What Is Love But The Strangest Of Feelings?

KurzgeschichteRomanze / P12
OC (Own Character)
13.02.2019
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13.02.2019 4.866
 
Franky hatte sich darum bemüht heute toll auszusehen. Ihre roten Haare saßen perfekt, ihr Make Up war makellos und ihre Nägel hatte sie heute auch frisch lackiert. Das schwarze Kleid, das sie trug, war so sexy, wie es eben möglich war, wenn man 16 Jahre alt war und Eltern hatte, die streng darauf achteten, dass der Ausschnitt nicht zu tief und der Rock nicht zu kurz war.
Dennoch war Franky gefühlt die einzige Person auf dieser Valentinstagparty, die gerade mit niemanden tanzte, knutschte oder fummelte. Single zu sein war an diesem Tag besonders ätzend, vor allem, wenn die beste Freundin einen auch noch hängen ließ, obwohl sie versprochen hatte einem nicht von der Seite zu weichen. Hätte Franky gewusst, dass Alice ihr Wort brechen würde und lieber einem Typen die Zunge in den Hals schieben würde, anstatt mit ihr zu tanzen und zu lachen, wäre Franky Zuhause geblieben.  
Franky seufzte und richtete ihre Maske ein wenig. Ja. Ihre Maske. Diese dämliche Party hatte zu allem Überfluss auch noch das Thema 'Maskenball'. Franky hätte Alice diese Idee ausreden sollen. Maskenbälle waren doch das Letzte! Wie um alles in der Welt sollte man seinen Schwarm finden, wenn alle Kerle in ihren Anzügen und Masken gefühlt gleich aussahen?
Richtig. Franky war zwar Single, aber sie war heimlich in jemanden verknallt. Diese Schwärmerei war so geheim, dass nicht mal Alice davon wusste, und als ihre beste Freundin wusste Alice sonst alles, was in Frankys Leben so vor sich ging. Warum Franky Alice nichts von dieser Schwärmerei erzählt hatte? Alice hätte Frankys Gefühle schlicht und ergreifend nicht nachvollziehen können und die ganze Sache auch sicherlich ein wenig ekelig gefunden. Es lag nicht daran, dass Frankys Traumprinz bereits aufs College ging, es lag mehr daran, dass es sich bei diesem jungen Mann um Alices älteren Bruder Ethan handelte. Ja, richtig, Franky stand schon eine ganze Weile auf Ethan Humphrey und nicht einmal Gossip Girl hatte es bisher herausgefunden. Aber gut, Gossip Girl schrieb eh nur selten über Franky. Sie war zwar die Tochter des Bürgermeisters und mit Alice Humphrey und Victoria Bass befreundet, die die absoluten Königinnen der High School waren, aber dennoch schien Franky vollkommen uninteressant zu sein. Musste daran liegen, dass Alice und Victoria ständig einen neuen Freund am Start hatten und Franky einfach keinen Erfolg bei Jungs hatte und sich daher auf Dinge wie ihren Posten als Schulsprecherin und ihren doch sehr erfolglosen Youtube-Kanal konzentrierte. Das gab einfach nicht viel Material zum Lästern her. Aber vermutlich war es auch besser so. Sollte es irgendwelche unschönen Gerüchte über Franky geben, würden ihre Eltern sicher ausflippen und ihr die nächsten Monate nicht erlauben, sich auch nur auf einer Party blicken zu lassen.
Ja, ihre Eltern waren Spaßbremsen und bei weitem nicht so cool wie Serena und Daniel Humphrey, die ihrer Tochter erlaubten eine Party zu feiern, während sie nicht in der Stadt waren. Die Humphreys waren nämlich deutlich lockerer und cooler als Frankys Eltern und vertrauten ihren Kindern. Sie waren der Meinung, dass schon nichts schief gehen konnte, wenn ihr verantwortungsbewusster 19-jähriger Sohn ein Auge auf die High School Party seiner Schwester haben würde. Franky hatte sich schon häufig gewünscht von den Humphreys adoptiert zu werden.
Das Ethan hier war, hieß natürlich, dass Franky wenigstens versuchen konnte, sich damit aufzuheitern, ihn aus der Ferne anzuschmachten. Sie musste ihn nur erst mal finden. Wie gesagt, die Masken machten es nicht unbedingt einfach herauszufinden wen man da vor sich hatte. Such ihn einfach. Vielleicht hast du ja Glück und findest ihn, Franky, ging es der Schülerin durch den Kopf.
Warum eigentlich nicht? Mehr als scheitern konnte sie ja nicht. Franky gab sich also einen Ruck und entschied sich dafür, ihre Suche in der Küche zu starten. Dort konnte sie sich wenigstens auch einen Drink besorgen. Seinen Schwarm zu suchen war sicher amüsanter, wenn man nicht ganz nüchtern war.
Rund um das Bierfass in der Küche tummelten sich einige Leute, aber ansonsten war es hier recht ruhig. Die Hauptparty fand schließlich im Wohnzimmer statt, denn dort waren auch die Snacks zu finden. Und jede Menge Alkohol. Die Stereoanlage befand sich ebenfalls dort. Hier in der Küche gab es nur das Bierfass und ein paar Snacktüten zum Nachfüllen. Kein Wunder, dass hier nicht extrem viel los war. Von Bier wurde man einfach nicht so schnell betrunken wie vom Hochprozentigen im Wohnzimmer. Wem das auch nicht reichte, begab sich einfach auf den Balkon, denn dort hatte sich inzwischen diejenigen eingefunden, die es nicht ablehnten an einem Joint zu ziehen.  
Franky musste ein wenig warten, bis sie am Fass an der Reihe war, aber irgendwann hielt auch sie einen roten Plastikbecher in ihren Händen. Sie machte ein paar Schritte, um nicht unnötig im Weg zu stehen, und sah sich dann in aller Seelenruhe um. Zwar glaubte Franky nicht, auf Anhieb hier in der Küche auf Ethan zu treffen, aber schaden konnte es ja nicht das Bierfass mit im Auge zu behalten. Wie willst du ihn überhaupt finden? Du hast ihn seit seinem High School Abschluss nicht mehr zu Gesicht bekommen, merkte eine Stimme in ihrem Kopf an. Leider konnte Franky es nicht abstreiten, dass sie Ethan seitdem nur noch auf Fotos auf Facebook oder Instagram gesehen hatte. Vor letztem Sommer hatte sie ihn öfter hier in der Wohnung seiner Eltern gesehen, wenn sie Alice besucht hatte, aber nun hatte Ethan eine eigene Wohnung und ging aufs College. Er lebte ein ganz anderes Leben als Alice und sie. Sollte Franky wirklich so viel Glück haben und Ethan trotz Maske erkennen, würde es ihr im Grunde eh nichts bringen. Franky konnte ihn aus der Ferne anhimmeln, ja, aber sie würde sich gar nicht erst die Mühe machen müssen den Mut aufzubringen ein Gespräch mit ihm zu führen. Ethan hatte inzwischen bestimmt schon vergessen, wer sie eigentlich war, und würde sich nie im Leben für ein Mädchen interessieren, das noch zur High School ging, wenn er doch jeden Tag von heißen Studentinnen umgeben war. Aber Franky konnte es Ethan nicht mal verübeln, wenn er all diese Frauen attraktiver fand als sie. Diese Mädchen hatten sicher größere Brüste als sie und waren auch zweifelsohne deutlich selbstsicherer als sie, weil diese Mädchen ganz genau wussten, wer sie waren und was sie mit ihrem Leben anfangen wollten. Auch wenn Franky keines dieser Mädchen kannte, hasste Franky sie ein wenig.
„Suchst du jemanden?“
Franky kannte die Stimme, aber konnte sie nicht ganz unterbringen. Musste daran liegen, dass die Musik, die aus dem Wohnzimmer hier hereindrang, nicht gerade leise war. Vielleicht lag es auch daran, dass sie gerade so tief in Gedanken gewesen war.
„Nicht wirklich“, log Franky. War doch peinlich zuzugeben, dass man jemanden stalkte, bei dem man eh keine Chance hatte! Sie blickte den jungen Mann an, der sich neben sie gestellt hatte, und lächelte freundlich, auch wenn sie immer noch nicht wusste, wer er war. Er hatte dunkle, leicht lockige Haare und trug eine schwarze Maske zu seiner schwarzen Anzughose und seinem weißen T-Shirt. Das Thema Maskenball hatte er also nur halbherzig umgesetzt. Franky hätte gelogen, wenn sie gesagt hätte, dass ihr das nicht gefiel. Was ihr noch gefiel, war das Tattoo auf dem rechten Oberarm des jungen Mannes. In geschwungenen Buchstaben stand dort What is love but the strangest of feelings? . Jetzt fragte sich Franky erst recht, mit wem sie hier sprach. Ihr gefiel dieses Tattoo, aber sie konnte sich eigentlich nicht entsinnen jemanden zu kennen, der ein solches Tattoo hatte. Warum also kam ihr seine Stimme so bekannt vor? Das war ja zum Verrücktwerden! „Ich vertreibe mir nur die Zeit, indem ich Leute beobachte“, behauptete die Schülerin nun, um das Gespräch in Gang zu halten. Vielleicht konnte sie ja noch herausfinden, wer er war, wenn sie noch ein wenig mit ihm plauderte.
„Also genau wie ich“, stellte er fest. Sein Blick wurde fragend. „Wollen wir gemeinsam Betrunkene beobachten? Vertrau mir, wenn man mit jemanden über die lästern kann, macht das  gleich viel mehr Spaß.“
„Klar. Warum nicht?“ Franky lehnte sich gegen die kühle Küchenwand und ließ ihren Blick weiter durch die Küche wandern. „Übrigens mag ich dein Tattoo. Razorlight. Richtig?“
„Du bist gut! Das versteht sonst niemand“, erwiderte er. Dann lächelte er. „Und...danke.“
„Wie kann man das nicht verstehen? Die Band ist toll!“
„Ich weiß! Aber irgendwie scheinen die Leute lieber so was wie Cardi B zu hören. Was mir vollkommen unverständlich ist.“
„Mir auch. Mit der kann ich einfach gar nichts anfangen.“
„Wo warst du bloß mein ganzes Leben lang? Willst du mich heiraten?“, fragte er scherzhaft und nippte an seinem Drink. Auf den ersten Blick sah es aus, als würde sich Cola in seinem Becher befinden, aber man konnte ja nie wissen, was da noch drin war.    
„Nur wenn du einen coolen Nachnamen hast.“
„Damit kann ich leider nicht dienen.“
„Dann war's das wohl mit uns“, ließ Franky ihn grinsend wissen.
„Schade. Aber da kann man dann wohl nichts machen.“
„Befürchte ich auch.“
„Aber weißt du was? Du kannst mir zwar die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft nehmen, aber nicht die Erinnerung an den schönen Moment, in dem wir festgestellt haben, dass wir dieselbe Band mögen.“
„Das würde ich auch nie wagen!“
Franky bekam schon jetzt nicht mehr das Grinsen aus dem Gesicht. Sie wusste immer noch nicht, mit wem sie sich hier unterhielt, aber sie hatte endlich Spaß auf dieser blöden Party und nur das war wichtig. Ja, dieses Gescherze mit Mr Razorlight gefiel ihr sogar so gut, dass sie ernsthaft in Erwägung zog, die Suche nach Ethan aufzugeben. Hier zu stehen und herumzublödeln machte sicher viel mehr Spaß, als jemanden hinterherzujagen, den man eh niemals den seinen nennen konnte.
„Darf ich neugierig sein?“, wollte er im nächsten Moment von Franky wissen.
„Öhm. Denke schon.“
„Wie kommt es, dass du alleine hier bist?“
„Wer sagt, dass ich alleine hier bin?“
„Hättest du einen Freund oder wärst du mit Freundinnen hier, würdest du doch sicher nicht mit einem Fremden abhängen.“  
„Und was wenn ich sage, dass meine Freundin mich hat links liegen lassen, um mit einem süßen Typen zu knutschen?“
„Ugh. Das ist aber nicht nett von ihr.“
„Nicht wirklich, aber was soll's? Lässt sich jetzt auch nicht ändern.“
„Und du hast ja am Ende doch noch Gesellschaft gefunden.“
„Das ist wahr. Und nette noch dazu.“
„Sagt sie, will mich aber dennoch nicht heiraten. Was für eine verrückte Welt, in der wir leben“, meinte er grinsend.
„Ja, sehr verrückt“, kicherte Franky. Sie zögerte, sprach ihre Gedanken dann aber doch noch aus. „Wir können sie sogar noch verrückter machen. Ich hab dir zwar einen Korb in Sachen Hochzeit gegeben, aber ich könnte mich fürs Tanzen begeistern. Also? Was sagst du?“
„Ich bin ein miserabler Tänzer.“
„Oh...verstehe.“
„Nein, so war das nicht gemeint! Wir können gerne tanzen, ich wollte nur, dass du weißt worauf du dich einlässt“, versicherte Mr Razorlight eilig.
„Mach dir keine Sorgen. Ich kann das auch nicht so gut. Mein Cotillon war ein Albtraum für mich, weil ich so unkoordiniert bin“, ließ Franky ihn wissen.
„Und dann schlägst du freiwillig vor mit mir zu tanzen?“
„Na ja, bei dem, was man hier so tanzt, fällt es hoffentlich nicht so auf, dass ich nicht weiß was ich tue. Abgesehen davon sind die meisten um uns herum betrunken und kriegen es dadurch auch nicht besser hin. Und wegen der Maske erkennt man mich hoffentlich auch nicht so schnell. Superhelden werden aufgrund ihrer Masken ja auch nie erkannt.“  
„Ein Mädchen, das logisch denken kann. Gefällt mir.“ Er lächelte anerkennend und leerte dann seinen Becher. Diesen stellte er auf ein Fensterbrett und hielt Franky dann seine Hand entgegen. „Darf ich bitten?“
Ohne zu zögern stellte Franky ihr Bier zur Seite und legte ihre Hand in die von Mr Razorlight. Als er lediglich ein paar Schritte von der Wand weg machte und Franky dann eindrehte und an sich zog, sah sie ihn erstaunt an.
„Wir tanzen hier!?“ Franky war fest davon ausgegangen, dass sie ins Wohnzimmer gehen würden. Aber vielleicht war es auch nicht schlimm, dass sie hier blieben. Sagte man nicht immer, dass die besten Partys eh in der Küche stattfanden? Konnte doch sein, dass dies auch für Maskenballpartys am Valentinstag galt.
„Ja. Warum auch nicht? Hier haben wir mehr Platz und müssen uns als unkoordinierte Tänzer nicht sorgen, dass wir aus Versehen jemanden k.o. schlagen könnten.“
„Da ist was dran“, gab Franky zu.
Dann begannen sie auch schon zu tanzen. Zunächst liefen schnellere Stücke und, nach einer kurzen Aufwärmphase, sprangen Franky und ihr Unbekannter auch schon ausgelassen umher, lachten und gingen lauter alberne Tanzschritte durch. Es war ihnen egal, wie blöd sie dabei aussahen, es war ihnen gerade nur wichtig sich zu amüsieren. Schnell vergaß Franky die Tatsache, dass Alice sie hatte hängen lassen und dass sich irgendwo auf dieser Party Ethan befand. Franky dachte gar nicht mehr nach und lebte gerade nur noch im Moment und das machte sie unheimlich glücklich. Glücklicher als sie gedacht hatte, dass sie es heute noch sein würde.
Aber dann wurde die Musik langsamer. Mr Razorlight und Franky hielten inne. Sie standen plötzlich wie angewurzelt da und sahen sich unsicher an.
„Möchtest du noch weiter tanzen?“, fragte er vorsichtig nach. Er suchte Frankys Blick, bevor er fortfuhr. „Ich persönlich hätte nichts dagegen einzuwenden.“
„Ich denke, ich auch nicht“, antwortete Franky langsam. Es kam ihr zwar seltsam vor, langsam mit jemanden zu tanzen, dessen Namen sie nicht mal kannte, aber schaden konnte es im Grunde nicht. Oder? Bisher war er super nett und anständig gewesen, da war es doch ungerecht zu vermuten, dass er jetzt etwas versuchen würde, was sie nicht wollte. Richtig? Und sie war hier ja auch nicht ganz alleine mit Mr Razorlight. Da konnte schon nichts passieren.
Franky atmete tief durch und legte dann seine Hände an ihre Hüfte. Danach schlang sie ihre Arme um seinen Nacken. Es war seltsam, aber Franky konnte nicht sagen, dass es sich vollkommen eigenartig anfühlte ihm so nahe zu sein. Gut, ein wenig seltsam war es schon, aber gleichzeitig auch ganz nett. So etwas wie jetzt hatte sie noch nie empfunden, denn für gewöhnlich wusste Franky, mit wem sie tanzte.
Während sie tanzten, kamen sich Franky und der junge Mann immer näher. Zunächst fiel es Franky nicht mal auf, dass sie beide immer dichter zueinander glitten, aber dann war er ihr plötzlich so nahe, dass sie ihm tiefer als je zuvor in seine wundervollen, braunen Augen blicken konnte. Diese Augen. Sie kannte sie. Aber irgendwie machte es immer noch nicht klick. Wer um alles in der Welt war er nur?
Langsam machte es Franky verrückt nicht zu wissen, wer er war, aber irgendwie hatte sie das Gefühl den Moment kaputt zu machen, wenn sie ausgerechnet jetzt nach seinem Namen fragte. Wieso hatte sie das nicht schon früher getan? Sie war so dämlich! Wenn sie Alice davon erzählen würde, würde ihr beste Freundin sicher lauthals lachen.
Dann passierte es auch schon, ihr Tanzpartner hauchte ihr einen Kuss auf die Lippen. Es war ein sanfter und kurzer Kuss. Ein schüchterner Kuss. Franky gefiel das. So geküsst zu werden zeigte ihr schließlich, dass ihr Gegenüber sich Gedanken darüber machte, ob es wohl okay für sie war, wenn er sie küsste, dass er aber dennoch auch wusste, dass zu viel reden solche Augenblicke kaputt machen konnte. Franky mochte diesen Mittelweg des schüchternen Kusses. Sehr sogar.
„War das okay für dich?“, flüsterte er.
Doch bevor Franky antworten konnte, hörte sie wie jemand den Namen Ethan rief. Franky verzog daraufhin das Gesicht. Das war doch mal echt mieses Timing! Da hatte sie gerade einen Kuss genossen und nun wurde sie unweigerlich daran erinnert, dass ihr Schwarm hier irgendwo herum lief. Jetzt war es ihr plötzlich peinlich mit einem Fremden zu knutschen. Was würde Ethan denn bitte über sie denken, wenn er sie bei so was erwischte?
Hilfe! Das war so peinlich! Und einfach einen Fremden zu küssen sah ihr gar nicht ähnlich! Wieso hatte sie es nur zugelassen? Warum hatte sie überhaupt erst so eng mit ihm getanzt? Franky verstand sich auf einen Schlag selbst nicht mehr. Es fühlte sich an, als wäre sie gerade aus einem wirren Traum erwacht.  
„Ich muss gehen!“, platzte es nun aus Franky hervor. Sie löste sich von Mr Razorlight und verschwand in der Menge. Franky betete innerlich, dass Ethan sie nicht gesehen hatte und dass sie nun auch nicht in ihn rein laufen würde. Wenn ihr dieses kleine Möchtegern-Abenteuer hier eine Chance bei Ethan versauen würde, würde Franky sich selbst nie verzeihen können. Um weitere Ausrutscher dieser Art zu verhindern, entschied Franky sich auch dafür, diese Party weit, weit hinter sich zu lassen. Ja, sie schnappte sich tatsächlich ihre Sachen und rief den Chauffeur ihrer Familie an, damit er sie abholte und nach Hause brachte.



Eigentlich hätte Franky es am liebsten für die nächsten Tage vermieden, das Zuhause der Humphreys zu betreten, aber sie kam nicht drum herum sich heute Vormittag dort blicken zu lassen. Franky hatte Alice versprochen, ihr beim Beseitigen der Überreste der Party zu helfen und Franky hielt ihre Versprechen, weil sie alles andere nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren konnte. Daher musste die Schülerin heute in den sauren Apfel beißen und riskieren Ethan über den Weg zu laufen. Das würde zwar unangenehm werden, weil sie sich dauernd fragen würde, ob er gesehen hatte, dass sie mit jemanden Geknutscht hatte, aber da musste sie wohl durch, wenn sie auch weiterhin eine gute beste Freundin sein wollte. Vielleicht habe ich ja Glück und Ethan schläft noch. Oder er ist mitten in der Nacht noch zurück in seine Wohnung gefahren. Dann kann ich Alice von diesem Kerl erzählen. Vielleicht weiß sie ja, wer das war, ging es Franky nun durch den Kopf als sie nun die Klingel der Humphreys betätigte. Franky hatte da echt immer noch ein Brett vorm Kopf und wusste nicht, mit wem sie da geredet, getanzt und geknutscht hatte. Es machte sie immer noch ein wenig wahnsinnig.
Als Franky nun das vertraute Summen der Tür vernahm, drückte sie diese auf. Ihre Füße fanden den Weg zum Fahrstuhl ganz alleine und wenig später hatte sie auch schon ihr Ziel im Dachgeschoss erreicht. Nur stand dort oben in der Wohnungstür nicht Alice. Tatsächlich lehnte Ethan im Türrahmen. Am liebsten hätte Franky laut geflucht und sofort wieder die Flucht ergriffen. Was hatte sie nur getan? Warum war das Schicksal so fies zu ihr? In diesem Augenblick hasste Franky ihr Leben aus vollsten Herzen.  
„Hey Franks“, grüßte Ethan lässig. Dann schenkte er ihr ein Lächeln. Verdammt. Musste das sein? Jetzt konnte sie doch nicht mehr klar denken! „Alice schläft noch, daher dachte ich, ich bin nett und lasse dich rein. Ich wollte mir gerade ein paar Pancakes machen. Wenn du möchtest, dann mache ich dir auch welche.“
Eigentlich hatte Franky jeglichen Appetit verloren, als sie Ethan entdeckt hatte, aber dennoch nickte sie ganz langsam. Ihre Fähigkeit zu sprechen war ihr nämlich gemeinsam mit ihrem Hungergefühl abhandengekommen. Aber wenn sie nicht wollte, dass Ethan sie für vollkommen übergeschnappt hielt, hatte sie keine andere Wahl, als die Wohnung zu betreten, mit ihm zu essen und das eine oder andere Wort mit ihm zu wechseln.
So unwohl wie jetzt hatte Franky sich noch nie gefühlt, wenn sie das Zuhause ihrer besten Freundin betreten hatte. Franky hasste dieses Gefühl. Bisher war die Wohnung der Humphreys stets ihre Zuflucht gewesen. Wenn ihre Eltern ihr zu sehr auf die Nerven gegangen waren, war Franky hier her geflüchtet. Alices Eltern hatten sie stets mit offenen Armen empfangen und sie wie eine weitere Tochter behandelt, was Franky immer als passend empfunden hatte, weil Alice wie eine Schwester für sie war. Aber jetzt? Jetzt fühlte es sich erschreckend falsch an hier zu sein. Franky begann sich zu wünschen, dass sie nie auf diese verfluchte Party gegangen wäre.
Franky fühlte sich zittrig und entschied sich daher sich in der Küche auf einen der Barhocker zu setzten, die um die Kücheninsel herum standen. Sie faltete ihre Hände auf der Marmorarbeitsfläche und hoffte, dass Ethan dadurch nicht bemerken würde, wie sehr ihre Hände gerade zitterten. Die Rothaarige wollte nämlich nicht in die Verlegenheit geraten, Ethan erklären zu müssen, was los war. Franky wäre lieber auf der Stelle tot umgefallen als Ethan ihre Gefühle gestehen zu müssen.
Da Ethan schon den Teig angerührt hatte, ließ er nun schon die Pfanne warm werden.
„Und? Hattest du gestern Spaß auf der Party?“, erkundigte sich Ethan beiläufig.
„War ganz okay“, behauptete Franky.
„Klingt nicht so überzeugt“, stellte Ethan fest. Mit in Falten gelegter Stirn sah er zu Franky hinüber. „Ist was passiert?“
„Nichts Wildes. Alice hat mich ein wenig hängen gelassen, um mit einem Typen rum zu machen. Also, nichts Tragisches“, erklärte Franky. Das war nicht gelogen und sollte nicht unnötig viele Fragen nach sich ziehen. Franky war stolz auf sich. Bis jetzt meisterte sie dieses Gespräch doch ganz gut!
„Da hast du aber eine tolle beste Freundin.“ Ethan schüttelte ein wenig seinen Kopf. „Warst du den Rest des Abends alleine?“
„Mehr oder minder“, wich Franky aus. Sie zuckte mit ihren Schultern.
Bevor Ethan etwas dazu sagte, griff er nun nach seiner Kaffeetasse. Er nippte daran und hielt dann inne.
„Möchtest du auch Kaffee?“, wechselte Ethan abrupt das Thema, als ihm bewusst zu werden schien, dass es höflicher war, wenn man seinem Gast auch ein Heißgetränk anbot.
Franky nickte.
Ethan stellte seine Tasse daraufhin wieder zur Seite und holte eine weiter aus einem Schrank. Danach griff er nach der Kaffeekanne und befüllte die Tasse für Franky.
„Wie trinkst du deinen Kaffee?“
„Mit Milch und Zucker.“
„Gebe ich dir dann sofort“, versprach Ethan. Zunächst reichte er Franky jedoch ihre Tasse. Als Franky ihm die Tasse aus der Hand nahm, schwappte jedoch etwas Kaffee über den Tassenrand und landete direkt auf dem Ärmel von Ethans schwarz-rotem Karohemd. Ethan begann daraufhin leise zu fluchen. „Dann ziehe ich es halt aus“, murmelte Ethan. Bevor diese Worte wirklich in Frankys Hirn angekommen waren, knöpfte Ethan sein Hemd bereits auf. Als er es abgestreift hatte, warf er es fast schon achtlos auf einen Barhocker. Nun, da er in einem weißen T-Shirt vor ihr stand, verschlug es Franky den Atem.
„Seit wann hast du ein Tattoo!?“, platzte es entsetzt aus der Schülerin hervor.
Unter normalen Umständen wäre es ihr egal gewesen, dass Ethan inzwischen ein Tattoo hatte, aber das hier war eine Ausnahmesituation. Auf seinem Arm stand nämlich: What is love but the strangest of feelings?
Ethan wirkte zwar ein wenig verwundert darüber, dass Franky derart entsetzt reagierte, aber er antwortete ihr dennoch.
„Seit drei Wochen vielleicht.“ Ethan zuckte mit den Schultern und gab dann Teig in die Pfanne. „Aber warum bringt dich das so aus der Fassung? Ist doch nichts bei. Heutzutage hat doch fast jeder eins.“
„Aber nicht jeder lässt sich eine Zeile aus einem Razorlight Song stechen!“
„Könntest du mir endlich sagen, warum dich das so aus der Fassung – Warte! Das warst du! Ich habe dich geküsst!“
„Du hast nicht gewusst, dass ich es war!?“
„Nein!“
„Himmel, wie viele Rothaarige kennst du!?“
„Es hätte ja auch getönt oder gefärbt sein können! Ich hab da nicht so drüber nachgedacht, wenn ich ehrlich bin.“
„Und ich hab mir die ganze Zeit den Kopf zerbrochen, mit wem ich da rede! Mir kam deine Stimme so bekannt vor, aber ich konnte sie nicht unterbringen und das Tattoo hat mich auch verwirrt!“
„Deine Stimme kam mir auch bekannt vor, aber ich bin auch nicht drauf gekommen, dass du es bist. Aber wie hätte ich das auch schaffen sollen? Wir haben uns ewig nicht unterhalten.“
„Wir haben uns noch nie richtig unterhalten!“
„Was aber nicht an mir liegt. Du warst immer kurz angebunden, wenn ich mit dir geredet habe“, stellte Ethan klar.
„Gott, ich bin immer mega nervös in deiner Gegenwart, da kann ich einfach nicht normal mit dir sprechen!“
„Und...warum bist du nervös?“, hakte Ethan vorsichtig nach. Seine volle Aufmerksamkeit galt nun Franky. Die Pancakes hatte er in diesem Moment komplett vergessen.
„Ich stehe schon ewig auf dich, okay!? Und jetzt entschuldige mich, ich muss aus dem nächsten Fenster springen“, erklärte Franky und rutschte von ihrem Barhocker. Gut, in Wahrheit wollte sie einfach nur in Alices Zimmer flüchten, aber tot peinlich war es ihr wirklich, dass Ethan jetzt von ihren Gefühlen wusste. Sie hatte noch nie jemanden ihre Gefühle gestanden und daher kam es Franky auch einfach nur seltsam vor, tatsächlich diese Worte laut ausgesprochen zu haben. Und das auch noch jemanden gegenüber, der ihr sicher gleich einen Korb gab.
Bevor Franky die Küche verlassen konnte, hastete Ethan um die Kücheninsel herum und griff nach Frankys Handgelenk.
„Warte!“
Franky blieb abrupt stehen, machte jedoch eine Kunst daraus Ethan nicht anzusehen. Zudem schwieg Franky. Sie hatte einfach Angst alles noch seltsamer zu machen, als es ohnehin schon war. Würde sie weiter reden, lief sie immerhin Gefahr Ethan noch mehr Stoff zum Lästern über sie zu geben. Darauf konnte sie verzichten.
„Franks, ich mag dich auch. Sehr sogar“, versicherte Ethan. Auch wenn Franky immer noch den Blickkontakt vermied, ließ Ethan sich nicht verunsichern. „Und das sage ich nicht nur, damit du dich jetzt besser fühlst. Ich habe schon vor Jahren ein Auge auf dich geworfen, weil ich eine verdammte Schwäche für Rothaarige habe. Und weil ich finde, dass du total witzig und intelligent bist. Ja, ich stalke dich auf Youtube, Facebook und Instagram und habe mir dadurch ein Bild gemacht. Außerdem klingst du in Alices Erzählungen immer wie eine tolle Freundin. Dass du jünger bist als ich, hat mich noch nie gestört.“
Hatte Franky schon lange davon geträumt diese Worte zu hören?
Ja.
Konnte Franky glauben, dass das hier gerade wirklich passierte?
Nein.
Das Ethan wie sie empfand, kam ihr einfach wie ein Ding der Unmöglichkeit vor. Wie etwas, das in irgendwelchen Serien oder Filmen passierte, aber nicht in ihrem Leben.
„Bitte, spring nicht aus einem Fenster“, bat Ethan nun.
Franky schluckte.
Was um alles in der Welt sollte sie jetzt tun?
Was um alles in der Welt sollte sie jetzt sagen?
„Ich glaube, dein Pancake brennt gleich an“, kam es ihr leise über die Lippen.
Ethan fluchte und ließ Franky los, um schnell die Pfanne vom Herd zu nehmen und diesen auszuschalten.
Doch Franky nutzte diesen Zwischenfall nicht, um aus der Küche zu stürmen. Sie harrte einfach regungslos aus. Gerade gab es einfach zu viele Dinge, die sie verarbeiten musste, als dass sie irgendwie hätte funktionieren können. Nach all der Zeit von seinem Schwarm zu hören, dass er dieselben Gefühle hegte, war einfach überwältigend.
„Franky, bitte sag etwas“, bat Ethan sie nun, als er wieder zu ihr herüber schritt.
„Ich dachte, ich bin verrückt, weil ich schon so lange darauf gewartet habe, dass du mich bemerkst. Dass du mich nicht nur als die nervige Freundin deiner kleinen Schwester siehst“, murmelte Franky.
„Du bist ganz sicher nicht verrückt. Und wenn doch, dann bin ich es auch“, versicherte Ethan. Er griff nach Frankys Hand und drückte diese sanft. „Ich hätte es dir früher sagen sollen. Es tut mir leid.“
„Ich hätte doch auch einfach meinen Mund aufmachen können“, erwiderte Franky. Dann gab sie sich einen Ruck und drehte sich um, sodass sie Ethan ansehen konnte. Seine Hand ließ die Schülerin dabei nicht los. „Und? Was machen wir jetzt?“
„Wie wäre es mit frühstücken?“
„Du weißt genau, dass ich das anders meine!“
Ethan grinste einfach nur und gerade als Franky versucht war deswegen sauer zu werden und ihm vorzuwerfen, dass er die Situation nicht ernst genug nahm, tat er etwas, mit dem sie nicht gerechnet hatte. Er nahm einfach ihr Gesicht sanft zwischen seine Hände und küsste sie. Doch dieser Kuss war nicht so schüchtern wie der, den er ihr am Vorabend gegeben hatte. Dieser Kuss war durch und durch selbstsicher und unglaublich liebevoll. Ja, der Kuss brachte Franky dazu zu vergessen, warum sie sich gerade eigentlich hatte aufregen wollen.
Dann löste Ethan sich auch schon wieder von ihr.
„Wie wäre es, wenn wir einfach das machen? Immer wenn wir Lust drauf haben?“
„Aber was wird Alice dazu sagen?“
„Das ist doch egal. Das ist eine Sache zwischen dir und mir und da hat sie kein Mitspracherecht. Sie wird sich einfach dran gewöhnen müssen. Und wenn sie es abartig findet, ist es allein ihr Problem. Mir ist es auch egal, was deine Eltern sagen werden und wie sehr sie mich im Auge behalten werden. Was Gossip Girl von sich geben wird, könnte mich nicht weniger interessieren. Du bist es mir wert!“
Für einen Moment biss Franky sich nachdenklich auf der Unterlippe herum. Dann nickte sie langsam.
„Okay. Dann bin ich einverstanden.“
„Bist du dann auch damit einverstanden, wenn ich jetzt tatsächlich Frühstück vorschlage?“, hakte Ethan nach.
„Das bin ich“, versicherte Franky. Um zu demonstrieren, dass sie wirklich nicht abgeneigt war, setzte sie sich wieder zurück auf den Barhocker. Mit einem vom Herzen kommenden Lächeln auf den Lippen reichte Ethan ihr nun Milch und Zucker für ihren Kaffee und nahm dann den nächsten Anlauf in Sachen Pancakes.
Weder Franky noch Ethan waren jemals so glücklich gewesen wie in diesem Moment.


~*~Und an dieser Stelle möchte ich mich herzlichst bei Aprilluna bedanken, die mir ein wenig mit der Grammatik auf die Sprünge geholfen hat und mir an manchen Stellen auch tolle Denkanstöße gegeben hat, was Formulierungen angeht. Danke! <3