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Getting Out

von LonelyLeo
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Castiel OC (Own Character)
19.02.2019
10.10.2021
24
53.385
3
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Dieses Kapitel
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24.04.2019 1.493
 
Die Auseinandersetzung, die eigentlich gar keine war, lag mittlerweile eine Woche zurück. In dieser Zeit hatte Jamie nichts von sich hören lassen und auch Ariane war ich in der Schule nicht wissentlich begegnet. Eigentlich wollte ich mich damit nicht länger beschäftigen als ich musste, doch reichte Nathaniel‘s Präsenz in den letzten Tagen aus, um mich deswegen nervös werden zu lassen.
Ich saß zur regulären Zeit für die Nachhilfe auf einem der Tische in dem mit Jamie ausgemachten Raum, in der leisen Hoffnung, er würde einfach auftauchen und diesen kindischen Zwischenfall vergessen. Diese Erwartung wurde jedoch enttäuscht, der Schwarzhaarige tauchte nicht auf und meldete sich auch weiterhin nicht.
Bevor mich das Blondchen — welches der beiden auch immer — also auch nur daran denken konnte, mich in diesem Raum wegen was auch immer heimzusuchen, beschloss ich, meine Warterei für heute zu beenden und die Stunde abzublasen.
Im Verlauf dieser Woche würde ich mich definitiv um dieses kleine Missverständnis kümmern müssen, wollte ich Nathaniel nicht den Sieg dieser dämlichen Wette zugestehen.
Genervt zückte ich mein Handy, um Lysander kurz zu berichten, dass heute nichts aus der Stunde geworden war. Ich erwartete keine wirkliche Antwort, immerhin verlegte er sein Handy mindestens drei mal täglich oder vergaß es sonst wo. Da er mir in den nächsten Minuten nicht antwortete ging ich eben genau davon aus, was auch diese Planung für den Nachmittag hinfällig machte.
Bevor ich mich selbst davon überzeugen konnte, dass es eine gute Idee wäre, Jamie einfach einmal aufzusuchen, schob ich doch lieber einen kleinen Einkauf in den Tagesplan. Ich hatte am Wochenende einiges vergessen und hatte damit einen guten Grund, mich anderweitig zu beschäftigen. Hoffentlich nahm mit Demon längeres Wegbleiben nicht allzu übel. Ich schlug letztendlich also den Weg zum Supermarkt ein. Geld hatte ich sowieso immer einstecken, so musste ich nicht zuhause stoppen.
Den Parkplatz vor dem Laden hatte ich kaum überquert, als mein eigentlich solider Plan ins Schwanken geriet. Direkt vor mir schob ein gewisses schwarzhaariges Mädchen einen Einkaufswagen aus der Tür. Mir blieb eigentlich keine wirkliche Chance, in irgendeiner weise frühzeitig zu reagieren. Ihr Blick lag schon auf mir. Das war so ziemlich das erste mal, das ich sie nicht mit ihrem gewohnt gut gelaunten Grinsen antraf. Vielmehr war es wohl ihr Versuch, Ignoranz auszustrahlen, doch sah sie dafür zu oft in meine Richtung.
Bemüht, mir nicht genervt an den Kopf zu fassen, schloss ich kurz die Augen. Ich glaubte kaum, dass ich das tat, aber wenn ich sie jetzt ignorierte, würde ich es wohl nur schlimmer machen. Also ging ich auf sie zu, während sie begann, ihre Einkäufe aus ihrem Wagen in einen Jutebeutel umzuräumen.
„Kann man dir helfen?“, fragte ich, als ich vor ihr zum stehen kam. Erst schien sie überrascht, dann aber doch um neutralen Ausdruck bemüht. Schmollen sollte sie noch üben.
„Warum solltest du, wenn du mich doch nicht leiden kannst?“
„Das hab‘ ich nie behauptet.“
„Deine Freundin hat’s aber laut genug durch den Flur posaunt.“
Gut gemacht, Amber, gut gemacht. Sicherlich hatte ich nicht vor, hier jetzt eine Szene zu machen, doch bot es sich an, die Sache zumindest bei Ariane kurz zu klären. Auch, wenn ich weiterhin der Überzeugung war, dass das ganze nicht viel tief gehender als übliche Kindergarten-Zankereien war.
„Amber ist vieles. Nervig, egoistisch, ziemlich dumm, hinterfotzig und sie hält zu viel von sich selbst. Aber sie ist sicher nicht meine Freundin. Sie rennt mir seit Ewigkeiten hinterher und ich werde sie nicht los. Glaub‘ bloß nicht, sie spricht jemals auch nur ansatzweise für mich.“ Zugegeben, es fühlte sich nach all den Jahren immer noch gut an, auf Amber rumzuhacken und es tat mich auch nur mäßig leid. Zudem sah Ariane jetzt überrascht von ihren Einkäufen hoch.
„Wirklich?“
„Seh‘ ich aus, als würde ich Witze machen?“
Das gewohnte Grinsen kehrte langsam aber sicher zurück. Entweder ich war überzeugend, oder sie wirklich sehr naiv. Das sollte mich aber auch vollkommen Suppe sein, solang sich der Mist aus der Welt schaffen ließ.
„Gut, also nicht mehr eingeschnappt?“, kam es mir über die Lippen, was der Schwarzhaarigen nur ein leises Lachen entlockte. Tatsächlich, alles quasi wie vorher.
„Ich glaube, Jamie hat dir das von Anfang an sowieso übler genommen als ich“, warf sie ein. Das wunderte mich nicht übermäßig, wenn ich ehrlich war. Offensichtlich war der Mann um seine Schwester ja besorgter als um sich selbst.
„Es wäre jedenfalls nett, wenn du ihm das ganze vielleicht kurz erklären könntest. Er ignoriert mich konsequent“, meinte ich. Mittlerweile schob Ariane den Einkaufswagen zu den anderen, um dann die beiden maximal gefüllten Beutel aufzusammeln.
„Du kannst ihm das auch selber sagen.“
„Scherzkeks. Ich erreiche ihn nicht und er geht mir aus dem Weg.“
„Du könntest kurz mitkommen, Jamie sollte in der nächsten halben Stunde in der Eisdiele fertig werden.“
Zögernd sah ich auf die Uhr, dann wieder zur Schwarzhaarigen. „Der reißt mir den Schädel runter, wenn ich einfach auf der Matte stehe.“
Sie schüttelte bloß es Kopf. „Quatsch. Ich glaube, er mag dich“, warf sie überzeugt ein. Daran hatte ich begründete Zweifel.
„Das halte ich für ein Gerücht.“
„Komm schon!“, bestand sie weiterhin.
Leider hatte sie wohl recht, es war schon die beste Gelegenheit, die sich wohl bieten würde, in aller Ruhe kurz mit Jamie zu sprechen. Seufzend gab ich mich letztendlich geschlagen und nickte also. „Wenn’s sein muss.“
„Super! Dann hilfst du mir sicherlich mit den Taschen!“ Ich wusste kaum wie mir geschah, als sie mir ungefragt einen der beiden Jutebeutel in die Hand drückte.
Dieses Biest!
„Ist das dein Ernst? Deswegen soll ich so unbedingt mitkommen?“, fuhr ich sie etwas schroff an, was sie mit einem Nicken beantwortete. „Quasi Win-Win!“
Wo war das bitte Win-Win? Mit einem Seufzen ließ ich es über mich ergehen und schlug den Weg über den Parkplatz ein, gefolgt von Ariane. Ich hatte mich ja wirklich in eine wunderbare Situation manövriert. Jetzt schleppte ich schon Taschen und lief einem Typen nach. Das klang ja fast nach von Anfang an geplanter Schikane von Nathaniel. Vermutlich war das auch noch sein Ziel gewesen, wenn auch nicht genau auf diese Weise.
Auf dem Weg zur Wohnung quasselte Ariane munter drauf los, was mich schon fast im Flashbacks katapultierte. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass mich das, was sie sagte, diesmal wirklich interessierte — ihre kleinen Hasstiraden über Amber waren erstaunlich unterhaltsam. Die beiden waren wohl schon einige Male einsingendergeraten, und das obwohl Ariane erst zur Oberstufe vor wenigen Wochen auf diese Schule gewechselt hatte. Ich selbst hatte genug über Amber zu erzählen — vermutlich reichte das für eine ganze Buchreihe — aber ich überließ es für heute lieber Ariane, sie schien damit herzlich viel Dampf abzubauen.
Letztendlich schaffte ich die tatsächlich ziemlich schweren Einkaufstüten in den obersten Stock der Wohnung. Ob Ariane die Einkäufe ohne weiteres Mal eben bis nach Haus geschleppt hätte, wäre ich doch nicht aufgetaucht? An ihrer Stelle hätte ich tendenziell wohl eher Jamie mit einem Auto losgeschickt, sofern er denn Führerschein und ein Auto hatte.
In der Küche  begann das Mädchen sogleich, alles in Schränke einzusortieren. Von ihrem Bruder derweil noch keine Spur. Also war er noch nicht von der Arbeit zurück, die er scheinbar in Schichten durchzog.
„Wie lang arbeitet Jamie schon in der Eisdiele?“, fragte ich in die Stille hinein und verfluchte mich gedanklich direkt dafür. Mir konnte es ganz egal sein und doch hatte mich Lysander’s Anmerkung nicht losgelassen, was Jamie’s Arbeitszeiten anging. Ihn zu fragen war lebensmüde, aber seine Schwester musste definitiv etwas darüber wissen und das war eben die sicherere Variante.
„Seit sie dieses Jahr wieder aufgemacht wurde. Warum?“
„Nur so aus Interesse. Arbeitet er öfter während der Schulzeit?“
Jetzt wandte sich die Schwarzhaarige auch zu mir um und schien einen Moment zu überlegen. „Nein. Nicht, dass ich wüsste. Bloß manchmal. Glaub‘ ich. Wenn ihn sein Chef eben so einteilt.“
Noch bevor ich eine weitere Frage stellte, die mit auf der Zunge lag, war wie gerufen ein Schlüssel in der Tür und ein „bin da“ zu hören. Nur wenige Sekunden später krachte die Wohnungstür wieder zu, damit gleich darauf die zur Küche aufflog, wobei sie mich fast erschlug. Im Türrahmen tauchte der Schwarzhaarige auf, dessen Locken diesmal von einem kleinen Dutt aus dem Gesicht gehalten wurden. Die charakteristisch leicht zerfetzte Jeansjacke erzeugte einen fast merkwürdigen Kontrast zu dem weißen Hemd, das er noch darunter trug.
„Was macht der hier?“
„Nett...“
„Immer doch.“
Das hatte wenig mit der halbwegs legitimen Neckerei zu tun, die wir in der Eisdiele scheinbar etabliert hatten. Er klang ernsthaft nicht erfreut, mich in seiner Küche stehen zu sehen.
„Einkäufe stehen in den Schränken“, mischte sich Ariane ein, bevor sie sich an ihrem Bruder vorbei drückte und uns damit kurzfristig allein in der Küche stehen ließ. Mein Blick blieb noch an der wieder zufallenden Tür hängen, bevor Jamie ihn wieder auf sich zog.
„Was willst du hier?“, harschte er mich an.
Zum wiederholten Mal stieß ich heute ein Seufzen aus und bereute meinen Egotrip gegenüber Nathaniel immer mehr.
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