Die Chemie der Zaubertränke

GeschichteRomanze, Fantasy / P18
11.02.2019
14.04.2019
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„Da haben wir dich ja meine kleine: Wolfswurz -Pflanzengattung Eisenhut. Diesen Namen erhielt die Pflanze durch ihre Verwendung als Wolfsgift.“ Hermine wickelte alles vorsichtig in ein Stofftuch und steckte die blauen Blüten in ihre Tasche.
Der Wald um sie herum war erfüllt vom Zwitschern der Vögel, dem Rascheln der Nager unter dem frischen Herbstlaub und dem leisen Knacken der Äste unter den Hufen der scheuen Hirsche. Sie kam immer wieder gerne zu dem Ort zurück, wo Harry und sie eine lange Zeit vor Voldemort verborgen geblieben waren und wo sie immer noch an die Tage ihrer unschuldigen Kindheit zurückerinnert wurde. Das Sammeln der Kräuter und Wirkstoffe für Tränke und Arzneien war dabei mehr ein praktischer Nebeneffekt, als Hauptgrund.
Mit einem leisen Seufzen disapparierte Hermine Granger und tauchte inmitten ihres Kräuterlabors in der Londoner Innenstadt wieder auf. Sie sog den alltäglichen Geruch von Pfefferminze und Kamille ein und zerrieb einen Zweig Lavendel zwischen ihren Handgelenken.
Ein Klopfen an der Tür schreckte sie auf. Ihre Umhängetasche landete in der Ecke und ein kurzer Blick in den Spiegel zeigte ihr ein mit Erde verschmiertes Gesicht und Tannenzweige in ihrem zum Pferdeschwanz gebundenen Haar. Schnell griff sie zu einem Handtuch und wischte sich den gröbsten Dreck aus dem Gesicht.
„Herein!“ rief sie mit schriller Stimme. Das Knarzen der Diele vor der Tür verriet die Anwesenheit eines Lebewesens. „Herein.“ Wiederholte sie- diesmal lauter. Sie ging mit schnellen Schritten zur Tür und öffnete sie nur um die Türschwelle leer vorzufinden.
„Du solltest wirklich vorsichtiger sein.“ Hermine wirbelte herum. „Harry! Wie kannst du mich nur so erschrecken.“ Ein verschmitztes Lächeln zierte sein Gesicht und er zog sie in seine Arme. „Es tut mir nicht leid. Du bist leichtsichtig. Je länger Voldemort tot ist und je seltener die Überfälle seiner restlichen Anhänger werden, desto leichtsinniger wirst du -wir alle. Du solltest die Orte an denen du dich aufhältst wenigstens mit ein paar kleinen Abwehrzaubern schützen. Nicht jeder meint es so gut mit dir wie ich.“
Hermine verdrehte die Augen. „Harry ich kann auf mich aufpassen, das hab ich doch schon immer. Erzähl mir lieber wie es dir geht. Wie es euch geht. Seit Ewigkeiten habe ich nichts mehr von dir gehört.“
„Du kannst auf dich aufpassen? Muss ich dich an deine erste Begegnung mit einem Troll erinnern?“ Ihr Schnauben brachte ihn erneut zum Lächeln. „Uns geht’s gut. Ginny schickt mich, um zu sehen wie es dir geht. Sie ist zuhause und passt auf unseren Kleinen auf.“
„Dann ist bei auch alles in Ordnung, freut mich. Mir geht es großartig. Ich liebe diesen kleinen Laden und ich liebe meinen Beruf. Manchmal würde ich mir dabei nur mehr Unterstützung wünschen. Fast täglich schreibe ich Briefe an Schulen, Ministerien und Privatpersonen mit Anfragen an kleine Proben oder Bitte um ihre Mitarbeit, doch niemand interessiert sich auch nur im Geringsten dafür Muggeln zu helfen.“
Harry streifte in dem kleinen Zimmer umher und roch an den verschiedenen getrockneten Kräutern, die in Bündeln an den Wänden hingen. Nachdenklich blieb er vor einem Regal mit halb verstaubten Gläsern voll undefinierbarer Flüssigkeiten stehen. „Du weißt, dass das nicht stimmt. Viele Leute interessieren sich für das Leben der Muggel. Sie verstehen nur nicht, was du tust und was ihr gemeinsam bewirken könntet.“
Eine junge Eule klopfte vorsichtig an das Dachfenster. Hermine öffnete den Brief und überflog ihn, wobei ihre Augen sich in raschem Tempo über das Papier bewegten: „Schon wieder. Das alles – jede Zurückweisung - ist doch nur eine Ausrede. Für Ignoranz, Faulheit oder dem Bedürfnis alle magischen Geheimnisse für immer zu erhalten, um ja die Überlegenheit der Zauberer niemals geringer werden zu lassen.“
Seit nunmehr 4 Jahren arbeitete Hermine im Alleingang dafür Muggeln den Zugang zu magischen Tinkturen und alltäglichen Zaubergegenständen zu ermöglichen. Zauberer verwendeten die Erfindungen von Muggeln. Jeder von ihnen hatte heute ein Handy, lebte von dem Strom, den ihre Kraftwerke erzeugten und benutzte Autos und die U-Bahn. Alles was Hermine wollte, war ein kleines bisschen zurückzugeben.
„Komm schon Hermine. Nicht jede Wandlung kann innerhalb von Tagen über die Bühne laufen. Emanzipation, die industrielle Revolution oder Demokratie.“
„Pah…komm mir nicht mit so etwas. Ich bin weder Frauenrechtlerin noch Revolutionärin. Alles was ich will ist Wiedergutmachung zu leisten für das, was wir den Menschen tagtäglich antun. Weißt du nicht mehr wie viele Unschuldige bei Voldemorts Streifzügen umgekommen sind. Ich braue Tränke für sie und erforsche deren Wirkung mit Muggel Methoden. Massenspektroskopie, Chromatographie, Fluoreszenzmessungen. Harry, nur weil manche Substanzen nur in der Zauberer Welt genutzt werden heißt es doch nicht, dass es sie nur dort gibt. Jeder Mensch, der sich bei Vollmond in einen Werwolf verwandelt würde sterben für die Nutzung eines Wolfsbanntranks und ich bin so kurz davor, dessen molekulare Zusammensetzung zu erkennen.“
„Hermine das ist gefährlich. Was wenn die Menschen dahinterkommen, was du tust. Entweder nimmt das Ministerium dich fest, weil du eine Gefahr für die Geheimhaltung unserer Welt bist oder die Menschen erkennen irgendwann, dass etwas vorgeht, was sie sich nicht erklären können. Hexenjagd und Verbrennungen sind keine Ammenmärchen-das weißt du besser als ich.“
„Aber Harry…!“ Sie seufzte und ließ sich in einen Stuhl fallen. „Ich will ihnen helfen. Ich habe nicht umsonst Chemie studiert. Ich kann ihnen alles bieten und mit moderner Forschung erklären – ohne, dass ich eine Gefahr für die Geheimhaltung der Zaubererwelt darstelle.“ Sie strich sich eine lose Haarsträhne hinters Ohr. „Ich will nicht mit dir streiten. Komm lass uns irgendwo hingehen und gemütlich einen Kaffee trinken.“
Harry grinste sie mit seinem typischen Harry Lächeln an. „Geh erst mal duschen, dann bin ich für alles bereit!“
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