Von Sturm und Drang

KurzgeschichteDrama, Tragödie / P12
Ferdinand von Walter
21.02.2019
21.02.2019
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„Sophie! Bring mir das rote Gewand! Das mit dem silbernen Brokat! Heute muss ich wundervoll aussehen. Der Beamte des Fürsten hat mir persönlich berichtet, das der ehrenhafte Major Ferdinand von Walter heute seine Aufwartung macht! Das klingt wie Musik in den Ohren nicht wahr Sophie? Nein, antworte nicht!“
Lady Milford betrachtete sich in dem großen Spiegel und wartete ungeduldig auf das Gewand welches Sophie aufbürstete. Während die Lady weiter über die Ankunft des hohen Offiziers schwärmte, kleidet Sophie sie an und richtet ihr das Haar. „Sie werden dem Major bestimmt gut zu Gesicht stehen Madam. Doch, mit Verlaub, müssen Sie bedenken, dass Sie auf den Fürsten und seiner Gunst angewiesen sind.“ Sophies Hände zitterten ein wenig als sie die Haare der Lady hochsteckte. Solch Anmaßungen gegenüber der Lady konnten schwere Folgen haben.
Doch wider erwarten lachte die Lady bei diesen Worten laut auf. Allerdings klang es nicht gerade freundlich.
„Sophie! Du einfältiges Mädchen. Denkst du ich hätte dies nicht bedacht? Diese Annahme kränkt mich doch sehr! Natürlich werde ich dem Major im Stillen meine Aufmerksamkeit schenken. Und jetzt scher dich fort! Ich benötige dich nicht weiter!“  Schnell, um sich der Lady entziehen zu können, knickste Sophie und verließ das Gemach. Lady Milford öffnete eine kleine Schatulle und holte eines ihrer letzten Besitztümer hervor. Eine silberne Kette mit Smaragden bestückt. Den Rest ihres beachtlichen Schmuckes musste sie bereits verpfänden. Allein die Gunst des Fürsten, dass sie seine Geliebte sein durfte, rettete die Lady vor einem Leben das ihr als nicht lebenswert vorkam.
Sie legte sich das Schmuckstück um den Hals und betrachtete sich Selbstzufrieden im Spiegel. Die Lady war sich sicher, sie bekam alles was sie wollte.

Schnellen Schrittes lief Sophie mit einem Krug voll heißem Wasser durch die Flure. Sie musste ein heißes Bad für Lady Milford einrichten und konnte sich keine Pausen gönnen. Doch als sie um die nächste Ecke bog, stieß sie mit jemandem zusammen. Jemanden, der sofort begann laut zu fluchen.
„Passen Sie doch auf wenn Sie mit kochend heißem Wasser durch die Flure rennen Herrgott nochmal!“ Die Stimme gehörte einem Mann welchen Sophie sofort erkannte. Erschrocken stellte sie den Krug ab und knickste. „Verzeihen Sie Sir! Ich habe Sie nicht gesehen. Es tut mir furchtbar leid! Kann ich das wieder gut machen?“ Bei ihrer Bestürzung schlug Sophie sich die Hände vor den Mund und Tränen stiegen ihr in die Augen. Sie hatte doch tatsächlich den Major Ferdinand von Walter mit heißem Wasser die Hand verbrannt. Sie sah schon vor sich, wie ihr die Wangen wund geschlagen wurden.
In ihrer eigenen Betroffenheit gefangen, hatte sie nicht einmal gemerkt, dass der Mann vor ihr aufgehört hat zu fluchen. Er sah Sophie nur stumm an und begann dann zu lachen. Er lachte einfach! Fassungslos starrte sie ihn an. „Warum lachen Sie? Ich habe Ihnen gerade die Hand verbrüht! Ist dieser Umstand so zum lachen?“ Lauteres Gelächter war die Antwort. Schließlich riss er sich doch zusammen und antwortete Sophie. „Verzeihen Sie Miss aber ich lache, weil es Sie mehr zu treffen scheint, was mir soeben widerfahren ist, als das es mich trifft. Allerdings, wenn Sie schon Fragen was Sie tun können um diesen Fauxpas wieder gut zu machen, dann fiele mir da schon etwas ein.“ Lächelnd hielt der Offizier ihr seine verwundete Hand entgegen. „Da Sie die Verursacherin sind wäre es auch nur gerecht wenn Sie mich auch verarzten.“
„Es wäre mir ein Vergnügen. Doch zuerst muss ich der Lady das Wasser bringen.“ Noch schüchtern, jedoch wissend, dass sie keine Strafe erwarten muss, setzt Sophie ihren Weg fort. Ferdinand von Walter schaute ihr hinterher. Nur ein Blick in diese liebreizenden Augen dieses Mädchens und er empfand die Schmerzen in der Hand als erträglich. Er meinte sich zu erinnern, dass er sie vor einigen Tagen bei seiner Ankunft schon einmal gesehen hatte. Sie war, soweit er wusste, die Kammerzofe von Lady Milford, eine nervtötende Person die ihn seit seiner Aufwartung am Leibe zu kleben scheint. Doch ihre Zofe scheint von Liebreiz gezeichnet zu sein. Sofort breitete sich ein lächeln auf seinem Gesicht aus als das Mädchen zu ihm zurückkehrte.

Die hohe Gesellschaft fand sich an diesem Tag im großen Saal ein.  Anwesend waren der Präsident von Walter und sein hoch geschätzter Freund Hofmarschall von Kalb. Der Sekretär des Präsidenten unterbrach die Konversation der beiden des öfteren mit Belanglosem weswegen er schon zur früher Zeit vorgeschickt wurde. Der Offizier, und Sohn des Präsidenten, Ferdinand von Walter saß mit Lady Milford auf dem Sofa und hörte der Lady bei ihren Erzählungen zu. „Ach wissen Sie Sir, es ist wirklich erstaunlich, dass Sie in Ihrem Alter bereits Major sind! Sie müssen außerordentlich begabt auf Ihrem Gebiet sein. Darf man fragen was Ihr Geheimnis ist Sir?
Lady Milford beugte sich weiter zu ihm und gab einen beachtlichen Anblick in ihr Dekolletee frei. Die Lady weiß wie man jemanden für sich gewinnt. Schließlich hat sie auch den Fürsten höchst persönlich für sich gewonnen. Jedoch schien ihr Zielobjekt nicht darauf anzuspringen. „Dahinter steckt lediglich harte Arbeit. Ein großes Geheimnis würde ich das nicht bezeichnen.“ Um dem Gespräch nicht länger folgen zu müssen nahm er sich ein Buch zur Hand und versuchte dabei nicht allzu unhöflich zu wirken. Im Allgemeinen hatte er nichts gegen die Lady jedoch überschreitet sie des öfteren die Freundlichkeit gesellschaftlicher Formen. Außerdem war sein Kopf gefüllt mit den Gedanken an eine Andere. Sophie. Nun, nach ihrem Gespräch kannte er auch ihren Namen. Sie erschien ihm wie ein Engel zu sein.
Während Ferdinand über Sophie nachdachte, übersah er den verärgerten Ausdruck der Lady Milford. Doch lang währte ihre Verärgerung nicht. Sie bekam immer alles was sie wollte. Um nicht einfach untätig herum sitzen zu müssen, setzte sie sich an das Piano forte und zeigte ihr können. Nachdem sie endete, klatschten die Herren und der Hofmarschall von Kalb nannte sie ein Naturtalent. Bescheidenheit vortäuschend dankte sie ihm und verließ den Saal unter dem Vorwand etwas erledigen zu müssen. In Wirklichkeit aber schlug die Lady nicht den Weg zu ihrem Gemach an sondern lief in die Richtung der Räume des Offiziers.

Nun doch in das Buch vertieft lief Ferdinand von Walter durch die Flure zu seinen Räumen. Er musste sich für das Abendmahl kleiden. Ohne vom Buch aufzusehen betrat er sein Gemach, ließ die Tür halb geöffnet und zog sein Jackett aus. Dann jedoch musste er das Buch zur Seite legen und als er aufschaute sah er sie. Lady Milford lag in seinem Bett und blickte verführerisch zu ihm auf. Zu seiner Erleichterung registrierte er, dass sie noch was anhatte. Unfähig etwas zu sagen stand er in seinen Räumen und starrte sie an als wäre sie eine Erscheinung. Da er sich weiterhin nicht Rührte, stand die Lady grazil vom Bett auf und näherte sich ihm. Als sie vor ihm zum stehen kommt legt sie eine Hand auf seine Brust und bog ihren Rücken durch um ihm in die Augen schauen zu können. „Jetzt habe ich Sie da wo ich Sie die ganze Zeit wollte Sir.“
Freundlich aber bestimmt schob er die Lady von sich. „Falls es Ihnen so vorgekommen ist, als würde ich romantische Gefühle Ihnen gegenüber hegen so bedaure ich dies. Bitte verlassen Sie meine Räume Lady Milford.“
Die Lady, völlig vor den Kopf gestoßen, ließ sich widerstandslos von ihm hinausgeleiten und kam erst wieder richtig zu Sinnen als die Tür vor ihrer Nase schloss. Wen allerdings beide nicht gesehen hatten war der Präsident von Walter der das Schauspiel, was sich im inneren ereignet hatte, gesehen aber nicht gehört hatte. Am späteren Abend beschloss er seine Befürchtungen mit seinem Freund zu teilen. Dieser war zwar die rechte Hand des Fürsten doch der Präsident von Walter war sich sicher, dass ein solches Anliegen bei seinem Freund sicher wäre.
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