Humble

von Sokles
GeschichteMystery, Freundschaft / P16 Slash
13.02.2019
22.05.2019
24
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Ich hatte zu dieser Zeit so viel nachgedacht, dass mein Kopf vermutlich kurz vorm Explodieren war. Also ist es an sich kein Wunder gewesen, dass ich mir damals mal die Zeit genommen hatte, um spazieren zu gehen. Ich kannte mich in der Stadt immer noch nicht besonderes gut aus, also gab es nicht viele Orte, die mir für einen Spaziergang in den Sinn kamen. Ich entschied mich für den Park, in dem ich mit Jason nach der Essigattacke war und wenn ich schon in der Gegend bin, bring ich ihm besser mal seine Jacke zurück, dachte ich mir. Die hatte ich ja schließlich auch noch.
Das Wetter war wie immer sehr schön, nur leider wusste ich, dass es nicht mehr lange so bleiben würde, also genoss ich es umso mehr. Der Winter hier soll sehr kalt und schneelastig sein. Ich konnte es mir ehrlich gesagt, gar nicht vorstellen, denn ich kannte bis jetzt nur den heißen Sommer hier. Vielleicht liegt es auch nur an der Klimaerwärmung, dass mir dieser Sommer wärmer als die vorherigen vorkam.
Mit Kopfhörern und Jasons Jacke bewaffnet, machte ich mich auf den Weg.
Ich hörte The Scientist von Coldplay. Unglaublich wie alt das Lied mittlerweile war.
Unterbewusst summte ich etwas mit, als ich es bemerkte, war es mir etwas peinlich und ich hoffte, dass es niemand mitbekommen hatte, aber ich begegnete sowieso nicht vielen Leuten auf dem Weg.
Ich machte diesen Spaziergang ja ursprünglich aus dem Grund, dass ich meinen Kopf  freibekommen wollte, nur funktionierte es nicht ganz so, wie ich das gerne gehabt hätte.
Das Foto, Mark, Jason, alles schwirrte weiterhin in meinem Kopf herum.
Die Zeit verging wie im Flug und ich war schon im Park.
Ich sah mir wieder das elegante Wasserspiel des Brunnens an.
„Edgar ist schon echt ein dämlicher Name“, murmelte ich vor mich hin.
Ich setzte mich auf einen der naheliegenden Bänke.
Ich lehnte mich zurück und machte das, was ich wohl am besten kann. Leute beobachten.
Zuerst fiel mir eine Frau auf, die gerade Yoga machte. An sich habe ich ja nichts gegen Leute, die Yoga machen, nur finde ich, dass sie das wirklich nicht in der Öffentlichkeit machen sollten.
Als nächstes fiel mir ein Mann auf, der gerade Frisbee mit seinem Hund spielte.
Als was der wohl arbeitet? Verheiratet ist er bestimmt nicht. Er sollte mit der Yoga-Tussi zusammen kommen, dann könnten sie ab jetzt zusammen in den Park und eine neue Sportart namens Frisbee-Yoga praktizieren und den Hund kann man dabei bestimmt auch irgendwie mit einbauen.
„Man was denk ich wieder für eine Scheiße?“, murmelte ich.
Plötzlich traf sich mein Blick mit dem einer anderen Person. Es war Lynn und sie kam lächelnd auf mich zu.
„Oh mein Gott, Fynn, ich hätte nicht damit gerechnet dich hier zu treffen!“
Sie setze sich neben mich und ich nahm meine Kopfhörer raus.
„Schön dich zu sehen Lynn, wie geht’s dir?“
„Mir geht's super, so gut ging es mir schon lange nicht mehr.“
Ich war irgendwie froh darüber, dass es ihr so gut ging und ich war auch echt überrascht, dass sie auf einmal nicht mehr so introvertiert wirkte, nein, ganz im Gegenteil, sie wirkte plötzlich sehr aufgeschlossen und energiegeladen. Ich beneidete sie sogar etwas dafür.
„Das freut mich zu hören, deine neue Schule scheint dir gut zu tun.“
„Ja das tut sie wirklich. Es ist einfach so eine krass unfassbare Erleichterung wieder in die Schule gehen zu können, ohne Angst vor Mark zu haben. Außerdem muss ich nur noch meine eigenen Hausaufgaben machen. Das ist einfach sooo toll!“
„Das ist wirklich toll. Es war also eindeutig die richtige Entscheidung.“
„Ja ich bereue es schon fast, es nicht früher gemacht zu haben. Ich hätte mir so viel ersparen können. Hat er schon jemand neues gefunden?“
In diesem Moment fühlte ich mich etwas ertappt.
„Ja, mich.“
Sie sah mich bedrückt an und nahm meine Hand.
„Tut mir leid Fynn, das wusste ich nicht.“
Ich lächelte sie an.
„Schon okay, ich komm klar, solange ich das mache was er sagt, lässt er mich ja größtenteils in Frieden.“
„Ich hab jetzt irgendwie ein schlechtes Gewissen“, sagte sie.
„Du brauchst wirklich kein schlechtes Gewissen zu haben. Du kannst ja nichts dafür. Es ist gut, dass du jetzt Ruhe vor ihm hast.“
„Danke Fynn, du bist wirklich ein netter Kerl, du hast das echt nicht verdient.“
Sie legte ihren Kopf auf meine Schulter und ich wurde rot. Sie schien mich damit trösten zu wollen.
„Wenn du reden willst, dann kannst du mich immer kontaktieren.“
Ihre Nettigkeit war irgendwie sehr unerwartet. Immerhin kannten wir uns so gut wie gar nicht und trotzdem wirkten wir in diesem Moment so vertraut.
„Danke Lynn, das gleiche gilt für dich.“
„Das ist schön, danke.“
Ich musste an das letzte mal denken, als sie von Mark so fertig gemacht wurde.
„Du sag mal, als du das letzte mal mit Mark aneinandergeraten bist, was hattest du denn da eigentlich in deinem Spind gesucht?“
„Oh das ist dir aufgefallen?“
Sie zog ein Foto aus ihrer Jacke.
„Das hier hab ich gesucht.“
Es war ein Foto von ihr mit einem Mann.
„Es ist das letzte Foto, dass ich mit meinem Vater gemacht habe, bevor er starb. Mark hatte es aus meinem Spind geklaut.“
„Das mit deinem Vater tut mir leid, Lynn.“
„Schon in Ordnung, ich habe es mittlerweile recht gut verarbeitet.“
„Wie hast du das Foto zurückbekommen?“
„Nachdem ich die Schule gewechselt habe, lag es auf einmal in unserem Briefkasten. Mark scheint wohl doch noch etwas an Herz zu besitzen, schätze ich.“
„Verstehe, es ist gut, dass er so nett war und es dir zurückgegeben hat.“
„Ja das stimmt. Hätte er das nicht gemacht, dann hätte ich ihm das echt niemals verzeihen können, aber jetzt kann ich damit endgültig abschließen.“
Ihr Blick wanderte zu meiner Tüte mit Jasons Jacke.
„Was ist denn da drin?“
„Eine Jacke von Jason, die ich gleich zurückbringen wollte.“
„Wieso hast du die denn?“
„Mark hat Essig über mich gekippt und Jason hat sie mir dann ausgeliehen.“
„Ach ja, die Essigattacke. Ich musste das schon ganze drei mal über mich ergehen lassen. Dann will ich dich auch gar nicht länger aufhalten. Grüß Jason von mir. Man sieht sich.“
„Ja man sieht sich.“
Es war erleichternd zu sehen, dass ich mir um sie keine Sorgen mehr machen brauchte. Jetzt hatte ich eine Sache weniger im Kopf die mich beschäftigte, nur weiß ich mittlerweile, dass unser nächstes Zusammentreffen bedauerlicherweise nicht so schön sein wird.
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