Morrowind hautnah

von OmaGrusel
KurzgeschichteAbenteuer, Fantasy / P18
16.02.2019
31.10.2019
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Hallo ihr Lieben,

wenn ihr bis hierher gekommen seid, zeigt das, dass ihr euch für meine Kurzgeschichtensammlung interessiert.

Die Geschichten  handeln von Quests oder Personen aus TES III, aber umfassender erzählt und mit Wendungen die es im Spiel nicht gibt.
„Hautnah“ weil  die meisten von ihnen das sind, was man in meiner Jugend als „anzüglich“ (sinngemäß eher auszüglich ) bezeichnet hätte, die einen etwas mehr, die anderen etwas weniger.
Heute ist das ja nicht mehr so schlimm, aber man weiß ja nie, deshalb P 18

Viel Spaß wünscht Oma





Gnisis


Ein Blitz durchstieß die dunkelgraue Wolkendecke und hüllte für den Bruchteil eines Augenblickes alles in ein gleißend helles Licht. Unmittelbar darauf erklang ein Donnerschlag. Es war kein entferntes, anhaltendes Grollen, sondern ein lauter, markerschütternder Knall, der die Umgebung erzittern ließ. Dann begann der Regen. Heftig prasselten die Tropfen herab, und Tschibo war im Nu bis auf die Haut durchnässt.
Ein weiterer Blitz zuckte am Firmament und noch einmal erschallte der ohrenbetäubender Krach. In dem kurzen Moment des Lichtes erblickte Tschibo in etwa hundert Schritt Entfernung ein Holzgerüst, eine Plattform in etwa fünfzig Fuß Höhe auf Pfählen mit einem Leiteraufgang – ein Schlickschreiterhafen.  
Die Station war leer und verlassen, keines der riesigen Insekten war zu sehen.
Der ideale Unterstand, dachte die junge Dunmer und lief auf das Bauwerk zu.
Triefend und vor Kälte zitternd ließ sie sich in das trockene Heidegras fallen, das unter dem Gerüst wuchs.

Eigentlich hatte sich Tschibo ihre Ankunft in Gnisis, der Stadt an den Fjorden des nordwestlichen Vvardenfells anders vorgestellt.
Tagelang war sie durch die malerische Landschaft von Khuul aus nach Süden gewandert. Sie war an die Stelle gekommen an der sich drei kleine Quellflüsse zum großen Samsi River vereinten. Dort  hatte sie auf einer langen, schmalen, schwankenden Hängebrücke den weit unter ihr gelegenen westlichsten Nebenarm überquert, war zu einem schmalen Pfad gelangt, an dem linker Hand der Strom und rechts ein steiles Bergmassiv entlang führten. Der Fluss verlief brausend in einer tiefen Schlucht, die Felswände zu beiden Seiten waren schroff und zerklüftet.
Sie war dem Weg gefolgt bis sie die Mauern der Totenkopffalter Garnison vor sich auftauchen sah.
Die imperiale Festung versperrte die Straße. Ein bewachter Torbogen überdachte den Weg. Der Soldat in der kaiserlichen Rüstung, der davor stand, ein grimmig dreinblickender Ork, ließ die Dunkelelfe passieren ohne sie anzusprechen.
Tschibo war am südlichen Ende der Halbinsel angekommen, zu der der Samsi River und die Innere See das Land formten – jene Halbinsel auf der die Dunmerstädte Ald Velothi im Norden und Gnisis im Süden lagen. Hier machte der Fluss einen Knick nach Westen, wo er weit in der Ferne ins Meer mündete.
Der Weg folgte der Kurve und führte eng am Ufer entlang. Die Böschung war zwar sehr steil, aber nur wenige Fuß tief. Auf der gegenüberliegenden Seite des Wassers türmten sich die Felsen hoch in den Himmel.
Das Gebirgsmassiv zur Rechten Tschibos wich zurück, und in der Ferne waren die Häuser der Stadt Gnisis zu sehen.
Es war bereits später Nachmittag. Die Sonne war schon hinter den Bergen verschwunden. Der Himmel war mit dunklen Wolken verhangen. Tschibo beeilte sich um die Siedlung noch vor Einbruch der Dämmerung zu erreichen. Sie war unterwegs im Auftrag Meister Aryons. Ihr Ziel war das Anwesen des Magiers Baladas Demnevanni, für den sie eine Botschaft mit sich trug.

Zu dumm, dass das Gewitter sie so kurz vor der Stadt zu einer Rast gezwungen hatte. Tschibo kauerte unter der Schlickschreiterstation und fror. Vielleicht würde ein kleiner Wärmeball Abhilfe schaffen?
Tschibo, seit einem halben Jahr Magierschülerin im Hause Meiser Aryon Vos', ging in Gedanken die Lektion durch und wandte ihre Kenntnisse akribisch an. Bald schwebte eine kopfgroße, leuchtende Kugel vor ihr und strahlte Wärme und, Tschibo war sich dessen ganz sicher, Geborgenheit aus.
Die Blitze waren schwächer geworden und die Abstände zwischen ihnen größer. Schließlich hatten sie ganz aufgehört und das Stakkato des Donners war einem fernen Grollen gewichen. Der prasselnde Regen verwandelte sich in ein leichtes Nieseln. Tschibo machte sich bereits Gedanken darüber aufzubrechen, als sie vermeinte ein Rufen zu hören.
Sie lauschte. Da, es erklang wieder. Eine männliche Stimme rief leise:
„Ist da jemand? Hört Ihr mich?“
Es kam vom Wasser. Tschibo kroch zur Böschung und sah hinunter. Es war absolut dunkel. Der Wärmeball war erloschen,  als sie sich abgewandt hatte.
Erneut beschwor sie eine magische Kugel, die in der Finsternis schimmerte.
Etwas zehn Fuß unter ihr und einige Schritte vom Ufer entfernt stand, bis zur Taille im Wasser, ein Mann. Er war ein Dunmer, noch jung mit hübschen, allerdings wehleidig verzogenen Gesichtszügen. Sein Haupt war kahlgeschoren, bis auf eine runde Stelle am Hinterkopf, an der ein dicker, weißer Zopf wuchs. Gekleidet war er in ein nasses Leinenhemd.
„Könnt Ihr mir helfen?“, frage er, einen klagenden Ton in der tiefen Stimme.
Tschibo überlegte. War das eine Falle? Wenn ja, war ihr nicht ersichtlich worin diese bestehen könnte.
„Was genau ist Euer Dilemma?“, wollte sie wissen. „Hängt Ihr im Wasser an Wurzeln fest? Oder seid Ihr verletzt?“
„Nichts dergleichen“, antwortete der Mann. „Ich … äh... ich bin nackt...“
„Aber Ihr tragt doch ein Hemd!“, stellte Tschibo fest.
„Ja … äh... aber nur ein Hemd,“ bekannte er.
„Und weiter?“
„Nichts weiter! Ich habe keine Hose an und kann deshalb das Wasser nicht verlassen!“
„Warum nicht?“ wunderte sich Tschibo.
„Hainab Lasamsi hat mir meine Hose geklaut, als ich beim Baden war. Dieser gemeine Schuft lässt keine Gelegenheit aus mich zu beleidigen und vor anderen zu beschämen.“
„Nun,“ entgegnete Tschibo. „Ich wollte eigentlich wissen, warum Ihr das Wasser nicht verlassen könnt. Es ist Nacht! Keiner sieht Euch! Wie lange steht Ihr denn da schon? Ihr holt Euch bei diesem Wetter den Tod! Und warum tragt Ihr beim Baden ein Hemd?“
„Ihr habt ja keine Ahnung!“, jammerte der Mann.
„Es sind doch so viele Leute unterwegs. Ich bin Minenarbeiter und wohne in einer Gemeinschaftsunterkunft. Meine Kameraden würden mich lauthals auslachen, wenn ich ohne Hose erscheinen würde. Und es sind Frauen unter ihnen!“
„Und was meint Ihr, was ich für Euch tun könnte?“, wollte Tschibo wissen.
„Leider besitze ich kein Kleidungsstück, das Euch passen würde!“
„Ihr müsst zu Hainab Lasamsi gehen und ihn dazu zwingen meine Hose herauszugeben! Sagt ihm,
Hentus Yansurnummu verlangt seine Hose zurück! Befielt es ihm! Schüchtert ihn ein! Zwingt ihn! bittet ihn!“
„Ihr seid verrückt!“, entfuhr es Tschibo.
„Es ist Nacht! Ich kenne Hainab Lasamsi nicht! Und ich habe keine Ahnung wo ich ihn finden kann. Kommt erst einmal aus dem Wasser, bevor Ihr noch krank werdet! Uns wird dann schon etwas einfallen.“
War so viel Dummheit möglich? Tschibo konnte es nicht fassen.
Hentus schien zu überlegen.
„Gut,“ sagte er. „Ich komme heraus. Aber Ihr müsst Euch umdrehen.“
Tschibo wandte sich ab. Sie hörte unten ein leises Plätschern. Vorsichtig schob sie ihren Kopf nach vorne und spähte über den Rand der Böschung.
Hentus stieg aus dem Wasser. Es schien am Ufer seichter zu werden. Bald sah sie, dass er tatsächlich keine Hose trug. Sein Hemd endete kurz unter der Taille. Bei Azura – war dieser Mann gut gebaut! Und das trotz des Bades im kalten Wasser!
Dann entschwand er ihren Blicken. Die Böschung schien überzuhängen.
„Warum zieht Ihr nicht das Hemd aus und wickelt es um Eure … äh …. Mitte?“, fragte Tschibo.
„Dann könnt Ihr die Böschung herauf kommen.“
„Ja, das ist eine gute Idee,“ rief der Mann.
Es dauerte eine Weile bis er etwas weiter stadteinwärts den Abhang empor geklettert kam. An dieser Stelle schien ein Weg vom Fluss heraufzuführen.
Es hatte ganz zu regnen aufgehört, und die Wolken waren verschwunden. Die Monde standen hoch am Himmel und erleuchteten die Nacht.
Die beiden neuen Bekannten marschierten zusammen den Häusern entgegen. Hentu führte Tschibo zu „Madachs Handelshaus“, einer Taverne, in der es auch Zimmer zu mieten gab. Er weigert sich jedoch mit einzutreten. Tschibo zuckte die Schultern. Das war nicht ihr Problem. Sie würde sich  hier einquartieren.
Als sie allerdings in der Mitte der Nacht das Fenster ihres ebennirnigen Raumes öffnete und leise nach Hentus rief, scheute dieser sich nicht durch eben diese Öffnung zu klettern. Es war doch etwas kalt draußen und ein Schlafplatz im Haus, wenn auch auf dem Boden, war um einiges besser als im Freien.

Als Erstes am nächsten Morgen besorgte Tschibo auf dem Markt bei einem Kleiderverkäufer namens Zebba Benamamat für wenig Draken eine neue, schicke Hose.
So konnte Hentus Yansurnummu bereits gegen Mittag seine selbst gewählte Isolation verlassen. Stolz marschierte er in Begleitung seiner schönen neuen Bekannten durch Gnisis, genoss die verwunderten Blicke der Stadtbevölkerung ob dieser ungewöhnlichen Eroberung, traf zu seinem größten Vergnügen sogar auf einen mehr als erstaunten Hainab Lasamsi.
Tschibo brachte ihren neuen Bekannten bis zum Wohnquartier bei der Eiermine, bevor sie sich augenzwinkernd verabschiedete, um den Magier aufzusuchen, den zu treffen sie nach Gnisis gekommen war.
Ein altes dunmerisches Sprichwort sagte:
Hochmut kommt nach dem Fall.
- Und ein weiteres:
Die dümmsten Männer haben die schönsten Frauen.

Nach der Quest „Hentus' Hosen“
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