Verliebt in einen Dichter - Spin-Off

von Eosphora
KurzgeschichteRomanze / P12
12.02.2019
12.02.2019
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Wieso war ich nervös? Immerhin kannte ich Sascha jetzt schon...wie lange? Drei Monate, fast vier. Es gab keinen Grund, ihr gegenüber unsicher zu sein.
Mein Vater brachte mich zu ihr und als sie die Tür öffnete, merkte ich, dass etwas anders war. Sie roch anders. Weicher.
„Hallo“, sagte sie.
„Hallo, Sascha“, erwiderte mein Vater. „Viel Spaß euch beiden. Kommt gut ins neue Jahr.“
Ich drückte mich an ihr vorbei in die Wohnung und blieb ein wenig hilflos im Flur stehen.
„Wollen Sie nicht reinkommen und was trinken? Es wären auch noch Plätzchen da“, hörte ich Sascha sagen, doch mein Vater lehnte ab. Er wollte zu einer Silvesterfeier von Freunden.
Ich lächelte, als Sascha darauf bestand, ihm wenigstens noch ein paar Kekse als Wegzehrung mitzugeben. Dann fiel die Tür hinter ihm zu und Sascha und ich waren alleine.
„Möchtest du was trinken?“, fragte sie, nachdem ich meine Schuhe ausgezogen hatte. „Ich habe alles mögliche besorgt, Wasser, Cola, Limo, Saft...ich kann dir auch Kaffee oder Tee machen.“
Sie klang unsicher. Wieso?
„Wasser reicht erst mal, danke“, antwortete ich. „Aber es wäre nett, wenn du mir erst mal zeigen könntest, wo ich mich hinsetzen kann.“
„Oh, klar. Komm mit.“
Sie nahm mich am Arm, wie so oft in den vergangenen Wochen. Trotzdem war auch hier etwas anders. Sie war zögerlicher als sonst, vorsichtiger.
„Setz dich“, sagte sie, als ich mit meinem Bein gegen das Sofa stieß. „Ich hole dir dein Wasser.“
Ich hörte, wie sie hastig den Raum verließ. Der Fernseher lief, sehr leise. Irgendein Jahresrückblick. Ich hörte ihr Leben. Das Surren der Kaffeemaschine, ihr Schimpfen, als sie Kästen zur Seite schob, um eine Flasche Wasser herausholen zu können, das Klappern der Gläser.
Ihre Schritte, als sie zu mir zurückkam. Schritte, die plötzlich langsamer wurden und verstummten. Sollte ich etwas sagen? Oder lieber abwarten?
Doch da kam sie auch schon zu mir und stellte das Glas ab.
„Bitte“, sagte sie. „Ich habe dir noch ein wenig Zitrone reingemacht, deswegen hat es so lang gedauert.“
Das war gelogen. Nicht die Sache mit der Zitrone, die konnte ich bereits riechen, doch das war es nicht, was so lange gedauert hatte. Ich sagte nichts dazu. War es ihr unangenehm, dass sie...ja, was eigentlich? Hatte sie mich angesehen? Aus dem Fenster gestarrt? Ich wusste es nicht und ich wollte nicht neugierig erscheinen und sie fragen.
Sie setzte sich neben mich, weiter von mir entfernt als normalerweise. Ich spürte, dass sie unruhig war, hörte das Wippen ihrer Füße auf dem Boden, spürte, wie sich die Bewegung ihrer Arme, ihrer Hände, im Material des Sofas fortsetzte.
Irgendwann stellte sie den Fernseher lauter, nicht so laut, dass man sich nicht mehr unterhalten konnte, aber laut genug, dass ich ahnen konnte, dass sie nicht wusste, was sie tun sollte.
Ich verbiss mir ein bitteres Lachen. Natürlich, mit jedem anderen hätte sie einen Film schauen oder irgendein Spiel spielen können. Aber mit mir, dem Krüppel, ging das nicht. Und sie hatte keine Ahnung, worüber sie mit mir reden sollte.
„Möchtest du etwas Essen?“, fragte sie nach einer Weile, wohl mehr aus Verlegenheit. „Ich kann uns Pizza machen, wenn du magst.“
Pizza. An Silvester. Aber wieso nicht, alles war besser als dieses angespannte, unangenehme Schweigen.
„Kann ich dir helfen?“, fragte ich anstelle einer Antwort. Ich wusste, dass diese Frage außerordentlich dumm war, denn wie sollte ich schon helfen können, aber ich hoffte, dass sie Sascha wenigstens ein bisschen aus dem Konzept brachte.
Doch sie überraschte mich einmal mehr.
„Das kannst du tatsächlich“, meinte sie. „Du kannst mir Gesellschaft leisten.“
Sascha stand auf und ging um den kleinen Tisch herum, der vor dem Sofa stand. Als sie bei mir war, zog sie mich hoch.
Jetzt war sie wieder die Sascha, die ich kannte. Tatkräftig und selbstbewusst, ihr Griff war fest.
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