Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Legende

GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P18
Charles Lee Connor Kenway Haytham Kenway
18.02.2019
23.04.2020
14
25.670
2
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
18.02.2019 1.132
 
Hallo und Willkommen zu meiner Fanfiction!
Da es die erste Geschichte in AC3 ist, bitte ich euch: Falls jemandem Recherchefehler auffallen, scheut euch nicht, sie mir mitzuteilen :)
Ansonsten gibt es noch zu sagen,  dass die Assassinen/Templer zwar vorkommen, aber die Hauptfigur erst ihren Weg finden muss, bevor es soweit ist. Falls ihr Fans von Haytham und Connor seid, seid geduldig, ihnen wird noch ausreichend Platz geschaffen werden.
Über Reviews würde ich mich unglaublich freuen :)
Ich hoffe euch macht das Lesen Spaß!

---

Die Vierzehnjährige ließ sich ein wenig unwillig in ihrem rosafarbenen Kleid am Esstisch nieder. Ihr Vater, ein stolzer Unternehmer mit schwarzen Haaren hatte Gäste am Tisch: Haytham Kenway, einen englischen Mann mit dunklen Haaren und seinen Unterstützer, Charles Lee, Kenways Begleiter und Theodore McLaggen, ein Sponsor seines Unternehmens.
Ihre Mutter war bereits anwesend. Sie trug ihr bestes Kleid und lächelte ihrer Tochter aufmunternd zu.
„Hallo, Natasha.“, sagte ihr Vater mit einem Lächeln, welches sie nur ungern erwiderte. Sie war gerade auf Sturmmähne geritten und hätte gerne den gesamten Tag in alten Hosen und einer Bluse draußen auf dem Feld verbracht. Allerdings war es ihr als Mädchen nicht möglich, auch nur ansatzweise daran zu denken, solch burschikose Dinge zu unternehmen, wenn ihr Vater Gäste im Haus hatte – auch, wenn sie wusste, dass er insgeheim stolz darauf war und es ihr auch hoch anrechnete, dass sie mit Dolchen und Pistolen umgehen konnte.
Sie ließ das Essen gehorsam über sich ergehen. Sie hörte kaum zu, als die Männer über ihre Geschäfte sprachen und verabschiedete sich, sobald die Höflichkeit es zuließ.

Draußen im Hof wartete Sam, der Dienstbote in ihrem Alter, bereits mit einem Lächeln: „Bereit?“
Natasha blickte auf ihr Kleid hinab und schließlich auf die Pferde, dann schüttelte sie den Kopf. „Tut mir leid, ich kann nicht. Vater hat Gäste.“ Sehnsüchtig ließ sie ihren Blick über die grünen Hügel und die weiten Ebenen schweifen. Es sollte heute wohl nicht sein.
„Da kommen Reiter.“ Sam drehte den Kopf und runzelte die Stirn. Er war ungefähr fünfzehn und stammte aus der Stadt. Er meinte, er habe viel Erfahrung in allem und war wie ein großer Bruder für sie – ein großer Bruder, der tatsächlich für sie da war und nicht auf Feldzüge ging.
„Geh rein.“, sagte Sam ernst und Natasha zögerte kurz, dann gehorchte sie ihm.
Sie lief durch den Flur und in die Halle und dann hinauf in ihr Zimmer. Dunkles Ebenholz umgab sie und sie ging achtlos an ihrem Bett vorüber und zum Fenster. Draußen hatten mehrere Reiter Sam umringt; sie trugen englische Uniformen und Musketen in ihren Armen.
Ein Reiter war direkt vor ihm: Natasha erkannte ihren älteren Bruder, Jack. Ihr fiel auf, dass er nicht auf einem Feldzug war und dass er ziemlich wütend aussah. Ein kalter Schauer lief über ihren Rücken und sie schluckte. Jack war nie ein freundlicher großer Bruder gewesen, aber als er seine Pistole zog, konnte sie nicht fassen, was sie sah.
Ein Knall ertönte und Sam fiel zurück. Er schlug hart auf dem Boden auf. Ein roter Fleck breitete sich auf seiner Stirn und seinem deformierten Gesicht aus und Jack hob den Kopf und lugte Richtung Fenster.
Natasha stolperte zurück. Ihr Herz raste und ihre Hände zitterten. Ihr Magen rebellierte und sie blickte sich hektisch um, dann rannte sie hinaus in den Gang. Unten hörte sie, wie ihr Vater in die Halle trat und etwas rief. Sie wollte zu ihm und ihn warnen, nichts mehr zu sagen, aber Kenway rannte die Treppen hinauf und hinter ihm kam Lee.
„Nicht!“ Kenway schüttelte den Kopf: „Komm mit, wenn du überleben willst.“
„Ich lass‘ doch nicht -!“
Ein lauter Knall ertönte und sie hörte, wie ihre Mutter schrie.
Natasha war wie gelähmt und sie starrte auf das Gemälde, dass ihre Mutter so liebte. Es zeigte einen Birnenbaum in voller Blüte. Lee packte sie an den Schultern und zog sie weiter, bis sie zu einem Fenster kamen. Unter ihnen war der alte Heuhaufen neben der Scheune. Kenway öffnete das Fenster und drehte sich um: „Spring schnell!“
Er sprang elegant hinab, sein schwarzer Mantel flatterte hinter ihm her.
Natasha ging weiter, wie in Trance und hockte sich auf das Fensterbrett. Ihr Herz hämmerte und ihre Kehle fühlte sich eng an und unten hörte sie, wie ihre Mutter rief: „Jack, bitte, komm doch zur Vernunft!“
Lee schubste sie, als ein zweiter, grauenerregender Schuss erklang. Sie fiel und landete unbeholfen im Heuhaufen, obwohl sie das bestimmt schon tausend Mal gemacht hatte. Blinzelnd sog sie den Geruch des Heus ein und spürte, wie Kenway sie am Arm packte und hervorzerrte und in Richtung des Stalls buxierte: „Beeil‘ dich, Mädchen!“
„Was …?“, murmelte sie, als Lee hinter ihr landete.
Kenway holte zwei gesattelte Pferde aus dem Stall. Vage konnte sie sich daran erinnern, dass er zu Sam gemeint hatte, dass sie die Pferde nicht absatteln sollten und es sich um eine Art Berufskrankheit handelte.
Betäubt stieg Natasha in den Sattel. Kenway schwang sich hinter ihr hinauf und gab dem Pferd die Sporen. Die Scheune befand sich seitlich des Hauses und er trabte direkt in die Felder. Immer wieder blickte sich Natasha um – sie sah die vielen Rotröcke um das Haus und hörte drinnen harsche Befehle, die zweifellos von Jack gebrüllt wurden.
Ihrem Bruder … ihrem eigenen Bruder …
Mama … Papa …
Als sie in den Wald ritten, sah sie, wie dunkler Rauch aus dem Landhaus stieg. Sie fragte sich, was nun mit Sturmmähne passieren würde. Heiße Tränen rannen über ihre Wangen und sie schluchzte hilflos.
Sam … Mama … Papa …

Drei Tage und zwei Nächte ritten sie, bis sie New Orleans erreichten. Die beiden Männer waren gut zu Natasha und gaben ihr Nahrung. Lee versuchte, sie aufzumuntern, während Kenway des Öfteren schweigend ins Leere starrte.
In New Orleans angelangt buchten sie ein heruntergekommenes Wirtshaus. Sie aß zum ersten Mal wieder warm und schlang alles in sich hinein, während Kenway und Lee zivilisierter aßen.
„Was nun?“ Lee warf Natasha einen Blick zu. „Wenn Williams hinter ihr her ist, wird er nicht eher ruhen, bis er sie gefunden hat.“
„Ich weiß.“, sagte Kenway. „Lass‘ mich nachdenken.“

Als sie am nächsten Morgen aufwachte, waren die Männer verschwunden.
Auf ihr Nachfragen hin meinte der Wirt, dass die Rechnung bezahlt und sogar ein Frühstück für sie im Voraus bezahlt worden wäre. Und, dass er ihr ausrichten solle, dass General Williams in der Nacht vorbeigesehen hätte und zwei Männer getroffen hätte, die dann mit ihm gegangen wären. Für sie wäre nichts hinterlassen worden.
Natasha starrte den Wirt eine Weile an, dann nahm sie ihr Frühstück wortlos ein. Während sie aß, ließ sie ihren Blick nach draußen schweifen. Es war Sommer und gerade richtig heiß. Reisende oder Händler waren auf Durchzug und hielten in einladenden Gasthäusern.
Sie wusste, sie musste sich verstecken. Und sie wusste, sie musste unerkannt bleiben. Und sie wusste, dass sie ihren Bruder abgrundtief hasste.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast