Die Sklavenhändler vom Reichsforst

KurzgeschichteFantasy / P12
21.02.2019
21.02.2019
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Hallo, ihr Lieben.
Hier mal etwas ganz anderes von mir.
Ich spiele seit ein paar Monaten das Rollenspiel DSA und durfte vor ein paar Tagen mein erstes Abenteuer leiten.
Das habe ich hier mal zu Papier gebracht.
Viel Spaß damit :-)


Das Abenteuer begann in Alriksfurt, einem kleinen beschaulichen Dorf mitten in Aventurien.
Die Häuser zeugten von bescheidenem Wohlstand und waren zumeist aus Holz, einige auch aus Stein erbaut.
Die Straßen des Dorfes waren nicht gepflastert, aber das störte niemanden der Dorfbewohner.
Die Alriksfurter waren eine Ansammlung aus Handwerkern und Jägern, aber auch Bauern und Handelsleute waren unter ihnen.
Unweit von Alriksfurt befand sich der Reichsforst, ein unheimlicher Wald, über den es einige Legenden gab.
Geister, Feen und Ungeheuer sollten dort leben und ihren Wald vor dem Vordringen der Menschen schützen.
Vieles davon mochte Aberglaube sein, dennoch war der Reichsforst die Heimat von Räuberbanden, zu denen auch die orkischen Menschenhändler von Kurgh Gelbzahn gehörten. Aber später mehr davon.
Jetzt befinden wir uns erst einmal in der Taverne „Zum goldenen Apfel“.
Eine kleine Gruppe von Helden war an diesem Tag in Alriksfurt eingekehrt und saß lachend und Bier trinkend an einem Tisch.
Es war Mittag und die Taverne war gut besucht.
Plötzlich öffnete sich die Tür und ein weißbärtiger Mann stürmte herein.
Seine Kleidung war sehr gepflegt und zeugte von einem bedeutenden Posten im Dorf. Er war sehr aufgeregt und man sah ihm den Schreck ins Gesicht geschrieben.
„Es ist wieder passiert.“, rief er.
„Ein Kind wurde entführt.“
Ein Raunen ging durch den Schankraum und vom Tisch der Helden hörte man eine laute tiefe Stimme rufen.
„Das gibt es doch nicht.“
Der weißhaarige Zwerg Arbosch Sohn des Angrax hatte das Wort ergriffen.
Der Mann blickte zu ihm und machte sich geradewegs auf den Weg zu seinem Tisch.
„Den Zwölfen zum Gruße.
Ich bin Malor, der Dorfschulze und ich bin so froh euch hier zu finden.
Der Sohn unserer Schmiedin Gisla Thalbach, Severin, ist von einer Bande Orks entführt worden.“, berichtete er aufgeregt.
„Könnt ihr uns helfen ihn zu finden?“
„Orks haben ein Kind entführt?“ Geron Waisenmacher, der dunkelhaarige Söldner, wurde aufmerksam. Er hatte schon sehr schlechte Erfahrungen mit den Schwarzpelzen gemacht und wollte sie am liebsten alle tot sehen.
„Ja, und das nicht zum ersten Mal. Wir wissen nicht, was wir machen sollen.
Könnt ihr Helden uns helfen?“, fragte Malor und blickte aufgeregt in die Runde.
Die Helden liessen sich nicht lange bitten. Wenn es um ein Abenteuer ging, war man bei Ihnen genau an der richtigen Adresse.
„Natürlich helfen wir!“, rief Arbosch und die anderen Helden stimmten nickend zu.
„Erzähl uns was passiert ist.“
Malor setzte sich zu ihnen an den Tisch und berichtete, dass der zehnjährige Severin mit seiner Mutter im Wald spazieren war. Sie waren auf dem Weg zum See und Gisla erzählte ihm, dass Severin aufgeregt vorauseilte.
Als er sich zu ihr umdrehte, tauchten hinter ihm plötzlich drei gelbäugige, schwarz behaarte, große Orks auf.
Gisla zog ihren Schmiedehammer, konnte aber nicht verhindern, dass einer der Orks ihren Sohn über die Schulter warf und mit ihm verschwand.
Die anderen beiden kamen auf sie zu und verletzten sie schwer.
„Gisla Thalbach kuriert noch ihre Wunden.“, schloss Malor seine Erzählung.
„Das ist ja unfassbar.“, meldete sich Tjalva Garheltdottir, die rothaarige Thorwalerin, zu Wort.
„Sag uns, wo wir hin müssen, wir machen uns sofort auf den Weg.“
Malor zeigte ihnen auf einer Karte, wo das Ganze passiert war, und weil er nur das Beste für die Helden im Sinn hatte, gab er ihnen noch einen Heiltrank mit auf den Weg.
Dankend nahm die Waldelfin Layariel Wipfelglanz ihn entgegen und nachdem sie ihre Ausrüstung zusammen hatten, machten sie sich auf den Weg zum Reichsforst.

Am Reichsforst angekommen fanden sie ziemlich zügig die großen, tiefen Fußabdrücke der Orks und folgten ihnen.
Zunächst schien der Wald völlig normal zu sein, aber dann wurde er dichter und immer unheimlicher.
Immer wieder hörte man Äste knarzen und raschelnde Geräusche im Unterholz.
Irgendwann führte der Weg die Gruppe an einem Abhang entlang.
Der Boden war aufgeweicht durch ein Unwetter zwei Tage zuvor und brach plötzlich unter dem Gewicht der vier Helden zusammen.
Der Zwölfe sei dank, waren unsere Vier aber sehr geschickt.
Tjalva war so groß, dass die zwei Meter für sie, die sie herunterfielen, sich anfühlten wie ein Hüpfer.
Geron und Layariel rollten sich gekonnt ab und Arbosch war so robust als Zwerg, dass ihm der Sturz nur ein Schnaufen ausstoßen ließ.
Sie zogen sich wieder nach oben und folgten weiter der Spur der Orks.
Beim Durchqueren des Waldes waren sie nicht gerade leise, bis auf die Elfe vielleicht, und sahen sich plötzlich einem Wildschwein gegenüber stehen, das sie aufgeschreckt hatten.
Es sah sie mit loderndem Blick an und stürzte sich dann geradewegs auf Tjalva.
Layariel versuchte es noch zu beruhigen, weil es ihr zuwider war Leben zu nehmen, aber es gelang ihr nicht.
Und so musste sie mit ansehen, wie ihre Gefährten dem Wildschwein den Kopf spalteten.
Arbosch, der schon lange keinen Wildschweinbraten mehr hatte, packte ein Seil aus und band es um die Hinterläufe des Ebers.
„Das nehm ich mit, wenn wir zurückkommen.“, sagte er stolz und fing an das Tier auf einen Baum zu ziehen und fest zu zurren.
Dann machten sie sich weiter auf den Weg durch den Wald.
Nach kurzer Zeit erreichten sie eine Schlucht.
Eine kaputte Zugbrücke versperrte ihnen den Weg auf die andere Seite, auf der eindeutig orkische Lagerspuren zu erkennen waren.
Sie befanden sich also auf dem richtigen Weg und sollten schleunigst auf die andere Seite gelangen.
Nach kurzer Überlegung beschlossen sie, die Zugbrücke, mit Hilfe herumliegender Teile, zu reparieren, was ihnen auch gelang.
Sie überquerten unbeschadet die Schlucht und folgten zügig weiter den Spuren, die sie nach kurzer Suche wiedergefunden hatten.
Nach einer Weile stießen die Helden auf ein neues Problem.
Bis auf Geron, hatten alle schon das Geräusch eines Flusses wahrgenommen, bevor sie davor standen und auf die Überreste einer bis vor Kurzem noch vorhandenen Brücke schauten.
Die Orks mussten sie zerstört haben, um Verfolger zu behindern.
Sie überlegten kurz, ob sie vielleicht rüberschwimmen sollten, aber auch hier verließen sich die Helden auf ihr handwerkliches Talent und bauten aus den Resten eine improvisierte Brücke.
Wie beim ersten Mal, gelangten sie unbeschadet auf die andere Seite und hörten nach nicht all zu langer Zeit, grunzende Sprechgeräusche zwischen dem Dickicht.
Die Helden schauten sich an und legten nacheinander die Finger auf ihre Lippen.
„Schsch...“, kam es von allen.
„Orks!“, flüsterte Arbosch und deutete ins Dickicht.
Die Helden schlichen sich näher an die Geräusche und erblickten eine Lichtung.
In der Mitte stand ein einsamer Baum, an den Severin gefesselt war.
Er war geknebelt und weinte bitterlich vor sich hin.
Drei Orks standen ein paar Meter vor dem Baum und brieten über dem Feuer eine Ente.
Unsere Helden schlichen sich so nah wie möglich an den Rand der Lichtung, um sich einen guten Überblick verschaffen zu können.
Geron schlich sich ein wenig um die Lichtung herum und war der Erste, der seine Armbrust schussbereit hatte. Er feuerte einen Bolzen auf den Ork ab, der aussah, als ob er Wache halten würde.
Leider brachte ein Windstoß den Bolzen aus der Bahn und surrte an dem Ork vorbei.
Layariel versuchte das wieder gut zu machen und schoss einen Pfeil mit ihrem Elfenbogen ab, der den Ork in die Schulter traf.
Als der Schwarzpelz einen Schmerzensschrei ausstieß, stürzten Tjalva mit ihrer Orknase und Arbosch mit seinem Zwergenschlägel zum Kampf erhoben und mit lautem Kriegsgeschrei auf die Lichtung.
Die Orks zogen ihre Säbel und liefen ihnen brüllend entgegen.
Ein wilder Kampf entbrannte, in dem Eisen auf Eisen schlug, während Layariel zu dem Jungen lief und ihm seine Fesseln und den Knebel abnahm.
Sie umsorgte ihn, während ein Stück neben ihr einer der Orks laut brüllend versuchte die Lichtung zu verlassen.
„Kurgh. Wir müssen Kurgh warnen.“, grunzte er, bevor Arboschs Hammer ihn von hinten traf und schmerzhaft zu Fall brachte.
Nachdem Geron, verletzt von einem der Orks, diesen niedergestreckt hatte, begab er sich ebenfalls zu dem Jungen und vergewisserte sich, dass es ihm gut ging.
Tjalva und Arbosch streckten in der Zeit die anderen Orks mit wildem Kampfgeschrei nieder.
Nachdem es wieder still war auf der Lichtung, schaute Geron sich um und entdeckte eine Truhe neben dem Baum, an dem Severin gefesselt war.
Er war neugierig, denn es konnte sich nur um die Beute der Sklavenhändler handeln.
Während er versuchte das Schloss zu knacken, hörte er hinter sich Arbosch brüllen.
„Komm raus, Kurgh. Stell dich zum Kampf.“
Und auch Tjalva ließ ihr furchterrendstes Gebrüll erklingen, was Geron dermaßen erschrecken ließ, dass er es nicht schaffte das Schloss zu knacken.
Plötzlich hörten sie Geraschel und ein riesiger Ork, mit gelbfunkelnden Augen und gefletschten Zähnen, was seine großen Hauer noch bedrohlicher wirken ließ, rannte brüllend auf die Lichtung.
Arbosch und Tjalva stellten sich ihm kampfbereit entgegen, während Geron seine Armbrust spannte.
Als der Ork bei ihnen ankam entbrannte erneut ein erbitterter Kampf, aber am Ende lag Kurgh mit zertrümmertem Schädel am Boden. Geron legte die fast fertig gespannte Armbrust nieder und die Helden ließen ein lautes Siegesgeschrei hören.
Mit dem Jungen und der Truhe im Gepäck machten sie sich gut gelaunt auf den Rückweg nach Alriksfurt und das natürlich nicht, ohne Arboschs Wildschwein einzusammeln.
 
Als sie Alriksfurt erreichten, kamen ihnen schon Malor und Gisla entgegen.
Als Gisla ihren Sohn erblickte, rannen ihr Tränen des Glücks über das Gesicht und sie schloss ihn erleichtert in die Arme.
Dann blickte sie die Helden an.
„Ich weiß nicht, wie ich euch danken soll.
Ihr habt meinen Sohn gerettet.
Ich schwöre feierlich bei Ingerimm, dass ich euch eine Waffe oder eine Rüstung aus erlesener Qualität herstellen werde.“
Die Helden lächelten sie dankbar an.
„Auch ich habe euch zu danken.“, sagte Malor sichtlich erleichtert.
„Ohne euch wäre Severin versklavt worden.
Lasst uns feiern. Wir werden ein großes Fest veranstalten.
Im Keller der Taverne lagert genug Ferdoker Bier.“
„Und ich habe den Wildschweinbraten dabei.“, grinste Argosch.
„Lasst uns feiern.“, rief Tjalva und alle stimmten mit ein.
Dann feierten sie ein rauschendes Fest, an das Alriksfurt sich noch lange erinnern würde.
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