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Getting Out

von LonelyLeo
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Castiel OC (Own Character)
19.02.2019
10.10.2021
24
53.385
3
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Dieses Kapitel
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24.02.2019 1.254
 
„Du freust dich darüber?“ Lysander trug ein Schmunzeln auf den Lippen, während er neben mir herlief. Ich hatte ihm direkt in der Pause noch nichts von meiner Unterhaltung mit Jamie erzählt, erst vor wenigen Minuten in unserer letzten Stunde.
„Nachdem du ihn gestern so schrecklich fandest?“ Ich verdrehte die Augen. „Mir doch egal, wie unsympathisch der Typ ist. Ich habe offensichtlich mehr Talent für so einen Quatsch als Nathaniel. Vielleicht wird es diesmal ja besser“, meinte ich, was Lysander mit einem Lachen kommentierte. „So optimistisch kenne ich dich gar nicht, immerhin hast du heute Morgen kein gutes Haar an ihm gelassen“, entgegnete er. „Ich bin nicht optimistisch, ich freue mich über Nathaniel’s Niederlage.“ „Du tust ja fast als würdest du ihm ernsthaft Konkurrenz machen wollen.“ Zufrieden grinste ich. „Wollen nicht, aber scheinbar kann ich ihm Konkurrenz machen.“
Ich verabschiedete mich vergleichsweise gut gelaunt von Lysander, bevor ich zum Beginn der Mittagspause denselben Raum wie am Vortag betrat. Zu meiner Überraschung traf ich nicht auf Jamie, sondern auf Nathaniel, der am Lehrerpult lehnte. Binnen weniger Augenblicke machte ich die Zettel ausfindig, die er schon wieder mit sich herumtrug. Meine Laune drohte fast zu kippen, doch hatte ich dem etwas entgegenzubringen. Ich musste Nathaniel wohl oder übel enttäuschen, aus seinem Plan würde nichts werden.
„Die Entschuldigungen kannst du dir sonst wo hinschieben, Jamie kommt gleich.“ Vollkommen gelassen blickte Nathaniel zurück. „Ich weiß, das sind ja auch nicht deine unentschuldigten Fehlstunden, sondern seine, wegen denen ich hier bin.“ „Dann fragst du dich noch, warum dich jeder halbwegs vernünftige Mensch nicht länger als zehn Minuten erträgt?“, meinte ich und verschränkte die Arme. Er hingegen wurde still und sah an mir vorbei zum Türrahmen. Erst nach einiger Zeit bemerkte ich, dass Jamie hinter mir stand.
„Seid ihr dann mit Rumturteln fertig? Hab’ gehört, ich hätte Nachhilfe.“ Mit diesem überaus enthusiastischen Brummeln flog Jamie’s Rucksack neben den nächstbesten Tisch. Wenn ich auch vieles tat, ich turtelte nicht mit Nathaniel — Aber die Tatsache, dass dieser binnen weniger Sekunden angespannt bis genervt wirkte, belustigte mich. Der Schülersprecher legte die Papiere aufs Pult. „Bitte unterschreiben und bis spätestens Freitag ins Büro bringen“, meinte Nathaniel zu Jamie, bevor er sich zum Gehen wandte und noch einmal einen Blick über die Schulter warf. „Viel Erfolg.“ Hinter ihm schloss sich gleich danach die Tür.
Ich lachte leise, während ich Jamie dabei zusah, wie er sich eine Zigarette anzündete. Dabei durchquerte er gemächlich den Raum, um das Fenster aufzureißen. „Schaffen wir das heute besser als gestern?“, fragte ich, während ich mich auf einen der Tische setzte. Normalerweise verabscheute ich jede Art von Smalltalk, aber vielleicht war es ja keine dumme Idee diesmal doch genau damit anzufangen.
„Wenn du dir deine dummen Kommentare sparst und mich mit blöden Fragen in Ruhe lässt“, entgegnete er. „Blöde Fragen? Ich muss ja wohl irgendwo anfangen. Außerdem will ich dich daran erinnern, dass du heute zu mir gekommen bist, nicht andersherum.“ Er schnaubte. „Du bereitest mir weniger Kopfschmerzen als der andere Vollidiot. Meine Auswahl war ja leider begrenzt.“ Ich wusste nicht, ob das so etwas wie ein Kompliment war, aber ich versuchte einfach, eines darin zu sehen. „Dann solltest du vielleicht mehr daran setzen, dass ich den Mist hier nicht wieder an Blondchen abdrücke. Ganz offensichtlich willst oder musst du das hier ja durchstehen, also sollten wir es irgendwie schaffen zumindest einmal die Woche miteinander auszukommen.“
Jamie sagte eine Weile lang nichts, nachdemem ich den Kompromiss in den Raum geworfen hatte. „Von mir aus“, murmelte er, bevor er ein weiteres Mal an seiner Zigarette zog. Mittlerweile war mir auch nach Rauchen, aber ich war nicht sonderlich scharf darauf erwischt zu werden und hatte ganz abgesehen davon keine Schachtel dabei. Jamie nach einer Kippe zu fragen wollte ich jetzt auch noch nicht riskieren. Dann würde ich mich eben rauchfrei in das halbherzige Gespräch stürzen.
„Warum genau gibt Nathaniel dir Nachhilfe? Er ist eine Stufe unter dir“, hakte ich in aller Ruhe nach und widmete mich meinem Kaffee. „Faraize meint, mir soll jemand den grundlegenden Kram erklären. Das Zeug, was man auch in der Elften und Zwölften macht. Er meinte, Nathaniel kann das alles. Also sollte er das machen.“ Das klang ausnahmsweise sinnvoll, das musste man dem unorganisierten Faraize lassen. Wobei es auf der anderen Seite selten dämlich war Nathaniel auf Jamie loszulassen, wenn er beide doch eigentlich kennen oder zumindest einschätzen können sollte. Dass diese Kombination nicht funktionierte, hätte ich ihm vorher schriftlich geben können.
„Was sind deine Leistungskurse? Ich muss mich in deine Unterlagen einlesen“, meinte ich weiter, um langsam an den Punkt zu kommen an dem ich auch mit irgendetwas helfen konnte. Ich ging nämlich stark davon aus, dass Nathaniel es mir vorhalten würde, wenn ich nichts daran setzte, mich zumindest ernsthaft an der Nachhilfe zu versuchen. Dass Jamie regelmäßig auftauchte, würde mir nichts bringen, wenn es seine Leistungen nicht wenigstens ein bisschen verbesserte.
„Mathe, Physik und Französisch. Mappe ist in meiner Tasche.“ Immerhin gab er direkte Antworten, damit konnte ich arbeiten. Mathematik und Französisch hatte ich auch als Leistungskurse, mit Physik würde ich mich wohl etwas mehr beschäftigen, wenn er sich mit den anderen Fächern gut geschlagen hatte. Nebenbei fischte ich den Ordner aus seinem sonst leeren Rucksack. Einzig und allein ein Kugelschreiber klemmte an seinen Unterlagen.
„Hättest du nicht umwählen können? Mathe und Physik sind hart.“ Ich blätterte, bis ich die Arbeitsblätter zu Mathematik fand. „Nein, Mathe und Physik sind logisch“, entgegnete er sofort und zog an seiner Zigarette. Gut, und Französisch war an unserer Schule Pflicht. Dann war seine Wahl vielleicht doch nicht das Problem. Selbst wenn, umwählen ist kurz vor dem Abitur auch keine Lösung mehr, da hätte Jamie viel früher tun müssen.
Mittlerweile hatte ich die gesuchten Materialien gefunden. Angefangen bei Zahlenfolgen, über Ableitungen bis zu Integralen und darüber hinaus alles, was ich im Unterricht auch schon hatte. Hier und da hefteten auch Klausuren, die durchweg nicht sonderlich erfolgreich aussahen. Nichts besser als drei Punkte.
„Ich würde sagen, wir nehmen die Klausuren als Anhaltspunkte. Ich helfe dir mit den einzelnen Themen jeder Klausur und wenn wir mit allen durch sind, dann machst du den Kram hier noch mal. Dasselbe für Physik und Französisch. Dann machen wir die Grundkurse“, schlug ich vor. Irgendwie mussten wir einen Anfang finden, der darüber hinaus ging, dass wir uns nicht gegenseitig an die Gurgel sprangen. Wobei auch das schon ein deutlicher Fortschritt war.
„Mir egal.“ Meine Güte! Ich sah genervt zu ihm, was er mit einem Schulterzucken kommentierte. „Okay, okay, von mir aus!“ Das war definitiv ein Anfang. „In Mittagspausen oder Freistunden wird das knapp. Wenn du das ernsthaft aufarbeiten willst, dann müssen wir uns zumindest einmal für jedes Fach nachmittags treffen. Können wir uns darauf einigen?“ Er setzte schon wieder zu einem Schulterzucken an, aber ich fuhr ihm dazwischen. „Können wir uns darauf einigen?“, beharrte ich. „Von mir aus.“ Wir machten wirklich Fortschritte.
„Dann lass uns diese Woche mit Mathe anfangen. Wir können uns Freitagnachmittag bei mir treffen.“ „Nein. Donnerstagnachmittag bei mir“, entgegnete er, bevor ich überhaupt eine Gelegenheit hatte noch etwas zu sagen. Ich hatte an Donnerstagen nie Zeit, da probte ich immer mit Lysander. Ganz abgesehen davon hatte er sich nach meinen Zeiten zu richten, da er auf mich angewiesen war, und ich nicht auf ihn. Zumindest offiziell. Er brauchte sich gar nicht wieder wie ein Kleinkind verhalten, so wie er es gerade tat. Andererseits wollte ich das mühevoll aufgebaute Grundgerüst nicht gleich wieder niederschmettern.
Seufzend fuhr ich mir übers Gesicht. „Von mir aus“, gab ich nach. Einmal würde Lysander eine Absage wohl verkraften.
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