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Follow the Enderman

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Angst / P12 / Gen
Enderman OC (Own Character)
19.02.2019
27.03.2019
5
12.289
2
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
19.02.2019 2.253
 
Von ViridianGreengrass

Follow the Enderman

© Story by ViridianGreengrass
© Characters by ViridianGreengrass
© Game by Mojang & Markus "Notch" Persson

Kapitel 1. WitherSlayer & BoneDragon1408

Felix atmete tief ein, der Geruch von nasser Erde und Gras stieg ihm in die Nase. Er spürte wie kalte, nasse Regentropfen auf ihn niederprasselten; langsam streckte er die Hände aus und fuhr mit ihnen durch das feuchte Gras. Felix lag auf dem Bauch und hatte die Augen geschlossen, langsam öffnete er sie; die Welt um ihn herum war verschwommen, als blickte er durch einen milchigen Nebel. Nach und nach gewann alles an Konturen und Felix‘ Erinnerungen kamen allmählich wieder.
Jemand schüttelte ihn, packte ihn an der Seite und rüttelte heftig an ihm herum.
Aber ich bin doch schon wach …, dachte er schläfrig.
„Wither! WitherSlayer! Bitte komm endlich zu dir, mach schon!“
Felix blinzelte heftig. Ein Schatten war über ihm, jemand mit einem viereckigen Gesicht und überhaupt sehr eckigen Konturen. Jemand, der panisch auf ihn einredete, aber dessen Gesicht sich dabei kaum merklich veränderte.
Du siehst echt schräg aus, Bro. Sekunde …, allmählich wurde Felix wach.
Ruckartig richtete er sich erschrocken auf und so langsam realisierte er was sich da vor ihm befand. Mit einem Schrei stieß er diese seltsame Kreatur von sich und versuchte auf die Beine zu kommen. Was ist das?!, war der erste Gedanke, der Felix durch den Kopf ging. Sein zweiter war: Wieso hab ich statt einer Hand nur einen viereckigen, rosafarbenen …?!
„Du musst ganz ruhig bleiben!“, rief die viereckige Kreatur mit der Stimme eines männlichen Teenagers.
Felix wich weiter zurück und hielt seine Hände schützend vor sich, oder zumindest das, was von seinen Händen übriggeblieben war.
„Bleib mir ja vom Leib, du … Ding!“
„Bitte, ich will dir doch nur helfen!“
Helfen?! Ich weiß ja noch nicht mal, was du bist!
„Sieh dich an!“, sagte der Viereckige und bewegte seinen pixeligen Arm auf und ab.
Felix traute sich kaum das Ding aus den Augen zu lassen, aber er tat wie gehießen und blickte an sich herunter.
Ein gellender Schrei hallte über die Ebene, lediglich gedämpft durch den strömenden Regen. Irgendwo in der Ferne hob ein Pferd verdutzt den Kopf, ehe ein Blitz es traf.
Felix sah genauso aus wie das Ding, das er versuchte von sich fern zu halten. Genauso viereckig, mit scharfen Konturen und ohne großartigen Details. Hatte er auch so ein seltsames Gesicht? Nur mit Punkten? Sah er auch aus wie eine Spielfigur aus … Minecraft?!
„Ich weiß, das ist ziemlich abgefahren! Aber du musst mir zuhören! Mein Name ist BoneDragon1408. Also, nicht wirklich, aber du müsstest ihn über meinem Kopf sehen können.“
Felix spürte noch immer wie der Regen eisig auf ihn niederprasselte, fühlte ihn über seine Haut rinnen und über das, was seine Kleidung zu sein schien. Er hörte nichts anderes, als das stetige Prasseln und in weiter Ferne leises Donnergrollen. Er roch noch immer das nasse Gras, die feuchte Erde. Felix nahm das alles wahr, aber es konnte zugleich nicht wahr sein.
Stumm stand BoneDragon1408 vor Felix, und genauso wie er gesagt hatte, schwebte sein Name in weißen Buchstaben über seinem Kopf.
„Du heißt … WitherSlayer?“, fragte der „Junge“.
Felix stand stumm da. Er war viereckig. Er sah aus wie eine Figur aus diesem Spiel, das er erst vor kurzem begonnen hatte. Und dieser Typ da, der sah auch so aus. Warum sahen sie so aus?! Langsam blickte Felix sich um, er konnte die Regentropfen sehen, die als blaue Streifen auf den Boden schnellten. Er sah das Gras, das überall gleich aussah, nur hier und dort wuchsen größere Grasbüschel aus dem Boden und ab und zu eine gelbe Blume oder roter Mohn, der genauso eckig und pixelig war wie Felix selbst.
Minecraft. Es sah aus, als befände er sich selbst in dieser Welt, in Minecraft, in einem Biom in dem es gerade regnete.
Ein Traum. Muss ein Traum sein. Ein bescheuerter, mieser Albtraum!, kam Felix zu dem Schluss und dieser Entschluss verfestigte sich immer weiter.
„Wither?“
Felix‘ Blick schnellte zurück zu seinem Gegenüber, das ihm wieder zuwinkte.
„Du hast es kapiert, oder?“
Felix schüttelte energisch den Kopf. „Das ist nur ein Traum“, antwortete er mit kratziger Stimme, so wie sie eben klingt, man gerade erst aufgewacht ist und noch kaum gesprochen hat.
BoneDragon1408 kam langsam näher. „Erschreck dich nicht, ich komm jetzt rüber. Das hier, das ist kein Traum, okay? Das hier ist echt. Es ist so echt, dass es weh tut. Ich weiß, dass das ganz schön viel für dich ist, weil es für mich am Anfang auch ganz schön viel war …“
Felix wich trotzdem wieder zurück, obwohl es ziemlich klar war, dass sein Gegenüber nicht vorhatte ihm etwas anzutun. Aber irgendwie fühlte es sich so an, als müsste Felix es dann zugeben, dass das alles vielleicht doch kein Traum war. Aber er war sich sicher, es musste einfach einer sein, weil es einfach keinen Sinn ergibt, plötzlich in einem Spiel aufzuwachen.
„Mein … Mein Name ist Felix, ich bin 17 Jahre alt, ich bin mittelmäßig in der Schule, single, und glücklicher Besitzer einer PS4 Pro. Das hier ist ein Traum, ich werde jeden Moment aufwachen und –“
„Wirst du nicht“, sagte BoneDragon leise, sodass Felix ihn durch den Regen kaum verstehen konnte.
Felix ging langsam im Kreis, hob seine viereckigen Stumpen und legte sie an seinen viereckigen Kopf. „Mein Name ist Felix, ich bin 17 Jahre alt, ich bin mittelmäßig in der … ich … ich …“
Noch ein gellender Schrei, noch lauter und verzweifelter als der vorherige. Felix wollte sich auf dem Boden einrollen, die Hände über die Augen legen, nichts mehr sehen, nichts mehr hören. Er wollte aufwachen, in seinem Zimmer das voller Poster hing, aus Zeitschriften, die er nicht mal las. Er wollte, dass es aufhörte.
Wieder packte ihn jemand an den Schultern und schüttelte ihn kräftig. „Wir haben keine Zeit fürs Durchdrehen, sie sind schon auf dem Weg hier her!“
BoneDragon hatte Felix heftig hin und her gestoßen, aber nun ließ er von ihm ab und plötzlich hatte er ein Steinschwert und einen Schild in jeweils einer seiner Stümpe, die ihm als Hände dienten. Felix drehte sich klitschnass und zitternd um, am Horizont sah er sie.
Zombies. Es waren fünf und sie kamen langsam, mit ausgestreckten Armen auf BoneDragon und Felix zu. Noch konnte Felix ihr schreckliches Stöhnen nicht hören, aber er wusste wie es klang. Er erinnerte sich wie er sich beim ersten Mal zu Tode erschreckt hatte, als ein Zombie ihm in einer Höhle entgegen geschlurft kam.
„Wir müssen gehen, Wither! Es könnten jederzeit mehr werden und ich kann es mir nicht leisten, meine Gesundheit durch Zombies zu verlieren!“, rief BoneDragon Felix über den dichten Regen hinweg zu.
Wieder winkte er mit seinem Arm, zeigte Felix wohin sie gehen sollten.
„Ich hab eine Basis nicht weit von hier, dort sind wir sicher! Komm!“
Felix warf einen letzten Blick auf die Zombies, die sich ihnen fast schon gemächlich näherten, dann wandte er sich BoneDragon zu und folgte ihm.
Felix wollte im Moment nicht nachdenken, jedenfalls nicht besonders viel. Eigentlich kam es ihm ganz gelegen, dass er sich jetzt darauf konzentrieren musste, seinem neuen Gefährten zu folgen. Das Biom, in dem sie sich zurzeit befanden, schien eine typische Ebene zu sein. Weite, ausgedehnte Grasflächen mit Gräsern und Blumen. Hier und dort sah Felix Kühe, Schafe, ein braunes Pferd und Hühner ziellos umher laufen; eines der Schafe hatte sogar ein Lamm, und obwohl das ein denkbar unpassender Augenblick war, um darüber nachzudenken, fand Felix das gerade sehr putzig.
BoneDragon näherte sich einem Hügel, in den eine Steintreppe aus Bruchstein geschlagen worden war; das machte das erklimmen des Hügels wesentlich schneller und bequemer. An den Seiten der Treppe waren hier und dort Kürbislaternen verteilt worden, die ihre grinsenden, ausgehöhlten Gesichter der Treppe zuwandten. Sie bestiegen den Hügel und liefen rechts auf dessen drei Blöcke breite Kuppel weiter. Links konnte Felix das Meer mit seiner flachen, wellenlose Oberfläche sehen – war das ein Tintenfisch dort hinten? Und diese großen Sandstrände … Es waren zwar nur Blöcke, aber es sah wirklich sehr …
„Pass auf, wo du hintrittst!“, warnte BoneDragon Felix, als dieser in Gedanken versunken beinahe den Hügel wieder hinunter gestürzt wäre. „Du musst gut aufpassen! Fallschaden ist so ziemlich die blödeste Art und Weise, seine Gesundheit zu verlieren, also halt ja die Augen offen, WitherSlayer!“
„Meine Name ist …“
„WitherSlayer“, beendete BoneDragon Felix' Satz.
„Nein, ich wollte sagen –!“
„Ich weiß, was du sagen wolltest, aber ich will es nicht hören. Du bist WitherSlayer und ich möchte nicht wissen, wie du eigentlich heißt. Ich erklär dir alles später, aber jetzt konzntrier dich“, antwortete BoneDragon ungeduldig und folgte weiter dem Hügel, auf dem sie sich befanden, nach rechts. Der Weg führte zu sehr, sehr hohen Bergen.
Auf einem der Gipfel konnte Felix ein kleines Steinhaus ausmachen. Das muss die Basis sein von der er gesprochen hat, dachte Felix erleichtert.
Den Rest des Weges verbrachten die beiden schweigend. Felix versuchte weiterhin nicht über seine Situation nachzudenken und sah sich im Biom um, in dem sie sich befanden. So langsam wechselten sie von einer Ebene zu dem „Extreme Berge“-Biom. Plötzlich hörte der Regen auf und obwohl Felix das nicht sollte, blieb er kurz stehen und blickte hoch in den Himmel.
„Wither!“
Hastig setzte er sich wieder in Bewegung. Über dem Hügel und die Berge zogen sich orangefarbene Sonnenstrahlen, der Himmel wurde tiefrot – die Sonne ging unter, es wurde Nacht. Nacht bedeutete …
„Wir sind jetzt bald da, wir dürfen keine Zeit mehr verlieren!“, sagte BoneDragon und sprintete weiter zu seiner Basis.
Sie lag auf einem der ersten Berge, der an das neue Biom angrenzte. Auf dem Dach der Basis, das aus Eichenholz bestand, hatte sich eine Schicht Schnee gelegt und während Felix weiterhin Steinstufen folgte, tauchten auch hier bereits vereinzelte Schneeschichten auf. Sie kamen langsam in eine Höhenlage in der die Temperatur sank, aber Felix war nicht kalt. Er spürte Kälte, aber sie war nicht unangenehm – sie war einfach da.
Auch hier zierten Kürbislaternen die Treppenstufen, die sich weiter und weiter in die Höhe schraubten. Hier und dort befanden sich Plattformen, wo der Berg eine gerade Fläche gebildet hatte, dann ging es wieder weiter aufwärts. Es wurde immer dunkler, die Nacht brach herein. Felix wurde unwohl in seiner Haut, ängstlich sah er sich um. Nachts konnten Monster einfach überall spawnen und ein paar davon waren richtig gefährlich.
BoneDragon blieb vor einer Eisentür stehen über das sich ein Vordach aus Fichtenholz zog. Das Dach wurde durch Zaunpfähle abgestützt und rechts und links von der Tür befanden sich Fackeln.
Felix' Gefährte öffnete die Tür und wies hinein.
„Immer rein in die gute Stube. Beeil dich, es ist schon fast dunkel.“
Felix folgte der Einladung ohne zu zögern. Das Haus war innen klein, sehr klein sogar, aber dafür die Decke recht hoch, mindestens fünf Block. Felix erinnerte sich, dass sein erstes Erdhaus nur drei Blöcke hoch war. Das Haus hatte tatsächlich einen rechten Winkel, wie ein zu kurz geratenes L und ein oberes Stockwerk, das man durch eine Leiter an der gegenüberliegenden Wand erreichen konnte. Der Boden war mit rotem Teppichboden ausgelegt worden und obwohl Felix keine Lichtquelle ausmachen konnte, war es sehr hell im Haus. In die Steinwände waren Glasfenster eingelassen, weiße, sie waren gefärbt worden. Die Sonne war schon fast untergegangen und die letzten Strahlen fielen durch die milchigen Scheiben. Gleich am Einfang befand sich eine große Truhe.
BoneDragon schob Felix sanft zur Seite. „Fühl dich wie zu Hause, na ja, so weit es eben geht.“
Er klang nun viel entspannter, seine Stimme war ruhiger, er war nicht mehr so in Eile, nicht mehr in Hast – so entspannte sich auch Felix etwas mehr.
Aber Entspannung war auch das, was ihn wieder daran denken ließ, in was für einer Welt er sich befand, wie er nun aussah, wie BoneDragon aussah! Er hatte blaue Punkte als Augen und die schwarze Fläche um seinen Kopf stellten die Haare dar. Das, was man als „Haut“ bezeichnen könnte, war hell, aber nicht blass. Er hatte ein schwarzes Hemd auf dessen Rücken das Symbol eines roten europäischen Drachen im Profil abgebildet war. Der Rest seiner Kleidung war ebenfalls schwarz.
Felix sah an sich hinunter, ein grünes Hemd, rote Hosen, braune Schuhe … Gut, man konnte das nicht als Kleidung bezeichnen, es war eben nur ein … Skin. Wieder hatte Felix das Gefühl, am liebsten laut loszuschreien zu wollen, aber BoneDragon schien das regelrecht zu wittern. Er hob seine Arme.
„Ich weiß, ich weiß, total verrückt. Du wachst auf, bist in Minecraft, Zombies stürzen auf dich ein … Kein gewöhnlicher Sonntag-Vormittag. Am besten, wir setzen uns erstmal oben, essen was, relaxen. Und dann erzähle ich dir was ich weiß. Aber bitte, nicht wieder durchdrehen. Bringt eh nix.“
Felix nickte stumm, in seiner Zunge schien sich ein Knoten zu befinden. Er sah die Wände an, an denen Bilder hingen, er sah Blumentöpfe, die in den Ecken standen und in denen Kornblumen gepflanzt waren.
„Die mag ich am liebsten.“
„Hm?“, murmelte Felix und schreckte aus seinen wirren Gedanken auf.
„Die Kornblumen“, sagte BoneDragon und lief zu einen der Blumentöpfe. „Sie riechen so toll. Es gibt sie noch nicht lange, sie sind neu. Man kann dunkelblauen Farbstoff aus ihnen herstellen, das ging vorher nur mit … Was rede ich denn da?!“, meinte er verlegen, rieb sich mit seiner „Hand“ am Hinterkopf.
„Komm mit nach oben. Da ist auch der Ofen.“
BoneDragon kletterte die Leiter hoch und das typische Geräusch von ächzendem Holz war zu hören, während Felix' Gefährte nach oben verschwand.
Felix warf einen letzten Blick auf seine „Hände“. Dann ging er zur Leiter und folgte BoneDragon.
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