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Getting Out

von LonelyLeo
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Castiel OC (Own Character)
19.02.2019
10.10.2021
24
53.385
3
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22.01.2020 2.195
 
„Was willst du hier?“
Das war doch wohl ein ziemlich schlechter Scherz, oder? Was suchte er in meiner Küche und das ohne Absprache?
Castiel schien mir diese Frage gar nicht beantworten zu wollen, ließ seinen Blick bloß durch den Raum schweifen, als überhörte er mich geflissentlich. Die Arbeit war gerade heute alles andere als angenehm gewesen und ich spürte meinen Blutdruck schon gefährlich steigen. In weiser Voraussicht zog ich meine Zigaretten aus der Jackentasche, nur um festzustellen, dass es meine letzte war. Ein deutliches Indiz dafür, dass die letzten Wochen weitaus nervenaufreibender waren, als ich es zu kompensieren wusste.
Während ich die Kippe anzündete und mich auf dem Weg zum Fenster an Castiel vorbeidrückte, schien er endlich seine Stimme wiederzufinden. Ich hoffte, seine Ausrede war verdammt gut.
„Also erstmal war es nicht meine Idee, hier aufzuschlagen. Deine Schwester ist mir beim Einkaufen über den Weg gelaufen. Das Missverständnis ist so lächerlich, dass ich sie abgefangen und es ihr kurzerhand erklärt habe. Ich kann Amber nicht leiden und ich habe nichts damit zu tun, wie sie über andere Leute spricht. Zur falschen Zeit am falschen Ort und dann bekommt man das eben schon mal in den falschen Hals. Kein Grund, sich darüber lange aufzuregen.“
Er verschränkte beim Reden seine Arme vor der Brust und sein Blick lag stur auf mir. Meine Fingernägel bohrten sich in meine Handflächen und ich nutzte das Auspusten des Rauchs auch gleich, um mit einigen Atemzügen frische Luft von draußen in meine Lungen zu pumpen. Seine Erklärung war knapper ausgefallen als erwartet und darüber hinaus war sie auch noch ziemlich schlüssig.
Jetzt war es Castiel, der auf eine Reaktion zu warten schien.
„Viel mehr steckt nicht dahinter. Amber ist unausstehlich, das Missverständnis ist kindisch und ich habe keine Lust, wegen solchen Kleinigkeiten einen Aufriss zu machen. Ich hätte ja schon früher was dazu gesagt, aber blaue Haken im Chat sprechen dafür, dass du mich wissen lassen willst, wie dreist du mich ignorierst. Also stehe ich jetzt hier. Ist das damit vom Tisch?“, beendete er seine Ausführung.
Wenn ich ehrlich war, war ich schon fast davon ausgegangen, dass Castiel selbst wenig damit zutun hatte, als vielmehr Amber, die definitiv nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen war. Vielleicht war es bloß die leise Hoffnung, es wäre doch anders gewesen, die mich etwas anderes hatte annehmen lassen. Die Chance, Castiel und damit der Nachhilfe sowie Nachfragen von Ariane aus dem Weg zu gehen, hatte es mir leicht gemacht, die Sache aufzubauschen und damit nicht regelmäßig in der Schule erscheinen zu müssen. Ich rechtfertigte es damit idiotischerweise vor mir selbst.
Noch immer angespannt fixierte ich die Zigarette in meiner Hand, um Castiel nicht direkt anzusehen. Ich hatte ihm nichts entgegenzubringen und auch sicher nicht die nötige Energie, ihn jetzt in Grund und Boden zu starren. Selbst wenn, was hätte es mir gebracht?
Nur beiläufig zuckte ich mit den Schultern, was vielmehr als Geste der stummen Zustimmung zu verstehen war, da ich schlichtweg auf großen Redeanteil verzichten wollte. Für einen Moment hatte ich dabei wohl verdrängt, wie ich den Rotschopf damit auf die Palme brachte. Sofort verdrehte er die Augen und wiederholte den letzten Teil seines Satzes. Was eine ätzende Angewohnheit.
„Ist das damit vom Tisch?“
Letztendlich schlich sich doch ein Grinsen auf meine Lippen. Klare und unmissverständliche Antworten geben — vielleicht sollte er lernen, meine Antworten klar und unmissverständlich zu deuten.
„Meinetwegen“, gab ich letztendlich auch verbal zum Besten. Schon darauf vorbereitet, dass er noch einmal darauf beharren würde, nahm ich erneut einen tiefen Zug von der Zigarette, doch blieb ein weiterer Kommentar aus. Stattdessen nickte Castiel nur zufrieden.
„Holen wir morgen in der Mittagspause die Stunde nach, oder reicht dir das nächste Woche?“, hakte er an anderer Stelle nach, als hätte eine Diskussion nie existiert.
Irritiert zog ich die Augenbrauen zusammen. Er betonte doch ständig, wie wenig Lust er eigentlich hatte, sich in seiner Freizeit mit der Nachhilfe zu beschäftigen. Was bewegte ihn also bitte dazu, mir damit trotzdem in den Ohren zu liegen? Ich dachte, er hätte das Ganze abgeschrieben, wie ich es gedanklich auch schon getan hatte. Vielleicht erfreute er sich auch bloß am Leid anderer. Er und Nathaniel schienen sich wohl wirklich nicht unähnlich zu sein, was die sadistische Ader anging.
„Morgen in der Mittagspause nachholen“, antwortete ich, auch wenn ich mir dafür am liebsten in den Arsch gebissen hätte. Ich hatte keine Lust, mich länger als notwendig mit der Schule zu befassen, aber ich konnte Ariane‘s penetranten Fragen beim besten Willen nicht mehr hören. Außerdem hätte ich den Rest der Woche meine Ruhe, egal wie sinnlos es eigentlich war, mich eine Aufgabe nach der anderen rechnen zu lassen.
Castiel nickte daraufhin bloß. „Abgemacht.“
Das Gespräch hatte offensichtlich ein abruptes Ende gefunden, doch blieb es wieder eine Weile still und der Druck, den meine Fingernägel auf meine Handflächen ausübten, wurde langsam schmerzhaft. Ich hatte das Konzept von Smalltalk noch nie weder verstanden, noch gemocht und dieser schmale Grad zwischen Stille und gezwungenem Gespräch machte mich bloß nervös.
Warum konnte Castiel sich nicht einfach vom Tisch abstoßen, nur kurz die Hand heben und gehen?
Wieder ließ ich Rauch in meine Lungen strömen, als Castiel ein weiteres Mal seine Stimme erhob.
„Als wir uns in der Eisdiele über den Weg gelaufen sind, hatte mich Nathaniel kurz vorher abgefangen. Ich sollte dir ausrichten, dass Herr Faraize scheinbar auf dich gewartet hat. Termin oder so.“
Stutzig sah ich zu ihm „Offensichtlich hatte ich keine Zeit, ich war arbeiten. Du warst dabei“, entgegnete ich. Was sollte das werden? Eine Moralpredigt? Oder war das eine kryptische Art des Smalltalk? Der Bedürfnis, ihn rauszuschmeißen, wuchs plötzlich wieder immens. Woher kam die Annahme, das sei ein geeignetes Gesprächsthema oder es sei überhaupt eine gute Idee, mich mit Belanglosigkeiten zuzuschwafeln?
„Weiß ich. Ich hab‘ mich gewundert, dass du während der Schulzeit arbeitest.“
„Ich wüsste nicht, was dich das angeht.“
Es fiel mir schwer, zu erraten, was er gerade denken musste, oder worauf er hinauswollte. Sein Blick gab mir keinerlei Auskunft, ging ohnehin durch mich hindurch und galt vermutlich der Stadtlandschaft vor dem Fenster.
„Nichts.“
„Und warum fragst du dann?“
Er verschränkte die Arme und fixierte mich letztendlich wieder. „Weil ich glaube, dass dich die Arbeitszeiten in der Schule einschränken. Und wenn das das Problem ist, kannst du das ohne weiteres aus der Welt schaffen“, gab er zum Besten. Mir kam ein bitteres Lachen über die Lippen. Das war doch wohl nicht sein ernst!
„Du hast sie nicht mehr alle.“ Ich stieß mich von der Wand ab und drückte meine Zigarette aus. Der richtige Moment für das Verlassen meiner Wohnung war jetzt definitiv gekommen und wenn er nicht bald das Weite suchte, würde er einen sehr unsanften Abgang machen.
„Was ist denn dein Problem? Ich mein‘s ernst! Du musst dich von deinem Chef doch überhaupt nicht rumschubsen lassen. Die dürfen Schüler nicht während der Schulzeit einplanen, ganz einfach.“
So weit käme es noch, meiner Chefin überhaupt zu sagen, dass ich Schüler war. Unzählige Schüler arbeiteten als Nebenjob in dieser Eisdiele, davon brauchten sie sicher nicht noch mehr. Die Schüler waren alle an die Zeiten der Schule gebunden. Dass ich das nicht war, war vermutlich der einzige Grund, warum man mich dort überhaupt als Aushilfe nahm. Denen lief der Laden doch vor Bewerbungen über.
„Du hast doch nicht mal den Hauch einer Ahnung. Es geht dich überhaupt nichts an, verdammt! Ich werde mich sicher nicht mit meiner Chefin anlegen.“
Ich dirigierte ihn aus der Küche in den Flur, wogegen er sich auch nicht großartig zur Wehr setzte. Jedes Mal aufs Neue wich er zurück, kaum dass man ihm Kontra gab. Ich fasste einfach nicht, was für ein lächerlicher Feigling er war. Und obendrein noch so unglaublich dreist.
„Vielleicht habe ich ja wirklich keine Ahnung, aber du wehrst dich mit Händen und Füßen. Was sie in der Eisdiele mit dir machen, ist nicht rechtens. Sagen nicht mal deine Eltern irgendwas dazu?“
Kaum dass diese Worte seine Lippen verlassen hatte, flog meine Hand mit einem lauten Klatschen in sein Gesicht. Erst das penetrante Kribbeln in meiner Handfläche ließ mich die Kurzschlussreaktion realisieren. Auch Castiel schien in den ersten Sekunden nicht zu realisieren, was gerade passiert war.
Mein Blut begann zu kochen, während ich Castiel in die geweiteten Augen sah.
Es reichte.
„Meine Eltern haben nicht das verdammte Recht, ihre wertlose Meinung zu meinen Arbeitszeiten abzugeben! Und du schon gar nicht!“, meine Stimme war deutlich lauter geworden und mein Atem ging hektisch, „Hau ab! Sofort!“
Erneut hob sich meine Hand, doch fing er sie blitzschnell ab, umklammerte mein Handgelenk und griff gleichzeitig nach dem der anderen Hand. Ich riss an seinem Klammergriff, doch ließ er nicht locker und fixierte mich damit direkt vor ihm. „Fass mich nicht an!“, wehrte ich mich, doch drückten sich seine Finger fester um meine Handgelenke.
Mein Blick haftete an ihm, wie seine lockere Haltung der Anspannung gewichen war, die sich nun durch seinen gesamten Ausdruck zog. Sein Blick blieb undurchschaubar, als schaute er mich an und doch durch mich hindurch.
„Du kannst verdammt froh sein, dass ich Herr meiner Reflexe bin.“
„Lass mich sofort -“ Er fiel mir ins Wort.
„Nein. Jetzt hörst du mir mal zu! Ich bin’s langsam leid. Weißt du eigentlich was du bist? Ein verdammter Egoist, der den Leuten die Worte im Mund rumdreht. Du willst ja offensichtlich, dass es dir schlecht geht. Du willst doch gar nicht, dass dich irgendjemand ernst nimmt. Du solltest dich mal fragen, ob du ‚keinen brauchst‘, oder ob du nicht einfach alle vergraulst, die dir potentiell helfen wollen und du dir einredest, dass du solche Leute nicht brauchst. Woher in aller Welt soll ich wissen, welches verfickte Fettnäpfchen ich gerade wieder anvisiere, wenn du immer gleich die Fassung verlierst? Ich war verdammt geduldig und hab‘ mir echt Mühe gegeben, okay? Ich hab‘ mich von einem Giftzwerg anzicken lassen, nur damit der am Ende das beleidigte kleine Mädchen raushängen lässt. Verdammte Furie, such dir ’nen anderen Dummen und kriech zurück zu Nathaniel, ich hab‘ keinen Bock mehr auf deinen Scheiß.“
Seine Worte brannten in meinen Ohren und ich riss umso fester an seinem Griff. Er sollte mich nicht berühren, mir nicht derart nah kommen. Nicht körperlich, nicht mit seinen Worten. Meine Stimme versagte mir den Dienst und auch meine Kraft in den Armen ließ nach. Es war beinahe eine Erlösung, als Castiel seine Hände selbstständig von meinen Handgelenken löste und sich einen Schritt von mir entfernte.
Mir blieb kaum Zeit zum durchatmen, denn sogleich schoben sich schwarze Locken in mein Sichtfeld. Erst nach einigen Sekunden registrierte ich, dass sich Ariane zwischen Castiel und mich geschoben hatte.
„Mach‘ deinem Bruder mal einen Baldrian-Tee. Ich habe keine Lust mehr, mich mit solchen Stimmungsschwankungen rumzuschlagen“, kam es vom Rothaarigen, der endlich auf die Wohnungstür zuschritt. Ich ignorierte seinen Kommentar, wartete bloß still, bis die Tür hinter ihm ins Schloss fiel. Vermutlich hätte ich ihn bis auf die Straße gejagt, hätte er die Wohnung nicht endlich eigenständig verlassen.
„Er will doch nur helfen...“, vernahm ich letztendlich die leise Stimme meiner Schwester, als die Schritte im Treppenhaus immer leiser geworden und letztendlich nicht mehr zu hören waren.
„Helfen? Würde er helfen wollen, würde er sich aus Dingen raushalten, die ihn nichts angehen“, harschte ich sie an.
„Jamie, hör’ dir doch mal selber zu! Du kannst doch nicht glauben, dass du dir selbst hilfst, indem du jedem immer gleich böse Absichten unterstellst. Man hat euch in der ganzen Wohnung gehört. Er wollte dir doch gar nichts Böses. Er hat doch eine sogar eine Lösung für ein Problem vorgeschlagen.“
„Lösung für welches Problem? Die Arbeitszeiten sind kein Problem, das weißt du.“
„Überleg‘ doch mal! Alles was Castiel dazu weiß, ist, dass du es in der Schule schwer hast und deine Arbeitszeiten scheinbar in der Schulzeit liegen. Es ist doch nur logisch, was er denken muss. Du kannst mir nicht erzählen, dass er an der Windrichtung ablesen soll, was ein schwieriges Thema ist und was nicht, manchmal weiß das ja nicht mal ich...“
Ihre anfangs ungewöhnlich laute Stimme war schnell wieder abgeebbt.
„Du verstehst doch überhaupt nicht, was er sich damit herausnimmt.“ Machtworte gegenüber Ariane fielen mir immer schwer, dementsprechend war auch meine Stimme mittlerweile etwas leiser. Dennoch verließ ein leises Schnauben meine Lippen.
„Vermutlich verstehe ich das wirklich nicht. Aber ich will nicht, dass du immer gleich jeden so wegstößt. Castiel ist doch einfach nett. Oder willst du dich wieder mit Nathaniel in der Nachhilfe rumschlagen? Den finde ich deutlich schlimmer als Castiel.“
„Ich will mich mit keinem rumschlagen.“
„Du hast mir versprochen, dass du die Nachhilfe durchziehst!“ Ihr vorwurfsvoller Blick lag auf mir. Wie ich sie dafür hasste. Dafür, dass sie wusste, wie schlecht ich daran war, ihr Dinge auszuschlagen.
Langsam stieß ich den Rest der Luft in meiner Lungen aus, um Platz für einen Sauerstoff zu machen. „Ich weiß...“
Ein leichtes Lächeln schlich sich auf die Lippen meine Schwester und sie knuffte mich in die Seite, obwohl ich nicht einmal ein Zugeständnis gemacht hatte. Sicher hatte ich ihr am Anfang des Schuljahres vieles versprochen, aber ich konnte mich ja wohl kaum selbst dazu zwingen...
„Bitte schlaf erst mal eine Nacht darüber. Schmeiß das nicht gleich wieder hin, nur weil es mies lief...“
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