Reborn in History II - Das Vermächtnis

GeschichteMystery, Romanze / P16 Slash
Alexander Hephaestion OC (Own Character)
22.02.2019
29.08.2019
21
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Nun, was soll ich sagen? Natürlich erst einmal herzlich Willkommen, oder herzlich Willkommen zurück, falls ihr den ersten Teil dieser Geschichte gelesen habt. Ich hatte nun schon fast vor zwei Jahren damit abgeschlossen, als ich den Fehler, oder wie man es nennen mag, machte, den Ordner mehr durch Zufall zu öffnen  und die Ideen nur so durch meine grauen Zellen jagten. Kein scherz, genauso muss es da oben ausgesehen haben. Außerdem habe ich die beiden schrecklich vermisst und mir ist nach genauerem lesen aufgefallen, dass manche Charaktere schlichtweg zur kurzgekommen sind und viele Fragen noch nicht beantwortet wurde.

Wie z.B. was ist mit Phais Eltern geschehen und wie sind sie in die Sache verstrickt, oder was genau hat es denn jetzt mit Alexanders Grab auf sich und die wichtigste Frage natürlich, würde eine Beziehung in Freiheit und ohne königlichen Verpflichtungen zwischen den beiden überhaupt funktionieren, scheinen sie doch manchmal grundlegend verschieden. Mit welchen Figuren der Geschichte gilt es sich auseinanderzusetzen und wohin wird es sie noch verschlagen? Und zu guter letzt, wird Alex es endlich mal gebacken bekommen,  seine Selbstbeherrschung in den Griff zu bekommen?

Das und vieles mehr werde ich hier beantworten. Wenn ihr mit dem Gelaber so gar nichts anfangen könnt, lege ich euch ans Herz den ersten Teil nochmal, oder überhaupt mal zu lesen, sonst wird das hier vermutlich nur verwirren. So ganz unter uns und ganz ohne Bescheidenheit, es lohnt sich.

P.s. Der Teil wird aus Phais Sicht erzählt. Warum? Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

Nun wünsche ich euch aber endlich viel Vergnügen beim Prolog, ja, dieses Mal hab ich es richtig und gehe euch nicht weiter auf die Nerven.

Auf, auf, Makedonen!

LG  - BirthOfASong <3







Schweigend saßen wir in meinem schwarzen Kleinwagen, während ich wie in Trance aus dem Fenster starrte und Alex nicht recht wusste, wohin mit seinem Blick. „Könntest du das wiederholen?“, murmelte ich leise, ohne ihn anzusehen. „Ich möchte bei dir bleiben. Also so ganz in echt jetzt. Ich habe dir ein Versprechen gegeben, damals auf Santorin und ich habe nicht vor, es zu brechen.“ Er machte eine kurze Pause und fuhr sich nachdenklich mit der Zunge über die Lippen, bevor er fortfuhr. Es waren diese kleinen, unauffälligen Eigenarten, die ihn so unverwechselbar machten. Das kurze Befeuchten der Lippen, wenn er nervös war, das leichte Stirnrunzeln, wenn er nicht ganz durchzusteigen schien, oder das kurz auflachen, wenn er über seine eigenen Witze lachte, die sonst niemand komisch fand. Es klang etwas als hätte er sich verschluckt und es war so ansteckend, dass man am Ende nicht über den Witz lachen musste, sondern über seine hinreißende Art. Meine Hände lagen noch immer stumm am Lenker, nachdem er mich geküsst hatte. und was für ein Kuss es war. Ich hätte ihn eine scheuern sollen, da er schließlich wusste, dass ich in einer Beziehung war, die zudem gut zu funktionieren schien. Doch seine Gegenwart so nah bei mir zu spüren und zu merken, dass nach all den Jahren die Funken zwischen uns nie wirklich erloschen waren, ließ mich dem Gefühl nachgehen. Und nun saßen wir hier und  ich erwartete, was er zu sagen hatte. Was der tatsächliche Grund war, dass er mich nach drei Jahren der Trennung wieder aufsuchte. „Ich brauche dich“, setzte er mit belegter Stimme fort. Er war nie ein Meister der großen Worte gewesen, weshalb er in den meisten Fällen mir das sprechen überlassen hatte, woran er gut tat, da er einen ganz schön in die Scheiße reiten konnte. „Nicht nur wegen diesem Seelenwandererzeugs, sondern… so emotional gesehen halt.“ „Versuchst du mir gerade zu sagen, dass du mich liebst, und das gestern Abend kein geistiger Aussetzer war?“ Alexander wirkte überrascht. Er schien nicht gedacht zu haben, dass ich sein gestriges Geständnis für bare Münze genommen hatte. Hatte ich aber. Auch, wenn es eher wie ein Vorwurf klang. Ich hatte nicht geplant, dass er sich in mich verlieben würde und ich hatte genauso sehr gehofft, dass die Gefühle für meinen besten Freund im Laufe der Zeit und in den Armen eines anderen, langsam erstickten, sodass wir irgendwann einmal zu dem zurückkehren könnten, was wir vor alle dem gehabt hatten. Vor dem Vorstand, vor dem emotionalen Krieg aus Gedanken und Gefühlen, die unsere Freundschaft zum kippen gebracht hatten. Und früher hatte ich stets geglaubt, sie würde alles überleben. Hatte sie das vielleicht, oder hatte sie nie wirklich eine Chance gehabt? Sein Blick war ebenfalls aus der Frontscheibe gerichtet und versuchte allem Anschein nach, die richtigen Worte zu finden. Er war nicht blöd, er hatte nur nicht das Talent, sich so galant auszudrücken, wie manch anderer. Meine Wenigkeit eingeschlossen. „Ja“, meinte er dann, ohne mich anzusehen. Ich hätte gelogen, wenn ich behauptet hätte, ich wäre in diesem Moment überrascht gewesen. Er war immer emotionaler gewesen als ich, was simpler weise daran lag, dass ich meine Zunge gezielt einsetzen konnte, emotional gesehen, jedoch eher unterentwickelt war. Was nicht hieß, dass ich nicht fühlte, ich brachte es nur einfach nicht oft zum Ausdruck. Nur durch seine Sturheit und seine unerschütterlichen Treue hatte ich es geschafft, ihm so nahe zu kommen, wie wir uns nun mal waren. Ich blickte auf als ich merkte, dass er mich musterte. Er schien auf irgendetwas zu warten. „Wie geht es jetzt weiter?“, sprach er die Frage aus, die seit einer geraumen Weile durch meinen Kopf geisterte. Ich hatte einen Freund und ich liebte ihn. Doch war mir von Anfang an klar gewesen, dass die Bindung, die ich zu meinem Kindheitsfreund verspürte, einzigartig war. Joseph war ein guter Mensch und es wäre erneut gelogen, wenn ich sagte, er würde mich nicht glücklich machen. Doch glücklich sein und pures Glück empfinden, wie ich es tat, jedes Mal wenn Alexander mir nahe kam, waren zwei unterschiedliche Paar Schuhe. „Liebst du mich noch?“, hakte er nach, als er nach einigen Minuten Schweigen noch immer keine Antwort erhielt. Die Frage hatte ich mehr gefürchtet als jede andere. Er suchte meinen Blick. Ich konnte die Furcht vor Ablehnung in seinen dunklen Augen sehen. Anstatt ihm zu antworten, lehnte ich mich über die Kupplung und küsste behutsam seine Wange. Er schloss die Augen und seufzte. „Alles klar“, murmelte er verstehend und fuhr sich müde übers Gesicht. „Du hast gewonnen, ich nehme den nächsten Flug zurück.“ Noch bevor ich etwas erwidern konnte, hatte er die Autotür hinter sich zugeschlagen und lief in Richtung Ausfahrt. Ich schluckte schwer und ließ meinen Kopf aufs Lenkrad sinken, bevor ich den Schlüssel im Zündschloss drehte und zurücksetzte. Vielleicht war es das Beste so.



Irgendetwas war anders. Mein Blick hing seit geraumer Zeit am Rücken meines Freundes, der dabei war das Essen von gestern aufzuwärmen. Seit einer Stunde bereits hing er am Telefon, wieso also hätte ich mit ihm reden sollen. Dann tat ich etwas, von dem ich nicht geglaubt hätte, es je wieder zu tun. Die Kartons aus der Abstellkammer heraus kramend, die wir unter anderem als Vorratskammer nutzten, fischte ich das Seelenbuch heraus. Drei Jahre hatte ich es nicht in den Händen gehalten. Zögernd schlug ich es auf. Als ich mein altes Leben hinter mir gelassen hatte, hatte auch der makedonische Edelknabe ein Ende gefunden. Ich war kein Meister, doch geschult genug, es zu unterdrücken. Wenn ich merkte, wie es meine Seele fortzog, hatte ich stets ein Leben gewählt, welches mir als unbedeutend erschien. Ein einfacher venezianischer Händler, der sein Geld mit dem Herstellen von Karnevalsmasken verdiente. Oder ein französischer Arzt zur Zeit der Revolution. Nichts, das Erinnerungen hätte wachrufen können, die unnötigen Schmerz auslösten. Meine Finger strichen andächtig über den Namen, der fein säuberlich vor wenigen Jahren seinen Platz auf diesen wertvollen Seiten gefunden hatte. „Megos Alexandros“, murmelte ich leise und konnte sein Gesicht so klar vor mir sehen, als säße er noch immer bei mir im Auto. War es das wirklich wert? Ich hatte den Druck und die Furcht des Kampfes gegen den Vorstand nicht vergessen und ich war froh, dass diese Art von Leben vorüber war. Wollte ich das wirklich wieder haben? Ich wusste, mit Alexander war mir ein normales Leben wie mit Joseph nicht vergönnt. Vorträge vorbereiten, Vorlesungen, Korrektur von Hausarbeiten und abends kam ich nachhause, legte die Füße hoch und schaute die Nachrichte, während mein Mitbewohner entweder kochte, oder Reste aufwärmte. Ich war zufrieden gewesen. Bis jetzt. Bis jetzt? Ein normales Leben war genau das was ich mir die letzen Jahre am meisten gewünscht hatte. Die Frage war jedoch, ob ich für ein normales Leben geschaffen war. Ich besaß diese Gabe und ich war gut darin. Es hatte mir stets Spaß gemacht in vergangene Leben zu reisen und Geschichte Hautnah mitzuerleben und ich hatte so kurz davor gestanden, ein Erwachter zu werden. Seelenpilgerer, die die Gabe besaßen in ihrem vergangenen Ich bewusst zu agieren. „Wieso hockst du in unserer Vorratskammer, magst du mein Essen nicht mehr?“ Ich fuhr ertappt zusammen und schlug eilig das Buch zu, bevor ich mich aufrichtete und die Tür hinter mir schloss. „Kommst du, dass Essen wartet.“ Er bemerkte das Zögern in meinen Augen gar nicht erst und das war gut so.

„Ich habe ja kein Problem damit, dass du ein kleiner Controllfreak bist“, meinte Joseph von seinem Buch aufschauend, als ich am Abend neben ihm lag, den Kopf auf meinen Arm gelegt, „aber könntest du bitte aufhören mich so anzustarren, es wird langsam unheimlich.“ „Ich schau dich nun mal gerne an… hast du ein Problem damit?“ Ich schüttelte seufzend den Kopf und drehte mich auf die andere Seite. „Bist du jetzt beleidigt?“ Ich schwieg. Er knurrte genervt. „Entspann dich, Buddha“, fügte er hinzu und wandte sich wieder seiner Lektüre zu. „Kannst ja eine Runde mit Cäsar abhängen und Wein trinken, oder sowas, macht ihr Griechen doch so gerne.“ Was hatte ich bloß getan? Mit einem Mal schlug ich die Decke zurück und erhob mich. „Was wird das denn jetzt?“ „Nichts… mir ist bloß eingefallen, dass ich vor einer halben Ewigkeit einen Fehler begangen habe, den ich wieder ausbügeln muss.“ „Und das kann nicht bis morgen warten?“ In Shirt und Jeans griff ich nach meinem Autoschlüssel und verließ fluchtartig die Wohnung. „Phai, sei doch nicht so eingeschnappt“, rief er mir hinterher, doch ich hatte bereits den Aufzug betreten.

Gut fünfzig Km/h über dem Tempolimit und sämtlich Verkehrsregeln missachtend, hielt ich mit quietschenden Reifen im Halteverbot, doch in diesem Moment war es mir egal. Als ich durch den Terminal lief, hatte ich bereits wieder vergessen, ob ich den Wagen abgeschlossen hatte, doch Zeit nochmal umzukehren, hatte ich nicht. Mit einem gehetzten Blick auf den Boarding Bildschirm lief ich ohne anzuhalten in Richtung der Gates. So hatte er sich also gefühlt, als er mir gefolgt war. Der Angstschweiß stand mir auf der Stirn, zu meinem Pech war ich nie sonderlich gut in Ausdauersport gewesen. Im Laufen zog ich mein Handy und suchte fahrig nach seiner Nummer. Scheiß Prepaid, natürlich stand sie nicht drin. Fluchend sah ich mich um als ich beim Gate ankam und stellte mit Schrecken fest, dass es bereits Leer war. Das Flugzeug fuhr langsam Richtung Rollfeld. „Nein, nein, nein ,nein!“ Ich schlug wütend gegen die Trennwand zum Raucherbereich und legte verzweifelt in den Kopf in den Nacken, bevor ich einen ungebührlichen Fluch ausstieß. Ich hatte es verbockt. Wieder einmal. Boarding closed stand auf dem kleinen Bildschirm vor der Ticketkontrolle und ließ mich von Bitterkeit erfüllt den Blick senken. Mit einem Mal hob ich den Kopf wieder und meine Augen weiteten sich als ich das Ziel unter der Anzeige las. Teneriffa. Teneriffa? Suchend blickte ich mich um. Falsches Gate. Ich stand am falschen Gate. Eilig lief ich die Nummern ab und blieb bei einer Durchsage abrupt stehen. „Passagiere des Fluges 1173 nach Athen checken bitte am Gate 21B ein. Das boarding schließt in fünf Minuten. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.” Für eine Sekunde blieb mein Herz stehen. Mein Blick fiel auf die Schilder über meinem Kopf. Gate 70A. Meine Füße machten auf dem Absatz kehrt und längst schon außer Atem, hetzte ich den überfüllten Gang wieder hinunter und erreichte nach definitiv mehr als fünf Minuten das Gate. Ich war zu spät. Nach Luft ringend ließ ich mich an der Wand gegenüber der Scheibe zum Gate nieder und schloss die Augen. So fühlte es sich also an, versagt zu haben. Passierte mir nicht oft und es war kein schönes Gefühl. Mein Herz zog sich schmerzlich zusammen. Das Gefühl hatte ich definitiv nicht vermisst.



„Du bist mir zum Flughafen gefolgt, wie kitschig!“ Beinahe euphorisch überkam mich die Erleichterung. Meine Lider öffneten sich als ich seine Stimme über mir vernahm. Er reichte mir seine Hand und verwirrt ließ ich mich hochziehen. „Alex-“, ich brauchte eine Weile, bis ich wieder zu Atem kam. „Du warst noch nie sonderlich gut in Sport. Bist du etwa den ganzen Weg hierher gelaufen?“ Ich nickte, bis mein Herz sich langsam wieder zu beruhigen schien. „Wieso bist du hier?“ „Ich will nicht, dass du gehst“, kam ich nun endlich zu Wort. „Wieso nicht?“ War das sein verfluchter Ernst? Mir fielen die passenden Worte nicht ein und das passierte mir selten. „Ich weiß nicht, ich… wieso bist du nicht in der Maschine“, kam es mir plötzlich. Nun war er es der zögerte. „Vielleicht habe ich ja insgeheim gehofft, dass du noch auftauchst. Auch, wenn ich dir so einen Kitsch nicht zugetraut hätte. Wieso also bist du hier?“ „Das sagte ich bereits.“ „Phai, wie du mir damals sagtest, dass du nicht mit ansehen möchtest, wie ich mir ein glückliches Leben mit meiner Frau aufbaue, so sage ich dir hier und jetzt das gleiche. Ich werde nicht deinen besten Freund mimen und mit ansehen, wie du mit deinem hübschen Bänker einen auf glückliche Familie machst.“ Ich sah ihn eine Weile stumm an. Unsere Plätz waren nun also vertauscht. Es war interessant zu sehen, wie er sich in meiner Position verhielt. Und es überraschte mich, dass wir uns in solch einer Situation nicht wirklich voneinander unterschieden. „Ich will dich ganz oder gar nicht, Phai.“ Er sah mir dabei direkt in die Augen. Er war niemand, der halbe Sachen machte, das hatte mir immer an ihm gefallen. „Könntest du deine Frage von vorhin bitte wiederholen“, meinte ich verlegen. „Welche?“ „Die du mir im Auto gestellt hast, kurz bevor du abgehauen bist wie ein trotziges Kind.“ Er seufzte. Es hatte keinen Zweck so zu tun als wüsste er nicht, wovon ich sprach. Alex sah, dass ich es sah und so blickte er mich erneut an. „Tu mir das nicht an“, flüsterte er leise. „frag mich!“ forderte ich erneut. Er schluckte gequält und wich meinen Augen aus, bevor er wieder meinen Blick suchte. „Liebst du mich noch?“ „Ich habe nie aufgehört.“ Es klang beinahe selbstverständlich. Das Lächeln auf seinen Lippen wirkte erst verunsichert, bis es zu leuchten begann. „Ja, ich liebe dich. So ganz in echt jetzt.“ Er presste die Lippen aufeinander und wusste nicht ganz wohin mit dem Blick. „Und wie geht es jetzt weiter? Die Frage hast du ebenfalls im Raum stehen lassen.“ Ich trat einen Schritt näher und überbrückte die wenigen Zentimeter zwischen uns. Ich sah das Zögern in seinen Augen. Für einen Moment nur hielt ich inne, bevor ich ihn küsste. Und es war pur und atemlos, wie ich es seit Jahren in Erinnerung behalten hatte. Die feuchte Hitze seiner Lippen schaltete mein Hirn für einen Moment auf Stand-by. Ertappt wich er zurück. Nicht, weil er meinen Kuss nicht gewollt hätte, es war die ungewohnte Freiheit, die dieses Land mit sich brachte. „Wir sind in Irland“, erklärte ich lächelnd. „Hier küssen Männer Männer und Frauen nun mal Frauen.“ Er blickte mich an wie ein Kind, das soeben ein neues Wort gelernt hatte. „Wenn du bei mir bleibst, sind wir frei. Das erste Mal sind wir frei und wir können zusammen sein, Alexandros. Ohne königliche Verpflichtungen, ohne Angst von der Öffentlichkeit verurteilt zu werden. Hier im 21. Jahrhundert. Wenn du mich noch willst, dann sag es jetzt und wir hören ein für allemal auf, voreinander davonzulaufen und unser Leben komplizierter zu machen als es ohnehin schon ist-“ Sein Kuss kam ungestüm und unerwartet, als er mich in seine Arme zog und seine Finger in meinem Haar vergrub. Da war es wieder, das unbändige Herzklopfen. Ich deutete das jetzt einfach mal als ein Ja.



Es war eines dieser Motels, die stundenweise gebucht wurden und niemand ein zweites Mal nachfragte. Ich empfand es seiner mehr als unwürdig, doch nachhause konnten wir nicht und warten konnten wir auch nicht. Es war wie ein Rausch, der wie eine Droge durch meine Blutbahnen jagte als ich mich vor ihm aufs Bett fallen ließ und ihn am Nacken zu mir herunter zog. Es war das gleiche Verlangen, das ich in seinen Augen auflodern sah wie drei Jahre zuvor in Rom. Doch etwas war anders dieses Mal. Dieses Mal waren wir frei. Frei von Angst und Zweifel und dieses Mal konnten wir ungezügelt unserem Verlangen nachgeben. Er war über mir und für keine Sekunde stellte ich das Geschehen in Frage, als seine Hand ungeduldig unter den Stoff meiner Kleidung fuhr. Das Bett war billig, das Zimmer nicht sonderlich sauber und in der Luft lag ein leichter Geruch nach Metall, der aus der rostigen Duschen zu kommen schien, doch das alles bemerkten wir nicht, während wir uns einander hingaben. Gierig drang meine Zunge zwischen seine Lippen, während seine starken Hände meinen Körper im Zaum hielten. Ich spürte ihn so nah bei mir, in mir, dass er mir das Gefühl verlieh, nie fortgewesen zu sein. Und mit einem Mal waren die drei Jahre ausgelöscht als hätte man die erase-Taste gedrückt. Seine Lust war ungezügelt und ich genoss das Gefühl gewollt zu werden, wie mich nie einer gewollt hatte. Und all die zerbrochenen Teile meiner Seelen, die über die Jahre hinweg wie spitze Scherben in mein Herz gedrückt und es hatten bluten lassen, fügten sich wieder zusammen. Und ich wollte ihn, wie ich nie etwas gewollt hatte und alles was er mit sich brachte. Ich wollte das Chaos und ich wollte die Vergangenheit, mit all ihren Ecken und Kanten, ich wollte genau das in meinem Leben haben. Trotz Schmerz und Verluste, die wir erlitten hatten, denn das alles gehörte zu uns, so sehr wie die glückliche Kindheit und das Abenteuer immer zu uns gehörten, seit wir uns mit vier Jahren das erste Mal gegenüberstanden. Vor fünfundzwanzig Jahren, als unsere Schicksale sich aufs Neue miteinander verflochten hatten. Und es war von Anbeginn klar gewesen, dass es uns immer wieder zueinander zurückziehen würde. So waren wir einfach, genau das machte uns aus. Die unerschütterliche Hingabe und Treue, die ich in dem Moment in ihm gespürt hatte, den ich in diesen dunklen Augen sah. Und ich hatte nicht eine Sekunde daran gezweifelt, dass wir zusammengehörten. Auch nicht als uns der Tod unserer Familien auseinandertrieb. Ob als Freunde oder Geliebte, es hatte nie eine Rolle gespielt. Würde es nie. Es war nicht unsere Schuld. Es war niemandes Schuld. Es war einfach so und es war zwecklos, es auch nur einen Moment in Frage zu stellen.







tbc.