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Getting Out

von LonelyLeo
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Castiel OC (Own Character)
19.02.2019
10.10.2021
24
53.385
3
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Dieses Kapitel
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17.03.2019 2.238
 
Während der Schulzeit sah ich Jamie am nächsten Tag nicht. Dafür, dass er mir nicht über den Weg lief, kam Nathaniel in der Pause geradewegs auf Lysander und mich zu, um mich allein mit seiner Erscheinung zu nerven. Ihn zu ignorieren würde mich leider nicht weiter bringen, das hatte ich oft genug versucht. Er würde nur darauf bestehen, weswegen auch immer er mir jetzt wieder hinterher lief. „Was willst du?“, murrte ich, als er vor der Bank, auf der wir saßen, stehen blieb. Ich sollte mir langsam mal einen neuen Platz für die Pausen und Freistunden suchen, sonst würde mich Nathaniel immer wieder gleich auf Anhieb finden.
„Dir auch einen guten Morgen, Castiel. Du hast nicht zufällig Jamie heute schon irgendwo gesehen?“, erkundigte er sich aufgesetzt freundlich wie immer, meine patzige Begrüßung ignorierend. Ich schnaubte. Wenn er jetzt von Entschuldigungsheften auf Jamie umgestiegen war, Hauptsache er könnte mir mit [i]irgendwas[/i] auf den Geist gehen, dann wünschte ich mir schon fast seine alte Gewohnheit zurück. „Seh‘ ich aus, als würde ich ihm an den Fersen kleben? Er war gestern nicht da, warum sollte er es heute sein?“, entgegnete ich.
Mir sollte egal sein, was der Junge trieb, es war immerhin nicht so, als kämen wir freiwillig miteinander aus. „Weil er zur ersten Pause einen Termin mit Herrn Faraize zum wiederholten Mal nicht wahrgenommen hat. Solltest du ihn sehen, weise ihn doch bitte darauf hin.“ Eigentlich war ich lange davon ausgegangen, dass Nathaniel lernfähig war und er wusste, dass ich mit seinem Mist nichts zu tun haben wollte. Allerdings schien er mir immer wieder das Gegenteil beweisen zu wollen. Faraize hatte ihn vermutlich geschickt um Jamie zu suchen, ganz sicher würde ich nicht noch eine Sache auf mich abwälzen lassen. Abgesehen davon, dass es mich schlichtweg nicht interessierte.
„Vielleicht hat er es einfach vergessen oder ist krank. Es wird sich schon klären“, mischte sich Lysander in ruhigem Ton ein. „Jedenfalls ist weder das eine noch das andere mein Problem. Verzieh dich“, ergänzte ich. Nathaniel schien erst noch etwas sagen zu wollen, allerdings beließ er es glücklicherweise bei dem Versuch. Das Klingeln zum Ende der Pause hatte ihn unterbrochen, weshalb er nur ein Seufzen ausstieß und sich die Schläfen rieb. „Wie auch immer“, würgte er die Unterhaltung dann letztendlich ab, bevor er sich endlich in Richtung Gebäude verzog, um pünktlich zu was auch immer zu erscheinen.
„Du bist schon wieder so schlecht auf Jamie zu sprechen. Lief es gestern nicht gut?“, fragte Lysander. Dabei stand er von der Bank auf, was ich ihm gleichtat. „Es lief nicht schlecht, es war eigentlich sogar in Ordnung. Das heißt aber nicht, dass ich dem Jungen am Arsch klebe. Ich kenne ihn nicht mal eine Woche, aber Nathaniel geht davon aus, ich würde dem Knirps mit seinem Mist hinterherrennen? So weit kommt‘s noch“, erklärte ich, während ich neben Lysander herlief.
Wir hatten die Pause und damit den Ansturm an der naheliegenden Eisdiele abgewartet, um unsere Freistunde bei einem Eis im klimatisierten Laden zu verbringen und machten uns gerade auf den Weg dorthin. Lysander sagte nichts weiter zu meiner Aussage, vermutlich war ihm ohnehin klar, wie ich zu dieser Sache stand.
Wir setzten uns in eine hintere Ecke des fast voll besetzten Eiscafés. Dem Pausen-Tumult waren wir zwar ausgewichen, allerdings blieb der Laden im Sommer zu jeder Tageszeit gut besucht. „Die verdienen sich hier so nahe der Schule doch dumm und dämlich.“, murmelte ich vor mich hin und lehnte mich zurück. Es würde sicherlich eine Weile dauern, bis wir bedient werden würden. Ich sah es aber auch nicht ein, mich an der überfüllten Theke anzustellen, wenn wir ohnehin länger bleiben würden, da konnten wir auch gleich am Tisch warten. Während wir die Zeit totschlugen unterhielten wir uns über dies und jenes, bis endlich eine Bedienung an unseren Tisch trat.
„Was darf’s sein?“ Mein Blick huschte noch mal schnell über die Karte, bevor ich letztendlich doch wieder nur einen Schokoladen-Milchshake bestellte. Bei Blickkontakt mit der Bedienung verharrte ich dann allerdings einen Moment in meiner Position und fragte mich, wie mir allein die Stimme nicht hatte auffallen können! Ein Grinsen schlich sich auf meine Lippen.
„Spar‘ dir alle Kommentare, die dir gerade auf der Zunge liegen“, zischte mir Jamie entgegen, ohne sein mehr oder minder freundliche Lächeln zu verlieren. Er arbeitete hier? Die Montur die er trug war herrlich! Eine Schürze über dem wohl zu großen Hemd und die Locken nach hinten gegelt. Vermutlich, damit sie nicht im Eis hingen. „Darf es sonst noch etwas sein?“, fragte er höflich weiter und sah dabei zu Lysander. Dieser verzog keine Miene und bestellte sich einen Eisbecher. Der Schwarzhaarige notierte beides, bevor er sich uns abwandte und zur Theke lief. Nicht weniger amüsiert sah ich ihm dabei hinterher.
Unsere Bestellung wurde wenige Minuten später von Jamie vor uns abgestellt. Er hatte dabei eine erstaunlich gute Balance mit dem vollen Tablett in seiner Hand. „Nathaniel wäre neidisch auf dein Hemd“, kommentierte ich neckisch, was das Lächeln auf Jamie’s Lippen aber keineswegs beeinflusste. Er legte bloß den Kopf schief. Noch im selben Moment kam mir das randvolle Tablett entgegen und mein Atem setzte kurz aus. Ich sah die ganzen Eisbecher schon in meine Richtung fallen!
Anstatt, dass sich allerdings eine Ladung Eis über mein Shirt verteilte, fanden alle Eisbecher auf der Unterlage in Jamie’s Hand zurück in ihre aufrechte Position. Jamie lächelte, als sei nichts gewesen. Diese Ratte! „Wäre das kein bezahlter Job wärst du in einer sehr unvorteilhaften Position. Ich hoffe, das ist dir bewusst“ Seine Stimme triefte vor Zynismus.
Noch immer geschockt sah ich zu Jamie auf, dessen freundliches Lächeln nun mehr ein zufriedenes Grinsen war. Ich wusste nicht, ob sich diese Situation im Rahmen einer legitimen Neckerei abspielte, oder ob wir beide gefährlich mit der Selbstbeherrschung des anderen spielten. Darauf konnte ich keine wirkliche Antwort mehr finden, denn Jamie hatte beide Bestellungen abgestellt und bediente mittlerweile bereits an den anderen Tischen.
„Ob der in der Gastronomie arbeiten sollte...“, brummelte ich vor mich hin. Ich war für solche Berufe ja schon absolut nicht geeignet, aber allein die wenigen Begegnungen mit Jamie hatten sehr deutlich gemacht, dass er das noch sehr viel weniger war. Allein seine sehr viel impulsivere Art, mal ganz abgesehen von dem weißen Hemd, das er in bester Nathaniel-Manier trug und unpassender nicht aussehen konnte.
„Ob er überhaupt arbeiten sollte? An einem Freitag während der Schulzeit... Findest du das nicht auch etwas skurril?“, kommentierte Lysander. Jetzt, wo er es sagte — darüber hatte ich noch gar nicht nachgedacht. Es war Freitagvormittag und laut Nathaniel hatte Jamie sogar einen Termin bei Herrn Faraize gehabt, was mich skeptisch von meinem Milchshake aufsehen ließ. „Vielleicht musste er ja kurzfristig außerplanmäßig einspringen.“ Ich hatte keine Ahnung von Arbeitszeiten in einer Eisdiele, aber das schien mir die einzig logische Schlussfolgerung. Mein bester Freund war davon offensichtlich nicht überzeugt, sagte aber nichts weiter dazu. Es hätte ihm auch nicht ähnlich gesehen, seine Nase weiter in die Angelegenheiten Anderer zu stecken, ganz abgesehen davon, dass ihm wohl selbst keine bessere Erklärung einfiel.
Zum Bezahlen erschien Jamie ein letztes Mal an unserem Tisch. Wie üblich zahlten Lysander und ich getrennt. Mein Portmonee hatte ich gerade wieder geschlossen, als Lysander dem Schwarzhaarigen zwei Euro Trinkgeld über den Tisch schob. Ich wollte es getrost ignorieren, bis ich jedoch Lysander’s Absatz schwungvoll an meinem Schienbein spürte. Mir kam fast ein Fluchen über die Lippen, aber Lysander’s Blick ließ keinen Protest zu. Ich legte Jamie einen Euro hin, wofür er sich tatsächlich freundlich bedankte. Sein aufgesetztes Lächeln war schon seit einer Weile verschwunden, dafür klang er ausnahmsweise wirklich etwas ehrlicher und auch weitaus ruhiger, während er das zusätzliche Geld verstaute. „Schönen Tag noch“, erwiderte Lysander schlussendlich, bevor wir das Eiscafé in die brühende Mittagshitze verließen.
„Musste das sein? Ich hab‘ überteuertes Eis bezahlt, mich von Jamie fast mit Eis abwerfen lassen und soll ihm dann Trinkgeld geben? Sollte er nicht eher mich bezahlen? Immerhin gebe ich ihm Nachhilfe!“
„Das gehört zum guten Ton. Sieh‘ es als gute Tat des Tages. Und offensichtlich hat er nicht nur kompetent bedient, sondern dich auch noch unterhalten. Was könntest du mehr wollen?“
„Eine ruhige Freistunde ohne Angst um mein Shirt und meine Würde?“
Meine letzte Doppelstunde nach dieser Eskapade hatte ich mit Lysander verbracht, bevor ich mich nach Hause verdrückte. Im Gegensatz zu meinem besten Freund, der seinem Bruder jetzt noch im Laden zu helfen hatte, hatte ich meine Pflichten für diese Woche abgearbeitet. Gut, dafür verdiente Lysander bei seinem Bruder mit und das auch nicht schlecht, wenn ich das richtig verstand. Nicht nur er, auch viele andere meiner Mitschüler gingen seit einiger Zeit neben der Schule arbeiten, um das Taschengeld selbstständig zu erhöhen. So eben auch Jamie. Nicht weit hergeholt, dass er sich etwas dazuverdienen wollte.
Für mich wäre ein Nebenjob aber absolut nichts. Mir reichte die Schule, die mir im Genick lag. Ganz abgesehen von zusätzlichem Menschenkontakt, auf den ich getrost verzichten konnte. Glücklicherweise bestand für mich auch schlichtweg keine Notwendigkeit darin, mir neben der Schule noch ein Standbein anzuschaffen. Meine Eltern stellten mir monatlich das zur Verfügung, was ich brauchte. Sie selbst waren immer wieder über einen längeren Zeitraum unterwegs, sodass ich selbstständig gelernt hatte, wie mit meinen Finanzen umzugehen war. Um das Heranschaffen des Geldes würde ich mich erst dann bemühen müssen, wenn ich auszog. Bis dahin genoss ich meine zusätzliche Freizeit, besonders rund ums Wochenende.
Zuhause angekommen begrüßte mich Demon schon freudig. „Langsam, Großer!“, grinste ich. Ich füllte ihm direkt den Napf, wobei er mir um die Beine tänzelte. Zufrieden machte er sich über seine Mahlzeit her und auch ich kümmerte mich um etwas zu essen. Für heute würde es eine Dosensuppe tun, entschloss ich mich.
Der Herd war kaum hochgedreht, als mein Handy klingelte. Bevor ich annahm, lauschte ich einen Moment lang dem Klingelton. Eine schlechte Angewohnheit, die mich eigentlich dazu bewegen sollte, nicht mein Lieblingslied als Signalton für alles zu verwenden. Letztendlich nahm ich den Anruf an, immerhin war es meine Mutter, wie ich der Anzeige auf dem Display schon entnehmen konnte.
„Ja?“, meldete ich mich, wobei ich mich wieder meiner Suppe zuwandte. „Cassi! Man hört ja nie etwas von dir, wenn man nicht selbst anruft! Du könntest dich ruhig hin und wieder mal von selbst melden“, begann sie ohne Umschweife. Ich verdrehte die Augen, aber beschwerte mich nicht weiter über meinen Spitznamen. Den würde ich ihr niemals abgewöhnen, so oft ich mich auch schon beschwert hatte.
„Ich habe doch erst letztes Wochenende angerufen. Es war einfach stressig.“ Das war nicht unbedingt der Grund dafür, dass ich mich nicht gemeldet hatte, aber gelogen war es auch nicht. Immerhin hatte Nathaniel mir ja doch etwas Stress bereitet.
„Ach so? Dann erzähl doch mal ein bisschen! Läuft alles gut? Was stand in der Woche so an?“ „Sag mal, ich dachte du musst irgendwo am anderen Ende der Welt auf wichtig tun, woher nimmst du die Zeit?“, wich ich aus. Anstatt mir zu antworten, beharrte sie aber nur weiter. Um mein Mittagessen nicht zu riskieren, drehte ich den Herd etwas runter. Dann würde während des Gesprächs nichts anbrennen, falls ich das Umrühren verdrängte.
Ich erzählte ihr von der letzten Woche, auch wenn es nicht viel zu berichten gab. Irgendwie schaffte ich es trotzdem, die Stress-Nummer halbwegs glaubwürdig rüberzubringen, ohne die Sache mit Jamie großartig zu erwähnen. Selbstverständlich schnappte sie es trotz meiner Bemühungen, es nur so beiläufig wie möglich zu erwähnen, auf und hakte sogleich nach.
„Du und Nachhilfe? Dass ich das noch erlebe. Ich wusste doch, irgendwann wirst du vernünftig!“, witzelte sie.
„Nathaniel wurde mit ihm nicht fertig, also habe ich den Schüler übernommen“
„Nathaniel... das ist doch euer Schülersprecher, oder nicht? Er gibt seine Nachhilfen ab?“ grinsend rührte ich im Topf vor mir.
„Offensichtlich war ihm das eine Nummer zu groß“, entgegnete ich.
„Dass du dir nicht die Zähne daran ausbeißt“ Ihr Kommentar ließ mich lachen. Selbstverständlich würde ich das nicht tun, es lief ja besser als bei Nathaniel.
Im Großen und Ganzen fasste ich ihr die Geschichte um Jamie zusammen, wenngleich ich das ein oder andere ausließ. Ich erzählte gerade so viel, dass sie keinen schlechten zu Eindruck bekam. Es war nicht so, dass ich ihn ihr in irgendeiner Weise schönreden wollte — wozu denn auch? — aber die Nachhilfe würde sicherlich dann und wann auch einmal hier stattfinden, wenn meine Eltern wieder zuhause waren.
Sollten sie die negative Erfahrung doch selber machen, ich wollte sie nicht gleich mit der Nase darauf stoßen. Das hätte mich mit Sicherheit in irgendwelche indirekten Moralpredigten verwoben, mit denen ich zwar nichts zu tun hätte, die ich mir aber aus Unverständnis seitens meiner Mutter dann ja doch hätte anhören müssen.
Ich arbeitete die üblichen Gesprächsthemen ab, bekam Grüße von meinem Vater ausgerichtet und gab diese gleich zurück, um die Konversation nicht mehr als nötig in die Länge zu ziehen. Trotz geringem Redeanteil meinerseits dauerte das Telefonat lang genug, um meine Suppe bei geringer Stufe auf dem Herd warm werden zulassen. Danach konnte ich mich also direkt meinem Essen zuwenden. Dafür setzte ich mich aufs Sofa, gefolgt von Demon, der mir Gesellschaft leistete, während ich mich den Nachmittag über durch belanglose Serien auf Netflix klickte.
Auch wenn ich mir eigentlich sehr sicher war, dass mich diese Sache nicht interessierte, kreisten meine Gedanken dann und wann um den Vorfall am Vormittag. Bei aller Ablehnung von Neugier, Lysander hatte wohl damit recht, dass es nicht unbedingt üblich war, als Schüler während der Unterrichtszeit zu arbeiten.
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