Truth of Eden - Bis(s) zur Wahrheit von Eden

von RieZurk
GeschichteFamilie, Übernatürlich / P16
Carmen Eleazar OC (Own Character) Tanya
22.02.2019
10.10.2019
4
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4
Am Ende des Tages
 
Wie gut, wenn man einen Freund hat,
der ein Floß bauen kann. Dann braucht man sich
vor nichts zu fürchten.

Buchzitat von Janosch   aus Oh wie schön ist Panama  

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In Volterra herrschte Monotonie. Eleazar hatte gute Tage, doch die schlechten wurden immer mehr. Die Zeit war ein mieser Verräter. Er trainierte mit den anderen Wachen, sprach seltener, und war meist nur der ruhige Punkt, an den die anderen sich wandten, wenn ihre Tage zu dunkel wurden.

Der Spanier redete sich ein, es wäre Okay. Es würde ihm nicht weh tun, von Carmen getrennt zu sein. Oft schlenderte er nachts durch die Straßen von Volterra und blickte hinauf zu den Sternen. Denn die Sterne spendeten ihm Trost, weil gar nichts  Okay war.

Doch er war dankbar, dass Aro nicht nachfragte, wenn Eleazar die Hand zurück zog, bevor der Gabensammler auch nur Einblick in seine Gedanken bekommen konnte. Aro ließ es zu, dass der Spanier seine Gedanken nicht mehr mit ihm teilte.

Es war nur ein Gefühl, dass Eleazar sagte, was er nicht wollte. Und er wollte nicht, dass Aro Einblick in seine Gedankenwelt bekam. Er sehnte sich nach Hause, so sehr, dass er immer mehr den Wunsch verspürte, einfach los zu rennen. Volterra den Rücken zu kehren, erneut. Erneut, für immer.

Für immer gab es nicht. Dass war ihm mittlerweile bewusst. Eleazar wollte nicht wieder Teil der Leibwache werden, und doch wusste er, dass er sich nicht länger dagegen wehren konnte.

Mit einem seelischen Klacks und dem täglichen Hass um ihn herum, versuchte er das anzunehmen, was er nicht ändern konnte. Er hüllte sich in dunkle Kleidung, wie so einige andere Gardisten. Trug den dunklen aschgrauen Umhang der Volturi mit dem roten Samt als Innenfutter.So stach er nicht mehr aus der Masse der anderen Gardisten heraus.

Er bewegte sich stets mit einem Drang, aus dieser Eintönigkeit, um ihn herum auszubrechen.Er mied es länger als paar Sekunden in der Nähe von Chelsea oder Corin zu sein. Denn er spürte und merkte, wie deren Gaben sich an ihn zu schaffen machten.

Oft versuchte er sich damit zu trösten, dass er eines Tages Carmen wiedersehen würde. Dass er weiterhin gut war. Dass er nicht skrupellos und gemein war, wie die anderen Gardisten. Eleazar starrte in den Himmel. Die Steren funkelten ihm entgegen.

Das silberne Licht der Sterne und des Mondes beruhigten ihn. Vertrieben für einen Moment die Schatten, welche wieder näher krochen. Aus jeder dunklen schmalen Gasse, jedem dunklen Fleck krochen sie hervor, zogen sich immer näher zu ihm und waren dichter als jemals zuvor.

„Ich habe genug davon!“ platze es aus dem sonst so stillen Gealai heraus, der urplötzlich neben ihm  auftauchte. Der Rothaarige machte eine wütende Geste in der Luft, als ob er nicht all seiner Wut die richtige Wirkung verleihen konnte.

Eleazar drehte den Kopf, überrascht von dem Gefühlsausbruch seines besten Freundes, zu dem Rothaarigen Gardisten. „Genug von was?“ fragte er etwas verwirrt und spielte mit der Volturi-Kette in seinen Fingern herum.

Gealai machte eine undeutbare Handbewegung und funkelte ihn wütend an, ehe er antwortete: „Wie du dich benimmst! Trete der Wache offiziell wieder bei und werde wieder einer von uns! Aber hör auf mit diesem verdammten Theater, Eleazar!“

„Oh, ich kann nicht genug davon bekommen“, meinte der Spanier mit einem gedämpften Lachen. „Weißt du, dass Aro mir das auch gesagt hat, dass ich mich endlich entscheiden soll, wieder Teil der Wache zu werden? - Dummerweise habe ich keinerlei Interesse daran, wieder Gardist zu werden.“

Der Ire schlug seinem besten Freund auf die Schulter. „Lass Meister Aro aus dem Spiel! Du solltest zu deinem Wurzeln stehen. Zu deinem Schöpfer. Deinen Freunden. Zu Chloe, Adam und mir.“

Zu seinen Wurzeln stehen. Eleazar schluckte und blickte hinauf zu den Sternen und dem Mond, als würde er diese um Rat fragen. So oft waren diese leuchtenden Punkte und das kalte silberne Licht des Mondes seine Wegbegleiter gewesen. Auf jeder Mission waren sie seine Begleiter und seine Wegweiser gewesen. Sie hatten ihn jedesmal wieder nach Hause geführt.

Damals war Volterra – diese Stadt, dieser Ort – sein Zuhause gewesen. Seine Heimat. Der Ort, wo er hingehörte. Wo er meinte hinzugehören. Doch das war er heutzutage nicht mehr. Es war nur noch eine Erinnerung – aus seiner Vergangenheit.

„Du warst und bist mehr als nur ein Gardist“, sagte Gealai vorsichtig, um seinen Freund nicht zu erschrecken. „Du bist das Kronjuwel von den Meistern. Du bist unser Herz. Das kostbarste Heiligtum. Als du gegangen bist, haben wir nicht nur eine unser wichtigsten Verteidigungswaffen verloren, sondern auch das kostbarste Gut, was wir besessen haben. Und ich – ich habe zudem auch noch meinen besten Freund verloren.“

Was würde Carmen sagen, wenn sie in seiner Situation wäre? Was würde sie tun? Würde sie ihn warnen, nicht auf seine Freunde zu hören und ihn von jeglichen Abwegen fernhalten? Würde sie ihm verzeihen, weil er sich selbst nicht vergeben könnte, wenn er Aro´s Fordeurng und die seiner Freunde nachgab?

„Die Vergangenheit ist ein fremdes Land, Gealai“, erwiderte Eleazar mit belegter Stimme. „Dort wurden die Dinge noch anders gehandhabt. Ich habe heute eine andere Sicht auf die Dinge. Ich werde Aro nicht helfen, begabte Vampire an sich zu reißen, seine Sammlung zu erweitern, nur weil ich Zeit mit alten Freunden verbringen möchte.“

Der Ire sagte nichts, sondern umarmte seinen besten Freund fest. Und der Fähigkeitendetektor klammerte sich an den Rothaarigen, als wäre er sein Rettungsring. Er legte seine Stirn an die Schulter von Gealai und weinte tränenlos. Ließ all seine Verzweiflung, Sorgen und alles was ihn innerlich auffühlte hinaus.

Einen Moment, der sich wie eine Ewigkeit anfühlte, lagen sich die beiden Freunde in den Armen. „Du bist einer von uns“, flüsterte Gealai. „Du hast geschworen, für die gute Seite zu kämpfen, damit all das Böse nicht mehr existiert.“

„Ich weiß“; antwortete Eleazar ihm flüsternd. Seine Stimme klang erstickt, da er innerlich noch immer voller Zweifel war. „Aber wenn ich Aro helfe, helfe ich nicht den Guten, Lai. Wie kann man als Gardist gut sein, wenn es doch so verdammt falsch ist?“

Gealai schwieg und wusste nicht, was er antworten sollte. Wie sollte er Eleazar von etwas überzeugen, an dass er selbst nicht mehr glaubte. Der Ire verstand nicht, warum sein bester Freund nicht in ihre Reihen zurückkehren wollte. Was sollte denn so falsch daran sein?

„Ich kann die Last nicht tragen“, sagte der Dunkelhaarige Vampir gedämpft. „Ich bin – Ich bin dazu noch nicht bereit. Die ganzen Fähigkeiten....Aro wird mich nicht direkt wieder auf Missionen schicken. Er wird mich hier halten. Ich – Ich kann nicht noch länger umringt von begabten Vampiren leben. Ich will zurück zu meiner Familie – mir ist es hier zu kalt. Ich brauche Luft zum Atmen.“

Der Ire sah ihn erstaunt an und grinste etwas. „Ist es in Alaska nicht kälter?“ fragte er schmunzelnd seinen besten Freund und strich diesem durch die schwarzen Haare. „Wir sind in Italien. Hier ist es deutlich wärmer. Hier scheint öfter die Sonne und so weit weg ist Spanien auch nicht.“

„Du meinst, wir können nach Spanien?“ fragte Eleazar nuschelnd an Gealais Schulter. Der Rothaarige trat zurück und sah seinen besten Freund freundlich an, legte seine Hände auf die Schultern des Spaniers.

Es dauerte bis Gealai antwortete: „Natürlich. Aro hätte sicherlich nichts gegen einen kleinen Trip. Er weiß, was du durchmachst. Aro wird Verständnis dafür haben. Außerdem soll ein bisschen Heimat Gut tun, um wieder ins Gleichgewicht zu finden. Wie wäre es mit deinem Geburtsort?“

„Ich hätte nichts dagegen einzuwenden, mein Freund“, sagte der Fähigkeitendetektor leise. „Hier weiß ich nicht mehr, was ich fühlen soll. Ich fühle mich verbunden. Ich bin glücklich, obwohl ich mich am liebsten irgendwo verbuddeln möchte. Und ich denke ständig daran, mich der Wache wieder anzuschließen. Es ist, als würden viele Gardisten gleichzeitig mit ihren Gaben auf mich zielen. Ganz besonders  Chelsea, Corin und du.“

Gealai schluckte bei den letzten Worten von Eleazar. „Entschuldigung“, murmelte er beschämend und nahm seinen Freund wieder in den Arm. „Es ist nur so, dass Meister Aro mir gesagt hat, dass ich deine Entscheidung beschleunigen sollte. Es war falsch und unfair von mir, dich zu manipulieren. Ich muss deine Entscheidung respektieren. Verzeih mir, dass ich so gehandelt habe.“

„Bist du da, wenn ich Aro meine Entscheidung mitteile?“, fragte der Spanier seinen besten Freund. „Wirst du an meiner Seite stehen, egal ob ich mich dafür oder dagegen entscheide? Es nicht versuchen zu erzwingen, sondern einfach nur da zu sein. Bei mir. Als mein bester Freund, nicht als Gardist.“

Gealai sagte nichts, sondern hielt seinen besten Freund einfach fest. Eleazar atemte ein und aus, klammerte sich an den Rothaarigen, als wäre er das Einzige, was ihm vor dem Ertrinken bewahren würde. Der Ire strich den Dunkelhaarigen beruhigend über den Rücken, um ihm Trost und Halt zu vermitteln. „Ich werde da sein“, flüsterte er sanft. „Ich werde da sein, an deiner Seite, ich verspreche es,  mein Freund.“

„Wie gut, wenn man einen Freund hat“, sagte Eleazar und lächelte halbherzig. Seine Stimme klang belegt und seine Augen wirkten traurig. „Dann braucht man sich vor nichts zu fürchten. Ich habe so viel Glück, dass ich Chloe und dich damals gefunden habe.  - Danke, Gealai -  für alles.“

Der Rothaarige lächelte ebenfalls und sah seinen besten Freund erfreut an. Es erfreute ihn, diese ehrlichen Worte zu hören. Am Ende des Tages unterm Sternenzelt, standen sie beieinander und gaben sich einander Halt. Hielten sich aneinander fest. Eleazar hatte so viel verloren, und egal wo er nun landen würde, er hatte eine Entscheidung getroffen.