte sich seine Witwe vollends aus dem Bereich zurückgezogen und Thalia war schon immer der anarchische Typ gewesen. Völliger Schwachsinn, wenn man mich fragte. Tat aber niemand. Da schieden sich dann ja bekanntlich die Geister. Alex warf mir ein wohlwollendes Lächeln zu und nickte. „Noch Wein, jemand?“, fragte ich deshalb in die Runde? Sie nahmen an und kurzdrauf entwickelten sich die Gespräche in geselligere Bereiche. Beinahe dankbar erhob ich mich, als sich das Telefon aus dem Flur meldete. Mit einer genuschelten Entschuldigung verschwand ich aus dem Wohnzimmer und griff zum Hörer.

Unbekannte Nummer. „Ja bitte“, meldete ich mich argwöhnisch. „Hephaistion?“ Für einen Moment schloss ich die Augen und zog die Stirn kraus.

„Bist du das, du klingst so anders?“

„Dinge geschehen, Menschen ändern sich, Amaira, wie kann ich dir helfen? Und das möglichst schnell, ich habe Besuch.“ Ich hatte nicht damit gerechnet, dass meine Mutter sich ausgerechnet heute melden würde.

„Wie geht es dir?“

„Hat der Geist der Weihnacht dir ein schlechtes Gewissen eingejagt?“

„Liebling, du weißt, ich habe niemanden mehr außer dir!“

„Das ist nicht mein Problem. Ich wünsche dir ein frohes Fest.“ Ich wollte gerade auflegen, als sie harsch meinen Namen rief.

„Wie lange willst du mich noch mit deinem Schweigen strafen?“

„Bis du dich entschuldigt hast, Mutter!“

„Ich sagte so oft, es tut mir leid. Ich habe überreagiert, das weiß ich jetzt.“ Ich schnaubte wortlos.

„Nicht bei mir, bei Alex… Alexandros.“ Es herrschte Stille in der Leitung. „Ihn einen Mörder zu schimpfen geht einfach zu weit!“ Sie schwieg noch immer.

„Wer ist bei dir?“

„Er ist bei mir. Und die Vangelis‘*… Electra, sie hat wieder geheiratet. Sie und Thalia sind zur Feier da.“ Ein lautes Klonk kam aus dem Wohnzimmer und ein leiser Aufschrei seitens genannter. Besorgt lehnte ich mich zur Seite und späte zum Esstisch, wo mein Mitbewohner mit dem Gesicht im Essen gelandet war, während seine Mutter versuchte, ihn vorsichtig zu retten. Seine Schwester war in schallendes Gelächter ausgebrochen.

„Dann will ich euch nicht weiter stören. Bitte ruf mich die nächsten Tage nochmal an, ich möchte in Ruhe mit dir reden.“

„Ich habe dir nichts zu sagen!“

„Ich aber und wir werden reden!“ Irgendwoher musste ich meinen Dickschädel ja haben. Also legte ich auf mit dem Versprechen, sie demnächst zurückzurufen. Ob ich es tatsächlich tun würde, stand noch in den Sternen. „Was ist passiert?“ Eilig beugte ich mich über Alex, der nun reglos auf der Couch lag. Seine Mutter kniete in ihrem roten Samtkleid neben ihm auf den Teppich und hielt seine Hand. „Soll ich kaltes Wasser holen?“, kicherte Thalia noch immer. Wir schüttelten synchron den Kopf als Electra mir mit einem Blick zu verstehen gab, dass man dieses Problem nicht mit Wasser lösen konnte. „Schatz, holst du bitte einen Lappen und wischst den Tisch etwas ab?“ Ehe ihre Tochter protestieren konnte, sah ich sie ebenfalls bittend an und so ging sie widerwillig, während ich mich neben das Sofa kniete. „Er ist noch zu unsicher“, seufzte sie besorgt. „Du musst ihn unterrichten, sonst fürchte ich ernsthaft um sein Wohlergehen. Stell dir mal vor, es passiert am Gleis, oder im Auto.“ „Ich gebe mein Bestes, wann immer ich kann“, versicherte ich ebenso leise. „Irgendwas in ihm sträubt sich dagegen. Als hätte er vor etwas Angst, aber ich weiß nicht was es ist.“ Wir blickten beide hinab auf sein friedliches Gesicht. Diese Reisen waren anders als Schlaf. Der Körper reagierte mit keiner Faser. Es war als läge er im Koma, da Verstand und Seele fort waren, als wäre sein Körper bloß noch eine Hülle. „Ich werde nochmal mit Mustafa sprechen. Ich habe ihn bereits mehrmals gebeten Alexandros als Schüler aufzunehmen, aber er passt nicht in sein Metier… seine Worte“, fügte ich hinzu als sie mich argwöhnisch musterte. Sie hatte nie viel von dem Seher gehalten und sie tat es noch immer nicht. Sie hatten wohl ihre Differenzen was Stefanos Beteiligung am Vorstand anging. „Ich habe zwischen den Feiertagen und Silvester frei, ich denke, da werde ich ihn mir nochmal etwas vorknöpfen.“ „Und wie macht er sich sonst so?“ Ihre Stimme wurde noch etwas leiser, als ihre Tochter mit dem Lappen zurückkam und wortlos den Tisch vom Essen befreite, welches ihr Bruder bei seinem Absturz über die Platte verteilt hatte. Ich nickte nichtssagend und blickte eine Weile versonnen auf sein Gesicht hinab. Sie musterte mich abschätzend und folgte dann meinem Blick. „Wie nah steht ihr euch?“, fragte sie mit ihren Augen auf meiner Hand, die sich behutsam auf seinen Kopf gelegt hatte, als wollte ich ihn beschützen. Ich schluckte und schaute dann mit einem seufzen auf. Er hatte ihr also nichts erzählt. Ich wusste nicht, ob ich verärgert, oder verletzt sein sollte. Langsam zog ich die Hand zurück und verschränkte meine Finger ineinander. „Du weißt, wer wir waren“, erwiderte ich, als würde das bereits alles erklären. „Wir werden uns immer nahestehen. Wie nah, das werden wohl nur wir selbst begreifen.“ Sie nickte stumm, als bräuchte sie keine weitere Ausführung.

„Schläfst du auf der Couch, wenn wir das Gästezimmer nehmen, ist das nicht etwas unbequem bei deinen 1,80?“ Alex winkte ab und wich meinem Blick dabei aus, als wir uns nach seinem Erwachen den alljährlichen Weihnachtsfilm anschauten. Er schien zu merken, dass ich es wusste. „Alexandros schläft nicht auf der Couch“, beantwortete ich Electras Frage, woraufhin mein Freund die Augen etwas aufriss. „Nicht? Wo dann?“ Er erhob sich und winkte mich mit, bevor ich weiteres Unheil anrichten konnte. Kurzdrauf schloss er die Küchentür hinter sich und sah mich eindringlich an, während die Damen eine Tür weiter beim Auftritt des Grinchs in schallendes Gelächter ausbrachen. „Bitte, behalt es noch etwas für dich“, flehte er leise. „Wie lange, Alex? Bis sie auf dem Sterbebett liegt? Du solltest ihr etwas mehr Vertrauen entgegen bringen, sie ist deine Mutter.“ „Man sieht ja, wie wunderbar das funktioniert“, knurrte er und verschränkte die Arme vor seiner Brust, sah mich dabei jedoch nicht an. Ich merkte, dass er das Gesagte bereits bereute und so nahm ich es ihm nicht sonderlich krumm. „Tut mir leid“, nuschelte er undeutlich. „Ich will einfach nicht, dass sie genauso reagiert.“ „Hey“, ich zog vorsichtig seine Hände zu mir und hielt sie mit meinen umschlossen. „Ich hab mich nie wirklich mit meiner Mutter verstanden. Seit sie damals unsere Freundschaft unterbunden hat und dich aus meinem Leben verbannte, sprechen wir nur noch selten. Und das Outing hat dann den Rest getan.“ Er löste die Hände aus meinen und nahm vorsichtig mein Gesicht in die Handflächen, bevor er mich auf die Stirn küsste und sanft in die Arme zog. Ich spürte seine Lippen auf meinen Scheitel und ertappte mich beim lächeln. Verknallter Idiot. „Ich werde es ihr sagen. Morgen.“ Ich nickte versöhnt und so kehrten wir zurück zu den anderen.

Diese Nacht verbrachte Alexandros jedoch wirklich auf dem Sofa. Allerdings nur, weil ihm der Wein etwas zu Kopf gestiegen war und er mir zu schwer war, um ihn ins Bett zu tragen. Eine Angewohnheit, die er selbst nach über 2300 Jahren nicht ablegen konnte. Und so musste ich beim Eindecken des Tisches besonders vorsichtig bleiben, um ihn nicht zu wecken. Was eigentlich unnötig war, da ich eine Elefantenherde durchs Wohnzimmer hätte treiben können. Wenn der Wein erst mal seine Wirkung entfaltete, würde nicht mal eine Polizeisirene ihn wecken können. Als der Tisch zum Brunch bereitstand und die Damen auf den Beinen waren, ging ich neben ihm in die Hocke und begann vorsichtig seine Wange zu tätscheln. „Wach auf, Herzbube“, säuselte ich leise und grinste ihm entgegen, als er schwerfällig seine Lider öffnete. „Du kannst dich direkt an den Tisch setzten. Ich habe Kaffee gemacht, wie du ihn magst.“ Er hob fragend die Brauen. „Muskatnuss.“ Widerlich, aber er schwor darauf. Ein seliges Lächeln erschien auf seinem Gesicht und er lehnte sich etwas vor. Eilens wich ich ihm aus und erhob mich, da er noch immer eine leichte Fahne hatte und deutete in Richtung Bad, als Electra den Raum betrat. „Geh kurz unter die Dusche und putz die Zähne, dann darfst du mit essen.“ Murrend fügte er sich und schlurfte an seiner Schwester vorbei, die in Nirvana Shirt und Shorts im Rahmen aufgetaucht war, die Haare zum Knoten hochgebunden. „Wie machst du das?“, wandte sich seine Mutter erstaunt in meine Richtung. „Jahrelange Arbeit“, seufzte ich. „War bloß ein Witz, er frisst mir quasi aus der Hand… das ist mein natürlicher Charme.“ Dass die Sache größtenteils auf sexuellem Gehorsam basierte, musste ich sie ja nicht wissen lassen. Nach zehn Minuten setzte er sich wieder zu uns an den Tisch und Griff zum Brötchenkorb. „Ihr hättet ruhig auf mich warten können.“ „Hör auf, dich zu besaufen, wie ein Römer, dann kommst du auch pünktlich“, entgegnete seine Mutter. Das lag gar nicht mal so fern, seit dem Wissen, dass sein Erzeuger tatsächlich aus der italienischen Hauptstadt stammte. „Soll ich dir ein Kissen holen, falls du wieder Opfer der Gravitation wirst?“, grinste seine Schwester provokant und erntete dafür einen strafenden Blick ihrer Mutter. „Narkolepsie ist eine ernstzunehmende Krankheit.“ Sie hatte noch keine Ahnung. Hätte sich die Frage also auch erübrigt.

Gegen Nachmittag, als Thalia bereits zwei Stunden am PC hing und mit ihrem Freund in Liverpool skypte, wies ich Alexander erneut darauf hin, dass die Zeit gekommen war. Er wirkte arg nervös und schien sich innerlich zu sträuben. Doch schließlich nahm er seine Mutter beiseite und bat mich den Raum zu verlassen. Ich wusste, es oblag mir nicht zu lauschen, doch nach zehn Sekunden beschloss ich, genügend Anstand gewahrt zu haben und lehnte mich unauffällig neben die Wohnzimmertür. Sie sprachen nicht sonderlich laut und so vernahm ich nur Wortfetzen der Unterhaltung. „Weil ich es nicht für richtig halte, Alexandros, ganz einfach!“, enttäuscht schloss ich die Augen. Ich hätte es ihm so sehr gewünscht. Er schien etwas zu erwidern, doch sie unterbrach ihn. „Nein, da reden wir auch nicht weiter drüber-“ „Mutter, ich bitte dich!“ „Kein Wort mehr, das Hephaistion dir das angetan hat ist schlimm genug.“ „Ich bin ihm dankbar. Dank ihm weiß ich endlich, wer ich bin.“ Schritte kamen näher und ich wich eilig zur Küche aus, als seine Mutter an mir vorbeirauschte. „Electra“, ich hielt sie vorsichtig am Arm fest. „Bitte sei doch etwas offener, deinen Kindern gegenüber. Meine Mutter hat denselben Fehler begangen und jetzt-“ Sie stieß meinen Arm beiseite. „Fall mir jetzt bitte nicht in den Rücken. Ich bin doch bloß um eure Sicherheit besorgt. Und jetzt will ich nichts mehr davon hören!“ Energisch schloss sie die Tür des Gästezimmers hinter sich. Ich sah Alex besorgt entgegen. „Es tut mir leid, ich wollte nicht-“ Er hob beschwichtigend die Hand. „Lass uns jetzt nicht weiter drüber reden“, bat er mich leise und seufze. Na prima, wieder eine Beziehung zerstört.





tbc.



*Ein kleines easter egg zum Film am Rande. (Für Soundtrack Fans) Wer’s bemerkt, darf‘s gern reinschreiben ; )