Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Road Trip/Disasterpiece

von JaneS
Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Chris Fehn Craig Jones OC (Own Character) Sid Wilson
18.02.2019
27.03.2019
100
318.497
3
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
18.02.2019 3.706
 
Baaam, da bin ich wieder. Ist 'ne spontane Idee gewesen, ob ich dran bleib oder es wieder lösche weiß ich noch nicht. Nun ja, schauen wir mal, wo es mich hinführt :)



Heimliche Schwärmereien



Es war Juni, ein wundervoller Tag voller Sonnenschein und Frieden in diesem Haus am Waldrand. Schon seit einigen Minuten saß er hier vor dem alten Bild und betrachtete es, eine Kohlezeichnung einer Frau, die ihm bis aufs Haar ähnelte und die er doch niemals hatte kennenlernen dürfen. Das Antlitz seiner Mutter, welches ihn schon seit seiner frühesten Kindheit jeden Tag begleitete und von dem sein Dad ihm Jahrelang vorgeschwärmt hatte. Sie war hübsch gewesen, schwarze Haare und ebenso dunkle Augen, filigrane Gesichtszüge und immer ein Lächeln im Gesicht, wenn man sie mal auf einem richtigen Foto sah und davon gab es ja tausende. Nein, er konnte seine Verbindung zu dieser Frau nicht leugnen, denn mit dem Blick in den Spiegel seines Schrankes huschend sah er sich nun selbst ins Gesicht. Schwarze, kurze Haare, filigrane Gesichtszüge, die gleichen Lippen, aber mit den eisblauen Augen seiner Familie gesegnet saß er hier und betrachtete sich. Er sah aus wie diese Frau, nur in männlicher Version und manchmal gruselte ihn das schon so ein bisschen. Vor allem, wenn die Familie seines Dads zusammenkam und dann mit sehnsüchtigen Stimmen von dieser Elá redeten und wie ähnlich er ihr doch sah, obwohl er sie nie hatte kennenlernen dürfen. Seit 20 Jahren schon beklagte sein Vater den Tod dieses Engels, seit 20 Jahren brachten sie in schnöder Regelmäßigkeit Rosen zu den Gräbern auf dem Memorial Cemetery Ecke West. Und wenn er dann dort stand und sich die Marmorplatte ansah, die über die Jahre hinweg ein wenig verwittert war und wenn er das Leid in den Augen seines Vaters über den Tod seiner Frau entdeckte, fühlte er sich immer sehr einsam auf dieser Welt. Seine Mutter, Emanuelle war ihr klangvoller Name gewesen, war einen Tag nach seiner Geburt an einer Blutung gestorben, nun lag sie in ihrer ewigen Ruhe dort oben auf dem Friedhof, wo auch seine beiden Schwestern ihre letzten Ruhestätten gefunden hatten. "Hm.", brummelte er und sah wieder zu dem Bild auf, wo ihr Gesicht sich in der Kohle auf dem Papier spiegelte. Es mussten schwere Jahre für seinen Vater gewesen sein, erst eine Tochter, dann den besten Freund, dann die Frau und dann nochmals eine Tochter zu verlieren, aber wenn sie über die Vergangenheit redeten, dann sprach sein Dad immer voller Liebe von diesen Momenten und wich den unangenehmen Parts einfach aus. Gerne würde er mal die ganze Geschichte hören, würde gerne mal nachfragen, was damals alles geschehen sein mochte, doch er traute sich nicht. Immerhin war seit Vater in den 20 Jahren seines Lebens nie wieder eine Verbindung zu einer Frau eingegangen und wenn doch, dann geschickt heimlich und nur von sehr kurzer Dauer. Davon hatte er selbst niemals etwas mitbekommen. Nein, sein Dad saß oft allein im Garten unten und genoss die Ruhe, da wollte er natürlich keine alten Wunden aufreißen oder den Schmerz verschlimmern. Selbst bei seiner Tante traute er sich nicht zu fragen, obwohl sie die engste Verbindung zu seiner Mutter aufweisen konnte und sie wie seine Mutter ebenfalls aus Deutschland stammte. Tante Mina war ein Knüller, sie hatte eine freche Zunge und wundervoll wilde Locken auf dem Kopf, ihre Augen fesselten einen und mit einem Grinsen im Gesicht dachte er an Amelia, Minas Tochter. Amy war ebenfalls 20 und mit ihm hier in diesem Haus gemeinsam aufgewachsen, lange Jahre hatten sie sich gezankt und vertragen wie Geschwister. "Seit ein paar Wochen geht sie mir nicht mehr aus dem Kopf, Mom. Was soll ich machen?", murmelte er und betrachtete nun sein Handgelenk, wo ein Armband aus Leder seinen Körper zierte, welches Amy ihm einst geschenkt hatte. Hunderte solcher Fragen hatte er und konnte sie niemandem stellen, deshalb saß er hier in seinem Schlafzimmer und redete mit diesem Bild. Auch, wenn er keine Antworten davon bekam, aber dennoch suchte er hier oft die Ruhe und konnte sich Dinge von der Seele quatschen, die sonst niemanden etwas angingen. Ja, Amy hatte es ihm in den letzten Wochen wirklich schwer gemacht, denn auch wenn sie wie Geschwister waren, so war er auch nur ein Mann und nicht wirklich mit ihr verwandt, soweit er wusste. Im Geiste war sie seine engste Anvertraute, seine Schwester, seine beste Freundin, aber seit ein paar Wochen hatte er das Problem, dass da ein zartes Flattern für Übelkeit in ihm sorgte, wenn Amy da unten durch die Tür kam. Ob sie gemeinsam lernten oder Freitagabends zusammen Party feierten, sie war ihm immer so nah und mit jedem Tag wurde dieses nervöse Flattern immer schlimmer. Auch heute würde sie vorbeikommen, sie mussten heute für einen Studiengang eine Stunde pauken und mit ihrer Mutter Mina zusammen fiel ihnen das leichter, da Mina ja fließend Deutsch sprechen konnte. Oh Gott, ihm stülpte sich der Magen um, denn heute musste er wieder neben ihr sitzen und sich am Riemen reißen, sodass niemand etwas von seinen flauen Gefühlen für dieses wilde Mädchen merkte. "Ihr sagen, was du empfindest.", sagte sein Dad von der Tür und riss ihn aus seinen Schwärmereien, wie lange stand er denn schon da hinten? "Was?", fragte er nach und blinzelte verlegen durch sein Schlafzimmer, wie peinlich war das denn nun bitte? "Du sollst dem Mädchen sagen, was du empfindest, wenn sie dir seit Wochen nicht mehr aus dem Kopf geht, mein Junge. Kommst du gleich runter? Mina, Sid und Amelia sind gerade angekommen und warten unten auf dich.", antwortete sein Dad und zwinkerte ihm zu, ehe er wieder im Flur verschwand und Ben ihm nachsah. Oh nein, sie war schon hier?

Mit aller Gewalt schluckte er seine Nervosität runter und strich sich durch die kurzen Haare, derweil er die letzten Stufen zum Foyer herablief und sich umsah. Schon immer hatte Ben mit seinem Dad hier gewohnt und es war ein wunderschönes Haus, rechts von ihm standen die Türen zum Wohnzimmer weit offen und auch die gläsernen Flügeltüren zur Küche und zum Esszimmer waren geöffnet, aber nirgendwo konnte er seine Familie entdecken. Mit dem Blick zur großen Glasfront hinaus in den Garten blieb er dann aber stehen und legte sich die Hand auf die Brust, denn da stand sein persönlicher Untergang und strahlte wild und frei über das ganze Gesicht. Ihre krassen grünblauen Augen erinnerten ihn immer an einen Wildbach im Wald, ihre Locken waren unzähmbar schön und dieses Mädchen, diese junge Frau versprach Abenteuer und Freiheit. Oh ja, schon in ihrer Kindheit hatten sie den größten Blödsinn zusammen angestellt, frech und mutig waren sie auf die höchsten Bäume geklettert oder hatten in der abgelegenen Nachbarschaft Streiche gespielt, nun raubte sie ihm das Herz und er konnte es ihr nicht einmal sagen, denn Amy war seit über einem Jahr schon mit Damian zusammen. Damian war einer seiner engsten Freunde und ebenfalls wie ein Bruder, Damian war der Sohn des toten besten Freundes seines Dads und Herr im Himmel, hier wurde die Sache immer komplizierter. "So ist das also, sie ist das Mädchen, dass dir den Kopf verdreht hat?", murmelte sein Dad plötzlich neben ihm stehend und keuchend zuckte er zusammen, drehte sich weg und linste die Treppe rauf, das war dann für heute schon das zweite Mal, dass sein Vater ihn so aus dem Konzept brachte. "Was? Nein, wie kommst du denn darauf, nein, ich war nur in Gedanken versunken, muss noch lernen und so. Danke, Dad.", antwortete er und sah seinem Vater in die eisblauen Augen, die nun zu Amy blitzten. Was stammelte er denn da? "Ben.", konterte Chris trocken und sie sahen sich wieder in die Augen, durfte das denn die Wahrheit sein? Hilflos stand er da und spielte an seinem Armband herum, wie er das immer tat, wenn er nicht mehr weiter wusste, Antwort würde er seinem Dad nun aber keine geben. "Komm schon, wir reden später in Ruhe darüber, wenn du möchtest.", murmelte sein Dad wieder und zwinkerte ihm zu, legte ihm den Arm um die Schultern und zog ihn so mit sich mit in den Garten. "Ah, da seid ihr ja. Hey mein Schatz, lass dich mal drücken.", forderte seine Tanze direkt und er wurde in die Runde geschoben, lächelte verhalten und umarmte seine Tante zaghaft, über ihre Schulter linsend hatte er nämlich nun auch Damian ausfindig gemacht und das verhagelte ihm die Laune um ein vielfaches, musste das denn nun sein? "Hey Tante Mina, Sid.", murmelte Ben verlegen und gab Amys Vater nur die Hand, denn ihm war das alles unangenehm und er wollte sich ja nicht gleich verraten. "Ben, geh doch rüber und setz dich als zu Amy und Damian, ich komm dann gleich nach und wir können anfangen, ja?", bat seine Tante und schweren Herzens sah er mit einem letzten Blick zu seinem Vater, der nur wieder zwinkerte und nickte. Großer Gott, heute hatte er so gar keine Lust auf diesen Mist hier, wahrscheinlich würde er sich eh nicht konzentrieren können und alles versemmeln, was sie eigentlich lernen mussten. Missmutig schlurfte er deshalb die beiden Stufen hier ins Gras hinab und steckte sich die Hände in die Hosentaschen, lief mit gesenktem Blick zu dem großen Gartentisch hin und räusperte sich, denn Amy und Damian hatten sich gerade in einen Kuss vertieft und nahmen irgendwie kaum Notiz von ihm. "Leute, ehrlich mal.", bat er und ließ sich von Damian den Mittelfinger zeigen, wohingegen Amy nur aufgeregt schmunzelte und eine hauchzarte Röte auf ihren Wangen liegen hatte. "Hey Ben.", grüßte sie ihn und rückte ein wenig von Damian ab, der sich eine Kippe ansteckte und Amy durch die Haare wuschelte. "Hey mein Freund, da bist du ja endlich. Hast du nächste Woche Bock, uns zu helfen?", grüßte Damian ihn und sie gaben sich brüderlich die Hand, doch in Ben rumorte es. "Helfen? Wobei?", fragte er unsicher nach und linste wieder zu Amelia, die sich nun die Locken zurechtzwirbelte und Damian einen verliebten Blick zuwarf. "Wir ziehen nach Woodland Heights in die Nähe der Uni und können jede helfende Hand gebrauchen. Also, Bock zu helfen?", wollte Damian von ihm wissen und nun schluckte er, offenbar sah er auch so erschrocken aus, wie er sich gerade fühlte. "Wie, was, Woodland Heights. Zieht ihr zusammen?", fragte er krächzend nach und ihm wurde bewusst, dass Amy vermutlich absolut außerhalb seiner Reichweite lag. Oh Mann. "Ja, wird ja langsam mal Zeit. Liana und Fiona werden auch helfen, ebenso meine Eltern, wobei ich darauf gut verzichten könnte.", murrte Amelia mit Blick zur Terrasse, wo sein Dad gerade über Sid lachte und Mina sich in Bewegung setzte, um zu ihnen an den Tisch zu kommen. Fiona war Damians kleine Schwester und gerade 17 geworden, Liana hingegen war 18 und Craigs Tochter, sozusagen ebenfalls eine Schwester im Geiste von ihnen allen. "Eh, ja, klar, warum nicht. Sagt mir einfach wann und wo, ich werde da sein.", murmelte er kleinlaut und schluckte die Traurigkeit hinab, denn wenn Amelia und Damian zusammen ein neues Leben beginnen würden, dann war er ab sofort das fünfte Rad am Wagen. "Was ziehst du denn nun für ein Gesicht? Passt es dir nicht, dass ich dieses heiße Mädchen hier meine Freundin nenne?", fragte Damian und grinste schief, Amy tippte sich mit dem Finger an die Stirn und Ben schüttelte den Kopf, wobei er heimlich Amys Oberkörper musterte. "Red` keinen Quatsch, du Blödmann. Sie ist wie meine Schwester, das weißt du doch.", konterte er und wartete auf eine Retourkutsche, doch dazu kam es nicht, weil Mina nun endlich den Tisch erreichte und sich zwischen Damian und ihn setzte. "So, meine lieben, habt ihr fleißig geübt?", fragte seine Tante in ihrer Muttersprache und Damian hob beide Hände, denn er verstand die fremde Sprache nicht. "Und ich bin raus, entschuldigt mich, Ladies, ich besorg mir was zu trinken.", meinte der Blödmann und stand auf, drückte Amelia einen Kuss auf die Stirn und verschwand mit einem breiten Grinsen in Richtung Haus, Ben hingegen sah zu Amelia und seufzte wieder schwer. Sie war glücklich mit Damian, sie wollte mit ihm zusammenziehen und aus ihrem Elternhaus raus, wollte mit Damian zusammensein. Wie hatte er sich da bloß den Hauch einer Chance ausmalen können, wo sie so weit weg wie nie zuvor schien?


"Was war das denn für eine verhaltene Begrüßung?", fragte Sid nun leise und zog an seiner Zigarette, während Mina nun auf den Tisch zulief und einen Block mit dem heutigen Unterrichtsmaterial in den Händen hielt. Die Wildkatze brachte ihrer Tochter und seinem Sohn Deutsch bei, das brauchten beide für ihr Studium und es war eine schöne Verbindung für Ben zu seiner Mutter, auch wenn es ihm persönlich vermutlich mehr bedeutete als seinem Sohn. "Ich weiß es nicht, Sid. Ben ist seit Tagen so ruhig und zieht sich zurück, vertieft sich in sein Studuim und grübelt manchmal stundenlang vor sich hin. Die Liebe, du kennst das doch.", antwortete Chris und schmunzelte, da Sid eine Augenbraue hob und zu dem Tisch sah, wo Damian sich nun erhob und Amelia einen Schmatz auf die Stirn drückte, was Ben nur sehr argwöhnisch begutachtete. "Die Liebe, hm? Und wer ist seine Traumfrau?", wollte Sid wissen und Chris schmunzelte wieder, beobachtete Ben kurz und sah zu seinem Kumpel rüber. "Ich kenne nicht alle Damen, die mit Ben zusammen in seinen Vorlesungen in einem Saal sitzen, Sid. Noch hat er mit mir nicht darüber gesprochen und vorgestellt wurde mir auch noch kein Mädchen, ich kann es dir nicht sagen. Aber Ben ist alt genug, um das selbst zu regeln, ich lass ihm da seine Freiheiten.", antwortete er und sah zu Damian, der nun auf die Terrasse kam und breit grinste. "Kann ich mir was zu trinken holen?", fragte der junge Mann und wie selbstverständlich nickte er zum Haus hin, immerhin waren die Kinder hier ja mehr oder weniger groß geworden. "Aber natürlich, du weißt ja, wo alles steht.", antwortete er Pauls Sohn und öffnete die Tür zum Haus wieder, sodass Damian an ihm vorbei eintreten konnte. "Gut, danke, ich warte dann oben, bis die ihren Quatsch da gelernt haben.", sagte Damian und verschwand im Haus, Sid sah ihm nach und grunzte. "Ich schwöre dir, wäre er nicht Pauls Sohn, ich hätte hm schon dreimal den Kopf abgerissen.", brummelte der DJ und Chris schmunzelte wieder, denn Sid achtete sehr auf seine Tochter. "Er will mit ihr zusammenleben, Sid, das sind doch gute Nachrichten. Und Damian ist ein anständiger junger Mann, er wird auf Amy gut aufpassen.", meinte er belustigt, während Sid nur die Augenbrauen hob. "Ich hab sie neulich in der Garage erwischt, Chris. Halb nackt und wild knutschend standen sie am Auto und fummelten da aneinander herum. Ich meine, was soll ich denn machen, wenn sie schwanger wird oder so? Whoa, der Gedanke treibt mich in den Wahnsinn.", brummelte Sid und zog wieder an seiner Kippe, Chris hingegen sah nun wieder zu Ben. "Na, ihnen Raum für ihre Beziehung geben? Hättest du dir reinreden lassen, als du damals total verschossen in Mina an dem Grashüpfer rumfingern durftest? Amelia ist ein kleiner Wildfang, das hat sie von dir, aber sie ist nicht dumm. Sie wird schon auf sich aufpassen.", antwortete er ernst und Sid brummelte wieder, was er ja nur zu gut verstehen konnte. Es war nicht leicht, die jungen Leute ziehen zu lassen und Sid hing sehr an seiner Tochter, aber die beiden waren keine 8 mehr. Aber ihm schwante da ein Unglück, denn wenn Ben sich tatsächlich in Amelia verliebt hatte, würde sein Sohn das irgendwann zur Sprache bringen müssen und das würde in einem Chaos enden. Die beiden standen sich sehr nahe, waren wie Geschwister hier aufgewachsen, da würde eine Liebesbekundung zur falschen Zeit am falschen Ort einen tiefen Riss ziehen. "Sie sollte nicht ausziehen, sondern sich auf das Studium konzentrieren und sich ein Leben aufbauen. Sie sollte...", begann Sid wieder zu mosern, doch die Klingel durchbrach seinen Redeschwall und irritiert sahen sie beide durch die Scheiben ins Innere des Hauses. "Sie sollte glücklich sein, Sid. Und das ist sie doch. Entschuldige mich.", antwortete er und öffnete wieder die Tür, trat ins Foyer seines Hauses und sah zur Küchentür, wo Damian mit einem Glas Wasser erschien und zur Tür wollte. "Ich geh schon, du kannst ruhig hochgehen.", meinte er und klopfte Pauls Sohn im Vorbeigehen auf die Schulter, Damian war ein anständiger junger Mann geworden und kein Spieler, der Amelia nur das Herz aus der Brust reißen würde. Nein, die beiden waren jetzt schon über ein Jahr zusammen und sollten ihren Weg alleine finden, sie alle hatten diesen Schritt gehen müssen. Stumm schlich Damian die Treppe hoch und Chris öffnete die Haustüre, um direkt in eine etwas stürmische Umarmung gezogen zu werden. "Oh hey langsam, Kleines, du reißt mich ja von den Füßen.", sagte er erschrocken und erwiderte die Umarmung von Liana, die ganz aufgeregt zu sein schien. Craigs Tochter war etwas mehr als zwei Jahre jünger als Ben, sie war ebenfalls halb hier aufgewachsen und es wunderte Chris, dass sie ihn nun losließ und ihm einen Führerschein in die Hand drückte. "Ich hab bestanden, Onkel Chris, ich hab endlich meinen Führerschein! Wo ist Ben, ich muss ihm den Lappen zeigen!", jappste das Mädchen aufgeregt und Chris nahm den Führerschein entgegen, besah sich das Bild darauf und schloss Craigs Tochter wieder in die Arme. "Herzlichen Glückwunsch, Kleines. Ben übt gerade mit Amelia und Mina im Garten, das wird noch eine Weile dauern. Wo ist denn dein Dad?", fragte er neugierig und spähte auf den Hof hinaus, wo nun mehrere Autos standen und sonst niemand zu sehen war. "Im Studio bei Mom, er hilft ihr heute aus, da Karen sich krank gemeldet hat.", antwortete Liana nur freudestrahlend und nahm ihren Führerschein wieder entgegen, dabei schmunzelte Chris über die junge Frau. Sie hatte schwarzbraunes, welliges Haar und ganz dunkelblaue Augen, das Strahlen von Melissa im Herzen und schon das ein- oder andere Tattoo in der Haut, denn Melissa und Craig gingen das Thema Erziehung nun wieder ganz anders an als Sid und Mina zum Beispiel. Liana hatte dort Freiheiten, wo Amelia von Sid an die Hand genommen wurde, Amelia hingegen war wilder und unbefangener als Liana. Das Mädel hier kam halt ganz nach ihrem ruhigen Papa, der ja manchmal auch die Zähne nicht auseinander bekam. "Und wo hast du Danny gelassen?", fragte er und sah nun, dass Liana in den Garten spähte und abwinkte. Danny war Lianas kleiner Bruder. "Der ist noch in der Schule, den muss ich nachher abholen. Ich rufe heute Abend mal an, wenn ich darf.", antwortete das Mädchen da vor ihm und strahlte ihn glücklich an, Chris hingegen nickte nur und sah hoch in die Galerie, wo Damian nun den Kopf über das Geländer steckte. "Aber natürlich darfst du, Ben wird sich sicher freuen. Du kannst auch noch bleiben und warten, wenn du Zeit hast.", schlug er vor und Liana folgte seinem Blick zu Damian hoch, rümpfte die Nase und schüttelte dann den Kopf. "Nein, ich würde gern mit Ben alleine reden. Ich geh wieder, sag ihm bitte, dass ich da war. Ich hab meinen Führerschein, ich freu mich so!", murmelte sie und Chris hob beide Augenbrauen, was genau ging hier eigentlich unter den jungen Leuten ab? Er gehörte selbst zum alten Eisen und mit der Liebe hatte er seit Jahren nichts mehr am Hut, aber neugierig war er ja doch, deshalb folgte er Liana auf die Veranda hinaus und hielt das Mädchen dort kurz am Arm fest. "Schätzchen, was hat dieser Blick zu Damian denn zu bedeuten? Habt ihr Stress untereinander? Ihr seid alle wie Geschwister, also wenn es Zoff gibt, dann regeln wir das, ja?", meinte er und wieder rümpfte Liana die Nase. "Ja, nein, ich will nur nicht mit ihm allein da oben sitzen und mir anhören, wie toll Amelia doch ist und so. Alles okay, keine Bange. Also, ich fahr dann mal. In meinem Auto. Ich bin immer noch total geflasht.", grinste sie ihn an und Chris nickte, ließ Craigs Tochter los und beobachtete, wie sie zu einem Ford lief, einstieg und zum Abschied noch einmal winkte. "Ärger im Paradies?", hakte Sid nun hinter ihm stehend nach und Chris sah über seine Schulter zu dem DJ hin, der Liana winkte und ihn misstrauisch ansah. "Ich weiß es nicht. Ich komm mit den jungen Leuten nicht mehr mit, Sid. Wir sind nun die alten Männer.", meinte er und sah, dass Sid verstimmt aussah. "Damian hat Liana vor seiner sogenannten Beziehung zu Amy hübsche Augen gemacht. Dass sie ihm aus dem Weg geht kann ich verstehen. Ich geh ihm auch manchmal aus dem Weg und ja, noch einmal 35 sein und Flausen im Kopf haben. Waren schöne Zeiten damals.", antwortete Sid nun verdrießlich und sah zu dem Glaswindspiel in der Ecke, welches an die vergangenen, weit glücklicheren Tage erinnerte. In der Sonne ließ es Lichtpunkte an der Hauswand entlang tanzen, die ihn immer an Elás seidiges, glänzend schwarzes Haar erinnerten. Sachte berührte er seine Armbeuge und sah zu dem Tattoo mit den Buchstaben und den Daten seiner Familie hinab, welches Melissa ihm vor einigen Jahren endlich mal vervollständigt hatte. "Ich werde heute Abend ein ruhiges Gespräch mit Ben führen, vielleicht erfahre ich ja dann, warum die Geschwister sich plötzlich so aus dem Weg gehen und was hier eigentlich los ist. Ich will keinen Zank unter den Kids sehen, wir haben schon so viel verloren. Das hier soll nicht auseinanderbrechen.", murmelte er und dachte an seine Mutter, die an ihrer Krebserkrankung gestorben war, nachdem er sich damals vor einer halben Ewigkeit endlich von Elá hatte verabschieden können. Es stimmte, sie hatten zuviel in ihrem Leben verloren, nun sollte die junge Generation nicht auseinander driften und das Band der Familie aus den Augen verlieren.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast