I write sins, not tragedies

GeschichteRomanze / P18
Draco Malfoy Hermine Granger
11.02.2019
15.11.2019
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Hey zusammen :)

Ich muss es heute etwas kurz machen, aber: Vielen, vielen Dank für eure Kommentare und die Infos über euch :) Toll, dass ich euch näher kennenlernen darf! Ich werde auf jeden einzelnen Kommentar antworten, das verspreche ich :)

Jetzt geht es weiter mit Kapitel 16 und zur Abwechslung mal Dracos Gedanken: Viel Spaß!

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KAPITEL 16

SAMSTAG.
„A penny for your thoughts.”


Seufzend ließ Draco seinen Kopf nach hinten auf die Sofalehne fallen.

Hermine war vor etwa einer Stunde gegangen. Danach war er erst einmal ziellos in seiner Wohnung herumgeirrt und hatte gedankenlos Dinge hin- und hergeräumt. Schließlich war er erschöpft auf seinem Sofa zusammengesunken. Dort saß er nun, seufzte hin und wieder und rieb sich die Augen.

Das konnte einfach nicht wahr sein.

Was war seit gestern Abend nur passiert? Als er Granger zum Abendessen begleitet hatte, hätte er niemals gedacht, dass das Ganze so enden würde. Er wusste nicht einmal wirklich, was genau er sich dabei gedacht hatte. Sie hatte so niedergeschlagen ausgesehen – so, wie es bei ihren letzten Treffen immer mal wieder durchgeschienen hatte. Da hatte er ihr helfen wollen. Er ahnte, dass Hermine Granger etwas verbarg. Etwas, das sie beschäftigte. Etwas, das sie traurig machte. Und etwas, das sie mit allen Mitteln vor ihm verbergen wollte.

Und ja, er war neugierig gewesen, als er mit ihr ausgegangen war. Hatte wissen wollen, was in ihrem intelligenten Kopf vorging. Doch ihre Stimmung hatte sich von einer Sekunde auf die nächste geändert. Sie war wie ausgewechselt gewesen, hatte eine freundliche Maske aufgesetzt.

Aber auch das war in Ordnung gewesen – wenn Draco jetzt darüber nachdachte. Er hatte sich gut amüsiert an diesem Abend. Hermine Granger war – auch wenn sein früheres Ich ihn dafür ausgelacht hätte – eine interessante Gesprächspartnerin. Sie war intelligent und wissbegierig. Wenn er ihr etwas erzählte, hörte sie tatsächlich zu, verarbeitete die Informationen und antwortete angemessen. Das war etwas, was nicht selbstverständlich war – das hatte Draco Malfoy in den letzten Jahren Dating schmerzhaft erfahren müssen. Das letzte Mal hatte er sich in seiner vergangenen Beziehung so gut mit einer Frau unterhalten – und das war immerhin vier Jahre her.

Während sie gesprochen hatten, hatte Granger ihn nie gelangweilt. Im Gegenteil, je mehr sie ihm von sich erzählt hatte, desto mehr wollte er von ihr erfahren. Es war, als würden sie sich in diesen Tagen neu kennenlernen – obwohl sie sich natürlich schon seit Jahren kannten.

Und dann war da diese Berührung gewesen.

Ein einfaches Händeschütteln. Aber danach war die Stimmung deutlich gekippt. Anfangs hatten sie bereits geflirtet, aber es war alles spielerisch und so harmlos gewesen, dass man es auch anders hätte deuten können. Doch diese Berührung. Die war etwas anderes gewesen – und ganz besonders ihre Reaktion darauf.

Sie hatte ihn geküsst. Einfach so. Draco konnte immer noch nicht verstehen, wie sie darauf gekommen war. Vor allem, weil sie doch in einer Beziehung war.

Wenn er daran dachte, dass Hermine Granger eigentlich vergeben war, drehte sich sein Magen ein wenig um. Es kam ihm immer logischer vor, dass Weasley etwas mit Grangers merkwürdiger Stimmung zu tun haben musste. Alles andere würde keinen Sinn ergeben, dachte Draco. Doch was war los? Was musste passieren, dass Hermine Granger – das Gute in Person – ihren langjährigen Freund betrog?

Und das auch noch mit ihm. Draco Malfoy. Ihrem ehemaligen Erzfeind.

Es ergab keinen Sinn – egal, wie oft Draco darüber nachdachte. Verwirrt raufte er seine Haare und starrte an die Wand gegenüber von ihm. Irgendwas musste passiert sein. Immerhin, Draco wunderte es nicht, dass Weasley die Beziehung anscheinend in den Sand setzte. Granger war diejenige, die ihn überraschte. Er hatte sie immer treu eingeschätzt – schließlich hatte sie all die Jahre lang blind zu Potter und Weasley gehalten. Was hatte sie verändert?

Erneut seufzte der blonde Magier und sah sich in seinem Wohnzimmer um. Dann griff er nach der Fernbedienung und schaltete seinen Fernseher ein. Ja, Draco Malfoy besaß einen Muggel-Fernseher. Neben dem Handy war es ein Gerät, das sich als äußerst nützlich herausgestellt hatte. Er benutzte ihn nicht oft, aber wenn dann war es in Situationen wie dieser. Er war zu aufgewühlt und sein Kopf voller Gedanken. Dann war es ihm meistens nicht möglich, ein Buch zu lesen oder sich anders abzulenken. Beim Fernsehen entstand diese paradoxe Mischung: Er tat aktiv etwas – immerhin starrte er auf den Bildschirm – und konnte trotzdem komplett in seinem Kopf verschwinden.

Gedankenverloren strichen seine Finger über sie Lippe und er musste unwillkürlich lächeln. Hermine Granger hatte ihn geküsst. Gestern und heute. Und das obwohl sie sich heute abgesprochen hatten, dass es keine Wiederholung geben würde. Sie hatte es trotzdem getan.

Das gefiel ihm. Wenn er sie küsste, dann fühlte er sich auf irgendeine verrückte Weise rebellisch. Denn eigentlich durfte er sie nicht küssen, sie gehörte einem anderen Mann. Und dann durfte er sie nicht küssen, weil sie nun mal Hermine Granger war. Draco Malfoy küsste Hermine Granger nicht. Und das machte das Ganze so interessant.

Sie war interessant.

Draco mochte das neugierige Funkeln in ihren Augen, wenn sie sich unterhielten. Auch wenn er ihre sture, besserwisserische Art früher verabscheut hatte fand er es jetzt, da auch Granger älter geworden war, irgendwie interessant. Er achtete ihren Karrieresprung und all das, was sie in den wenigen Jahren für das Ministerium geleistet hatte. Das tat er wirklich. Nichts schätzte Draco Malfoy so sehr, als Leute, die sich voll und ganz für etwas einsetzten.

Aber das waren alles Dinge, die er von Hermine Granger schon lange wusste – und so langsam akzeptierte. Doch sie hatte auch eine andere Seite: Sie ging aus, gab sich geheimnisvoll und flirtete in einer Art, die er Hermine Granger nie zugetraut hatte. Sie wusste sich richtig zu bewegen. Und sie küsste mit Leidenschaft und war keinesfalls zurückhaltend.

Wenn Draco Malfoy so darüber nachdachte, konnte er ein genaues Bild von der gelockten Hexe zeichnen. Es war ein Bild, aus dem er nicht schlau wurde. Trotzdem reizte es ihn. Oder vielleicht genau deswegen.

Und auch wenn er sich für diesen Gedanken am liebsten ohrfeigen würde: Es machte ihn ein wenig stolz, dass sie Weasley ausgerechnet mit ihm betrog. Ausgerechnet Weasley. Es fühlte sich an wie eine späte, sehr späte Rache.

Draco wusste, dass diese Gedanken eigentlich alles andere als zeitgemäß waren. Aber er konnte nichts dafür, er hatte Weasley immer am meisten verabscheut. Und so sehr er nach dem Krieg versucht hatte, allen eine zweite Chance zu geben – bei Wiesel hatte es nicht funktioniert. Nicht wegen seiner Familie oder dem fehlenden Geld – einfach, weil Ron Weasley ihm auch keine zweite Chance gegeben hatte. Er hatte ihn behandelt wie zuvor und würde ihn auch heute noch einen Todesser nennen, wenn sie sich einmal unter die Augen treten würden.

Er steckte immer noch in der Vergangenheit. Anders, als zum Beispiel Potter. Oder eben Granger. Pardon, Hermine. Sie hatte ja darauf bestanden, das sturköpfige Ding.

Gedankenverloren strich er durch seine Haare und betrachtete den Fernseher.

Wenn er doch nur verstehen würde, was in ihrem Kopf vorging. Es machte ihn verrückt, dass sie so ein Rätsel war. Erst arbeiteten sie ganz kollegial nebeneinander her, dann traf er sie zufällig in der Winkelgasse und sie unterhielten sich recht ungezwungen. Abends traf er sie dann noch einmal – zwei Mal an einem Tag, bei Merlin – in einer Bar. Sie hatte getrunken und geraucht – und sich sehr eindeutig mit ihm unterhalten. Er hatte sie nicht wiedererkannt. War da schon seine Neugierde geweckt worden? Zumindest hatte er an diesem Abend schon bemerkt, dass Hermine Granger sich verändert hatte. Und zwar bedeutend.

Schließlich küsste sie ihn, kam wieder her, um ihm deutlich zu machen, dass das alles ein Fehler war. Und küsste ihn nochmal.

Verstand Hermine Granger überhaupt selbst, was sie da tat? Und warum zum Teufel hatte sie sich ausgerechnet ihn ausgesucht? Bei all den Männern in der Welt, fiel ihre Wahl ausgerechnet auf ihn. Wie sollte er das nur verstehen?

Kopfschüttelnd sah er zu seinem Wohnzimmertisch und griff nach seinem Handy, das still darauf gelegen hatte. Gedankenverloren drehte er es in seiner Hand.

Es war doch zum Mäusemelken. Er saß hier auf dem Sofa und zerbrach sich den Kopf – ohne auch nur einen Schritt weiterzukommen. Es gab nur eine, die die Antworten auf seine Fragen kannte. Doch sie würde nicht sprechen, da war Draco sich sicher.

Stöhnend entsperrte er sein Mobiltelefon und tippte eine kurze, aber hoffentlich deutliche Nachricht an die junge Hexe, die vorhin etwas beschämt, aber mit einem kleinen Lächeln seine Wohnung verlassen hatte.

Eine Galleone für deine Gedanken, Granger.

Zufrieden warf er sein Handy zurück auf das Sofa und versuchte sich nun, auf den Fernseher zu konzentrieren. In wenigen Stunden würde er seine Eltern besuchen – wie er es versprochen hatte. Bis dahin wollte er wenigstens ein bisschen Ruhe in sein Gehirn bekommen.

Er würde einfach abwarten und das Ganze auf sich zukommen lassen. Auch, wenn ihm nicht wirklich wohl dabei war, dass auch Weasley in dieses Spiel involviert war. Auch, wenn er wusste, dass es wirklich übel enden konnte. Auch, wenn er wusste, dass er diese Sorgen eigentlich nicht gebrauchen konnte.

Denn er musste zugeben, dass er eine Frau in seinem Leben sehr wohl gebrauchen könnte. Nicht in der Richtung einer Beziehung. Aber einfach eine Frau, die ihn von seiner Arbeit ablenkte. Eine Frau, die ihm andere Welten aufzeigte und ihn von seinem Alltag ablenkte.

Und wenn das jemand konnte, dann war es Granger.

_____

Ein etwas wirrer, aber hoffentlich aufschlussreicher Blick in Dracos Kopf! Was sagt ihr dazu? Einerseits ist es also eine Rache an Ron, andererseits interessiert er sich wirklich für Hermine und nochmal andererseits ist er einfach nur egostisch und genießt die Anwesenheit einer Frau. Ich freue mich sehr über eure Analysen!

Liebe Grüße
Koko :)
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