Leaving behind

GeschichteAllgemein / P18
16.02.2019
19.08.2019
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Es stellte sich heraus, dass die Bienen stechlustig reagiert hatten, weil er ein falsches Mittel zum Ausräuchern benutzt hatte.
Die nächsten Tage war Diana damit beschäftigt ihm zu helfen die Bienen umzusiedeln.
In Zukunft würde er nur kleine Rauchstöße nutzen und es mit reinem Wasserdampf versuchen.
So hatte sie es früher gemacht, aus Liebe zu den Tieren.
Außerdem mussten dringend mehr Wildblumen ausgesät werden.

In den nächsten Tagen sah sie kaum etwas von Daryl oder der Anführerin, Maggie.
Carol erzählte ihr, dass Maggie Daryl ein wenig überrumpelt hatte, weil die Dinge anders liefen als geplant.
„Manchmal macht sie das, so ist sie eben“, sagte sie, während sie mit Melody an einem Übungsmotor bastelte.
„Und ich bin morgen wieder weg, ich will zurück ins Königreich.“
Das hatte Diana gewusst, aber es traf sie ein wenig.
Sie hatte bisher keinen Anschluss gefunden und wusste weder ob sie das wollte, noch wie sie es anstellen sollte, eigentlich hatte  sie gedacht, ab und zu mit Daryl zu sprechen und ansonsten für sich zu sein, würde ausreichen.
Doch der ließ sich nicht blicken.
So hatte sie eigentlich nur zu Tara und Carol Kontakt und eine von beiden, die die nicht so viele Fragen stellte, würde nun gehen.

Am nächsten Tag kam Tara zu ihr ins Zimmer.
„Hey Diana, Maggie hat gerade gesagt, dass du etwas dauerhaftes bekommst. Du bleibst über den Winter, also doch wohl ein paar Monate. In zehn Minuten am schwarzen Brett?“
Also packte sie das wenige das sie ausgepackt hatte wieder ein und folgte Tara.
„In dem Haus ist etwas frei geworden. Außer dir wird auch Daryl noch einziehen, der ja nun länger bleibt und Henry,“ das musste Carols Junge sein. „Außerdem wohnen Stacy und Paul da.“
Sie führte sie durch das kleine Haus.
Jeder hatte ein eigenes Zimmer, es gab eine Gemeinschaftsküche, ein Wohnzimmer und nur zwei Bäder.
Der Keller wurde ebenfalls gemeinsam genutzt.
Das Zimmer war wesentlich kleiner, ein Einzelbett, ein Schrank, ein Schreibtisch mit Stuhl, Vorhänge vor dem kleinen Fenster waren das einzig dekorative im Raum.
Aber es gab einen Schlüssel, um sich einzuschließen und somit endlich wieder so etwas wie Privatsphäre.
Sie packte den Rucksack in den Schrank und setzte sich auf das bezogene Bett.

Es klopfte.
Carol.
„Hey, ich fahre los und wollte mich noch verabschieden. Du bist uns im Königreich jederzeit willkommen, ich wollte, dass du das weißt.“ Sie lächelte sie aufmunternd an.
„Und nicht nur, weil du nützlich bist, sondern weil ich dich für eine von den guten halte und das kommt nicht oft vor.“
Carol klopfte ihr auf die Schulter. In der Tür wandte sie sich nochmal um.
„Achte mir ein bisschen auf ihn, ja? Er war lange ganz alleine, bevor er dich traf.“
Sie musste nicht fragen, wer gemeint war.
Was sollte sie darauf antworten?
Aber ehe sie sich zu einer Reaktion entschlossen hatte, war Carol verschwunden.

Diana schlenderte in Richtung der Kräuterbeete.
Enid, die Heilerin des Ortes war dort.
„Das ist eine schöne Zucht“, sie nickte ihr zu, Enid lächelte zurück.
„Aber du brauchst ein Gewächshaus. Eins das wir beheizen können, damit wir im Winter auch Kräuter haben.“ Enid setzte sich auf. „Das klingt sehr gut. Ich habe damit im Laufe der Zeit begonnen. Es wurde in den letzten Jahren immer mehr. Wir hatten keine Medikamente mehr. Keine, die noch gut waren.“
Diana nickte.
„Meine Eltern hatten eine Apotheke, ich hab einiges aufgeschnappt.“
„Es gibt ein Krankenhaus“, sagte Enid „Aber es ist voll von Beißern, da kommen wir nicht ran.“
„Und weiter weg?“
Enid zuckte mit den Schultern und musterte sie mit neuem Interesse.
„Was hast du denn so aufgeschnappt?“
Sie biss sich auf die Zunge.
„Oh, nur dies und das, Baldrian beruhigt...solche Sachen halt.“
Enid wirkte ein wenig enttäuscht und nickte.
„Vielleicht magst du mal mit mir zusammen Medikamente herstellen, wer weiß, ob dir noch was einfällt?“
Diana nickte
„Gern. Ich weiß nur noch nicht, wie ich mich sonst nützlich machen kann. Ich würde am liebsten jagen, aber das ist wohl zurzeit nicht angesagt. Einen Imker habt ihr und jeder kocht hier für sich selbst, eine Räucherkammer ist noch nicht da.“
Enid sah sie nachdenklich an.
„Ich hab‘ da so ein paar Ideen…ich werde mit Tara reden und dann sehen wir ja, in Ordnung?“

Abends rief Tara sie zu sich.
Daryl war ebenfalls da.
„Diana, Enid kam heute zu mir und hatte eine Idee. Ich würde gern deine Meinung dazu hören. Ich weiß, dass du dich am liebsten mit Plündern und Jagen nützlich machen willst. Und Daryl ist einverstanden, dich in seinem Team mitzunehmen. Aber Enid hatte heute ein Gespräch mit dir und sie sagt, sie denkt du könntest versuchsweise in der kalten Zeit in einem Gewächshaus in dem sie Kräuter zieht, Obst und Gemüse anbauen. Ein Gewächshaus war schon länger im Gespräch, wir möchten es noch im Herbst in die Tat umsetzen. Außerdem werden uns einige der Männer eine Räucherhütte bauen. Was meinst du dazu?“
Diana räusperte sich unbehaglich.
„Ich würde lieber mit Daryl gehen. Aber ich helfe Enid gern, wenn sie es möchte."
„Wie wäre es, wenn sie erstmal bei uns mitfährt, solange das Gewächshaus noch nicht gebaut ist und dann wechselt?“
Daryl sah  dabei nicht auf.
Tara nahm diesen Faden auf..
„Wäre das okay für dich? Du bist gut im Handwerk, oder? Du kannst auch gern daran mit bauen, aber du musst nicht, wir haben zwei Zimmermänner, einige Leute die gern zupacken und eine Architektin hier.“
„Ich möchte wirklich gern draußen sein.“
Tara nickte erneut.
„Gut, aber achte auf dich. Wir haben jetzt Ärger mit diesem flüsternden Pack.“
Daryl hatte sie die ganze Zeit nicht angesehen, nicht mal als er seinen Vorschlag machte.
Eigenartig, dass Carol wollte, dass sie auf ihn achtete, denn er war ihr gegenüber so verschlossen.
Mehr als den anderen gegenüber wahrscheinlich.
Außerdem hatte sie ihn seit ihrer Ankunft kaum gesehen.
Doch das änderte sich jetzt schlagartig.
Sie lebten nun in einer Wohngemeinschaft.
Stacy und Paul waren nette, aber wirklich nervige Mitbewohner, Stacy versuchte ständig sie dazu zu bringen im Handarbeitskreis mitzumachen.
Abends las sie immerzu aus Büchern vor, aus kitschigen Arztromanen, die anständige Leute in ihren Sockenschubladen versteckten und die vernünftige Menschen erst gar nicht erst lasen.
Sie und Paul waren Geschwister und nicht wie von Diana vermutet ein Paar.
Paul war ziemlich offensichtlich an ihr interessiert und sie mied ihn wo es ging, da sämtliche Hinweise anscheinend zu subtil waren.
Erwischte er sie, verwickelte er sie in endlose Gespräche über Vogelkunde.
Henry war ein guter Junge, der nur Augen für Enid hatte und beim Schmied in der Lehre war, weshalb er quasi von morgens bis abends unterwegs war.
Zudem war da noch dieses Mädchen, eine von den, wie Diana sie nannte „Whisperers“.
Sie war hier gefangen gewesen und kürzlich eingetauscht worden, obwohl jeder wusste, dass ihre Mutter, „Alpha“, die die Whisperers anführte, sie misshandelte.
Henry war der Gruppe nachgelaufen, aber Daryl hatte ihn vorausschauend abgefangen und zurückgebracht.
Ein Wunder, dass Carol nach diesen Ereignissen, aufgrund derer sie länger geblieben war, alleine zurückreiste und ihren Sohn quasi in der Fremde ließ.

Am Abend vor der Plünderung klopfte Daryl an ihre Zimmertür.
„Wir fahren bei Tagesanbruch“, sagte er, kurz angebunden wie üblich.
Sie nickte ihm zu und schon war er wieder weg und schloss die Tür hinter sich.

Wie vereinbart war sie bei Sonnenaufgang aufbruchsbereit.
Das Team bestand aus Daryl; einem sehr kleinen Mann, dessen Namen sie nicht kannte; Anna, die sonst auf dem Feld arbeitete; Paul, zu Dianas Leidwesen, und ihr selbst.
Henry tauchte auf und bestand darauf mitzukommen.
Er wurde wütend und schließlich ließ Daryl ihn einsperren bis er zurück wäre.
„Das macht er nicht zweimal mit mir“, sagte er missmutig und mehr zu sich selbst.
Diana stieg in die Kutsche zu den anderen und sie fuhren los, nur Daryl fuhr sein Motorrad, wie immer.
Sie fuhren drei Stunden, ehe sie am Ziel waren.
Enid benötigte einige Dinge aus einer Apotheke und erst hier war eine, die nicht aussah als wäre gar nichts mehr übrig.
Diana stand vor einem Stadtplan. Das Donagal Krankenhaus war ganz in der Nähe.
Es musste das von Beißern überlaufene sein, von dem Enid gesprochen hatte.
Enid stellte sich zu ihr.
„Ich weiß“, sie seufzte.
„Wenn wir nur da rein könnten. Wir brauchen die Geräte, das Zeug für Operationen und die Fachbücher. Aber was solls. Komm!“
Sie grasten die Apotheke systematisch ab. Enid hatte dabei eine klare Liste im Kopf und lies eine Menge liegen.
Dinge die Diana sich in den Rucksack packte, die niemand wollte, von denen sie aber wusste, wie nützlich sie sein würden.
„Nehmt auch alle Rettungsdecken mit“; sagte sie an Daryl gewandt
„Wir brauchen sie zum Dämmen des Gewächshauses und überhaupt sind das kleine Wunderdinger.“
Er nickte nur.
Ein Mikroskop! Sie hätte jubeln können.
Dazu viele Träger und weiteres Zubehör.
Enid hatte dafür kaum einen Blick übrig.
Paul musterte sie.
„Was willst du denn damit?!“
Sie entschied, dass diese Wahrheit ihr nicht schaden würde.
„Ich hab mal ein paar Semester Pharmazeutischen Kram studiert.“
Er sah verblüfft aus. „Wozu?“
Man, war der schwer zu ertragen!
„Ich hatte vor in die pharmazeutische Forschung zu gehen.“
„Und warum bist du es nicht?“
Sie zuckte betont lässig mit den Schultern, während sie Flaschen mit Desinfektionsmittel einpackte.
„Hatte besseres zu tun.“
Paul und Anna tauschten Blicke, die sie geflissentlich ignorierte.
„Also, weitermachen, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!“
Daryl klang ärgerlich. „Es liegen noch ein paar Ziele vor uns.“
Alle nickten eifrig und verteilten sich, um weiterzumachen.

Nach der Apotheke ging es in einen Baumarkt, dann in zwei Arztpraxen. In der zweiten gab es ein Ultraschallgerät und einen Röntgenapperat.
„Wieso hat die keiner gefunden?! Das müssen wir nach Hilltop schaffen!“
Enid klang begeistert.
„Schreib das auf, Daryl, morgen soll ein Trupp es abholen, lasst uns das Gebäude sichern. Diana, du könntest dir den Hobbyshop unten anschauen, Daryl hat ihn gesäubert, schau, ob was Brauchbares da ist.“  
Diana tat wie geheißen. Der Laden war so gut wie unberührt.
Sie fand Strick- und Häkelnadeln, einige Stoffe, packte zwei große Tüten voll mit Wolle und Garn, schaffte Scheren und allerlei Messer in die Kutsche und zu guter Letzt ein paar Sachen, die eigentlich nicht überlebensnotwendig waren, aber vielleicht einen Winterkollaps verhindern würden.
Das Beste war, dass der Laden noch eine Spielzeug Abteilung hatte.  
Und es gab in deren Lager verblüffenderweise noch  kartonweise Batterien.
Ein echter Volltreffer.

Zu guter Letzt hielten sie vor einer Kirche.
Diana runzelte die Stirn. “Was suchen wir hier?“
Enid zuckte mit den Schultern.
„Daryl wollte hier halten. Von mir aus kannst du mit ihm gehen.“
Also folgte sie Daryl in die moderne kleine Kirche.
Zwei Beißer waren drin, die kein Hindernis darstellten.
Der Rest waren Leichen und Beißer die schon längst nicht mehr laufen konnten.
„Was machen wir hier, Daryl?“
Er antwortete nicht, was sie langsam aber sicher gehörig nervte.
Er führte sie in den Keller des Bauwerks und gab einen kleinen Siegeslaut von sich.
„Hab geahnt, dass die mit Kohle heizen!“ Er strahlte sie an „Für die Räucherhütte, zum Kochen, heizen kann man damit auch!“
Sie verkniff sich ein Lächeln, weil er aussah wie ein Vierjähriger, der einen Regenwurm ausgegraben hatte.
Während Daryl die Kohlen in Säcken zum Wagen schaffte, sah sie sich ein wenig um.
Es gab einige große und kleine Kerzen, die sie einpackte.
Zwei Bibeln, nur für den Fall...
„Kommst du, Dee?“
Sie reagierte inzwischen auf seine Abkürzung ihres Namens, wie sie leicht verärgert feststellte.
Die Kutsche war überladen und sie stellten sehr bald fest, dass die Pferde das nicht schaffen würden.
Nicht an einem Tag.
Sie mussten sie entlasten.
„Jemand muss bei Daryl mitfahren“, entschied Enid.
Anna meldete sich sofort, doch Enid schüttelte den Kopf.
„Was wiegst du, Paul?“
Aber Paul wollte auf keinen Fall auf das Bike steigen.
Sein Vater war mit so einer Maschine umgekommen.
„Dann schätze ich, ist Diana die nächstschwerste.“
Sie spürte wie ihr Gesicht heiß wurde.
Sie war immer ein Pummelchen gewesen, nie so schlank wie jetzt, aber noch immer pummeliger als andere.
Warum nur war es als Frau eine solche Demütigung kein Fliegengewicht zu sein?
Die Welt, entschied sie, war ungerecht zu Frauen.
Sie setzte den Helm auf, den Daryl ihr stumm reichte, quetschte sich zu ihm und hielt sich hinten fest.
Aber Daryl raunte ihr ein
„Ist nicht sicher, halt dich besser an mir fest, hilft auch sich in die Kurven zu legen“ zu, ehe er aufs Gas trat.

Also hielt sie sich an ihm fest und sah die Landschaft vorbei rasen.
In Hilltop wurden sie sehnsüchtig erwartet.
Es war ein eigenartiges Gefühl zu sehen, wie jeder umarmt wurde, wie die Menschen beim Anblick ihrer Freunde, Geliebten, Familie, erleichtert aufatmeten.
Und selbst kein Teil davon zu sein.
Sie fühlte sich wie ein Eindringling, der uneingeladen in eine Feier geraten war.
Also begann sie auszuladen.
Aber Daryl bremste sie, indem er plötzlich seine Hand auf ihren Arm legte.
„Nimm nur deinen Kram.“
Sie sah ihn verunsichert an, doch er sah nicht unfreundlich aus.
Tatsächlich glich das hier bisher am ehesten einem Lächeln.
„Hast genug getan, du warst gut. Jetzt kannst du ausruhen. Lass die anderen machen.“
Sie nickte ihm zu und holte ihr Zeug.
Ein wenig Ruhe auf ihrem Zimmer tat ihr gut.
Sie lag auf dem Bett und starrte gedankenverloren die Decke an.  
Es klopfte. „Ja, bitte?“ Daryl steckte wie schon am Abend zuvor seinen Kopf zur Tür herein.
„Machst du gerade was?“
Sie lächelte. „Nein, komm rein.“
Zögernd betrat er ihr Zimmer und setzte sich auf den einzigen Stuhl.
„Maggie ist nicht mehr lang hier.“, begann er.
Sie nickte. „Tara erwähnte es.“
„Ich will keine Fehler machen während sie weg ist. Wir müssen uns auf Krieg mit diesen Flüsterern einstellen, vielleicht eine Belagerung. Ich hab Leute hier drin, die an einigen Sachen arbeiten, jetzt brauchen wir aber Vorräte, die uns durch den Winter bringen.“
Er atmete tief durch
„Ich breche morgen auf, nach Oceanside. Auf dem Weg werde ich jagen, Fallen für den Rückweg aufstellen. Ich bekomme den Eiswagen.“
Sie sah ihn fragend an, doch er ging nicht darauf ein
„Ich brauch jemanden an meiner Seite, der mir den Rücken deckt. Jemanden der noch weiß wie es da draußen ist…“
Sie nickte sofort.
„Klar, ich bin dabei. Wie lange sind wir unterwegs?“
„Früher wären es schon gute sechs Stunden Fahrt gewesen. Mit allem was wir vorhaben, denk ich wir müssen einen Tag einplanen. Wir übernachten dort und fahren dann am nächsten Tag zurück, vielleicht mit Stopp in deinem Baumhaus.“
„Wann willst du los?“
„Wir fahren nach dem Frühstück.“
Er stand auf und mit einem letzten Nicken in ihre Richtung verschwand er und sie war wieder allein.
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