here comes a feeling you thought you‘d forgotten.

von eufohi
KurzgeschichteDrama, Romanze / P12 Slash
Emmeline Vance James "Krone" Potter Lily Potter Peter "Wurmschwanz" Pettigrew Remus "Moony" Lupin Sirius "Tatze" Black
14.02.2019
30.06.2020
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30.06.2020 1.793
 
author's notes: aloha! hier ist es also. das ende. und ein kleiner anfang für meine beiden süßen. das drama, welches danach kommt, klammere ich bewusst aus, weil es vorher genug gab. remus und sirius zu schreiben ist immer drama, weil die geschichte eine tragödie ist. nichtsdestotrotz lieb ichs. und ich hoffe, dass ich mit diesem kapitel das ganze ein bisschen freundlicher machen konnte. es ist ganz leicht, nichts schweres. ich hoffe, es gefällt als abschluss.


here comes a feeling you thought you‘d forgotten.
Mai 1995, Grimmaulde Place Nr. 12





Auch das Licht, das leise flackernd über dem langen Holztisch schwebt, macht die Küche vom Grimmaulde Place Nr. 12 nicht behaglicher, im Gegenteil, Sirius denkt, dass es die ganze Szene nur noch trostloser macht. Seine Hände krampfen sich auf dem Holz zusammen, ehe sie sich an das bauchige Glas klammern, das voll ist mit bernsteinfarbener Flüssigkeit, die Vergessen verspricht und weniger Gedanken, weniger von allem. Er nimmt einen Schluck, es brennt in seiner Kehle. (er liebt es.)

Das Haus trägt kein Leben in sich, egal wie viele Ordensleute sich im schmalen Flur tummeln, egal welche gefährlichen Gegenstände nur darauf warten, einem die Hand abzureißen, das Haus ist leblos, kalt und trägt nichts Warmes in sich. Hat es nie. Für Sirius ist es nur die ewige Erinnerung an eine verhasste Jugend, an Prügel und Geschrei, an toujours pur und die Maske in seinem Gesicht, die nie gepasst hat und die er nie wollte. Die Maske, von der er sich im Alter von 16 Jahren vollständig gelöst hatte, als er mit zerzausten Haaren und dunklen Schatten unter den Augen vor der Tür der Potters stand.

Er weiß, dass es richtig ist, hier zu sein und dass es besser ist als Askaban (besserbesserbesser), aber irgendwie fühlt es sich nicht besser an. Er ist nur wieder eingesperrt. Eingesperrt an dem Ort, den er nie wieder betreten wollte und hilflos, verloren irgendwie, ohne Möglichkeit des Handelns und ein bisschen kann er jetzt noch besser verstehen, wie schmerzvoll es für James gewesen sein muss, für Lily, damals in Godrics Hollow.

Noch einen Schluck. (auf dich prongs.)

Sirius muss automatisch lächeln, als er an seinen besten Freund denkt, an seine Lachfalten und die haselnussbraunen Augen voll mit Leben, voll mit Lachen. Es zwickt und tut weh, die Tragödie, aber gleichzeitig ist der Gedanke an ihn, an James, das schönste Gefühl. (bittersüß, irgendwie.)

Die Tür scharrt und Sirius hebt den Kopf und schaut in das blasse, vernarbte Gesicht von Remus, welches müde und alt aussieht, älter als es sollte und sein Herz pocht gegen seine Brust, laut und hallend.

„Du bist noch wach.“ Remus fixiert kurz das Glas, das mittlerweile leer ist und verzieht ein bisschen den Mund, so wie er es immer macht, wenn ihm etwas nicht in den Kram passt, er aber nichts sagen wird, weil er weiß, dass es ein verlorener Kampf wäre, die Diskussion.

„Ich ertrag‘ die Räume nicht.“ Sirius lacht kurz (kehlig, rau und voll bitterkeit). „Ich ertrag‘ die Räume nicht und hab die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass ein ständiger Raumwechsel mich weniger krankmacht.“ Er lässt sich gegen die alte Holzlehne des Stuhles fallen und streicht sich dann durch sein Haar, das immer noch viel zu lang ist.

„Du musst mir die Haare schneiden, Remus.“

„Mh.“

Remus schaut als wüsste er nicht, was er machen soll, scheint ein bisschen gehetzter als gewöhnlich und Sirius‘ Miene verliert ein bisschen Härte, wird weicher. (stimmt, es ist ja bald vollmond.)

„Setz‘ dich.“ Er schiebt den Stuhl neben sich ein wenig zurück, deutet auf die abgesessene Sitzfläche und versteckt ein kleines Grinsen in seinem Mundwinkel, weil er weiß, dass Remus es mag, wenn er das macht und immer ein bisschen in Verlegenheit gerät. Es ist ein altes Spiel und es gab eine Zeit, in der sich Sirius nicht bewusst war, welche Wirkung es auf Remus hat und er erinnert sich an den Tag, als er es herausgefunden hatte. (an das erste mal remus lippen schmecken, hinter den gewächshäusern, im siebten jahr.)

Die Erinnerung daran flutet warm sein Herz und pulsiert durch seinen Körper, lässt seine Fingerspitzen kribbeln und er sehnt sich danach, Remus Haut zu fühlen, die Weichheit seiner Wangen unter seinen Fingern ertasten zu können.

„Na komm schon, Moony.“

Drei unsichere Schritte braucht Remus zu dem Stuhl. Er legt seine Hand auf die Lehne und zögert noch einmal kurz, bevor er sich auf ihn gleiten lässt und es tatsächlich schafft, noch verlorener in dieser Küche auszusehen als Sirius. Dieser fühlt sich bei dem Anblick nüchterner als davor und greift mit einer vorsichtigen Bewegung, vielleicht weil er Sorge hat, Remus könnte wie ein verschrecktes Reh davonlaufen, nach dessen Arm.

Tatsächlich zuckt Remus ein wenig, sein Blick wandert zu Sirius, schwenkt dann wieder weg und fixiert etwas auf dem Boden. Seinen Arm zieht er dennoch nicht weg und als Sirius erleichtert ausatmet, wundert er sich darüber, denn er hat gar nicht gemerkt, dass er die Luft angehalten hat.

Es ist noch nicht lang genug her, denkt er. Noch nicht lang genug her, das Gras über die Sache wachsen konnte. (aber am ende hat er doch mich verlassen und nicht ich ihn, wieso fühle ich mich schuldig?)

Sie haben noch kein Wort darüber verloren, wo Sirius doch auf der Flucht war, überall und nirgends. Wo es doch so brennt, allein daran zu denken. Beide fühlen es, es brodelt, gemeinsam mit der unbändigen Erleichterung, dass sie wieder beieinander sind, dass Remus wieder zurück ist und Sirius kein Mörder.

„Remus-“ „Ich weiß.“

Remus rückt die Schultern nach hinten und dreht seinen Kopf. Sirius kann seinen Gesichtsausdruck nicht richtig deuten und in dieser Stille, die sich um sie hüllt, hat er das absurde Bedürfnis, zu lachen. Er tut es nicht, versucht nur den Blick von Remus standzuhalten, aber irgendwann ist es zu viel, zu viel Nichts und Sirius muss wegschauen.

„Ich bin gegangen.“

Die Stimme hallt merkwürdig laut in der Küche wider und ist gefasster und kräftiger als Sirius erwartet hat. Er nickt dazu (ja, du bist gegangen) und wartet, immer noch die Hand auf Remus Arm, auf dem Stoff des Umhangs, die Wärme spürend, den Kontakt haltend. (du bist gegangen.)

„Es war die einzige Möglichkeit, die ich sah. Vielleicht war es ein Fehler, vielleicht war es keiner, ich habe es mich hunderte Male gefragt. Ich wäre gern in der Position gewesen, mich nicht zum Gehen gezwungen zu fühlen, aber das war ich nicht. Am Zeitpunkt des Gehens, war es die einzige Möglichkeit. Ich hätte mich so oder so stets zerrissen gefühlt und hatte die naive, dumme Hoffnung, dass es euch schützt, dass ich euch schütze. Ich habe es gehasst, in jedem Moment vor Lilys und James Tod und danach noch mehr. Ich habe dich gehasst, weil ich dachte, dass du mich hintergangen hast. Ich habe die Welt gehasst für all die Grausamkeit. Aber vor allem habe ich mich gehasst, so sehr. Es war alles so wirr, keiner wusste, was kommen wird und plötzlich war da nichts mehr, nichts mehr.“

Sirius spürt das Zittern, dass durch Remus Körper geht, bevor es seine Stimme erreicht und sie leiser wird, brüchiger.

„Emmeline war die einzige Person, die mir Halt gab.“ Ein kleines Lächeln im Namen und Sirius spürt ein bisschen Eifersucht, einen winzigen Hauch, weil nicht er es verursacht hat, nicht sein Name, sondern ihrer, weil sie da gewesen ist, da sein konnte. (wieso ist er so unsicher?)

„Ich bin da. Jetzt.“

Auch wenn er sich bemüht, den trotzigen Tonfall zu beseitigen, weiß er, dass er es nicht ganz schafft und es brennt in seinen Wangen, als er das belustigte Funkeln in den bernsteinfarbenen Augen sieht und wie sich kleine Falten um sie legen, ganz sanft.

Sie haben zu viel Zeit verloren, zu viel Zeit, die sie gemeinsam hätten haben müssen. Es trennt sie und dennoch fühlt es sich an, (jetzt, in dieser verhassten Küche) als würden sie wieder diese siebzehnjährigen Jungen sein. Noch viel zu grün hinter den Ohren, noch nicht behaftet mit dem Krieg, der sich schließlich in ihre Knochen gefressen hat (der sich wieder so nah anfühlt) und frei von all den großen Sorgen des Lebens. Einfach diese siebzehnjährigen Jungen, damals in Hogwarts, als James, ihn mit einem Lachen dazu gebracht hat, den Gedanken zu entwickeln, dass Remus nicht nur Remus für ihn war.

„Weißt du was dein Problem ist, Pad?“ James Grinsen ist breit und er haut Sirius leicht gegen die Schulter, während sie durch den Korridor gehen, auf dem Weg zum Frühstück.

„Was?“ Sirius macht ein mürrisches Gesicht und zieht die Augenbrauen zusammen, so als würde es etwas bringen, seinen besten Freund böse anzustarren, obwohl er nicht mit ihm im Zwiespalt liegt, sondern mit Remus, der bereits früh genug aufgestanden ist, um ihm aus dem Weg zu gehen.

„Du bist nicht sauer auf Moony, weil er dir die Leviten gelesen hat wegen seines vernichteten Verwandlungsaufsatz, sondern weil es dir leidtut und du nicht erträgst, dass er sauer ist, weil er nie sauer auf dich ist.“

„Hä, was meinst du.“

„Ich meine“ James wackelt mit den Augenbrauen und scheint das Lachen kaum noch zurückhalten zu können. „Ich meine, dass du ihn magst und es dich deswegen so mitnimmt.“

„Natürlich mag ich ihn, du Idiot, wir sind Freunde. Du magst ihn doch auch.“ Genervt stößt Sirius die Luft aus.

„Ja, aber, du interessierst dich auf eine andere Art für ihn.“

Sirius bleibt stehen, wie angewurzelt und James wirft ihm einen Blick zu, voll diebischer Freude und geht weiter, geht weiter, bis er hinter einer Ecke verschwindet und Sirius hört, wie er prustend in Lachen ausbricht, laut und kehlig und Sirius Herz schlägt rasend schnell und seine Wangen sind heiß und in ihm dreht sich alles.

Erst nach ein paar Sekunden realisiert er die Worte gänzlich und mit schnellen Schritten hechtet er seinem besten Freund nach.„He! Prongs, was meinst du damit?“

„Prongs!“

„Verdammt, JAMES!“


Sie haben verloren, sich selbst und einander. Keine Zeit kann den Riss, der entstanden ist, schließen, er wird immer daliegen, offen und schmerzhaft. Die Zweifel und das Misstrauen werden da sein, komprimiert und überdacht und dennoch immer präsent, manchmal sehr, manchmal kaum.

„Wir haben uns verloren“, sagt Remus. „Wir hatten ein Ende.“ Er legt seine Hand mit einem kurzen Zögern auf Sirius‘ Finger. Es knistert nicht, als sich ihre Haut berührt, es ist eher als würde etwas wiederkommen, nachdem es lang nicht dagewesen ist, ein Gefühl, von dem er dachte, dass er es schon lang vergessen hat.

„Aber vielleicht muss man erst verloren gehen, um sich wiederzufinden. Vielleicht war ein Ende nötig, für einen Beginn.“

„Immer noch so weise, Remus?“

Remus gluckst.

Sirius grinst.

„Ich bin wieder da.“

„Und ich werde nicht mehr gehen.“

Ihr Kuss schmeckt nach früher, gemischt mit alldem was war.  Macht es leichter, irgendwie. (aber das haus hasst sirius trotzdem.)
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