It started out as a feeling

GeschichteAllgemein / P12
11.02.2019
11.02.2019
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Heyy
Hier ist ein weiterer Teil der Geschichte, die ihren Anfang auf der Morgenröte hatte. Es ist eine Fortsetzung, deshalb macht es Sinn, die ersten beiden Teile gelesen zu haben.
Diese Geschichte ist, ziemlich spontan und vermutlich mit Fehlern durchtränkt, wenn sie euch trotzdem gefällt, lasst mir doch ein Review da ;)
lg Faye

Disclaimer: Es gehört alles, ausser meinem OC und meinen Ideen, C.S. Lewis.


It started out as a feeling


Tot.

Sie waren tot.

Peter.
Edmund.
Lucy.

Peter, Edmund, Lucy.
Peter. Edmund. Lucy.
Peter, Edmund, Lucy.

Mit tränenverschleiertem Blick betrachtete Susan Pevensie Evans die Grabsteine ihrer Geschwister. Sie waren tot. Gestorben in einem tragischen Zugunglück. Alles nur wegen diesem verdammten Narnia. Narnia. Noch so ein tragisches Unglück. Diese elenden Spiele, die ihre Geschwister und sie in ihrer Kindheit gespielt hatten. Mit ihnen hatte ihr Leid erst begonnen. Aslan. Der Löwe. Alles nur der Fantasie kleiner Kinder entsprungen und in der Realität nicht existent.
Tränen rannen der jungen, überaus schönen, Frau übers Gesicht, verschmierten ihr Make-up. Wen kümmerte es schon? Ihre Geschwister waren tot, wer interessierte sich da noch für Make-up.
Aufschluchzend drückte Susan den kleinen Jungen in ihren Armen an ihre Brust. Er verstand nicht, was passierte. Wusste nicht, dass seine Mutter vor wenigen Tagen gestorben war. Hatte nicht die leiseste Ahnung, dass er bei seiner Tante, statt seiner leiblichen Mutter aufwachsen würde.
Der bittere Verlust schien sie beinahe zu erdrücken.
Es war nicht so, dass Susan in den letzten Jahren viel mit ihren Geschwistern unternommen hätte, eigentlich ganz im Gegenteil, hatte sie doch ihr möglichstes getan, um als eine erwachsene, reife Frau wahrgenommen zu werden und nicht mehr als ein Kind, ein Mädchen belächelt zu werden. Peter, Edmund und Lucy hingegen hatten sich nichts aus dem Erwachsenwerden gemacht, sondern lieber von den Spielen ihrer Kindheit geträumt. Ihren Abenteuern aus frühester Jugend nachgetrauert. Sie hatten einfach nicht einsehen wollen, dass diese unbeschwerten Tage nun vorbei waren, dass sie jetzt nach vorne, in ihre Realität, ihr Leben schauen mussten.

Die drei hatten sich nicht von der Geschichte um Narnia abbringen lassen und waren gemeinsam in diesen vermaledeiten Zug gestiegen, um irgendwelche Ringe zu suchen. Die hatten sie offenbar gefunden. Nichts war von ihren Geschwistern übriggeblieben als ihr Gepäck, in dem sich diese Schachtel mit grünen und gelben Ringen befand. Die Leichname von Peter, Edmund und Lucy waren spurlos verschwunden, was keinen Sinn ergab, hatte ihr Gepäck das Unglück immerhin mit einigen Dellen und Beulen überstanden und sich nicht von der Stelle gerührt. Anhand des Gepäcks konnte man auch ausmachen, dass sich ihre Geschwister tatsächlich in dem Zug befunden hatten. Es bestand keinen Zweifel, dass sie tot waren, auch wenn ihre Leichname nicht zu finden waren. Vielleicht war es auch besser so. Susan wollte sich ihre Geschwister so im Gedächtnis behalten, wie sie sie gekannt hatte, nicht so wie sie nach ihrem Tode ausgesehen hatten. Susan hatte die Schachtel an sich genommen und bisher nicht angerührt. Am liebsten hätte sie sie verbrannt. Doch sie war das einzige, was ihr neben Kleidung und anderen Besitztümern noch von Peter, Ed und Lu übriggeblieben war.

Der kleine Junge in ihren Armen begann leise zu strampeln und verzog das Gesicht. Kaspian. Der kleine Kaspian. Susan brach erneut in Tränen aus, während sie das kleine Gesichtchen des Kindes betrachtete. So viel ihrer kleinen Schwester war darin zu finden, auch wenn er ihr dem Aussehen nach keineswegs ähnlich sah. Eher einem flüchtigen Bekannten, an den sich Susan nicht mehr erinnern konnte. Damals, als die Familie erfahren hatte, dass die jüngste Tochter schwanger war, war die Hölle ausgebrochen. Ihre Mutter hatte tagelang geweint und sich gefragt, was aus dem süssen kleinen Mädchen geworden war, das Lucy doch immer zu sein schien und noch immer war. Selbstverständlich hatte die ganze Familie Lucy unterstützt, aber verstehen hatte Susan ihre kleine Schwester nie gekonnt. Sie hatte zu dieser Zeit keinen Freund, war nicht wirklich verliebt gewesen und hatte sich auch danach nie gross für die männlichen Vertreter ihrer Spezies interessiert. Wie war sie an diese Schwangerschaft gekommen? Susan hatte ihr die Geschichte von diesem König Kaspian, den sie angeblich auch gekannt hatte, nie geglaubt, aber eine andere Erklärung hatte sie auch nicht, weshalb sie den Mund gehalten hatte. Oder zumindest hatte sie es versucht.

Schweigend wandte sich Susan von den Gräbern ihrer Geschwister ab und schritt, den kleinen Kaspian noch immer auf den Armen, zurück zu ihrem Wagen, in dem ihr Mann sie schon erwartete. Susan hatte vor einigen Monaten einen reichen Mann namens Philipp Evans geheiratet. Er war ein guter, verständnisvoller Mann und hatte Susan unterstützt, so gut er konnte, hatte auch das kleine, neue Familienmitglied mit offenen Armen aufgenommen und liebte Susan von ganzen Herzen. Auch sie liebte ihren Mann. Natürlich. Als Susan ihm eröffnet hatte, dass Kaspian nun bei ihnen aufwachsen würde, hatte er keine Minute lang gezögert und ihr zugestimmt.

Das war eine der beiden Bitten gewesen, die Lucy an ihre Schwester gerichtet hatte, ehe sie in diesen verdammten Zug gestiegen war. Zum einen hatte sie Susan gebeten, auf ihren Sohn aufzupassen und zum anderen sollte sie ihm die Geschichten Narnias weitergeben. Ihre kleine Schwester hatte eine ganze Kiste voll von ihren Abenteuern gefüllt. Viele Hefter hatte sie mit ihren Berichten, wie sie es nannte gefüllt und sie hatte Susan schwören lassen, sie Kaspian zu geben.
Susan hasste Narnia. Sie hatte es zu hassen begonnen, seit es sie und ihre geliebten Geschwister auseinander gebracht hatte. Allein Narnia und dieser Löwe Aslan, den sie sich als Kinder ausgedacht hatten, waren an ihrem zerrütteten Verhältnis zu ihnen schuld.

Doch genauso wie sie Narnia und den Löwen hasste, liebte Susan ihre Schwester und ihre Brüder, wie könnte sie deren letzten Wunsch also nicht erfüllen? Sie würde Kaspian jeden Abend diese Geschichten vorlesen, würde sie ihm immer und immer wieder erzählen, bis er alt genug war, um sie selbst zu lesen. Es war das einzige, das sie für Lucy noch tun konnte. Und das würde sie tun. Auch wenn sie sich wieder und wieder mit diesem verdammten Narnia auseinandersetzten würden müssen.
Gemeinsam mit ihrem Mann und Kaspian auf dem Arm betrat Susan ihr Zuhause. Sie lebten in einem grossen Haus, ziemlich im Zentrum Londons und hatten einen grossen Garten um das Haus. Susan hatte auf einen Garten bestanden. Sie liebte Blumen und vor allem Sonnenblumen waren ihre Leidenschaft. Susan mochte allgemein die Sonne. Die Wälder. Die Natur. Obwohl sie in den letzten Jahren kaum in der Natur gewesen war. Sie hatte sich um andere, wichtigere Dinge, wie beispielsweise eine Heirat gekümmert.

«Wenn ich irgendetwas für dich tun kann, Liebling, sag es mir. Ich bin für dich da.» Philipp legte ihr liebevoll eine Hand an die Wange. Susan war ihm dankbar für seine Anteilnahme, aber sie brauchte Zeit. Zeit und Freiraum für sich, um mit ihrem Verlust fertig zu werden. Sie lächelte bitter und sagte dann mit brüchiger Stimme: «Danke. Ich bringe Kaspian in sein Bett und komme dann wieder runter. Bis nachher.»
Leise stieg sie die Treppen hoch und legte den müden Jungen in ihren Armen vorsichtig ins Bett. Der vierjährige Junge schaute sie aus müden, neugierigen Augen an und Susan fragte ihn, ob er eine Geschichte hören wollte, was er mit einem begeisterten Nicken bejahte.
Also nahm Susan die grosse Schachtel hervor, hob den Deckel und nahm das erste Heft mit dem Titel «The Lion, The Witch and the Wardrobe» hervor. Mit weicher Stimme begann sie zu lesen:

Mein liebster Kaspian,
In diesen Büchern wirst du einiges über deine Familie, meine Vergangenheit und deinen Vater erfahren. Lese sie genau und zweifle an keinem einzigen Wort. Wenn du diese Schachtel erhalten hast, bin ich wohl nicht mehr da, um dir die Abenteuer von Onkel Peter, Onkel Edmund, Tante Susan und mir, deiner Mutter Lucy, zu erzählen. Bevor die Geschichte beginnt, möchte ich, dass du weisst wie sehr ich dich liebe und dich vermisse. Ich wünschte, ich wäre hier, um dich aufwachsen zu sehen… Du wirst bei Tante Suse aufwachsen. Sie wird gut auf dich aufpassen, also hör auf sie und sei ein braver Junge! Ich habe in dieser Schachtel einige Briefe hinterlassen, die du immer an deinem Geburtstag jedes Jahr erhalten sollst.
In Liebe
Mom

Susans Stimme brach, als sie diese Worte gelesen hatte, aber sie zwang sich entschlossen, weiterzulesen. Hätte sie einmal zu weinen begonnen, würde sie nicht mehr damit aufhören können und sie hatte in Kaspians Gegenwart schon viel zu oft geweint. Es wurde Zeit, dass sie sich zusammenriss. Sie musste für sie beide stark sein.

The Lion, The Witch and the Wardrobe

Diese Geschichte ist eigentlich nur die Fortsetzung einer anderen, weshalb ich wohl erst diese Geschichte erzählen muss, ehe ich zu unserer komme.
Vor einigen Jahren lebte in London ein Mädchen namens Polly Plummer. Eines Morgens spielte sie im Garten ihres Hauses, als das dreckige, verweinte Gesicht eines Jungen aus dem Nachbarsgarten über der Gartenmauer auftauchte…

Susan las und las, bis der kleine Junge im Bett neben ihr eingeschlafen war und nur noch seine tiefen und regelmässigen Atemzüge im Raum zu hören waren. Susan gab ihm liebevoll einen Kuss auf den Kopf, schloss das Heft und verliess mit leisen Schritten das Zimmer.

Am nächsten Abend las Susan erneut aus dem Heft Lucys vor und immer wieder flackerten frohe Bilder in ihrem inneren Auge auf. Bilder aus längst vergessenen Tagen. Glücklicheren Tagen. Susan zuckte jedes Mal zusammen, wenn sie wieder für einen Moment glaubte, auf einem Pferderücken durch den Wald zu galoppieren. Oder durch ein helles, sonnendurchflutetes Schloss zu schreiten meinte, oder mit ihren Geschwistern auf vier Thronen zu sitzen glaubte. Oder sie das Gefühl hatte, mit einem strahlenden, goldenen Löwen zu sprechen.

Lange Zeit schob sie diese aufkommenden Erinnerungen beiseite. Es waren nur Ergebnisse ihrer eigenen Fantasie. Jeden Tag las Susan aus den Heften vor und jeden Tag kamen neue Bilder in ihr auf, nahmen ihr die Sicht, schoben sich vor ihr inneres Auge und nahmen ihr gesamtes Blickfeld ein. All ihre Sinne. Kaspian hatte sich mittlerweile daran gewöhnt, dass seine Mutter so manches Mal mitten im Satz stockte, ihre Stimme abbrach und sie erst einige Sekunden später weiterlas. Auch hatte Kaspian mit den Wochen und Monaten aufgehört, nach seiner Mom, Lucy, zu fragen. Er dachte zwar immer wieder an sie, nannte jedoch mittlerweile Susan «Mutter» und Philipp «Vater». Doch jeden Abend, wenn Susan an sein Bett kam, die Schachtel in den Händen, freute er sich darauf von den Abenteuern seiner Mom zu hören. Kaspian war ein vierjähriger, bald fünfjähriger Junge, er dachte sich nichts dabei, dass er zwei Mütter hatte und lauschte gespannt den Worten. Er glaubte jedes Wort und als er Susan eines Tages gefragt hatte, warum es in London denn keine Faune und Zentauren gab, hatte sie ihn nur ernst angesehen und gefragt: «Hast du denn nicht zugehört, Kaspian? Diese Wesen gibt es nur in Narnia, nicht hier in England. Vielleicht gelangst du eines Tages ja auch nach Narnia und kannst sie sehen…»
Kaspian hatte daraufhin begeistert genickt und wünschte sich nichts sehnlicher, als selbst einmal nach Narnia zu kommen, hatte er doch mittlerweile schon von der weissen Hexe, von Prinz Cor und Lady Aravis von Archenland und überhaupt von der Entstehung von Narnia gehört.
An diesem Abend, hatte Susan ein neues Heft zu lesen begonnen, das den Titel «Prince Caspian» von Narnia trug. Dort stand zu Beginn geschrieben:

Mein Liebling,

Ich bin so froh, hast du bereits so viel von unseren Abenteuern gelesen und hoffe, du glaubst von ganzem Herzen daran. Ich wünsche mir nichts sehnlicher!
In diesem Buch wirst du zum ersten Mal etwas über deinen Vater, König Kaspian der Zehnte, erfahren. Er war ein edler Mann und ich hoffe, dass du eines Tages ein genauso guter Mann wirst wie dein Vater. Ich zweifle nicht daran.
Ich liebe dich unendlich, mein Kleiner.
In Liebe

Mom

Susan stutzte. Prince Caspian?
Während sie las tauchten wie gewohnt Bilder vor ihrem Blickfeld auf. Eine Insel. Ein Zwerg. Eine verstaubte Schatzkammer. Immer schneller zogen die Bilder vorbei und nach und nach begann Susan sich zu fragen, wie es sein konnte, dass sie sich nicht an diese Bilder erinnern konnte. Sie hatte nie eine besonders grosse Fantasie besessen. Im Gegensatz zu Lucy.
Wie konnte Susan sich solche Bilder zusammenfantasieren?
Die Bilder taten sich noch immer keinen Abbruch und vermengten sich, bildeten einen einzigen langen Film.
Und dann sah Susan Aslan.

Aslan.

Und sie erinnerte sich.

Narnia.

Cair Paravel.

Prinz Kaspian.

Alles.

ALLES.

Wie hatte sie nur jemals vergessen können?

Das Heft rutschte aus ihren regungslosen Fingern.
Susan hörte Kaspians Stimme nicht, der mit gerunzelter Stirn ihren Namen rief. Sie hörte nicht, wie er schliesslich weinend nach seinem Vater rief. Hörte nichts. Nichts. Ausser Aslans Brüllen.
Aslan. Narnia. Es war alles da. Sie konnte sich an jeden Tag erinnern. Sie war eine Königin gewesen. Eine Königin. Dann wieder nicht. Und dann wieder doch. Und wieder nicht. Zweimal hatte sie Narnia besuchen dürfen. Hatte Aslan, den grossen Löwen gesehen. All diese Jahre hatte sie ihre Erinnerung verdrängt, hatte den Schmerz, nicht mehr in Narnia sein zu dürfen, verdrängt. Sie hatte Narnia so sehr vermisst, hatte nächtelang geweint, hatte zu Aslan geschrien. Und schliesslich hatte sie zu verdrängen begonnen.
«Liebling! Suse! Sag doch etwas! Soll ich den Doktor rufen?»
Philipp kniete besorgt vor ihr und hielt sie an den Schultern.
Blinzelnd kam Susan wieder in die Gegenwart und sah sich um. Als wäre sie gerade aus einem Traum aufgewacht blickte sie um sich, fasste sich an die tränennassen Wangen und bemerkte erstaunt, dass sie weinte.
Dann war alles wieder da. Schmerz. Sehnsucht. Reue.
Aufschluchzend warf sie sich in Philipps Arme und liess sich einfach fallen. Kaspian neben ihnen weinte und rief immer wieder nach seiner Mutter, was Susan sich von ihrem Mann lösen liess.
Lächelnd und doch mit Tränen in den Augen sah sie ihn liebevoll an. Und sie sah Kaspian. Kaspian der Zehnte.
«Oh Liebling, entschuldige, es ist alles in Ordnung. Ich musste nur gerade an etwas sehr Trauriges denken, aber jetzt ist alles gut. Versprochen.» Der kleine Junge vor ihr nickte und ein vertrautes Lächeln breitete sich auf dem Gesicht aus.

Nachdem Susan und Philipp das Zimmer ihres Sohnes verlassen hatten, brach Susan erneut in Tränen aus. Sie weinte an Philipps Schulter, bis sie keine Flüssigkeit in ihren Körper zu haben schien und trotzdem schluchzte sie noch immer.
Schliesslich nach einer geraumen Weile hob sie den Kopf und blickte Philipp an, der sie mit einem besorgten, schmerzlichen Blick, der von seinem tiefen mitfühlen zeugte, betrachtete. Susan schien es, als wäre es an der Zeit, endlich jemandem von all ihrem Schmerz zu erzählen. Von Narnia. Von Aslan.

«Philipp, ich denke, ich sollte dir einige Erlebnisse aus meiner Jugend erzählen. Es… es ist einige Jahre her, aber ich habe jede Einzelheit im Kopf, als wäre es gestern gewesen…»
Ihr Mann nickte und so begann Susan zu erzählen.
Alles.
Dass Philipp ihr glaubte, war nur nebensächlich, das wichtigste war, dass Susan sich endlich, nach all den Jahren, ihre Gefühle und Gedanken jemandem mitteilte. Sie darüber redete.
Es tat so unglaublich gut, sich alles von der Seele zu reden und als Susan geendet hatte, traten ihr erneut Tränen in die Augen. So viel hatte sie verloren und so viel zu bereuen. Würde man es verzeihen? Würde sie die Gelegenheit dazu bekommen, ihre Geschwister um Verzeihung zu bitten? Würde sie Aslan wiedersehen? Narnia?

Philipp schien seine liebe Mühe damit zu haben, das gehörte zu verstehen und zu glauben, aber er hielt sich mit seinen Fragen zurück, bis sich seine geliebte Frau wieder beruhigt hatte. Sie schien gerade so viel durchzumachen und er bewunderte, wie stark sie trotz ihres Verlusts war. Hatte sie doch allen Grund, sich nicht mehr aus dem Haus zu begeben, stellte sie sich trotzdem jeden Tag erneut der Welt, dem Alltag und meisterte ihr Leben.

Noch viele Abende folgten, an denen Susan ihrem Gatten von Narnia erzählte und nach und nach begann er ihr zu glauben. Begann sich zu fragen, ob sie nicht Recht hatte. Ob sie nicht die Wahrheit sagte. Susan hatte viele Nächte lang geweint. Um Narnia. Aslan. Ihre Geschwister. Doch eines Abends war ihr klargeworden, dass sie tatsächlich viel in ihrem Leben falsch gemacht hatte, sie jedoch noch mehr falsch machen würde, würde sie ständig ihrer Vergangenheit nachtrauern. Sie musste weitermachen und vielleicht, vielleicht würde sie ja irgendwann ihre Geschwister wiedersehen und ihnen sagen können, wie leid ihr alles tat.
Ständig waren Susan Alsans Worte bei ihrem Abschied aus Narnia im Kopf herumgegeistert. Er hatte damals gesagt: «Ihr werdet lernen müssen, mich in eurer eigenen Welt zu erkennen, denn dort trage ich einen anderen Namen.»
Sie hatte Aslan zu suchen begonnen.
Und sie hatte ihn gefunden.
Sie hatte sich daran erinnert, wie viel Zeit Lucy in den Monaten vor ihrem… ihrem Verschwinden in der Kirche verbracht hatte. Und sie war dem Beispiel ihrer kleinen Schwester gefolgt.
Wie hatte sie die Zusammenhänge nur jemals übersehen können?! Wie um alles in der Welt hatte sie nicht eins und eins zusammenzählen können?!

Wie dem auch war, Susan schöpfte neue Hoffnung und diese Hoffnung erfüllte ihre ganze Familie.

Susan Pevensie Evans verbrachte ein reich gesegnetes, erfülltes Leben, das noch von ihrer Tochter Lucy bereichert wurde, bis sie schliesslich im hohen Alter von 91 Jahren starb und neben ihren Geschwistern begraben wurde. Nur ein Jahr später verstarb auch ihr Ehemann Philipp Evans und wurde ebenfalls neben seiner Frau und deren Geschwistern beigesetzt.


Im hellen Sonnenlicht, blinzelnd erhob sich Königin Susan, die Sanfte, aus dem grünen Gras. Mit freudigem Erstaunen blickte sie sich um und als sie den goldenen Löwen sah, der lächelnd auf sie zu schritt, breitete sich ein strahlendes Lächeln auf ihrem schönen Gesicht aus.
«Aslan!»
Susan spürte all ihre Schuld, Sorge, Reue von ihr abfallen und zurück blieb Freude und Erleichterung. Sie konnte förmlich fühlen, wie sie mehr und mehr zu Königin Susan wurde. Der Susan, die sie vor langer Zeit gewesen war.

«Meine liebe Tochter.»
Diese drei Worte reichten aus um Susan auf Aslan zustürmen zu lassen und ihm um den Hals zu fallen, als wäre sie wieder ein kleines Mädchen. Der Löwe gab Susan einen sanften Löwenkuss auf den Kopf, während sie weinend ihr Gesicht in seiner Mähne vergrub.
«Sie haben dir längst verziehen und warten auf dich.»
Seine tiefe Stimme beantwortete die unausgesprochene Sorge in Susans Herz und erfüllten die Frau mit noch grösserer Erleichterung als noch vor einigen Augenblicken.
Susan hob lächelnd den Kopf und während der grosse Löwe zur Seite trat, gab er den Blick auf drei Personen frei.

Die vier Pevensie-Geschwister fielen sich lachend in die Arme. Hielten sich einfach nur und freuten sich, ihre verlorene Schwester wieder bei sich zu haben.
Sobald sich die vier wieder losgelassen hatten, begann Lucy mit weicher, sanfter Stimme zu sprechen: «Ich danke dir, Suse. Du hast auf meinen Sohn aufgepasst, als ich es nicht mehr konnte!»
Susan konnte nun die Tränen nicht mehr zurück halten und rief: «Es tut mir so leid. Alles.»
Die drei anderen lächelten nur und Edmund nickte. «Ich weiss wie du dich fühlst, aber hier musst du das nicht. Hier ist alles gut.»
Einvernehmlich drehten sich die vier Pevensies um und schritten gemeinsam zum Schloss, das weit oben in Narnia direkt am Meer stand.
Sie waren erwachsen geworden.


Aslan sah ihnen lächelnd nach.



TBC
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