Euasteros

von Kokichi
OneshotAllgemein / P12 Slash
Kageyama Tobio Tsukishima Kei
11.02.2019
11.02.2019
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Please don't look at me. If you don't, I can still turn away.
And part of you thought:
Look at me.


Nicole Krauss „The History of Love“



Im Jetzt

„Das ist das Dümmste, was du seit Langem getan hast“, kommentierte Tsukishima das Verhalten des Jungen vor sich trocken. Obwohl er es nicht besonders laut sagte, schnitt es wie ein Pistolenschuss durch die nächtliche Dunkelheit um sie herum. Genau in diesem Moment suchte sich der Wind aus mit seinen unsichtbaren Fingern durch die Kronen der Bäume zu streichen, spielerisch den Schnee aufzuwirbeln, an ihren Klamotten zu zerren und das Schild vor dem Tunneleingang in Bewegung zu setzen. Das rostige Quietschen der Kette hallte unheimlich wieder und sogar im schwachen Schein des Mondlichts und der Taschenlampe des anderen Jungen konnte er den zum Teil abgefallenem Schriftzug auf dem Schild lesen.

Dead End. Kein Durchgang.

Eine klare Botschaft und dennoch schien sein Gegenüber sie komplett zu missachten. Denn dessen eines Bein war weiterhin halb über der Kette erhoben, auch wenn er mit überraschter Miene Tsukishima anstarrte. Da keine weitere Reaktion erfolgte, tat er das Einzige, was er stets tat, wenn er nicht weiter wusste: Aufstacheln.
„Eure königliche Hoheit sollte den Mund schließen, sonst fängt sie noch Fliegen als Mitternachtsimbiss“, höhnte er. Mit einem lautem Klappern, schloss sein Gegenüber vor ihm den Mund. Der überraschte Ausdruck hatte sich jetzt zu einem Grimmigen verwandelt, wo die Augenbrauen des Anderen so sehr zusammengezogen waren, dass sie fast schon eine Linie ergaben.

„Was machst du hier?“, blaffte ihn sein Gegenüber an. Tsukishima zuckte nur mit den Schultern.
„Einen Spaziergang?“, der Junge schnaubte nur abfällig, sofort wissend, dass das eine unverschämte Lüge war.
„Was auch immer“, nuschelte er dann und wandte sich wieder dem zu, was er vor Tsukishimas Unterbrechung getan hatte. Die langen Beine fanden ohne große Probleme über die Absperrung und Tsukishimas wurde sich bewusst, dass der Andere tatsächlich vorhatte, was er erahnte. In einem Anflug aus leichter Panik trat er jetzt auch an die Absperrung heran.
„Warte!“, brüllte er fast, was tatsächlich den Anderen stocken ließ.

Die Schultern des Jungen spannten sich an und quälend langsam wandte er sich zu Tsukishima um. Jedoch verbargen die ungünstigen Lichtverhältnisse und sein rabenschwarzes Haar den Großteil seiner Gesichtsmimik, weswegen Tsukishima nur erraten konnte, was in dem Anderem vorging. Nicht das dies jemals anders zwischen ihnen gewesen wäre.
„Wenn du unbedingt Indianer Jones spielen möchtest, warum dann nicht am helllichten Tag und mit  anderen Leuten. Der Zwerg wäre bestimmt sofort bei so einer irrsinnigen Erkundung dabei“, versuchte Tsukishima sich zu erklären, um den Anderen von seiner äußerst waghalsigen Expedition abzubringen.

Zuerst schien der Junge ihm erbost antworten zu wollen, ihn anzubrüllen, da seine Hand sich so krampfhaft um die Taschenlampe drückte, dass der Lichtkegel erzitterte. Aber dann entspannte er sich von einem Moment zum Nächstem, als wäre die Wut von etwas viel Mächtigerem davon gespült worden.
„Ich muss das alleine tun. Und heute Abend noch“, antwortete er mit fester Stimme, in der jedoch eine Wehmut mitschwang, die Tsukishimas Herz schwer werden ließ. Dann drehte sich der Andere wieder seinem Ziel zu und setzte sein Weg fort. Einige Sekunden beobachtete ihm Tsukishima nur, wie der riesige Schlund des Tunnels die Gestalt des Jungen förmlich verschluckte und das Licht der Taschenlampe nie genug zu seinen schien um gegen die unendliche Finsternis zu gewinnen.

„Scheiße Kageyama, manchmal treibst du mich echt an der Rand des Wahnsinns“, nuschelte Tsukishima zu sich selbst, bevor er hastig über die Absperrung kletterte und Kageyama in die tiefen des Tunnels folgte. Hinter ihm hörte er noch einmal das Quietschen der Kette, was wie eine Warnung in seinen Ohren klang, bevor jedes Geräusch verschluckt wurde.

Und plötzlich waren es nur noch Kageyama und er.


Zwei Wochen zuvor

„Ohhhhhh, Kenma hat ja gesagt!“, schrie Hinata laut heraus, während er nur in Unterhose in ihrer Umkleide stand. Tsukishima wollte schon ein Kommentar ablassen, als sein Blick vorbei an dem Wuschelkopf zu Kageyama fiel, der mit dem Rücken zu ihm eingesackt saß. Sofort schoss ihm das Geschehene des vorherigen Abends durch den Kopf und rasch schluckte er alles hinunter, Worte und Gefühle.

„Zu was?“, fragte Yamaguchi, der seinen Spind schloss und anfing seine Schuluniform ordentlich zu zuknöpfen. Hinata wedelte wie wild mit den Händen herum, wobei der Versuch die Nachricht auf dem Handy zu zeigen mehr als ineffektiv war.
„Zu dem Wochenendausflug!“
Die verwirrte Stille wurde nur durch den perplexen Ausdruck auf Yamaguchis Gesicht verstärkt, wodurch Hinata an Schwung verlor. Stattdessen wirbelte er zu Tsukishima herum, der nur unwissend mit den Schultern zuckte. Dann wandte er sich Hilfe suchend an Kageyama, der mehr an seinen Schnürsenkel interessiert war.
„Der Wochenendausflug? Auf die Berghütte von Kenmas Großeltern? Worüber wir gesprochen hatten?“
Tatsächlich schien es zumindest bei Yamaguchi klick zu machen, da er ein „Ah“ des Verständnis von sich gab. Dies reichte Hinata, um erneut wie ein Erdmännchen mit ADHS umherzuspringen.

„Zumindest meinte Kenma, dass sie uns erlaubt haben ein Wochenende lang uns alle dort zu treffen! Sprich wir müssen nur noch Sawamura und den Anderen Bescheid geben und schon können die Winterferien großartig beginnen.“
Der Enthusiasmus von Hinata ging bei Tsukishima komplett verloren. Wahrscheinlich hatte er es genau deswegen vergessen oder nicht weiter daran gedacht, denn ein ganzes Wochenende mit seinen alten Teamkameraden und alten Rivalen zu verbringen, war keine Aussicht auf die er besonders scharf war.

Als er schon seine Abwesenheit einwerfen wollte, kam ihm Kageyama zuvor. Dieser hatte sich noch immer nicht zu ihnen umgedreht, sondern starrte allem Anschein nur seine Hände an, als würden sie alle Antworten dieser Welt halten.
„Ein wenig Zeit ohne Volleyball klingt gut“, wobei er mehr als abwesend klang, so als wäre er wo völlig anders. Hinata störte sich jedoch nicht an dem seltsamen Verhalten seines besten Freundes oder ignorierte er absichtlich dem Anderem zuliebe. Stattdessen sprang er freudig in die Luft, nur um dann zu Kageyama hinüber zu hüpfen und ihn von hinten zu überrumpeln.
„Natürlich werden wir auch Volleyball spielen!“, und wuschelte Kageyama wild über den Kopf, was Leben in den Anderen zurückbrachte und alles auf normal stellte.

„Idiot! Du kannst im tiefsten Schnee und dichtesten Wald kein Volleyball spielen!“
„Uhhh? Aber wofür treffen wir uns dann mit allen?“
„Um öhm nun s-soziale Kontakte zu pflegen und so oder so irgendwie.“
„Awweee, manchmal bist du so ein Weichei, Kageyama.“
„Klappe, du Volleyballfanatiker!“
„Selber!“

Tsukishima schaltete den üblichen Akt zwischen den Beiden aus. Schaute nur stumpf dabei zu, wie sie keine Probleme hatten miteinander zu reden und sich zu berühren. Dachte erneut an den Abend zuvor.
„Tsukki?“, riss ihn die Stimme von Yamaguchi aus seiner eigenen Welt. „Alles okay mit dir?“ Er blinzelte einige Male, schüttelte den Kopf und packte seine Schultasche.
„Ich dachte nur gerade daran, dass ich zum Glück noch zwei weitere ruhige Wochenenden habe werde, wo ich mich vor den Idioten ausruhen kann.“
Yamaguchi lächelte nur auf Tsukishimas indirekter Zusage.

Als er die Umkleide verließ, war er sich sicher, dass ihn Kageyama beobachtete. Jedoch wandte er sich nicht um, um den Blick zu erwidern.


Im Jetzt

Ihre Schritte hallten dumpf von den Tunnelwänden wieder. Obwohl sie nebeneinander hergingen, hatten sie dennoch keinen gemeinsamen Rhythmus. Tsukishima wusste nicht warum, aber dieser Fakt störte ihn. Es war genauso wie der Fakt, dass sie nicht miteinander sprachen. Was nicht unüblich war, doch in den letzten Wochen war es ihm immer mehr aufgefallen und bildete sich wie bittere Säure in seinem Magen.

Auch nach fast drei Jahren konnten sie nur auf dem Volleyballfeld miteinander funktionieren. Womöglich, so erklärte er es sich mit dem pragmatischen und logischem Teil seines Ichs, lag es daran, dass sie beide keine Personen waren, die aus sich persönlich herausgingen. Sie Beide brauchten andere Personen, wie Hinata, die aus ihnen alles herauskitzelten, ob sie nun wollten oder nicht. Dennoch war es frustrierend, den ein Teil von ihm verlangte danach den Raum zwischen ihnen endlich verschwinden zu lassen. Auch wenn er es nie laut zugeben würde oder hinterfragte, warum das Verlangen da war.

Tsukishima seufzte und Kageyama warf ihm einen stillen Seitenblick zu. Leise errechnete er, wie lange sie noch durch diese Finsternis gehen würden. Als Yaku und Akashi über den Tunnel gesprochen hatten, hatten sie eine Länge erwähnt, die auf ungefähr eine halbe Stunde Laufweg vermuten ließ. Wobei sie nicht die gesamte Laufzeit benötigen würden, da der Tunnel sowieso an einer Stelle eingestürzt war. Tsukishima fragte sich ernsthaft, was Kageyama sich von dieser Schnapsidee erhoffte.

„…..nke“, nuschelte Kageyama plötzlich neben ihm irgendwas Unverständliches und wenn er es nicht wüsste, meinte er zu sehen, wie dessen Ohren rot wie Herbstlaub waren. Aber dann war es schwer zu sagen ihm spärlichen Licht der Taschenlampe. Er könnte zwar sein Handy herausholen um mit Licht zu machen, aber der Weg allein zum Tunnel hatte schon einiges an seinem ohnehin kaum vorhandenen Akku verbraucht. Und so wie er Kageyama kannte, hatte dieser nicht an sein Handy gedacht und zumindest einer von ihnen sollte im Notfall zu erreichen sein. Nicht das er im Tunnel Empfang hatte, aber der Gedanke zählte mehr als alles andere.

„Was?“, fragte er nach und klang dabei kälter als er wollte. Aber er war nun einmal müde und obwohl der Tunnel einigermaßen warm war, machte ihn die stehende Luft nur noch schläfriger und damit aggressiver. Kageyama drehte zur Antwort nur den Kopf in die andere Richtung und sagte nichts mehr. Erneut seufzte Tsukishima, was den Anderen zu provozieren schien.
„Niemand hat dich darum gebeten mitzukommen“, spuckte Kageyama förmlich die Worte aus.
Sofort schaltete alles in Tsukishima auf Verteidigung und ihr alter Tanz begann.
„Irgendwer muss ja auf unseren Starspieler aufpassen. Kapitän Yamaguchi würde es mir nie verzeihen, wenn du dir den Zeh stoßen würdest“, spottete er zurück.
„Ich kann auf mich alleine aufpassen, ich bin kein Kind mehr!“
„Oh? Und deswegen schleichst du dich alleine im Dunkeln weg? Weil du so erwachsen und verantwortungsvoll bist?“
„D-Das ist...ich...ich wollte nur...du...“, Kageyama atmete tief ein und aus und blieb plötzlich stehen. Obwohl Tsukishima es nicht genau erkennen konnte, wusste er, dass der Andere angespannt wie eine Bogensehne war. Doch der erwartete Pfeilschuss traf ihn härter als er es jemals vermutet hätte.

„Du bist der Letzte, der das verstehen würde.“
In Tsukishima zog sich alles zusammen. Am liebsten hätte er nach Kageyama gegriffen, ihn geschüttelt und angebrüllt, dass er es ihn versuchen lassen sollte. Dass er verstehen wollte, was in dem Anderen vorging. Doch wie immer versagte ihm der Mut und er ließ den Raum zwischen ihnen nur noch mehr wachsen. Denn die Angst zu finden, was sich zwischen ihnen Beiden über die letzten Jahre entwickelt hatte, ungesehen und ungewollt, verschlang ihn jede Sekunde, die er in der Anwesenheit des Anderen verbrachte.
„Natürlich nicht, wer kann schon den genialen Verstand einer Majestät verstehen“, erwiderte er rücksichtslos und seine Stimme vor lügenhaftem Gift tropfend.

Schweigen baute sich zwischen ihnen wie eine unüberwindbare Mauer auf. Irgendwo in der Ferne war das leise Tropfen von Wasser zu hören. Ihre eigene Atmung wie Donner. Kageyama rührte sich, machte einen Schritt auf Tsukishima zu. Und für einen Moment fürchtete Tsukishima, dass er das Selbe wie an jenem Abend vor zwei Wochen versuchen würde. Fürchtete es, weil er es sich so sehr erhoffte, damit er noch einmal anders reagieren konnte.

Dann flackerte die Taschenlampe und ohne große Fanfaren wurden sie von der Dunkelheit umarmt.


Zwei Stunden zuvor

Die Ruhe war ein Luxus, den Tsukishima nur zu gerne auskostete. Er würde lügen, wenn er behaupten würde, dass er den ganzen Kontakt wirklich verabscheute. Aber er hatte ein gewisses Gesicht zu wahren, weswegen er so tat, als wäre er unfreiwillig hier. Und manchmal war es auch zu viel für ihn, besonders dann, wenn ihn Bokuto und Kuroo betrunken in ihre kindlichen Wettbewerbe miteinbezogen. Diese konnten von einer Schneeballschlacht bis hin zu wer den besten Penis in den Schnee pinkelt reichen. Trotzdem war es beruhigend zu wissen, dass egal wie alt sie wurden, irgendwo stets die Selben blieben.

Leise schlich er sich durch den großen Aufenthaltsraum der Berghütte, wo noch die Reste des Kaminfeuers glühten und einige ihrer Freunde schliefen. Da es nicht genügend Betten gab, hatten sich viele Schlafsäcke mitgebracht und ihr Schlaflager dort aufgeschlagen. Für einen Augenblick glaubte er schon Akashi geweckt zu haben, da dieser ein ersticktes Stöhnen von sich gab, beruhigte sich aber, als er erkannte, dass es nur daran lag, dass ihn Bokuto in eine Bärenumarmung im Schlaf gezogen hatte.

In der Küche angekommen, suchte er ein sauberes Glas, was länger dauerte als erwartet, da sie einigermaßen gewütet hatten, was Essen und Getränke anging. Er war sich sicher, dass mehr als die Hälfte von ihnen mit einem enormen Kater und Magenprobleme aufwachen würde. Jetzt schon malte er sich aus, wie er vergnügt extra laut sprechen würde, um Kuroo und Bokuto winseln zu lassen. Nachdem er endlich ein Glas gefunden hatte, begnügte er sich mit Wasser aus dem Hahn, da er keine Geduld hatte ein alkoholfreies Getränk in dem Chaos und im Dunklen zu suchen.

Gerade als die kühle Flüssigkeit seinen Hals hinunter rann, nahm er eine Bewegung aus dem Augenwinkel war. Tsukishima hatte keine Ahnung, warum er sich duckte, um nicht gesehen zu werden, aber im Nachhinein war er froh über seine automatische Reaktion. Sogar in kompletter Dunkelheit würde er die Figur vor sich stets wiedererkennen.
Kageyama.

Es wäre eine Untertreibung gewesen, wenn er gesagt hätte, dass sie sich seitdem sie auf den Ausflug waren, aus dem Weg gegangen waren. Oder generell die letzten paar Wochen. Niemals so, dass es auffällig war oder ihr Volleyballtraining gestört hatte, aber soweit, dass der Platz beim abendlichen Nachhausegehen neben ihm ungewöhnlich leer erschien. Weswegen der Puffer durch all ihre Freunde eine willkommene Abwechslung gewesen war. Wenn auch sie unbewusst dennoch immer zueinander gefunden hatten. Ob es nun ein Schneeball war, den er zufällig in die Richtung von Kageyama geworfen hatte oder der Andere beim Flaschendrehen ihn erwischte und stotternd ein Kompliment an Tsukishimas Kniescheiben richtete, worauf alle um sie herum unwissend lachten.

Tsukishima wünschte sich so sehr, dass Kageyama nie versucht hätte, was er an jenem Abend getan hatte. Noch mehr wünschte er sich, dass sie miteinander darüber reden könnten und nicht wie zwei Feiglinge umeinander herumtänzeln würde und damit alles nur noch verwirrender gestalteten.
Genervt von sich und dem Chaos in ihm, wollte Tsukishima seine Deckung schon fallen lassen und irgendwas Neckisches zu dem Anderen sagen, als er bemerkte, dass dieser nicht nur komplett in warme Kleidung gehüllt war, sondern jetzt auch eine Taschenlampe prüfend an- und ausschaltete.
Verwundert darüber blieb er deshalb in seinem Versteck und beobachtete Kageyama, der jetzt zusätzlich noch einen Rucksack schulterte und schlussendlich sich Jacke, Schal und Mütze überzog.
Dann leise wie eine Maus, öffnete er die Haustür und verschwand nach draußen in den dunklen Wald. Einige Sekunden zögerte Tsukishima noch, lauschte angestrengt, ob er Kageyama zurückkommen hören würde. Doch nur das Schnarchen ihrer Freunde ertönte vom Nebenraum und sonst weiter nichts.

Es ging Tsukishima absolut nichts an, was Kageyama um ungefähr zwei Uhr in der Früh draußen im Wald treiben wollte. Der Andere tendierte dazu, seltsame Dinge zu tun, an die kein vernünftiger Mensch auch nur denken würde. Dennoch ertappte er sich dabei, wie er ebenfalls rasch in seine Jacke und alles andere schlüpfte, um seinem Teamkameraden in die Nacht zu folgen. Es ging ihn nichts an und er wollte es nicht wissen, noch kümmerte es ihn.

Trotzdem folgte er den hinterlassenen Spuren im schwachen Handylicht wie eine Motte dem Flammen.


Im Jetzt

„Großartig“, kommentierte Tsukishima ihre Situation trocken. Ein Rütteln ertönte neben ihm, dann ein leises Fluchen.
„Ich sehe schon, du bist der größte Experten in abendlichen Ausflügen“, führte er seinen Unmut über die Situation fort. Noch mehr Gerüttel und das Klacken von Batterien.
„Du weißt, dass das vergebene Liebesmüh ist?“
„Klappe! Woher sollte ich wissen, dass die Batterien nachlassen?“, blaffte Kageyama frustriert, was laut in dem Tunnel widerhallte.
„Vielleicht in dem Moment, wo du geplant hast, in der tiefsten Nacht in einem verlassenen und eingestürzten Tunnel zu gehen, eure Majestät?“, erwiderte Tsukishima gereizt zurück.
Ein mehr als frustriertes Knurren ertönte und dann ein lauter Aufschlag. Es polterte noch kurz und dann erstarb das Geräusch vollends.

„...hast du gerade die Taschenlampe weggeworfen?“, fragte Tsukishima fassungslos nach. Keine Antwort. Dann ein tiefes Einatmen.
„Ja.“
Tsukishima schloss erledigt die Augen, was keinen großen Unterschied machte, da ihn dort die gleiche Finsternis begrüßte, die ihn momentan umgab. Beruhigend zählte er bis zehn, bevor er sich daran machte, seine Handy aus der Hosentasche zu kramen. Doch anstatt, dass ihn der grelle Sperrbildschirm begrüßte, blieb die Dunkelheit an Ort und Stelle. Sein Akku musste in den letzten paar Minuten den Geist aufgegeben haben. So viel zur modernen Technik, dachte er bitter.

Kaum hatte er den Gedanken zu Ende gebracht, erschlug ihn die kommende Erkenntnis. Sie waren somit der omnipotenten Schwärze um sie herum schutzlos ausgeliefert. Er war kein Mensch, der unbedingt Angst vor der Dunkelheit hatte oder an kindischen Kram wie Geister glaubte. Doch das Wissen in einem Tunnel festzustecken, ohne zu wissen, wie weit es bis zum nächsten Ausgang war oder was vor einem lag, noch dass irgendwer wusste, wo sie hin verschwunden waren, ließ ihn mehr als nervös werden. Ganz langsam fraß sich die aufkommende Panik in jede einzelne Zelle seines Verstandes und er spürte, wie die Luft immer dünner wurde und wie kalter Schweiß seinen Nacken entlang rann. Jeden Augenblick würden alles einstürzen und sie würden lebendig begr-

Eine feste Berührung auf seiner Schulter ließ Tsukishima zusammenzucken.
„Ich bin's nur“, sagte Kageyama ruhig. Tatsächlich verflog die Panik schlagartig und er erinnerte sich daran, dass er nicht alleine war. Zwar konnte er die Wärme der Hand des Anderen nicht wirklich durch die Stoffschichten spüren, aber er meinte sie trotzdem zu empfinden.
„Wer sonst? Geister“, höhnte Tsukishima als Antwort, um zu kaschieren, wie er sich bis vor wenigen Sekunden wirklich gefühlt hatte. Kageyama sagte nichts weiter dazu und er fürchtete schon, dass der Andere seine Hand wieder wegnehmen würde.

Die Sekunden schienen sich nur so dahinzuziehen, wo keiner von ihnen etwas sagte oder sich rührte. Schließlich war es Kageyama, der ihren endlosen Teufelskreis durchbrach. Es war immer Kageyama, der den ersten Schritt tat, wenn Tsukishima sich hinter zu viel Logik und Angst duckte.
„Ich geh' weiter.“ Simpel und einfach. Als würde die Dunkelheit und das Ungewissen ihn nicht das Fürchten lehren. Tsukishima bewunderte ihn dafür und gleichzeitig war es das, was ihn selbst immer zurückhielt. Weil er einfach nicht verstehen konnte, wie man so leichtfertig durchs Leben konnte und sich selbst wünschte, dass er den Mut dafür aufbringen könnte.
„Kommst du mit?“ In der Frage schwang mehr als Hoffnung mit und Tsukishima ahnte, dass seine Antwort nicht nur dieses idiotische Unternehmen beeinflussen würde.

„Nur wenn du mich an die Hand nimmst. Alleine werde ich sicherlich mir nicht das Genick in dieser Dunkelheit brechen“, neckte er, da er keine andere Art kannte, mit Kageyama zu kommunizieren.
Ohne eine verbale Antwort zu bekommen, wanderte die Hand des Anderen seinen Arm hinab und hinterließ eine Spur von angenehmen Kribbeln. Dann umschlossen raue Finger seine eigene raue Hand. Langsam und schweigend arbeiteten sie sich vorwärts, ihre Finger stets ineinander verschlungen.

Tsukishima war mehr als froh über die Finsternis, denn sie gab ihm zum ersten Mal die Gelegenheit ehrlich zu sich und seinen Gefühlen zu Kageyama zu sein, ohne das ihn jemand dabei beobachten konnte.


Vor zwei Wochen

Tsukishima konnte nicht sagen, wann es ein Ritual geworden war, dass Kageyama und er zusammen nach Hause liefen. Irgendwo zwischen der Zeit, wo Hinata angefangen hatte Yachi in ihrem zweiten Jahr zu daten und auch Yamaguchi irgendwen gefunden hatte. Romanzen waren eine Tür, die Tsukishima für sich persönlich nie beachtet hatte, wobei er sich in den letzten Monaten mehr als einmal dabei erwischte, Gedanken und Träume über dem Jungen neben sich zu haben. Aber sie waren genau nur das, Gedanken und Träume, nichts Festes und solange er ihnen keine Aufmerksamkeit zollte, konnte er ihnen geschickt ausweichen.

Wie immer liefen sie die meiste Zeit über still nebeneinander her. Es war keine Stille, die unangenehm war und dennoch erhaschte er sich stets dabei, wie er sie brach, um die Aufmerksamkeit des Anderen komplett auf sich zu lenken. Er mochte es nicht im Mittelpunkt zu stehen, aber im Scheinwerferlicht für Kageyama zu sein, war wie ein perfekter Block.
Die Winterluft um sie herum, griff gierig nach jedem Stückchen freier Haut, um danach zu beißen, dennoch war sie angenehm trocken und störte nicht weiter. Insbesondere nach der stickigen Luft von Schweiß und einem Haufen Teenager in einem engem Raum.

Ihr Weg führte sie auf der langen Anhöhe entlang, neben der einer der Flüsse der Stadt leise vor sich hin plätscherte und die Lichter der Stadt sich verschwommen widerspiegelten. Nur wenige Passanten kamen ihnen entgegen, da der Abend recht weit fortgeschritten war und die meisten sich um diese Zeit in ihren warmen Häusern verkrochen, um zu Abend zu essen oder sich bei einer heißen Dusche die Kälte des Winters wegzuspülen. Tsukishimas Hände selbst waren tief in seinen Jackentaschen vergraben und seine Augen starr auf den Kiesweg vor sich gerichtet, als plötzlich Kageyama ein überraschten Laut von sich ließ.

Verwundert schaute er zu dem Anderen hinüber, nur um dann dessen Blick gen Himmel zu folgen. Tausend kleine Lichter flogen im Kontrast zum tiefen Schwarz über sie hinweg. Ein Sternenschauer. Ebenso gefesselt wie Kageyama schaute er dem Naturschauspiel einige Herzschläge zu, bevor seine Augen automatisch ihren Weg zu dem Jungen neben sich fanden. In dessen sonst so stoischen Gesicht spiegelte sich pures Wunder wieder und seine Augen glichen dem Sternenmeer über ihnen.

In Tsukishima breitete sich ein ungewohntes Gefühl aus und er wollte nach dem Anderen greifen. Seine Finger über die scharfen Konturen fahren lassen und die Augen dazu zu bringen, ihnen mit der gleichen Faszinationen wie die Sternschnuppen über sich zu bewundern. Doch da alle Empfindungen zu viel auf einmal waren, erstarrte er nur in sich selbst und rutschte in sein altes Verhalten des Ausweichens zurück.
„Wünsch dir was“, brachte er höhnisch heraus, um Kageyama wieder in sein übliches Ich zurück zu zwingen.
Tatsächlich wandte sich ihm der Andere zu, perplex über den Vorschlag von Tsukishima. Um sich zu verständigen, zeigte er nur auf zum Himmel.
„Wenn du dir jetzt etwas wünscht, wird es definitiv wahr“, log er, um den Moment weiter zu zerstören und in ihre gewohnte Routine zu schieben.

Kageyama sagte nichts, starrte ihn nur mit einem undefinierbaren Ausdruck an.
Ein Herzschlag verging.
Die Sterne spiegelten sich nicht nur in den Augen des Anderen wieder. Für einen Moment wurde er zu einer personifizierten Sternschnuppe.
Dann beugte sich Kageyama zu ihm hinüber, zitternd auf die Zehnspitze, da Tsukishima ihn auch nach drei Jahren noch locker von der Körpergröße überholte.
Seine Lippen nur wenige Zentimeter von Tsukishimas entfernt.

Und er machte einen Ausfallschritt nach hinten.

Die Sternschnuppe erloschen am Himmel und er konnte verfolgen, wie Kageyamas Wunsch verglühte.
„Wünschen ist was für Kinder“, presste er hervor, bevor er hastig an Tsukishima vorbei marschierte. Er folgte dem Anderem nicht, sondern schaute nur auf zum Himmel und wartete darauf, dass eine weitere Sternschnuppe kam, um sich ebenfalls etwas zu wünschen.

Doch der Nachthimmel blieb, wie er sonst immer war.


Im Jetzt

Er hatte keine Ahnung, wie lange sie sich ihren Weg im Dunklem vorwärts bahnten. Aber seine Empfindung dessen war sicherlich nicht solange, wie es später sicherlich gewesen war. Jedoch würde Tsukishima den Teufel tun und den selben Weg im Dunkeln zurückstapfen. Sobald die Sonne aufgehen würde, würden sie sich einen anderen Weg zur Berghütte suchen, komme was wolle.

Als endlich Licht am Ende des Tunnels erschien, atmete Tsukishima innerlich auf. Dann realisierte er, dass er noch immer Händchen mit Kageyama hielt und ließ rasch los. Er wollte nicht sehen, wie perfekt ihre Hände ineinander passten. Falls der abrupte Abbruch ihres Kontaktes Kageyama störte, sagte er nichts weiter dazu. Weswegen Tsukishima die Stille füllte.
„Endlich. Ich dachte schon, dass ich durch deine Dummheit blind geworden wäre.“
„Was? Das geht gar nicht, biologisch und so“, protestierte Kageyama in alter Manier und Tsukishima war erleichtert darüber.
„Oh? Als ob du das wüsste, mit deinen unterirdischen Schulnoten“, neckte er ihn weiter. Kageyama brummte nur etwas in seinem unsichtbaren Bart, bis er plötzlich viel zu selbstsicher und mit einem Unterton, der fast schon ans Flirten anhauchte, erwiderte: „Dann gib mir halt Privatunterricht.“
Kurz ruderte Tsukishima in unbekannten Gewässern, bevor er sich verzweifelt an den alten Plan festklammerte.
„Und zwei Mal durch die Hölle gehen, dich und den Zwerg zu unterrichten, niemals.“
Kageyama zuckte nur mit den Schultern, aber auch so konnte Tsukihima die Steifheit der Bewegung erahnen und fühlte sich sofort schuldig, was er rasch verdrängte.

Sie liefen in Schweigen weiter bis sie an der Quelle des Lichts ankamen. Vor ihnen lagen riesige Geröllhaufen, die einst die Decke des Tunnels gewesen waren und höchstwahrscheinlich nach einem Erdbeben und dem ewigen Verzicht auf Pflege des Tunnels eingestürzt war. Bei dem Gespräch über den Tunnel hatte Akashi erwähnt, dass er auch vorher schon nicht mehr genutzt worden war, da die Eisenbahnstrecke vor ewigen Jahren stillgelegt worden waren. Jetzt versperrte das Geröll das Weiterkommen im Tunnel komplett. Dafür bildete es jedoch fast schon eine unförmige Treppe nach draußen in die Freiheit. Yaku hatte erzählt, dass sie als sie zum ersten Mal als Mannschaft ein Wochenende in der Hütte verbracht hatten, alle gemeinsam Abends hierher gegangen waren, da die Aussicht von dort wohl umwerfend sein musste. Tsukishima konnte sich das nicht wirklich vorstellen und vermutete eher, dass Yaku übertrieb, aber dann war er auch noch nie wirklich für solche Sachen empfänglich gewesen.

Jedoch setzte es die Rädchen in Tsukishimas Kopf langsam in Gang, weshalb Kageyama hierher gekommen war. Warum er es jedoch alleine wollte und es ausgerechnet jetzt sein musste, blieb weiterhin ein Rätsel. Bevor er jedoch nachfragen konnte, war der Andere schon dabei seinen ersten Fuß auf das Geröll zu setzten. Sofort sprangen alle Alarmglocken in Tsukishima an.
„Das sieht alles sehr instabil aus“, ließ er seine Zweifel laut verlauten. Kageyama schaute nur unbeeindruckt über die Schulter zu ihm hinüber.
„Angst vor ein paar Steinen, Tsukishima?“, neckte er ihn ungewohnt selbstsicher. Tsukishima hatte keinerlei Ahnung, woher der Andere plötzlich all diesen Mut aufbrachte, aber es war an der Zeit der Hoheit zu zeigen, wer die eigentliche Oberhand zwischen ihnen hatte.
„Niemals“, erwiderte er also schlicht und begann ebenso den Anstieg.

Wie fast alles zwischen ihnen, endete es in einem halben Wettbewerb. Weswegen Tsukishima nicht einmal bei der Hälfte aufhörte darauf zu achten, ob er seine Füße beim Klettern auf sichere Steine setzte. Dennoch wollte er um alles in der Welt gewinnen. Er hatte keine Ahnung warum, nur das es absolut notwendig war. Die Oberhand gegen Kageyama zu haben, der ihm in den letzten Monaten immer einen Schritt voraus zu sein schien.

Er überholte den Anderen und konnte schon die kühle Winterluft auf seiner Haut spüren, als der Stein unter ihm nachgab. Ein Rumpeln, eine Sekunde der Schwerelosigkeit, sein Name aus einer Stimme, die er in Millionen und im Tod wiedererkennen würde, zwei Arme und dann der Fall gen Boden.

Es war unfair, dachte Tsukishima, wie Kageyama schon längst am Ende angekommen war und er immer wieder zurück auf Los rannte, da ihm stets der Mut fehlte, die letzten paar Meter zu überwinden.


Einige Minuten später

„Autsch, pass doch auf“, pflaumte ihn Kageyama an und zog seinen Kopf weg. Tsukishima ließ sich nicht davon beirren und presste seinen Schal dennoch gegen die Platzwunde, um den Blutfluss zu stoppen. Die Wunde selbst war nicht besonders gefährlich, dennoch sollte sie ordentlich gesäubert und desinfiziert werden, damit sie sich nicht entzündete. Da sie jedoch weit entfernt von Medikamenten waren, blieb Tsukishima nur sein eigener Schal übrig.

„Deine eigene Schuld, wenn du wie ein Vollidiot versuchst, mich aufzufangen“, erwiderte Tsukishima nur trocken. Im ersten Moment, als er bemerkt hatte, das sein Fall von etwas Weichem gestoppt worden war, war er mehr als verwirrt gewesen. Als er dann bemerkte das es Kageyama gewesen war, der vor Schmerzen unter ihm stöhnte, war ihm das Blut vor kalter Panik erfroren.
Zum Glück hatte der Andere abermals bewiesen, was für ein immensen Dickschädel und Glück er besaß und war nur mit einer leichten Wunde an der rechten Wange und einer Schürfwunde am Knie davongekommen. Trotzdem verfluchte Tsukishima sich für seine eigene Dummheit und solange er die Wunde sehen würde, würde sie ihn daran erinnern, wie leichtsinnig er gewesen war.

Ungeduldig schob Kageyama seinen Arm mit dem Schal weg. „Es reicht“, nörgelte er und tatsächlich beließ Tsukishima es dabei. Sie verharrten einige Wimpernschläge so, Kageyama sitzend und ihn anstarrend, Tsukishima mit dem Schal halb erhoben über den Anderen gebeugt, bevor sie beide den Kopf abwandten.
„Was für ein beschissener Abend und alles nur, weil du Entdecker spielen musstest“, durchbricht Tsukishima den unangenehmen Moment. Zu seiner eigenen Überraschung antwortet Kageyama ihn leise.
„Es soll heute Nacht einen Sternenschauer geben….und Yaku meinte, von hier aus könnte man ihn perfekt sehen.“

Tsukishima starrt ihn fassungslos an, aber Kageyama spielte nur mit einem Stein zwischen seinen Füßen. Die letzten Räder klicken ein und endlich versteht er. Fast schon theatralisch seufzt Tsukishima und fährt sich durch das Haar.
„Du bist echt der größte Idiot aller Zeiten, Kageyama.“
Verwundert schaut der Andere zu ihm auf und reißt die Augen in Überraschung noch ein wenig weiter auf, als er die ausgestreckte Hand wahrnimmt.

Tsukishima fühlt wie sein Bauch Purzelbäume schlägt, als er locker versucht zu sagen:
„Komm. Lass uns zusammen raufklettern und schauen, ob wir die Sternschnuppen sehen können.“


Einige Zeit später

Yaku hatte tatsächlich nicht zu viel versprochen, als er behauptete das die Aussicht grandios sei. Dadurch, dass sie sich halbwegs auf der Anhöhe eines Berges befanden, konnten sie weit über die Waldlandschaft blicken. Irgendwo in der Ferne spiegelte sich im Mondlicht der silberne Strang eines Flusses wieder.

Und über ihnen war der Nachthimmel klar und mit so vielen Sternen bestickt, das es unmöglich war, sie alle in einem Leben zu zählen.

Kageyama hatte tatsächlich an eine Decke gedacht unter die sie sich gemeinsamen kuschelten, da sie keine Ahnung hatten, wie lange es dauern würde, bis die Sternschnuppen fielen. Zudem hatte er eine Thermoskanne mit warmen Tee dabei. Tsukishima zog ihn auf, dass er an all diese Dinge gedacht hatte, aber nicht an ein paar Ersatzbatterien oder Pflaster. Kageyama hatte nur die Schnute verzogen und ihn angeblafft, er wäre nur mit einem leeren Handy losgerannt und damit der wahre Idiot zwischen ihnen. Darauf hatte Tsukishima nicht anders als lachen können.

Den Rest der Zeit verbrachten sie schweigend und Tsukishima begriff nach und nach, dass diese Routine ihnen ganz allein gehörte. Sie kommunizierten ohne viele Worte und hatten sich über die Jahre ihr ganz eigenes System erschaffen. Sie brauchten nicht laut wie Hinata zu werden oder direkt wie Yamaguchi. Dies hier und all die Kleinigkeiten zwischen ihnen, reichten meistens. Dennoch reichte es nicht komplett und Kageyama hatte das erkannt. Weswegen er den Mut gefasst hatte, Dinge weiter zu treiben und den Raum zwischen ihnen nach und nach zu verkleinern.

Sei es nur durch Rituale, wie das abendliche zusammen nach Hause gehen, oder die grauenhafte Versuche zu flirten oder sogar ihn unter einem Sternenschauer zu küssen.

Über ihnen explodierte der Nachthimmel in tausende Lichter, die sich ihren Weg kurzlebig über die Welt suchten.
„Und, was wünschst du dir?“, fragte Tsukishima sanft. Er musste nicht zu dem Anderen schauen, um zu wissen, dass dessen Ohren der Farbe von Tomaten glichen. Abwehrend erwiderte Kageyama: „W-Was wünschst du dir denn?!“
Tsukishima schaute zu ihm hinüber.
Abermals spiegelten sich die tausend kleinen Wünsche in den Augen des Anderen wieder. Er lächelte sanft und griff nach der Hand des Anderen.
„Das du dir erneut das Selbe wünschst.“

Innerhalb einer Sekunde wird Kageyama zu Tsukishimas persönlicher Sternschnuppe, jedoch ist er ihm dieses Mal einen Schritt voraus. Als er seine Lippen gegen die des Anderen drückt, seufzt Kageyama so erleichtert, als hätte er seit den gesamten Wochen den Atem angehalten.

Über ihnen erloschen die letzten Sternschnuppen und Tsukishima war froh, dass manche Wünsche niemals erloschen.
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