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Getting Out

von LonelyLeo
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Castiel OC (Own Character)
19.02.2019
10.10.2021
24
53.385
3
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03.03.2019 2.803
 
Eigentlich hatte Jamie mich am Donnerstag nach dem Unterricht einfach mitnehmen wollen, um gleich bei ihm mit der Nachhilfe anzufangen, da wir ein gutes Stück Arbeit vor uns hatten. Noch während meiner letzten Stunde hatte er mich mit einer Textnachricht darüber in Kenntnis gesetzt, dass er heute erst gar nicht in der Schule gewesen war. Glücklicherweise hatten wir für solche Fälle Nummern getauscht. Entgegen meiner Annahme, er würde unser Treffen einfach abblasen, hatte er mir tatsächlich seine Adresse zukommen lassen. Dann schien es ihm immerhin wichtig genug, etwas für die Schule zu tun.
Ich würde wohl auch ohne seine direkte Hilfe den Weg finden, selbst wenn mir die Adresse absolut nichts sagte und ich wohl oder übel das Internet darum bemühen müsste. Vielleicht hoffte er ja auch, ich würde aus Bequemlichkeit einfach gar nicht auftauchen. Vermutlich hätte er damit sogar recht, wenn es nicht das erste wirkliche Treffen gewesen wäre. Er sollte sich bloß nicht dran gewöhnen, meine mehr oder minder engagierten Bemühungen so leicht umgehen zu können.
Ich hatte gerade eine Karte auf dem Handy geöffnet, als mir jemand auf den Oberarm tippte. „Du bist doch Castiel, oder?“ Die Stimme konnte ich nicht zuordnen, weshalb ich irritiert meinen Blick hob. Neben mir stand ein Mädchen, das mir zwar bekannt vorkam, allerdings wusste ich auf die Schnelle nicht woher. Sie fuhr fort, ohne dass ich überhaupt die Chance hatte, zu antworten. „Hat Jamie dir Bescheid gesagt, dass er heute nicht in der Schule war?“
Jetzt wo sie Jamie erwähnte... Er hatte sie am Rande erwähnt, als sie neulich in unserer Nähe gestanden und uns beobachtet hatte. „Ja, hat er“, antwortete ich, wobei ich auf mein Handy schielte, auf dessen Display bereits die eingegebene Adresse prangte. „Seine Nachhilfestunde findet aber statt, oder? Ich hab‘ jetzt sowieso Schluss, dann kann ich dich auch einfach mitnehmen. Die Stunde muss ja nicht ausfallen. Ich meine, man verläuft sich in der Ecke schnell mal“, sprudelte es gleich weiter schon fast aufgeregt aus ihr heraus, während sie schon ein paar Schritte vorgelaufen war. Ich war ihr nicht gefolgt, was sie jetzt zu bemerken schien. Sie blieb noch einmal stehen, um mich abwartend zu mustern.
Mein Navi hätte die Adresse ganz bestimmt selbstständig gefunden, was mir ehrlich gesagt auch deutlich lieber gewesen wäre. Die Schwarzhaarige bewegte sich aber nicht weiter, sondern schien zu warten. Ihr fast schon erwartungsvoller Blick lag weiterhin auf mir und auch ihr breites Lächeln war seit Beginn unseres Gesprächs nicht von ihrem Gesicht gewichen. Ich würde nur unnötig Zeit verschwenden, wenn ich sie jetzt abschütteln und selbstständig zu Jamie irren würde. Außerdem schien sie ja zumindest... nett zu sein.
Solang sie jetzt nicht weiter wie ein gut gelaunter Flummi um mich herumsprang, gab es nichts, das wohl dagegen spräche, ihr einfach zu folgen. Für einen kurzen Fußweg würde ich diese Gesellschaft wohl ertragen. „Was soll’s“, murmelte ich mehr zu mir selbst und setzte mich in Bewegung, was das Mädchen mit einem zufriedenen Grinsen kommentierte.
„Jamie hat mich bestimmt kaum erwähnt. Ich bin Ariane, seine Schwester“, stellte sie sich beiläufig vor. Wenn ich so darüber nachdachte, war die Verwandtschaft gar nicht zu übersehen. Beide hatten die gleichen schwarzen Locken, die bei Ariane allerdings bis über ihre Hüften fielen, während sie bei Jamie bloß etwa Kinnlänge hatten. Auch die stechend grünen Augen hatten sie beide. Ariane war lediglich nicht so blass wie ihr Bruder, dafür aber fast genauso klein wie er.
„Zwillinge?“, fragte ich, immerhin war ihre Ähnlichkeit immens. Sie kicherte aber nur leise. Ich fand das jetzt schon etwas anstrengend, aber ignorierte es schlichtweg. „Frag‘ das bloß nicht Jamie, er ist fünf Jahre älter. Er wird ständig viel jünger geschätzt, das findet er nicht so toll.“ Wunderbar, diese Information hätte ich etwas früher gebraucht. Wenigstens trat ich diesmal vor der Nachhilfestunde in das Fettnäpfchen und nicht währenddessen. Dann sah Jamie also nicht nur extrem jung aus, sondern seine Schwester auch deutlich älter als sie eigentlich war.
Während wir durch die Stadt und durch einige Wohngebiete liefen, führte das Mädchen einseitigen Smalltalk mit mir und kommentierte belanglose Dinge. Ich kannte Ariane seit kaum zehn Minuten beiläufig und trotzdem hatte sie in dieser Zeit mehr gesprochen, als Lysander in den 8 Jahren, die wir uns schon kannten. Mein Tempo hatte ich stark gemäßigt, damit Ariane nicht gleich joggen musste, denn schnell ging sie nicht. Vielmehr wippte sie gut gelaunt von einem Fuß auf den anderent wie auch immer sie dabei noch genug Luft zum pausenlosen Reden hatte.
Es fühlte sich an, als würde mich ein Radio beschallen, allerdings tatsächlich kein ganz so unendlich unerträgliches wie Amber, wenn sie mich mal wieder zutextete. Denn im Gegensatz zu der blonden Nervensäge war Arianes Stimme deutlich weniger hysterisch. Ich hörte ihr sogar mit einem Ohr zu, schnappte hier und da etwas auf, auch wenn es mich nicht großartig interessierte. Schulwechsel, neue Lehrer, hier und da fiel Jamie’s Name in Verbindung mit nicht gemachten Hausaufgaben oder Fehlstunden.
Mein Blick flog derweil über die Straßen, durch die wir liefen. Dabei wurde mir auch klar, warum mir die Adresse nicht bekannt vorgekommen war, obwohl ich die Stadt eigentlich sehr gut kannte. Das Viertel, in dem wir uns mittlerweile bewegten, war eines dieser, die man eher mied. Der Ruf der Gegend war nicht sonderlich gut, um nicht zu sagen miserabel, was sich auch in der Unansehnlichkeit der Wohngebäude widerspiegelte. Im Winter, wenn es morgens spät hell und abends früh dunkel wurde, war das auch sicherlich kein angenehmer Schulweg, durch all die Seitengassen, die allesamt doch eher zwielichtig schienen.
Glücklicherweise war der Weg wirklich nicht mehr all zu lang und Ariane bog in eine der Straßen ein, um die Tür zum Treppenhaus eines kleinen Mehrfamilienhauses aufzudrücken. „Wir wohnen ganz oben“, flötete sie beiläufig und huschte schon über die ersten Stufen. So viel Lebensfreude hatte ich in ihrem Alter schon lange nicht mehr gehabt. Woher auch immer sie diese Energie nahm, besonders an einem heißen Tag im Hochsommer. Sicherlich war man mit einer Dachgeschosswohnung schlichtweg an das Leiden bei brühende Hitze gewohnt. Ich folgte ihr also deutlich langsamer, um nicht außer Atem zu kommen. Das gelegentliche Rauchen schlug mir wirklich auf die Lunge, so ungern ich das zugab.
Ganz oben wurde gerade schon eine Tür aufgeschlossen. „Hab‘ wen mitgebracht!“, rief Ariane in die Wohnung, nicht ohne noch einmal zu mir zu sehen, wie ich mich gerade die letzten Stufen nach oben quälte. Wundervoll. „Wen?“, schallte es durch den Flur zurück. Mittlerweile war ich vor dem Eingang zur Wohnung stehengeblieben.
Das Treppenhaus machte auch hier oben noch keinen wirklich einladenden Eindruck, das galt auch nicht weniger für Jamie selbst. Mittlerweile lugte er aus der Wohnung, schien dabei nicht sonderlich erfreut mich zu sehen. Vermutlich hatte ich nicht einmal falsch gelegen, als ich daran dachte, dass er vermutlich gepokert hatte, ich würde einfach gar nicht auftauchen.
„Deine Schwester hat mich aufgegabelt und mir angeboten, mich gleich mit herzubringen. Sie war schon besorgt, dass deine Stunde noch ausfällt, weil ich mich verlaufen könnte“, schmunzelte ich, amüsiert über die Besorgnisse von Jamie’s Schwester. Immerhin schien sie ja überaus bemüht darum, ihrem Bruder seine schulischen Pflichten und Termine vorzuhalten.
Einen Moment lang war es still, bevor sich Jamie mit einem genervten Augenrollen abwandte und ich ihm einfach in die Wohnung folgte. Der herzhafte Geruch, der mir in die Nase kroch, ließ darauf schließen, dass ich Jamie gerade versehentlich noch vor dem Mittagessen überfallen hatte. Das war nicht mein Plan gewesen und ich wusste auch nicht, ob ich nicht vielleicht lieber etwas gewartet hätte. So blieb ich einen Moment lang im engen Flur stehen, der auch nur gerade so zum Durchgehen Platz gewährte. Neben der Küche auf der rechten Seite, in die Ariane gerade gelaufen war, grenzten noch drei weitere Räume an den Flur, allerdings waren alle Türen geschlossen. Die Wohnung war überraschend klein für eine ganze Familie.
„Ich mache Platz, viel Erfolg.“ Ariane huschte gerade mit einem gefüllten Teller wieder aus der Küche heraus und verschwand ohne weiteres in einem der anderen Zimmer. Ich verstand erst nicht, was sie meinte, allerdings war es recht einleuchtend, als ich die Küche selbst betrat. Herd und Kühlschrank gegenüber des Küchentischs ließen nur gerade so Platz für zwei Personen.
Während Jamie die Herdplatte herunterdrehtete, lehnte ich mich an den Tisch. Er deckte die beiden Töpfe ab, wischte mit einem Handtuch über die Ablage neben dem Herd und wandte sich dann mir zu. „Setz dich“, meinte er etwas forsch, wobei er seine Schultasche unter dem Tisch herauszog, um deren Inhalt vor mir zu verteilen — darunter zu meiner Überraschung wirklich ein Mathebuch und Schreibunterlagen.
„Du kannst auch erst zu Mittag essen“, schlug ich ihm vor. Dabei suchte ich in meiner eigenen Tasche nach allem, was ich für heute extra eingepackt hatte. Jamie winkte aber nur ab. „Später.“ Ich widersprach ihm nicht, das sollte er handhaben, wie er wollte. Mir sollte es nur recht sein, je effektiver wir die Zeit nutzten, desto schneller wäre ich in meinen freien Nachmittag entlassen. Demon nahm es mir sicher übel, wenn ich mich bis in den frühen Abend hinein nicht blicken ließe.
Um mich in Jamie’s Stoff einzuarbeiten hatte ich nicht nur mein aktuelles Mathebuch, sondern auch das alte sowie die Formelsammlung durchforstet. Beides schien mir sinnvoll, um damit zu arbeiten, also hatte ich es dabei. Der Schwarzhaarige musterte das Material unzufrieden. „Schwere Geschütze, ja?“, murmelte er mit verschränkten Armen. „Ganz oder gar nicht, ich mache keine halben Sachen“, entgegnete ich.
Nach wenigen Minuten oberflächlichem Smalltalk, der offensichtlich dazu diente, den eigentlichen Stoff des Nachmittags hinauszuzögern, konnten wir anfangen. Als Einstieg begann ich bei allen möglichen Definitionen, von Standardformeln bis hin zu allgemeinen Erklärungen, die man brauchte, um Koordinatensysteme und Funktionen zu verstehen. Aus Jamie’s Desinteresse schloss ich, dass ihm zumindest diese Dinge halbwegs bekannt waren, immerhin schrieb er nicht mit, sondern ließ seinen Kuli lediglich abwesend über das Papier streifen. Ich hoffte zumindest, dass er diese Grundlagen einfach schon wusste und es nicht die bloße Ignoranz war.
Mein Redeanteil stellte sich weiterhin über volle zwei Stunden als sehr viel größer heraus, als erwartet. Wenn ich es nicht explizit erfragte, bekam ich nicht mal Rückmeldung zur Verständlichkeit meiner Erklärungen. Ich zweifelte immer stärker daran, dass überhaupt etwas hängen blieb. Jamie dafür aber großartig anzugehen, hätte mich kein bisschen weiter gebracht, im Gegenteil. Stattdessen beließ es ich es deshalb dabei und schob ihm mein altes Buch zu.
„Wir haben durch die Jahrgänge nicht die gleichen Bücher. In dem hier steht es verständlicher drin, finde ich. Dann kannst du auch nachlesen, wenn dir etwas fehlt. Ich lasse es dir hier und du machst auf den ersten Seiten ein paar Aufgaben. Man muss nichts rechnen, es geht nur um Verständnis“, versuchte ich es weiter. Als Antwort erhielt ich wieder nur ein Schulterzucken. Wenn mich etwas an Jamie jetzt schon zur Weißglut bringen konnte, dann diese Geste oder seine gleichgültigen Antworten, wenn er mir nicht gerade Beleidigungen an den Kopf warf.
„Wenn es dir so egal ist, dann fangen wir jetzt damit an.“ Ich wollte sehen, dass er mir wenigstens zugehört hatte und zumindest [i]irgendetwas[/i] hängen geblieben war. Es schien nur eine Frage der Zeit, bis Jamie mich tatsächlich doch noch rauswarf. „War’s das für heute, wenn ich damit fertig bin?“, fragte er ohne aufzusehen. „Nachdem du eine der Aufgaben gemacht hast ja. Bis zur nächsten Stunde machst du dann noch ein paar mehr.“ Einer dieser Sätze, von denen ich nie geglaubt hätte, ich würde sie jemals aussprechen.
Der Schwarzhaarige verdrehte die Augen, bevor er sich das Buch heranzog, um darin zu blättern. Er schien ein paar Dinge zu überfliegen. Noch während er das tat, griff er in die Tasche seiner Jeansjacke und zog blind eine Packung Zigaretten heraus. „Auch eine?“, wollte er beiläufig wissen. Dabei lehnte er sich zum kleinen Küchenfenster, welches er umständlich von seinem Platz aus aufmachte. „Klar“ Wenn er schon so fragte. Ich nahm die Kippe an, ließ sie mir anzünden und lehnte mich auf meinem Stuhl zurück. „Es wäre deutlich lustiger gewesen, wenn du Nichtraucher wärst“, kommentierte er. „Hast du Nathaniel auch schon eine angeboten?“, fragte ich mit einem Grinsen auf den Lippen. „Hab‘ drüber nachgedacht, aber der wär‘s mir nicht wert gewesen, wenn er doch ja gesagt hätte.“
Mit der Kippe in der einen Hand und dem Stift in der anderen fing Jamie jetzt tatsächlich an, sich um eine der Aufgaben zu kümmern. Ihm bei der Arbeit dann aber zuzusehen war alles andere als erfreulich. Er strich viel durch, auch wenn die meisten Antworten nicht mal eine Rechnung, sondern nur ein Wort erforderten. Ganz zu schweigen davon, dass ich nichts auf diesem Blatt lesen konnte. Trotzdem schien er dabei konzentriert und zog nur selten an seiner Zigarette.
Dafür zuckte er erstaunlich stark zusammen, als seine Schwester schwungvoll die Küchentür aufstieß und das Geschirr auf die Spüle stellte. Seine Kippe war dabei quasi sofort unter den Tisch gewandert, als sei es ein Reflex. Ich fragte mich, ob ich nicht lieber das Gleichehe hätte tun sollen, falls Rauchen in der Küche ein No-Go war, doch schien Ariane dieser Fakt nicht wirklich zu stören. „Ich hab’s gesehen, den Rauch rieche ich doch sowieso.“ Es ging ihr wohl mehr um das we als um das was. Ich zog eine Augenbraue hoch, während Jamie nur ein Brummen von sich hören ließ und die Zigarette wieder hervorholte. Hätte er mir damit meine Jeans angekokelt, wäre ich ihm vermutlich an den Hals gesprungen.
Ariane war gerade dabei, den Raum wieder zu verlassen, als Jamie nun doch zu ihr aufsah. „Warte mal kurz“ Die Kippe im Mund eingeklemmt kramte er ein paar Zettel durch, die auf dem Küchentisch lagen, aber nicht zu unseren Lernzetteln gehörten. „Ich schaffe es heute nicht mehr in die Stadt, aber der Einkaufszettel ist geschrieben. Könntest du gleich noch mal los?“ Ariane nickte. „Klar, ich mach‘ mich direkt auf den Weg.“ Sie lächelte zufrieden, bevor sie einen Jutebeutel von der Türklinke abhängte und in den Flur huschte. „Bis später!“, schallte es keine zwei Sekunden später schon aus dem Flur. „Pass auf dich auf!“, rief Jamie noch, allerdings war die Tür schon ins Schloss gefallen, was dem Schwarzhaarigen ein Seufzen entlockte.
Ich musste mir ein Grinsen wirklich verkneifen, die besorgte Ader schienen sich beide wohl zu teilen, auch wenn man es keinem der beiden auf Anhieb ansah. Jamie hatte das Zucken in meinen Mundwinkeln wohl bemerkt und brummte leise vor sich hin. „Spar‘ dir den Kommentar.“ Ich winkte rasch ab. Das war wohl einfach so ein Geschwister-Ding, als Einzelkind hatte ich da nicht übermäßig viel zu melden und würde es vermutlich nicht wirklich verstehen. Dementsprechend zuckte ich nur mit den Schultern, bevor ich mich wieder meiner eigenen Zigarette und den Blättern vor uns auf dem Tisch widmete. Letztere hatte Jamie gerade zu mir hinübergeschobenen, damit ich sie überfliegen konnte. Die Kritzeleien waren durchweg richtig, was meiner Meinung nach auch einen guten Abschluss für das heutige Treffen bieten würde.
Trotz Protest überzeugte ich Jamie, mein altes Mathebuch dazubehalten, um damit zu arbeiten. „Montag in der Mittagspause bringst du mir kurz die Aufgaben, wie klären Fragen und ich suche dir bis dahin neue Aufgaben raus“, erläuterte ich den weiteren Plan, während ich meine Unterlagen nach und nach wieder in meiner Tasche verstaute. „Hab‘s befürchtet.“ Immerhin blieben Treffen außerhalb der Schule jetzt erst einmal aus, solange wir weder ein neues Thema, noch ein neues Fach anschnitten. Das passte uns wohl beiden ganz gut in den Zeitplan.
Für den heutigen Tag sollte es das soweit gewesen sein. Die oberflächliche Verabschiedung war knapp ausgefallen, da sich Jamie direkt der Herdplatte und den darauf stehenden Töpfen zugewandt hatte. Mehr als ein „Tschüss“ war beidseitig nicht drin gewesen. Damit ging ich aus der Wohnung und zog hinter mir die Tür gerade zu, als mir auf der Treppe wenige Momente später Ariane mit ein paar Einkaufstüten gut gelaunt entgegenkamam. „Schönen Tag noch, komm gut heim!“, flötete sie im Vorbeigehen. Ich bedankte mich flüchtig und nickte kurz, verließ dann aber zügig das aufgeheizte Treppenhaus nach draußen.
Mit in den Hosentaschen versenkten Händen schlenderte ich durch die Straßen, wobei ich über das Treffen reflektierte. Immerhin war das meiste nur halb so schlimm gelaufen wie erwartet und wir konnten miteinander arbeiten. Ich hatte noch ein paar Dinge über Jamie und seine Schwester erfahren, was auch immer mir das bringen sollte. In der Wohnung war mir niemand außer den beiden Geschwistern über den Weg gelaufen und auch den Haushalt schienen sie ziemlich gut im Griff zu haben. Mir kam dieser Umstand erstaunlich bekannt vor und ließ mich auf viel arbeitende Eltern schließen ließ, was mir bis dato nicht sonderlich abwegig schien.
Kaum dass ich Zuhause war, verdrängte ich die Gedanken an alles rund um die Nachhilfe für Jamie. Ich wollte nicht übermäßig viele Gedanken daran verschwenden und hoffte einfach, die wenigen ausgemachten Treffen ließen zu, mich nicht öfter als erträglich mit diesen Dingen zu beschäftigen.
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