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Grown up - New Liberty

von Tell
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Het
Lex Slade
21.02.2019
20.06.2022
45
122.908
4
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11.05.2019 2.753
 
Die Sonne senkte sich zögerlich zum Horizont, während unter ihr die kleine Karawane über den Staub der Straße schlurfte. Sie hatten aufgehört, die Tage zu zählen, die sie schon unterwegs waren. Ihre Gesichter waren grau, ihren Rücken und Füße schmerzten, und die Zahl der Dinge, die sie mit sich nahmen, nahm beharrlich ab. Was beim Aufbruch noch unverzichtbar gewirkt hatte, war zu purem Ballast geworden: Bücher und Geschirr, Spielzeug und Bilder blieben zurück, wenn die Flüchtlinge weiterzogen. Was sich gegen Nahrung, Wasser oder eine Nacht in einem Bett eintauschen ließ, hatte längst neue Besitzer gefunden; nun war nur noch ein Rest übrig, der in Rucksäcken und Taschen getragen wurde. Wenige zogen noch einen Handkarren mit sich, und in den meisten waren keine Besitztümer, sondern Kinder, die zu klein oder zu schwach für die Wanderung waren.

Libbys Wagen schaukelte, und sie klammerte sich an den Seitenwänden fest, um nicht herumgeschleudert zu werden, während sie den Rücken ihres Dads betrachtete. Sie fand, dass es langsam Zeit wurde, wieder nach Hause zu gehen, zurück in die Siedlung, in der sie zuletzt gewohnt hatten. Aber noch waren wohl die bösen Menschen da, und ihr Dad hatte gesagt, dass sie sich ein neues Zuhause suchen würden; eines, wo es besser und schöner war. Libby konnte sich nicht vorstellen, dass es ein besseres oder schöneres Zuhause gab, aber ihr Dad hatte sie noch nie angelogen. Vielleicht, überlegte sie, würden sie in Zukunft in einem Schloss wohnen!

„Reiter!“ Der Ruf, der von der Spitze der Karawane kam, löste rege Geschäftigkeit in der Karawane aus: Jüngere Kinder wurden ins nahe Unterholz geschickt, während die Älteren sicher gingen, dass ihre Waffen in Griffweite waren. Auch Libbys Dad blieb nicht untätig: Er drehte sich zu ihr herum, grinste, als er sah, dass sie bereits begierig die Ärmchen ausgestreckt hatte, und nahm sie auf den Arm. Sie schlang die Arme um seinen Hals und die Beine so weit um seinen Rumpf, wie es gerade ging, reckte den Hals und spähte neugierig in die Richtung, aus der der Ruf erschallt war.

„Verfluchte Marshalls“, brummte Anna, die ihr Bündel enger an ihren Leib schnürte, während sie ebenfalls den Hals reckte. Libby fürchtete sich ein wenig vor ihr, weil sie schrecklich laut brüllen konnte; aber wenn sie einen Ort mit Feuerstelle erreichten und Anna kochte, reichte sie Libby immer eine besonders große Portion und strich ihr sanft über den Kopf. „Wenn sie uns wieder den Weg abschneiden, gehe ich ins Wasser, das sage ich dir.“

„Niemand geht hier ins Wasser“, sagte Libbys Dad ruhig, während das Mädchen sich fragte, warum Anna baden gehen wollte. „Warten wir doch erst einmal ab.“

„Warten wir ab, warten wir ab“, schnaubte Anna. Sie hatte nun die Hände frei und umklammerte einen Baseballschläger. „Noch einmal umdrehen können wir nicht! Ständig heißt es, sie hätten nicht genug Platz für uns, wir könnten nicht bleiben, wir fräßen ihnen die Haare vom Kopf. Ja, denken die denn, wir legen uns auf die faule Haut!“ Anna blinzelte, als wäre ihr etwas ins Auge geflogen, und Libby bemerkte, dass die Menschen in ihrer Nähe alle zu ihnen sahen. Sie sahen oft zu Anna, wenn sie etwas sagte. Ihr Dad sagte, das läge daran, dass Anna den Menschen gern vorschrieb, was sie taten, und dass die meisten Menschen nach so jemandem suchten. Libby war froh, dass ihr Dad nicht so war. Anna sagte oft, sie sollte nicht herumstehen oder sie sollte aufessen oder sie sollte ins Bett gehen, und Libby entschied lieber selbst, ob sie stand, aß oder schlafen ging. Oder sie ließ ihren Dad das entscheiden, aber das war ja im Grunde wie selbstentscheiden.

„Sie haben Angst, Anna“, erinnerte Libbys Dad sie, während er Libby beruhigend über den Rücken strich und die Straße im Auge behielt. Eine Staubwolke näherte sich von Westen – groß genug, um hinter ihnen Unruhe ausbrechen zu lassen. „Du weißt, was mit Gap geschehen ist.“

„Oh bitte.“ Anna kräuselte abfällig die Oberlippe. „Als wären wir so viele, um aus einem kleinen Kaff eine Großstadt zu machen. Die Rabbles haben nichts gegen Dörfer, nur gegen Städte.“

„Und weil sie so nett und zuverlässig sind, haben wir Basetown verlassen.“ Libby runzelte die Stirn und betrachtete das schmale Lächeln, das über die Lippen ihres Dads huschte. Sie mochte es nicht, wenn er so etwas tat: etwas sagen, dessen Klang nicht zu seiner Mimik passte. Vor netten Menschen musste man nicht fliehen!

„Wir sind gegangen, weil böse Menschen kommen“, erinnerte sie ihn vorsichtshalber – nur für den Fall, dass er es vergessen hatte. Anna sagte oft, dass Lügner in die Hölle kamen, und dann nannte sie Libby einen 'süßen Engel', und Engel waren im Himmel bei ihrer Mommy, also durfte Dad nicht lügen, weil sie sonst niemals wieder zusammensein würden.

„Richtig, mein Schatz.“ Ihr Dad wandte den Kopf und blickte sie an, und ihre Unsicherheit und Sorge schwanden – wie immer, wenn sie einander fest in die Augen sahen. Ihr Dad würde immer auf sie aufpassen und für sie da sein – das hatte er ihr versprochen, und Versprechen musste man halten.

Zufrieden kuschelte sich Libby an seine Schulter, obwohl seine Jacke schlimm nach Qualm roch. Ihr ganzes Leben lang roch ihr Dad nach Qualm und Rauch, und oft glänzte Ruß auf seinem Gesicht, wenn er mit der Arbeit fertig war, aber das war in Ordnung, weil Feuer ihm nichts anhaben konnte.

„Das ist Mason!“, brüllte es von weiter vorn. „Er hat jemanden dabei!“ Die Menschen in der Karawane atmeten auf. Libby seufzte. Mason gehörte zu ihnen – er war einer der wenigen, die noch ein Pferd hatten, und er spielte sich schrecklich auf. Sie mochte Mason nicht. Außerdem bedeutete seine Rückkehr, dass ihr Dad sie gleich wieder in den Wagen setzen würde, und sie wäre lieber auf seinem Arm geblieben.

„Ist das eine gute Neuigkeit, dass er nicht allein ist, oder eine schlechte?“, fragte Anna, und Libbys Dad zuckte mit den Achseln. Anna nagte auf der Unterlippe, während um sie herum Träger gelockert und Kinder zurück zu ihren Eltern und Geschwistern gerufen wurden. „Ich denke“, sagte Anna fest, „ich werde nachsehen.“

„Wir werden es sowieso erfahren“, brummte Libbys Dad, und ganz wie befürchtet, machte er Anstalten, sie wieder in den Karren zu setzen. Anna hielt sich nicht mehr mit Gesprächen auf, sondern machte sich auf den Weg an die Spitze der Karawane, wobei sie Püffe und Stöße verteilte, wenn die Menschen ihr nicht schnell genug Platz machten. Ihr Dad nannte Anna eine energische Person; Libby fand sie vor allem laut.

„Können wir nicht auch nachsehen?“ Libby klammerte sich enger an seinen Hals und sah ihn bettelnd an. „Bitte? Daddy?“

Erst zuckte nur sein Mundwinkel, dann auch seine Schultern. „In Ordnung, Schatz“, sagte er ruhig. „Aber du musst laufen.“

„Hurra!“ Libby warf die Ärmchen in die Luft, und ihr Dad nutzte die Gelegenheit, um sie auf die staubige Straße zu stellen und nach ihrer Hand zu greifen. Libby an der einen Hand, den Griff des Handkarrens in der anderen bahnte er sich seinen Weg durch die übrigen Menschen und folgte dabei der Schneise, die Anna hinterlassen hatte. Libby bemühte sich, mit ihm Schritt zu halten, doch je näher sie der Spitze der Karawane kamen, wo die Leute in einem Knäuel standen und ihr den Blick auf das versperrten, was sie da anstarrten, um so mehr musste Libby an der Hand ihres Dads ziehen, damit er auch rasch genug nachkam.

„...weiß, dass ihr es euch anders vorgestellt habt, aber das ist das Angebot, Leute“, hörten sie Mason erklären. Die anderen schien seine Erklärung nicht recht zu gefallen, denn sie murrten und maulten. Ihr Dad sagte allerdings, dass die meisten Menschen nichts schlimmer fanden, als nie maulen und murren zu können; das war also quasi ihr normaler Zustand.

„Wir wollen kein Hotel!“ Das war Annas energische Stimme. „Wir werden arbeiten, Herrgott! Warum sollten wir dafür zahlen, dass wir anschließend arbeiten?“

„Wir bezahlen nicht dafür, arbeiten zu dürfen“, widersprach Mason. „Wir bezahlen, dass wir uns auf ihrem Land ansiedeln dürfen.“

„Das ist eine ganz normale Maklerprovision.“ Libby kannte die neue Stimme nicht, aber sie gehörte eindeutig einem Mann. „Nur eine winzige Gebühr für meine Bemühungen, ein gutes Wort für euch einzulegen.“

„Das heißt, du kannst uns noch nicht einmal garantieren, dass es funktioniert?“, entfuhr es Anna entgeistert.

„Es wird funktionieren“, versicherte der Fremde geschmeidig. „Ich kenne einen Haufen Leute dort, darunter den Sheriff persönlich, und er schuldet mir einen Gefallen. Also macht euch keine Sorgen.“

Der Fremde klang nett, und Libby hätte ihn gern gesehen, aber sie hatten eine Mauer aus Beinen, Pos und Rücken erreicht, und ihr Dad würde mit dem Wagen kaum hindurchkommen. Libby zupfte an seiner Hand. „Kann ich bitte nachschauen gehen?“, wisperte sie und blickte bettelnd zu ihrem Dad hinauf, der im Gegensatz zu ihr vermutlich etwas über die Schultern und Köpfe hinweg erkennen konnte. Er runzelte die Stirn, und Libby befürchtete schon, dass er wütend wurde, doch als sie noch einmal an der Hand zog, sah er zu ihr hinunter, und Libby wiederholte piepsig ihre Frage.

„Aber lauf nicht zu weit“, sagte ihr Dad leise, und Libby strahlte, als sich seine Hand von ihren Fingerchen löste.

„Versprochen“, jauchzte sie und drängelte sich rasch zwischen den Beinen der Leute vor ihr hindurch, bis sie endlich ganz vorne stand.

Mason und der Fremde standen neben zwei schnaubenden Pferden, von denen Libby nur das schlanke braune kannte, auf dem Mason immer ritt. Der gedrungene Schecke musste dem Fremden gehören, und den vielen Taschen und Beuteln nach, die am Sattel hingen, hatte der Mann eine Menge Gepäck. Libby legte den Kopf, um ihn eindringlich betrachten zu können. Er war einer von den Großen, auch wenn er kleiner als Mason war. Seine Kleidung war schön bunt: ein helles Jeanshemd, schmale Hosen mit bunten Flicken, zerkratzte Boots und ein richtiger Cowboyhut, unter dem ein paar Strähne in sein Gesicht fielen, die heller als die dunkelbraunen Haare ihres Dads und dunkler als die blonden Haare von Anna waren. Seine blauen Augen funkelten, und Libby mochte sein spitzbübisches Grinsen und die Art, wie er auf seinen Hacken wippte, während die Großen um ihn herum ihn eher finster als freundlich ansahen.

„Wirklich, Mason?“, schimpfte Anna gerade. „Du brichst auf, um nach einem Platz zu suchen, wo wir heute lagern können, und du kommst mit dem da an? Willst du wirklich, dass wir uns auf das Wort von so einem Hallodri verlassen? Der kann uns doch viel versprechen, solange der Tag hell ist!“

„Bitte, Anna! Freunde!“ Mason hob beschwichtigend die Arme, während auch unter den übrigen Unruhe ausbrach und das Murren und Maulen wieder lauter wurde. „Ich gebe gern zu, dass es nicht das beste Angebot ist“, der Fremde grinste breit und schob die Hände in die Hosentaschen, „aber KC hier ist bereit, die Bezahlung erst in New Liberty anzunehmen. Das heißt, wir bezahlen erst dann, wenn man uns erlaubt, dort zu bleiben!“

„New Liberty“, flüsterte Libby ehrfürchtig, während jemand anderes fragte, was das denn überhaupt für ein Ort sei, dieses New Liberty. Libby wusste jetzt schon, dass es der schönste Ort der Welt war.

„Es ist eine nette kleine Siedlung“, begann KC zu erzählen. „Ein paar Farmen im Umland und ein bescheidener, aber florierender Ortskern. Der Sheriff gehört zu den Marshalls; ihr müsst also nicht befürchten, dass sein Wort nichts gilt. Und es gibt eine Palisade, die ausreichend Schutz vor vagabundierenden Tagedieben bietet. Nicht, dass euch jemand dafür halten könnte“, fügte er verschmitzt hinzu, und die ersten starrten betreten auf ihre Schuhe. „New Liberty liegt an der Route verschiedener Handelstrecks, die in jeder Saison vorbeischauen. Es gibt nichts, was man in New Liberty nicht bekommen würde!“

„Technik?“, erkundigte sich jemand aus den hinteren Reihen argwöhnisch, und KC lachte auf.

„Wir sind nicht lebensmüde“, erklärte er fröhlich. „New Liberty ist strikt gegen diesen ganzen Technik-Kram – falls die Rabbles sich also jemals zu uns verirren, werden sie keinen Grund haben, dort Stunk zu machen. Das ist ein Platz für ehrliche, harte Arbeit. Wenn ihr also mit anpacken wollt und jemanden habt, der Fürsprache für euch hält“, er machte eine Pause mitten im Satz, und Libby fragte sich, ob er vergessen hatte, was er eigentlich hatte sagen wollen, „dann stehen die Chancen gut, dass ihr euch ansiedeln dürft. Darauf habt ihr mein Wort.“

„Dein Wort“, brummte Anna.

„Also ich“, sagte Mason mit großartiger Geste, „vertraue KC, und...“

„Hey, ich kann absolut verstehen, wenn ihr euch Sorgen macht“, unterbrach KC ihn. „Ihr kennt mich nicht. Ich könnte sonstwer sein. Ich könnte sogar nur hier sein, um herauszufinden, ob ihr überhaupt Wertsachen mit euch führt, und euch dann in einen Hinterhalt locken. Wenn ihr also Angst habt, dann verstehe ich das. Wir leben nicht in einer Welt, in der alles prima ist. Das hier ist ein gefährliches Land, und wir alle haben gelernt, dass es nichts gibt, auf das man noch vertrauen kann. Als wir Kinder waren, hat sich unser Leben innerhalb weniger Wochen auf den Kopf gestellt, und nichts war mehr, wie es sein sollte. Wenn uns dieses Leben misstrauisch und vorsichtig gemacht hat, dann mit Recht! Ich habe in meiner Vergangenheit so einige Dinge durchmachen müssen. Ich bin eingesperrt, bedroht, verschleppt und versklavt worden; ich habe Freunde verloren, und ich habe lernen müssen, dass ich nur mir selbst vertrauen kann. Und dann, eines Tages, habe ich festgestellt, dass das nicht stimmt. Dass es Menschen gibt, die immer noch füreinander da sind. Dass es die Freundlichkeit von Fremden immer noch gibt, und dass wir lernen können, einander wieder zu vertrauen. Das ist doch die Grundlage von menschlichem Zusammensein, nicht wahr? Nicht wahr?“ Aufmunternd hob er die Brauen und sah den Menschen um sich herum der Reihe nach ins Gesicht, bis er am Ende an Libbys Gesicht hängen blieb. „Du“, sagte er freundlich und hockte sich hin. „Wünschst du dir nicht ein schönes neues Zuhause mit anderen Kindern, mit denen du spielen kannst? Ein Haus, in dem du mit deiner Familie wohnen kannst, eine Stadt mit einer festen Palisade drum herum, hinter der du sicher bist?“

Libby zog nachdenklich die Brauen zusammen. Sie wusste nicht genau, was eine Palisade war, aber das mit den anderen Kindern, das gefiel ihr. Dad und sie waren meist allein gewesen in ihrem alten Haus, weil sie mit ihren vier Jahren noch zu klein war, um alleine draußen spielen zu gehen, und Dad so viel an der Esse arbeiten musste. „Das klingt okay“, sagte sie langsam, und KC lachte.

„Okay.“ Er erhob sich wieder, streckte die Arme aus und wandte sich an die anderen. „Seht mich an. Ich trage keine Waffen, und ich bin allein. Ich habe nur Masons Wort, dass ihr mich nicht ausrauben werdet, und ich habe ihm vertraut. Alles, worum ich euch bitte, ist ebenfalls nur ein kleines bisschen Vertrauen. Im Gegenzug biete ich euch die Chance auf ein besseres Leben, besser als das hier.“ Er machte eine ungefähre Geste, mit der er die Straße und die Einöde umfasste, ehe er Anna ansah. „Ich kann euch zu nichts zwingen, schöne Frau, aber hätte man mir diese Chance geboten, als es mir so dreckig ging wie euch – ich hätte nicht zweimal darüber nachgedacht.“

Anna sah ihn an wie ein Insekt und schnaubte. „Du siehst mir auch nicht aus wie einer, der viel nachdenkt“, brummte sie, und KC lachte gutmütig.

„Also ich“, wiederholte Mason, „vertraue KC, und ich werde mit ihm nach New Liberty gehen. Ihr könnt uns euch gerne anschließen.“

Die Menschen begannen, die Köpfe zusammenzustecken; einige riefen KC auch noch Fragen zu, und er antwortete geduldig, doch Libby beschloss, dass sie genug gesehen hatte. Eigentlich hatte sie ihre Wahl schon längst getroffen: Immerhin hieß der Ort New Liberty!

Sie wuselte zwischen den Beinen der anderen hindurch, bis sie ihren Dad entdeckte, der schweigend und mit verschränkten Armen neben ihrem Karren stand und nachdenklich zu einem Punkt jenseits der redenden Menschen starrte.

„Dad, hast du das gehört?“, platzte es aus Libby heraus. „Der Ort heißt wie ich!“ Sie strahlte ihren Dad an, doch er reagierte nicht, sondern starrte nur weiter mit seltsamem Gesichtsausdruck in die Luft. „Daddy!“ Ungeduldig stieß sie ihn an, und tatsächlich blinzelte er und wandte ihr sein Gesicht zu. „Dieser Ort heißt wie ich!“, wiederholte sie mit Nachdruck. „Können wir da auch hingehen? Bitte!“

Libbys Dad zögerte einen Moment, doch dann verzog sich sein Mund zu einem schiefen Grinsen. „Wir sehen es uns auf jeden Fall mal an, Schatz“, versprach er.

„Hurra!“ Libby sprang auf, warf die Arme hoch und begann um ihren Dad herum zu laufen. „Wir ziehen in eine Stadt, die heißt wie ich!“, jubelte sie, und ihr Dad brachte es nicht übers Herz, sie daran zu hindern.
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